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Full text of "Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln : Kleiner Katalog der Sammlung alter Musikinstumente, verfast von Georg Kinsky"

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GEORG KINSKY 



KATALOG 

DES MUSIKHISTORISCHEN MUSEUMS 
VON WILHELM HEYER IN KOLN 



Erster Band 



special ^Book (Hollectton 

Irattfria Itttuermig Htbrarg 




'The search for truth even unto its innermost parts' 
,3m (JJHentorg of 

Atlanta, Georgia 



The National Women's Committee 
of Brandeis University 



K ATA LOG 

des 

MUSIKHISTORISCHEN MUSEUMS 

von 

WILHELM HEYER IN COLN 



ERSTER BAND 



MUSIKHISTORISCHES MUSEUM 

VON 

WILHELM HEYER 

IN COLN 



KATALOG 

von 

GEORG KINSKY 

Konservator des Museums. 



ERSTER BAND 

Besaitete Tasteninstrumente Orgeln und orgelartige Instrumente 

Friktionsinstrumente. 



--«*j$sk>-- 



Coln 1910. 

Herausgegeben vom Besitzer des Museums, Wilhelm Heyer. 

Kommissions-Verlag von Breitkopf & Hartel in Leipzig. 

Druck voii J. P. Bachem in Coin. 






Music 
Reference 



Von diesem Buclie wurden fiinfzig 
nurherierte Exemplare auf eigens hier- 
ftir angefertigtem handgeschopften Papier 
abgezogen. 



Alle Rechte vorbehalten. 

Nachdruck einzelner Teile des Textes und Vervielfaltigung der Abbildungen 

ist nur mit Genehmigung des Herausgebers gestattet. 



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GELEITWORT 

as von mir gegriindete Musikhistorische Museum verfolgt den 
Zweck, den Werdegang der Instrumentalmusik in der Zusammen- 
stellung ihrer Ausdrucksmittel zu veranschaulichen. Es will die 
langst verstummten Zeugen entschwundener Kunst- und Kultur- 
epochen aufbewahren, um einen lebendigen Einblick in das musikalische 
Schaffen und Treiben vergangener Zeiten zu gewahren und gleichzeitig die 
enge Verwandtschaft darzulegen, die zwischen der Entwicklungsgeschichte 
der musikalischen Instrumente und der allgemeinen Geschichte der Musik 
besteht. 

Den Grundstock des Museums bildet meine eigene, im Laufe derjahre 
zusammengebrachte Sammlung. Das Interesse an der Sache und die Lust 
zum Sammeln wuchs mit jedem neuen Stiicke, so daB ich die sich bietende 
Gelegenheit, die hervorragende zweite Sammlung Paul de Wits in Leipzig 
zu erwerben, gern benutzte; de Wits erste Sammlung bildet bekanntlich den 
Hauptbestandteil der „K6nigIichen Sammlung alter Musikinstrumente" in der 
Hochschule fur Musik zu Berlin. Noch zwei weitere groBere Kollektionen 
konnte ich meinem Museum angliedern: die Bestande einer der wertvollsten 
italienischen Privatsammlungen, des „Musee Kraus" in Florenz, und die von 
Rudolf Jbach, dem Begriinder der Firma Rudolf Jbach Sohn in Barmen, mit 
groBer Sachkenntnis zusammengebrachte „Jbach-Sammlung". 

Mein Bemuhen war aber nicht nur auf ein bloBes Sammeln und Anhaufen 
gerichtet, sondern es kam mir hauptsachlich auch auf die Moglichkeit eines 
praktischen Gebrauchs der Instrumente an, da sich ja ein anschauliches Bild 



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^^P^'fl Music 
*" *■ ^ Reference 



ihrer klanglichen Eigenart nur gewinnen laBt, wenn sie sich in spielbarem 
Zustande befinden. In einer mit deni Museum verbundenen eigenen Werk- 
statt wird daher auBer an der Instandhaltung der unversehrten Stucke 
auch an der Wiederherstellung solcher Instrumente unablassig gearbeitet, die 
durch Alter oder unverstandige Behandlung schadhaft oder unbrauchbar 
geworden sind. 

Ferner glaubte ich bei der Griindung des Museums auBer den Instru- 
menten noch andere Gebiete beriicksichtigen zu mussen, die dem Musikforscher 
und dem ernsthaften Musikfreund schatzbares Material fur ihre Studien zu 
bieten vermogen. So widmete ich meine Sammeltatigkeit auch der Anlage 
einer Autographensammlung, die eigenhandige Schriftstiicke Musikmanu- 
skripte, Briefe und andere Dokumente — aller groBen Meister und auch minder 
bedeutender Kunstler umfassen sollte. Diese Abteilung erfuhr durch den 
Ankauf der umfangreichen Kollektion Carlo Lozzis zu Rom im vorigen 
Jahre eine wichtige Bereicherung. Weiteres Anschauungs- und Studienmaterial 
gewahrt die Portratsamnilung des Museums, die Kiinstlerbildnisse in Holz- 
schnitt, Stich, Lithographie und Photographie, Nachbildungen von musikge- 
schichtlich interessanten Gemalden und anderen Werken der bildenden Kunst 
und Aehnliches enthalt. 

Auch eine Bibliothek beherbigt das Museum: sie umfaBt auBer zahl- 
reichen praktischen und theoretischen Werken des 16.— 18. Jahrhunderts 
hauptsachlich das Gebiet der Instrumentenkunde und der musikalischen 
Biblio- und Biographic Ihren wertvollsten Besitz bildet eine groBere 
Sammlung italienischer Originaldrucke aus dem Cinquecento, der Blutezeit 
der weltlichen Vokalmusik. 

Ein getreues Bild der Bestande aller dieser Abteilungen werden die im 
Laufe der nachsten Jahre erscheinenden nach wissenschaftlichem Prinzip be- 
arbeiteten Kataloge bieten, deren Reihe durch den vorliegenden ersten Band, 
der die Beschreibung der Tasteninstrumente enthalt, eroffnet wird. 

Die Erfahrung, daB auch die schonste Sammlung nur ungeniigend zur 

Geltung kommt, sobald sie in ungeeigneten Raumen untergebracht ist, ver- 

ilaBte mich, ein eigens fiir diesen Zweck gebautes dreistockiges Museums- 



gebaude zu errichten, dessen grofiter Saal im ErdgeschoB auch Raum fur 
kleinere musikalische Veranstaltungen gewahrt. Mein Wunsch ist, durch 
erlauternde Vortrage und stilgerecht ausgefiihrte historische Konzerte mit 
Benutzung alter Instrumente nach Kraften zur Wiederbelebung der Musik ver- 
gangener Zeiten beizutragen, um die Erkenntnis der Schonheit und des 
bleibenden Wertes so vieler unverdient in Vergessenheit geratenen Werke der 
Vergangenheit und der reizvollen Eigenart der Instrumente, fur die sie ge- 
schrieben sind, in den Kreisen ernsthafter Musikfreunde zu erwecken und 
zu pflegen. 

COLN, im Dezember 1910. 



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VORWORT 




er vorliegende erste Band des Kataloges des Musikhistorischen 
Museums von Wilhelm Heyer in Coin uinfaBt die Gruppen 
der Tasteninstrumente (besaitete Tasteninstrumente: Clavi- 
chords, Spinette und Virginals, Kielfliigel, Hammerklaviere und 
Hammerfliigel, Claviorgana, Klavierharfen; Orgeln und orgelartige In- 
strumente: Positive und Portative, Regale, Physharmonikas, Harmoniums) 
und Friktionsinstrumente (Radleiern, Streichklaviere, Glasharmonikas, 
Friktionsinstrumente nach Chladnis Prinzip etc.), wahrend ein zweiter Band, der 
sich bereits im Druck befindet und voraussichtlich in einem halben Jahre er- 
scheinen wird, die Beschreibung der iibrigen Gruppen der reichhaltigen 
Instrumentensammlung des Museums der Zupf-, Streich-, Bias-, Schlag-, 

mechanischen und exotischen Instrumente enthalten soil. Diese kurze 

Inhaltsangabe laBt erkennen, daB bei der Abfassung des Katalogs -- und zwar 
lediglich aus praktischen Griinden - die allgemein gebrauchliche Einteilung 
des gesamten Gebietes der Instrumente in funf oder sechs Hauptgruppen bei- 
behalten und auf die von Victor Ch. Mahillon aufgestellte, zwar wissen- 
schaftlich genauere, aber weniger ubersichtliche Klassifikation 1 ) nach Art der 
Tonerzeugung verzichtet worden ist; doch soil dem zweiten Band auch ein 
Ueberblick iiber die Bestande des Museums nach dem System Mahillons bei- 
gefiigt werden. 

Den Beschreibungen der Instrumente ist ein iiberall genau innegehaltenes 
Schema zu Grunde gelegt, wobei sich freilich bei der Fulle des vorhandenen 
Materials eine zuweilen etwas pedantisch erscheinende Gleichformigkeit 



] ) „Essai de classification methodique de tous les instruments anciens et modernes" 
(Seite 1-89 im ersten Bande des Katalogs des Briisseler Museums). 



gut vermeiden lieB. Von einem allzu ausfiihrlichen, nur den Fach- 
mann interessierenden Eingehen auf instrumentenbautechnische Einzelheiten 
wurde — entsprechend derTendenz des Museums — zu Gunsten einer groBeren 
Berticksichtigung des musikgeschichtlichen und auch des kunstgewerblichen 
Moments Abstand genommen. Die einzelnen Instrumente sind innerhalb 
ihrer Gruppen in chronologischer Reihenfolge angeordnet; eine Aufstellung 
im Museum nach demselben Gesichispunkte erwies sich aus raumlichen 
und asthetischen Griinden leider als undurchfuhrbar. 

Eine Neuerung bietet der Katalog in den nach Moglichkeit ausfiihrlich 
gehaltenen biographischen Angaben iiber die in der Sammlung vertretenen 
Instrumentenbauer und in den Nachbildungen ihrer Inschriften. Das reiche 
Illustrationsmaterial wurde nach photographischen im Museum vorgenommenen 
Aufnahmen hergestellt. Die den einzelnen Abteilungen vorangestellten 

kurzen Einleitungen erheben keinerlei Anspruch auf selbstandigen wissen- 
schaftlichen Wert sondern suchen nur den Zweck zu erfiillen, den nicht 
historisch geschulten Besucher des Museums mit der Eigenart und geschicht- 
lichen Entwicklung der betreffenden Instrumentenart in groBen Ziigen ver- 
traut zu machen. 

Ueber die hauptsachlich benutzten Spezialwerke der Fachliteratur geben 
die Angaben auf Seite 18, 286 und 372 AufschluB; nur vereinzelt berucksichtigte 
Schriften sind besonders erwahnt. Von allgemeinen Quellenwerken alterer 
und neuerer Zeit wurden folgende „Standardworks" zu Rate gezogen: 

Virdung, Sebastian, „Musica getutscht und aussgezogen . . .", Basel 
1511. (Autographirter Umdruck, hrsg. von Robert Eitner; Berlin 1882.) 

Agricola, Martin, „Musica instrumentalis deudsch". Erste und vierte 
Ausgabe. Wittemberg 1528 und 1545. (Neue, z. T. facsimil. Ausgabe, hrsg. 
von Robert Eitner; Leipzig 1896.) 

Luscinius, Ottomarus [Othmar Nachtgall], „Musurgia seu praxis Musi- 
cae. .", StraBburg 1536. (Lateinische Ausgabe von Virdungs „Musica getutscht".) 

Praetorius, Michael, „Syntagmatis musici . . . tomus secundus. De 
Organographia . .« Wolffenbuttel 1619. „Theatrum Instrumentorum seu 



Sciagraphia . . ." Wolffenbiittel, 1620. (Die „Bibel" in der Bibliothek jeder 
Instrumentensammlung!) 

Mersenne, Marin, „Harmonie universale, contenant la theorie et la 
pratique de la musique . .", Paris 1636. 

Mattheson, J[ohann], „Das Neu-EroffneteOrchestre. . .", Hamburg 1713. 

[Eisel, Johann Philipp], „Musicus aviodidaxiog oder der sich selbst 
informirende Musicus . . .", Erfurt 1738. 

Majer, Joseph Friedr. Bernhard Caspar, „Neu-Eroffneter theoretisch- 
und praktischer Music-Saal . . .", Zweyte . . . Auflage. Niirnberg 1741. 

Schneider, Wilhelm, „Historisch-technische Beschreibung der musica- 
lischen Instrumente . . .", Neifie 1834. 

Do miner, Arrey v., „Musikalisches Lexicon auf Grundlage des Lexicon's 

von H. Ch. Koch." Heidelberg, 1865; ferner die fiinfzig Jahrgange der 
„Allgemeinen Musikalischen Zeitung" (Leipzig 1798 — 1848) und die dreiBig 
bisher vorliegenden Bande der von Paul de Wit herausgegebenen „Zeit- 
schrift fur Instrumentenbau" (Leipzig 1880—1910). 

Fiir biographische Angaben wurden auBerdem die Lexika von Johann 
Gottfried Walther (Leipzig 1732), Ernst Ludwig Gerber (2 Theile, Leipzig 
1790—92; „Neues Lexikon" in 4 Theilen, Leipzig 1812—14), Gustav Schilling 
(2. Ausgabe, 6 Bande, Stuttgart 1840), Hermann Mendel und August Reiss- 
mann (11 Bande, Berlin 1870—79), F.-J. Fetis (2* edition, 10 vols., Paris 
1881-83), George Grove (2 d edit., 5 vols., London 1904 10), Hugo Riemann 
(7. Auflage, Leipzig 1909) und einige andere Spezialwerke benutzt. 

Ein in seiner Gesamtheit annahernd vollstandiges Verzeichnis der (mit 
Ausnahme einiger Ausstellungsreferate) in der Museumsbibliothek befindlichen 
Kataloge offentlicher und privater Sammlungen alter Musikinstrumente ist als 
Anhang am Schlusse des vorliegenden Bandes (S. 431 f.) zusammengestellt; 
es war dem Verfasser ermoglicht, die Sammlungen zu Berlin, Briissel, Paris, 
London und Florenz aus eigener Anschauung kennen zu Iernen. Das 

wertvollste Material zur Geschichte und Bauart der Instrumente enthalt von 
den Katalogen bekanntlich der von Victor Ch. Mahillon herausgegebene 



Catalogue descriptif et analytique du Musee Instrumental du Conservatoire 
Royal de Musique de Bruxelles" (3 vols., Gand 1893 — 1909), dessen vierter 
Band im Erscheinen begriffen ist. 

Fur die stete Bereitwilligkeit, mit der Herr Professor Dr. Albert 
Kopfermann dem Museum Literatur aus den Bestanden der Musiksammlung 
der Berliner Kgl. Bibliothek zur Verfiigung stellte, sei ihm auch an dieser 
Stelle verbindlichst gedankt. Ebenso ist der Verfasser Herrn J. G. Bach 
in Troisdorf fur seine Unterstiitzung bei der Katalogisierung der Abteilung 
„Orgeln" zu besonderem Danke verpflichtet, ferner fur freundliche Beantwor- 
tung von Anfragen und Erteilung von Auskiinften — urn nur einige Namen 
zu nennen Herrn Paul de Wit in Leipzig, Herrn Kommerzienrat C. A. 
Pfeiffer in Stuttgart, Herrn Oberstleutnant d. R. Alexander Haidecki in 
Wien, Herrn Baron Alessandro Kraus in Florenz und einer Anzahl anderer 
Herren, deren an den betreffenden Stellen des Katalogs Erwahnung ge- 
tan ist. 

COLN, im Dezember 1910. 

Georg Kin sky. 



13 



INHALTSUBERSICHT 

Besaitete Tasteninstrumente 

Benutzte Spezial-Literatur 18 

Einleitung 19 

Clavichords. 

Einleitung 21 

Gebundene Clavichords (No. 1 — 22) . . 27 

Bundfreie Clavichords (No. 23-32) 45 

Bekielte Tasteninstrumente. 

Einleitung 51 

Spinette und Virginals (No. 33-65) 59 

Clavicytherium (No. 66) 81 

Kielflugel (Cembali, Clavecins, Clavicymbel) (No. 67-94) .... 88 

Cembalo-Rekonstruktionen (No. 95 u. 96) 110 

Hammerklaviere. 

Einleitung 115 

Hammerklaviere oder Pianofortes (Fortepianos) (No. 97—166) . . 121 

Orphikas (No. 167 — 169) 168 

Hammeriliigel (No. 170-210) 170 

Tangentenflugel (No. 211— 213) 197 

Modelle von Mechaniken (No. 215-227) 199 

Claviorgana (No. 228-232) 200 

Klavierharfen (No. 233—236) 205 

Pedalier (No. 237) 209 

Janko-Klaviaturen (No. 238—240) 210 

Verzeichnis der Klavierbauer und Nachbildungen der Inschriften . 211 



Orgeln und orgelartige Instrumente 

Benutzte Spezial-Literatur 286 

Einleitung 287 

Positive, Portative, Haus- und Kirchenorgeln (No. 241-261) 294 

Orgel-Spieltische und -Klaviaturen (No. 262—265) 319 

Orgel-Prospektpfeifen (No. 266-297) 325 

Verschiedenes zur Abteilung „Orgeln" (No. 298-309) 328 

Orgelartige Tasteninstrumente mit Zungenstimmen : 

Regale (No. 310-312) 331 

Aeolinen, Physharmonikas und andere Vorlaufer des 
Harmonium, Harmoniums. 

Einleitung 335 

No. 313-331 340 

Melophone (No. 332) 352 

Ziehharmonikas (No. 333-335) 353 

Verzeichnis der Orgelbauer und Nachbildungen der Inschriften . 355 

Friktionsinstrumente 

Benutzte Spezial-Literatur 372 

Einleitung 373 

Radleiern (Vielles). 

Einleitung 374 

No. 336-346 376 

Bogen- oder Streichklaviere. 

Einleitung 382 

No. 347-350 334 

Glas-Harmonikas. 

Einleitung 337 

No. 351-355 393 



Friktionsinstrumente nacli Ch ladni'schem Prinzip. 

Einleitung 395 

No. 356-360 398 

Nagelgeigen (No. 361-366) 408 

Verzeichnis der Instrumentenbauer und Nachbildungen der In- 

schriften 412 

Nachtrage 

Neue Erwerbungen (No. 367-371) 420 

Verschiedene Klaviere (No. 372-374) 426 

Erganzungen und Berichtigungen 427 

Anhang: Verzeichnis der Kataloge von Sammlungen alter 

Musikinstrumente 431 

Register 

Register der Abbildungen 445 

Sachregister 452 

Namenregister 456 

Ortsregister 469 

Register der zitierten Instrumenten-Sammlungen 473 

Register der den ehemaligen Sammlungen de Wit und Kraus an- 

gehorenden Instrumente 477 



-CXtJsIO-- 



BESAITETE 



TASTENINSTRUMENTE. 



BENUTZTE SPEZIAL-LITERATUR. 

Clavichord und Kielinstrumente: 

Ad lung, Jacob. MUSICA MECHANICA ORQANOEDI ...zum Drucke befordert 

von Johann Lorenz Albrecht. 

2 Bande. Berlin 1768 (2. Bd., Kap. XXII, XXVI, XXVII). 
Hipkins, A. J. A description and history of the Pianoforte and the older keyboard 

stringed instruments. London & New-York, 1896. 

Verschiedene Spezial-Artikel in Grove's "Dictionary of music and musi- 
cians", vol. I— IV, London 1904—08. 

Krebs, Carl. Die besaiteten Klavierinstrumente bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts. 
Sep.-Abdr. aus der„Vierteljahrsschrift furMusik-Wissenschaft". (Leipzig) 1892. 

Nef, Karl. Clavicymbel und Clavichord. Im „Jahrbuch der Musikbibliothek Peters 
fur 1903", Leipzig 1904. 



Hammerklavier : 

Andre, C. A. Der Klavierbau und seine Qeschichte. Offenbach a. M., 1855. 

Bltithner, Jul. u. Heinr. Qretschel, Lehrbuch des Pianofortebaues in seiner 
Qeschichte, Theorie und Technik. 2. Auflage. Leipzig 1886. (3. Auflage: 
Leipzig 1909.) 

Fischhof, Joseph. Versuch einer Geschichte des Clavierbaues. Wien, 1853. 

Hipkins, A.J. Siehe oben! 

Paul, Oscar. Qeschichte des Claviers. Leipzig, 1868. 

Thon, Chr. F. Q. Abhandlung iiber Klavier-Saiten-Instrumente. 2. Auflage. Weimar, 
1836. (1. Ausgabe: Sondershausen, 1817.) 

Welcker v. Gontershausen, Heinrich. Der Fliigel oder die Beschaffenheit des 
Piano's in alien Formen. Neue Ausgabe, Frankfurt a. M. 1856. 
Der Klavierbau und seine Theorie, Technik und Geschichte. 4. Auflage, 
Frankfurt a. M. 1870. 



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ahrend sich die Ahnen aller anderen Instrumentengattungen bis 
in das graue Altertum zuriickverfolgen lassen, kann sich die 
Familie der besaiteten Tasteninstrumente nicht eines so 
ehrwiirdigen Alters riihmen. IhreUrformen allerdings, Monochord 
und Hackebrett, waren bereits bei den alten Aegyptern und Griechen und das 
ganze Mittelalter hindurch im Gebrauch, aber der Gedanke, diese primitiven In- 
strumente durch Anbringung einer mit den Saiten in Verbindung gebrachten 
Tastatur aus hebelartigen Holzplattchen zu vervollkommnen, ist zweifellos 
der Orgel entlehnt, und die altesten mit einer den spateren Klavierinstrumenten 
entsprechenden Klaviatur ausgestatteten Orgeln gehoren etwa dem 12. und 
13. Jahrhundert unserer Zeitrechnung an. Wer der eigentliche Erfinder des 
Klaviers ist und in welche Zeit diese so iiberaus wichtige Erfindung -- das 
Anbringen einer Klaviatur an Monochord und Hackebrett — fallt, hat die 
Forschung bisher vergebens aufzuhellen versucht; bereits die altesten uns 
erhaltenen Quellenschriften z. B. die 1511 erschienene „Musica getutscht 
[d. h. »verdeutscht' ] vnd auBgezogen" von Sebastian Virdung-- vermogen 
hieriiber keinerlei Auskunft zu geben. Die immer wiederglaubighingenommene 
Legende von der Erfindung des Klaviers durch den gelehrten Benediktiner- 
monch Guido von Arezzo hat der Wissenschaft langst nicht mehr 
standhalten konnen. 

Spatestens in der ersten Halfte des 15. Jahrhunderts scheint die Ent- 
wicklung der beiden Haupttypen alter Tasteninstrumente, des Clavichords 
und des Clavicymbels (Cembalo oder Kielflugel), zu einem AbschluB ge- 
langt zu sein: jedenfalls beginnen vom Ende des 14. Jahrhunderts an die 
beiden Namen in Urkunden haufiger aufzutauchen. Man hat mit vieler Wahr- 
scheinlichkeit — ebenso wie bei den Streichinstrumenten - auf England als 
Ursprungsland hingewiesen; ein zuerst in einem 1387 geschriebenen Briefe 
Konigjohanns von Arragonien erwahntes „Exaquir" („Eschaqueil d'Angleterre", 
„englisches Schachbrett") ist das erste dem Namen nach bekannte besaitete 
Tasteninstrument. Leider sind wir iiber seine innere Einrichtung - ebenso 
wie iiber die Konstruktion eines anderen friihen Klavierinstruments, des 



,,Dulce Melos" nur auf Vermutungen angewiesen. Wahrscheinlich sind 

beide Instrumente Vorlaufer der spateren Typen ; die altesten uns erhaltenen 
Clavichords und Spinette gehoren der Wende des 15. Jahrhunderts (1490 bis 
1520) an. Clavichord und Clavicymbel sowie dessen Abarten Spinett und 
Virginal erhielten sich nebeneinander bis in die ersten Jahre des 19. Jahr- 
hunderts; erst dann wurden sie durch den Siegeslauf des Hammerklaviers 
fiir immer verdrangt. 

Fine sich bei sehr vielen Tasteninstrumenten des 16. und 17. Jahrhunderts und 
zuweilen noch der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts findende Besonderheit ist die 
der Orgel entlehnte Einrichtung der tiefsten Oktave als sogenannte ,,kurze Oktave". 
Da die Mustkpraxis jener Zeit die sich auf Cis, Dis, Fis und Gis aufbauenden Ton- 
arten nicht verwandte, lieB man bei der Anlage der Klaviatur diese Obertasten in 
der BaB-Oktave fort und riickte, um Platz zu sparen, die ubrigen Tasten entsprechend 
zusammen, so daB die Taste C scheinbar der Taste E, D scheinbar Fis und E schein- 
bar Qis entspricht; zuweilen setzte man auch C und D an Stelle von Fis und Gis. 
Das Klaviaturbild der „kurzen Oktave" stellt sich also meist folgendermaBen: 



seltener 



c 




D 


E 


B 






cis 




I 




G 


A 


h 


1 


c 






d 



E 




C 


D 


B 






cis 




I 




G 


A 


r 


1 


c 






d 



dar, so daB der Umfang derartiger Instrumente scheinbar nur drei Oktaven und Sexte 
(E - c 3 ), tatsachlich aber vier Oktaven (C - c 3 ) betragt. Sparer — gegen Ende des 
17. Jahrhunderts - fiigte man dieser Skala zuweilen noch Fis und Gis hinzu, indem 
die beiden tiefsten Obertasten D und E geteilt (,.gebrochen") wurden und man nun 
durch die oberen Tastenhalften Fis und Gis, durch die unteren Halften D und E an- 
schlagen konnte (vgl. Clavichords No. 8-10 des Katalogs). 




CLAVICHORDS. 

Das Clavichord (Hal.: clavicordo, sordina, manicordo, auch: mono- 
cordo; frz. : clavicorde; engl.: clavichord), dessen Bezeichnung sich aus den 
aus dem Griechischen in das Lateinische iibergegangenen Worten „clavis" 
(die Taste, eigenllich : Schlussel) und „corda" (die Saite) zusammensetzt, stellt 
die einfachste Form und wohl die alteste Gattung der besaiteten Tasten- 
instrumente dar; es wurde in Deutschland in spaterer Zeit gewohnlich kurz- 
weg „Clavier" genannt. Wie bereits erwahnt, ist seine Entstehung mit 
Sicherheit auf das Monochord zuriickzufuhren. Das Monochord („Einsaiter") 
war ein schon im Altertum bekanntes und im Mittelalter zur mathematischen 
Messung und Bestimmung der Intervalle viel gebrauchtes Instrument; es 
bestand aus einem einfachen Resonanzkasten, iiber den eine einzelne Saite 
gespannt war, die sich mittels eines beweglichen Steges nach Belieben 
abgrenzen lieB und auf diese Weise jedes gewiinschte Intervall angeben 
konnte. Durch Hinzufiigung mehrerer Saiten sowie einer der Orgel ent- 
sprechenden Tastatur entwickelte sich im Laufe der Zeit das Clavichord, 
das gegen Mitte des 15. Jahrhunderts seine feststehende Form gefunden haben 
diirfte. - Es war ein „Portativ-" (tragbares) Instrument; d. h. es besafi kein 
Untergestell, auf dem es ruhte, sondern wurde zum Gebrauch auf den Tisch 
oder ein anderes Mobelstiick gestellt. 

Das Gehause hatte meist rechteckige, zuweilen auch in Anlehnung 
an die Bauart des Spinetts fiinf- oder sechseckig abgestumpfte, trapez- 
ahnliche Form. 

Die Mechanik des Clavichords ist ungemein einfach: beim Niederdrucken 
der Taste wird ein in das Riickende des Tastenhebels eingelassenes Messing- 
plattchen, „Tangente" genannt, an die Messingdraht- Saite gedriickt und diese 
dadurch abgeteilt und gleichzeitig in Schwingungen verselzt, d. h. zum Er- 
tonen gebracht, wahrend der obere, zwischen Tangentenanschlagsstelle und 
Anhangestiftchen liegende Teil der Saite zur Verhinderung des Mitklingens 
durch dazwischen geflochtene Tuchstreifen abgedampft wird. Da ursprunglich 
alle Saiten von gleicher Stimmung und meist auch von gleicher oder doch 
fast gleicher Lange waren und die Mensur jeder Saite nur durch die Be- 
ruhrungsstelle der Tangenten festgelegt wurde, gab man bis zum Anfang des 
18. Jahrhunderts nicht jeder Taste eine besondere Saite-- oder vielmehr eine 
Doppelsaite, denn Clavichords wurden ihres schwachen Tones wegen stets 



Clavichords 



zweichorig bezogen, sondern lieB die Tangenten von zwei, drei und 

mehr nebeneinander liegenden Tasten dieselbe Saite an verschiedenen Stellen 
beruhren, so daB also die auf diese Weise mehrfach verkurzte Saite verschie- 
dene Tone hervorbringen konnte oder, wie es in Praetorius' „Syntagma" 
heiBt '): „... mit den ... Clavibus wirds gehalten, ... daB allezeit zween, 
drei, bisweilen auch wol vier Claves, (welche propter dissonantiam zugleich 
auf einmal nicht angeruhrt werden miissen) zu einem Chorsaiten gebraucht 
werden." Derartige Instrumente nannte man entsprechend den die Griff- 
stelle angebenden „Bunden" der Laute und Gambe -- „gebundene Clavichords" 
(„gebunden": frz.: accouple, engl.: fretted). Es waren dies, da sie ja stets 
weit weniger Saiten als Tasten hatten, selbstverstandlich ziemlich unvoll- 
kommene Instrumente; denn abgesehen davon, daB sie niemals in reine 
Stimmung gebracht werden konnten, machten sie ein gleichzeitiges Anschlagen 
von Sekund-, zuweilen sogar von Terzintervallen unmoglich. 

Erst verhaltnismaBig spat- im Anfang des 18. Jahrhunderts - begann 
man den eigentlich so leicht zu beseitigenden Obelstanden der „gebundenen" 
Instrumente durch Konstruktion der sogenannten „bundfreien Clavichords" 
abzuhelfen, bei denen jede einzelne Taste eine besondere Doppelsaite erhielt.-) 
Schon vorher, d. h. im Laufe des 17. Jahrhunderts, hatte man mit dieser nahe- 
liegenden Verbesserung begonnen, indem man nach und nach nicht mehr 
als zwei Tasten und zwar der Untertaste mit ihrer entsprechenden Obertaste, 
also C und Cis, D und Dis usw., eine gemeinsame Saite gab sowie bei 
vielen Instrumenten die am meisten gebrauchten Tasten D und A durchweg 

') Das „SYNTAQMA MUSICUM" des sachsischen Hofkapellmeisters Michael 
Praetorius (1571-1621; P. ist der latinisierte Name fiir „Schulze") ist das weit- 
aus wichtigste Quellenwerk fiir die Musikpraxis des 17. Jahrhunderts; es erschien 
in drei Teilen zu Wolfenbuttel 1614 -- 1620. Der zweite Teil „De ORGANO- 
QRAPHIA" (1618) enthalt Beschreibungen aller in damaliger Zeit gebrauchlichen 
Musikinstrumente und als Anhaug dazu : ,,Theatrum INSTRuMENTORuM Seu 
SCIAQRAPHIA" (1620), eine Folge von 42 schonen Holzschnitten mit Instrumenten- 
abbildungen. Uber die technische Einrichtung der alten Tasteninstrumente 

unterrichtet am besten der zweite Band des Werkes „MUSICA MECHANICA 
ORGANOEDI" von Jakob Ad lung, tierausgegeben von Joh. Lorenz Albrecht 
(Berlin 1768). 

'-') Nach dem „Musicalischen Lexicon" von Johann Gottfried Walther 
(Leipzig 1732, Seite 235) gilt allgemein der Kantor Daniel Tobias Faber in 
Crailsheim als der erste Erbauer ,,bundfreier" Clavichords; doch scheint Walther die 
Hauptbedeutung bei Fabers Erfindung den „versc/iicdenen Maschinen" (Zugen) des 
Instruments zuzumessen, und die Erwahnung, daB es „durchgehends Butidfrey" sei, 
laBt nicht mit Sicherheit darauf schlieBen, daB Faber wirkiich der „Erfinder" des 
„bundfreien" Clavichords sei. Wahrscheinlich hat man schon im 17. Jahrhundert 
vereinzelt derartige Instrumente gekannt; das von Pater Mersenne z. B. in seinem 
1637 erschienenen groBen Werke „Harmonie Universelle" beschriebene und abgebil- 
dete „Manichordion" ist mit Ausnahme der funf hochsten Saiten bereits „bundfrei". 



Clavichords 



„bundfrei" machte. Auch der Umfang der Klaviatur, der meist nur vier 
Oktaven betrug (die tiefste Oktave war fast stets als sog. „kurze Oktave" ein- 
gerichtet), wurde spater nach Hohe und Tiefe zu erweitert. Anscheinend 
aus Grtinden einer billigeren und einfacheren Herstellung erhielt sich aber 
neben der „bundfreien" auch noch die alte unvollkommene Form des „ge- 
bundenen" Clavichords weiter; erst im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts 
iiberwogen die „bundfreien" Instrumente. 

Der Klangcharakter des Clavichords ist auBerst zart und schwach, aber 
trotzdem von eigentiimlich einschmeichelndem Reiz und besitzt, wenn auch 
in engen Grenzen, groBere Modulationsfahigkeit als die bekielten Instru- 
mente (Cembalo und Spinett). Koch bezeichnet es in seinem „Musikalischen 
Lexikon" (Frankfurt a. M. 1802) als „unter alien Claviaturinstrumenten zu den 
feinsten Nuancen des Vortrags geeignet, oft Labsal dem Dulder, und des 
Frohsinns theilnehmenden Freund," und der iiberschwengliche Schubart nennt 
es in seinen „Beitragen zur Aufnahme der Musik" (Berlin 1754) „dieses ein- 
same melancholische unaussprechlich siiBe Instrument". - Eine besondere 
Eigenart des Clavichords ist die sogenannte „Bebung", die durch wiegendes 
Hin- und Herbewegen des Fingers nach dem Anschlag bewirkt wird und 
ahnlich dem Vibrato auf Streichinstrumenten ein Erzittern der Saite hervorruft. 

Dank der Eigenart seines Klanges und der Einfachheit seiner Herstellung 
und Behandlung erfreute sich das Clavichord als Hausinstrument in Deutsch- 
land groBer Beliebtheit und Verbreitung. In den romanischen Landern da- 
gegen, wo man ihm das starker, aber auch starrer klingende Cembalo vor- 
zog, war es seltener anzutreffen. Seine Bliitezeit fallt in das Zeitalter 
der Empfindsamkeit, die zweite Halfte des 18. Jahrhunderts, um dann bald 
fur immer zu verschwinden. Ein Anteil an der Vervollkommnung des 

Clavichords muB auch J ohann Sebastian Bach zugeschrieben werden. „Das 
wohl temperirte Clavier oder Praeludia und Fugen durch alle Tone und 
Semitonia", dessen erster Teil Anno 1722 erschien, ist fur das chromatisch 
rein gestimmte Klavier, d. h. „bundfreie Clavichord" geschrieben, wenn auch der 
tiefe geistige und klangliche Gehalt der Mehrzahl der Praludien und Fugen 
eine groBere Tonfiille erheischt als sie das kleine Clavichord hergeben kann 
und daher auf das Clavicymbel hinweist. 

Als groBter Meister des Clavichords gilt Johann Sebastian Bachs zweiter 
Sohn Carl Philipp Emanuel Bach (1714 — 1788), dem man auch eins 
der wertvollsten Werke zur Kenntnis der Musikiibung seiner Zeit, den „Ver- 
such iiber die wahre Art, das Clavier zu spielen" (Berlin 1753 — 62) verdankt. 
Mozarts Clavichord, das er noch in seinem letzten Lebensjahre (1791) bei 
der Komposition der „Zauberfl6te" und des „Requiem" benutzte, befindet 
sich jetzt im Museum seines Geburtshauses zu Salzburg. 



Clavichords 



Als das bisher bekannt gewordene alteste authentische datierte Clavichord 
kann das im Museum befindliche Instrument von Dominicus Pisaurensis 
(Domenico aus Pesaro) vom Jahre 1543 angesehen werden; vgl. hieriiber No. 1 
des Katalogs. Mattheson ruhmt 1713 in seinem „Neu - eroffneten 

Orchestre" als Clavichordbauer Middelburg und Fleischer; doch haben 
sich keine ihrer Instrumente erhalten. Auch die Clavichords des Hamburger 
Meisters Albert Hass, der in derselben Zeit wirkte, sind hervorzuheben. 
Zu den besten Erbauern „bundfreier" Instrumente (in der zweiten Halfte des 
18. Jahrhunderts) ist in erster Linie Christian Gottlob Hubert (1714—1793) 
in Bayreuth und Ansbach, ferner Carl Lemme in Braunschweig (1747— 1808) 
und die Familie Kramer in Gottmgen zu zahlen. -- Die alten „gebundenen" 
Clavichords fielen groBtenteils, als sie auBer Gebrauch kamen, der Vernichtung 
anheim, so daft* sie heute recht selten geworden sind. 



-c*E$3*» 






25 



-*■ Tangente. 




Clavichord-Taste. 








No. 1. Gebundenes Clavichord italienischer Mensur 
von Dominions Pisanrensis 1543. 

Text: Seite 27. 




No. 2. Gebundenes Clavichord italienischer Mensur 

ans der zweiten Halfte des 16. Jahrhnnderts. 

Text: Seite 28. 




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No. 3. Gebundenes Clavichord italienischer Mensur 
aus der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts. 

Text: Seite 29. 








i#tfftfjTTfTwF'- 1 M j"^^&ragr[r*7irT-' 



No. 4. Gebundenes Clavichord 

aus der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts. 

Text: Seite 30. 



Gebundenes Clavichord No. 1. 



GEBUNDENE CLAVICHORDS. 



No. 1. Gebundenes Clavichord italien ischer Mensur, 

laut Inschrift auf dem Vorsetzbrett iiber der Klaviatur von „D0MIN1CVS 
P1SAVRENSIS . M.DXXXXIII" (1543) erbaut. Das Instrument hat 

unregelmaBig sechseckige, spinettartige Form und vorstehende (d. h. 
aus dem Gehause herausgebaute) Klaviatur; es entspricht im Aeufiern 
genau dem in Praetorius' „Theatrum Instrumentorum" Taf. XV No. 2 
abgebildeten „Clavichordum, Italianischer Mensur". Es steht — wie die 
meisten alten Tasteninstrumente italienischen Ursprungs — in einem 
besonderen Kasten, aus dem es beim Spielen herausgehoben wird. Der 
Kasten weist auBen dunkelgriinen Anstrich auf; der Deckel ist auf der 
Innenseite mit Renaissance -Ornamenten in gelber Farbe auf dunkel- 
griinem und rotbraunem Grunde bemalt. Das Gehause ist aus 

Zypressenholz. Der Resonanzboden ist nach dem tiefer liegenden Stimm- 
stock zu abgeschragt. 1 ) 

Die Besaitung besteht aus 22 doppelchorigen Saiten. Der Steg, 
iiber den die Saiten laufen, bildet nicht — wie bei den Clavichords 
spaterer Zeit eine einzige gewundene Leiste, sondern es dienen 

hierzu drei von einander getrennte und auf verschiedenen Stellen des 
Resonanzbodens aufgestellte kleine gerade Holzleistchen, von denen das 
erste elf, das zweite fiinf und das dritte sechs (Doppel-) Saiten tragt (sog. 
„italienische Mensur"). Umfang der Klaviatur: C — c 3 (vier Ok- 
taven); die tiefste Oktave ist „kurz". Da fur die 45 Tasten nur 22 Saiten 
vorhanden sind, so kommen mit Ausnahme der tiefsten Oktave, — 
die BaBsaiten waren auch in dieser friihen Zeit bereits „bundfrei" — 
zwei, drei, auch vier Tone auf eine Saite, d. h. es sind bis zu vier 
Tasten „gebunden". Die Disposition ist folgende: 



1. Saite • 


C 


2. „ 


D 


3. „ : 


E 


4. „ 


F 


5. „ 


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6. „ 


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9. „ 


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10. „ 


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11. „ 


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12. Saite : 

13. „ : ■ 


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16. 


Saite : • 


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20. Saite : 


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18. 


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19. 


1/ '. ' 


cis 2 












d 2 







Diese Disposition ist auch am Instrument selbst aus einer alten 
Bezifferung auf den einzelnen Tastenhebeln, die der Numerierung der 
Stimmwirbel entspricht, ersichtlich; eine auf dem Riickende der tiefsten Taste 
befindliche Inschrift weist hierauf hin: „Numera-/zione corri/-spon- dente 



l ) Dieselbe Anlage zeigt das Clavichord Nr. 1485 der Sammlung des Pariser 
Conservatoire. Dies Instrument besitzt zwar keine Signatur, da das Original-Vorsetzbrett 
verloren gegangen ist, ist aber moglicherweise eine Arbeit des Domenico, obwohl die 
Disposition auf eine spatere Zeit deutet. 



Gebundene Clavichords No. 1 u. 2 



a due pironi di ogni tasto". 1 ) Die Untertasten, deren Stirnkanten 

wie meist bei alten Tasteninstrumenten - „ausgedreht" sind, sind 
mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind duukel gebeizt. 

Breite 1,31 m, Tiefe 43 cm, Hohe 207, cm. 

Abbildung auf Seite 25; Nachbildung der Inschrift auf Seite 222. 

Das ,, Metropolitan-Museum" zu New York besitzt ein angeblich von Alex. 
Trasontinus 1537 erbautes Clavichord, 2 ) das bisher als das alteste bekannte datierte 
Clavichord gait. Doch sind an der Echtheit dieses iibrigens schon langst nicht 
mehr im ursprunglichen Zustande befindlichen Instruments begriindete Zweifel geltend 
gemacht worden, denen sich auch Hipkins 3 ) anschlieBen mu6. Aus diesem Grunde 
gewinnt das vorliegende ausgezeichnet erhaltene Instrument, das in jeder Beziehung 
noch original ist, an Wert und Bedeutung als a 1 testes datiertes Clavichord. 
Das drittalteste ware — nach Hipkins (,,The Pianoforte . . ." p. 59 u. 60) — ein 
in franzosischem Besitz befindliches Instrument aus d em J ah re 1547, das ebenfalls mit 
„DOMINICVS PISAVRENSIS" signiert ist. (Vgl. auch S. 224 des Katalogs.) 

No. 2. Gebundenes Clavichord italien ischer Mensur, 

mit geschriebenem Namenszug „Alfo[n]so Caavella" auf dem auBeren 
Boden des Gehauses; wahrscheinlich ist dies der Name eines der 
ersten Besitzer des Instruments: die Handschrift scheint noch dem 
16. Jahrhundert anzugehoren. Auf dem Boden unterhalb der Klaviatur 
ist unter den Tasten cis 2 und dis 2 eine geschriebene, bereits stark 
verblaBte und daher fast unleserliche Jahreszahl „AD 1562" erkennbar; 
jedenfalls ist das Instrument eine italienische Arbeit aus der zweiten 
Halfte des 16. Jahrhunderts. Auf dem Ruckende der hochsten Taste (c 3 ) 
findet sich anscheinend als Reparaturvermerk — die Inschrift: 

„D:Tim° 1690"; nach einem gedruckten Zettel auf der Riickseite des 
Vorsetzbretts ist das Instrument auBerdem im Jahre 1836 von Luigi 
Landi in Siena repariert worden. 

Es steht in einem Kasten, dessen AuBenseite dunkelgriinen und 
dessen Innenseite rosa Anstrich aufweisen. Das Gehause *) ist aus 
Zypressenholz; in das Schalloch des Resonanzbodens ist eine hubsche 
vertiefte Rosette aus Pergament eingelassen. Die Klaviaturbacken sind 
durch Schnitzereien in Form von Fullhornern verziert. 

Die Besaitung besteht nur aus 19 (doppelchorigen) Saiten, die 
iiber zwei kleine Stege gespannt sind, von denen der erste acht und 
der zweite elf Doppelsaiten tragt. Die mit der Klaviatur in paralleler 
Richtung gespannten Saiten sind alle von gleicher Lange - eine eben- 
falls nur bei den altesten Instrumenten dieser Gattung anzutreffende 
Erscheinung, woran noch das Entstehen des Clavichords aus dem alten 
Monochord erkennbar ist; ihre Einteilung („Mensur") erhalten die 
Saiten einerseits durch die sie beriihrenden Tangenten, andererseits durch 



') Diese Originalbezifferung (und iibrigens auch die Stellung der Tangenten) 
laBt deutlich die Einrichtung der tiefsten Oktave als sog. „kurze Oktave" erkennen. 

a ) „Catalogue of the Crosby Brown Collection of musical instruments . . .", 
New York 1904, Vol. I, pag. 90, No. 2543. 

3 ) „Special introduction to the keyboard instruments", pag. XXVIII in dem 
soeben zitierten Katalog. — Vgl. hieriiber auch Seite 220 des vorliegenden Katalogs. 

4 ) Clavichords, bei denen nichts Abweichendes bemerkt ist, sind von recht- 
eckiger Form. 



Gebundene Clavichords No. 2 u. 3 



die sie abgrenzenden Stege. 1 ) Der klingende Teil der iiefsten Saite 
hat eine Lange von 82 Vs, der der hochsten Saite eine Lange von 972 cm. 
Umfang der (vorstehenden) Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); die 
tiefste Oktave ist „kurz". Es sind bis zu vier Tasten „gebunden"; die 
Disposition ist folgende: 



10. Saite 



1. 


Saite 


c 


2. 


tt 


F 


3. 




D 


4. 


n 


G 


5. 


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11. 



12. 



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16. 


Saite : s 


f 




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f 






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14. 


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17. 


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15. 


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18. 


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b 2 










19. 


h 2 












I c 3 



Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkel gebeizt. 
Breite 997a cm, Tiefe 31 cm, Hohe 14 cm. 

Abbildung auf Seite 25. 

No. 3. Gebundenes Clavichord italienischer Mensur 

aus derselben Zeit vvie das vorhergehende Clavichord; ohne Namen 
des Erbauers. Das Instrument steht in einem ziegelrot gestrichenen 
Kasten; das Gehause weist Anstrich in derselben Farbe auf und ist an 
den Randern bronziert. In das Schalloch des Resonanzbodens ist 
eine hiibsche vertiefte Rosette eingelassen. 

Die Besaitung besteht aus 19 doppelchorigen Saiten. Von den 
drei getrennten Stegen tragt der erste elf, der zweite drei und der dritte 
fiinf (Doppel-) Saiten, die alle — ebenso wie bei dem vorhergehenden 
Clavichord von gleicher Lange sind. Der klingende Teil der tiefsten 
Saite hat eine Lange von 96Va, der der hochsten Saite eine Lange von 
12'/= cm. Der Teil der Saite, der nicht mitklingen soil, ist aufier durch 
Filzstreifen durch eine mit Filz bekleidete Holzleiste abgedampft. 

Umfang der (vorstehenden) Klaviatur: C — c 3 (vier Oktavenj; die 
tiefste Oktave ist „kurz". Es sind bis zu fiinf Tasten (10. Saite!) „ge- 
bunden"; die Disposition ist folgende: 



2. 
3. 
4. 
5. 
6. 
7. 



Saite 


C 


ft 


F 


tt 


D 


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E 


11 


A 


M 


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10. Saite : 



11. 



12. 



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g 

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a 

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c 1 

cis 1 

d' 



13. Saite 



14. 



17. Saite 



15. 



16. 



19. 



dis 2 
e 2 
f 2 
fis 2 

g 2 
gis 2 

a 2 
b 2 
h 2 



Die Tastatur ist wie bei Nr. 2 ausgestattet. 

Breite 1,24 m, Tiefe 34 cm, Hohe 18 cm. 

Abbildung auf Seite 26. 

J ) Vgl. hieriiber A. J. Hipkins, „A description and history of the Pianoforte and 
of the older keyboard stringed instruments", London 1896, p. 60: ,,.... As the early 



Gebundene Clavichords No. 4 u. 5 



No. 4. Gebundenes Clavichord 

anscheinend vlamische Arbeit aus der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts; 
ohne Namen des Erbauers. - Das Gehause ist aus Nufibaumholz und 
mit gravierten Messingbeschlagen versehen. Die Innenseite des Deckels 
ist mit einer hubschen Malerei geschmiickt, die eine orientalische Land- 
schaft mit Tempelruinen zeigt; zur rechten Seite im Vordergrund ist 
die heilige Familie auf der Fluent nach Agypten dargestellt. 

Die Besaitung besteht aus 20 doppelchorigen Saiten, die auf 
einem geraden, nicht gewundenen Steg ruhen. Umfang der Klaviatur: 
C - c' (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Es sind bis zu 
drei Tasten „gebunden"; die Disposition ist folgende: 



1. 


Saite 


c 


2. 


a 


F 


3. 




D 


4. 


M 


G 


5. 


II 


E 


6. 


II 


A 


7. 


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8 




| C - 






1 CIS 



9. Saite 



10. 



11. 



12. 



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13. 


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14. 


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16. 


ii • ) 


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CIS 2 



17. Saite 



18. 



19. 



20. 




Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten schwarz 
gebeizt, so dafi also das Bild der Tastatur unsern modernen Instru- 
menten entspricht. 

Breite 88 cm, Tiefe 25 cm, Hone 10V« cm. 

Abbildung auf Seite 26. 

No. 5. Gebundenes Clavichord 

aus der Mitte des 17. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Instrument ist angeblich schwedischen Ursprungs. Das Gehause weist 
Spuren eines ehemals dunkelgriinen Anstrichs auf. Die Innenseite des 
Deckels ist mit einer spater hinzugefiigten Malerei im Rokokostil ge- 
schmiickt, die inmitten einer Waldlandschaft eine schwebende Amorette 
mit einem Kranz in der Hand darstellt; in der Mitte des Kranzes ist 
ein Monogramm „R M F" mit einer Krone sichtbar. In dem zur 

linken Seite der Klaviatur angebrachten Kastchen liegt ein alter Stimm- 
schliissel. 

Die Besaitung besteht aus 22 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Es 
sind bis zu vier Tasten „gebunden"; die Disposition ist folgende: 



clavichords were strung with wire in equal lengths, the instrument was long regarded 
as a set of monochords. The scaling was effected by the line of the tangents attached 
to the keys on the left hand side of the player, the sound-board bridges (at that time 

three or more) resting upon the narrow belly on the right hand side " [„Da die 

fruhen Clavichords mit Drahtsaiten von gleicher Lange bespannt waren, wurde das In- 
strument lange als eine Aneinanderreihung von Monochorden betrachtet. Die Tonleiter 
wurde durch die Reihe der Tangenten hervorgebracht, die am Ende der Tasten zur 
linken Seite des Spielers befestigt waren, wahrend die Resonanzbodenstege (zu dieser 
Zeit drei oder mehr) auf dem schmalen Boden zur rechten Seite ruhten "] 



31 




No. 5. Gebundenes Clavichord 

aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. 

Text: Seite 30. 




No. 6. Gebundenes Clavichord 

aus der zweiten Halfte des 17. Jahrhunderts. 

Text: Seite 33. 



32 





No. 11. Gebundenes Clavichord 

aus der Wende des 17. Jahrhunderts. 

Text: Seite 36. 




No. 12. Gebundenes Clavichord 
von Johann Jacob Don at, Leipzig 1700. 

Text: Seite 36. 



Gebundene Clavichords No. 5—7 



1. 


Saite 


: C 


2. 




F 


3. 




D 


4. 




G 


5. 


n 


E 


6. 


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9. 


M 


1 cis 
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10. Saite : 

11. „ : 

12. „ : 

13. „ : 
14. 



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f 
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gis 
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CIS 1 



15. Saite : d 1 
| dis 1 



16. 
17. 
18. 
19. 




20. Saite 



21. 



22. 



d s 
dis 3 
e- 
t* 

fis 2 



gis- 
a a 
b 2 
h 2 

~3 



Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten aus 



Ebenholz. 

Breite 95 cm, Tiefe 32 cm, Hohe 11 cm. 



Abbildung auf Seite 31, 



No. 6. Gebundenes Clavichord 

aus der zweiten Halfte des 17. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. Das Gehause ist aus Eichenholz. Die Innenseite des 

Deckels ist mit einer hubschen Malerei geschmiickt, die die heilige 
Cacilie, den Gesang dreier Engel an einer kleinen Orgel (sog. „Portativ") 
begleitend, darstellt; ein vierter Engel bedient das Geblase. Rechts im 
Vordergrunde befindet sich eine Gruppe tanzender Engel. 

Die Besaitung besteht aus 23 doppelchdrigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Es 
sind bis zu vier Tasten „gebunden"; die Disposition ist folgende: 



1. 


Saite 


c 


2. 


n 


F 


3. 




D 


4. 




G 


5. 


M 


E 


6. 




A 


7. 


n 


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1 c 






1 cis 


9. 


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10. 


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11. Saite 

12. „ 

13. „ 

14. „ 

15. „ 

16. ,. 



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dis 1 



17. Saite 



18. 



19. 



20. 



f 
fis 1 

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| gis 1 

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I b' 
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21. Saite 



22. 



23. 



1 



dis 2 

e 2 
fi 

fis 2 

g 2 

gis 2 

a 2 
b 2 
h 2 



Die Untertasten, deren Stirnkanten mit goldgepreBtem Papier beklebt 
sind, sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkel gebeizt. 
Breite 1,12 m, Tiefe 34 cm, Hohe 12 cm. 

Abbildung auf Seite 31. 



No. 7. Gebundenes Clavichord 

aus der zweiten Halfte des 17. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers, 
anscheinend eine Laienarbeit. Das sehr primitive Instrument hat fiinf- 
eckige, spinettartige Form. Das Gehause ist aus Tannenholz und weist 
rotbraunen Anstrich auf. Die Innenseite des Deckels ist in kunstloser 
Weise mit roter und hellblauer Farbe bemalt. 



Gebundene Clavichords No. 7-9 



Die Besaitung besteht aus 23 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C- c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Es 
sind bis zu vier Tasten „gebunden"; die Disposition ist folgende: 



1. 


Saite 


C 


2. 


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F 


3. 




D 


4. 







5. 




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10. Saite 

11. „ 

12. „ 

13. „ 

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15. „ 



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16. Saite 

17. „ 

18. „ 

19. „ 




20. Saite 



21. 



22. 
23. 



dis 2 
e 2 
f 2 
fis 2 

g" 2 

gis 2 

a 2 
I b 2 
\ h 2 



Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die nach hinten zu 
abgeschragten Obertasten sind dunkel gebeizt. 
Breite 1,09 m, Tiefe 30 cm, Hohe 13 cm. 

No. 8. Gebundenes Clavichord 

aus dem Ende des 17. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Gehause ist aus Tannenholz und weist schwarzen Anstrich auf. 

Die Besaitung besteht aus 23 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C — c 11 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz", doch 
sind die beiden tiefsten Obertasten „gebrochen", so daB sich fur die 
„kurze Oktave" folgende Anordnung ergiebt: 

Fis Gis D 

D E B 

C F G A H c 
(An der chromatischen Skala der BaBoktave fehlen also nur noch Cis 
und Dis; vgl. Seite 20.) Es sind bis zu drei Tasten „gebunden"; die 
Disposition ist folgende: 



1. Saite : 


C 


2. „ : 


1 Fis 


3. „ : 


D 


4. „ : 


i Gis 


5. „ : 


E 


6. : 


A 


7. „ : 


1 B 
1 H 


8. „ : 


| C - 




| C1S 



9. 


Saite : 


d 


10. 


)) 


dis 
e 


11. 


" ■ 


f 
fis 


12. 
13. 


" • 


g 

gis 

a 


14. 




b 
h 


15. 


M 


c 1 
cis 



16. Saite 



17. 



19. 



20. Saite 



21. 



22. 



23. 



g' 



Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind 
dunkel gebeizt. 

Breite 1,05 m, Tiefe 30 cm, Hohe 107* cm. 

No. 9. Gebundenes Clavichord, 

laut geschriebenem Zettel im Innern des zur linken Seite neben der Kla- 
viatur angebrachten Kastchens von „George Haase orgel / Maher [sic] in 
Bidissin [?] / 1692" erbaut. Auf der unteren Seite des Vorsetzbretts findet 
sich auBerdem die Aufschrift: „Bernarda Mulnerin 1697", wahr- 
scheinlich der Nameeiner der ersten Besitzerinnen des Clavichords. — Das 



Gebundene Clavichords No. 9 u. 10 



Instrument hat unregelmaBig sechseckige, spinettartige Form; das 
Gehause ist aus dunkelbraun gebeiztem Erlen-, der Deckel aus Tannen- 
holz. Das Innere sowie das Vorsetzbrett sind mit Tapetenstreifen beklebt. 
Im Kastchen befindet sich ein alter Stimmschlussel. 

Die Besaitung besteht aus 28 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
beiden tiefsten Obertasten sind - wie bei dem unter vorhergehender 
Nummer beschriebenen Clavichord — „gebrochen". Es sind bis zu 
drei Tasten „gebunden"; die Disposition ist folgende : 



1. 


Saite : 


c 


2. 




F 


3. 


tt 


D 


4. 




Fis 


5. 


n 


G 


b. 




F 


7. 




Gis 


8. 
9. 

n 


n 
n 


A 

! B 

IH 

|c 




n 


1 cis 



11. 


Saite 


: d 


12. 


a 


:jf 


13. 


a 


: 1 fis 


14. 




■As. 

Igis 






15. 


a 




16. 


a 


: h 


17. 


a 


' 1 CIS 



18. 


Saite 


i dis 1 


19. 




e l 


20. 


M 


If 1 
] fis 1 


?1 




I s - 

1 gis 1 






22. 


II 


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23. 


t ' 


h 1 


24 




J c 2 




" 


1 CIS" 



25. Saite 



26. 



27. 



28. 



d 2 

dis 2 

e 2 

fis 2 

a 2 
& 

gis 2 
a 2 
b-' 
h 2 



I h a 
\c 3 



Die einzelnen Tastenhebel sind mit den betreffenden Tonbuch- 
staben in alter Handschrift bezeichnet. 

Die Untertasten, deren Stirnkanten mit gestanzten Pappstuckchen 
verziert sind, sind mit dunkel gebeiztem Zypressenholz, die Obertasten 
sind mit Ebenholz belegt und haben Elfenbeineinlagen. 

Breite 1,07 m, Tiefe 31 '/« cm, Hohe Q l h. cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 22S. 



No. 10. Gebundenes Clavichord 

aus der Wende des 17. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Gehause ist aus Eichenholz; in das Schalloch des Resonanzbodens ist 
eine hubsche Rosette eingelasseu 

Die Besaitung besteht aus 29 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
beiden tiefsten Obertasten sind — wie bei den beiden vorhergehenden 
Clavichords - - „gebrochen". Es sind meist zwei Tasten „gebunden"; 
die Disposition ist folgende: 



1. Saite 


C 


2. „ 


{ Fis 


3. „ 


D 


4. „ 


1° 
\Gis 


5. „ 


E 


6. „ 


A 


7. „ 


B 


8. ,, 


H 


9- „ 


1 CIS 



10. Saite 

11. „ 

12. „ 

13. „ 

14. „ 

15. „ 

16. 



d 
j dis 
I e 
If 
1 fis 

I g - 
Igis 

a 
b 
h 



.{c 1 

' I CIS 1 



17. Saite 

18. „ 

19. „ 

20. „ 

21. „ 

22. „ 

23. 



J dis 1 
\e' 

If 
\ fis 1 

g' 
gis 1 

a 1 

b 1 

h 1 

c 2 
cis 2 



:) 



24. Saite 

25. „ 

26. „ 

27. „ 

28. „ 

29. „ 



Id 2 

\dis 2 

fe 2 

\P 

i fis 2 

lg 2 

Iff 

fb 2 
h 2 



Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkel 
gebeizt. 

Breite 1,10 m, Tiefe 32 cm, Hohe 11 cm. 



Gebundene Clavichords No. 11 u. 12 



No. 11. Gebundenes Clavichord 

aus der Wende des 17. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Gehause ist aus Buchenholz und weist dunkelbraunen Anstrich 
auf. Die Innenseite des Deckels ist mit einer hiibschen Malerei ge- 
schmtickt, die die Befreiung der an einen Felsen geschmiedeten und 
von einem Meerungeheuer bewachten Andromeda durch Perseus dar- 
stellt.') - In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine rosettenartige 
bemalte Verzierung eingelassen. 

Die Besaitung besteht aus 29 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C-c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Es 
sind nicht mehr als zwei Tasten „gebunden", auch sind schon samtliche 
d- und a-Saiten — mit Ausnahme von a 2 - - „bundfrei". Diese Anordnung 
entspricht einem von Praetorius, „De Organ ographia" pag. 61 er- 
wahnten „Clavichordium, Italiaenischer Mensur" („. . . darinnen . . . ob- 
serviret wird, daB der Chor Saiten, so zum d und a gehoret, durch alle 
Oktaven blofi, und nur mit einem einzigen Clave angeriihret wird. . .").") 
Die Disposition ist folgende: 



1. Saite 
2 


: C 
: F 


11. 


Saite 


| dis 

ie 

If 
t f is 


18. 


Saite 


| dis 1 
ie 1 


3. „ 

4. „ 


: D 

: G 


12. 


i» 


19. 


a 


If 
1 fis' 


5. „ 


: E 


13 




! g 


20 




! gl . 


6. „ 


: A 




n 


Igis 






Igis 1 


7- „ 


: B 


14. 




a 


21. 




: a 1 


8. „ 

9. „ 

10. „ 


: H 


15. 


it 


fb 
(h 


22. 


a 


lb 1 
(h 1 


' | cis 
: d 


16. 


a 


jc 1 
1 cis 1 


23. 


a 


| c 2 
1 cis" 






17. 


a 


d 1 


24. 


a 


: d 2 


D 


ie Unte 


rtasten 


sine 


mit 


Buchsbaum 


bele 


dunkel 


gebeizt. 














Breite 1,0 


3 m, 


riefe 34 cm, 


Hohe 


12 cm. 



25. Saite 

26. „ 

27. „ 

28. „ 



29. 



dis 2 
e 2 
f 2 
fis 2 

o 

g" 
gis 2 

a 2 

b« 

h 2 



die Obertasten 



Abbildung auf Seite 32. 



No. 12. Gebundenes Clavichord 

mit geschriebener Inschrift auf der Unterseite der tiefsten Taste: 
„Lipsiae Factum a Johanno Jacobo Donato Organopaeo/Mense Sep- 
tembri Ao. 1700" Das sehr hiibsch ausgestattete Instrument steht in 
einem dunkelgrun gestrichenen Kasten aus Tannenholz; das Gehause 
ist in Olivenholz fourniert und an den Seitenwanden, an dem Vor- 
setzbrett und den Klaviaturbacken durch eingelegte, mit Elfenbein ein- 
gefaBte Schildpattfelder und Ebenholzfriese verziert. Die inneren Rander 
des Gehauses sowie die Riickseite des Vorsetzbretts sind mit gold- 
geprefitem Vorsatzpapier beklebt. In das Schalloch des mit Streublumen 
bemalten Resonanzbodens ist eine hiibsche Rosette eingelassen; der Deckel 
des Stimmschlussel-Kastchens ist mit einer Schildpatteinlage geschmiickt. 



') Vgl. Ovids „Metamorphosen", Buch IV, Vers 711 ff. 

2 ) D und A waren die Qrundtone der am meisten gebraucliten Kirchentonarten 
(sog. „dorische" und „hypodorische" Tonart). DaB a 2 nicht „bundfrei" war, erklart 
Krebs („Die besaiteten Klavierinstrnmente . . .", Seite 101) damit, daB „diese 
hohe Lage wenig fur SchluBwendungen (Triller auf dem Leitton oder Vorhalt) benutzt 
wurde; darum glaubte man hier wohl die freien Saiten entbehren zu konnen." 



Gebundene Clavichords No. 12 u. 13 



Die Besaitung besteht aus 33 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven ; die tiefste Oktave ist nicht mehr 
„kurz", sondern enthalt die vollstandige chromatische Skala). Es sind 
nicht mehr als zwei Tasten „gebunden"; die Disposition ist folgende: 



1. 

2. 


Saite 


C 
Cis 


13. Saite 


3. 




D 


14. „ 


4. 
5. 


tt 


Dis 
E 


15. „ 


6. 

7. 


n 


F 

Fis 


16. „ 


8. 
9. 


n 


Q 
Qis 


17. „ 


10. 




A 


18. „ 


11. 




B 


19. „ 


12. 




H 



c 


20. 


Saite : 


| CIS 






d 
| dis 


21. 


a 


[ e 


22. 




1 f 
i fis 


23. 


a 


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24. 




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a 


25. 




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26. 


a 



I c 

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Id 1 
1 dis 1 

e 1 

If 
) fis 1 

lg' 
Igis' 

a 1 
lb' 

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27. Saite 

28. „ 

29. „ 

30. „ 

31. „ 

32. „ 

33. „ 



C 

* o 

CIS" 

d 2 

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2 



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e 
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1 fis 3 

l g \ 

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a 2 
lb 2 

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\c 3 

Wahrscheinlich war die urspriingliche Disposition der 21. und 22. sowie 
der 28. und 29. Saite eine andere; es ist anzunehmen, daB nicht die beiden e-Saiten, 
sondern wie bei dem vorhergehenden Instrument — die beiden d-Saiten „bund- 
frei" waren. 

Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt; die wie bei dem 
Clavichord No. 7 nach hinten zu abgeschragten Obertasten sind mit 
Schildpatt belegt und von Elfenbeinadern durchzogen. 
Breite 1,23 m, Tiefe 34 7s cm, Hohe 9 cm. 
Abbildung auf Seite 32; Nachbildung der Inschrift auf Seite221. 

No. 13. Gebundenes Oktav-Clavichord 

aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument steht in einem Kasten aus Eisenblech, der in geschlossenem 
Zustande die Form einer Bibel in Folioformat hat (sog. „Bibel-Clavi- 
chord"). Das Gehause ist aus NuBbaumholz und lackiert. 

Die Besaitung besteht aus 15 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: G -c 2 (zwei Oktaven und Quarte); die tiefste Oktave 
enthalt nur die beiden Tone G und H, die durch die tiefste „gebrochene" 
Taste hervorgebracht werden : die obere Halfte der Taste giebt „G", die 
untere „H" an. Es sind nicht mehr als zwei Tasten ,,gebunden"; die 
Disposition ist folgende: 



1. Saite 


s |G 


5. 


Saite 


{fis 


9. 


Saite 


' 1 cis 1 


9 


|c 


6. 




Iff 


10. 


a 


: d 1 


z - (i 


\cis 


a 


Iff'S 


11. 




| dis 1 


3. „ 


d 


7. 




a 


a 


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4- „ 


[dis 
le 


8. 


a 


[l 


12. 


a 


. 1 f 1 

■ 1 fis 1 



13. Saite 



14. 



15. 



/ff 1 
Igis 1 

)a' 
\c- 



Die Untertasten, deren Stirnkanten mit altem Vorsatzpapier beklebt 
sind, sind mit dunkel gebeiztem Palisanderholz, die Obertasten mit 
Elfenbein belegt. 

Breite 37 cm, Tiefe 28 cm, Hohe 7 cm. 

Abbildungen auf Seite 39. 

„Oktav-Clavichord" ist ein kleines Clavichord von geringem Um- 
fang, das im 4' -Ton, d. h. eine Oktave hoher als das gewohnliche 
Clavichord stand. 

Das „Bibel-CIavichord" ist anscheinend den in damaliger Zeit viel benutzten 
„Bibel-Regalen" - kleinen tragbaren Orgelwerken mit Zungenstimmen -- nachgebildet. 



Gebundene Clavichords No. 14 u. 15 



No. 14. Gebundenes Clavichord 

mit geschriebener Inschrift auf dem Riickende der hochsten Taste: 
,,1721 / G e Giuseppe] S'"; anscheinend eine italienische Laien- 

arbeit. Das Instrument hat trapezartige Form und vorstehende 

Klaviatur. Das Gehause ist aus Zypressenholz und weist dunkel- 
gri'men Anstrich auf. 

Die Besaitung besteht aus 28 doppelchorigcn Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C- c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Es 
sind meist zwei Tasten „gebunden"; die a- und d-Saiten sind mit 
Ausnahme von a 2 — „bundfrei". Die Disposition ist folgende: 



1. 


Saite 


C 


2. 




F 


3. 




D 


4. 


11 


G 


5. 


tt 


£ 


6. 


11 


A 


7. 


tt 


B 


8. 


ft 


H 


9. 


11 


1 CIS 


10. 




d 



11. 


Saite 


| dis 
Me 


12. 


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. If 
' \fis 


13. 
14. 


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11 


Igis 
: a 


15. 


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' 1 h 


16. 


1, 


. ic 

' ) cis 1 


17. 




: d 1 



25. Saite 

26. „ 

27. „ 

28. „ 



Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten 
schwarz gebeizt. 

Breite 1,45 m, Tiefe 49 ' 2 cm, Hohe 20 cm. 



18. 


Saite 


| dis 1 
\e l 


19. 


n 


Ifis 1 


20. 


n 


Ig 1 
1 gis 1 


21. 


1 1 


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22. 


n 


lb' 
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23. 


1 1 


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1 cis' 2 


24. 




d 2 



1 dis 2 
le 2 
If 2 
ffis 2 

I g - , 
gis- 

I a 2 

lb-' 

h- 



No. 15. Gebundenes Clavichord 

aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Gehause ist aus Tannenholz und weist dunkelgrunen Anstrich auf. 
Die Riickseite des Deckels ist mit altem Tapeten-, die inneren Rander des 
Gehauses und die Vorderseite des Vorsetzbretts mit altem Bortenpapier 
beklebt. Der Resonanzboden ist mit aufgeklebten Streublumen, kleinen 
ausgeschnittenen und kolorierten Kupferstichen, geschmiickt. 

Die Besaitung besteht aus 28 doppelchorigen Saiten. Umfang 

der Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Es 

sind nicht mehr als zwei Tasten „gebunden"; die d- und a-Saiten sind 

- mit Ausnahme von a 2 - - „bundfrei". Die Disposition ist folgende: 



1. 


Saite 


C 


2. 


n 


F 


3. 




D 


4. 




Q 


5. 


a 


E 


6. 




A 


7. 


11 


IH 


8. 


11 


1 CIS 


9. 




d 



10. Saite 

11. „ 

12. „ 

13. „ 

14. .. 

15. 

16. 



dis 
e 

. If 
• 1 fis 

I gis 
: a 
. lb 
•\h 
./c« 
' ) cis 1 
: d 1 



17. Saite : 

18. , 

19. , 

20. , 

21. , 

22. , 

23. , 



I dis 1 
(e 1 

■i fl 
• ) fis 1 

\g l 

a 1 
lb 1 
\V 

i C - - 

I CIS' 



24. Saite : 



dis* 



25. 



26. 



27. 



28. 



le 2 

./P 

• ) fis s 

. Jg* 
" ) gis 2 

: I b 2 
. I h- 

• \c 3 



Ausstattung der Tasten wie bei No. 14. 
Breite 1,08 m, Tiefe 33 cm, Hohe HVs cm. 



39 





No. 13. Gebundenes Oktav- (sog. „Bibel"-) Clavichord 

aus der ersten Halfte des 18. Jahrhundcrts 
in geschlossenem und geoffnetem, spielfertigem Zustande. 

Text Seite 37. 




No. 16. Gebundenes Clavichord 

aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. 

Text: Seite 41. 



40 




No. 18. Gebundenes Clavichord 
von Hoffmann 1763. 

Text: Scite 42. 




No. 19. Gebundenes Clavichord 

aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhnnderts. 

Text: Seite 42. 



Gebundene Clavichords No. 16 u. 17 



No. 16. Gebundenes Clavichord 

aus der Mitre des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Gehause ist aus Tannenholz und weist rotbraunen Anstrich auf; die 
inneren Gehauserander sind mit altem Vorsatzpapier beklebt. Die 
Innenseite des Deckels ist mit einer archaistisch gehaltenen Malerei ge- 
schmtickt, die den hi. Johannes und die hi. Katharina von Siena darstellt, 
wahrend zur linken Seite im Hintergrunde das „Lamm Gottes" ruht. 
Das Kruzifix, das der heilige Johannes in der Hand halt, ist von den 
MeBworten umgeben: „ECCE AGNVS DEI QVI TOLLI[S] PECCATA 
MVND[I] MISERERE/ NOBIS"; Katharina ist mit dem Herz Jesu in 
der Hand, mit Stigmaten und der Dornenkrone dargestellt. 

Die Besaitung besteht aus 28 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Es 
sind nicht mehr als zwei Tasten „gebunden"; die d- und a-Saiten 
sind mit Ausnahme von a'-' — „bundfrei". Die Disposition entspricht 
genau dem vorhergehenden Clavichord. 

Die Untertasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Elfen- 
bein belegt. 

Diese Aussiattung der Tastatur ist typisch fur deutsche Instrumente aus 
dem 18. Jahrhundert; im 16. u. 17. Jahrhundert bestand ein umgekehrtes Ver- 
haltnis: belle Unter- und dunkle Obertasten. 

Breite 1,14 m, Tiefe 35 cm, Hohe 12 cm. 

Abbildung auf Seite 39. 

No. 17. Gebundenes Clavichord, 

laut geschriebener Inschrift langs des Steges: ,,1761" von ,, JOHANNES . 
HERMANNUS . HAUSER . IN . GIMB ." erbaut. - - Das Instrument ruht auf 
einem Gestell mit vier gedrehten, kreuzweise verbundenen Beinen. Unter- 
halb der Tastenhebel befindet sich ein mit einer primitiv geschnitzten 
und bemalten Rosette versehener zweiter Resonanzboden. 

Die Besaitung besteht aus 32 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C c ; (vier Oktaven). Es sind meist zwei Tasten „ge- 
bunden"; samtliche d- und a-Saiten sind — mit Ausnahme von a* - 
„bundfrei". Die Disposition ist folgende: 

1. Saite : C 

2. ,. : Cis 



3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 



D 

Dis 

E 

F 

Fis 

G 

Gis 

A 

B 

H 



13. 


Saite 


.1 c 
' ) cis 


20. Saite 


. 1 c 


27. Saite 








1 CIS 1 




14. 


1 1 


: d 


21. „ 


: d 1 


28. „ 


15. 


a 


. 1 dis 
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22. „ 


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29. „ 


16. 


a 


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23. „ 


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30. „ 


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24. „ 


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' 1 gis 


31. „ 


18. 




: a 


25. „ 


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19. 


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26. „ 


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32. „ 



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\ cis 2 

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) e 2 

\ fis 2 
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b 2 
h 2 



■ 



Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkel 
gebeizt. 

Breite 1,31 Vs m, Tiefe 38'lt cm, Hohe (mit Gestell) 76 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 233. 

Das Instrument war mehrere Generationen hindurch im Besitz der 
Familie Miihlinghaus in Wupperfeld. 



Gebundene Clavichords No 18 u. 19 ^^f^f^^f^ 



Um die Mitte des 18. Jahrhunderts begann man die Clavichords, die in fri'iheren 
Zeiten zum Spielen auf den Tisch oder andere Mobelstiicke gesetzt wurden, mit 
einem eigenen Gestell oder mit Beinen zn versehen. Diese Form wiirde dann auf die 
das ganze 19. Jahrhundert hindurch gebrauchlichen Tafelklaviere iibertragen. 



No. 18. Gebundenes Clavichord. 

Das zur linken Seite neben der Klaviatur angebrachte Stimmschliissel- 
Kastchen tragt im Innern einen Zettel, der zum groBten Teil abgerissen ist 
und dessen Aufschrift sich daher leider nur noch wenig entziffern laBt: 

„ Hoffmann / . . . . [Instrument / [macher in Schwa]rzburg [?] / . . 

[Anno] 1763". Das Gehause ist aus Tannenholz und weist dunkel- 

griinen Anstrich auf. Die Innenseite des Deckels ist mit einer originellen 
Bemalung geschmiickt, die ein aufgeschlagenes Notenbuch mit einem 
in Notenschrift geschriebenen Walzer, ein TintenfaB mit einer Gansefeder 
und eine Sandstreubiichse zeigt. 

Die Besaitung besteht aus 23 (ursprunglich 25) doppelchorigen 
Saiten. Umfang der Klaviatur: C-c 3 (vier Oktaven); die Obertaste 
Cis der tiefsten Oktave ist fortgelassen. Es sind bis zu drei Tasten 
„gebunden"; die Disposition ist folgende: 



12. Saite 



13. 



14. 



15. 



Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten schwarz 
gebeizt. 

Breite 1 m, Tiefe 30 cm, Hohe 10 cm. 

Abbildung auf Seite 40. 



1. 


Saite 


c 


2. 




D 


3. 




Dis 


4. 


ii 


E 


5. 




F 


6. 




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7. 




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8. 




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10. 


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16. 


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20. 


Saite 


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17. 


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21. 


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18. 




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22. 


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1 cis 2 


23. 




: h 2 


19. 


tt 






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1 cis' 













No. 19. Gebundenes Clavichord 

aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhimderls; ohne Nam en des Erbauers. 
Das Gehause ist aus Tannenholz und weist auf der AuBenseite 
griinen, auf der Innenseite ziegelroten Anstrich auf. Die Innenseite des 
Deckels ist mit einer hiibschen Malerei geschmiickt, die eine siid- 
landische, durch zahlreiche Schiffe belebte, gebirgige Hafenlandschaft 
zeigt. Der Boden des Gehauses unterhalb der Tasten ist mit altem 
Vorsatzpapier beklebt. 

Die Besaitung besteht aus 34 doppelchorigen Saiten ; Umfang 
der Klaviatur: C— P (vier Oktaven und Quarte). Es sind nicht mehr 
als 2 Tasten „gebunden", alle d- und a-Saiten sind mit Ausnahme 
von d 3 — „bundfrei". Die Disposition ist folgende: 



Gebundene Clavichords No 19 — 21 



1 

2. 

3. 

4. 
5 
6. 

7. 

8. 

9. 

10. 

11. 



Saite 



C 

Cis 

D 

Dis 

E 

F 

Fis 

I G 
\Gis 

A 
IB 
\H 

I c 
I cis 



12. Saite 

13. „ 

14. „ 

15. „ 

16. „ 

17. „ 

18. „ 

19. ,. 



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• I fis 

I g 
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I cis 1 



20. Saite 

21. „ 

22. „ 

23. „ 

24. „ 

25. „ 

26. „ 

27. .. 



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J dis 2 



28. Saite 

29. 
30 
31. 

32. 

33. 

34. 



f 2 
fis 2 

g 2 

gis 2 

a 2 

fa- 
ll 2 



CIS 3 

d 3 
dis 3 



f 3 



Die Untertasten, deren Stirnkantcn rot und weiB bemalt sind, sind 
mit Buchsbaum, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,127a m, Tiefe 38 cm, Hohe 127? cm. 

Abbildung auf Seite 40. 

No. 20. Gebundenes Clavichord, 

laut einer seitlich auf der Taste c der kleinen Oktave geschriebenen 
Inschrift von: „Joh. Samuel Puchert, orgel /- u. Instrumentmacher in 
Rudelstadt 1783" erbaut. Das Gehause ist aus Tannenholz und 

weist dunkeln Anstrich auf. 

Die Besaitung besteht aus 37 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: C — f 3 (vier Oktaven und Quarte). Es sind meist zwei, 
einmal (33. Saite) drei Tasten „gebunden"; die Disposition, die an- 
scheinend urspriinglich etwas anders angeordnet war, ist folgende: 



1. 

2. 


Saite 

1 l 


C 
Cis 


14. 
15. 


Saite 

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: d 
: dis 


23. 


Saite 


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31. Saite 

32. „ 


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3. 


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16. 


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24. 




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4. 


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17. 
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19. 




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5. 
6. 


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8. 


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9. 


11 


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10. 


1 1 


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20. 


11 


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28. 

29. 
30. 




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11. 
12. 

13. 


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22. 


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: d 2 
: dis 2 


36. „ 

37. „ 


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• ) dis 3 

I e 3 
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Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkel 



gebeizt. 

Breite 1,29 m, Tiefe 41 V« cm, Hohe 137a cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 252. 

No. 21. Gebundenes Clavichord 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument ruht auf einem Gestell mit vier kreuzvveise verbundenen 
gedrehten Beinen; im Oberteile des Gestelles sind zwei Schubladen zum 
Aufbewahren von Musikalien angebracht. Das Gehause ist aus Tannen- 
holz und weist dunkelgriinen Anstrich auf; die AuBenseite laBt noch 
schwache Spuren einer ehemaligen Goldbemalung erkennen. Die 
Riickseite des Vorsetzbretts zeigt hiibsche Blumenmalereien. 



Gebundene Clavichords No. 21 u. 22 



Die Besaitung besteht aus 40 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: Contra-A — P (vier Oktaven und Sexte). Es sind nicht mehr 
als zwei Tasten „gebunden"; die d- und a-Saiten sind mit Ausnahme 
von a : und d 1 „bundfrei". Die Disposition ist folgende: 



1. 


Saite 


Contra-A 


2. 


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„ B 


3. 


tt 


: „ H 


4. 




: C 


5. 




Cis 


6. 




D 


7. 




Dis 


8. 


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9. 


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F 


10. 




Fis 


11. 




G 


12. 




Gis 


13. 




A 


14. 




B 


15. 




H 



16. Saite 

17. „ 

18. „ 

19. „ 

20. „ 

21. „ 

22. „ 

23. „ 



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24. 
25. 
26. 

27. 

28. 
29. 
30. 

31. 
32. 



Saite 



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1 fis 1 

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33. 


Saite 


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34. 


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37. 


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39. 


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1 d 3 
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40. 


a 


. 1 e 3 
If 3 



Die Untertasten sind schwarz gebeizt, die Obertasten mit Bein belegt. 
Breite 1,58V« m, Tiefe 43 cm, Hohe 82 7» cm. 

No. 22. Gebundenes Clavichord 

mit geschriebenem Zettel an der linken inneren Seitenwand des Ge- 
hauses: „Christian, Gottlob, Hubert, Hoff- Orgel und Instrumenten 
Bauer / in Anspach fecit Ao : 1787 :" — 

Das hiibsche Instrument ruht auf einem mit Kerbschnitzerei ver- 
zierten Gestell mit vier kannelierten Spitzbeinen; im Oberteil des 
Gestells sind zwei Schubladen angebracht. — Das Gehause ist aus 
Eichenholz. 

Die Besaitung besteht aus 42 doppelchorigen Saiten. Umfang 
der Klaviatur: Contra A— f 3 (vier Oktaven und Sexte). Es sind nicht 
mehr als zwei Tasten „gebunden"; alle d- und a-Saiten sind „bundfrei". 
Die Disposition ist folgende: 

c 

cis 
d 

dis 
e 
I f 
I fis 

I g 
I gis 

a 
I b 

I c 
\ cis 1 
d 1 

Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein 
belegt. 

Breite 1,37 '/a m, Tiefe 39 l l* cm, Hohe 77 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 234. 
Die spate Zeit, der die Instrumente No 20 — 22 angehoren, ist ein Beweis, daB 
sich die „gebundenen" stets neb en den „bundfreien" Clavichords erhielten. 



1. 


Saite 


Contra 


-A 


16. 


Saite 


2. 


1 1 


a 


B 


17. 


a 


3. 


ii 


a 


H 


18. 


a 


4. 


a 


C 




19. 




5. 


a 


Cis 




20. 




6. 

7. 


a 
a 


D 
Dis 




21. 


a 


8. 
9. 


n 


E 

F 




22. 


a 


10. 


a 


Fis 




23. 




11. 

12. 


a 


G 
Gis 




24. 


a 


13. 
14. 


a 


A 
B 




25. 


a 


15. 


a 


H 




26. 





27. Saite 

28. „ 

29. „ 

30. „ 

31. „ 

32. „ 

33. „ 

34. „ 



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35. 


Saite 


36. 


1 1 


37. 


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38. 


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39. 


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40. 


11 


41. 


11 


42. 





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1 fis 2 

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a 2 
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I dis 3 

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^^^^^^i,^ Bundfreies Clavichord No. 23 



BUNDFREIE CLAVICHORDS. 

No. 23. Bundfreies zweimanualiges Pedal-Clavichord 

mit geschriebener Inschrift auf der Riickseite des unteren Vorsetzbretts: 
„Johann David Gerstenberg, Orgelbauer zu Geringswalda, hat uns ge- 
macht. 1760". 

Das seltene Instrument ist als Uebungsinstrument als Ersatz der 
Orge! fur den hauslichen Gebrauch eines Organisten gebaut. Zwei uber- 
einander gebaute Clavichords, von denen das untere urn Tastenlange 
herausziehbar ist, bilden die beiden Manuale; in einem darunter ge- 
bauten Kasten liegt das zwei Oktaven umfassende Pedal. Der auBere 
Kasten ist aus Tannenholz, die beiden Clavichords sind in NuBbaum 
fourniert. In die Schallocher der drei Resonanzboden sind hubsche 
Rosetten von gleichen Mustern eingelassen; die Innenseiten der Ge- 
hause sind mit farbigen Tapetenstreifen beklebt. Zu beiden Seiten der 
Klaviatur sind Messingbeschlage mit Ringen angebracht; im iibrigen 
ist das Instrument schmucklos ausgestattet. 

Die Clavichords haben — wie gewohnlich — zweichorige Be- 
saitung; das Pedal ist vierchorig besaitet, und zwar sind fur jede Taste 
zwei Saiten in normaler Tonhohe (im 8' Ton) und auBerdem zwei iiber- 
sponnene Saiten in der tieferen Oktave (im 16' Ton) vorhanden. 1 ) — 
Umfang der beiden Manualclavichords: C — e 3 (je vier Oktaven und Terz), 
des Pedals: Contra-C — c (zwei Oktaven). 

Die Manual - Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit 
Elfenbein belegt. 

Obere Breite (Manuale): 1,48 m, Tiefe 42V* cm; untere Breite 
(Pedalkasten): 2,28 m, Tiefe 95 cm; Gesamthohe 1,07 m. 

An dem Instrument befindet sich noch die mit Leder iiberzogene 
Original-Spielbank. 

Abbildung auf Seite 47; Nachbildung der Inschrift auf Seite 228. 

Pedalclavichords waren im 18. Jahrhundert vielfach im Gebrauch der Organisten 
anzutreffen; der Sondershausener Hoforganist Heinrich Nicolaus Gerber (1702 -1775), 
ein Schiiler Joh. Seb. Bachs, erfand sogar i. J. 1742 ein derartiges Instrument in Form 
eines Pyramidenfliigels. Vgl. hieriiber seines Sohnes Ernst Ludwig Gerber „Lexicon 
der Tonkiinstler" (Leipzig, 1790), 1. Theil, Sp. 494: „Bisher hatte er zwey Klaviere 
und Pedal von gewohnlicher Form [wie das vorliegende Instrument von Gerstenberg] 
auf der Stube iibereinander stehen gehabt; welche an sich zwar gut, aber ihm immer 
wegen ihrer beschwerlichen Stimmung und wegen dem groBen Platze, den sie ein- 
nahmen, lastig fielen. Er arbeitete also seit dem Jahre 1742 mit Hiilfe eines Schreiners, 
an einem Clavichord, fast in Gestalt einer Pyramide, mit 2 Klavieren und Pedal und 
10 Veranderungen, welches 9 FuB hoch, in der groBten Breite 7 FuB, und 1 FuB tief 
ist, der Raum ungerechnet, den die hervorragenden Tasten der Manualen und des 
Pedals einnehmen." 

Ueber die Konstruktion der Pedale an Clavichords vgl. Ad lungs ,,Musica 
mechanica Organoedi" Berlin 1768, zweiter Band, SS. 158 — 162; eine Beschreibung 
des vorliegenden seltenen Instruments findet sich in der „Zeitschrift fur Instrumenten- 
bau", Bd. XIV (1894), SS. 649—650. Es wurde in Plauen im Voigtlande gefunden. 2 ) 

') Ueber die aus dem Orgelbau iibernommene FuBton-Bezeichnung (8', 16' etc.) 
vgl. die Einleitung zur Abteilung ,,Orgeln". 

2 ) Ein schones Exemplar eines Pedalclavichords besitzt auch das Museum der 
,,Neuen Bachgesellschaft" in Bachs Geburtshaus zu Eisenach. Es ist — laut 



Bundfreie Clavichords No. 24 



No. 24. Bundfreies Clavichord, 

mit teilweise abgerissenem gesehriebenem Zettel auf der linken inneren 
Seitenwand: „Christian Gottlob Hubert / Hochfiirstl: Anspachisch: 
Bayreuthisclier / Hoff-Orgel und Instrumenteii Bauer / fecit Ao: 177.. 
Anspach". - Das Gehause des sehr hubsch im Rokokostil ausgestatteten 
Instruments ist weiB gestrichen und mit Goldmalereien und verzierten 
Messingbeschlagen und -Griffen versehen. Es ruht auf einem ebenso 
ausgestatteten und mit Schnitzereien reich geschmiickten Gestell mit vier 
geschweiften Beinen; im Oberteil ist zur rechten Seite eine Schublade 
angebraeht. — Die Innenseite des Deckels ist mit einer hiibschen Malerei 
auf Leinwand geschmuckt, die anscheinend eineOpernszene — BegriiBung 
heimkehrender Krieger durch eine Gruppe von Frauen - - darstellt. In 
dem zur linken Seite der Klaviatur angebrachten Kastchen liegt ein alter 
Stimmschliissel. 

Die Besaitung ist zweichorig; Umfang der Klaviatur: Contra 
F— a 3 (fiinf Oktaven und Terz). Die Untertasten sind mit Ebenholz belegt 
und mit Elfenbein- und Perlmuttereinlagen verziert; die Obertasten haben 
gravierten Elfenbeinbelag. 

Breite 1,59 m, Tiefe 45 cm, Hohe 83 cm. 

Abbildung auf Seite 48. 

No. 25. Bundfreies Clavichord 

aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers, 
aber wahrscheinlich ebenfalls von Christian Gottlob Hubert in Ansbach 
verfertigt. — Das im Rokokostil sehr hubsch ausgestattete Instrument ruht 
auf einem mit Goldmalereien und Schnitzereien reich verzierten Gestell 
mit vier geschweiften Beinen; im Oberteil sind zwei Schubladen an- 
gebraeht. Auf der Innenseite des Deckels befindet sich eine von 
Blumenornamenten umrahmte Malerei, eine cisterspielende Dame dar- 
stellend, die von ihrem etwas naiv ausschauenden Galan belauscht wird. 
Zur linken Seite der Klaviatur ist ein Kastchen angebraeht, dessen 
Deckel in Eiche fourniert und mit hiibschen Elfenbein- und Ebenholz- 
einlagen geschmuckt ist. 

Die Besaitung ist zweichorig; Umfang der Klaviatur: Contra 
F — f 3 (fiinf Oktaven). Die Untertasten, deren Stirnkanten mit gepreBtem 
Papier beklebt sind, sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,68 m, Tiefe 58 cm, Hohe 82 cm. 

Abbildung auf Seite 57. 

Das Instrument stammt aus Thiiringen; es soil im Arnstadter SchloB 
gestanden haben. 

No. 26. Bundfreies Clavichord 

aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 

Das Instrument ruht auf einem neu angefertigten einfachen Gestell 

mit vier eckigen Spitzbeinen. Das Gehause ist aus Tannenholz; die 

freundlicher Mitteilung des Kustos Dr. G. Bornemann - unsigniert, einmanualig und 
bundfrei; das Manual umfaBt 6 Oktaven (Contra-F— f 4 ), das Pedal 2 Oktaven (Contra- 
ct -c). Nach dem Umfang der Klaviatur zu schlieBen, geliort es bereits dem ersten 
Viertel des 19. Jahrhunderts an. -- Ein ahnliches Instrument von Joh. Paul Kraemer in 
Gottingen a. d. J. 1800 weist das Qermanische Museum zu Ni'irnberg auf. Vgl. auch 
das auf S. 259 erwahnte ,,Cornett-Clavier" von Joh. Oeorg Schenck in Weimar. - Ein 
„Doppelclavichord" befindet sich im ,, Norsk Folkemuseum" zu Christiania (No. 23, 
Katalog 1904 S. 66); vermutlich ist der zugehorige Pedalkasten verloren gegangen. 



47 




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48 




No. 28. Bundfreies Clavichord in „ovalrtmder Form" 
von Carl Lemme, Braunschweig 1787. 



Text: Seite 49. 



Bundfreie Clavichords No. 26—29 



Innenrander des Gehauses sowie Vorsetzbrett und Klaviaturbacken weisen 
ziegelroten Anstrich auf. Der Resonanzboden ist mit Blumenmalereien 
versehen ; der Deckel des zur linken Seite der Klaviatur angebrachten 
Kastchens ist mit Ebenholz- und Elfenbeineinlagen verziert. 

Die Besaitung ist drei- und zweichorig: fur die tiefsten IV2 
Oktaven (Contra G — d der kleinen Oktave) ist eine dritte Saitenreihe 
vorhanden, die in der hoheren Oktave mitklingt (d. h. im 4 -Ton steht); 
diese Oktavseiten sind iiber einen besonderen Steg gespannt. Umfang 
der Klaviatur: Contra G — d 3 (vier Oktaven und Quinte). Die Unter- 
tasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Schildpatt belegt. 

Breite 1,68 m; Tiefe 52 cm; Hohe 18 cm, mit Gestell 81 Vi cm. 



No. 27. Bundfreies Clavichord 

mit gravierter Inschrift auf einem kleinen Elfenbeinplattchen inmitten 
des Vorsetzbretts : „Gefertiget / Gottfried Joseph Horn senior / in 
Nickern b. Dresden 1785 Das 150*1". — Das Instrument ruht auf 
einem Gestell mit vier kannelierten eckigen Spitzbeinen. Das Gehause 
ist aus Eichenholz und im Innern mit htibschen von Ahornadern urn- 
saumten NuBbaumfournieren verziert. Die Messingscharniere weisen 
Gravierungen auf. In die beiden Schallocher des Resonanzbodens sind 
hiibsche vertiefte Rosetten eingelassen. 

Die Besaitung ist zweichorig; die zweite Saite der tiefsten Oktave 
ist in der hoheren Oktave gestimmt. Umfang der Klaviatur: Contra F— g 3 
(fiinf Oktaven und ein Ton). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die 
Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,71 m; Tiefe 51 cm; Hohe 83 1 2 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 233. 

No. 28. Bundfreies Clavichord, 

laut geschriebener Inschrift auf dem Resonanzboden von „Carl Lemme 
Organist in Braunschweig Anno 1787" erbaut, und zwar als „No. 802 
Sorte 14". Ueber der Inschrift ist das braunschweigische Wappen 
in schwarzer Farbe aufgetragen. - - Das Instrument ruht auf vier eckigen 
Spitzbeinen, die mit Schnitzerei verziert sind; das Gehause hat die von 
Lemme erfundene „ovale" Form und ist in Mahagoni fourniert. 

Die Besaitung ist drei- und zweichorig: fur die tiefsten VU 
Oktaven (Contra F — A der groBen Oktave) ist wie bei dem Clavichord 
No. 26 eine dritte Saitenreihe vorhanden, die in der hoheren Oktave 
mitklingt und iiber einen besonderen Steg gespannt ist. Umfang der 
hubsch ausgestatteten Klaviatur: Contra F — a 3 (fiinf Oktaven und Terz). 
Die Untertasten haben Schildpatt- und an den Stirnkanten auBerdem 
Perlmutterbelag; die Obertasten sind aus Ebenholz und ebenfalls mit 
Perlmutter belegt. 

Breite 1,80 m, Tiefe 45 cm, Hohe 77 cm. 

Abbildung auf Seite 48; Nachbildung der Inschrift auf Seite 238. 
Naheres iiber Lemmes „ovalrunde Clavichords" siehe auf Seite 240. 

No. 29. Bundfreies Clavichord 

mit gedrucktem Zettel auf der Deckel-Innenseite des links neben der 
Klaviatur angebrachten Kastchens: „JOHANN AUGUST1N STRAUBE, / 
MUSICAL1SCHER-INSTRUMENTENMACHER. FECIT A BERLIN, Anno 
1787". — Das Instrument ruht auf vier gedrehten Beinen. Das Gehause 
ist aus Eichenholz; der Deckel des Kastchens ist in Ebenholz fourniert 
und mit hiibschen Einlagen von verschiedenfarbigen Holzern verziert. 



Bundfreie Clavichords No. 29 32 



Der Resonanzboden, in dessen Schalloch eine vertiefte Rosette eingelassen 
ist, erstreckt sich iiber das ganze Innere des Instruments und ist an 
der Anschlagstelle der Tangenten gespalten. 

Die Besaitung ist zweichorig; Umfang der Klaviatur: Contra 
F— f 3 (funf Oktaven). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten 
mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,79 m, Tiefe 54 Va cm, Hohe 75 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 272. 

No. 30. Bundfreies Clavichord, 

laut eingestanzter Inschrift auf der Innenseite des zur linken Seite neben 
der Klaviatur angebrachten Kastchendeckels von „C G [ — Christian 
Gottlob] Friederici" erbaut; auf der AuBenseite des Deckels sind auOer- 
dem die Initialen „C G F" lesbar. Oberhalb und unterhalb beider In- 
schriften sind Kronen als Abzeichen des „reuBischen Hofraths" einge- 
stanzt. Aus dem letzten Viertel des 18.Jahrhunderts. — Das Instrument ruht 
auf einem einfachen Gestell mit vier eckigen Spitzbeinen; im Oberteil 
des Gestells sind zwei Schubladen angebracht. Das Gehause ist aus 
Eichen-, der Deckel aus Tannenholz. In das Schalloch des Resonanz- 
bodens ist eine hiibsche Rosette eingelassen. 

Die Besaitung ist zweichorig; Umfang der Klaviatur: Contra F — f 3 
(fiinf Oktaven). Ausstattung der fasten wie bei No. 29. 

Breite 1,74 m, Tiefe 507* cm, Hohe 817s cm. 

No. 31. Bundfreies Clavichord 

laut geschriebener Inschrift in der rechten oberen Ecke des Resonanz- 
bodens von „[Johann Nicolaus] Deckert in Breitenbach" erbaut; aus dem 
Ende des 18. Jahrhunderts. - - Das Instrument ruht auf vier gedrehten 
Beinen ; das Gehause ist aus Tannenholz und weist rotbraunen Anstrich auf. 

Die Besaitung ist zweichorig; Umfang der Klaviatur: C — g 3 
(vier Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die 
Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,537a m, Tiefe 497a cm, Hohe 73 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 218. 

No. 32. Bundfreies Clavichord 

mit gedrucktem Zettel in der rechten oberen Ecke des Resonanzbodens: 
„Siegmund Theodor Kramer / in Gottingen, / verfertigt Claviere und 
Fortepiano's". Aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. -- Das Instrument 
ruht auf vier eckigen Spitzbeinen; das Gehause ist in Kirschbaum 
fourniert. 

Die Besaitung ist zweichorig; Umfang der Klaviatur: Contra- 
F- a 3 (fiinf Oktaven und Terz). Ausstattung der Tasten wie bei 
No. 31. 

Breite 1,73 m, Tiefe 55 cm, Hohe 72 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 238. 



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51 



BEKIELTE TASTEN INSTRUMENTS 

Die zweite Hauptgattung von Tasteninstrumenten, die in der Tonkunst 
des 16. — 18. Jahrhunderts eine noch wichtigere Rolle spielte und infolgedessen 
auch weitere Verbreitung fand als das Clavichord, bilden die „bekielten Instru- 
mente" (lat.: instrumenta pennata), zu denen Clavicytherium, Clavicymbel 
(Cembalo oder Kielfliigel), Spinett und Virginal gehoren. Sie unter- 
scheiden sich hinsichtlich der Besaitung und der weit komplizierteren Mechanik 
wesentlich vom Clavichord; vor allem waren sie von Anfang an „bundfrei", 
d. h. jede Taste hatte ihre besondere Saite, und die Saiten wurden nicht durch 
Tangenten angeschlagen, sondern durch Federkielchen oder ahnlich geformte 
Lederstiickchen angerissen. 

1st die Urform des Clavichords in dem Monochord zu erblicken, so 
deutet der Name „Clavicymbel" auf die Abstammung des Kielfliigels von dem 
Cymbal oder Hackebrett bin. Das Hackebrett (ital.: Salterio) ist ein uraltes 
Saiten-Schlaginstrument und zweifellos aus dem biblischen Psalter hervor- 
gegangen. Ueber eine Resonanzdecke war eine Reihe schrag laufender Metall- 
saiten gespannt, die durch zwei Stege ihre Mensur erhielten und mittels 
kleiner holzerner Kloppel geschlagen wurden. Noch heute findet man das 
Instrument bei umherziehenden Zigeunern im Gebrauch, die es mit groBer 
Fertigkeit handhaben. Ebensowenig wie beim Clavichord laBt sich bei den 
bekielten Tasteninstrumenten iiber die Zeit ihres ersten Auftauchens etwas Be- 
stimmtes nachweisen; man kann ebenfalls annehmen, daB ihre Entwickelung 
um die Mitte des 15. Jahrhunderts im wesentlichen beendet war. Ein historisch 
sehr wertvolles Instrument besitzt das Museum in dem etwa ein Jahrhundert 
jiingeren zweimanualigen Clavicytherium (No. 66 des Katalogs), das durch seine 
Konstruktion - - den aufrechtstehenden Resonanzkorper bilden zwei uberein- 
ander liegende Hackebretter - die alteste Form der Kielinstrumente darstellt. 

DieTonerzeugung ist bei alien zu dieser Familiegehorenden Instrumenten 
die namliche; der Vorgang laBt sich kurz auf folgende Weise beschreiben : 

Die Tasten stehen nicht wie beim Clavichord unmittelbar mit den 
Saiten in Verbindung, sondern mittels sogenannter „Docken", die lose auf 
den Tasten ruhen und durch eine in facherartige Einschnitte eingeteilte Leiste 
ihre Fuhrung erhalten. Die Docke (eigentlich: Puppe; franz.: sautereau; 
engl. : jack), die gleichsam als mechanisches Plektrum dient, ist ein flaches 



Bekielte Tasteninstrutnente 



Holzstabchen, das an seinem oberen Ende mit einer beweglichen Holz- 
zunge versehen ist: in diese federnde Zunge ist seitwarts ein zugespitztes 
Stiickchen Federkiel oder ein Lederstuckchen eingeklemmt.') Beim Nieder- 
driicken der Taste hebt sich die Docke in die Hohe und schiebt sich an 
der Saite vorbei, so daB das seitwarts vorstehende Federkielchen unter die 
Saite greift und diese anreiBt. Sobald der Finger die Taste verlaBt, wird 
das Kielchen beim Passieren der Saite vermoge der beweglichen Zunge ge- 
rauschlos zuruckgeschnellt und mittels einer an der Riickseite der Zunge an- 
gebrachten kleinen Feder aus Schweinsborste oder aus Metall wieder in seine 
ursprtingliche Lage versetzt. Zur Abdampfung der Saite dient ein am oberen 
Teil der Docke in einem Spalt neben der Zunge befestigtes Stiickchen Filz 
oder Wolltuch, das im ruhenden Zustand auf den Saiten aufliegt. — Der auf 
diese Weise erzielte Klang der Kielinstrumente ist stark, rauschend und durch- 
dringend; es haftet ihm aber, da die Kielchen die Saiten stets nur mit gleicher 
Starke anreiBen konnen, etwas Starres, Gleichformiges an - - ein Uebelstand, 
der namentlich bei den einchorig besaiteten Spinetts in Erscheinung tritt. 

Das Clavicymbel oder der Kielfliigel (lat.: Clavicymbalum; ital.: 
Clavicembalo, korrumpiert auch „Gravicembalo", abgekiirzt meist „Cembalo" 
genannt; franz.: Clavecin; engl.: Harpsichord) ist das wichtigste Instrument 
der ganzen Gruppe und nahm wahrend des 16. — 18.Jahrhunderts noch eine 
bedeutendere Stellung ein als sie jetzt das Pianoforte besitzt. Denn es spielte 
nicht nur eine groBe Rolle als Soloinstrument sondern diente infolge seines 
rauschenden Klanges, der mit der Klangfarbe der Streich- und Blasinstrumente 
und der menschlichen Stimme gut verschmolz, auch als wichtigstes „GeneralbaB"- 
Instrument; zu jeder Theater- und Kirchenmusik, zu jedem Orchester- und 
Kammermusikwerk waren ein oder mehrere Fliigel behufs Ausfiihrung des 
„Basso continuo" unerlaBlich.-) 

Die schon im 16. Jahrhundert gebrauchliche Gestalt des Gehauses wurde 
durch die nach der Hohe zu immer kleiner werdende Lange der Saiten be- 
dingt und entsprach etwa einem groBen ausgebreiteten Vogelfltigel; die Form 
und die davon abgeleitete Bezeichnung „Fliigel" haben sich ja bis heutigen 
Tages erhalten. Man hatte fur das Instrument, wie Praetorius berichtet, 
auch die originelle Bezeichnung „Schweinskopf", „weil es so spitzig, wie ein 



') In Deutschland wurden zu diesem Zwecke zugespitzte Kiele von Raben- oder 
Adlerfedern verwendet, wahrend man sich in Italien und Frankreich mehr der wider- 
standsfiihigeren Lederstuckchen bediente. Das „Bekielen", d. h. das Einsetzen un- 
brauchbar gewordener oder umgeknickter Kielchen in die Docken muBte jeder Cembalist 
verstehen ; Joh. Seb. Bach hat diese Fertigkeit mit besonderer Meisterschaft beherrscht. 

2 ) ,,Das Clavicymbel mit seiner Universite gibt ein accompagnirendes, fast un- 

entbehrliches Fundament zu Kirchen-, Theatral- und Cammer-Music ab " riihmt 

Mattheson im „Neu-Er6ffneten Orchestre" (Hamburg 1713, S. 263). 



Bekielte Tasteninstrumente 



wilder Schweinskopf vorne zugehet". — Die Klaviatur, die einen Umfang 
von vier, spater von viereinhalb und fiinf Oktaven hatte, war an der Schmal- 
seite des Instruments angebracht, wahrend bei Spinetts und Virginals die 
Tasten stets an der Breitseite lagen. 

Die Besaitung der Fliigel war — wenigstens von der Mitte des 
16. Jahrhunderts ab stets mehrchorig, und zwar benutzte man entweder 

zwei im Einklang gestimmte oder auch oft mehrere Saitenchore verschiedener 
Starke und Tonhohe: ein oder zwei Saitenchore hatten normale Stimmung 
(d. h. sie standen im 8 '-Ton) und ein dritter Chor war in der hoheren Oktave 
(im 4 '-Ton), zu spaterer Zeit, als der Gebrauch iibersponnener Saiten in 
Aufnahme kam, auch in der tieferen Oktave (im 16 '-Ton) gestimmt. Der 
4'-Saitenchor wurde „Spinett" oder „Oktavchen" genannt. Selbstverstand- 

lich war fur jeden Saitenchor eine besondere Reihe von Docken notwendig; 
durch mehrere in ihrer Einrichtung der Orgel entlehnte Registerziige, die 
die betreffenden Dockenreihen an- und abstellten, konnten die einzelnen 
Saitenchore nach Belieben vereint oder getrennt angewendet werden, so daB sich 
auf diese Weise verschiedene dynamische Starkegrade erzielen lieBen und der 
gleichformige Klang abwechslungsreicher gestaltet werden konnte. Sehr be- 
liebt war im 18. Jahrhundert auch die Anbringung eines sogenannten „Lauten- 
zugs", mittels dessen eine mit Filzstiickchen besetzte Leiste gegen die Saiten 
gedriickt wurde, wodurch der kurz abgerissene Klang der Saiten lautenahn- 
lichen Charakter erhielt. Die zahlreichen anderen Registerziige und „Ver- 
anderungen", die im Laufe des 18. Jahrhunderts aufkamen und zur Hervor- 
bringung besonderer Klangeffekte dienen sollten, konnen hier, da sie aus- 
nahmslos nur Kuriositatsinteresse haben, unerortert bleiben. Die groBeren 
Instrumente wurden oft, um ein rascheres Uebergehen von einem Saitenchor 
auf den andern zu ermoglichen, entsprechend der Orgel mit zwei, zuweilen 
auch mit drei Manualen versehen; derartige zweimanualige Clavicymbel waren 
bereits in der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts im Gebrauch. (Vgl. Seite 84.) 

Die friiheste Erwahnung des Cembalo findet sich in Eberhard Cersne's 
Regeln der Minnesanger vom Jahre 1404; in Italien kommt der Name des 
Instruments zum erstenmal 1461 in einem Brief des Instrumentenmachers 
Tantini aus Modena vor. Der alteste bekannte datierte Kielfliigel befindet sich 
im South Kensington-Museum zu London; er tragt die Inschrift „Hieronymus 
Bononsiensis [= aus Bologna] Faciebat Romae MDXXI" (1521) und weist 
in der Bauart bereits alle Merkmale spaterer Instrumente auf. An zweiter 
Stelle folgt ein dem Londoner Donaldson-Museum gehorendes Instrument 
von Alessandro Trasuntino aus dem Jahre 1531, und unser Museum 
besitzt ein nur zwei Jahre jiingeres einchoriges Cembalo von Dominicus 
Pisaurensis [= aus Pesaro]. Den ersten Rang unter den Erbauern 



Bekielte Tasteninstrumente 



von Kielfiigeln nimmt die beriihmte Familie Ruckers') in Antwerpen ein, 
die in der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts, der Bliitezeit der hollandischen 
und vlamischen Malerei, wirkte und deren Erzeugnisse in bezug auf Bauart 
und Ausstattung Meisterwerke genannt werden mussen.-') Von Antwerpen aus, 
wohin der Claveeinbau anseheinend von Koln a. Rh. verpflanzt worden 
war (vgl. Seite 258), verbreitete sich die Kunst des Klavierbaues nach Frank- 
reich und England. Von italienischen Meistern verdienen JoannesAntonius 
Baffo in Venedig (c. 1490— c. 1575) und der Erfinder des Hammerklaviers 
Bartolomeo Cristofori in Padua und Florenz (1655 1731), der Vlame 
Pascal Taskin (c. 1730—1793), von Deutschen Albert und Hieronymus 
Albrecht Hass (Vater und Sohn) in Hamburg, der Orgelbaumeister 
Gottfried Silbermann in Dresden (1683— 1753) und sein Neffe J ohann 
Andreas Silbermann in StraBburg (1712 — 1783), sowie die beiden in 
London wirkenden Burkard Shudi (eigentlich Burkhardt Tsehudi, ein 
Schweizer, 1702—1773) und Jacob Kirkmann (eigentlich Kirchmann, 
ein Deutscher, geb. ca. 1710) besondere Erwahnung. 

Schon ausgestattete Kielfliigel haben sich in alien Sammlungen ver- 
haltnismaBig zahlreich erhalten, wenn sich auch leider nicht allzu viele mehr 
in spielbarem Zustande befinden. Clavecins und Spinetts der verschiedenen 
Mitglieder der Familie Ruckers lassen sich noch in fast hundert Exemplaren 
nachweisen. Von historisch bemerkenswerten Fliigeln sind Handels zwei- 
manualiges Clavecin (1651 von Andreas Ruckers d. Aelt. in Antwerpen 
erbaut) im Londoner South Kensington-Museum und das ebenfalls zwei- 
manualige Clavicymbel J oh. Seb. Bachs (waluscheinlich eine Arbeit Gott- 
fried Silbermanns) in der Koniglichen Sammlung zu Berlin hervorzuheben. 

Eine besondere Abart des Clavicymbels bildet der aufrechte Flugel, 
das sogenannte Clavicytherium (Cembalo verticale), das aber nur wenig 
verbreitet war. Der Resonanzboden war wie bei unseren heutigen 



') Das Haupt der Familie war Hans Ruckers der Aeltere (e. 1550-c. 1620); 
ihm folgten seine beiden Sonne Hans (der Jiingere), geb. 1578, gest. 1642, und 
Andreas (der Aeltere), geb. 1579, sowie seine Enkel Andreas (der Jiingere), ein 
Sohn von Andreas dem Aelteren, geb. 1607, und Jean Couchet, ein Neffe und 
Schiller Hans d. Jung.; gest. 1655. 

") Schon vor der Ruckers-Zeit war dem erlesenen Geschmack des Renaissance- 
Zeitalters entsprechend auch in Italien auf die auBere Ausstattnng der Instrumente — 
Ausschmiickung des Deckels mit Malereien, Verzierung des Qehauses und Gestells durch 
kunstvolle Schnitzereien, Einlegearbeiten u. Aehnl. - - viel Wert gelegt worden. So 
bemerkt z.B.Ambros in seiner „Geschichte derMusik" (3. Band, 3. Auflage, Leipzig 1891, 
Seite 432): ,,Ein Meister wie Giulio Romano [1492-1546] verschmahete es nicht 
einen solchen Klavierdeckel zu malen, einen Tanz Apolls mit den Musen auf Gold- 
grund - schon genug, daB er jetzt in der Gemaldegalerie des Palastes Pitti eine Stelle 
gefunden." 



Bekielte Tasteninstrumente 



Pianinos — aufrechtstehend; die Saiten standen mit den Tasten durch 
holzerne oder metallene Stabe (sog. „Abstrakte") in Verbindung. Praetorius 
sagt (Seite67): „Ist vorne spitzig, gleich wie ein Clavicymbalum, allein daB 
das Corpus und Sangboden mit den Saiten ganz in die Hohe gerichtet ist . . . 
und gibt einen Resonanz, fast der Cithern oder Harfen gleich von sich." 
Diese charakteristische „Resonanz", der das Clavicytherium den Namen ver- 
dankt, ist aber eigentlich nur bei den altesten Instrumenten anzutreffen, die 
noch dem 16. Jahrhundert angehoren und sich durch eine eigentiimliche 
Anordnung der Besaitung und der Docken auszeichnen; eine ausfuhrliche 
Beschreibung dieser Konstruktion enthalt No. 66 des Katalogs. Von derartigen 
Exemplaren hat man bisher nur zwei gefunden, die beide italienischen 
Ursprungs sind. Spater, d. h. schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts iibertrug 
man die Bezeichnung „Clavicytherium" auf gewohnliche Clavicymbel, die 
man behufs Raumersparnis in aufrechter Form herstellte oder aus horizontalen 
Fliigeln zu dieser Form umarbeitete. 

Ebenso zahlreich wie die Fliigel war die kleinere Abart derselben, das 
Spinett, verbreitet (ital. : Spinetta; franz. : Epinette; engl.: Virginal; in 
Deutschland meist nur als instrument" bezeichnet); es waren dies kleine 
tragbare Instrumente, die nur einchorige Besaitung und meist fiinfeckige, 
trapezahnliche Form hatten. Spinetts von rechteckiger Form, die besonders 
in England und Holland verbreitet waren, wurden Virginals genannt; 
doch sind beide Bezeichnungen schwankend und gehen oft ineinander iiber; 
in England z. B. nannte man jedes spinettartige Instrument, gleichviel ob von 
rechteckiger oder unregelmaBiger Form, „Virginal". 

Die Etymologie beider Bezeichnungen ist nicht genugend aufgeklart. Man 
fuhrt „Spinett u wegen der Aehnlichkeit des die Saiten anreiBenden Federkiels 
mit einem Dorn auf das italienische Wort „spina" (der Dorn) und sein Dimi- 
nutiv „spinetta" zuriick. GroBere Wahrscheinlichkeit hat aber die Ableitung 
des Wortes von einem venezianischen Instrumentenbauer Giovanni Spinetti, 
der gegen Ende des 15. Jahrhunderts lebte und dem wahrscheinlich, wenn 
auch nicht die Erfindung, so doch ein wesentlicher Anteil an der Ver- 
besserung und Verbreitung des Instruments zuzuschreiben ist. Jedenfalls taucht 
der Name „Spinett" nicht vor Beginn des 16. Jahrhunderts auf. — Die Bezeich- 
nung „Virginal" ist englischen Ursprungs. Die Annahme, daB das Wort mit Be- 
ziehung auf die „jungfrauliche" Konigin Elisabeth, eine groBe Liebhaberin 
des Instruments, gewahlt worden sei, ist nicht stichhaltig, denn der Name 
„Virginal" war schon im Anfang des 16. Jahrhunderts im Gebrauch und wird 
bereits von Virdung 1511 erwahnt. Da das Virginal namentlich bei den 
englischen jungen Damen sehr beliebt war, laBt sich seine Benennung am besten 
als „Frauenzimmer-" oder „Jungfernklavier" erklaren. 



Bekielte Tasteninstrumente 



Der Umfang der Klaviatur betrug wie bei dem Clavichord meist vier 
Oktaven (C— c 3 ) mit der „kurzen" Oktave im BaB. Man hatte Spinetts ver- 
schiedener GroBe und Stimmung; zumeist standen sie eine Quinte hoher als 
der „Chorton", in dem der Flugel gestimmt war. Die kleinste Gattung bildete 
das „Oktav-Spinett" (ital. : spinettina, auch „spinetta da serenata"), das eine 
ganze Oktave hoher (also im 4-Ton) stand ; es wurde beim Musizieren zur 
Ermoglichung einer Pianowirkung in oder auf Flugel, die keinen Saiten- 
chor im 4'-Ton besaBen, gestellt. 

Das alteste bisher bekannte datierte Spinett befindet sich in italienischem 
Privatbesitz zu Perugia; es tragt auf den geschnitzten Klaviaturbacken die 
Inschrift: „ALEXANDRI / PASI I MVT1N/ENSIS OPVS" „ M/CCCCL / 
XXXX/IH • " [1493] und hat fiinfeckige Form. 1 ) An zweiter und dritter Stelle 
folgen ein einer englischen Sammlerin gehorendes Spinett von Annibale 
Rosso aus Mailand mit der Jahreszahl 1520 und ein im Museum des Pariser 
Conservatoire befindliches Instrument von Francesco de Portalupo aus 
Verona, das 1523 datiert ist. Das kostbarste und prachtigste Spinett der 
Welt nennt das Londoner South Kensington-Museum sein eigen: es ist ein 
Werk des eben erwahnten Annibale Rosso aus dem Jahre 1577 und mit 
fast zweitausend Edelsteinen der verschiedensten Art besetzt.) Aus der nam- 
lichen Zeit stammt das derselben Sammlung gehorende, sehrschon ausgestattete 
und bemalte Virginal aus Murano fur die Konigin Elisabeth von Bohmen, 
die Tochter Konig Jacob I. von England; auch das von Bartolomeo 
Cristofori 1693 fur Ferdinand von Medici erbaute Spinett, das sich in 
unserm Museum befindet (siehe No. 53 des Katalogs), verdient seiner schonen 
Arbeit und eigenartigen Form wegen an dieser Stelle genannt zu werden. 



1 ) Mutinensis == aus Modena. Diese Stadt, in der auch Tantini (s. Seite 53) 
ansassig war, muB demnach eine der iiltesten Pflegestatten des Klavierbaues gewesen sein. 

2 ) Vgl. , , Catalogue for the Musical Instruments of the South Kensington Museum", 
London 1874 (pag. 270 u. 272). Das Rosso-Spinett wurde 1867 gelegentlich der Pariser 
Weltausstellung aus franzosischem Privatbesitz fur den Betrag von £ 1200 erworben 

wohl der hochste je fur ein Tasteninstrument gezahlte Preis. 



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No. 33. Spinett 
von Benedetto Floriani, Venedig 1571. 

Text: Seite 59. 



Filzstiickchen 
zur Abdampfung 



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bewegliche 
Holzzunge 






Bleieinlage 

zur 

Beschwerung 



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Federkielchen 




Docke aus einem 
Kielflugel 

in natiirlicher QroBe. 



No. 35. Kleines Virginal 

in Form eines Nahkastchens, 

anscheinend von Hans Ruckers dem Aelteren 

Antwerpen, c. 1610. 

Text: Seite 59. 



Spinette u. Virginals No. 



SPINETTE und VIRGINALS. 



No. 33. Spinett, 

laut Inschrift auf dem Vorsetzbrett iiber der Klaviatur eine Arbeit 
„BENEDICTI FLORIANI MDLXXI" (1571). - Das Instrument hat unregel- 
maBig sechseckige Form und vorstehende Klaviatur. Die Vorderwand, 
die rechte innere Seitenwand des Gehauses und das Vorsetzbrett sind 
mit schonen Arabesken-Goldmalereien nach Art orientalischer Teppich- 
muster verziert; die Dockenleiste 1 ) ist auBerdem mit Elfenbeinknopfchen 
besetzt. In das Schalloch des Resonanzbodens war ehemals eine Rosette 
eingelassen, die leider verloren gegangen ist. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C — P (vier Oktaven und Quarte)'); die tiefste Oktave ist 
„kurz". Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind 
aus Ebenholz und mit Goldarabesken bemalt. 

Breite 1,66' U m; Tiefe 50 cm; Hohe 17 cm. 

Abbildung auf Seite 58; Nachbildung der Inschrift auf Seite 227. 

No. 34. OktavSpinett (Spinettina oder Ottavino), 

laut geschriebener Inschrift auf der Riickseite des Vorsetzbretts von 
„Vincentius Pratesis [Pratensis = aus Prato] 1610" erbaut. — Das Instrument 
hat rechteckige Form; das Gehause, in dessen linker oberen Ecke ein 
groBes Gefach angebracht ist, ist aus Zypressenholz. In das Schalloch 
des Resonanzbodens ist eine vertiefte Rosette eingelassen. Die Klaviatur- 
backen sind (wie bei dem Clavichord No. 2) mit Schnitzereien in Form 
von Fullhornern verziert; zu beiden Seiten der Klaviatur befinden sich 
kleine Schubfacher. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: c — c 4 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Breite 80Va cm; Tiefe 40 cm; Hohe 13 1 h cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 275. 

No. 35. Kleines (Oktav-) Virginal in Form eines Nahkastchens, 
anscheinend von Hans Ruckers d. Aelt. erbaut; aus dem Anfang des 
17. Jahrhunderts. Eine Signierung ist zwar nicht vorhanden, doch 
laBt sich die Autorschaft Hans Ruckers' mit ziemlicher Sicherheit an- 
nehmen. In der Sammlung des Pariser Conservatoire befindet sich 

') Die Dockenleiste liegt quer iiber der Dockenreihe auf und verhindert das 
Herausspringen der Docken beim Spiel. Charakteristisch fur die Funktion der Leiste 
ist die lateinische Inschrift auf einem im Weimarer Museum befindlichen Fliigel 
v.J. 1550: »Ut frenum equis*, d. i. »wie ein Ziigel die Pferde«, so sollte die Leiste die 
Docken im Zaume halten. 

-) Denselben, fiir damalige Zeit ziemlich betrachtlichen Umfang der Klaviatur 
besitzt ein Spinett Antoni Patavini v. J. 1550 der Briisseler Sammlung (No 272; 
cf. Katalog Bd. I, S. 368). 



Virginals No. 35 u. 36 



namlich als No. 1080 1 ) ein in auBerer und innerer Ausstattung sehr ahn- 
liches Instrument, das auf der Riickwand seines mit Elfenbein einge- 
legten Kastchens die Inschrift tragt: „Hans Ruckers me fecit 
Antwerp. 1610". 

Die Ausstattung des auBeren Gehauses unseres Virginals ist nicht mehr 
die urspriingliche: die ausgeschnittenen Kupferstiche, mit denen es beklebt ist, 
stammen ausder Mitte des 18. Jahrhunderts. Moglicherweise stand das Instrument 
urspriinglich in einem Kasten, der spater verloren gegangen ist; dadurch lieBe 
sich das Bekleben der AuBenseite des Gehauses mit Kupferstichen und vielleicht 
auch das Fehlen einer Signierung erklaren. 

Die auBeren Gehauserander des zierlichen Instruments sind ver- 
goldet. Die aufgeklebten, hiibsch kolorierten Kupferstiche stellen Land- 
schaften, Jagd- und landliche Szenen dar. Auf der Oberseite des 
Deckels ist ein von Blumenranken umgebenes blauseidnes Nadel- 
kissen angebracht. Die Innenseite des Deckels schmiickt ein kolorierter 
Kupferstich aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts, der ebenfalls Szenen 
aus dem Land und Jagdleben darstellt.) Der obere Innenrand des 
Gehauses ist mit einem auf hellblauem Grunde aufgemalten lateinischen 
Spruch versehen: „DVCERE t VXOREM t EST t VENDERE t 
LIBERTATEM" („Die Gattin heimfiihren heiBt seine Freiheit ver- 
kaufen.") 3 ) In das Schalloch des mit hiibscher Blumen- und Ornament- 
malerei geschmiickten Resonanzbodens ist eine niedliche Rosette ein- 
gelassen. Die Vorderseite des schwarz gebeizten Vorsetzbrettchens ist 
mit gestanzten und vergoldeten Ornamenten und Putten verziert. 
Unterhalb der Klaviatur sind zwei kleine durch eine Leiste verdeckte 
Schubfacher zur Aufbewahrung von Nahgeratschaften angebracht. 

Die Saiten werden durch Federkielchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: g — e 3 (zwei Oktaven und Sexte); die tiefste und hochste 
Obertaste (gis und dis : ) sind fortgelassen. Die Untertasten sind mit 
Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkelbraun gebeizt. 

Breite 37 ' /« cm, Tiefe 20 V« cm, Hohe 12 cm. 

Abbildung auf Seite 58. 

Das Pariser Virginal ist mit dem namlichen ironischen Denkspruch wie das 
vorliegende Instrument versehen, auch die Ausstattung des Vorsetzbretts und die An- 
ordnung der Klaviatur sind genau gleich. Charakteristisch fiir ein Ruckers-Instrument 
ist bei unserem Virginal ferner die Bemalung des Resonanzbodens und die hubsche 
ummalte Rosette. 



No. 36. Kleines (Oktav-) Virginal in Form eines Nahkastchens, 
gleich dem vorhergehenden Instrument aller Wahrscheinlichkeit nach 
ebenfalls eine Arbeit von Hans Ruckers d. Aelt. aus dem Anfang des 

') cf. L. Pillaut, ,Jer Supplement au Catalogue de 1884" (Paris 1894) pag. 20 
und No. 9 des Verzeichnisses samtlicher erhaltener Ruckers-Instrumente in Grove's 
„ Dictionary" vol. IV (London 1908) pag. 185. 

-) Der Stich ist signiert: „Bassan[o] pinx. [Maler] , R. Sadeler sculp." 
[Stecher]. Bassano (eigentlich Jacopo da Ponte aus Bassano, 1510-1592) ist der 
Begriinder der venetianischen Genremalerei, Raphael Sadeler d. Aelt. (geb. 1555 zu 
Briissel, gestorb. vermutlich 1628 zu Miinchen) ein tiichtiger und vielseitiger Kupfer- 
stecher. Der vorliegende Stich ist wahrscheinlich das Blatt „Sommer" aus dem Zyklus 
,,die vier Jahreszeiten" (Vgl. G. K. Nagler, Neues allgem. Ktinstler-Lexicon, 14. Band, 
Miinchen 1845, Seite 152 No. 133: „Die vier Jahreszeiten, mit den Arbeiten und Be- 
lustigungen die jeder eigen sind, nach Bassano, qu. 4"). 

3 ) Ein „vorgeahntes" Schopenhauer-Zitat! („Heiraten heiBt seine Rechte halbieren 
und seine Pflichten verdoppeln"). 



61 








No. 36. Kleines Virginal in Form eines Nahkastchens, 
anscheinend von Hans Rnckers d. Aelt., Antwerpen, c. 1610. Text: Seite 60. 




No. 37. Kleines Virginal in Form eines Nahkastchens 
von Valerius Perius, Rom 1631. Text: Seite 63. 










No. 38. Oktav-Spinett von Luigi Fani (?) 1635. Text: Seite 64. 



62 




No. 39. Oktav-Spinett, franzosische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert. 

Text: Seite 64. 




No. 44. Spinett, italienische Arbeit 

aus dem 17. Jahrhundert, 

in geschlossenem und geoffnetem 

Zustande. 

Text: Seite 66. 




No. 47. 
Spinett, 

italienische Arbeit 

aus dem 

17. Jahrhundert. 

Text: Seite 67. 



Virginals No. 36 u. 37 



17. Jahrhunderts. Das Gehause des zierlichen Instruments es ist 
das hubscheste Virginal des Museums — ist aus dunkel gebeiztem 
Eichenholz verfertigt und auf AuBen- und Innenseite mit eingelegten 
dreieckigen Ebenholzfeldern geschmiickt, die durch Elfenbeinadern ab- 
gegrenzt sind; in diese Felder sind wiederum Sterne aus Eichenholz 
kunstvoll eingelegt. In dem aus Ebenholz gefertigten sockelartigen 
Deckel, der mit einem Nadelkissen aus rotbraunem Pliisch versehen ist, 
sind drei kleine Schubfacher zur Aufnahme von Nahgeratschaften an- 
gebracht. Die Innenseite des Deckels ist mit einem hubschen kolorierten 
Kupferstich aus der Zeit beklebt, der Ernteszenen darstellt;') der Stich 
war ehemals von einer Goldpapierborte eingefaBt. - Dockenleiste und 
Vorsetzbrett sind mit Elfenbeinadern eingelegt. In das Schalloch des 
mit hiibscher Blumen- und Ornamentmalerei geschmiickten Resonanz- 
bodens ist eine niedliche vertiefte Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Federkielchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: d - a' (drei Oktaven und Quinte). Die tiefste Oktave ist 
„kurz", da nach den mit den Tonbuchstaben beschriebenen Tastenenden 
der tiefste Ton „d" die mittlere der drei tiefsten Obertasten bildet; „gis" 
ist also nicht vorhanden, ebenso ist die hochste Obertaste (gis 3 ) fort- 
gelassen. Die Untertasten, deren Stirnkauten verziert sind, sind mit Bein 
belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 49 cm, Tiefe 27 cm, Hohe 17 cm. 

Abbildung auf Seite 61. 

Die in jeder Beziehung meisterhafte Arbeit und hiibsche Ausstattung des Ge- 

hauses, die mit dem unter vorhergehender Nummer beschriebenen Virginal iiberein- 

stimmende Bemalung des Resonanzbodens und der von Antwerpener Ki'instlern her- 

riihrende Kupferstich sind Beweise fur die Autorschaft Hans Ruckers'. 

No. 37. Kleines (Oktav-)Virginal in Form eines Nahkastchens 
mit geschriebener Inschrift auf dem Ruckende der tiefsten Taste (g) 
„VALERIVS PERIVS ROMANVS / FECIT ANNO DOMINI M.D.C.XXXI." 

(1631). Neben dieser Inschrift ist ein von zwei Pfeilen durchbohrtes 
Herz aufgezeichnet und von derselben Hand folgende hierauf be- 
ziigliche Inschrift geschrieben: „Core d'amore che mi ai robato tu" („Herz 
voll Liebe, das du mir gestohlen hast"); das niedliche Instrument 
war also ein Geschenk des Erbauers an die Dame seines Herzens. 
Es steht in einem mit Blumengirlanden bemalten Kasten, der mit 
einem doppelten Deckel versehen ist. Auf dem auBeren Deckel ist 
ein Nadelkissen angebracht; die mit roter Seide bespannte Innenseite 
nimmt ein von hubschen vergoldeten Holzschnitzereien umrahmter 
Spiegel mit der bezeichnenden Unterschrift : „MENTISCE" („er liigt") 
ein. Auf der gegemiberliegenden Seite der AuBenseite des zweiten 
Deckels - befindet sich unter Glas ein auf Pergament gemaltes und 



') Der Stich ist signiert: ,,M. de Vos in[venit], Nicolas de Bruyn fecit". 
Marten de Vos (1562-1603, geb. und gestorb. zu Antvcerpen) ist als guter Genremaler 
bekannt; sein Steelier Nicolas de Bruyn (ca. 1570-1655) lebte ebenfalls zu Antwerpen. 
Der vorliegende Stich bildet wahrscheinlich gleichfalls das Blatt „Sommer" aus einem 
Zyklus „Die vier Jahreszeiten", die de Bruyn nach Gemalden von de Vos stach. (Vgl. 
Naglers Lexicon 20. Band, Miinchen 1850, S. 561 : „Die vier Jahreszeiten", figuren- 
reiche und lebendige Compositionen von Costiim-Figuren. Vier Blatter, kl. qu. Fol.'O 
Uebrigens hat auch Raph. Sadeler d. Aelt., von ciem der Stich im Virginal No. 35 
herri'ihrt, zahlreiche Blatter nach Marten de Vos gestochen. (Vgl. Naglers Lexicon 
14. Band, Seite 146 ff.) 



Virginal No. 37 u. Spinette No. 38 u. 39 



mit „N A T" (Natalia?) unterzeichnetes Miniaturportrait einer Dame, 
das von zwei vergoldeten, geschnitzten Amoretten umgeben wird. Ueber 
dem Damenportrait befindet sich die Inschrift: „NON BENE DA VN 
SOLO" („Durch einen allein kein Gluck"). Die Innenseite des Deckels 
schmuckt eine hiibsche allegorische Malerei, die auf die doppelte Be- 
nutzung des Kastchens hinweist: inmitten einer Waldlandschaft ist der 
geigespielende Apollo und ein stickendes Madchen dargestellt, dem die 
Gottin Athene einen Kranz aufsetzt. Das Gehause des Instruments 

ist aus Zypressenholz; in das Schalloch des Resonanzbodens ist eine 
hiibsche vertiefte Rosette eingelassen. Unterhalb der Klaviatur sind zwei 
durch eine Leiste verdeckte Schubfacher zur Aufbewahrung von Nah- 
geratschaften angebracht. 

Die Saiten werden durch Lederstuckchen angerissen. Umfang 
der Klaviatur: g — e 3 (zwei Oktaven und Sexte), die hochste und tiefste 
Obertaste (gis und dis 3 ) sind fortgelassen. Die Untertasten, deren Stirn- 
kanten mit gepreBtem Papier beklebt sind, sind mit Elfenbein, die Ober- 
tasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 38 cm; Tiefe 20 cm; Hohe 13 cm. 

Abbildung auf Seite 61; Nachbildung der Inschrift auf Seite 251. 

No. 38. Oktav-Spinett (Spinettina) 

mit schwer lesbarer geschriebener Inschrift auf der Docke der hochsten 
Taste (c 4 ): „Luigi / Fani (?) / 16/35"; wahrscheinlich ist dies der Name 
des Erbauers. Auf derselben Taste findet sich der geschriebene 
Reparaturvermerk: „Aprile / 1769 / rest:" Das hiibsche, eigenartig 

ausgestattete Instrument hat unregelmaBig sechseckige Form; es steht 
in einem Kasten, der hellgriinen Anstrich aufweist und auf der 
ganzen AuBen- wie auf der Innenseite des Deckels vollig mit 
grotesken Figuren, Arabesken und Vignetten bemalt ist. Das Ge- 

hause ist aus Zypressenholz. Die Stirnseite des Instruments ist in 
Ebenholz fourniert und ebenso wie das Vorsetzbrett und die Docken- 
leiste mit Elfenbein eingelegt. Das Vorsetzbrett ist mit einer hiibschen 
friesartigen Einlage aus Elfenbein verziert, die sich aus gravierten 
Ornamenten, Putten und Tiergestalten zusammensetzt. In das Schall- 
loch des Resonanzbodens ist eine Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: c — c 4 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Unter- 
tasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Breite 92'/ 2 cm; Tiefe 48 '7« cm; Hohe 167-2 cm. 

Abbildung auf Seite 61. 

No. 39. Oktav-Spinett (Petite epinette), 

anscheinend franzosische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen 
des Erbauers. Das Instrument hat unregelmaBig viereckige Form; 

es steht in einem Kasten, der mit hiibsch ausgefiihrten farbigen Malereien 
(Renaissance-Ornamenten,Enge1sgestalten,GruppenvonMusikinstrumenten 
usw.) auf Goldgrund geschmuckt ist. In gleicher Weise ist der Deckel 
des in der linken oberen Ecke des Kastens angebrachten Gefachs und 
das Vorsetzbrett bemalt, das inmitten von Blumenranken und Putten 
das Lilienwappen der Bourbonen zeigt. Das Gehause ist aus 



Spinette No 39-42 



Zypressenholz; in das Schalloch des Resonanzbodens ist eine Roselte 
eingelassen. Die Klaviaturbacken sind mit Schnitzereien versehen. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: c— c 4 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Unter- 
tasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind aus NuBbaumhoIz 
und von Palisanderadern durchzogen. 

Breite 69 cm; Tiefe 38'/a cm; Hohe 177a cm. 

Abbildung auf Seite 62. 

No. 40. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 
- Das Instrument hat fiinfeckige, einer liegenden Harfe ahnliche Form. 
Das Gehause weist dunkelroten, an den Randern schwarzen Anstrich 
auf; der Deckel ist auf der Innenseite mit Engelsgestalten und Gold- 
ornamenten bemalt, in deren Mitte das Wappen der Medici mit der 
siebenzackigen Krone prangt. In das Schalloch des Resonanzbodens 
ist eine Rosette eingelassen. Die Klaviaturbacken sind durch zwei ver- 
goldete Schnitzereien in Form von befliigelten Genien verziert. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz 
gebeizt. 

Breite 74 cm; Tiefe 47 cm; Hohe 18 cm. 



No. 41. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument hat fiinfeckige Form und vorstehende Klaviatur; das 
Gehause weist hellgriinen Anstrich auf und ist mit Ornamenten in roter 
Farbe bemalt; anscheinend ist die Bemalung jiingeren Ursprungs als 
das Instrument selbst. Die Innenseite des Deckels ist ebenfalls mit 
Malereien versehen und zeigt in der rechten Seite ein italienisches 
Wappen. Die Dockenleiste ist mit Knopfchen aus Bein besetzt. In 
das Schalloch des Resonanzbodens war eine Rosette eingelassen, die 
leider verloren gegangen ist. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Unter- 
tasten haben Elfenbeinbelag und sind nach Art von Dominosteinen 
mit Ebenholz eingelegt; die Obertasten sind aus Ebenholz und haben 
kleine runde Elfenbeineinlagen. 

Breite 1,36 m; Tiefe 47 cm; Hohe 19 cm. 

No. 42. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument hat fiinfeckige Form und vorstehende Klaviatur. 
Das Gehause ist aus Zypressenholz; in das Schalloch des Resonanz- 
bodens ist eine vertiefte Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C— f 3 (vier Oktaven und Quarte); die tiefste Oktave ist „kurz". 
Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz 
gebeizt. 

Breite 1,62 m; Tiefe 50 cm; Hohe 19'/- cm. 



Spinette No 43-45 



No. 43. Spinett oder Virginal (Spinetta a tavola), 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument hat rechteckige Form, es steht in einem dunkelbraun 
gebeizten Kasten. Das Gehause ist aus Weidenholz und weist hell- 
roten Anstrich auf; die AuBenseite sowie die Dockenleiste sind mit 
Bronze- (Renaissance-) Ornamenten bemalt. In das Schalloch des Resonanz- 
bodens war eine Rosette eingelassen, die leider verloren gegangen ist. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 91 7» cm; Tiefe 29 V» cm; Hone 10 cm. 

No. 44. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Er- 
bauers. — Das Instrument hat fiinfeckige Form; das Gehause ist aus 
Zypressenholz und in einen rechteckigen Kasten eingebaut, der in 
geschlossenem Zustande das Aussehen eines kleinen Koffers hat. Der 
Kasten hat einen mit Messingnageln beschlagenen Ueberzug von braunem 
Leder, der nach Art der Bucheinbande jener Zeit mit schonen Gold- 
pressungen geschmiickt ist. Die Innenseite des Kastens sowie der 
Deckel des in der linken oberen Kastenecke angebrachten Gefachs sind 
mit goldgepreBtem Vorsatzpapier iiberzogen. Dockenleiste, Vorsetzbrett, 
Klaviaturbacken und die Obertasten sind mit Knopfchen aus Bein be- 
setzt. In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine hiibsche Rosette 
eingelassen. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz 
gebeizt. 

Breite 67 cm; Tiefe 38 cm; Hohe 15 cm. 

Abbildungen auf Seite 62. 

No. 45. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument ist in einen rechteckigen Kasten eingebaut, der dunkel- 
braunen Anstrich aufweist; das Gehause ist aus Zypressenholz. Auf die 
Dockenleiste sind zwei lateinische Denkspriiche geschrieben: „Virtutem 
Posuere Dii Sudore Parandam", 1 ) „Ab Jove Principium") („Vor den 
Lohn haben die Gotter den SchweiB gestellt", „Aller Anfang von Gott"). 
In der rechten oberen Ecke des auBeren Kastens ist ein Gefach an- 
gebracht. In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine primitive rot 
bemalte Papier-Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C— f 3 (vier Oktaven und Quarte); die tiefste Oktave ist „kurz'. 
Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz 
gebeizt. 

Breite 1,54 m; Tiefe 52 7« cm; Hohe 21 cm. 

^Uebersetzung der bekannten Sentenz aus Hesiod's „Werke und Tage" : 
,Tfjg <Y dosiijg Ibgwra Osol jigojuxgoidev sdt]nav.' 

') Aus Vergil's dritter „Ekloge". 



Spinette No. 46-49 



No. 46. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 

— Das Instrument hat fiinfeckige Form und vorstehende Klaviatur; es 
steht in einem Kasten, der gelbbraunen Anstrich aufweist. Der Kasten- 
deckel ist auf der Innenseite mit einer kunstlosen Aquarellmalerei ver- 
sehen, die umgeben von Ornamenten und Engelsgestalten eine Be- 
gebenheit aus dem Leben des jungen Tobias darstellt : Tobias fangt auf 
GeheiB des Engels Raphael im Tigris einen Fisch. — In der linken 
oberen Ecke des Kastens ist ein Gefach angebracht. — Das Gehause 
des Instruments ist aus Zypressenholz und ebenso wie das Vorsetz- 
brett mit zahlreichen Elfenbeinknopfchen besetzt. In das Schalloch 
des Resonanzbodens ist eine hiibsche vertiefte Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstuckchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C— f 3 (vier Oktaven und Quarte); die tiefste Oktave ist „kurz". 
Die Untertasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,61 m; Tiefe 57 cm; Hohe 21 cm. 

No. 47. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument hat rechteckige Form und vorstehende Klaviatur; 
das Gehause ist aus Zypressenholz und in einen Kasten eingebaut. Die 
AuBenseite dieses Kastens sowie beide Deckelseiten sind mit Ornamenten, 
Engel- und Vogelgestalten bemalt; die innere Deckelseite zeigt in der 
Mitte ebenso wie bei dem vorhergehenden Spinett die Darstellung 
vom jungen Tobias und dem Engel Raphael, wahrend in der Mitte des 
auBeren Deckels als Fortsetzung dieser Szene sich eine zweite kunstlose 
Malerei befindet: Tobias mit dem gefangenen Fisch in Begleitung des 
Engels auf dem Wege nach Ekbatana. - In der rechten oberen Ecke 
des Gehauses ist ein Gefach angebracht; in das Schalloch des Resonanz- 
bodens ist eine Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstuckchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C- c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, dieObertasten sind schwarz gebeizt. 
Breite 1,18 m; Tiefe 46' k cm; Hohe 23 V« cm. 

Abbildung auf Seite 62. 
No. 48. Oktav-Spinett (Spinettina), 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 

— Das Instrument hat unregelmaBig viereckige, trapezahnliche Form und 
vorstehende Klaviatur. Das Gehause ist aus Zypressenholz; in das 
Schalloch des Resonanzbodens ist eine Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstuckchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: c— c 4 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Unter- 
tasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 75 1 a cm; Tiefe 48 cm; Hohe 16 cm. 
Das Vorsetzbrett ist anscheinend erneuert worden. 

No. 49. Spinett oder Virginal (Spinetta a tavola), 

deutsche Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 

— Das Instrument hat rechteckige Form; es ruht auf einem neu an- 
gefertigten vierbeinigen Gestell. Das Gehause weist dunkelbraunen 
Anstrich auf. Die Innenseite des Deckels zeigt eine kunstlose Malerei, 
die den geigespielenden Orpheus inmitten der Tiere darstellt. Der 
Resonanzboden und der auBere Teil des Gehauses uber der Klaviatur 



Spinette No. 49 u. 50 u Virginal No 51 



sind mit primitiven Blumenmalereien geschmiickt. In das Schalloch des 
Resonanzbodens war eine Rosette eingelassen, die leider verloren ge- 
gangen ist. Die Dockenleiste sowie der obere Rand des inneren Ge- 
hauses sind mit Tapetenstreifen beklebt. Zur linken Seite der Klaviatur 
ist ein Oefach angebracht. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C-c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten, deren Stirnkanten mit gepreBtem Papier beklebt sind, sind 
mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 1,54 m; Tiefe 48 cm; Hohe 24 cm ohne, 1,01 m mit Gestell. 

No. 50. Oktav-Spinett (Spinettina), 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument hat unregelmaBig viereckige Form und vorstehende 
Klaviatur. Es steht in einem Kasten, der ebenso wie das Versetzbrett 
hellgriinen Anstrich aufweist. Das Gehause ist aus Zypressenholz; 
in das Schalloch des Resonanzbodens ist eine vertiefte Rosette ein- 
gelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstikkchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: c— d 4 (vier Oktaven und ein Ton); die tiefste Oktave ist 
„kurz". Die hochste Obertaste (cis 4 ) ist fortgelassen. Die Untertasten 
sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 86 cm; Tiefe 47 cm; Hohe I6V2 cm. 



No. 51. Kleines (Oktav-)Virginal in Form eines Nahkastchens; 

italienische Arbeit aus der zweiten Halfte des 17. Jahrhunderts (im 
Inneren des Gehauses soil sich die Jahreszahl ,,1670" gefunden 
haben); ohne Namen des Erbauers. Die Riickseite des Vorsetzbretts 
tragt einen geschriebenen Reparaturvermerk: „PAOLO . ARGANO . 
L'ACCOMODATO L'ANNO 1808". — Das Gehause des niedlichen 
Instruments ist mit schwarzen Renaissance-Ornamenten auf dunkel- 
grunem Grunde bemalt. Auf der Aufienseite des Deckels ist ein Nadel- 
kissen aus griiner Seide angebracht; die Deckelinnenseite ist mit einem 
sauber kolorierten Kupferstich beklebt, der zwei musizierende und tanzende 
Rokokopaare in einem Garten darstellt. (Dieser Stich ist anscheinend 
bei der Reparatur i. J. 1808 hinzugefiigt worden). Urn den Rand des 
inneren Gehauses ist ein lateinischer Spruch geschrieben: „OMNIA DAT 
DOMINVS NON HABET ERGO MINVS". („Alles gibt der Herr, und 
hat deshalb nicht weniger.") In das Schalloch des nach Art der Ruckers- 
Virginals (No. 34 und 35 des Katalogs) mit Blumenmalerei versehenen 
Resonanzbodens ist eine Rosette eingelassen. Die Vorderseite der 
Klaviatur zeigt zwei Felder mit Ornamentmalerei ; unterhalb der Klaviatur 
sind zwei Schubfacher zur Aufbewahrung von Nahgeratschaften an- 
gebracht. 

Die Saiten werden durch Federkielchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: g— e 3 (zwei Oktaven und Sexte); die hochste und tiefste 
Obertaste (gis und dis 3 ) sind fortgelassen. Die Untertasten sind mit 
Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 37 cm; Tiefe 21 cm; Hohe 14 cm. 

Abbildung auf Seite 69. 



69 







A 






3 




No. 51. Kleines Virginal 
in Form eines Nahkastchens. 

Italienische Arbeit aus der zweiten Halfte 

des 17. Jalirhunderts. 

Text: Seite 68. 



No. 52. Zweimanualiges Oktav-Spinett 
von Israel Gellinger, Frankfurt a. M. 1677. 

Text: Seite 71. 




Tastatur zu No. 53. Spinett 
von Bartolomeo Cristofori, Florenz 1693. 



Text: Seite 71. 



70 



H 
n 
x 



en 

2 
n> 




Spinette No 52 u. 53 



No. 52. Zweimanualiges Oktav-Spinett, 

laut geschriebener Inschrift auf der Vorderseite des Stimmstocks, die 
durch das Vorsetzbrett verdeckt wird, zu „Frankfurt am Mayn 1677" 
von „israel Gellinger" erbaut. Neben der Inschrift ist die Marke des Ver- 
fertigers eingebrannt: ein Herz mit den Initialen „I G" und zwei 
Blumenranken. - - Das niedliche Instrument hat fiinfeckige, einer kleinen 
liegenden Harfe ahnliche Form. Das Gehause ist aus Zypressenholz; 
der Resonanzboden ist mit Blumenmalereien verziert und besaB im 
Schalloch eine Rosette, die leider verloren gegangen ist. 

Die Saiten werden durch Federkielchen angerissen. Urn fang 
beider Klaviaturen: f — d 3 (je zwei Oktaven und Sexte); in der tiefsten 
Oktave sind die Obertasten fis und gis fortgelassen. Die Untertasten, 
deren Stirnkanten mit gepreBtem Papier beklebt sind, sind mit Elfenbein 
belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 48 7 2 cm; Tiefe 407z cm; Hohe 127* cm. 

Abbildung auf Seite 69; Nachbildung der Inschrift auf Seite 227. 
Das zierliche Instrument war wohl nur als Nachahmung eines doppelmanualigen 
Kielfliigels ,,en miniature" gedacht und besitzt mehr Dekorations- als musikalischen 
Wert, da beide Manuale mit gleicher Besaitung versehen sind. 

No. 53. Spinett. 

Im Innern des zur rechten Seite neben der Klaviatur angebrachten 
Gefachs ist die Inschrift aufgetragen: „BARTHOLOMAEVS CHRISTO- 
PH0R1 PATAV1NVS / FACIEBAT FLORENTIAE / MDCXCIII" (1693). 

Das Instrument das schonste und wertvollste Spinett des 

Museums hat eigenartige, an beiden Breitseiten spitzbogenartig 

vorspringende Form; es steht in einem der Form des Instruments an- 
gepaBten Kasten, der auf einem einfachen Gestell mit vier leicht ge- 
schweiften Beinen ruht. 

Das Gehause ist aus Zypressenholz und in alien seinen Teilen 
auch in dem dazugehorenden Notenpult und dem Deckel des neben 
der Klaviatur angebrachten Gefachs — mit kunstvollen Ebenholzeinlagen 
reich verziert. In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine schone 
aus Zypressenholz geschnitzte Rosette eingelassen, die in ihren Phantasie- 
bliiten das Florentiner Wappen erkennen laBt und von einer stern- 
formigen Einlage aus Zypressen- und Ebenholz umgeben ist. 

Wahrend Spinette fast stets nur einchorig sind, weist das vor- 
liegende Instrument zweichorige Besaitung (Doppelsaiten) auf; zur 
Erzielung einer Pianowirkung kann die Klaviatur mittels zweier an den 
Klaviaturbacken angebrachter hebelartiger Ziige etwas herausgezogen 
werden, wodurch nur eine Dockenreihe in Funktion tritt, also das 
AnreiBen nur eines Saitenchors bewirkt wird 1 ). 

Hochst eigenartig ist die Anordnung der Besaitung, die das In- 
strument zu einem Unikum stempelt: die von der Mitte der linken 
vorspringenden Breitseite ausgehenden Saiten sind iiber zwei sich in 
spitzem Winkel gegeniiberliegende Stegegespannt und bedingen dadurch 
wiederum eine ungewohnliche Gruppierung der mit den beiden Stegen 
parallel laufenden Dockenreihen. Beim Niederdriicken nebeneinander 
liegender Tasten wird abwechselnd eine Docke der vorderen und eine 
Docke der hinteren (gegeniiberstehenden) Reihe in die Hohe gehoben und 



*) Mit einer ahnlichen Vorrichtung ist Cristoforis „Cembalo traverso" (No. 86 
des Katalogs) ausgestattet. 



Spinett No. 53 



zum AnreiBen der zugehorigen Saite gebracht. Durch diese eigentiimliche 
Anordnung der Saiten wird eine nach dem Diskant zu entsprechend 
zunehmende Verschiedenheit der Tastenlange hervorgerufen; bei den 
hochsten Tasten h 2 und c :! z. B. betragt diese Differenz (68 1 /:- - - 15V« =) 
53 cm. (Vgl. die Abbildung auf Seite 69.) Die sinnreiche Konstruktion 
laBt das Bestreben des Erbauers erkennen, den Druek der Saiten nach 
alien Richtungen hin gleichmaBig zu verteilen. Unterhalb des eigentlichen 
Resonanzbodens betindet sich in einem Abstand von 47z cm ein dieBreite 
der Klaviatur einnehmenderzweiter Boden, der als Fuhrung fur die Docken 
dient und gleichzeitig eine Verstarkung der Resonanz bezweckt. DieTasten- 
enden, die Fiihrungsklotze fur die kurzen Tasten und zum Teil auch die 
Docken sind mit Cristoforis eigenhandiger Numerierung bezeichnet. 

Die Docken sind aus Ebenholz verfertigt; die Saiten werden durch 
Lederstikkchen angerissen. Umfang der (vorstehenden) Klaviatur: C- c' 
(vier voile Oktaven). 1 ) DieUntertasten, derenStirnkanten hubsch ausgedreht 
sind, haben Buchsbaumbelag und sind mit Ebenholz eingelegt; die Ober- 
tasten sind aus Ebenholz und von Adern aus Zypressenholz durchzogen. 
Breite 1,84 m; Tiefe 73 cm; Hohe 18 cm ohne Gestell, 78 cm mit 
Gestell. — Abbildungen auf Seite 69 und 70; Nachbildung der Inschrift 
auf Seite 214. 

Das schone Instrument wurde von Bartolomeo Cristofori, dem 
spateren Erfinder des H am m erkla viers, fiir Ferdinand von Medici, 
den altestenSohn Cosimo III., GroBherzogs von Toscana, erbant 
Der kunstliebende Furstensohn hatte den genialen Instrumentenbauer im Jahre 10S7 
anlaBlich eines Besuchs in Padua kennen gelernt und ihn bald darauf zur Uebersiedelung 
an den Hof von Florenz veranlaBt; vgl. hieriiber Seite 210. - Im Staatsarchiv zu 
Florenz ist noch das Original der Redlining aufbewalirt, die Cristofori fiber das Instru- 
ment ausstellte (vgl. Faksimile auf Seite 217): 
„Adi Primo 7bre 1693 
Io Bartolomeo Cristofori devo havere dalla Camera / del Se»i° 
Toscana p una Spineta a / due registri di Ciprezo tutta intarsiata di 

a prima Speso 
In Ciprezo nostrale e failo Segare 
in una rosa di Ciprezo 
In pironi et farli brnnire 

In ottone, panno, alludo, Colla, bulete / et altro- 
in Stipetaio et fatore 
mia fatura 

So nun a L 
In deutscher Uebersetzung: 

„Den 1. September 1693 

Ich Bartolomeo Cristofori babe gut bei der Kammer Seiner Hoheit des Fiirsten 

Ferdinand von Toscana fiir ein Spinett mit zwei Zi'igen aus Zypressenholz, iiberall 
mit Ebenholz eingelegt. zuerst Auslagen 

Fiir einheimisches Zypressenholz und dasselbe sagen zu lassen L 5 : 10 

fiir eine Rosette aus Zypressenholz — I. 

Fiir Wirbel und dieselben polieren zu lassen - L 

Fiir Messing, Stoff, Schafleder, Leim, Nagel und anderes L 

fiir Drechsler und Arbeiter - L 339 

meine Arbeit L 800 



p re e Ferdi di 
ebano. / 



L 


5 


10 


L 


4 


— 


L 


5 


— 


L 


32 


— 


L 


339 


— 


L 


800 


— 


L 


1185 


: 10 " 



5 

4 

5 

*9 



Summe L 1185 : 10 - 



'.) Bei einer spateren Reparatur wurde die Klavaitur urn zwei Halbtone nach der 
Hohe zu erweitert und hierbei die rechte Klaviaturbacke mit der Verschiebvorrichtnng 
entfernt. Wahrend der Drucklegung des Katalogs wurde der urspriingliche Znstand 



wiederhergestell 



die Abbildnno- auf Seite 69 laBt noch die erweiterteTastatur erkennen. 



73 




No. 54. Spinett aus dem Anfang dcs 18. Jahrhunderts. 
Text: Seite 75. 




No. 55. Oktav-Spinett von Abel Adam, Turin 1712. 

Text : Seite 75. 



74 




No. 57. Oktav-Spinett aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts. Text: Seite 76. 



Spinette No 54-56 



No. 54. Spinett 

aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Auf 
der inneren Ruckwand des Kastens findetsich der geschriebene Namens- 
zug eines Besitzers: „P : I : Braun O : P : 1769". Das Instrument 
hat unregelmaBig viereckige Form ; es steht in einem dunkel gestrichenen 
Kasten, dessen Deckel auf der Innenseite mit einer Malerei versehen ist, 
die die Ansicht einer Seestadt zeigt. Der schwarzrote Anstrich des 
Gehauses soil den Eindruck einer Schildpattbekleidung erwecken. Die 
Gehause-Profilleisten sind hiibsch geschnitzt; die inneren Rander sind 
mit Landschaften bemalt. In das Schalloch des mit Blumenmalereien ver- 
sehenen Resonanzbodens war ehemals eine Rosette eingelassen, die leider 
verloren gegangen ist. Das Vorsetzbrett zeigt hubsche durchbrochene 
barockartige Schnitzereien. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); in der tiefsten Oktave ist die Obertaste 
Cis fortgelassen. Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Ober- 
tasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 84 cm; Tiefe 43 Vs cm; Hohe 17Va cm. 

Abbildung auf Seite 73. 

No. 55. Oktav-Spinett (Spinettina) 

mit Inschrift auf dem Vorsetzbrett iiber der Klaviatur: „ABEL ADAM 
FECIT TAVRINI [zu Turin] 1712". Das im Regencestil ausgestattete In- 
strument hat unregelmaBig viereckige Form und vorstehende Klaviatur; 
das Gehause ist aus Zypressenholz und in einen hellrot lackierten und 
mit Goldornamenten und Putten bemalten Kasten eingebaut. Die Innen- 
seite des Deckels ist mit hiibschen Malereien auf Goldgrund verziert; 
in der Mitte prangt ein von einem Medaillon umrahmtes, auf Seide 
gemaltes italienisches Wappen mit der Jahreszahl ,,1712". — Das hubsche 
Spinett ruht auf einem ebenfalls rot lackierten und mit bronzierten 
Schnitzereien verzierten Gestell mit vier geschweiften Beinen. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: G (scheinbar H), c— c* (Subquarte des Grundtons und vier 
Oktaven). Die tiefste dis-Taste ist „gebrochen", urn „dis" und „es" bei 
„reiner Stimmung" unterscheiden zu konnen. 1 ) Die Untertasten sind mit 
Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 93 cm; Tiefe 57 cm; Hohe I6V2 cm ohne, 91 '/» cm mit 
Gestell. 

Abbildung auf Seite 73; Nachbildung der Inschrift auf Seite 213. 

No. 56. Zweimanualiges Spinett, 

italienische Arbeit aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne 
Namen des Erbauers. Das Instrument hat fiinfeckige, einer liegenden 
Fiarfe ahnliche Form und vorstehende Klaviatur; es ruht auf drei ge- 
drehten Beinen. Das Gehause weist gelbbraunen Anstrich auf; die 
Rander sind bronziert. Vorsetzbrett und Dockenleiste sowie der obere 
Rand des Gehauses sind mit bronzierten Blattwerk-Ornamenten bemalt; 
Anstrich und Bemaluna: sind moderne Zutaten. 



') Vgl. Praetorius, „De Organographia" Seite 63: „.... So sind bisher auf 
angeben verstandiger Organisten etliche Clavicymbel und Symphonien herfiir kommen, 
darinnen der Clavis dis unterschieden und doppelt gemacht worden, darmit man . . 
... .die tertiam zwischen dem h und fis rein und just haben konne. . ." 



Spinette No 56—58 



Die Besaitung ist dreichorig: zwei Saitenchore haben normale 
(8-) Tonhohe, und der dritte Chor ist eine Oktave hoher, d. h. im 4 - 
Ton gestimmt. Diesen 4'-Ton regiert das untere Manual, wahrend 
die beiden 8 -Chore vom oberen Manual aus bedient werden.') Die 
Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Bemerkenswert an den 
Docket! ist das Fehlen der als Dampfung dienenden Filzstiickchen. 
Umfang der oberen Klaviatur: Contra G (scheinbar H), C— c 1 (Subquarte 
des Grundtons und vier Oktaven); Umfang der unteren Klaviatur: G, 
c- c 4 . Durch die beiden Manuale hat das Instrument nicht nur einen 
um eine voile Oktave groBeren Umfang als das gewohnliche Spinett, 
sondern es lassen sich auf ihm auch dank der verschiedenartigen Saiten- 
beziige dynamische Schattierungen (Piano und Forte) ermoglichen; das 
untere Manual erfiillt die Funktion eines „Oktav-Spinetts". Die tiefste 
Dis-Taste beider Manuale ist wie bei dem unter vorhergehender Nummer 
beschriebenen Spinett „gebrochen". Die Untertasten, deren Stirnkanten 
mit gepreBtem Papier verziert sind, sind mit dunkel gebeiztem Zedern- 
holz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 91 cm; Tiefe 1,10 m; Hohe 91 cm. 

Abbildung auf Seite 74. 

Zweimanualige Spinetts waren nur sehr wenig im Gebrauch. Ein schones 
derartiges Instrument von Jean Couchet (Antwerpen 1640), einem Enkel Hans 
Ruckers d. Aelt., besitzt das ,,Rijksmuseum" zu Amsterdam aus der Sammlung Boers'. 

No. 57. Oktav-Spinett (Spinett in a), 

italienische Arbeit aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne 
Namen des Erbauers. Das Instrument hat unregelmaBig viereckige 
Form; es steht in einem griin gestrichenen Kasten, dessen AuBenseite 
Spuren friiherer Bemalung aufweist. Das Gehause ist aus Zypressen- 
holz; das Vorsetzbrett zeigt auf hellgriinem Grunde kunstlose Land- 
schaftsmalereien und ist mit drei kleinen ausgeschnittenen kolorierten 
Kupferstichen geschmiickt. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: c — c' (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Unter- 
tasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 69 cm; Tiefe 39 cm; Hohe ll 1 ■> cm. 

Abbildung auf Seite 74. 

No. 58. Spinett, 

deutsche Arbeit aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. - Das Instrument hat fiinfeckige Form und nur wenig vor- 
stehende Klaviatur; es ruht auf einem Gestell mit drei kannelierten 
Spitzbeinen. Das Gehause ist aus Tannenholz und weist dunkel- 
braunen Anstrich auf; das Innere ist mit farbigem Vorsatzpapier beklebt. 
In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine Rosette eingelassen. 
Zur linken Seite der Klaviatur ist ein Gefach angebracht. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven). Die Untertasten, deren Stirnkanten mit 
gepreBtem Papier verziert sind, sind mit Buchsbaum belegt, die Ober- 
tasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 1,24 m; Tiefe 47 cm; Hohe 82 cm. 

') Bei zweimanualigen Kielfliigeln pflegt die Anordnung der Manuale ent- 
gegengesetzt zu sein: gewohnlich wird der -i'-Ton vom oberen Manual aus regiert. 



77 




No. 60. Oktav-Spinett von Giuseppe Crudeli, Lucca 1781. Text: Seite 79. 



78 




No. 61. Spinett 

von Johann Heinrich Silbermann, StraBburg. 

Aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts. 



Text: Seite 79. 



Virginal No. 59 u. Spinette No. 60 u 61 



No. 59. Virginal oder Spinett 

aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
im Rokokostil hiibsch ausgestattete Instrument hat rechteckige Form ; es 
ruht auf einem hellgrun gestrichenen und mit Schnitzereien versehenen 
Gestell. Die vier stark geschweiften, ebenfalls mit Schnitzarbeit verzierten 
Beine sind durch eine an beiden Enden gegabelte Leiste miteinander 
verbunden, in deren Mitte eine aus Holz geschnitzte bemalte Frucht- 
schale prangt. Das oben dunkel-, unten hellgrun gestrichene Gehause 
ist ebenso wie das Gestell mit farbigen Ornamenten reich bemalt. Die 
in gleicher Weise bemalte Innenseite des Deckels zeigt zwei im Freien 
musizierende Gruppen in Rokokotracht. Die Innenrander des Ge- 

hauses sind mit Bortenpapier beklebt. In das Schalloch des Resonanz- 
bodens ist eine hubsche Rosette eingelassen; zur linken Seite der Klaviatur 
ist ein Gefach angebracht. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: F — c 3 (drei Oktaven und Quinte). Die Untertasten, deren 
Stirnkanten mit farbigem Papier beklebt sind, sind mit Buchsbaum be- 
legt; die Obertasten haben Ebenholzbelag und sind von eingelegten Adern 
aus Zypressenholz durchzogen. 

Breite 1,04 m; Tiefe 41 cm; Hohe 93 cm. 

Abbildung auf Seite 77. 

No. 60. Oktav-Spinett (Spinettina), 

mit geschriebener Inschrift auf der Ruckseite des Vorsetzbretts: ,Jn 
Lucca Giuseppe Crudeli Fece sua prima Opera il 1781". — Das Instrument 
hat unregelmaBig viereckige Form und vorstehende Klaviatur; es steht 
in einem bemalten Kasten, der anscheinend aus friiherer Zeit als das 
Spinett stammt. Die auf der AuBenseite befindliche Bemalung, die in- 
mitten von Barock-Ornamenten eine liegende Gestalt zeigt, ist bereits 
stark verblaBt; die Malerei auf der Innenseite des Deckels stellt von 
Amoretten umgeben die badende Artemis (Diana) dar, die von einer 
Nymphe auf den sie belauschenden Aktaeon aufmerksam gemacht wird. 1 ) 
(Wahrscheinlich soil die auf der AuBenseite des Deckels abgebildete 
Gestalt Aktaeon darstellen.) — Das Gehause des Instruments ist aus 
Zypressenholz; in das Schalloch des Resonanzbodens ist eine hubsche 
Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: c— c 4 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 85 cm; Tiefe 49 cm; Hohe 18 cm. 

Abbildung auf Seite 77; Nachbildung der Inschrift auf Seite 218. 

No. 61. Spinett, 

laut Kupferstichvignette auf der linken Seite des Resonanzbodens von 
„Jean Henry Silbermann / Faiseur de Forte-Piano & / de Clavecin, 
a / Strasbourg" erbaut; aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts. 
— Das hubsche Instrument hat das Aussehen eines kleinen Fliigels; es 
ruht auf drei leicht geschweiften mit Blattschnitzereien verzierten Beinen. 

*j Vgl. Ovids „Metamorphosen", Buch III, Vers 143-252. • Dasselbe Sujet 
war zu einer Elfenbeinschnitzerei bei einem kunstvoll atisgestatteten Cembalo ver- 
wendet, das zu der von Cristofori 1716—1731 verwalteten wundervollen Instrumenten- 
sammlung des Fiirsten Ferdinand von Medici gehorte. (No. 81 der betreffenden 
Sammlung; vgl. hieriiber Seite 219 des Katalogs.) 



Spinette No. 61 



Das Gehause, das die Form einer Iiegenden Harfe hat, ist aus NuBbaum- 
holz; der Deckel ist — wie meist bei Silbermann-Instrumenten -- getafelt. 
In das Schallocli des Resonanzbodens ist eine hiibsche Rosette einge- 
lassen, die in der Mitte drei charakteristisch verschlungene „S" zeigt. 
Zu dem Vorsetzbrett ist ein Wurzelfournier vervvendet. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Die Docken- 
fiihrungsleiste ist mit Wildleder iiberzogen. - - Umfang der Klaviatur: 
Contra-F f (funf Oktaven); der Umfang entspricht den Tafelklavieren 
jener Zeit. Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfen- 
bein belegt. 

Lange 1,95 rn; Breite 1,15 m; Hohe 83 cm. 

Abbildung auf Seite 78'); Nachbildung der Vignette auf Seite 264. 

No. 62. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Auf der Ruckseite des Vorsetzbretts findet sich folgender 
geschriebener Eigentumsvermerk eines friiheren Besitzers: „Raffaelo 
Niccoli Com pro / L' Anno 1802" (Comprare kaufen). Das 
Instrument hat fiinfeckige Form und vorstehende Klaviatur; es ist in 
einen rechteckigen Kasten eingebaut, der mit Goldornamenten auf dunklem 
Grunde bemalt ist. Die Innenseite des Deckels tragt auf Goldgrund ein 
italienisches Wappen, dessen Mittelfeld einen auf einem DreifuB stehenden 
Lowen zeigt. In der rechten oberen Ecke des Kastens ist ein Gefach 
angebracht. Das Gehause ist aus Zypressenholz; in das Schalloch des 
Resonanzbodens ist eine bunte vertiefte Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang 
der Klaviatur: C — f 8 (vier Oktaven und Quarte); die tiefste Oktave ist 
„kurz". Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind 
schwarz gebeizt. 

Breite 1,53 m; Tiefe 54 cm; Hohe 20'/, cm. 

No. 63. Spinett, 

italienische Arbeit aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Das Instrument hat fiinfeckige Form und vorstehende 
Klaviatur. Das Gehause ist aus Zypressenholz; in das Schalloch des 
Resonanzbodens ist eine hiibsch geschnitzte Rosette eingelassen. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der 
Klaviatur: Contra-A -f 3 (vier Oktaven und Sexte). Die Untertasten 
sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,62 m; Tiefe 57 cm; Hohe 22 cm. 

No. 64-. Oktav-Spinett (Spinettina), 

mit geschriebener Inschrift auf dem Resonanzboden hinter dem Vorsetz- 
brett: „ANTON10 BRUNELL1 FECCE 1798". Das Instrument hat recht- 
eckige Form. Das Gehause ist aus NuBbaumholz verfertigt; anscheinend 
handelt es sich um eine Laienarbeit. 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: c— c 3 (drei Oktaven). Die Untertasten sind mit Buchsbaum, 
die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 59V« cm; Tiefe 297a cm; Hohe 13'/» cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 214. 

J ) Gleichartige Instrumente besitzen das ,,Historische Museum" zu Basel (No. 226) 
und das Museum im Bachhaus zu Eisenach. 



Spinett No. 65. Clavicytherium No 66 



No. 65. Spinett, 

laut unter Glas befindlicher geschriebener Inschrift auf dem Vorsetz- 
brett von „AIessandro Riva in Bergamo 1839" erbaut; auBerdem 
finden sich in der rechten oberen und unteren Ecke des Resonanz- 
bodens zwei Besitzervermerke aus den Jahren 1858 und 1869. — Das 
Instrument, das in der auBeren Bauart einem Tafelklavier gleicht, ist in 
Mahagoni fourniert und ruht auf vier gedrehten Beinen. Vorsetz- 
brett und Klaviaturbacken sind in Kirschbaum fourniert. 

Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang 
der Klaviatur: C— a ! (vier Oktaven und Sexte). Die Untertasten sind 
mit Bein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,27V2 m; Tiefe 55' 2 cm; Hohe 75 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 255. 

Das Instrument ist durch die spate Zeit seiner Erbauung interessant, da in 
dieser Zeit die Spinette bereits ganzlich durch die Hammerklaviere verdraugt waren. 



-cxzjfcro-- 



CLAVICYTHERIUM. 

No. 66. Zweimanualiges Clavicytherium („Claviciterio" ossia 
„Spinetta verticale a due tastiere"), 
italienische Arbeit aus der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts; ohne 
Namen des Erbauers. Das primitiv ausgestattete Instrument, das einzig 
bekannte seiner Art, hat fiinfeckige Form und vorstehende, d. h. aus dem 
Gehause herausgebaute Klaviatur. Es steht in einem auBen griin, innen 
ziegelrot gestrichenen Kasten und ruht auf einem neu dazu angefertigten 
eichenen Gestell. Der Deckel, der die Tiir des schrankartigen Kastens 
bildet, weist ebenfalls auf AuBen- und Innenseite griinen Anstrich auf 
und ist an den Profilleisten bronziert. Die Innenseite des Deckels 

liber der Klaviatur ist mit einer alten kunstlosen Malerei versehen, die 
eine Waldlandschaft darstellt. In der Mitte der Deckelinnenseite war 
ehemals anscheinend ein Notenpult angebracht. Auch das rahmenartige 
Gehause und die Dockenfiihrungsleiste sind an den Profilleisten bronziert 
und ebenso wie das Vorsetzbrett und die nach den Seiten treppen- 
artig abgestuften Klaviaturbacken dunkelgriin gestrichen; der ganze 
Anstrich stammt aus dem 18. Jahrhundert. 1 ) 

Den Resonanzkorper des hochst eigenartigen Instruments bilden 
zwei iibereinander gebaute und aus dem Rahmen herausnehmbare 
Salterios (Hackebretter), von denen das untere, fur die BaBsaiten be- 
stimmte die Form eines deutschen oder italienischen Hackebretts hat, 
wahrend das obere, fur die hoheren Saiten bestimmte einem tiirkischen 
oder arabischen Kanoun gleicht. In die Schallocher der Resonanzboden 

') Das Instrument ist im Jahre 1730 einer Renovierung unterzogen worden, wobei 
auch die Klaviatur erweitert wurde (,,mis en ravalement", vgl. die FuBnote auf Seite 99). 
Diese ziemlich laienhafte und ungeschickte Renovierung ist nach einer wahrend der 
Drucklegung des Katalogs zufallig aufgefundenen Inschrift unter dem Schalloch des 
unteren Hackebretts von einem Carmelitermonch Fr. Joseph Meschita am 23. Juni 1730 
„ad majorem Dei Gloriam" vorgenommen worden. In der Werksttat des Museums 
wurde inzwischen der ursprungliche Zustand der Klaviatur wiederhergestellt. 



Clavicytherium No. 66 



sind je zwei Pergamentrosetten eingelassen, deren Ornamentik an mau- 
rische Motive erinnert. 

Die Besaitung besteht aus 49 teils zwei-, teils drei- und vier- 
chorigen (z. T. noch originalen) Messingdrahtsaiten, die folgender- 
maBen angeordnet sind: das untere Hackebrett ist mit 15 doppelchorigen 
Saiten fiir die tiefsten Tasten C — fis, das obere mit 12 dreichorigen Saiten 
fur die Tasten g — fis 1 und 22 vierchorigen Saiten fiir die Tasten g 1 — e 3 
bezogen. Alle Saiten laufen in wagerec liter Richtung parallel mit 
der Klaviatur und sind nicht iiber einen einzigen Steg gespannt, sondern 
jeder Chor Saiten erhalt durch zwei kleine, primitiv geschnitzte Stege 
seine Mensur. Diese Stege, deren also (den Saitenchoren entsprechend) 
im ganzen beiderseits je 49 vorhanden sind, sind an ihrem Oberteil, 
wo die Saiten aufliegen, zurgenauen Festsetzung der Mensur mitMessing- 
stabchen versehen. 

Auch die Anordnung der Docken ist abweichend. Die Docken- 
fiihrungsleiste ist nicht, wie sonst bei den bekielten Instrumenten, in den 
Resonanzboden eingebaut sondern zieht sich in schrager Richtung ober- 
halb des Resonanzbodens hin, so daB die Docken rechtwinklig vor den 
Saiten stehen. Die Docken sind an ihrem unteren Ende an bronzierten 
metallenen Abstrakten befestigt, die durch eine Ftihrungsleiste laufen und 
auf den Tastenhebeln stehen. Die Lange dieser Metallstabe nimmt vom 
BaB nach dem Diskant entsprechend zu; der kleinste (fiir die tiefste Taste) 
miBt mit der Docke 15, der groBte (fiir die hochste Taste) 73 V* cm. 
Trotz der zum Teil drei- und vierchorigen Besaitung sind nur zwei 
Dockenreihen vorhanden. Beim Niederdriicken einer Taste des unteren 
Manuals reiBt die Docke der hinteren Reihe den betreffenden Saiten chor 
an, wahrend beim Niederdriicken einer Taste des oberen Manuals die 
Docke der vorderen Reihe nur zum AnreiBen einer einzelnen Saite, 
der obersten des betreffenden Chors, gebracht wird. 1 ) Auf diese Weise 
wird, wenn auch in engen Grenzen, ein dynamisches Abschattieren des 
Spiels (Piano und Forte) ermoglicht. Da jeder Saitenchor des unteren 
Manuals stets nur von einer Docke angerissen wird, so konnen die Saiten 
nicht gleichzeitig sondern nur nacheinander, gleichsam arpeggierend 
erklingen; vielleicht hat die hierdurch und durch die Ausstattung der 
Stege mit Messingstabchen entstehende Aehnlichkeit des Klangcharakters 
mit dem Zupfinstrument Cythara (Cither, Zister) zur Bezeichnung „Cla- 
vicytherium" beigetragen. Da die Federkiele der hinteren Docken 

groBere Lange haben miissen als die vorderen, so ist am oberen Ende jeder 
Zunge eine kleine messingene Oese angebracht, um den Kiel in wage- 
rechter Richtung zu halten. 

Die beiden Klaviaturen, deren verschiedene Funktionen bereits 
erwahnt sind, haben einen Umfang von C — e a (je vier Oktaven und 
Terz; die tiefste Oktave ist „kurz"). Die Untertasten sind mit Buchsbaum, 
die Obertasten mit Ebenholz belegt und von eingelegten Buchsbaumadern 
durchzogen. Die Tastatur des oberen Manuals ist in gleicher Weise 
erganzt. (Vgl. die FuBnote auf vorhergehender Seite.) 

MaBe ohne Kasten: Breite 97 cm, Tiefe 38 '/a cm, H6he88V2 cm; 
MaBe mit Kasten: Breite 1,03 m, Tiefe 43 cm, Hohe 93 cm ohne, 
1,65 m mit Gestell. 

Abbildung ohne Gestell auf Seite 85. 



*) Bei den Bezeichnungen „vordere und hintere Dockenreihe" ist die Lage der 
Docken von der Klaviatur aus angenommen. 



Clavicytherium No. 66 



Oaui'citenu 




DaB das Clavicytherium bereitszu Anfangdes 16.Jahrhunderts bekanntwar, 
beweist die „Musica getutscht" von Virdung (Basel 1511). Es findet sich in 
diesem Werke (auf Blatt B verso) eine kurze Beschreibung des Instruments und 
eine Abbildung in Holzschnitt, die nachstehend im Faksimile wiedergegeben sei: 

©ag ifltbm ale ba& v irgiruik/alleined 
bat anbttfaiten bonbmboxmtn tffcba 
utvnb MQd bic is kwpftn nwcbtnfyat 
aucbfebetttteate boGvitQinal^iflnw 
ltd? etftrnben vnb icb bob tr nut ema <je 
fet>cn. 

Ein Vergleich des Virdung'schen Holzschnittes 
mit der Bauart unseres Instruments (vgl. Abbildung 
auf S. 85) laBt zunachst eine gewisse Aehnlichkeit 
zwischen beiden Instrumenten erkennen, die in 
der vom BaB nach dem Diskant zunehmenden 
Form des Gehauses und der Anlage der schrag 
vor den Saiten ruhenden Dockenleiste iiberein- 
zustimmen scheinen. Bei naherer Prufung ergibt 
sich aber, daB Virdnngs Abbildung entweder in 
der Zeichnung oder in der Wiedergabe des Holz- 
schnitts fehlerhaft sein muB und daB unser Instrument eine wahrscheinlich 
noch altere Form des Clavicytherium darstellt, a!s sie Virdung zu Anfang des 
16. Jahrhunderts kennen Iernte und als „neulich erfunden" bezeichnete. 

Vorausgesetzt, Virdungs Clavicytherium hatte wie es Kraus (s. u.) 
annimmt — in der Form unserm Instrument entsprochen, so miiBten die auf 
dem Holzschnitt sichtbaren vertikalen Linien nicht die Saiten sondern die „Ab- 
strakte" darstellen, die die Verbindung zwischen den Tasten und den horizontal 
laufenden Saiten bilden. Dann ware aber nicht nur in der Abbildung die Be- 
saitung iiberhaupt fortgelassen sondern auch die Zeichnung der Abstrakte falsch 
wiedergegeben, da deren Lange durch die Lage der Docken, die in der quer vor 
den Saiten liegenden Dockenleiste befestigt sind, bestimmt wird, mithin sich 
keinesfalls bis an den obern Rand des Gehauses erstrecken diirfen. — Diese Un- 
genauigkeiten lieBen sich allenfalls dadurch erklaren, daB Virdung, der ja nach 
eigner Bestatigung nur ein einziges Clavicytherium gesehen, die Zeichnung viel- 
leicht spater aus dem Gedachtnis entworfen hat, wobei ihm diese Irrtiimer 
mit unterlaufen sind wie ja iiberhaupt seine Abbildungen der Tastenin- 

strumente nur wenig authentischen Wert besitzen. - - Viel wahrscheinlicher ist 
es aber, daB die Wiedergabe des Holzschnitts verkehrt ausgefallen ist, d. h. daB 
der Holzschnitt versehentlich gleichsam als Spiegelbild vom Holzstock abgezogen 
ist, wie man es haufig in illustrierten Werken aus dieser Zeit finden kann. 1 ) 

! ) Z. B. auch bei der Abbildung des „Positive" bei Virdung (Bl. C v.). Aus 
demselben Grunde erklart es sich, daB man auf aiten Holzschnitten und Stichen 
haufig Geigenspieler abgebildet findet, die den Bogen scheinbar mit der linken Hand 
fiihren und das Instrument in der rechten Hand halten. Die beste Bestatigung hierfiir 
bietet aber ein gleichfalls falsch abgedruckter Holzschnitt einer Laute in Mersennes 
„Harmonicorum libri XII" (Paris 1648; lib. I, pag. 10), wo der Verfasser ausdriicklich 
diesen Irrtum („... errore calcographi") mit dem Hinweis berichtigt: „Cui vitio 
medebitur utcnmque qui aversa papyro figuram intuebitur." — Uebriijens ist das 
Portativ, das die hi. Caecilia auf Raphaels beriihmtem Gemalde in Handen tragt, 
in derselben Weise verzeichnet. Quandoque bonus dormitat Homerus! 



Clavicytherium No. 66 



Das Gleiche ist z. B. bei der auf demselben Blatt befindlichen Abbildung des 
iibrigens auch in der Zeichnung sicher fehlerhaften „Clauicimbalum" der Fall: 
der betreffende Holzschnitt ist nichts anderes als eine„Spiegelbild"-Wiederholung 
des auf der vorhergehenden Seite abgebildeten „Virginal". — Wird das 
Versehen des Druckers richtig gestellt, was sich leicht ermoglichen laBt, 
indem man den Holzschnitt im Spiegel betrachtet oder die Riickseite des 
betreffenden Blattes gegen das Licht halt, so erscheint Virdungs Clavicytherium 
als ein regelrechtes Clavicymbel in aufrechter Form, das sich von dem spateren 
Typ, wie inn ein Jahrhundert spater Pratorius und Mersenne abbilden 
und beschreiben, nur durch seine Besaitung unterscheidet, die nach Virdungs 
Angabe aus Darmsaiten bestand. Eine ganz andere und weit eigenartigere 
Bauart zeigt dagegen unser Clavicytherium; die Hauptbedeutung, diees 
in historischer Hinsicht beansprucht, liegt in der Konstruktion 
seines aus zwei Hackebrettern bestehenden Resonanzkorpers. Es 
bildet hierdurch einen Beweis fur die Annahme der Entwickelung 
der Kielinstrumente aus dem alten Psalterium („Salterio") ■ eine 
bereits von Virdung (Bl. C III verso) ausgesprochene Vermutung: 

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It erf! mate >o$ be pfalter to a-badn fry semadrf/ 

Unter „Virginale" ist hier verallgemeinernd die Familie der gesamten Kiel- 
instrumente zu verstehen. — 

Noch aus einem anderen Grunde ist unser Clavicytherium von histo- 
rischem Interesse: es diirfte das alteste bekannte Klavierinstrument mit zwei 
Manual en sein. Bisher galten hierfur drei Clavecins aus dem Jahre 1590 
von Hans Ruckers d. Aelt. ] ), den man iiberhaupt fur den „Erfinder" des 
zweiten Manuals bei Kielinstrumenten hielt. '-') Bereits Hipkins („The Piano- 
forte" p. 78, 79, 81) hat bewiesen, daB ihm dieses Verdienst nicht zukomme 
und daB man schon in der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts derartige 
Instrumente kannte; er stiitzt seine Annahme auf Angaben in Rechnungs- 
und lnventarbuchern 3 )K6nig Heinrichs d. VIII. (1509 — 1547), in denen mehrfach 
(1530 bereits dreimal) „II payres of long Virginalls" erwahnt werden. 
— Eine in der Fachliteratur anscheinend bisher nicht beachtete Bestatigung, 
daB auch in Deutschland zweimanualige Kielinstrumente im 16. Jahrhundert 
schon bekannt und verbreitet waren, bietet das von M. Fiirstenau 4 ) mit- 
geteilte „Inuentarium Vber die Instrumenta, welche .... dem Hoforganisten 
Christoff Walthern in Vorwahrunge gegeben, . . . . aber nach desselben 
Absterben Augustus Noringern,.. . vberantwortet worden zu Dressden 



') Vgl. die Liste der erhaltenen Ruckers-Instrumente in Grove's ,, Dictionary", 
Vol. IV (London 1908) p. 185, No. 1—3. 

2 ) Vgl. z. B. Krebs, C, ,,Die besaiteten Klavierinstrnmente " Seite 122: 

,,Sicher scheint es zu sein, daB Ruckers zuerst Clavizymbel mit zwei iibereinander- 
liegenden Klaviaturen gebaut hat. Wenigstens kann ich nicht nachweisen, daB vor 
ihm derartige Instrumente vorhanden waren, habe somit auch keinen Grund, an seiner 
Urheberschaft zu zweifeln." 

3 ) Hrsg. von N. H. Nicholas, London 1827. 

4 ) In den „Mittheilungen des K. S. Alterthums-Vereins", Dresden 1872; auch 
als Separatabdruck erschienen. 



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No. 69. Cembalo 

von Vincenzius Pratensis 1612. 




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No. 72. Aufrechtes Cembalo (Clavicytherium) 
aus dem 17. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert umgearbeitet. 

Text: Seite 93. 



Clavicytherium No. 66 



den 2. Aprilis 1593." Dieses Inventar fiihrt folgende zweimanualigen Instru- 
mente an: 

„23) Ein Instrument mit zweyen Clavirn, das der Organist zu Zwickau 
meinem gnadigsten Herrn verkaufft. 
29) Ein Instrument mit 2 Claviren von Helfenbein, ist zu Frankfurt an 

der Oder erkaufft worden .... 
33) Ein gross Instrument mit zweien Claviren." 



Ein Clavicytherium, das ebenfalls noch dem fruhen 16. Jahrhundert 
angehort und vermutlich norditalienischen oder suddeutschen Ursprungs ist, 
besitzt das Donaldson -Museum des „Royal College of Music" zu London. 1 ) 
Es scheint Virdungs Mitteilung zu bestatigen, daB das Instrument „negel 
die es harpfen machen" besaB, da sich an den Docken Spuren von Stahl- und 
Messingstabchen vorfanden; Hipkins ist der Annahme, daB derartige Metall- 
plektra ehe man Federkiele kannte zum AnreiBen benutzt wurden. '-) - Ob 
Virdungs Angabe, daB das ihm zu Oesicht gekommene Instrument mit Darm- 
saiten („. . . .saiten von den dormen d' schave") bezogen war, auf einem Irrtum 
beruhe, wie es Hipkins annimmt, bleibe dahingestellt. 3 ) Hipkins glaubt seiner 
Beschreibung nicht allzuviel Wert beilegen zu konnen, zumal „his acquain- 
tance with keyboard instruments was incomplete." — 

Das Clavicytherium ist zweifellos in Italien erfunden worden und dort 
auch vornehmlich in Gebrauch gewesen. Die Beschreibung, die Pater Mersenne 
in seiner „Harmonie Universelle" (Paris 1636, Livre 3^ page 113) gibt, tragt 
die Ueberschrift: „ExpIiquer vne nouuelle forme d'Epinette dont on vse 
en Italic" 

Das vorliegende Instrument stammt aus der Sammlung Kraus („Catalogo 

della Collezione Kraus", Firenze 1901, No. 550); es wurde von Baron 

Kraus in einem Kloster in Umbrien (Perugia) aufgefunden. Es gait mit 



! ) Vgl. Hipkins „The Pianoforte" p. 75. Das schone Instrument, das 1885 aus 
der Sammlung Correr-Venedig erworben wurde, ist in dem Prachtwerk ,, Musical 
Instruments Historic, Rare and Unique" von Hipkins & Gibb (Edinburgh 1888) auf 
Tafel VI abgebildet. -- Clavicytheria aus dem 17. Jahrhundert sind noch mehrfach er- 
halten; z. B. in der Berliner Kgl. Sammlung als No. 239 der Collection Snoeck, in der 
Brusseler Sammlung als No. 554, im Folkemuseum zu Christiania als No. 382, im 
New Yorker Metropolitan-Museum als No. 1224 etc. 

2 ) Praetorius (,,Organographia" XLIII. Capitel) erwahnt ein „Arpichordum", 
eine Abart des Spinette, bei dem ,,durch sonderliche Ziige von Messinghaklein unter 
den Saiten ein harfenirender Resonanz entstehet. . ." 

3 ) Die Behauptung Dommers in seinem „Musikalischen Lexicon" (Heidelberg 
1865, Seite 682) ,,Darmsaiten sind ... an krustischen Clavierinstrumenten niemals in 
Betracht gekommen" erfahrt eine interessante Widerlegung durch die Tatsache, daB 
Joh. Seb. Bach ein dreichoriges Clavicymbel erfand, dessen beide 8'-Chore Darm- 
saitenbezug hatten. Vgl. Adlung, ,,Musica mechanica Organoedi", 2. Bd. S. 139: 
,,Der Verfasser . . . . erinnert sich, ungefahr im Jahre 1740 in Leipzig ein von dem 
Hrn. Johann Sebastian Bach angegebenes, und vom Hrn. Zacharias Hildebrand 

ausgearbeitetes Lautenclavicymbel gesehen und gehoret zu haben Es hatte 

zwey Chore Darmseyten, und ein sogenanntes Octavchen [d. h. einen 4'-Chor] von 

messingenen Seyten In seiner eigentlichen Einrichtung klang es mehr der 

Theorbe, als der Laute ahnlich " 



Clavicytherium No. 66 u. Kielfliigel No. 67 



Recht als Unicum; Kraus veroffentlichte im Jahre 1907 in einer Broschiire 
„Une Piece Unique du Musee Kraus.. . " (Paris, Morin), eine Beschreibung 
des seltenen Instruments, die allerdings durchaus nicht erschopfend gehalten 
ist. In jiingster Zeit (1909) gelang es ihm, noch ein zweites (einmanualiges) 
Exemplar eines Clavicytherium derselben Bauart zu entdecken und zwar auf 
dem Trodelmarkt San Lorenzo zu Lucca. Es tragt auf dem mit Landschafts- 
malerei versehenen Deckel die Jahreszahl 1559; doch kann es in bezug auf 
Authentizitat nicht denselben Anspruch wie unser Clavicytherium machen, da 
nach Kraus' personlicher Mitteilung das ganze Instrument zerstiickelt war und 
von ihm in Anlehnung an die Bauart des alteren Originalinstruments miihsam 
rekonstruiert werden muBte. Kraus berichtet iiber seinen Fund in der unlangst 
in englischer Sprache erschienenen Schrift „The onekeyboarded Clavicy- 
therium..." (Florence 1910), der eine Abbildung des Instruments in Auto- 
typie beigegeben ist. 



Aufrechtes Cembalo (auch „Clavicytherium" genannt), 

aus einem gewohnlichen (horizontalen) Clavicymbel umgearbeitet, siehe 
No. 72 (Seite 93 des Katalogs). 



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K1ELFL0GEL 

(CEMBALI, CLAVECINS, CLAVICYMBEL). 

No. 67. Cembalo (Kielfliigel), 

laut Inschrift auf dem Vorsetzbrett iiber der Klaviatur von „DOMINICVS . 
P1SAVRENSIS . M.D.XXX1II" (1533) erbaut. • Der Kasten, in dem das 
Instrument ehemals stand, ist verloren gegangen. Das Gehause ist aus 
Zypressenholz; in das Schalloch des Resonanzbodens ist eine hiibsche 
Rosette eingelassen. 

Die Besaitung ist einchorig, wahrend alle anderen Kielfliigel 
der Sammlung zum mindesten zweichorig bezogen sind. Die Saiten 
werden durch Lederstiickchen angerissen. — Umfang der Klaviatur: 
C-f 3 (vier Oktaven und Quarte); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten, deren Stirnkanten - wie meist bei alten Cembali - „aus- 
gedreht" sind, sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz 
gebeizt. 

Lange 1,85 m, Breite 81 cm, Hohe (ohne Gestell) 17 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 222. 



Kielflugel No 68 u 69 



No. 68. Cembalo (Kielflugel), 

italienische Arbeit aus der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts; ohne 
Namen des Erbauers. Auf dem Vorsetzbrett iiber der Klaviatur ist eine 
Inschrift „HER II DVX 1111" aufgetragen, woraus hervorgeht, daB der 
Fltigel fur den kunstsinnigen Ercole II von Este, den vierten Herzog 
von Ferrara (1508—1559), erbaut wurde. ') Das Instrument stent in 
einem dunkelgriin gestrichenen Kasten, der auf einem Gestell mit fiinf 
gedrehten Beinen ruht, die durch Leisten miteinander verbunden sind. 
Die Innenseite des Deckels ist mit einer kunstlosen Malerei versehen, 
die - ebenso wie bei den Spinetts No. 46 u. 47 die Begebenheit 

aus dem Leben des jungen Tobias mit dem Engel Raphael darstellt. 
Im Hintergrund ist eine Landschaft mit einer Gruppe tanzender und 
musizierender Engel sichtbar. 

Das Gehause ist aus Zypressenholz; in das Schalloch des Resonanz- 
bodens ist eine Rosette eingelassen. Das Vorsetzbrett ist mit einer 
ornamentartigen Einlage von Elfenbein und Ebenholz verziert. 

Die Besaitung ist zweichorig, d. h. es sind zwei im Einklang 
gestimmte Saitenchore in normaler (8'-) Tonhohe vorhanden ; zwei an 
der rechten Seite aufierhalb des Gehauses angebrachte Zuge ermoglichen 
durch An- und Abstellen der Dockenreihen beliebige Anwendung der 
beiden Saitenchore. Die Saiten werden durch Lederstiickchen ange- 
gerissen. — Umfang der Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste 
Oktave ist „kurz". Die Untertasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten 
mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,17 m, Breite 80 cm, Hohe 94 cm. 



No. 69. Cembalo (Kielflugel), 

laut eingekratzter Inschrift auf der Riickseite des Vorsetzbretts von 
„Vincenzius Pratensis 1612" erbaut. Das Gehause des schonen 

Instruments, das ehemals in einem Kasten stand, ist aus Zypressenholz. 
Der innere Rand des Gehauses, Dockenleiste, Vorsetzbrett und Klaviatur- 
backen sind mit hiibschen Goldmalereien (Renaissance- Ornamenten, 
Vogeln, Schmetterlingen u. s. w.) bemalt; das Vorsetzbrett zeigt in der 
Mitte aufierdem ein Wappen (einen nach links schreitenden Lowen). 
In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine zierliche Rosette einge- 
lassen. Die Klaviaturbacken sind mit hiibschen Schnitzereien in Form 
von Fiillhornern verziert. 

Die Besaitung ist (wie bei dem Cembalo No. 68) zweichorig. Die 
Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der Klaviatur: 
C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Untertasten sind 
mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Lange 1,87 m, Breite 69 cm, Hohe (ohne Gestell) 1972 cm. 

Abbildung auf Seite 86. 

') Die Unterseite der hochsten Taste c 3 tragt einen langeren geschriebenen 
Reparaturvermerk aus dem Jahre 1852. Der Fltigel befand sich damals im Besitze 
des erzbischoflichen „Canceliere" Carlo Biscotti und wurde von dessen Freunde, 
dem Landmesser und Chirurgen Leopoldo A. Qiusti Perito einer Reparatur unter- 
zogen. Auf einer Docke findet sich auBerdem der Name eines Reparateurs Luigi 
Castigl ioni. 



Kielfliigel No. 70 u. 71 



No. 70. Cembalo (Kielfliigel), 

italienische Arbeit aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. — Das Instrument steht in einem dunkelbraun gestrichenen, 
an den Randern bronzierten Kasten und ruht auf einem einfachen Ge- 
stell mit drei eckigen Spitzbeinen; der Anstrich ist modernen Ursprungs. 
Der Deckel gehdrte urspriinglich zu einem anderen Kasten; er ist auf 
der Innenseite mit einer kunstlosen Malerei versehen, die eine klassische 
Landschaft mit der Gottin Pallas Athene zeigt; zur linken Seite sind 
die neun Musen musizierend dargestellt, Polyhymnia spielt ein Positiv. 

Das Gehause ist aus Zypressenholz. Die Randleiste des Gehauses 
und das Vorsetzbrett oberhalb der Klaviatur sind mit Knopfchen aus 
Bein besetzt; das Innere ist mit hiibschen farbigen und Gold-Ornamenten 
bemalt. Diese Malerei, die mit der Bemalung des unter vorhergehender 
Nummer beschriebenen Fliigels von Vincenzius Pratensis groBe 
Aehnlichkeit hat, laBt vermuten, daB dieses Instrument von demselben 
Erbauer herriihrt ; jedenfalls stammt es aus demselben furstlichen 
Besitz, da die Mitte des Vorsetzbretts dasselbe Wappen — einen nach 
links schreitenden Lowen - zeigt. Unter der stark verblaBten Bemalung 
des Vorsetzbretts ist der Psalmspruch zu lesen: „LAVDATE DOMINVM 
IN CYMBALIS BENE SONANTIBVS". Auf dem Riickende der tiefsten 
Taste (C) ist auBerdem eine auf die Jungfrau Maria hinweisende Vignette 
aufgezeichnet. — In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine ver- 
tiefte ummalte und vergoldete Rosette eingelassen. 

Die Besaitung ist zweichorig; die vordere Dockenreihe ist durch 
einen zur linken Seite auBerhalb des Gehauses angebrachten Zug an- 
und abstellbar. Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. - 
Umfang der Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". 
Die Untertasten, deren Stirnkanten mit Elfenbein verziert sind, sind mit 
Ebenholz belegt; die Obertasten sind aus Ebenholz, von Adern aus 
Zypressenholz oder Elfenbein durchzogen und mit Goldornamenten bemalt. 

Lange 1,90 m, Breite 79 cm, Hohe ohne Gestell 26 7s cm, mit 



Gestell 91 cm. 

No. 71. Clavecin (Kielfliigel), 

von Andreas Ruckers d. Aelt. in Antwerpen erbaut; die in das Schalloch 
des Resonanzbodens eingelassene Rosette zeigt in MetallguB das be- 
kannte Signum des Erbauers: einen knienden harfespielenden Engel und 
zu beiden Seiten die Initialen „A R". Links von der aus vergoldetem 
Blei verfertigten Rosette ist die Originaldatierung ,,1633" aufgemalt. — 
Das Instrument ruht auf einem dreibeinigen vergoldeten und mit 
Barock-Schnitzereien reich verzierten Gestell, das an der rechten Langs- 
seite ein Wappen — drei Schwerter mit einer fiinfzackigen Krone — 
tragt. Anscheinend hat das Gestell, das in seiner schweren, ungefiigen 
Form mit dem Fliigel kontrastiert, urspriinglich zu einem andern In- 
strumente gehort. 

Das Gehause weist hellblauen Anstrich auf und ist an der rechten 
Seitenwand sowie auf dem Deckel bronziert. Der Resonanzboden ist 
— wie meist bei Ruckers-Instrumenten mit hi'ibsch ausgefiihrten 

Malereien verziert, die musizierende und tanzende Paare in vlamischer 
Tracht, Blumen, Friichte, Tiere u. a. darstellen. Die Innenrander des 
Gehauses und die Dockenleiste sind mit Ornamentmalerei auf hellgelbem 
Grunde geschmiickt. 



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Kielflugel No 71 



Die Besaitung ist zweichorig, und zwar war urspriinglich — 
wie aus dem Vorhandensein eines zweiten Steges erkennbar ist - ein 
Saitenchor im 4- und ein Chor im 8'-Ton vorhanden. Bei einer 
spater vorgenommenen Umarbeitung ist der 4-Chor entfernt und an 
dessen Stelle ein zweiter 8'-Chor angebracht worden. Die Dockenreihe 
fur diesen zweiten Saitenchor laBt sich durch einen zur linken Seite 
innerhalb des Gehauses angebrachten Zug an- und abstellen. Die Saiten 
werden durch Lederstuckchen angerissen. Umfang der Klaviatur: C— d 1 
(vier Oktaven und ein Ton); die Obertaste Cis der tiefsten Oktave ist 
fortgelassen. Die Untertasten sind mit Bein belegt, die Obertasten sind 
aus Ebenholz. 

Lange 2,12 m, Breite 81 cm, Hohe 1,01 m. 

Abbildung auf Seite 91; Nachbildung der Rosette auf Seite 256. 

In dem „Catalogue of Ruckers Clavecins" in Grove's » Dictionary" (vol. IV, 

London 1908, p. 185-189) ist vorliegendes Clavecin als No. 69 verzeichnet; vgl. 

hieriiber S. 259 des Katalogs. - Die Rosette ist bei Grove S. 184 als No. 6 abgebildet. 

No. 72. Aufrechtes Cembalo (auch „Clavicytherium" genannt), 

italienische Arbeit aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. 
— Das Instrument war friiher ein gewohnlicher (liegender) Flugel und 
ist etwa im 18. Jahrhundert zu einem aufrechtstehenden Flugel umge- 
arbeitet worden, d. h. der Resonanzboden steht wie bei dem Clavicy- 
therium No. 66 in aufrechter Lage rechtwinklig zur Klaviatur. Es ruht auf 
einem einfachen Gestell mit vier eckigen Spitzbeinen. Das Gehause ist aus 
Zypressenholz und ebenso wie der gleich einer Tiir aufklappbare Deckel 
und das Gestell auf der Aufienseite weiB gestrichen und an den Randern 
bronziert; der Anstrich ist modernen Ursprungs. 

Die Besaitung ist zweichorig; die Saiten, die in vertikaler Richtung 
iiber den Resonanzboden gespannt sind, werden durch Lederstuckchen 
angerissen. Die Lage der Docken ist dieselbe wie bei dem gewohn- 
lichen(liegenden) Flugel geblieben; zum Zwecke der Verbindungzwischen 
Tasten und Docken muBten daher als „Abstrakte" dienende rechtwinklige 
Verlangerungen der Tastenhebel hinter dem Resonanzboden angebracht 
werden, die bei dem Niederdriicken der Tasten die Docken gegen die 
Saiten schnellen. Am oberen Ende jedes Verbindungsstabs sind zwei 
nutenartige Einschnitte angebracht, in denen die Docke mittels eines 
Messingstifts locker befestigt ist. — Umfang der Klaviatur: C— c 8 (vier 
Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Untertasten sind mit Buchs- 
baum belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Hohe 2,54 m, Breite 78 cm, Tiefe 33 cm. 

Abbildung auf Seite 86. 

No. 73. Cembalo (Kielflugel), 

laut Inschrift auf dem Vorsetzbrett iiber der Klaviatur von JOANNES 
BAPTISTA G1VST1 LVCENS1S / 1676" erbaut. AuBerdem findet sich auf 
der Dockenleiste als Eigentumsvermerk: „PRESIDENTUS DELLA RE- 
PUBLICHA 1681" geschrieben. Das Instrument steht in einem Kasten, 
der auf drei pfeilerartigen rot gestrichenen Beinen ruht, die in Lowen- 
tatzen auslaufen ; die beiden vorderen Beine sind durch eine gewundene 
Leiste miteinander verbunden. Der Kasten ist mit Blumenornamenten 
auf dunklem Grunde bemalt. Auch die Innenseite des Deckels zeigt 
eine Malerei: ein Medaillon mit tanzenden Putten, das von Engeln, 
Blumenranken und anderm Beiwerk umgeben ist. Das Gehause ist 



Kielflugel No. 73 



aus Zypressenholz; die Klaviaturbacken sind mit hiibschen Akanthusblatt- 
schnitzereien verziert. 

Die Besaitung ist dreichorig: zwei Saitenchore sind in normaler 
(8'-) Tonhohe und der dritte Chor ist in der hoheren Oktave (im 4'-Ton) 
gestimmt. Drei innerhalb des Gehauses angebrachte Ziige ermoglichen 
durch An- und Abstellen der Dockenreihen beliebi^e Anwendunsf der 
einzelnen Saitenchore. Die Saiten werden durch Lederstiickchen ange- 
rissen; nur die erganzten Docken des 4'-Tones haben Federkiele. — Um- 
fang der (wahrscheinlich sparer erweiterten) Klaviatur: Contra A — d 3 
(vier Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, 
die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Lange 2,38 m, Breite 95 em, Hohe 28 cm. 

Abbildung auf Seite 92; Nachbildung der Inschrift auf Seite 228. 

No. 74. Zweimanualiges Cembalo (Kielflugel) 

mit teilweise verblaBter Goldinschrift auf dem Vorsetzbrett: JOANNES 
DE PERTICIS [FLOR]ENTlNVS FECIT ANNO MDCLXXXIII" (1683).— Das 
Instrument runt auf drei gedrehten Beinen, deren beide vorderen mit- 
einander verbunden sind. Der Deckel ist eine moderne Erganzung. Das 
Gehause ist aus dunkelbraun gebeiztem italienischem Obstbaumholz; der 
innere Rand des Gehauses sowie die Dockenleiste und das Vorsetzbrett 
sind mit Einlagen aus Elfenbein, Palisander- und Ebenholz verziert. 
In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine hiibsche Rosette eingelassen. 
Die Besaitung ist dreichorig; je ein Chor Saiten steht im 4'-, 8'- 
und 16-Ton, d. h. ein Saitenchor ist in normaler (8-) Tonhohe, einer 
in der hoheren (4'-Ton) und einer in der tieferen Oktave (16'-Ton) 
gestimmt. Das untere Manual regiert den 8'- und 16'-Chor, wahrend 
der 4'-Chor vom oberen Manual aus bedient wird. Der lo'-Chor ist 
durch einen an der rechten Seite auBerhalb des Gehauses angebrachten 
Zug an- und abstellbar. Die Saiten werden durch Lederstiickchen ange- 
rissen. -- Umfang des unteren Manuals: C — e 3 , Umfang des oberen 
Manuals: c — e 4 (je vier Oktaven und Terz). 

Die Klaviaturen muBten erneuert werden ; die Untertasten sind 
mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt, auch die Stirnkanten 
der Untertasten haben Elfenbeinbelag. 

Lange 2,23 m, Breite 83 cm, Hohe 94 cm. 

Abbildung auf Seite 97. 
Der Fliigel ist im 18. Jahrhundert zu einem einmanualigen umgearbeitet gewesen, 
wobei wahrscheinlich die Klaviatur erweitert wurde („mis en ravalement", vgl. die 
FuBnote auf Seite 99) und wurde in der Werkstatt des Museums wieder in seinen 
urspriinglichen Zustand — als zweimanualiges Cembalo zuriickversetzt. Bei der 
Umarbeitung muBten die Klaviaturen um die hochste Taste (f 3 ) verkiirzt werden. 

No. 75. Cembalo (Kielflugel) 

mit folgender Inschrift auf der Ruckseite des Vorsetzbretts „GIROLAMO 
ZENT1 Dl OP[ERA] MIA. / A: 1683". Das Instrument steht in einem 
schwarz gestrichenen und mit Goldornamenten bemalten Kasten, der auf 
einem ebenso ausgestatteten Gestell rnitftinf geschnitzten Beinen ruht; der 
Anstrich ist modernen Ursprungs. Im Oberteil des Gestells ist an der 
rechten Seite ein Schubfach zur Aufbewahrung von Musikalien angebracht. 
Das Gehause ist aus Zypressenholz; in das Schalloch des Resonanzbodens 
ist eine vertiefte Rosette eingelassen. Die Dockenleiste ist mit ver- 
schiedenfarbigen Holzern eingelegt. 

Die Besaitung ist zweichong; ein fruher vorhanden gewesener 
Zug zum An- und Abstellen der Dockenreihen ist erneuert worden. 



Kielflugel No. 75-77 



Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der 

Klaviatur: D c ; (drei Oktaven und Septime); die Obertasten 




sind,umbei,,reinerStimmung"dieenharmonischenIntervalIeunterscheiden 

zu kdnnen, „gebrochen". Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die 

Obertasten sind dunkel gebeizt. 

Lange 2,09 m, Breite 80 cm, Hohe 89 cm. 

-ht i-. , t ,.,- ,<-,.. ,x Nachbildung der Inschrift auf Seite 282. 

No. 76. Cembalo (Kielflugel), & 

laut geschriebener Inschrift auf der Riickseite des Vorsetzbretts von 

„Lorenzo Magniai 1689. / A Firenze" erbaut. — Das hubsch ausge- 

stattete Instrument steht in einem rot gestrichenen Kasten, der mit 

Malereien geschmiickt ist, die Ornamente, Blumengirlanden, Musik- 

instrumente u. A. darstellen ; er ruht auf einem ebenfalls bemalten Gestell 

mit sechs gedrehten Beinen, die durch Leisten miteinander verbunden 

sind. — Die Innenseite des Deckels ist mit einer Malerei versehen, die 

eine Gruppe tanzender und musizierender Faune zeigt; zur linken Seite 

ist unter einem Baldachin ruhend Venus mit Amor dargestellt. Das 

Gehause ist aus Zypressenholz und an den Randern mit Knopfchen aus 

Bein besetzt. In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine hubsche 

Rosette eingelassen. Das Vorsetzbrett ist durch drei mit Ebenholz ein- 

gelegte und von Elfenbein umrahmte Felder verziert. 

Die Besaitung ist zweichorig. Die Saiten werden durch Leder- 
stiickchen angerissen. - Umfang der Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); 
die tiefste Oktave ist „kurz". Die Untertasten sind mit Ebenholz, die 
Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Lange 1,96 m, Breite 78 cm, Hohe 92 cm. 

Abbildung auf Seite 92; Nachbildung der Inschrift auf Seite 241. 

No. 77. Cembalo (Kielflugel), 

italienische Arbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. — Das Instrument steht in einem grtin gestrichenen, an den 
Randern bronzierten Kasten, der auf drei ebenso ausgestatteten gedrehten 
Beinen ruht; die beiden vorderen Beine sind durch eine Leiste mit- 
einander verbunden. (Der Kasten gehorte urspriinglich nicht zum Fliigel; 
der Anstrich ist modernen Ursprungs.) -- Der Deckel ist auf der Innen- 
seite mit einer Malerei geschmiickt, die inmitten einer klassischen Land- 
schaft die Gottinnen Juno, Ceres und Venus mit Amor auf einer Wolke 
darstellt; aus der Hohe schwebt eine Amorette mit Lorbeerkranzen her- 
nieder. Ueber der Klaviatur ist eine zweite Malerei angebracht, die eine 
Gruppe Putten zeigt, denen ein Faun zum Tanz aufspielt. 

Das Gehause ist aus Zypressenholz und an den inneren Randern 
sowie auf Vorsetzbrett und Dockenleiste mit Renaissance-Goldornamenten 
bemalt. Auch das Schalloch im Resonanzboden, in dem sich eine ver- 
loren gegangene Rosette befand, ist von einer Ornamentmalerei umsaumt. 
Die Rander, die bemalte Dockenleiste und die Klaviaturbacken sind mit 
Knopfchen aus Bein besetzt. 

Die Besaitung ist zweichorig. Die Saiten werden durch Feder- 
kiele angerissen. — Umfang der Klaviatur: G^c (vier Oktaven); in der 
tiefsten Oktave ist die Obertaste Cis fortgelassen. Die Untertasten 
sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,03 m, Breite 84 cm, Hohe 91 cm. 



Kielfliigel No. 78 



No. 78. Cembalo (Kielfliigel), 

italienische Arbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers (der Ausstattung des Gehauses nach zu urteilen, vielleicht 
von Joannes Baptista Giusti in Lucca erbaut; vgl. No. 73 und 81). Das 
Instrument steht in einem hellgrau gestrichenen, an den Randern bron- 
zierten Kasten, der aui drei saulenartigen ebenfalls bronzierten Beinen 
ruht; die vorderen Beine sind miteinander verbunden. Das Gehause ist 
aus Zypressenholz und schmucklos ausgestattet. 

Die Besaitung ist zweichorig; zwei an der linken Seite im Innern 
des Gehauses angebrachte Ziige ermoglichen durch An- und Abstellen 
der Dockenreihen beliebige Anwendung der beiden Saitenchore. — Urn- 
fang der Klaviatur: C — F (vier Oktaven und Quarte); die tiefste Oktave 
ist„kurz". Die Untertasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Eben- 
holz belegt. 

Lange 2 m, Breite 88 cm, Hone 1 m. 

No. 79. Cembalo (Kielfliigel), 

italienische Arbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Auf der Riickseite des Vorsetzbretts findet sich folgende 
zweifellos nichtauthentische Inschrift: JOANNES ANTON1VS BAFFO 
VENETVS . F. M.DLXXX." (1580); darunter die Namen dreier Eigen- 
tiimer aus den Jahren 1590 (!), 1843 und 1852. 1 ) Das schon ausge- 
stattete Instrument steht in einem rotgelb gestrichenen und mit Gold- 
ornamenten und Putten bemalten Kasten, an dessen hinterem spitz 
zulaufenden Ende ein Gefach angebracht ist. Der Kasten ruht auf drei 
geschnitzten in Lowenkrallen auslaufenden Beinen, deren beide vordere 
miteinander verbunden sind. Der bemalte Deckel des Kastens zeigt auf 
der Innenseite eine Ansicht der Stadt Pisa mit dem Campo santo aus dem 
17. Jahrhundert und auBerdem in vergroBertem MaBstab eine Ansicht 
des Domplatzes mit dem Baptisterium, dem Dom und einem Teil des 
schiefen Turms. Das Gehause ist aus Zypressenholz und mit ge- 
schnitzten Profilleisten aus Ebenholz verziert. In das Schalloch des 
Resonanzbodens ist eine Rosette eingelassen. Dockenleiste und Vorsetz- 
brett sind in Ebenholz fourniert und mit hiibschen in schwarzen Kitt ein- 
gelassenen Einlagearbeiten aus Elfenbein und Schildpatt verziert. Die 
Klaviaturbacken sind mit zwei zierlichen Schnitzereien in Form von 
Melusinen geschmiickt. 

Die Besaitung ist zweichorig; die vordere Dockenreihe ist durch 
einen zur linken Seite im Innern des Gehauses angebrachten Zug 
an- und abstellbar. Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. — 
Umfang der Klaviatur: C — P (vier Oktaven und Quarte). Die Unter- 
tasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,30 m, Breite 89 cm, Hohe 88 cm. 

Abbildung auf Seite 97. 

No. 80. Clavicymbel (Kielfliigel), 

siiddeutsche Arbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Auf der rechten Seite des Klaviaturrahmens finden sich 
die geschriebenen Initialen „G G". Das Instrument ruht auf einem 
mit vergoldeten Barock-Schnitzereien reich verzierten dreibeinigen Gestell; 

M Das Historische Museum zu Basel besitzt einen zwehnanualigen Kielfliigel 
(No. 221) mit der ebenfalls gefalschten Signierung: „JOANNES ANTONIVS BAFFO 
VENETVS. F. M.DLXXXI" (Vgl. Katalog v. K. Nef, Seite 55). 



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No. 83. Clavecin brise ou de voyage (Reise-Clavecin) 

von Jean Marins, Paris 1713. 
In geoffnetem, halb zusammengeklapptem und geschlossenem Zustande. 

Text: Seite 100. 



Kielfltigel No. 80-82 ^^^ 



die Innenseite des Deckels zeigt vier Medaillons mit Amoretten- und 
Blumenmalereien. Das Gehause ist aus Fichtenholz und auf der AuBen- 
seite mit Blumenmalereien auf grauem Grunde versehen. In dem 
Resonanzboden befinden sich zwei kleine Schallocher. 

Die Besaitung ist zweichorig. Die Saiten werden durch Feder- 
kiele angerissen. — Umfang der Klaviatur: Contra-G (scheinbar H) 
bis f 3 (vier Oktaven und Septime; die tiefste Oktave ist „kurz" [vgl. 
„Nachtrag" auf Seite 114]). Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, 
die Obertasten sind mit verschiedenartigen Holzern (Mahagoni, Palisander, 
Ahorn- und Ebenholz) eingelegt. 

Lange 2,40 m, Breite 90 cm, Hohe 86 cm. 
An der Unterseite der BaBtasten angebrachte Haken lassen erkennen. dafi der Flugel 
friiher mit einer Pedalklaviatur versehen war. (Vgl. Bemerkung zu No. 86.) 

No. 81. Cembalo (Kielfltigel), 

wahrscheinlich von Joannes Baptista Giusti in Lucca zu Beginn des 
18. Jahrhunderts erbaut. Das Instrument weist zwar keine Signierung 
auf, doch laBt sich die Autorschaft Giustis durch Vergleichung mit dem 
im Museum befindlichen signierten Cembalo No. 73 annehmen : sowohl 
die Ausstattung der Profilleisten des Gehauses, des Vorsetzbretts und der 
Dockenleiste als auch eine an beiden Seiten im Innern des Gehauses 
angebrachte charakteristisch gewundene Schnitzerei zur Befestigung der 
Dockenleiste weisen unverkennbare Aehnlichkeit mit dem Cembalo vom 
Jahre 1676 auf; auch die drei geschnitzten, in Lowentatzen auslaufen- 
den Beine, auf denen der Fltigel ruht, finden sich in genau gleicher 
Ausftihrung bei No. 73. 

Das Instrument steht in einem hellrot gestrichenen, innen mit 
dunkelgrtin gemalten Feldern abgeteilten Kasten, dessen Deckel auf 
der Innenseite mit einer (vielleicht spater hinzugeftigten) Malerei ge- 
schmtickt ist, die eine hausliche Musikaufftihrung darstellt; im Hinter- 
grund Ausblick auf einen Park. Das Gehause ist aus Zypressenholz ; 
in das Schalloch des Resonanzbodens ist eine htibsche Rosette eingelassen. 

Die Besaitung ist zweichorig; die vordere Dockenreihe ist durch 
einen an der linken Seite im Innern des Gehauses angebrachten Zug 
an- und abstellbar. Die Saiten werden durch Ledersttickchen ange- 
rissen. — Umfang der Klaviatur: Contra G — f 3 (vier Oktaven und 
Septime) 1 ); die tiefste Obertaste Contra-Gis ist weggelassen. Die Unter- 
tasten sind mit Ebenholz belegt, die Obertasten sind aus Elfenbein. 

Lange 2,43 m, Breite 92 cm, Hohe 95 cm. 

Abbildung auf Seite 105. 
No. 82. Arcicembalo (GroBer Kielfltigel), 

mit folgender in Bronze aufgemalter und mit Ornamenten verzierter In- 
schrift auf dem Vorsetzbrett: „ANT0NIVS 0E MIGLIAIS FL0RENT1NVS 
F. A. [fecit Anno] M. DCCII" (1702). Das Instrument steht in einem blau 
gestrichenen, an den Randern bronzierten Kasten, der auf drei gedrehten 
saulenartigen Beinen ruht; die vorderen Beine sind miteinander verbunden. 

') Im 18. Jahrhundert kam man allmahlich von dem Gebrauch der ,,kurzen 
Oktave" ab, deren Einrichtung als storend und mangelhaft empfunden wurde, und 
vervollstandigte haufig die ,,kurze Oktave" alterer Instrumente, indem man die fehlenden 
Tone Cis, Dis, Fis und Qis hinzufiigte; in dieser Weise erweiterte Flugel hieBen 
„a ravalement". Clavicymbel mit einem Umfang von ftinf (oder wie No. 81 fast fiinf) 
Oktaven wurden „a grand ravalement" bezeichnet; derartige Instrumente wurden 
erst in der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts gebaut. (Vgl. z. B. No. 86, 89, 90, 
91 u. 94 des Katalogs.) 



Kielfliigel No. 82 



Der Anstrich ist modernen Ursprungs. Das Gehause ist aus Zypressen- 
holz. Die Klaviaturbacken sind reich geschnitzt und ebenso wie der 
Rand des Gehauses und die Dockenleiste mit Ebenholzadern eingelegt. 

Die Besaitung ist zweichorig; die Saiten werden durch Leder- 
stiickchen angerissen. Umfang der Klaviatur: Contra-F — c 1 (vier Oktaven 
und Quinte); die tiefste Taste ist „gebrochen": die obere Halfte gibt 
„F", die untere „G" an; „Gis" ist fortgelassen. Die Untertasten sind 
mit Buchsbaum, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,63 m, Breite 97V» cm, Hohe 1,02 m. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 247. 

No. 83. Clavecin brise ou de voyage (Reise-Clavecin), 

laut funfmal eingepreBter Inschrift auf dem Stimmstock von „MARIUS" 
erbaut; auf der linken Seite des Resonanzbodens ist die Jahreszahl 
,,1713" aufgemalt. Das in NuBbaum fournierte Instrument ist dreiteilig 
zusammenlegbar und hat in geschlossenem Zustande die Form eines 
langlichen rechteckigen Kastens. Beim Zusammenlegen wird die Klaviatur 
hineingeschoben, so daB sie unter die Stimmstockplatte zu liegen kommt. 
Der dreiteilige Resonanzboden ist mit kiinstlerisch ausgefuhrten 
Ornament-, Blumen- und Fruchtemalereien sowie in den beiden Schall- 
lochern mit bronzierten Rosetten verziert. 

Die Besaitung ist dreichorig: zwei Saitenchore sind in normaler 
(8'-)Tonhohe und der dritte Chor ist in der hoheren Oktave (im 4'-Ton) 
gestimmt. Die einzelnen Dockenreihen sind fruher anscheinend an- 
und abstellbar gewesen. Umfang der Klaviatur: Contra-G (schein- 
bar H) — e 3 (vier Oktaven und Sexte); die tiefste Oktave ist „kurz" mit 
„gebrochener" zweiter Obertaste. (Vgl. „Nachtrag" auf Seite 114.) Die 
Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Lange 1,44 m, Breite 75 cm, Hohe 12 cm; in geschlossenem 
Zustande: Lange 1,33 m, Breite 37 V2 cm, Hohe 24 cm. 

Abbildungen in geoffnetem, halb zusammengeklapptem und ge- 
schlossenem Zustande auf Seite 98; Nachbildung der Inschrift auf Seite 242. 

Ueber das vorliegende Instrument, das aus der Sammlung Kraus stammt, vergl. 
Fetis, „Biographie universelle des Musiciens", Supplement par Arthur Pougin (Paris 
1881) Tome II, pag. 171: „Ce qu'il y a de plus singulier peut-etre, c'est qu'on n'a 
retrouve jusqu'a ce jour aucun specimen des fameux clavecins a mail lets de Marius, 
tandis qu'on connait au moins trois exemplaires de ses clavecins replies. J'en ai pu 
voir un, superbe de conservation, dans le beau musee instrumental de Mr. Alexander 
Kraus a Florence; celui-ci, date de 1713 et produisant la signature de son auteur dans 

ses divers compartiments, porte aussi cette mention: Exclusif privilege du Roy 

C'est en 1700 que Marius inventa ce clavecin portatif dont les Memoires de Trevoux 
(de 1703, p. 1292) ont parle avec eloges." Der auf jedem der drei Teile des Instruments 
eingeprefite Stempel: „EXCLUSIF PRIVILEGE DU ROY" bezieht sich auf das Patent, 
das Jean Marius am 18. September 1700 fur seine Erfindung auf zwanzig Jahre erhielt. 
(Vgl. Seite 244.) 

No. 84. Cembalo (Kielfliigel) 

mit folgender Inschrift auf dem Vorsetzbrett iiber der Klaviatur 
„BARTHOLOMAEVS DE CHRISTOPHORIS PATAVINVS FAC1EBAT 
FLORENTIAE MDCCXXII." (1722). - Das schmucklos ausgestattete In- 
strument hat ein rot gestrichenes, an den Randern bronziertes Gehause 
und ruht auf einem einfachen Gestell mit drei leicht g-eschweiften Beinen. 



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Kielflugel No. 84-86 ^^^^^^^ 103 



Die Besaitung ist zweichorig; zwei zur linken Seite im Innern 
des Gehauses angebrachte Ziige ermoglichen durch An- und Abstellen 
der Dockenreihen beliebige Anwendung der beiden Saitenchore. Die 
Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. Umfang der Klaviatur: 
C — c 3 (vier Oktaven). Die Untertasten sind mit Buchsbaum, die Ober- 
tasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,41 m, Breite 83 cm, Hone 94 cm. 

Abbildung auf Seite 101. 
Ueber Cristofori, den Erfinder des Hammerklaviers, vgl. S. 72, 115, 216 etc. 

No. 85. Cembalo (Kielflugel) 

mit folgender Inschrift auf dem Vorsetzbrett iiber der Klaviatur: „BAR- 
THOLOMAEVS DE' CHRIST0PH0R1S PATAVINVS FACIEBAT FLOREN- 
TIAE M.DCC.XXVI" (1726). — Das Instrument steht in einem hellrot 
lackierten an den Randern vergoldeten Kasten, der im Geschmacke der 
Rokokozeit mit hiibschen Goldmalereien chinesischer Sujets verziert 
ist; die Innenseite weist hellblauen Anstrich auf. Der Kasten ruht auf 
drei pfeilerartigen bemalten und reich geschnitzten Beinen, deren beide 
vorderen durch eine vergoldete Holzschnitzerei miteinander verbunden 
sind. 1 ) Das Gehause des Flugels ist aus Zypressenholz. 

Die Besaitung ist dreichorig; je ein Chor Saiten steht im 4-', 
8-' und 16'-Ton, d. h. ein Saitenchor ist in normaler (8'-) Tonhohe, ein 
Chor in der hoheren (im 4'-Ton) und ein Chor in der tieferen Oktave 
(im 16'-Ton) gestimmt. Zwei zu beiden Seiten iiber der Klaviatur an- 
gebrachte Ziige ermoglichen durch An- und Abstellen der Dockenreihen 
beliebige Anwendung der einzelnen Saitenchore. Die Saiten werden 
durch Federkiele angerissen. Umfang und Ausstattung der Klaviatur wie 
bei No. 84. 

Lange 2,57 m, Breite 94 cm, Hohe 1,08 m. 

Abbildung auf Seite 101; Nachbildung der Inschrift auf Seite 218. 

No. 86. Cembalo traverso (Quer-Kielf liigel), 

von Bartolomeo Cristofori zu Florenz erbaut. Das Instrument, das aus 
derselben Zeit wie die beiden vorhergehenden Cembali stammt, weist 
zwar keine Signierung auf, doch lieB sich die schon von Kraus 
(„Catalogo della Collezione .... Kraus" 1901, No. 543) angenommene 
Autorschaft Cristoforis durch Vergleiche mit anderen im Museum befind- 
lichen signierten Instrumenten zweifellos nachweisen: die Anordnung 
und Bauart der Stege, die eigenartige Form der Docken, die hand- 
schriftliche Bezifferung der Tasten und die charakteristisch ausgedrehten 
Stirnkanten der Untertasten stimmen genau mit dem Cembalo vom Jahre 
1726 (No. 85 des Katalogs) — in bezug auf die beiden letzten Punkte 
auch mit dem Cembalo vom Jahre 1722 (No. 84 des Katalogs) — 
iiberein. Auf dem Riickende der hochsten Taste f :i findet sich ein ge- 
schriebener Reparaturvermerk ,,1795 / G C R"; von derselben Hand 
stammt die oberhalb der urspriinglichen Bezifferung befindliche zweite 
Numerierung auf den Tastenenden. 

Das schmucklos ausgestattete Instrument hat unregelmaBig sechs- 
eckige Form und vorstehende Klaviatur; es ruht auf einem einfachen 
Gestell mit sechs durch Leisten verbundenen Beinen. Das Gehause 
weist dunkelbraunen Anstrich modernen Ursprungs auf. In das Schalloch 



') Mit einem ganz ahnlichen Kasten ist der Cristofori-Hammerflugel aus dem- 
selben jahre (No. 170 des Katalogs) versehen. 



Kielflugel No. 86 u 87 



des Resonanzbodens ist eine hiibsch geschnitzte Rosette eingelassen, die 
sich aus sieben verzierten Kreisen — also eigentlich sieben kleinen 
Rosetten zusammensetzt. Das Muster dieser kleinen Rosetten findet 
sich halbiert auch an den ausgedrehten Stirnkanten der Untertasten des 
Cristofori-Spinetts vom Jahre 1693 (No. 53 des Katalogs). 

Die Besaitung ist zweichorig; ein Saitenchor ist in normaler 
Tonhohe (im 8'-Ton) und ein zweiter Saitenchor in der hoheren Oktave 
(im 4'-Ton) gestimmt. Zwei seitlich an der Klaviatur angebrachte Hebel 
machen die Klaviatur zum Zwecke getrennter Anwendung der beiden 
Saitenchore verstellbar'): wahrend die Tasten in gewohnlicher Lage 
sowohl auf den 8'- wie auf den 4'-Chor wirken, wird beim Heraus- 
ziehen der Klaviatur die Dockenreihe fur den 4-Chor und beim weiteren 
Hineinschieben die Dockenreihe fur den 8-Chor abgestellt.'-) 

Unterhalb der Tasten der tiefsten Oktave ist der Boden des 
Gehauses durchbrochen; wie sich aus den an der Unterseite der Tasten 
angebrachten Haken schheBen laBt, war an diese Tasten eine Pedal- 
klaviatur angehangt. H ) 

Die Saiten werden durch Lederstuckchen angerissen. Umfang 
der Klaviatur: Contra F — f :i (fiinf Oktaven); die tiefsten Obertasten Contra- 
Fis und -Gis sind fortgelassen. Die Untertasten sind mit Buchsbaum, 
die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,46 m, Breite 80 cm, Hohe 92 cm. 

Abbildung auf Seite 102. 
Laut Mitteilung von Baron Kraus wurde das interessante Instrument im Kloster 
San Niccolo zu Prato in Toscana gefunden. 

No. 87. Cembalo (Kielflugel), 

italienische Arbeit aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne 
Namen des Erbauers. — Das Instrument steht in einem mahagonifarben 
gestrichenen Kasten, der an der rechten Seitenwand mit Putten und 
Blumengirlanden bemalt ist und auf drei gedrehten Beinen ruht; die 
beiden vorderen Beine sind miteinander verbunden. Die AuBenseite 
des Deckels ist mit dunkelfarbigen Ornamentmalereien versehen und 
zeigt uber der Klaviatur das papstliche Wappen; die Innenseite schmuckt 
eine Malerei, die eine Gruppe von sechs musizierenden Monchen 4 ) und 
im Hintergrunde die Aussicht auf die Klosterbriicke darstellt. Das 
Gehause ist aus Zypressenholz; Rander, Dockenleiste, die mit Knopf- 
chen aus Bein besetzten Klaviaturbacken und das Vorsetzbrett sind 
schwarz poliert. In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine vertiefte 
Rosette eingelassen. 

') Diese Hebeleinrichtung findet sich auch bei dem Spinett v. J. 1693 — ein 
weiterer Beweis fur die Authentizitat des Cembalo traverse 

-) Vgl. fiber diese Einrichtnng Ad lung, „Musica mechanica Organoedi" 
(Berlin 1768), § 516 (2. Band, S. 108): „ . . . Anstatt der Register habe ich einsten 
einmal ein solch Clavier gesehen, welches man konnte aus- und einwarts schieben ..." 
u. s. w. 

3 ) Fur derartige „Pedale", deren Spuren man noch an einzelnen Kielfliigeln 
erkennen kann, war meist keine besondere Besaitung vorhanden, sondern die Pedal- 
tasten waren durch holzerne ,,Abstrakte" an die entsprechenden Manual-Bafitasten 
gekoppelt. Man bediente sich des Pedals, wenn beide Hande in der Diskantlage 
der Klaviatur beschaftigt waren, so dafi also die Bafitone mit Hilfe des Pedals her- 
vorgebracht werden konnten. 

4 ) Da einer der Monche ein BaBhorn („Basson russe") blast, ist die Bemalung 
erst im 19. Jahrhundert hinzugefugt worden. 



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Kielflugel No. 87-90 ^^^^^^^ 107 



Die Besaitung ist zweichorig; die Saiten werden durch Leder- 
stiickchen angerissen. Umfang der Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven). 
Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz 
poliert. 

Lange 2,10 m, Breite 85 cm, Hohe 83 cm. 

Abbildung auf Seite 105. 

No. 88. Clavecin (Kielflugel), 

anscheinend franzosische Arbeit aus der ersten Halfte des 18. Jahr- 
hunderts; ohne Namen des Erbauers. Das hiibsche Instrument, das 
sich klanglich durch einen besonders schonen „Silberton" auszeichnet, 
steht in einem innen rotbraun gestrichenen Kasten, der ringsum mit Land- 
schaftsmalereien auf hellgrunem Grunde versehen ist und auf einem 
mit vergoldeten Holzschnitzereien im Rokokostil reich verzierten Gestell 
mit fiinf geschweiften Beinen ruht. Das Gehause ist aus Zypressenholz ; in 
das Schalloch des Resonanzbodens ist eine hiibsche Rosette eingelassen. 
Die Besaitung ist zweichorig; die Saiten werden durch Feder- 
kiele angerissen. Umfang der Klaviatur: c — d 3 (vier Oktaven und 

ein Ton); die tiefste Oktave ist auffallenderweise noch „kurz". Die 
Untertasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,04 m, Breite 85 cm, Hohe 96 cm. 

No. 89. Cembalo (Kielflugel), 

italienische Arbeit aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. Das Instrument ruht auf drei saulenartig gedrehten Beinen, 
deren beide vordere miteinander verbunden sind. Das Gehause ist 
aus Zypressenholz und an der rechten Langsseite mit farbigen und Gold- 
Ornamenten auf dunkelbraunem Grunde bemalt. Die Innenseite des 
Deckels ist mit einer Malerei geschmuckt, die eine hausliche Musikauf- 
fuhrung im 17. Jahrhundert darstellt; im Hintergrunde ist eine Landschaft 
sichtbar. 

Die Besaitung ist zweichorig; die vordere Dockenreihe ist durch 
einen an der linken Seite im Innern des Gehauses angebrachten Zug 
an- und abstellbar. Die Saiten werden durch Ledersttickchen ange- 
rissen. — Umfang der Klaviatur: Contra G— f (vier Oktaven und 
Septime). Die Untertasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit 
Ebenholz belegt. 

Lange 2,49 m, Breite 95 cm, Hohe 93 cm. 

Abbildung auf Seite 106. 

No. 90. Arcicembalo (Grofier Kielflugel), 

italienische Arbeit aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. — Das Instrument ruht auf einem reich geschnitzten Gestell 
mit vier Beinen, die in Lowentatzen auslaufen. Das Gehause ist aus 
Zypressenholz und ebenso wie das Gestell blau gestrichen und an den 
Randern bronziert; der Anstrich ist moderne Zutat. 

Die Besaitung ist zweichorig; die Saiten werden durch Leder- 
stiickchen angerissen. Umfang und Ausstattung der Klaviatur wie bei No. 89. 

Lange 2,73 m, Breite 92 cm, Hohe 95 cm. 
Der Fliigel stammt laut Mitteilung von Baron Kraus aus der 
Villa Soderini. 



Kielflugel No. 91 u 92 



No. 91. Zweimanualiges Clavicymbel (Kielflugel), 

deutsche Arbeit aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. Das instrument, in bezug auf Bauart und Tonfulle der 
schonste Kielflugel der Sammlung, ist ein Meisterwerk und vielleicht aus 
der Werkstatt des sachsischen Hoforgelbauers Gottfried Silbermann 
zu Freiberg i. S. (1683 -1753) hervorgegangen. 1 ) 

Der Fliigel runt auf einem einfachen Gestell mit sechs geschweiften 
Beinen. Das Gehause ist aus dunkelbraun gebeiztem Fichtenholz und 
mit Ausnahme von hiibsch gravierten Messingbeschlagen und -Hand- 
griffen schmucklos ausgestattet. In das Schalloch des Resonanzbodens 
ist eine zierliche Rosette eingelassen. 

Die Besaitung ist dreichorig; je ein Chor Saiten steht im 4'-, 
8'- und 16'-Ton, d. h. ein Saitenchor ist in normaler Tonhohe (im 8 -Ton), 
ein Chor in der hoheren (im 4' Ton) und ein Chor in der tieferen 
Oktave (im 16'-Ton) gestimmt. Die Saiten fur den 16'-Ton sind durch- 
weg ubersponnen. Das untere Manual regiert den 8'- und 16'-Chor, 
wahrend der 4'-Chor vom oberen Manual aus regiert wird; doch laBt sich 
letzterer zur Erzielung des „Grand Jeu" auch an das untere Manual 
koppeln. Drei oberhalb der Klaviatur angebrachte Ziige ermoglichen 
durch An- und Abstellen der Dockenreihen beliebige Anwendung der 
einzelnen Saitenchore. AuBerdem ist ein sogenannter „Lautenzug" vor- 
handen, der mit dem 8'-Ton in Verbindung steht und die Saiten un- 
mittelbar hinter dem Steg durch Andriicken kleiner Filzstiicke abdampft, 
wodurch ein lautenahnlicher Klangcharakter entsteht. ") 

Die Saiten werden durch Federkiele angerissen. Umfang der 
Klaviatur: Contra F— f :t (fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit 
Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Lange 2,57 m, Breite 99 cm, Hohe 95 1 /-- cm. 

Abbildung auf Seite 111. 

No. 92. Cembalo (Kielflugel) 

mitgeschriebener Inschrift auf dem Riickende der tiefsten Taste (C): „Gio. 
Francesco Franco, Fecit 1757. / nel mese di Novembre". — Das Gehause 
des Instruments weist auf der AuBenseite dunkelgriinen Anstrich auf 
und ruht auf sechs saulenartigen silbervergoldeten Beinen, die durch 
Leisten miteinander verbunden sind. Auf der Innenseite des Deckels 
befindet sich eine kunstlose Malerei, die den geigespielenden Orpheus 
inmitten der wilden Tiere darstellt. In das Vorsetzbrett sind zwei 
Spiegel eingelassen, die von rokokoartigen Goldschnitzereien umrahmt 
sind. Auch die Klaviaturbacken sind mit vergoldeten Holzschnitzereien 
verziert. 

Die Besaitung ist dreichorig; alle Chore sind im Einklang (im 
8-Ton) gestimmt. Drei rechts von der Klaviatur angebrachte Ziige 
gestatten durch An- und Abstellen der Dockenreihen beliebige Anwendung 



] ) Nach Adlungs »Musica mechanica Organoedi" (Berlin 1768), §518 (2. Band, 
S. 110) baute Breitenbach derartige Instrumente. — Fur einen zweimanualigen Kiel- 
flugel ist z. B. das Jtalienische Konzert" von Joh. Seb. Bach geschrieben; die 1735 
erschienene Originalausgabe tragt den Titel: ,,Zweyter Theil der Clavier-Ubung beste- 
hend in einem Concerto nach Italiaenischem Gusto, und einer Overture nach Fran- 
zosischer Art, vor ein Clavicymbel mit zweyen Manual en. .. ." 

-') Ueber die Konstruktion des Lautenzugs vgl. Ad lung, a. a. O. S 514 (2. Band, 
S. 107). S ^ K S V 



Kielfiugel No. 92-94 ^^^^^^^ 109 



der einzelnen Saitenchore. Die Saiten werden durch Federkiele an- 
gerissen. Umfang der Klaviatur: C-g ;! (vier Oktaven und Quinte). 
Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Lange 1,75 m, Breite 90 cm, Hohe 94 ' -• cm. 

Der Fliigel befand sich lange Jahre hindurch im Besitz einer 
Familie zu Turin. 

Abbildung auf Seite 106; Nachbildung der Inschrift auf Seite 222. 

No. 93. Clavecin (Kielfiugel) 

mit den Initialen „L V" in der Rosette; auf dem Riickende der tiefsten 
Taste (Contra-H) findet sich auBerdem die Aufschrift: „Amsterd[am]", 
auf der hochsten Taste (f 3 ) die Jahreszahl : „A°- 1766". Das 

Instrument - - eine hollandische Arbeit aus der Ruckers-Schule — ruht 
auf einem Gestell mit sechs gedrehten durch Leisten miteinander ver- 
bundenen Beinen. Das Gehause weist aufien rotbraunen, innen hell- 
griinen Anstrich modernen Ursprungs auf. Der Resonanzboden ist mit 
verblaBten Blumenmalereien geschmuckt. Die in MetallguB hergestellte 
bronzierte Rosette zeigt auBer den Initialen „L V" eine kleine (sog. 
„Portativ") Orgel. 

Die Besaitung ist dreichorig; zwei Saitenchore sind in nor- 
maler (8 '-) Tonhohe, und der dritte Chor ist in der hoheren Oktave (im 
4'-Ton) gestimmt. Drei an der rechten Seite auBerhalb des Gehauses 
angebrachte, an den Knopfen mit Elfenbein besetzte Ziige ermoglichen 
durch An- und Abstellen der Dockenreihen beliebige Anwendung der 
einzelnen Saitenchore. Die Saiten werden durch Lederstuckchen an- 
gerissen. Umfang der Klaviatur: Contra-H— f 3 (vier Oktaven und 
vermind. Quinte; vielleicht aber auch wie bei No. 80 Contra G — f 3 mit 
„kurzer Oktave"). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten 
mit Ebenholz belegt. 

Lange 1,9172 m, Breite 88 cm, Hohe 92 cm. 

No. 94. Cembalo (Kielfiugel), 

mit geschriebener Inschrift auf dem Riickende der hochsten Taste (f 3 ): 
„No. 95. Vincenzio Sodi Fece / Firenze 1792". Das Gehause ist aus 
Zypressenholz und auf der AuBenseite hellgelb gestrichen und mit 
Blumengirlanden bemalt. Der Deckel, der auBen ebenfalls hellgelben, 
innen hellblauen Anstrich aufweist, ist mit Ornamentmalereien geschmuckt ; 
der Teil des Deckels iiber der Klaviatur zeigt iiber einer Laute und 
einer Schalmei ein aufgeschlagenes Notenbuch, in dem die Anfangs- 
worte einer Arie: „Amore e amara / e La Fortuna / e ingrata" (,,Liebe 
ist bitter, und das Gliick ist undankbar") lesbar sind. Auch das Vor- 
setzbrett zeigt eine Malerei, die den ruhenden Marsyas darstellt, der 
dem Spiel des Schalmei blasenden Olympos lauscht. ') 

Die Besaitung ist zweichorig. Die Dockenreihen sind an- und 
abstellbar, doch scheint ein hierfiir bestimmter Zug nicht vorhanden 
gewesen zu sein. - - Der Fliigel besitzt zwei KniehebeL): der linke Hebel 
(ein sog. „Fagottzug") driickt einen unter einer Holzleiste aufgeleimten 
gerollten Papierstreifen gegen die BaBsaiten, wahrend der rechte Hebel 
(ein „Lautenzug") durch einen ebenso befestigten Filzstreifen auf die 

M Die Malerei scheint in Anlehnung an ein Gemalde von Annibale Caracci 
(1560 — 1609) entworfen zu sein, das sich jetzt in der Londoner National-Galerie befindet. 

2 ) Derartige Kniehebel- oder Pedal-Effekte wurden spater bei Hammerf 1 ugeln 
sehr haufig angewendet. 



Kielflugel No. 94. Ibachord No. 95 



Diskantsaiten wirkt. Die Saiten werden durch Lederstiickchen ange- 
rissen. - Umfang der Klaviatur: Contra F — P (funf Oktaven). Die 
Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind dunkel ge- 
beizt und von Buchsbaumadern durchzogen. 

Lange 2,26 m, Breite 9672 cm, Hone ohne Gestell 25 Vs cm, mit 
(neu angefertigtem) Gestell 92 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 264. 

Cembalo (Kielflugel), 

zu einem sog. „Tangentenflugel" umgearbeitet, siehe No. 213 des Katalogs. 



CEMBALO-REKONSTRUKTIONEN. 

Das Bestreben unserer Zeit, alte Musik stilgemaB d. h. in original- 
getreuer Weise und auf originalen Instrumenten — aufzufiihren, veranlafite 
moderne Nachbildungen des wichtigsten Tasten instruments des 17. u. 18. Jahr- 
hunderts, des Kielfliigels. AuBer einzelnen von Hirtl in Berlin, Rehbock in 
Duisburg (jetzt in Zurich), Pfeiffer in Stuttgart u. a. unternommenen Ver- 
suchen sind als die bemerkenswertesten Resultate die Clavecins von P ley el, 
Wolff & Cie. 1 ) und Erard in Paris und neuerdings die nach Angaben Paul 
de Wits von Hermann Seyffarth in Leipzig erbauten „Spinettflugel" zu 
nennen. Diese „Spinettflugel" beruhen selbstverstandlich auf dem Ton- 
erzeugungsprinzip der alten Clavicymbel, bieten aber keine genauen Kopien 
der Originale, sondern stellen eine Losung des Versuchs dar, mit Verwertung 
neuerer Errungenschaften des Klavierbaues (wie Eisenrahmen, Anwendung 
starkerer und widerstandsfahigerer Saiten und Stimmwirbel, Pedaltritte usw.) 
Cembali zu schaffen, deren Klang die groBen Raume moderner Konzertsale 
auszufiillen vermag. 

No. 95. „Ibachord", 

laut geschnitzter Inschrift auf dem Notenpult von „Rud.Jbach Sohn" er- 
baut; aus dem Jahre 1905. Das einfach ausgestattete Instrument ist aus 
schwarz poliertem (imitiertem Eben-) Holz verfertigt und ruht auf drei 
gedrehten Beinen. Im Resonanzboden befinden sich zwei groBe und 
zwei kleinere Schallocher. 

Die Besaitung ist einchorig; die Saiten werden nicht durch 
Docken sondern durch holzerne schaufelahnliche StoBer, die mit Filz 
uberzogen sind, angerissen. — Umfang der Klaviatur: Contra C— c 4 
(sechs Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Ober- 
tasten sind aus Ebenholz. 

Lange 1,68 m, Breite 1,23 m, Hone 87V2 cm. 

Die Grundidee des „Ibachords" stanimt von Job. Rehbock, dessen Pa- 
tente die Firma Jbach i. J. 1903 erwarb. Das Instrument hat in jiingster Zeit 
in seiner Konstruktion mannigfache Verbesserungen erfahren. 

') Die Clavecins von Pleyel, Wolff & Cie. in Paris sind durch Konzerte der 
ausgezeichneten Pianistin Wanda Landowska auch in Deutschland bekannt ge- 
worden. Sie sind mit zwei Manualen, dreifachem Saitenbezug (zwei Chore im 8'- 
und ein Chor im 4 '-Ton) und sechs Pedalen ausgestattet. (Vgl. die Beschreibung 
im Katalog des Briisseler „Musee"; No. 1598, volume III, page 163.) 



Ill 




No. 91. Zweimanualiges Clavicymbel, 

vielleicht von Gottfried Silbermann, Freiberg i. S. c. 1750. 



Text: Seite 108. 



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Spinettflugel No. 96 ^^^^^^^ 113 



No. 96. Dreimanualiger „Spinettfliigel" 

mit gravierter Inschrift auf dem Milchglasschild inmitten der Zierleiste: 
„H. Seyffarth Leipzig/me fecit 1909". Das im Empirestil prachtig aus- 
gestattete Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf sechs ver- 
goldeten Beinen, die von Karyatiden gekront sind. Das ganze AeuBere 
des Gehauses, Zierleiste, Docken- und Dampferleiste, die vergoldete 
Pedallyra sowie die Stirnkanten der Untertasten sind mit vergoldeten 
Bronzebeschlagen reich verziert. In das Schallocli des Resonanzbodens 
ist eine groBe geschnitzte Rosette eingelassen. 

Die Besaitung ist vierchorig: zwei Saitenchore stehen im 8'- und 
je einer im 16'- und 4'-Ton, d. h. zwei Saitenchore sind in normaler 
Tonhohe, einer in der tieferen und einer in der hoheren Oktave ge- 
stimmt. Die Saiten werden durch Lederstiickchen angerissen. — Die 
16'-Ton-Saiten sind iibersponnen. Die beiden 8'-Chore haben verschie- 
denen Klangcharakter: der erste Chor hat einen weichen runden Ton, 
wahrend der zweite, dessen Saiten von den Lederstiickchen nahe am 
Steg angerissen werden, einen scharfen, oboe-ahnlichen Klang besitzt. ') - 
Zur Erzielung verschiedenartiger Klangeffekte dienen vier Pedale 
und drei Registerziige, die getrennte und vereinte Anwendung sowie 
das Abdampfen der einzelnen Saitenchore ermoglichen. Die untere 
Klaviatur ist verschiebbar: das Manual regiert in normaler Lage den 
weichen 8'-Ton; durch Hineindriicken der Klaviatur wird der scharfe 
8' -Ton und der 4' -Ton an das untere Manual gekoppelt. Soil 
das „volle Werk" (grand Jeu) wirken, so wird auBerdem entweder der 
zweite der beiden links oberhalb der Klaviatur angebrachten Register- 
ziige gezogen oder das (von links aus gerechnet) erste Pedal nieder- 
gedriickt. In normaler Lage der Klaviatur wird durch Niederdrucken 
dieses ersten Pedals der 16'-Ton an den weichen 8'-Ton gekoppelt. 
Zur Hervorbringung eines Pianissimo oder Piano auf dem unteren 
Manual in normaler Lage dient das zweite Pedal, durch dessen starkeres 
oder schwacheres Niedertreten ein mehr oder weniger weites Entfernen 
der Kiele von den Saiten bewirkt wird. Den gleichen Effekt erzielt 
man auf dem mittleren Manual, das den scharfen 8-Ton regiert, durch 
Niederdrucken des dritten Pedals. Mit diesem mittleren Manual steht 
auBerdem ein „Lautenzug" in Verbindung, der durch Andriicken einer mit 
Lederstiickchen besetzten Leiste an die Saiten wirkt; der Registerknopf hier- 
fiir ist an der linken Seite der Zierleiste neben der Koppel fur den 16'-Ton 
angebracht. Das obere dritte Manual regiert den 4'-Ton ; ein Pianissimo 
auf diesem Manual wird durch einen an der rechten Seite angebrachten 
Registerzug erzielt; der daneben befindliche Registerknopf ist „blind". 
Der vierte Pedaltritt dient als Fortezug durch Aufheben der Gesamt- 
dampfung. — Von den Dockenreihen gehort die (vom Stimmstock aus 



') Dieser Effekt der verschiedenartigen Klangfarbung wurde schon von Jean 
Couchet in Antwerpen angewendet, einein hervorragenden Clavecinbaner, der als 
Neffe Andreas Ruckers d. Aelt. bereits erwahnt wurde. In dem von Jonckbloet 
und Land herausgegebenen Werke „Musique et musiciens au 17<=me siecle" (Leyde, 1882) 
ist ein Brief vom 5. Marz 1648 mitgeteilt, worin G. F. Duarte aus Antwerpen seinem 
Freunde Constantin Huygens iiber die Clavecins von Couchet berichtet. Es heiBt 
hierin (in Uebersetzung des flamischen Textes): „ . Die zweite gleichgestimmte 
[8' Ton-] Saite ist von etwas scharferer Tonqualitat als die andere, wodurch ebenfalls 
eine angenehme Lieblichkeit erzielt wird, weil diese um eines Strohhalms Breite langer 
ist als die andere. ..." (Pag. CXCI). 



Spinettfliigel No 96 



gerechnet) erste Reihe zu dem scharfen 8'-Ton des mittleren und die 
zweite Reihe zu dem 4'-Ton des oberen Manuals; die dritte Reihe gehort 
zu dem weichen 8'-Ton und die vierte Reihe zu dem 16-Ton, die beide 
vom unteren Manual aus regiert werden. 

Umfang des unteren und mittleren Manuals: Contra-F-f :t (funf 
Oktaven); bei Benutzung des 16'-Tons erweitert sich der Umfang noch 
um eine Oktave nach der Tiefe (Subcontra-F). Umfang des oberen 
Manuals: F— f 4 , so daB der Gesamtumfang des Instruments also sieben 
Oktaven (Subcontra-F — f 4 ) betragt. 

Die Untertasten sind aus Elfenbein, die Obertasten sind mit Eben- 
holz belegt. 

Lange 2,71 m, Breite 1,05 m, Hohe 1,03 Vs m. 

Abbildung auf Seite 112. 

Das Instrument stellt mit seinen drei Manualen ein Unicum dar, da die 
,,Spinettflugel" von de Wit-Seyffarth nur mit zwei Manualen gebaut werden. Mit 
Hiilfe der verschiedenen Registerziige und Pedale laBt sich auf ihm eine Fiille der 
verschiedenartigsten Klangkombinationen vom rauschenden Fortissimo bis zum fast un- 
horbaren Pianissimo hervorbringen; es iibertrifft in dieser Hinsicht audi die besten, 
in klanglicher Beziehung nur wenig abwechslungsreichen originalen Instrumente. 

Das Museum beabsichtigt das Gehause des Fliigels, dessen Ausstattung im 
Empirestil als Anachronismus empfunden wird, in den der Bliitezeit der Kielfliigel 
entsprechenden Louis XV.-Stil umzuarbeiten. 



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Nachtrag 

zu No. 55, 56, 80, 83 und 93. 

Bei dieser seltener anzutreffenden Anordnung der „kurzen Oktave", die 
eine Erweiterung der gewohnlichen mit C beginnenden Gruppierung bildet, 
entspricht Contra-G scheinbar -H, Contra-A scheinbar Cis, Contra-H schein- 
bar Dis; doch wurde Contra-H zuweilen zugunsten von Dis weggelassen 
(No. 80 u. 93). - - Zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurde auBerdem die zweite 
(scheinbare Dis-) Obertaste haufig „gebrochen", so daB auf diese Weise zu 
der Skala noch Contra-B hinzukam. (No. 55, 56 u. 83; die Angaben bei den 
Spinetts No. 55 und 56 [Seite 75 und 76] sind hiernach zu rektifizieren.) 

Vgl. hierzu Hipkins' Untersuchungen in Grove's , , Dictionary", vol. IV, 
London 1908, p. 634-35. 



-cxgjgio- 



H AMMERKLAVI ERE. 

Das Ursprungsland des wichtigsten und verbreitetsten modernen Musik- 
instruments, des Pianoforte oder Hammerklaviers, ist Italien : dem Paduaner 
Bartolomeo Cristofori (1665-1731) gebiihrt der Ruhm dieser genialen 
Erfindung, die von ihm im Jahre 1709 zu Florenz gemacht wurde. Er nannte 
das neue Instrument „Gravicembalo col piano e forte" — ein Fliigel, der 
schwaches und starkes Spiel ermogiicht, und diese Bezeichnung weist auf 
den Kernpunkt der Erfindung hin: im Gegensatz zu dem starren, im groBen 
und ganzen sich imnier gleich bleibenden Klang des Kielfliigels und Spinetts 
gestattete das Pianoforte von Anfang an ein abwechslungsreiches, nuan- 
cierungsfahiges Spiel. Die Grundform der Hammermechanik ist merk- 
wiirdigerweise in demselben primitiven Instrument zu suchen, dem auch die 
Kielinstrumente ihre Entstehung verdanken: dem Hackebrett oder Salterio. 
Zu Anfang des 18. Jahrhunderts hatte ein Virtuos auf diesem vorher nur 
eine untergeordnete Rolle spielenden Instrument, Pantaleone Hebenstreit 
(1669—1750), allgemeines Aufsehen erregt und dadurch vermutlich Veran- 
lassung zu den in verschiedenen Landern fast gleichzeitig auftauchenden Ver- 
suchen gegeben, die Saiten der Tasteninstrumente durch einen den Hackebrett- 
kloppeln ahnlichen Hammermechanismus zum Anschlag zu bringen. 

Dem Erfindergeist Cristoforis gelang die Losung dieser Aufgabe in 
vollkommener Weise; seine Pianoforte-Mechanik enthalt wie es der im 

Museum befindliche Fliigel No. 170 vom Jahre 1726 beweist bereits alle 
wesentlichen Teile der spateren Fliigelmechanik: belederte Hammerchen, die 
auf einer besonderen Leiste -- dem sog. Hammerstuhl — aufgereiht sind, be- 
wegliche StoBzungen zur Ermoglichung der sog. Auslosung, wodurch die 
Hammer sofort nach dem Anschlag in ihre friihere Lage zuriickgeschnellt 
werden, unter den Hammern liegende Hebelarme, die die Hammerniisse be- 
riihren, Fiinger zur Verhinderung eines harten Auffallens der Hammer sowie 
Einzeldampfer zum sofortigen Abdampfen der Saiten. Dieser zielbewuBten 
Anordnung der Mechanik, die in ihren gesamten Teilen fiir alle Nachfolger 
und Verbesserer vorbildlich blieb, haftet in keiner Weise - wie so oft neuen 
Erfindungen - - etwas Suchendes, Unvollkommenes an. Eine genaue Be- 

schreibung der neuen Fliigel veroffentlichte der Schriftsteller Scipione 
Maffei (1675 — 1755) im Jahre 1711 in der in Venedig erscheinenden Zeit- 
schrift „Giornale dei letterati d'ltalia", worin der Erfinder aber irrtiimlich 



Hammerklaviere' 



„Cristofali" genannt wurde. Eine deutsche Uebersetzung dieses Berichts er- 
schien 1725 in der angesehenen von Mattheson herausgegebenen Zeit- 
schrift „Critica musica", so daB die Erfindung auch in Deutschland bekannt 
wurde; im Heimatland Italien hatte sie in praktischer Hinsicht bis zu dem 
i. J. 1731 erfolgten Tode Cristoforis nur ganz geringfugige, vereinzelte Ver- 
breitung gefunden. 

Das Land, das die epochemachende Bedeutung der neuen Erfindung 
zuerst erkannte und nutzbar machte, war Deutschland, und von Sachsen aus 
verbreitete sich das Hammerklavier iiber die ganze Welt. Der Organist und 
Komponist Christoph Gottlieb Schroter (1699 — 1782) nahm das Verdienst 
der von ihm angeblich bereits 1717 gemachten Erfindung fur sich in An- 
spruch; seine Beweisgriinde sind aber nicht einwandfrei, und das Prioritats- 
recht gebiihrt zweifellos Cristofori. Moglich ist es immerhin, daB Schroter 
unabhangig von dem Paduaner zu seiner Erfindung gelangt ist, denn es steht 
fest, daB er i.J. 1721 zwei verschiedene Modelle seiner Mechanik dem Dresdener 
Hofe vorlegte; zu einer Ausnutzung seiner Idee kam es aber vor der Hand 
nicht. Ebensowenig kamen einige Modelle von Hammerklavieren, die der ge- 
schickte franzosische Clavecinbauer Jean Marius i.J. 1716 hergestellt hatte, iiber 
bloBe Versuche hinaus. — Erst den unausgesetzten Bemiihungen des hervor- 
ragenden Orgelbauers Gottfried Silbermann (16S3 — 1753) in Freiberg i. S. 
gliickte es etwa um 1735, brauchbare Hammerklaviere zu fertigen, die sogar 
zuletzt den Beifall Joh. Seb. Bachs und Friedrichs des GroBen 
fanden. Die von Silbermann angewandte Mechanik stimmte ziemlich genau 
mit der Cristoforis iiberein, und es laBt sich daher mit GewiBheit an- 
nehmen, daB Silbermann durch den Bericht in der „Critica musica 1 ', der 
ubrigens auch in Walthers „Musikalischem Lexikon" (Leipzig 1732) erwahnt 
ist, Cristoforis Erfindung keunen gelernt und nachgeahmt hat. Allerdings 
blieb die Spielart auf den ersten deutschen Instrumenten noch ziemlich un- 
gelenk und unvollkommen, und es bedurfte erst eines Zeitraums mehrerer 
Jahrzehnte, ehe das Hammerklavier in erfolgreichen Wettbewerb mit Clavi- 
chord und Clavizymbel treten konnte. 

Neben Gottfried Silbermann und seinem Neffen Johann Andreas S. 
(1712 — 1783) in Strafiburg widmete sich auch ein anderer ausgezeichneter 
Orgelbauer, Christian Ernst Friederici in Gera (1712 1779), mit bestem 
Erfolg dem Klavierbau. Wahrend die Silbermann'schen Instrumente die alte 
Fliigelform beibehielten, erfand Friederici zwei neue Gattungen, die beide zu 
groBer Verbreitung gelangten : schon 1745 baute er das erste aufrecht- 
stehende Pianoforte, das er „Pyramide" nannte und in dem der erste Hammer- 
klavier- Vorlaufer des spateren Pianino zu erblicken ist, und etwa ein Jahrzehnt 
spater wandte er zum erstenmal bei Klavieren die Clavichord- oder Tafel- 



Hammerklaviere^S^^^S^^^S^^^^^^ 117 



form an und schuf damit einen Typ, in dem das Pianoforte bis weit ins 
19. Jahrhundert hinein am meislen Verbreitung fand. Er gab diesen Instru- 
menten den Namen „Fortbiens", vielleicht wie Hipkins vermutet - weil 

er das italienische Wort „Fortepiano" von sachsischen Lippen oft mit weichem 
Labiallaut aussprechen horte. GroBter Beliebtheit erfreuten sich die neuen 
Tafelklaviere („square Pianos") namentlich in England, wo ein Arbeiter aus 
Silbermanns Werkstatt, Johannes Zumpe, um 1755 die Hammermechanik 
eingefiihrt hatte. Ueberhaupt spielt England in der zweiten Halfte des 
18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der Entwicklnngsgeschichte des 
Hammerklaviers, wenn es auch ebenso wie in Frankreich fast ausschlieBIich 
eingewanderte Instrumentenbauer deutscher Abstammung waren, denen der 
groBe Aufschwung der dortigen Klavierfabrikation zu danken war. Hierzu 
zahlt namentlich der schon als ausgezeichneter Clavecinbauer erwahnte 
Schweizer Burkhard Tschudi (engl. Burkat Shudi, 1702-1773), der bereits 
1718 nach London kam und dort 1732 eine Klavierfabrik begriindete, die 
rasch zu grofiem Ansehen gelangte. Im Jahre 1763 trat in die Fabrik ein 
junger schottischer Gehiilfejohn Broad wood (1732 — 1812) ein, der vermoge 
seiner hervorragenden technischen Begabung bald Teilhaber, spater auch 
Schwiegersohn und Geschaftserbe Tschudis wurde und dem der wesent- 
lichste Anteil an der Entwicklung des Unternehmens zu einem Welthause 
zuzumessen ist. 

Die in England ausschlieBIich angewandte und namentlich durch 
Broadwood vervollkommnete Mechanik wird auf den Hollander Americus 
Backers (1772) zuriickgefiihrt; sie ist aber nichts anderes als eine Weiter- 
bildung der Cristofori-Silbermann'schen StoBzungen-Mechanik und fiihrt daher 
ihren Namen „englische Mechanik" eigentlich zu Unrecht. Um dieselbe Zeit 
war dem Augsburger Klavierbauer Johann Andreas Stein (1728 — 1792), dem 
bedeutendsten Schiiler Johann Andreas Silbermanns, die Vervollkommnung 
einer anderen Mechanik gelungen, die — der sog. „englischen" ebenbiirtig 
gegeniiberstehend — in Deutschland allgemein Aufnahme fand und als 
„deutsche" (spater als „Wiener") Mechanik bezeichnet wird. Ihre Urform 
stammt wahrscheinlich von seinem Lehrer Joh. Andreas Silbermann; doch er- 
langte sie erst durch Sceins Verbesserungen Lebensfahigkeit und Verbreitung. 

Der wichtigste Unterschied zwischen beiden Mechaniken ist — nach Dommers 
„Musikalischem Lexicon", Heidelberg 1865, Seite 685 — folgender: „Bei der 
deutschen Mechanik befindet sich der Hammer auf dem Tastenhebel selbst, mittels 
einer seinen Stiel nahe dem Ende durchkreuzenden Axe, in einer auf dem Hebelende 
der Taste stehenden Messinggabel (KapseP) sich bewegend. In das schnabelformige 



') Bei den primitiven alten Klavieren wurden hierzu Kapseln aus Holz ver- 
wendet. 



Hammerklaviere 



Ende ties Hammerstiels greift ein knieartig ausgeschnittenes federndes Holzchen, der 
Ausloser. Wird die Taste niedergedriickt, so hebt sicli das Hebelende mit dem 
Hammer, der Schnabel desselben driickt gegen das Knie des Auslosers und der 
Hammerkopf schnellt gegen die Saite; unmittelbar nach dem Anschlage aber weiclit 
der Ausloser zuriick und der Hammer bleibt niclit an der Saite stehen, sondern fallt 
wieder in seine Ruhelage. Bliebe er an der Saite stehen, so wiirde er den Klang er- 
sticken Driickt man die Taste ganz langsam nieder, so gelangt der Hammer gar nicht 
bis an die Saite, sondern die Auslosung erfolgt schon fri'iher und er fallt zuriick, bevor 
er die Saite erreicht hat. Mit dem Hammer zugleich wird die Dampfung, ein auf 
den Saiten eines jeden Tons liegendes Polster, gehoben; verlaBt der Finger die Taste, 
so senkt sich die Dampfung augenblicklich wieder auf die Saite nieder. AuBerdem 
kann die ganze Dampfung von alien Saiten zugleich durch ein Pedal (Fortezug) be- 
liebig gehoben und wieder niedergelassen werden. - Die englische Mechanik hat 
vor der deutschen den Vorzug, daB der Hammer nicht auf dem Tastenhebel sich 
befindet, sondern von ihm unabhangig an einer besonderen Leiste (Ham m er- 
st u hi) in einer Axe sich bewegt; auf dem Ende des Tastenhebels befindet sich 
eine StoBzunge, welche zugleich Ausloser ist, durch die der Hammer in die Hohe 
geschnellt wird. Infolge seiner Unabhangigkeit von der Taste verandert er seinen 
Anschlagpunkt nicht, sondern trifft die Saite immer genau an derselben Stelle, gleich- 
viel ob stark oder schwach gespielt wird, wahrend bei der deutschen Mechanik der 

Hammer bei starkem Anschlage sich etwas nach vorne schiebt Pianinos 

haben nur englische Mechanik" — wie iiberhaupt heute fast nnr noch diese Mechanik, 
wenn audi mit mannigfachen Modifikationen und Verbesserungen, angewendet wird. 

Beim Spiel ist der Unterschied zwischen deutscher und englischer Mechanik 
leicht bemerkbar; Instrumente mit deutscher Mechanik beanspruchen einen lockeren 
Anschlag und eignen sich daher besonders fiir den Vortrag brillanter, virtuosenhafter 
Stiicke (Hummel, Herz, Thalberg), wahrend die mit englischer Mechanik versehenen 
Instrumente einen schwereren, kraftvollen Anschlag erheischen und deshalb mehr fiir 
wuchtige, pathetischeKompositionen (Beethoven, Liszt) geeignet sind. Job. Nep. Hummel 
sagt hiert'iber in seiner 1828 erschienenen „Ausfiihrlichen Auweisung zum Pianoforte- 
spiel". „Es ist nicht zu leugnen, daB jeder dieser beiden Meclianismen seine eignen 
Vorztige hat. Der Wiener laBt von den zartesten Handen sich leicht behandeln. Er 
erlaubt dem Spieler, seinem Vortrage alle moglichen Nuancen zu geben, spricht deut- 

lich und prompt an, hat einen runden, flotenartigen Ton, und erschwert die 

Gelaufigkeit nicht durch eine zu groBe Anstrengung Dem englischen Mechanis- 

mus muB man wegen seiner Dauerhaftigkeit und Fiille des Tons allerdings Recht 
widerfahren lassen. Diese Instrumente gestatten jedoch nicht den Orad von Fertigkeit, 
wie die Wiener, indem sich der Anschlag der Tasten bedeutend gewichliger anfiihlt, 
wie sie auch viel tiefer fallen und daher die Auslosung der Hammer bei wiederholtem 

Tonanschlage nicht so schnell erfolgen kann Im ersten Augenblick fiihlt man 

sich zwar etwas unbehaglich, weil wir, besonders im Forte der Rouladen, die Taste bis 

auf den Qrund fassen, Dagegen bekommt der Qesang auf diesen Instrumenten 

durch die Fiille des Tones einen eigenen Reiz und harmonischen Wohllaut." 



:Hammerklaviere£l§tfl§S^tfI^^^tflStf§^ 119 



Die Auslosungsmechanik von Stein hatte Mozart im Oktober 1777 an- 
laBlich seines Besuchs in Augsburg auf der Reise nach Paris kennen gelernt; 
bekannt ist der lobende Bericht, den er iiber die Stein'schen Fliigel an den 
Vater naeh Salzburg schrieb (vgl. das Facsimile auf Seite 267 und 268). 
Nach Steins Tode fiihrten seine beiden Kinder Nannette (1769 — 1833) und 
Andreas (1776—1842) das vaterliche Geschaft fort und verlegten es nach Wien. 
Namentlich durch die reichbegabte Tochter Nannette, die von ihrem 
Gatten, Schillers treuem Jugendfreund Andreas Streicher (1761 — 1833), 
tatkraftig unterstiitzt wurde, nahm die Fabrikation einen raschen Aufschwung: 
Streicher'sche Fliigel erlangten europaischen Ruf, und Wien stand ein halbes 
Jahrhundert hindurch an der Spitze des deutschen Klavierbauses. 

Auch Paris begann bald mit London und Wien in erfolgreichen Wett- 
bewerb zu treten. Der Begriinder der franzosischen Klavierindustrie ist ein 
Elsasser, Sebastian Erhard (franz.: Sebastien Erard, 1752—1832), der 
1777 das erste Tafelklavier und 1796 den ersten Fliigel in Frankreich baute. 
Erard ist einer der genialsten Instrumentenbauer neuerer Zeit; jede seiner 
zahlreichen Erfindungen bedeutete gleichzeitig einen wirklichen Fortschritt im 
Klavierbau. Zu Anfang des zweiten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts gelang 
ihm nach jahrelangen unermiidlichen Versuchen seine epochemachendste 
Erfindung, die fiir den modernen Klavierbau die groBte Bedeutung gewann 
und gewissermaBen den SchluBstein in der so rasch sich vollziehenden Ent- 
wicklung des Hammermechanismus bedeutet: es war die Erfindung der sog. 
„Repetitionsmechanik" mit doppelter Auslosung (double echappement), die es 
ermoglicht, „daB der Hammer, nachdem Anschlag und Auslosung geschehen, 
nicht ganz herabfallt, sondern von einer zweiten StoBzunge aufgefangen wird, 
daher aufs neue zum Anschlag gelangen kann, wenn der Finger auch nur 
ein wenig die Taste in die Hohe gehen laBt und dann wieder niederdriickt". 
(Dommer, a. a. O.) Zur gleichen Zeit (1823) war Streicher in Wien 
mit seinen „Patent-FliigeIn" mit oberschlagiger Mechanik an die Oeffentlichkeit 
getreten, bei denen das Hammerwerk nicht unter-, sondern oberhalb der Be- 
saitung liegt und der Hammer deshalb die Saite mit groBerer Wucht gegen 
den Resonanzboden schnellen kann. Diese bereits im 18. Jahrhundert mehr- 
fach versuchte Mechanik wurde von Henri Pape (1789- 1875) in Paris nach- 
geahmt, der neben Erard als der begabteste und vielseitigste in Paris wirkende 
Klavierbauer bezeichnet werden muB. 1 ) Pape war zugleich mit dem Londoner 
Robert Wornum auch einer der ersten Verfertiger (1815 — 1817) der heute so 
iiberaus zahlreich verbreiteten Pianinos, Hammerklaviere in aufrechter Form, 



*) Von Qeburt war Johann Heinrich Pape ebenfalls ein Deutscher; er 
stammt aus Sarstedt bei Hannover. 



Hammerklaviere 



bei denen die Besaitung in vertikaler Richtung angeordnet ist und die 
Hammer von vorn gegen die Saiten schlagen. 

Zu den Errungenschaften modernen Klavierbaues gehort die von dem 
Schotten William Allen in Gemeinschaft mit James Thorn i. J. 1820 erfun- 
dene Eisenkonstruktion des Rahmens, die die Benutznng eines starkeren Saiten- 
bezugs ermoglicht eine Erfindung, die bald darauf (1825) in Amerika 

durch Alpheus Babcock aus Boston und namentlich durch Konrad Meyer 
in Philadelphia 1832 durch Einfiihrung des aus einem Stuck gegossenen Eisen- 
rahmens vervollkommnet wurde. — Ferner ist die Anordnung der Besaitung 
in diagonaler Richtung, das sog. „kreuzsaitige System", zu erwahnen, das eben- 
falls in Amerika zuerst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zu allge- 
meiner Aufnahme kam und zwar durch Jonas Chickering in Boston und 
Stein way & Sons in New- York; diese Firma steht heute wohl an der Spitze 
der gesamten Klavierfabrikation. — 

Die altesten erhaltenen Hammerklaviere sind die beiden von dem Er- 
finder Bartolomeo Cristofori erbauten Fliigel aus den Jahren 1720 und 
1726, die sich mi „Metropolitan Museum" zu New-York und in unserer 
Sammlung befinden (vgl. hiertiber No. 170 des Katalogs). — Reich an historisch 
interessanten Klavieren ist die Berliner kgl. Sammlung: sie besitzt Mozarts 
Reiseklavier (No. 1070), C. M. v. Webers Wiener Fliigel (No. 1087), Mendels- 
sohns Erard-Fliigel (No. 1095) und Meyerbeers Tafelklavier von Pleyel 
(No. 1098). Mozarts Fliigel von Anton Walter in Wien befindet sich im 
Museum seines Geburtshauses zu Salzburg (No. 52), Haydns Fliigel von 
Konnicke besitzen die stadtischen Sammlungen zu Wien, und das Beethoven- 
Haus zu Bonn bewahrt Beethovens vierchorigen Wiener Fliigel von Conrad 
Graf, wahrend das Museum Francisco-Carolinum in Linz den Erard'schen 
Beethoven-Fliigel aus dem Jahre 1803 sein eigen nennt. 



■wrejsio 



Hammerklaviere No. 97 u 98 ^^^^^ 121 



HAMMERKLAVIERE 
oder PIANOFORTES (Fortepianos). 

No. 97. Kleines Hammerklavier 

aus der Mitte des 18. Jahrhunderts; anscheinend eine Arbeit von 
Joh. Andr. Silbermann in StraBburg, dem altesten Sohn des beriihmten 
Orgelbauers Andreas Silbermann in StraBburg; eine Signierung ist 
— wie meist bei Hammerklavieren des 18. Jahrhunderts - nicht vor- 
handen. Das hiibsche, im AeuBern noch stark an ein Clavichord 

erinnernde Instrument ist in NuBbaum fourniert und ruht auf einem 
ebensolchen Gestell mit vier leicht geschweiften Beinen; im Oberteil ist 
eine mit altem Tapetenpapier ausgeklebte Schublade angebracht. Die 
Innenseite des Deckels ist mit einer hiibschen Malerei auf Leinwand 
geschmuckt, die eine Gebirgslandschaft darstellt. Der Resonanzboden 
ist mit Blumenmalereien versehen. 

Das Klavier hat in der tiefsten Oktave einchorige, im ubrigen 
zweichorige Besaitung und primitive deutsche („Prell"-) Mechanik mit 
Holzkapseln ohne Auslosung; wahrscheinlich ist diese primitive 
Mechanik zuerst von Johann Andreas Silbermann angewendet 
worden (vgl. die Einleitung, Seite 117). Der obere Teil des Hammer- 
kopfes, der die Saite anschlagt, ist nicht aus Holz sondern besteht 
charakteristisch fur die Silbermanns als Nachahmer Cristoforis - aus 
einem Pergamentring. An der linken Seite des Resonanzbodens sind 
zwei Ziige angebracht: ein Pianozug, der durch Vorschieben einer mit 
Tuch besetzten Leiste, und ein Fortezug, der durch Aufheben der 
Dampfung wirkt; als Dampfung dient eine iiber den Saiten liegende 
Holzleiste, die an ihrer Vorderseite mit Tuch bekleidet ist. — Umfang 
der Klaviatur: C— e 3 (vier Oktaven und Terz). Die Untertasten, deren 
Stirnkanten mit goldgepreBtem Leder verziert sind, sind mit Ebenholz, 
die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 96 cm, Tiefe 39 cm, Hohe 83 cm. 

Abbildung auf Seite 123. 

No. 98. Hammerklavier 

mit geschriebenem Namenszug „Zauscher" auf der rechten Seite des 
Resonanzbodens neben dem Steg (da die Bezeichnung der Stimmwirbel 
dieselbe Handschrift aufweist, so ist dies vielleicht der Name des 
Erbauers); aus dem Beginn der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts. 
Das schmucklos ausgestattete Instrument ist in NuBbaum fourniert und 
ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. In der rechten unteren Ecke des 
Resonanzbodens befindet sich eine rosettenartige Verzierung mit kleinen 
Schallochern. 

Das Klavier hat einchorige Besaitung und dieselbe primitive 
(„Prell"-) Mechanik wie No. 97. Eine fruher vorhanden gewesene 
(Gesamt-) Dampfung ist erneuert worden. — Umfang der Klaviatur: 
C— f 3 (vier Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind mit Ebenholz, 
die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,10 m, Tiefe 42 cm, Hohe 75 cm. 



Hammerklaviere No. 99 - 101 



No. 99. Kleines Hammerklavier, 

laut geschriebener Inschrift auf dem Resonanzboden von „Friedrich 
llildebrandt / Instrumeiitmacher / in Leipzig / auf der / Quergasse" 
erbaut. Hinter „Quergasse" befindet sich eine verwischte unleserliche 
vierstellige Zahl (1635?), die wahrscheinlich die Hausnummer andeuten 
soli. Aus derselben Zeit wie No. 98. Das Klavier ist aus Erlenholz 
verfertigt und schmucklos ausgestattet ; es hat kein Gestell und wurde 
nach Art eines kleinen Clavichords, dem es auch im AeuBern gleicht, 
zum Gebrauch auf den Tisch gestellt. 

Es hat in der tiefsten Oktave einchorige, im ubrigen zweichorige 
Besaitung und eine primitive StoBzungen-Mechanik ohne Auslosung: 
die Verbindung zwischen den durch einen Pergamentstreifen in einer 
Leiste (dem sog. „Hammerstuhl") befestigten Hammerchen und den Saiten 
wird durch kleine auf den Tastenenden stehende StoBer bewirkt, die 
beim Niederdriicken der Tasten die Hammerchen an die Saiten schnellen; 
Auslosung oder Dampfer sind nicht vorhanden. Hammerstiel und -kopf 
sind in hochst einfacher Weise aus einem Stiick geschnitten; der 
Hammerkopf ist unbeledert. — Umfang der Klaviatur: f— g :i (drei Oktaven 
und ein Ton). Die Untertasten sind dunkel gebeizt, die Obertasten 
sind mit Bein belegt. 

Breite 70 cm, Tiefe 27 cm, Hohe 11 cm. 

Abbildung auf Seite 123; Nachbildung der Inschrift auf Seite 233. 

Die enge Mensur der Tasten und die ganze zierliche Bauart des Instruments 
lassen darauf schlieBen, daB es fur ein Kind verfertigt wurde. — Vgl. »Zeitschrift fur 
Instrumentenbau", XIX. Band (1893), No. 2 (Seite 33 und 34). 



No. 100. Tafelklavier 

aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument ist aus Fichtenholz und weist an der AuBenseite rot- 
braunen, am innern Rand grunen Anstrich auf; es ruht auf einem neu 
angefertigten einfachen Gestell mit vier eckigen Spitzbeinen. Der Re- 
sonanzboden ist mit kunstlosen Blumenmalereien versehen, die Anhange- 
platte mit Ornamenten bemalt. Im Resonanzboden befinden sich zwei 
rosettenartige Schallocher. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und primitive deutsche 
(„PreIl u -) Mechanik mit Holzkapseln ohne Auslosung. Eine friiher vor- 
handen gewesene (Gesamt-) Dampfung ist erneuert worden. — Umfang 
der Klaviatur: C — t 6 (vier Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind 
mit Buchsbaum, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,52 m, Tiefe 50 cm, Hohe 15 cm ohne, 89 cm mit Gestell. 



No. 101. Tafelklavier 

aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das schmucklos ausgestattete Instrument ist aus dunkelbraun gebeiztem 
Birnbaumholz und ruht auf einem Gestell mit vier eckigen Spitzbeinen. 

Besaitung, Mechanik und Klaviaturumfang wie bei No. 100. Die 
Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,28 7» m, Tiefe 54 cm, Hohe 76 cm. 



123 




No. 97. Kleines Hammerklavier, 

anscheinend von Joh. Andreas Silbermann, 

StraBburg ca. 1750. 

Text: Seite 121. 




No. 99. Kleines Hammerklavier 

von Fr. Hildebrandt, Leipzig ca. 1760. 

Text: Seite 122. 



124 




No. 104. 
Zwei Hammerklaviere 
mit Transponier-Einrichtung, von Joh. Math. Schmahl, Ulm ca. 1770—80. 

Text: Seite 125. 



Hammerklaviere No. 102-104 ^^^^^ 125 

No. 102. Hammerklavier mit Transponier-Einrichtung, 

von Johannes Matthaus Schmahl in Ulm ca. 1770 — 80 erbaut (eine 
Signierung ist nicht vorhanden) 1 ). Das schmucklos ausgestattete In- 
strument ist in NuBbaum fourniert; es ruht auf einem Gestell mit 
vier gedrehten kannelierten Beinen. Im Gestell sind zwei Schubladen 
zur Aufbewahrung von Musikalien angebracht. In das Schalloch des 
Resonanzbodens ist eine Rosette eingelassen. 

Das Klavier hat einchorige Besaitung und eine eigenartige StoB- 
zungen-Mechanik. Die Hammerchen, die alle in besonderen Holznuten 
liegen, sind auf einer als Achse dienenden Schnur aufgereiht ; eine Aus- 
losung ist nicht vorhanden. Bemerkenswert ist die Anordnung der Hammer 
in den obersten anderthalb Oktaven (von cis 2 ab): wahrend die ubrigen 
Hammer mit den Kopfen nach vorn liegen, ist die Nutenleiste fur die 
-Hammer der hochsten Tasten, um Platz zu sparen, iiber die betref- 
fenden Tastenhebel in umgekehrter Richtung vorgeriickt, so daB also 
diese Hammer die Saiten nach hinten zu anschlagen. Eine rechts auf 
den Saiten liegende, mit Wollfransen bekleidete Holzleiste dient mittels 
eines an der rechten Innenseite angebrachten Zuges als (Gesamt-) 
Dampfung. AuBerdem ist ein Pianozug vorhanden, der durch einen an 
dem Vorsetzbrett angebrachten Knopf regiert wird und eine mit Wild- 
leder besetzte Leiste gegen die Saiten driickt. Die Klaviatur ist zum 
Transponieren eingerichtet: durch Herausziehen laBt sie sich um einen 
Halbton verschieben, indem jeder Hammer die nachsttiefere Saite als 
in normaler Lage anschlagt. -- Umfang der Klaviatur: Contra F— F (fiinf 
Oktaven). Die Untertasten, deren Stirnkanten mit buntem Vorsatzpapier 
beklebt sind, sind mit Bein belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 
Breite 1,34 m, Tiefe 37 cm, Hohe 80 cm. 

Abbildung auf Seite 124. 
No. 103. Hammerklavier 

aus derselben Zeit wie No. 102; ohne Namen des Erbauers, jedoch laBt 
die eigenartige Mechanik ebenfalls auf Johannes Matthaus Schmahl in 
Ulm als Verfertiger schlieBen. Das Gehause des schmucklos ausge- 
statteten Instrumentes hat die Form einer liegenden Harfe ; es ist in 
Mahagoni fourniert und ruht auf einem neu angefertigten einfachen 
Gestell mit drei eckigen Spitzbeinen. 

Das Klavier hat einchorige Besaitung und dieselbe eigenartige 
Prellmechanik wie No. 102; nur fehlt die Transponier-Einrichtung. 
Dampfung und Pianozug entsprechen ebenfalls No. 102. — Umfang 
der Klaviatur: C-f 3 (vier Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind 
mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,28 m, Tiefe 49 cm, Hohe 80 cm. 

No. 104. Hammerklavier mit Transponier-Einrichtung 

aus derselben Zeit wie No. 102 und 103; ohne Namen des Erbauers, 
aber wahrscheinlich ebenfalls von Johannes Matthaus Schmahl in Ulm 
verfertigt. Das Gehause des hiibsch ausgestatteten Instruments hat die 
spinettahnliche Form einer liegenden Harfe und ist in Kirschbaum 
fourniert; es ruht auf einem Gestell mit vier pfeilerartigen Spitz- 
beinen, die durch Leisten miteinander verbunden sind. Der getafelte 



*) Die Angabe des Namens des Erbauers verdankt das Museum Herrn Kommerzien- 
rat Pfeiffer in Stuttgart. Vgl. Bemerkung zu No. 104. 



Hammerklaviere No. 104 u. 105 



Deckel, die Vorderwand des Gehauses und das Oberteil des Gestells 
sowie der Beine sind mit rankenartigen Schnitzereien geschmiickt. 
Die Innenseite des Deckels zeigt eine hiibsche Malerei, die einen von 
Schwanen belebten See mit einem Tempel im Hintergrunde darstellt. 
Das Vorsetzbrett liber der Klaviatur ist mit verschiedenartigen Einlagen 
(von Ahorn-, Palisanderholz etc.) verziert. In dasSchalloch des Resonanz- 
bodens ist eine bronzierte Rosette eingelassen. Zur rechten Seite der 
Klaviatur ist ein langliches Gefach angebracht. 

Das Klavier hat einchorige Besaitung und die fur Schmahl 
charakteristische eigenartige Mechanik (vgl. Nr. 102), die bei diesem 
Instrument von der Hinterwand des Gehauses aus herausgehoben 
werden kann. Aufier dem Zug zum Einstellen der (Gesamt-) Dampfung 
sind noch zwei weitere Pianoziige vorhanden, von denen der eine 
einen Seiden-, der andere einen Tuchstreifen zwischen Hammer und 
Saiten schiebt. Die Klaviatur ist (wie No. 102) zum Transponieren ein- 
gerichtet; jedoch wircl das Verschieben der Hammer nicht durch Heraus- 
ziehen sondern durch Hineindrucken der Klaviatur bewirkt. — Umfang: 
Contra-F — P (ftinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die 
Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,23 m, Tiefe 51 cm, Hohe 87 cm. 

Abbildung auf Seite 124. 

Ein fast gleiches Instrument, das als Mozarts Reiseklavier iiberliefert ist, 
besitzt die Kgl. Sammlung zu Berlin (No. 1070, ,,Fiihrer", Seite 114). Audi Herr 
Kommerzienrat C. A. Pfeiffer in Stuttgart besafi ein derartiges Hammerklavier, das 
die Signierung ,, Johannes Matthaus Schmahl, Ulm anno 1771" aufwies. 



No. 105. Hammerklavier mit Transponier-Einrichtung 

aus derselben Zeit wie No. 102 — 104; ebenfalls von Joli. Math. Schmahl 
in Ulm erbaut. Das Gehause hat die Form einer liegenden Harfe; 
es ist aus Eichenholz verfertigt und ruht auf einem neu angefertigten 
einfachen Gestell mit vier geraden Spitzbeinen. Der Deckel ist getafelt; 
die Anhangeplatte ist mit aufgelegten Laubsagearbeiten im Rokokostil 
verziert. In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine bronzierte Rosette 
eingelassen. Zur rechten Seite der Klaviatur ist ein langliches Gefach 
angebracht. 

Die Anordnung der Besaitung und Mechanik, die Einrichtung 
der Klaviatur zum Transponieren und die Anlage der drei Dampfungs- 
zugeentsprechen genau dem untervorhergehender Nummer beschriebenen 
Klavier. AuBerdem besitzt aber vorhegendes Instrument bereits eine 
Einzeldampfung, die durch einen in der Mitte des Vorsetzbretts an- 
gebrachten Zug an- und abgestellt werden kann. 

Die vom Erbauer herriihrende Bezeichnung der Stimmwirbel auf 
der Dampferleiste mit schwarzer und roter Tinte weist dieselbe Hand- 
schrift wie bei dem Hammerklavier No. 102 auf; Umfang der Klaviatur 
und Ausstattung der Tasten entsprechen No. 104. 

Breite 1,26 m, Tiefe 50 cm, Hohe 87 cm. 

Der Organist und Klavierbauer Christoph Michael Lenker in Rudolstadt soil 
die „Einzeldampfung" urn 1765 zuerst angewendet haben (vgl. W. Schneider, „Be- 
schreibung der musikalischen Instrumente . . " Neisse 1834, Seite 93); doch gebuhrt 
das Prioritatsrecht dieser Anwendung dem Erfinder des Hammerklaviers, Bartolomeo 
Cristofon. (Vgl. seinen Hammerfli'igel v. J. 1726, No. 170 des Katalogs.) 



Hammerklaviere No. 106 u. 107 E^t^c^^^ 127 

No. 106. Aufrechtes Hammerklavier, 

wahrscheinlich aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne 
Namen des Erbauers. Das hiibsch ausgestattete Instrument, in dem 
eine der ersten Hammerklavier-Formen des spateren Pianino zu er- 
blicken ist, ahnelt durch seinen obeliskenartig gestalteten Oberbau einem 
sog. „Giraffen"- oder „Pyramidenfliigel"; es ist in Birke fourniert und 
ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Die ganze Vorderseite sowie der 
Deckel iiber der Klaviatur werden von Fournieren von Thujaholz um- 
saumt; der tiirartige Oberrahmen weist in der Mitte eine Einlage in 
Form eines Sterns auf. Das Vorsetzbrett ist durch achteckige Eschen- 
wurzelfourniere und eine hiibsche Landschafts-Miniaturmalerei geschmtickt. 
Das Klavier hat zweichorige Besaitung und primitive deutsche 
(„Prell"-) Mechanik ohne Auslosung: die Hammerstiele sind aus Draht 
verfertigt, die Hammerkopfe bilden kleine mit Wildleder iiberzogene 
Holzstiickchen. Die Hammerniisse sind in Form von Halbkreisen ge- 
staltet und liegen in einer Facherleiste. An der linken Seite der 

Klaviatur ist ein Forte-Zug angebracht, der durch Aufheben der (Einzel-) 
Dampfung wirkt. Umfang der Klaviatur: C—i 3 (vier Oktaven und 
Quarte). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfen- 
bein belegt. 

Gesamthohe 2,22 m, Kastenhohe 1,55 m, Breite 83 cm, Tiefe 44 cm. 

Abbildung auf Seite 129. 

Eine Beschreibung unci Abbildung der Mechanik findet sich in der „Zeitschrift 
fur Instrumentenbau", Bd. XV (1894/95), S. 399. 

Das Instrument stammt aus Thi'iringen; es wurde in der Mi'ihle zu Gispersleben 
gefunden. Die sich auf dem Hebel der hochsten Taste (F) findende Datierung: „Ao : 
1735" ist nachtragliche Zutat; nach Aussage des friiheren Besitzers soil diese Jahres- 
zahl urspriinglich auf einer Taste gestanden haben, die Inschrift aber bei Vornahme 
einer Reparatur verschwunden sein. Doch muB die Jahreszahl ,,1735" als zu friih 
gegriffen gelten, vielleicht ist sie irrtumlich statt ,,1765" oder ,,1785" gelesen; jedenfalls 
deutet das Vorhandensein der Einzeldampfung, die erst um 1765 aufkam (vgl. Be- 
merkung zu No. 105), auf eine spatere Zeit. J ) 



No. 107. Tafelklavier 

mit gravierter Inschrift auf verziertem Elfenbeinschild, das in den 
Deckel des zur linken Seite neben der Klaviatur angebrachten Kastchens 
eingelassen ist: „F. Guillelmus / PFRANG Bildhusae / Professus / me 
fecit 1778." Das prachtig ausgestattete Instrument ist in NuBbaum 
fourniert und mit reichen Einlagearbeiten aus verschiedenfarbigen Holzern 
in Form von Sternen, Rauten, Rokoko-Ornamenten u.s.w. verziert. Es 
ruht auf einem ebenso ausgestatteten Gestell mit vier geschnitzten eckigen 
Spitzbeinen. Im Oberteil sind zum Aufbewahren von Musikalien zwei 
Gefacher, die durch Klappen geschlossen werden, angebracht. Das 

Vorsetzbrett iiber der Klaviatur zeigt auBer Einlegearbeiten schone Brand- 
malereien (Rokoko-Ornamente, zwei gekronte Lowen, Pegasus u.s.w.); 
die Klaviaturbacken weisen Schnitzereien im Rokokostil auf. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und eine eigenartige StoB- 
zungen-Mechanik ohne Auslosung mit Einzeldampfung. 



l ) Samtliche im Museum vorhandenen Hammerklaviere vom letzten Viertel 
des 18. Jahrhunderts ab sind (mit Ausnahme von No. 133) mit Einzeldampfung 
versehen. 



Hammerklaviere No. 107—109 



Zu beiden Seiten der Klaviatur sind drei Ziige verteilt: je ein Zug 
fur Forte und Piano; der dritte, vielleicht friiher ein Lautenzug, ist auBer 
Tatigkeit. -- Umfang der Klaviatur: C — e 3 (vier Oktaven und Terz). Die 
Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,64 m, Tiefe 52 cm, Hohe 94 cm. 

Abbildung auf Seite 129; Nachbildung der Inschrift auf Seite 251. 

No. 108. Tafelklavier, 

mit verzierter Inschrift auf einem eingelegten Ahornschild: „Adam Beyer, 
Londini Fecit 1781. / Compton Street Soho". 1 ) Das hiibsch aus- 

gestattete Instrument ist in Mahagoni fourniert; es ruht auf einem neu 
angefertigten Gestell mit vier eckigen Spitzbeinen. Der Teil des Deckels 
iiber der Klaviatur, das Vorsetzbrett und die Klaviaturbacken sind mit 
verschiedenartigen Holzern eingelegt. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und englische („Prell"-) 
Mechanik ohne Auslosung. An der linken Seite im Innern des Gehauses 
sind drei Ziige angebracht; zwei hiervon sind Forteziige, die durch 
Aufheben der fur BaB und Diskant geteilten (Einzel-)Dampfung wirken; 
der dritte ist ein Pianozug und wirkt durch Andriicken einer mit 
Wildleder besetzten Leiste. AuBerdem ist ein Pedaltritt vorhanden, 
durch den sich in der Diskantlage der geteilte Deckel des Instruments 
zur Schallverstarkung heben laBt. - - Umfang der Klaviatur: Contra-F — f 3 
(fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit 
Ebenholz belegt. 

Breite 1,57 m, Tiefe 54 cm, Hohe 81 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 213. 
Gestell und Deckel des Instruments sind erneuert. 



No. 109. Kleines Hammerklavier, 

laut in der rechten Ecke des Resonanzbodens aufgeklebtem gedrucktem 
Zettel von „Joh. Georg Michael Guth Orgel und lnstrumentenmacher 
in / Musbacli an der Hardt 1783 / als „No. 98" erbaut. Das einfach aus- 
gestattete Instrument ist in NuBbaum fourniert und hat einen getafelten 
Deckel; es ruht auf einem neu angefertigten Gestell mit vier eckigen 
Spitzbeinen. 

Es hat einchorige, nur in der hochsten Oktave zweichorige Besai- 
tung und eine eigenartige Prellmechanik: wie bei der deutschen Mechanik 
ruhen die Hammerchen in Holzkapseln auf den Tastenenden, jedoch 
schlagen die Hammerkopfe nach hint en an. An Stelle der bei der primi- 
tiven deutschen Mechanik sonst iibliclien Leiste, worunter die Riickenden 
der Hammer ruhen, ist hier ein Draht vorhanden, mittels dessen die 
Hammerkopfe beim Niederdriicken der Taste gegen die Saiten geschnellt 
werden. Die Dampfer liegen neben den Hammern in besonderen Nuten 
der Holzkapseln und sind an ihrem Rtickende durch ein kleines Blei- 
gewicht beschwert; in gleicher Weise wie bei den Hammern ist iiber 
das Vorderende der Dampfer ein Draht gespannt, gegen den dieselben 
beim Anschlagen der Tasten gedriickt und dadurch von den Saiten ent- 
fernt werden. Es sind zwei Kniehebel (Forte- und Pianozug) vorhanden. 
Umfang der Klaviatur: C — f 3 (vier Oktaven und Quarte). Die Untertasten 
sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,10 m, Tiefe 38 cm, Hohe 80 cm. 

Abbildung auf Seite 130; Nachbildung der Inschrift auf Seite 228. 

') Vgl. hierzu die Tafelklaviere No. Ill und 112 



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Text: Seite 128 




No. 117. Tafelklavier 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. 

Text: Seite 133. 



Hammerklaviere in Tafelform No. 110 -112 ^SI^IS35ia@lS) 131 

No. 110. Tafelklavier, 

laut gravierter Inschrift auf eingelegten Elfenbeinschild von „ . . Jean 
Theophile Wagner A Dresde, le 12. Juillet 1783" erbaut. - Das Instru- 
ment ist aus rotbraun gebeiztem Fichtenholz und ruht auf ebensolchem 
Gestell mit vier gedrehten Beinen. In das Schalloch des Resonanz- 
bodens sind zwei vertiefte Rosetten eingelassen. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und StoBzungen- oder 
englische Mechanik mit Auslosung. An Stelle der Kniehebel sind zwei 
holzerne Pedaltritte (fur Piano und Forte) vorhanden. 1 ) — Umfang der 
Klaviatur: Contra-F— f (fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Eben- 
holz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,78 m, Tiefe 58 cm, Hohe 80 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 281. 
Wagner in Dresden gehort mit Christ. Gottl. Hubert in Ansbach 
(vgl. Hammerflugel No. 172) zu den wenigen deutschen Meistern aus dem 
Ausgang des 18. Jahrhunderts, die nicht die Stein'sche („deutsche") Mechanik 
benutzten sondern noch die Gottfried Silbermann'sche StoBzungenmechanik 
anwandten, die urn diese Zeit durch John Broadwood in London zur sog. 
„englischen Mechanik" weiterentwickelt war. 

No. ill. Tafelklavier 

mit folgender verzierten Inschrift auf eingelegtem Ahornschild: „Meincke 
Meyer & Pieter Meyer. Fee 4 / Woonen op den Nieuwen Dyk by den 
Dam a Amsterdam A° 1784". Das Klavier stimmt im AeuBern und 
Innern fast genau mit dem unter No. 108 beschriebenen Instrument von 
Adam Beyer in London iiberein; nur ist der dort angebrachte Tritt 
zum Heben des Deckels hier nicht vorhanden. 

(Moglicherweise hat Beyer in London ein von der renommierten 
Firma Meyer in Amsterdam verfertigtes Klavier als Modell benutzt oder 
nur mit seiner Signatur versehen.) 

Breite 1,53 m, Tiefe 55 cm, Hohe 86 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 247. 

No. 112. Tafelklavier 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, ohne Namen des Erbauers; 
wahrscheinlich ebenfalls von Meyer in Amsterdam (oder Adam Beyer 
in London?) erbaut. Das Instrument ist in Mahagoni fourniert und 
ruht auf einem Gestell mit vier eckigen Spitzbeinen. Um den Deckel 
und rings um das Gehause - mit Ausnahme der Riickwand — lauft 
ein eingelegter Fries aus Ahorn- und NuBbaumholz. Vorsetzbrett und 
Klaviaturbacken sind in gleicher Weise eingelegt. In der Mitte des 
Vorsetzbretts befindet sich wie bei No. 108 u. Ill ein eingelegtes 
Namensschild aus Ahornholz. An beiden Seitenwanden sind zwei 
Bronzerosetten angebracht. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und englische („Prell"-) 
Mechanik ohne Auslosung. Es sind zwei Pedale (Forte- und Piano- 
zug) und wie bei No. 108 ein Tritt zum Heben des (geteilten) Deckels 
vorhanden. — Umfang der Klaviatur: Contra-F— f 3 (fiinf Oktaven). Die 
Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Breite 1,56 m, Tiefe 52 cm, Hohe 82 cm. 

Resonanzboden und Stinnnwirbel sind erneuert. 

') In diesem Jahre (1783) hatte Erard in Paris zuerst Pedaltritte an Stelle der 
Kniehebel angewandt. 



Hammerklaviere in Tafelform No. 113 — 116 



No. 113. Tafelklavier 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument ist in NuBbaum fourniert und ruht auf vier gedrehten 
kannelierten Beinen. Das Vorsetzbrett uber der Klaviatur ist mit ver- 
schiedenartigen Holzern eingelegt. 

Das Klavier hat in der Contra-Oktave einchorige, im iibrigen 
zweichorige Besaitung und eigenartige deutsche („Prell"-) Mechanik 
mit Holzkapseln ohne Auslosung; ein in der Holzkapsel unterhalb des 
Hammerstiels angebrachter Hebelarm bewirkt das Anschlagen des 
Hammers an die Saite. Es sind zwei Kniehebel vorhanden: ein Forte- 
zug, der durch Aufheben der Dampfung, und ein Pianozug, der durch 
Andriicken einer rechts uber den Saiten liegenden mit Seidenfransen 
besetzten Leiste wirkt. Umfang der Klaviatur: Contra-F— f 3 (fiinf 
Oktaven). DieUntertasten sind mitEbenholz, dieObertasten mitBein belegt. 

Breite 1,43 m, Tiefe 50 cm, Hohe 75 cm. 

No. 114. Tafelklavier, 

italienische Arbeit aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne 
Namen des Erbauers. Das schmucklos ausgestattete Instrument ist 
in NuBbaum fourniert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. 

Es hat in der tiefsten Oktave einchorige, im iibrigen zweichorige 
Besaitung und eine eigenartige, der deutschen ahnliche Mechanik 
ohne Auslosung: die Hammer sind nicht auf den Tastenenden be- 
festigt sondern an der linken hinteren Seite derselben angeschraubt. 
Es ist ein Kniehebel vorhanden, der durch Aufheben der Dampfung als 
Fortezug wirkt. Umfang und Ausslattung der Klaviatur wie bei 

No. 113. 

Breite 1,40 m, Tiefe 50 cm, Hohe 75 cm. 

In der rechten oberen Ecke innerhalb des Gehauses ist folgender geschriebener 



Zettel eingeklebt: 

„Questo cembalo di cinque ottave 
con tastiera nera e di Proprieta delle 
Monache di S ta Grata . . . ." 



„Dieses Klavier von fiinf Oktaven 
mit schwarzer Tastatur ist aus dem Be- 
sitz der Nonnen von S ia - Grata . . . ." 



No. 115. Tafelklavier 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das einfach ausgestattete Instrument ist in NuBbaum fourniert und hat 
einen getafelten Deckel; es ruht auf vier neu angefertigten eckigen 
Spitzbeinen. 

Es hat zweichorige Besaitung und primitive deutsche („Prell"-) 
Mechanik mit Holzkapseln ohne Auslosung. Es sind zwei Kniehebel 
(Forte- und Pianozug) vorhanden. Umfang und Ausstattung der 

Klaviatur wie bei No. 113. 

Breite 1,50 m, Tiefe 55 cm, Hohe 90 cm. 

No. 116. Tafelklavier, 

laut Inschrift auf einem eingelegten Schild aus WeiBbuchenholz von 
„LONGMAN AND BRODERIP / Musical Instrument Makers / . . . . / London" 

erbaut; aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Das Instrument 
ist in Mahagoni fourniert und ruht auf einem einfachen Gestell mit 
vier eckigen Spitzbeinen. Der Deckel und die Innenseite des Gehauses 
weisen eingelegte Adern von Ahorn- und Ebenholz auf. 



Hammerklav iere in Tafelform No. 116-118 ^^^ 133 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung unci englische („Prell") 
Mechanik ohne Auslosung. Zur linken Seite sind im Innern des Ge- 
hauses ein Forte- und ein Pianozug angebracht. — Umfang der Klaviatur: 
Contra-G — f :i (vier Oktaven und Septime). Die Untertasten sind mit 
Elfenbein belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 1,37 m, Tiefe 50 cm, Hohe 83 cm. 

Nachbildune: der Inschrift auf Seite 241. 



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No. 117. Tafelklavier 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das im Rokokostil hiibsch ausgestattete Instrument ist in Kirschbaum 
fourniert; es ruht auf einem Gestell mit vier geschweiften Beinen. An 
der rechten Seite des geschnitzten Oberteils des Gestells ist eine 
Schublade zum Aufbewahren von Musikalien angebracht. Die Beine 
sind mit Bronzebeschlagen, der Deckel mit gravierten Bronzescharnieren 
und die beiden Seitenwande mit hiibsch ziselierten Bronzegriffen ge- 
schmuckt. Urn den Deckel und rings urn das Gehause — mit Aus- 
nahme der Riickwand laufen Einlagestreifen von dunklem Holz. 

Der untere Teil des Vorsetzbretts iiber der Klaviatur zeigt auf schwarz 
poliertem Grunde zwei Felder mit Messingumrahmung. In das Schalloch 
des mit Blumenmalerei geschmiickten Resonanzbodens war eine Rosette 
eingelassen. 

Das Klavier hat fiir die tiefsten vier Tasten einchorige, im iibrigen 
zweichorige Besaitung und englische („Prell"-)Mechanik ohne Aus- 
losung. Zur linken Seite ist im Innern des Gehauses ein Pianozug, der 
eine mit Filz besetzte Leiste gegen die Saiten driickt, und oberhalb zu 
beiden Seiten je ein Messinggriff zum Aufheben der fiir BaB und Diskant 
geteilten Dampfung angebracht. -- Umfang der Klaviatur: Contra-F — f b 
(funf Oktaven). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit 
Bein belegt. Die Stirnkanten der Untertasten sind durch goldgepreBte 
Lederstiickchen, die der Obertasten durch eingepreBte Goldringe verziert. 

Breite 1,46 m, Tiefe 53 cm, Hohe 82 cm. 

Abbilduno- auf Seite 130. 



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No. 118. Tafelklavier 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das schmucklos ausgestattete Instrument ist aus Eichenholz und im 
Innern teilweise schwarz poliert; es ruht auf vier gedrehten schwarz 
gebeizten Beinen. Zur linken Seite neben der Klaviatur sind zwei 
Gefacher angebracht. 

Es hat zweichorige Besaitung und eine eigenartige englische 
(„PreIl"-) Mechanik ohne Auslosung: jede Taste ist mit zwei Hammerchen 
versehen, von denen eins beledert und eins unbeledert ist. Der Ham- 
merstuhl, in dem die Hammerchen sitzen, ist durch einen zur rechten 
Seite iiber der Klaviatur angebrachten Zug verschiebbar, so daB man 
nach Belieben die beiden, einen verschiedenen Klang hervorbringenden 
Hammerreihen anwenden kann. Ferner ist eine eigenartige Einzel- 
dampfung vorhanden, die unmittelbar hinter dem Vorsetzbrett mit den 
Tasten in Verbindung steht ; die Dampfer nehmen den ganzen Raum 
zwischen Vorsetzbrett und Riickwand ein. AuBerdem besitzt das 
Instrument eine Gesamtdampfung, die eine mit Wollfransen be- 
kleidete Leiste gegen die Saiten driickt. Beide Dampfungen sind durch 
je zwei Ziige fiir BaB und Diskant getrennt anwendbar; mittels eines 



Hammerklaviere in Tafelform No. 118 — 120 



als Fortezug dienenden Kniehebels lassen sich beide Teile der Gesamt- 
dampfung aufheben. Die an dem Vorsetzbrett angebrachten funf Zuge 
sind mit Knopfen aus Bein versehen. — Umfang der Klaviatur: Contra- 
F— f 3 (funf Oktaven). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten 
mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,75 m, Tiefe 61 cm, Hohe 77 cm. 
Resonanzboden und Stimmwirbel sind erneuert. 



No. 119. Tafelklavier, 

mit geschriebener Inschrift auf eingelegtem Ahornschild: „Francesco 
Spighi Fiorentino / fece I'Anno 1790". Das Instrument ist in Kirschbaum 
fourniert und ruht auf einem Gestell mit vier eckigen Spitzbeinen. Die 
AuBenseite des Deckels, das gauze Gehause mit Ausnahme der 

Riickwand - - sowie Gestell und Beine sind mit eingelegtenEinfassungen 
von verschiedenen Holzern (Ahorn, Palisander etc.) verziert; besonders 
reich sind Zierleiste und Klaviaturbacken eingelegt. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und englische Mechanik 
mit Auslosung. An der linken Seite im Innern des Gehauses sind drei 
Ziige angebracht, von denen zwei durch Aufhebung der fur BaB und 
Diskant geteilten Dampfung und der dritte als Pianozug durch An- 
driicken einer mit Wildleder besetzten Leiste wirken. — Umfang der 
Klaviatur: Contra-F — f :i (fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein, 
die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,57 m, Tiefe 53 cm, Hohe 84 cm. 

Nachbildunaf der Inschrift auf Seite 271. 



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No. 120. Tafelklavier, 

laut verzierter Inschrift auf eingelegtem Ahornschild von „WilheIm 
Constant in Schiffer in Koln 1793" erbaut. — Das in NuBbaum fournierte 
Instrument ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Die Zierleiste ist mit ver- 
schiedenfarbigen Holzern eingelegt; in das in der rechten oberen Ecke 
des Resonanzbodens angebrachte Schalloch ist eine vertiefte Rosette 
eingelassen. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und deutsche („PrelI"-) 
Mechanik mit Holzkapseln ohne Auslosung; ferner besitzt es eine be- 
merkenswerte, wahrscheinlich nur sehr selten angewandte Konstruktion: 
von der zweittiefsten Oktave an ist jede Taste mit zwei Hammerchen 
ausgestattet, die in der Weise angebracht sind, daB das vordere 
Hammerchen die tiefere Oktavsaite des betreffenden Tones anschlagt; 
mittels eines Kniedriickers ist die vordere Reihe der Hammerchen durch 
eine dariiber befindliche Leiste abstellbar, so daB der Spieler also die 
Oktavsaiten nach Belieben verwenden kann. ') AuBerdem sind vier 
Pedale vorhanden: ein Lautenzug, der durch Andrucken einer mit Seiden- 
fransen besetzten Leiste, ein Pianozug, der durch Vorschieben einer 

*) Vgl. »Das Fortepiano und seine Vorganger" (Neunundvierzigsles Neujahrstiick 
der . . . Musik-Gesellschaft in Zurich 1861"), Seite 15, wo eine ahnliche Konstruktion - 
die Benutzung hoherer Oktavsaiten - erwahnt wird: „Eine schon versuchte Ein- 
richtung ... ist die Octavenkopplung, durch welche zu jedem Ton die Ober- 
octave mitklingt, was die namliche Verstarkung und Verscharfung des Tons hervor- 
bringen muB, wie wenn zu einer achtfi'iBigen Orgelstimme eine vierfiiBige gezogen 
wird." EinederartigeEinrichtung lieB sich Streicher i.J. 1824 patentieren (vgl. Bliithner 
und Grelschel, „Lehrbuch des Pianofortebaues", Leipzig 1886, Seite 65). Bei dem 
Schiffer'schen Klavier ist die Oktavkoppelung nach der Tiefe zu angewendet, d. h. die 
8'-Saite kann durch eine 16'-Saite verstarkt werden. 



135 




No. 120. Tafelklavier 
von Wilhelm Constantin Schiffer in Koln 1793. 

Text: Seite 134. 




Taste mit zwei Hammern 

aus dem Tafelklavier No. 120 



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Hammerklaviere No. 120-123 ^^^^^ 137 

mit Wildleder bekleideten Leiste und zwei Forteziige, die durch Auf- 
heben der fur BaB und Diskant geteilten Dampfung wirken. — Umfang 
der Klaviatur: Contra-F— F (fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit 
Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,54 m, Tiefe 54 cm, Hohe 78 cm. 

Abbildungen auf Seite 135; Nachbildung der Inschrift auf Seite263. 
Resonanzboden, Dampferleiste und Stimmwirbel sind erneuert. 

No. 121. Kleines Hammerklavier 

aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf vier eckigen Spitz- 
beinen. Die Vorderseile des Gehauses ist mit eingelegten Adern aus 
Ahornholz versehen; am Oberteil der vorderen Beine sind Bronze- 
beschlage angebracht. 

Das Klavier hat in den tiefsten lVa Oktaven einchorige, im iibrigen 
zweichorige Besaitung und eine eigenartige deutsche („PrelI"-)Mechanik 
mit Holzkapseln ohne Auslosung: der Hammerstiel greift nicht selbst 
unter die dahinter liegende Leiste sondern mittels eines besonderen 
unter dem Hammer befindlichen kleinen befilzten Hebelarms. An der 
linken Seitenwand des Gehauses sind zwei Ziige fiir Piano und Forte 
angebracht. - - Umfang der Klaviatur, die zur Erzielung eines groBeren 
Resonanzbodens unter dem Kasten liegt und zum Gebrauch herausgezogen 
wird: C — f :! (vier Oktaven und Quarte). Ausstattung der Tasten wie 
bei No. 120. 

Breite 1,06 m, Tiefe 39 cm, Hohe 77 cm. 

No. 122. Hammerklavier in Verbindung mit Dirigentenpult; 

aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, ohne Namen des Erbauers. -- Das 
Instrument ist aus NuBbaumhoIz und ruht auf vier gedrehten kannelierten 
Beinen. Zu beiden Seiten der Klaviatur sind zwei kleine Schub- 
kasten angebracht. Die rechte Seitenwand ist zur groBeren Schall- 
entwicklung aufklappbar. 

Das Klavier hat schrag verlaufende zweichorige Besaitung und 
eine eigenartige, in den Grundziigen den spateren aufrechten Klavieren 
entsprechende Mechanik mit Auslosung: die Hammerchen ruhen in an 
einer gemeinsamen Leiste befestigten Holzkapseln und schlagen die Saiten 
von vorn an. — Es sind zwei Kniehebel (Piano- und Fortezug) vorhanden. 
— Umfang und Ausstattung der Klaviatur wie bei No. 121. 

Breite 1,05 m, Tiefe 44 cm, Hohe 1,06 m. 

Abbildungen auf Seite 136. 

Derartige Inslrumente warden von Operndirigenten zum Begleiten der Secco- 
Recitative benutzt. Das vorliegende Instrument stammt aus Salzburg. 

No. 123. Hammerklavier 

aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
schmucklos ausgestattete Instrument ist aus Eichenholz und ruht auf 
vier gedrehten Spitzbeinen. 

Es hat in der tiefsten Oktave ein-, im iibrigen zweichorige Be- 
saitung und primitive deutsche („Prell")- Mechanik mit Holzkapseln 
ohne Auslosung; der Resonanzboden bedeckt das ganze Innere des 
Gehauses. Es sind zwei Kniehebel (Piano- und Fortezug) vorhanden. — 



Hammerklaviere No. 123 -126 



Umfang der Klaviatur, die zum Gebrauch herausgezogen wird: Contra- 
F— g 3 (fiinf Oktaven und ein Ton). Die Untertasten sind schwarz ge- 
beizt, die Obertasten sind mit Bein belegt. 

Breite 1,14 m, Tiefe 42 cm, Hone 80 cm. 

Abbildung auf Seite 139. 

No. 124. Hammerklavier 

aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
hubsche, einem kleinen Querfliigel ahnliche Instrument, dessen Gehause 
die Form einer liegenden Harfe hat, ist aus Eichenholz und ruht auf 
vier runden Spitzbeinen. Der Deckel ist getafelt; Zierleiste und Klaviatur- 
backen sind mit schonen Einlegearbeiten aus Ahorn- und Ebenholz 
sowie mit durchbrochenen vergoldeten Rokoko - Schnitzereien verziert 
und mit roter Seide hinterspannt. 

Das Klavier hat in der Contra-Oktave einchorige, im ubrigen 
zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik mit Messingkapseln und 
Auslosung, aber ohne Fanger. Es ist ein Kniehebel vorhanden, der 
durch Aufheben der Dampfung als Fortezug wirkt. Umfang der 

Klaviatur wie bei No. 123. Die Untertasten sind mit Ebenholz, die 
Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,53 m, Tiefe 84 cm, Hohe 85 cm. 

No. 125. Kleines Hammerklavier mit Toilettentisch-Einrichtung; 
aus der Wende des 18. Jahrhunderts, ohne Namen des Erbauers. Das 
hubsche Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf vier eckigen 
Spitzbeinen. Oberhalb des Resonanzbodens befindet sich ein heraus- 
nehmbarer Kasten, der in zahlreichen Fachern eine vollstandige Toiletten- 
tisch-Einrichtung wie Schminktopfe, Riechflaschchen, Puderquasten, 
Nahgeratschaften u. s. w. enthalt. In der Mitte ist ein gerahmter 
Spiegel eingelassen. Inmitten der Zierleiste oberhalb der Klaviatur 
befindet sich unter Glas eine Miniaturzeichnung in Medaillonform, die 
einen griechischen Tern pel darstellt und mit „Hlavizek" signiert ist. 
Die AuBenseite des Deckels ist mit der ebenso ausgestatteten Miniatur- 
malerei einer Hafenlandschaft geschmuckt. 

Das Klavier hat einchorige Besaitung und deutsche („Wiener") 
Mechanik mit Holzkapseln sowie Auslosung und Fangern. Umfang 
der Klaviatur: F — f ! (vier Oktaven). Die Untertasten sind dunkel ge- 
beizt, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 89 cm, Tiefe 42 cm, Hohe 87 cm. 

Abbildung auf Seite 139. 
Das Klavier soil ehemals im Besitz einer Sangerin Cristofori, vielleicht einer 

Verwandten des Erfinders des Hammerklaviers, Bartolomeo Cristofori, gewesen sein. 

Derartige Instrumente warden fiir den Gebrauch von Opernsangerinnen verfertigt, um 

ihnen in der Qarderobe oder anf der Reise ein Durchprobieren ihrer Arien zu er- 

moglichen. 

No. 126. Tafelklavier 

mit Inschrift: „Gebriider Vlatten / in Burtscheid bei Aachen / Fecerunt 
1798". Das Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf einem 
mit Messingbeschlagen versehenen Gestell mit vier eckigen Spitzbeinen 
und Messingrollen. Zierleiste und Klaviaturbacken sind in Mahagoni 
und Palisander fourniert und mit Einlagen von Ahorn und Ebenholz 
verziert. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und englische („Prell"-) 
Mechanik ohne Auslosung. Es sind drei Pedale vorhanden: Forte- und 



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^^^SiS'SS; Hammerklaviere in Tafelform No. 126—128 ^s/l&^ HI 

Pianozug und ein sogen. ,,Jalousie-SchweIler". Beim Niederdriicken 
dieses letzteren Pedals werden zwei in einem Rahmen liegende, sich 
uber das Innere des ganzen Instrumentes erstreckende durchbrochene 
Holzplatten jalousieartig verschoben, so da8 die Tonentfaltung betracht- 
lich verstarkt werden kann. — Umfang der Klaviatur: Contra- F — E 3 
(fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Eifenbein, die Obertasten mit 
Ebenholz belegt. 

Breite 1,60 m, Tiefe 55 cm, Hohe S5 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 276. 

No. 127. Tafelklavier 

mit Inschrift auf eingelegtem Ahornschild: ..Felice Piantanida fece in 
Milano I'Anno 1799'. Das Instrument ist in Nutibaum fournien und 
ruht auf vier gedrehten polierten Beinen. Die Seitenwande, die Yorder- 
wand und der Deckel sind mit eingelegten Feldern von Ahorn- und 
Ebenholz verziert. 

Das Klavier hat fur die vier tiefsten Tasten einchorige, im ubrigen 
zweichorige Besaitung und englische („Prell"-)Mechanik ohne Aus- 
losung. Es ist ein Kniehebel vorhanden, der durch Aufheben der 
Dampfung als Fortezug wirkt. — Umfang der Klaviatur: Contra- F—f 
(fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit 
Eifenbein belegt. 

Breite 1,54 m, Tiefe 57 cm, Hohe S3 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 252. 

No. 128. Tafelklavier, 

laut in der Mitte des Resonanzbodens aufgeklebter Kupferstichvignette 
von ..Joh. Georg Schenck Hof-lnstrumentenmacher a Weimar 1800 " 
als ..\o. 3" erbaut. — Das einfach ausgestattete Instrument ist in Mahagoni 
fourniert und ruht auf vier eckigen durchbrochenen Spitzbeinen, die 
durch kleine mit gelber Metallumwicklung versehene Saulen verziert 
sind. In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine hiibsche Rosette 
eingelassen; in der linken oberen Ecke des Resonanzbodens ist ein 
Kastchen angebracht. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik 
mit Auslosung, aber ohne Fanger. Bemerkenswert ist die Anlage der 
Klaviatur: zur Erzielung eines grotieren Resonanzbodens ist sie im 
Kasten verborgen und springt erst durch Druck auf einen Kniehebel 
heraus; nach dem Gebrauch wird sie wieder in den Kasten zuruck- 
geschoben. Es sind zwei holzerne Pedale vorhanden: ein an der linken 
Seite angebrachter Tritt dient als Fortezug durch Aufheben der 
Dampfung: mittels eines in der Mitte befindlichen Trittes kann der 
Klavierdeckel -- ahnlich der Einrichtung bei den Klavieren No. 10S und 
112 und dem sogen. ..Jalousie-Schweller" (vergl.No. 126) -- um ungefahr 
10 cm gehoben und wieder gesenkt werden (sog. ..Sch webung", 
vgl. unten). Umfang und Ausstattung der Klaviatur wie bei No. 127. 

Breite 1,42 m. Tiefe 49 cm, Hohe 79 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 256. 

Pianoforte mit sog. ..Schwebung - ' waren eine Erfindung Schencks; das 
vorliegende ist das dritte derartige von ihm fertiggestellte Instrument. In 
Gerbers „Neuem . . . .Lexikon", 4. Theil (Leipzig 1814), Sp. 50 heiBt es: 
„Der Ton kann damit entfernt und herbeykommend vorgestellt, auch das, 
was in der Orgel Undamaris macht sehr schon damit vorgestellt, auch Echo 



Hammerklaviere in Tafelform No. 128-130 



gemacht werden. Die iibrigen Veranderungen itn Tone kommen denen 
gleich, welche auf einem gewohnlichen Pianoforte hervorgebracht werden 
konnen. Die Mechanik dieses Instruments vveicht aber in verschiedenen 
Stiicken von dem gewohnlichen Bau der Pianoforte's ab. Zwar ist die Form 
den gewohnlichen Klavieren gleich; der Resonanzboden hingegen lauft iiber 
das ganze Instrument. Wenn der Deckel geoffnet ist, und die am Boden 
befindliche Auslosung mit der Hand beriihrt wird, so springt das Klavier von 
selbst zum Spielen hervor, welches beym Zumachen wieder hinein gedriickt 
wird, bis es einschnappt. Er verfertiget dergleichen von \ y h Oktaven, 3 FuB 
8 Zoll lang, nnd von 5 Oktaven, 5 FuB lang, fur 14 bis 21 Friedrichsd'or. 
Ausfiihrlicher findet man diese Beschreibung im [Wiener] Modejournal, May, 
1800. S. 263—267." 

Vgl. iiber das interessante Instrument „Zeitschrift fiir Instrumentenbau" VIII. Band, 
Seite349 u. 366, wo es u. a. heiBt: „Das Klavier befand sich zuerst in dem Besitze der 
Familie Bertuch in Weimar, fiir die es Meister Schenck wahrscheinlich auf Bestellung 

gebaut hat F. J. Bertuch') war .... der bekannte Legationsrat und Kabinetts- 

sekretar des Urobherzogs Karl Augusts von Weimar... Das Klavier stand. .. . in 
dem Hause der Familie Bertuch in Weimar, in welcher }. N. Hummel, der bekanntlich 
1820 nach Weimar kam, als intimer Freund ein- und ausging. . . . Durch eine Ur- 
enkelin der Familie Bertuch, die den dritten Sohn des Dichters Riickert, August, 
heiratete, kam das Klavier nach Neuses bei Koburg, wo der Sanger des Liebes- 
friihlings. . . . wahrend der letzten Jahre seines Lebens [1849— 1866] lebte . . " Nach 
dem Tode August Riickerts, der ca. 1880 erfolgte, gelangte das Instrument nach Leipzig 
und von dort in die Ibach-Sammlung nach Barmen. 

No. 129. Tafelklavier 

mit geschriebener Inschrift auf der Riickseite der Zierleiste: „Ver- 
fertieger [sic] dieses Instruments: / Jotiann Rudolph Greifenhagen. Borna 
bey Leipzig. / Ms. August: 1802. No. 150". AuBerdem findet sich 
unterhalb des Klaviaturrahmens eine nochmalige Signierung: „J R 
Greifenhagen / Borna Ms August / 1802. / No. 151". * Das in NuB- 
baum fournierte Instrument ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Die 
Zierleiste ist in Kirschbaum fourniert und von einer NuBbaumeinfassung 
umgeben. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik 
mit Holzkapseln und Auslosung; die Hammerkopfe liegen nach hinten. 
Die Tasten erhalten ihre Fiihrung nicht durch Stifte sondern durch eine 
Nutenleiste. (Vgl. Hammerflugel No. 171.) Zur linken Seite neben der 
Klaviatur ist ein Pianozug angebracht, auBerdem ist ein Fortezug als 
Kniehebel vorhanden. — Umfang der Klaviatur: Contra-F — g 4 (fiinf 
Oktaven und ein Ton). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Ober- 
tasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,77 m, Tiefe 57 cm, Hohe S3 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 228. 

No. 130. Tafelklavier in Verbindung mit Kommode; 

laut geschriebener Inschrift auf einem Milchglasschild inmitten der 
Zierleiste von „C. G. Friederici Fiirstl. Kammerrath / u. Klavierbauer / 
in / Gera" und zwar anscheinend kurz vor seinem (im Januar 1805 
erfolgten) Tode erbaut. Das schone Instrument ist aus rot poliertem 
Birnbaumholz und ruht auf vier kurzen FuBen mit Messingrollen. Der 
Unterbau ist als Kommode eingerichtet und enthalt vier groBeSchubladen 

') Er wurde am 30. September 1744 zu Weimar geboren und starb dort am 
3. April 1822. Audi Goethe und Schiller zahlten zu den Freunden des Bertuch'schen 
Hauses. 



Ham merklaviere No. 130 133 ^^^^^ 143 

mit Knopfen unci Schliisselschildern aus Bein. Zierleiste und Klaviatur- 
backen sind mit Eschenwurzelfournieren versehen; das Namensschild ist 
von eineni schonen Bronzebeschlao' eingefafit. 

Das Klavier hat in der tiefsten Oktave einchorige, im iibrigen 
zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik mit Messingkapseln 
und Auslosung, aber ohne Fanger. Es sind zwei Kniehebcl vorhanden, 
die durch Aufheben der Dampfung als Forteziige wirken. — Umfang 
der Klaviatur: Contra F-f 4 (sechs Oktaven). 1 ) Die Untertasten sind mit 
Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,62 m, Tiefe 65 cm, Hohe 82 cm. 
Abbildung auf Seite 140; Nachbildung der Inschrift auf Seite 227. 

No. 131. Hammerklavier in Verbindung mit Schreibsekretar, 

ohne Namen des Erbauers; aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. — 
Das eigenartige Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf vier 
gedrehten kannelierten Beinen. Es ist vollstandig als Zylinderbureau mit 
Rollade, Schubladen, Fachern sowie einer herausziehbaren Schreibplatte, 
unter der die Klaviatur liegt, eingerichtet. Der obere Rand des Gehauses 
ist von einer durchbrochenen Messinggalerie umgeben. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und englische („Prell"-) 
Mechanik ohne Auslosung. Zur linken Seite ist neben der Klaviatur 
ein Piano- und ein Fortezug angebracht. Umfang der Klaviatur: 
Contra-F — F (fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Ober- 
tasten mit Ebenholz belegt. 

Hohe 1,18 m, Breite 1,42 m, Tiefe 65 cm. 

Abbilduna: auf Seite 145. 



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No. 132. Tafelklavier 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. — 
Das schmucklos ausgestattete Instrument ist in Kirschbaum fourniert 
und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Zierleiste und Klaviaturbacken sind 
durch Fourniere von Thujaholz geschmuckt. In dem Schalloch des 
Resonanzbodens befand sich ehemals eine Rosette. 

Das Klavier hat in der Contra-Oktave einchorige, im iibrigen 
zweichorige Besaitung und primitive deutsche („Prell"-) Mechanik mit 
Holzkapseln ohne Auslosung. Es ist ein Kniehebel vorhanden, der 
durch Aufheben der Dampfung als Fortezug wirkt. — Umfang der 
Klaviatur: Contra-F— c 4 (fiinf Oktaven und Quinte). Die Untertasten 
sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,57 m, Tiefe 61 cm, Hohe 79 cm. 

No. 133. Tafelklavier 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. — Das 
Instrument ist aus Fichtenholz; es ruht auf zwei kleinen Schranken, 
die zum Aufbewahren von Musikalien dienen. Zierleiste, Klaviaturbacken 
und der Deckel des zur linken Seite neben der Klaviatur angebrachten 

') Broadwood in London hatte im Jahre 1790 als Erster den Umfang der 
Klaviatur auf 5 l /-> Oktaven (Contra F-c 1 ) und im Jahre 1794 auf sechs Oktaven 
(Contra C — c 4 ) ausgedehnt. Beethoven machte von dem erweiterten Umfang zuerst 
in der 1804 komponierten ,,Waldstein"-Sonate op. 53, der ,,Appassionata" op. 57 und 
besonders im G-dur-Konzert op. 58 Gebrauch. Erst 1804 erweiterte Broadwood 

den Umfang urn eine weitere Quarte nach der Hohe (f 4 ); Friederici in Gera war 
der erste deutsche Klavierbauer, der ihm hierin folgte. 



144 £!SSlStflS}51g351S} Hammerklaviere No. 133 



Kastchens sind in Erie fourniert und mit Ahorn- und Ebenholzeinlagen 
verziert. Die Innenwande des Gehauses sind mit farbigem Vorsatz- 
papier beklebt. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und primitive deutsche 
(„Prell"-) Mechanik mit Holzkapseln ohne Auslosung. Die Hammerkopfe 
sind unbeledert, so daB der Ton einen spinettartigen Klang erhalt. An 
der linken Klaviaturbacke ist ein Pianozug und zur linken Seite im 
Innern des Gehauses ein Fortezug, der durch Aufheben der Gesamt- 
dampfung wirkt, angebracht. - - Umfang und Ausstattung der Klaviatur 
wie bei No. 132. 

Breite 1,71 m, Tiefe 57 cm, Hohe 82 cm. 

Das Klavier stammt aus dem 1897 abgebrannten SchloB zu Stadtilm in Thuringen 
(Schwarzburg-Rudolstadt). 

No. 134. Kleines Hammerklavier mit Nahtisch-Einrichtung; 

laut Inschrift auf der bemalten Zierleiste oberhalb der Klaviatur von 
„johann Schiele / in Wienn" verfertigt; aus dem Anfang des 19. Jahr- 
hunderts Das niedliche Instrument ist aus Aspenholz und innen in 
Ahorn fourniert. Die Innenseite des Deckels enthalt einen aufklappbaren 
ovalen Spiegel, der von zwei gemalten Amorettenfiguren umgeben ist. 
Den hinteren inneren Raum des Gehauses fiillt ein herausnehmbarer 
Kasten aus, der in einer Anzahl Facher eine vollstandige Nahtisch- 
Einrichtung aus Perlmutter und Silber enthalt. An beiden Seitenwanden 
sind silberne Handgriffe angebracht. 

Das Klavier hat im BaB einchorige, im Diskant (von b 1 ab) zwei- 
chorige Besaitung und Wiener Mechanik mit Messingkapseln, Auslosung 
und Fangern. Umfang der Klaviatur, die wie bei No. 121 zum Ge- 
brauch herausgezogen wird: c — f 3 (drei Oktaven und Quarte). Die 
Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 57 cm, Tiefe 33 cm, Hohe 20 cm. 

Abbildung auf Seite 145; Nachbildung der Inschrift auf Seite 256. 

No. 135. Kleines Hammerklavier 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. — Das 
hiibsch ausgestattete Instrument ist in Esche fourniert und ruht auf vier 
eckigen Spitzbeinen; die Innenseite des Deckels ist in Ahorn fourniert. 
Die abgerundeten Vorderkanten und die Zierleiste oberhalb der Klaviatur 
sind mit empireartigen Bronzebeschlagen geschmuckt. 

Das Klavier hat fur die tiefsten neun Tasten einchorige, im (ibrigen 
zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik mit Messingkapseln 
und Auslosung; als Fanger dient eine mit Filz besetzte Holzleiste. Es 
ist ein Kniehebel vorhanden, der durch Aufheben der (Gesamt-) Dampfung 
als Fortezug wirkt; die ursprunglich vorhanden gewesene Einzeldampfung 
ist entfernt worden. Umfang der Klaviatur: Contra-H — f :j (vier Oktaven 
und vermind. Quinte). Die Untertasten sind mit Bein belegt, die 
Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 84 cm, Tiefe 51 cm, Hohe 79 cm. 

Das Klavier stammt aus dem Dessauer SchloB und soil einst Eigentum einer 
Herzogin Therese gewesen sein, worauf eine auf der rechten Seite des Deckels be- 
findliche Inschrift: „ H. Therese" hinweist. 



145 




Text: Seite 143 





No. 134. Kleines Hammerklavier 
mit Nahtischeinrichtung 
von Johann Schiele, Wien. 

Text: Seite 144. 



No. 137. Kleines Hammerklavier 

in Form eines Nahkastens. 

Wiener Arbeit 

ans dem Anfang des 19. Jahrhnnderts. 

Text: Seite 147. 



146 




No. 138. Kleines Hammerklavier 
m it Nahtischeinrichtung von Anton Walter u. Solin, Wien. 

Aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. 
Text: Seite 147. 




No. 140. Tafelklavier 

von Ferdinand H of maim, Wien. 
Aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. 

Text: Seite 14S. 



Hammerklaviere No. 136—139 ^^^^^ 147 

No. 136. Hammerklavier (kleines Tafelklavier) 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
schmucklos ausgestattete Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht 
auf vier eckigen Spitzbeinen. 

Es hat einchorige Besaitung und deutsche Mechanik mit Messing- 
kapseln und Auslosung, aber ohne Fanger; bemerkenswert ist die 
Kleinheit des Resonanzbodens. Es ist ein Kniehebel vorhanden, der 
durch Aufheben der Dampfung als Fortezug wirkt; die Dampfer sind 
erneuert worden. -- Umfang der Klaviatur: Contra-F — a :i (fiinf Oktaven 
und Terz). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit 
Ebenholz belegt. 

Breite 1,02 m, Tiefe 39 cm, Hohe 71 cm. 

No. 137. Kleines Hammerklavier in Form eines Nahkastens, 
Wiener Arbeit aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. Das niedliche Instrument ist aus schwarz poliertem Ahorn- 
holz. Die Innenseite des Deckels ist mit einem Spiegel ausgestattet, 
dessen Rahmen mit Einlagen von Ahornholz verziert ist. Zu beiden 
Seiten des Deckels befinden sich Ahornfourniere, die mit Einlagen in 
Form von Posthornern geschmiickt sind. Die Mechanik wird durch 
einen mit griiner Seide bespannten Rahmen verdeckt. 

Das Klavier hat in der tiefsten Oktave einchorige, im iibrigen 
zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik mit Messingkapseln und 
Auslosung; Fanger und Dampfung sind nicht vorhanden. Umfang 
der Klaviatur: f— f 3 (drei Oktaven). Die Untertasten sind mit Bein 
belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 50 cm, Tiefe 36 cm, Hohe 17 cm. 

Abbildung auf Seite 145. 

No. 138. Kleines Hammerklavier mit Nahtisch-Einrichtung, 

laut Inschrift auf einem Milchglasschild in der Mitte der Zierleiste von 
,, Anton Walter u. Sohn / in Wien" erbaut; aus dem Anfang des 19. Jahr- 
hunderts. Das niedliche Instrument ist aus schwarz poliertem Birn- 
baum- (imitiertem Eben)-Holz verfertigt. Auf der Innenseite des Deckels 
befindet sich in schwarzem Rahmen ein Spiegel mit Bronze-Perl- 
stabcheneinfassung; zu beiden Seiten des Spiegels ist je ein Ahornfournier 
angebracht, das mit einer Brandmalerei, eine Tambourinschlagerin dar- 
stellend, verziert ist. Ueber den Saiten liegt ein herausnehmbarer Kasten 
mit einem Nadelkissen und einer Anzahl Facher zur Aufbewahrung 
von Nahgeratschaften. Die Zierleiste oberhalb der Klaviatur ist mit 
Bronzebeschlagen im Empirestil geschmiickt. 

Das Klavier hat teils ein-, teils (von c 2 ab) zweichorige Besaitung und 
deutsche Mechanik mit Messingkapseln und Auslosung; als Fanger dient 
eine mit Filz bekleidete Leiste. Eine Dampfung ist nicht vorhanden. — 
Umfang und Ausstattung der Klaviatur wie bei No. 137. 

Breite 56 cm, Tiefe 39 cm, Hohe 19 cm. 

Abbildung auf Seite 146; Nachbildung der Inschrift auf Seite 281. 

No. 139. Kleines Hammerklavier mit Nahtisch-Einrichtung; 

Wiener Arbeit aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, ohne Namen des Er- 
bauers. — Das Instrument ist aufien in Mahagoni, innen in Kirschbaum four- 
niert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen, die von vergoldeten Karyatiden 



Hammerklaviere No. 139 



gekront werden. Unter der Klaviatur sind drei Schubfacher mit eineni 
Spiegel und verschiedenen Fachern zur Aufnahme von Nahgeratschaften 
angebracht. In der Mitte der Zierleiste oberlialb der Klaviatur befindet 
sich ein von einer Messingeinfassung umraluntes Milchglasschild zum 
Eintragen eines Namens. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik 
mit Messingkapseln und Auslosung; als Fanger dient wie bei 

No. 138 — eine mit Filz bekleidete Leiste. Umfang der Klaviatur, 
die wie bei No. 121 zum Gebrauch herausgezogen wird: F — f ;i (vier 
Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten 
sind schwarz gebeizt. 

Breite 85 cm, Tiefe 76 cm, Hohe 80 cm. 



No. 140. Tafelklavier, 

laut Inschrift auf einem Porzellanschild in der Mitte der Zierleiste von 
„Ferdinand Hofmann / Clavier-lnstrumentenmacher in Wien 4 ' erbaut. In 
der rechten oberen Ecke des Resonanzbodens ist aufierdem folgender 
mit einer Kupferstichvignette versehener geschriebener Zettel auf- 
geklebt: „Ferdinand Hofmann, biirgerl. Orgel- und In- strumenten- 
macher in Wien. Wohnt nachst dem Getreid- Markte, bei 3 Hufeisen 
No 28." Aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Das Instrument ist 
in Nufibaum fourniert und ruht auf vier gedrehten Beinen. Zier- 
leiste und Klaviaturbacken sind mit dekupierten, auf Ahornfourniere 
aufgelegten spitzbogenartigen Verziemngen geschmiickt. 

Das Klavier hat in der tiefsten Oktave einchorige, im ubrigen 
zweichorige Besaitung und deutsche („Wiener") Mechanik mit Messing- 
kapseln, Auslosung und Fangern. Es ist ein Kniehebel (Fortezug) und 
ein an der linken Seite neben der Klaviatur angebrachter Pianozug vor- 
handen, der durch Vorschieben einer mit Tuch besetzten Leiste wirkt. — 
Umfang der Klaviatur: Contra F— f 3 (fiinf Oktaven). Die Untertasten 
sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 
Breite 1,62 m, Tiefe 61 cm, Hohe 83 cm. 

Abbildung auf Stite 146. 

No. 141. Kleines Hammerklavier mit Nahtisch-Einrichtung 

aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, ohne Namen des Erbauers.- 
Das hiibsche Instrument ist in Mahagoni fourniert und im Empirestil 
ausgestattet ; es ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Die ganze Vorderseite, 
die Klaviaturbacken und die Zierleiste oberhalb der Klaviatur sind mit 
Bronzebeschla^en oreschmiickt. Auf der Innenseite des Deckels befindet 
sich eine Malerei, die das landschaftliche Panorama des Oybin, eines 
Sandsteinfelsens bei Zittau, darstellt. Oberhalb des Resonanzbodens 
liegt ein herausnehmbarer Kasten, der in verschiedenen Fachern eine 
silberne Nahtisch-Einrichtung und einen Spiegel enthalt. Die Mechanik 
wird durch einen mit hellgriiner Seide bespannten und mit Messingperl- 
stabchen verzierten Rahmen aus Kirschbaumholz verdeckt. 

Das Klavier hat im BaB einchorige, im Diskant (von d 1 ab) zwei- 
chorige Besaitung und deutsche Mechanik mit Messingkapseln und Aus- 
losung, aber ohne Fanger. -- Umfang der Klaviatur: F — f 3 (vier Oktaven). 
Die Untertasten sind mit Bein belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Breite 74 cm, Tiefe 47 cm, Hohe 75 cm. 

Abbildung auf Seite 149. 

Das Instrument stammt aus einem sachsischen SchloB in der Nahe 
von Zittau. 



149 




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No. 143. Reise-Hammerklavier 
von Freres Daniel, Briissel. 

Text: Seite 151. 




No. 146. Tafelklavier 

von Astor & Norwood, London. Aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhnnderts. 

Text: Seite 152. 



Hammerklaviere No. 142 u. 143 ^^^^^ 151 

No. 142. Kleines Hammerklavier, 

laut Inschrift inmitten des Schutzdeckels iiber der Mechanik von „Georgius 
Pether, INVENTOR and PATENTEE. Londini No. 16, John Street, 
Oxford Street", erbaut; aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. 
Das hiibsch ausgestattete Instrument ist in Mahagoni fourniert und 
aufien und innen mit Einlagen von verschiedenartigen Holzern ge- 
schmiickt. Es ruht auf einem ebenso ausgestatteten Gestell mit vier 
gedrehten, kreuzweise verbundenen Beinen. 

Es hat zweichorige Besaitung und eineeigenartige, Pether patentierte 
oberschlagige Mechanik: die Hammer, die mit dem Kopf nach vorn 
in den gespaltenen Tastenhebeln liegen, werden beim Niederdrucken der 
Tasten mittels einer iiber den Hammern angebrachten befilzten Leiste an 
die Saiten geschnellt. Sobald der Finger die Taste verlaBt, wird durch ein 
am Ende des Hammerstiels befestigtes Bleistiickchen der Hammer wieder 
in seine urspriingliche Lage versetzt. Als Dampfer dient ein am Tasten- 
hebel seitlich angebrachtes Holzstabchen, das am unteren Ende beledert 
ist. Ziige oder Pedale sind nicht vorhanden. -- Umfang der Klaviatur: 
C— f 3 (vier Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind mit Elfenbein 
belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Breite 1,05 m, Tiefe 36 cm, Hohe 81 cm. 

Abbildung auf Seite 149; Nachbildung der Inschrift auf Seite 251. 

Versuche mit einer oberschlagigen Mechanik, bei der das Ham- 
merwerk nicht unter sondern iiber den Saiten liegt, sind schon im 
18. Jahrhundert durch Schroter und Hildebrand unternommen 
worden; vervollkommnet wurde die Mechanik 1823 durch Streicher in 
Wien und fast gleichzeitig (1825) durch Pape in Paris (vgl. Tafelklavier 
No. 154 und die Hammerfliigel No. 199 und 20S). 



No. 143. Reise-Hammerklavier 

mit geschriebener (wohl nicht authentischer) Inschrift unterhalb des 
Schallochs im Resonanzboden: „Freres Daniel Bruxeles / ...." 
anscheinend aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts; spater vielleicht 
repariert. Das Gehause, das nur eine Breite von 1 m und eine Tiefe 
von 18 cm hat, ist in Mahagoni fourniert und von Einfassungen aus 
Ahornholz umsaumt. Saiten und Mechanik liegen unterhalb der Klaviatur. 
Als Stutze des Ganzen dient zur rechten Seite der Rahmen mit der 
Anhangeplatte, wahrend zur linken Seite zwei Eisenstabe angebracht 
sind, die beim Transportieren des Instruments umgeklappt werden konnen. 
Das Klavier hat im BaB einchorige, von f der kleinen Oktave ab 
zweichorige Besaitung und eine dem aufrechten Piano ahnliche 
(englische) Mechanik (vgl. Bemerkung zu No. 148); nur liegen selbst- 
verstandlich die Hammer mit den Kopfen nach unten zu. - - Es ist ein 
Kniedriicker vorhanden, der als Fortezug dient und mittels eines Knopfes 
Aufheben der Dampfung bewirkt. Klaviatur und Mechanik sind durch 
einen mit Leder bespannten Rahmen geschiitzt, wahrend der Unterbau 
mit der Besaitung offen liegt. Umfang der Klaviatur: Contra-F— c 4 
(fiinf Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit Bein belegt, die 
Obertasten sind aus Ebenholz. 

Breite 1 m, Tiefe 18 cm, Hohe (in spielfertigem Zustande) 70 cm. 

Abbildung auf Seite 150. 



Hammerklaviere in Tafelform No. 144 146 



No. 144. Tafelklavier, 

laut Inschrift auf eingelegtem Ahornschild in der Mitte der Zierleiste 
von „A. Neuhaus Rue Bourbon Ville-Neuve No. 31 / a Paris" erbaut. 
AnBerdem findet sich auf der rechten Seite des Resonanzbodens langs 
des Steges der Namenszug „Antoine Neuhaus" geschrieben. Aus 
dem ersten Viertel des lQ.Jahrhunderts. — Das Instrument ist in Mahagoni 
fourniert und ruht auf vier gedrehten Spitzbeinen, die mit ziselierten 
Messingbeschlagen geschmuckt sind. Zierleiste und Klaviaturbacken 
haben Einlagen von Vogelaugenahornholz. 

Das Klavier hat dreichorige Besaitung und englische („Prell"-) 
Mechanik ohne Auslosung. Es sind drei Pedale vorhanden: Forte-, 
Piano- und Lautenzug. Ueber die Saiten ist eine Holzplatte zur 
Schallabdampfung gelegt. Umfang der Klaviatur: Contra-F — c* (fiinf 
Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit Flfenbein, die Ober- 
tasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,69 m, Tiefe 65 em, Hohe 85 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 247. 

No. 145. Tafelklavier 

aus dem ersten Viertel des lQ.Jahrhunderts (ca. 1820); ohne Namen des 
Erbauers. Das schmucklos ausgestattete Instrument ist in NuBbaum four- 
niert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Es hat in der tiefsten Oktave 
einchorige, sonst zweichorige Besaitung und eine eigenartige deutsche 
(„Prell"-) Mechanik mit Holzkapseln ohne Auslosung, die ziemlich der 
Mechanik des Tafelklaviers No. 113 entspricht. Es sind zwei Kniehebel 
(Forte- und Pianozug) vorhanden. Die Klaviatur wird zum Gebrauch 
herausgezogen, so daB der Resonanzboden die ganze hintere Flache 
des Gehause-Innern bedeckt. 

Umfang der Klaviatur: Contra-F — V (sechs Oktaven). Die Unter- 
tasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,40 m, Tiefe 60 cm, Hohe 82 cm. 



No. 146. Tafelklavier 

mit aufgemalter von Goldornamenten umgebener Inschrift auf einem 
Ahornfournier inmitten der Zierleiste: „Astor & Norwood . . . London"; 
aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. — Das im Empirestil 
gehaltene Instrument ist in Bezug auf Ausstattung das schonste 
Tafelklavier der Sammlung; es ist in Mahagoni, teilweise auch in Pali- 
sander fourniert und ruht auf sechs kannelierten und teilweise ver- 
goldeten gedrehten Beinen. Die Rander des Deckels, die ganze Vorder- 
seite einschlieBlich der Beine und die beiden Seitenwande sind mit 
hiibschen Bronzebeschlagen und -einfassungen reich verziert. Zierleiste 
und Klaviaturbacken sind in Kirschbaum fourniert; die Seitenfelder 
der Klaviatur sowie die Leisten zur rechten Seite iiber dem Resonanz- 
boden und in der rechten oberen Ecke am Stimmstock sind mit 
schonen mit griiner Seide hinterspannten Laubsagearbeiten geschmuckt. 
Unter der Klaviatur sind zwei Schubladen zur Aufnahme von Musikalien 
angebracht. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und englische Mechanik. 
Zur Erzielung eines groBeren Resonanzbodens liegen die Hammer der 
zehn hochsten Tasten (dis 3 — c 4 ) unterhalb des Resonanzbodens und schla- 
gen die Saiten durch einen Spalt an. Es ist ein Kniehebel vorhanden, 
der durch Aufheben der Dampfung als Fortezug wirkt. Umfang der 



Hamm erklaviere No. 146-148 ^^^^^ 153 

Klaviatur: Contra-F — c 4 (fiinf Oktaven und Quinte). Die Untertasten 
sind mit Elfenbein belegt, die Ohertasten sind aus Ebenholz. 

Breite 1,72 m, Tiefe 61 cm, Hohe 82 cm. 

Abbildung auf Seite 150; Nachbildung der Inschrift auf Seite 213. 

No. 147. Tafelklavier, 

laut in Perlmutter gravierter Inschrift in der Mitte der Zierleiste 
von „L R. (Lorenz Rudolph) Wohlien Altona" erbaut; aus den zwanziger 
Jahren des 19. Jahrhunderts. - - Das schone Instrument ist in Mahagoni 
fourniert und im Empirestil ausgestattet; es ruht auf vier eckigen Spitz- 
beinen mit Messingrollen. Das ganze AeuBere ist von Messingleisten 
eingefaBt und mit schonen Bronzebeschlagen geschmiickt. Zierleiste und 
Klaviaturbacken sind in Thuja fourniert. Der in einer Vertiefung liegende 
Bronzebeschlag oberhalb der Klaviatur, der in einem von zwei schwebenden 
Amoretten getragenen Kranz die Perlmutterinschrift tragt, ist von 
messingenen Perlstabchen eingefaBt. Ebenso ausgestattet ist der schone 
Bronzebeschlag auf dem Deckel vor der Klaviatur, der die Sieges- 
gottin Nike auf einem mit zwei Rossen bespannten Wagen darstellt. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und englische Mechanik. 
Zur Erzielung eines groBeren Resonanzbodens ist dieselbe Einrichtung 
wie bei dem vorhergehenden Tafelklavier (No. 146) getroffen. Zur 
Schallabdampfung ist iiber das Innere des Gehauses eine Holzplatte 
gelegt. Es sind ein Kniehebel (Fortezug) und zwei Pedale fur Piano 
und Pauke mit Glocken vorhanden. Der Pianotritt bewirkt ein Sinken 
der Tasten (bis d 1 ) unter ihr normales Niveau, wodurch die StoBzungen 
naher an die Hammer herangeschoben werden und einen schwacheren 
Anschlag gegen die Saiten verursachen. Umfang der Klaviatur: 

Contra-F— f 4 (sechs Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die 
Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,76 m, Tiefe 66 cm, Hohe 86 cm. 

Abbildung auf Seite 155; Nachbildung der Inschrift auf Seite 281. 

No. 148. Aufrechtes Hammerklavier („Cabinet-Piano") 

mit teilweise verblaBter Goldinschrift „W™.Hodsoll No. 45 High Holborn / 
London"; im Stimmstock findet sich als Name des Erbauers die 
eingebrannte Inschrift: „R. WALES MAKER". Aus den zwanziger 
Jahren des 19. Jahrhunderts. — Das Instrument ist in Mahagoni fourniert. 
Der Oberrahmen ist mit rotbrauner Seide bespannt und ebenso wie 
der untere Rahmen von Bronzeeinfassungen umgeben. Die Klaviatur ruht 
auf zwei gedrehten Beinen mit Rundstaben und Messingrollen; unterhalb 
der Klaviatur ist eine durch zwei ziselierte Bronzeknopfe zu offnende 
Schublade zum Aufbewahren von Musikalien angebracht. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und die bei diesen auf- 
rechtstehenden Instrumenten, aus denen sich das Pianino entwickelt 
hat, ubliche, der „englischen" ahnliche Mechanik: die StoBzungen stehen 
rechtwinkhg auf den Tastenhebeln und sind mit den Hammern, die die 
Saiten am oberen Ende — d. h. am Stimmstock - anschlagen, durch 
lange holzerne Verbindungsstabe, sog. „Abstrakte", verbunden. Es sind 
zwei holzerne Pedale fur Piano und Forte vorhanden. — Umfang und 
Ausstattung der Klaviatur wie bei No. 146. 

Hohe 1,84 m, Breite 1 m, Tiefe 50 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 233. 



Hammerklaviere No. 149 



No. 149. Tafelklavier, 

laut geschriebener Inschrift auf der rechten Seite des Resonanzbodens 
als „No. 567" von „Adolph Jbach in Barmen 1825" erbaut. Das in 
Kirschbaum fournierte, schmucklos ausgestattete Instrument ruht auf 
vier eckigen Spitzbeinen. 

Es hat in der Contra-Oktave einchorige, im iibrigen zweichorige 
Besaitung und deutsche („Prell"-) Mechanik mit Messingkapseln ohne 
Auslosung. Es ist ein Kniehebel vorhanden, der durch Aufheben der 
Dampfung als Fortezug wirkt. Zur Erzielung eines grofieren Resonanz- 
bodens liegen die Hammer fur die hochsten Tasten (von a 2 ab) wie 
bei den Tafelklavieren No. 146 und 147 u titer dem Resonanzboden 
und schlagen die Saiten durch einen Spalt an. -- Umfang und Ausstattung 
der Klaviatur wie bei No. 147. 

Breite 1,64 m, Tiefe 65 cm, Hohe 80 cm. 

Laut Mitteilung des Hauses Jbach ist das vorliegende das alteste bisher aufge 1 
fundene Tafelklavier der Firma. 

No. 150. Tafelklavier 

mit folgender gepragter Bronzeinschrift an der linken Seite im Innern 
des Gehauses: „VERFERT1G[T] AUS DER K: K: LANDESFABRIK DES 

M: MU1LLER [Miiller] IN W1EN N: 175"; aus den zwanziger Jahren 
des 19. Jahrhunderts. Das schmucklos ausgestattete Instrument ist in 
Mahagoni fourniert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. 

Es hat in der tiefsten Oktave einchorige, im iibrigen zweichorige 
Besaitung und Wiener Mechanik mit Messingkapseln und Auslosung". 
Es ist ein Fortepedal vorhanden; ein mit gri'mer Seide hinterspannter 
holzerner Rahmen, der das ganze Innere bedeckt, dient zur Schallab- 
dampfung. Umfang der Klaviatur, die wie bei No. 145 zum Gebrauch 
herausgezogen wird, und Ausstattung der Tasten wie bei No. 147 u. 149. 

Breite 1,16 m, Tiefe 54 cm, Hohe 82 cm. 

No. 151. Aufrechtes Hammerklavier („Cabinet-Piano"), 

laut Inschrift auf eingelegtem Ahornschild in der Mitte der Zierleiste 
von „John Broadwood & Sons . . . London" erbaut. In der rechten 
oberen Ecke des Stimmstocks ist der lithographierte Geschaftszettel 

eines Klavierhandlers „C. G. Bender Leyden" aufgeklebt. Aus den 

zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das Instrument ist in Mahagoni 
fourniert; der obere Rahmen ist mit dunkehoter Seide bespannt und 
von geschnitzten Perlstabchen eingefaBt. Die Zierleiste iiber der 
Klaviatur, die Klaviaturbacken und die Innenseite des Deckels sind in 
Palisander fourniert und mit Messingeinlagen versehen. Die Klaviatur 
ruht auf zwei verzierten gedrehten Beinen mit Messingrollen ; der 
untere Rahmen hat die Form einer Doppeltiir. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und die bei diesen auf- 
rechtstehenden Instrumenten iibliche Mechanik. Es ist ein Piano- und 
ein Forte-Pedal vorhanden. - Umfang der Klaviatur: Contra-F — f 4 (sechs 
Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind 
aus Ebenholz. 

Hohe 1,83 m, Breite 1,14 m, Tiefe 61 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 214. 



155 




No. 147. Tafelklavier 
von L. R. Wohlien, Altona c. 1820-25. 

Text: Seite 153. 
(Die Abbildung ist im Verhaltnis zu No. 154 stark verkleinert.) 




No. 154. Tafelklavier („Piano carre") 
von Henri Pape, Paris 1836. 

Text: Seite 157. 



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Hammerklaviere No 152—154 ^^^^^ 157 

No. 152. Aufrechtes Hammerklavier („Cabinet-Piano"), 

laut verzierter Goldinschrift auf dunkel poliertem Grunde von ,,Tho[ma] s 
White . . . London" erbaut; aus den zwanziger Jahren des 19. Jahr- 
hunderts. Das Instrument ist in Palisander fourniert; das ganze AeuBere 
ist mit Messingeinlagestreifen versehen. Der Unterrahmen ist nach 
innen bogenformig eingebaut und zu beiden Seiten von spitzbeinahn- 
lichen Tragern mit kapitalartigen Blattschnitzereien flankiert. Die Zier- 
leiste fiber der Klaviatur ist von Messingadern eingefaBt und mit Gold- 
ornamentmalereien geschmiickt. 

Das Klavier hat zweichorige, in grader Richtung verlaufende Be- 
saitung und die bei diesen aufrechtstehenden Instrumenten iibliche 
Mechanik. Es sind zwei holzerne Pedale fur Piano und Forte vor- 
handen. Umfang der Klaviatur: Contra-F-f 4 (sechs Oktaven). Die 

Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Hohe 1,86 m, Breite 1,12 m, Tiefe 54 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 281. 

No. 153. Aufrechtes Hammerklavier in Form eines Schreib- 
sekretars („Piano-Sekretar") 

aus den dreiBiger Jahren des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. Das schone Instrument ist in Mahagoni fourniert und 

im Empirestil ausgestattet; es ist durch eingelegte Adern von Ahorn- 
holz und Bronzebeschlage reich verziert. Die gauze Vorderwand weist 
nach Art eines Zylinderbureaus vier markierte („blinde") Schubladen 
unci eine groBe Schreibplatte auf. Beim Oeffnen der Schreibplatte wird 
die Klaviatur freigelegt und schiebt sich mit den Tastenhebeln unter die 
Abstrakte der Mechanik. Die Mechanik wird durch eine schone Aquarell- 
malerei, eine Kopie der beriihmten „aldobrandinischen Hochzeit", ver- 
deckt. 1 ) Der Rahmen, in dem sich das Bild befindet, ist aus Mahagoni- 
holz und mit Quadern und Bronzebeschlagen verziert. 

Die Besaitung des Klaviers ist schrag verlaufend und dreichorig, 
nur in der Contra-Oktave zweichorig. Die Mechanik ist die bei den 
aufrechtstehenden Instrumenten iibliche. Es ist ein Forte- und ein 
Piano-Pedal vorhanden. Umfang der Klaviatur: Contra-E — g* (sechs 
Oktaven und Terz). Ausstattung der Tasten wie bei No. 152. 

Hohe 1,67 m, Breite 1,23 m, Tiefe 43 cm. 

Abbildungen auf Seite 156. 

No. 154. Tafelklavier („Piano carre"), 

laut eingelegter Inschrift in der Mitte der Zierleiste von „PAPE 
PARIS" erbaut. AuBerdem findet sich in der rechten Ecke des Resonanz- 
bodens eine weitere Inschrift, aus der hervorgeht, daB das Klavier aus 
dem Jahre 1836 stammt. — Das stattliche Instrument ist in Palisander 
fourniert und mit Messingadern verziert; es ruht auf vier schweren 
volutenartigen Stiitzen mit Messingrollen. H inter den Pedalen ist eine 
aus zwei Voluten gebildete „Pedallyra" angebracht. Die Zierleiste 
oberhalb der Klaviatur ist mit Ahornfournieren geschmiickt. 



] ) Das bekannte schone Gemalde, das wahrscheinlich aus dem Zeitalter des 
Kaisers Augustus stammt, gehorte zuerst dem Kardinal Aldobrandini, kam zu Anfang 
des 19. Jahrhunderts durch Erbschaft in den Besitz der Familie Borghese und wurde 
1818 von der Vatikanischen Bibliothek erworben. 



Hammerklaviere No 154—157 



Das Piano hat zweichorige Besaitung und die Pape'sche ober- 
schlagige Mechanik (vgl. Bemerkung zu No. 142 u. 208 des Katalogs). 
Es ist ein Piano- und ein Forte-Pedal vorhanden. Zur Schallabdampfung 
sind iiber die Saiten zwei mit je drei Schallochern versehene Holz- 
platten gelegt. Umfang der Klaviatur: Contra-C— P (sechs Oktaven 

und Quarte). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten 
sind aus Ebenholz. 

Breite 1,84 m, Tiefe 84 cm, Hohe 86 cm. 

Abbildung auf Seite 155; Nachbildung der Inschrift auf Seite 248. 

No. 155. Pianino (aufrechtes Hammerklavier), 

laut Inschrift in der Mitte der Zierleiste iiber der Klaviatur von „Ferdi- 
nand Stein / Burger in Wien" erbaut; aus den dreiBiger Jahren des 
19. Jahrhunderts. — Das Instrument ist in dunkelgebeiztem Kirschbaum 
fourniert. Die von Saulen flankierte obere Fullung ist mit einem schonen 
Oeldruck geschmiickt, der ein Zither spielendes Madchen im Abend- 
sonnenschein darstellt; zu beiden Seiten des Bildes sind Spiegel ange- 
bracht. Der ganze auBere Rand des Gehauses ist von Perlstabchen 
umsaumt. Den unteren Rahmen bildet eine Doppeltiir. 

Das Pianino hat zweichorige, in grader Richtung verlaufende Be- 
saitung und die bei diesen aufrechtstehenden Instrumenten iibliche 
Mechanik. Es sind zwei holzerne Pedale fiir Piano und Forte vor- 
handen. Umfang und Ausstattung der Klaviatur wie bei No. 154. 

Hohe 1,81 m, Breite 1,22 m. tiefe 66 cm. 

Abbildung auf Seite 159; Nachbildung der Inschrift auf Seite 271. 

No. 156. Pianino, 

laut lithographierter Golddruck-Vignette von „Adolph jbach Sonne in 
Barmen" erbaut; nach Mitteilung der Firma jbach i. J. 1840 als einund- 
zwanzigstes Pianino fertiggestellt. Das einfach ausgestattete Instrument 
ist in Mahagoni fourniert; die Klaviatur runt auf zwei volutenartigen 
Konsolstiitzen. Das Gehause ist durch eingelegte Adern von Ahornholz 
verziert. Die Zierleiste oberhalb der Klaviatur und die Klaviaturbacken 
sind in Palisander fourniert. 

Das Pianino hat in der Contra-Oktave ein-, im iibrigen zwei- 
chorige Besaitung und eine dem modernen Pianino nahekommende 
Mechanik. Zur rechten Seite der Zierleiste ist ein Hebel angebracht, 
vermittels dessen die Hammer fest an die Saiten gedri'ickt werden konnen, 
so daB das Instrument zu Uebungszwecken auch als stummes Klavier 
benutzbar ist. Urspriinglich war auch wie bei dem Pianino No. 159 - 
eine Transponiervorrichtung vorgesehen. Es ist ein Piano- und ein 
Forte-Pedal vorhanden. Umfang der Klaviatur: Contra-F— f 4 (sechs 
Oktaven). Ausstattung der Tasten wie bei No. 154. 
Hohe 1,14 m, Breite 1,13 in, Tiefe 59 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 237. 

No. 157. Pianino, 

laut eingelegter Inschrift ebenfalls von „JBACH" (Adolph Jbach Sohne 
in Barmen) erbaut; aus derselben Zeit wie das unter vorhergehender 
Nummer beschriebene Pianino. Das Instrument istgleichfalls in Mahagoni 
fourniert; der Oberrahmen ist mit dunkelgriinem Stoff bespannt. Im 
iibrigen entspricht das Instrument dem vorhergehenden Pianino. 
Hohe 1,13 m, Breite 1,13 m, Tiefe 61 cm. 



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No. 158. Hammerklavier in h'orm eines Teetischs 

von Ferd. Mathuscheck, Worms 1840. 

In geschlossenem nnd geoffneteni Znstande. 

(Die nntere Abbildung in etwas groBerem MaBstabe.) 

Text: Seite 161. 



Hamm erklaviere No. 158 u 159 ^^^^^ 161 

No. 158. Hammerklavier in Form eines Teetischs, 

laut in Goldbronze aufgetragener Inschrift in der Mitte der Zierleiste 
von „F. Mathuscheck, in / WORMS" erbaut; aus d em J ah re 
1840. - Das eigenartige Instrument gleicht in geschlossenem Zustand 
vollig einem achteckigen Tisch. Es ist in (sogen. Pyramiden-) Mahagoni 
fourniert und ruht auf einem schweren reich geschnitzten pfeilerartigen 
Untergestell, das in vier gewundene FiiBe auslauft. Urn den ganzen 
auBern Rand des Tisches lauft ein geschnitzter vergoldeter Fries, auBer- 
dem ebenso wie um die Vorderseite des Deckels Perlstabchen 

sowie eingelegte Adern aus Ahornholz. Die Klaviaturbacken sind mit 
Schnitzereien versehen. 

Sobald der Deckel, der die Halfte der Tischplatte bildet, zuriick- 
geschlagen wird, schiebt sich die Klaviatur selbsttatig vor; beim SchlieBen 
des Deckels gleitet sie wieder in derselben Weise zuriick. 

Das Klavier hat in der Contra-Oktave einchorige, in der groBen 
Oktave zwei- und im iibrigen dreichorige Besaitung und Wiener 
Mechanik; der Resonauzboden liegt iiber den Saiten. Der Eisenrahmen 
wird durch vier iiber dem Resonanzboden liegende eiserne Spreizen ver- 
starkt. Behufs Aufziehen neuer Saiten laBt sich der Rahmenbau 
mit dem Resonanzboden durch eine an der rechten Seite angebrachte 
Kurbelvorrichtung in die Hohe heben. Es ist ein Pedal vorhanden, 
das durch Aufheben der Dampfung als Fortezug wirkt. - - Umfang der 
Klaviatur: Contra-F — g 4 (sechs Oktaven und ein Ton). Die Untertasten 
sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,30 m, Tiefe 1,23 m, Hohe 82 cm. 

Abbildungen auf Seite 160; Nachbildung der Inschrift auf Seite 242. 

Laut Mitteilung der noch heute in New York bestehenden Firma ,,Mathushek 
& Son Piano-Co" an die Firma Jbach ist das vorliegende Instrument das erste 
von dem Begriinder des Hauses, Ferdinand Mathuscheck, erbaute Instrument. Der 
erste, der derartige Tischklaviere verfertigte, war Mathuschecks Lehrherr Pape in 
Paris (1835); er nannte sie „Pianos exagones en gueridon", d. h. sechseckige Pianos 
nach Art eines Leuchtertisches. Ueber das „theetischformige Piano" heiBt es in 
Welcker's von Gontershausen Buch: ,,der Fliigel oder die Beschaffenheit des Piano's" 
(Frankfurt a. M. 1856) S. 17: „Dieses Clavier eignet sich besonders fiir die Mitte des 
Zimmers, und hat das Angenehme, daB viele Personen um dasselbe herumsitzen, 
und alle dem Spieler oder der schonen Spielerin in das Gesicht sehen konnen . . ." 

No. 159. Pianino mit Transponier-Einrichtung, 

laut eingelegter Inschrift von „AD. JBACH SOHNE IN BARMEN 
erbaut; aus dem Jahre 1841. Das einfach ausgestattete Instrument ist 
in Palisander fourniert und im AeuBeren wie das Pianino No. 156 aus- 
gestattet. 

Wie No. 156 u. 157 hat es in der Contra-Oktave einchorige, im 
iibrigen zweichorige Besaitung und eine dem modernen Pianino nahe- 
kommende Mechanik. Durch einen an der rechten Seite der Zierleiste 
angebrachten Hebel, der sich in drei verschiedene Einschnitte einstellen 
laBt, kann die Klaviatur zum Zwecke des Transponierens um je einen 
halben Ton im ganzen also um eine kleine Terz--nach der Hohe 
zu verschoben werden. Es ist ein Piano- und ein Forte-Pedal vor- 
handen. Umfang der Klaviatur: Contra-D bezw. Contra-F) — d 4 
(bezw. -f 4 ) (sechs Oktaven. Die Untertasten sind mit Elfenbein be- 
legt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Hohe 1,15 m, Breite 1,18 m, Tiefe 55 cm. 



11 



Hammerklaviere No. 160-162 



No. 160. Pianino, 

laut eingelegter Inschrift von „H. Caspersohn & Comp. RENDSBURG" er- 

baut; in der rechten oberen Ecke des Stimmstocks findet sich auBerdem 
die Inschrift „C. I. MALMGREN No. 518" eingepreBt. Aus dem Anfang 
der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Das sehr reich ausgestattete 
Instrument ist in Palisander fourniert. Die obere Fiillung ist mit roter 
Seide hinterspannt und mit schonen ornamenlalen Laubsagearbeiten 
verziert sowie von Messingadern und Perlmuttersternen eingefaBt. Der 
Deckel iiber der Klaviatur ist mit verschiedenenartigen Metalleinlagen 
geschmiickt; ebenso ist die Zierleiste mit schonen Intarsien von Pali- 
sander in Ahorn verziert. 

Das Pianino hat im BaB zweichorige, im Diskant dreichorige 
Besaitung sowie eine der modernen nahekommende Mechanik. Es ist 
ein Piano- und ein Forte-Pedal vorhanden. Umfang der Klaviatur: 
Contra-C— g 4 (sechs Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit 
Elfenbein belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Hohe 1,57 m, Breite 1,25 m, Tiefe 56 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 214. 

No. 161. Pianino 

mit eingelegter Inschrift: „G. W. Kuper & Co. / BOCKENHEIM / FRANK- 
FURT a M"; aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das einfach ausge- 
stattete Instrument ist in NuBbaum fourniert. Der Oberbau des Gehauses 
stuft sich treppenartig ab. Der Oberrahmen ist mit dunkelgriiner Seide 
bespannt; die Klaviatur ruht auf zwei konsolartigen Stutzen. 

Das Pianino hat in der Contra-Oktave ein-, fur die Tasten C — a J 
zwei- und im (ibrigen dreichorige, schrag verlaufende Besaitung sowie 
eine erneuerte Mechanik, die den Pianinos jener Zeit entspricht. Pedale, 
Umfang und Ausstattung der Klaviatur wie bei No. 160. 

Hohe 1,07 m, Breite 1,39 m, Tiefe 54 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 238. 

No. 162. Tafelklavier 

mit lithographierter Inschrift „Samuel Meissner IN / Wien" (Handler; 
Erbauer ist laut Inschrift auf dem Stimmstock die Firma „Brizzi e 
Niccolai" in Florenz). Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. — Dasstattliche 
Instrument ist in NuBbaum fourniert und ruht auf viergedrehten Beinen mit 
Messingrollen. Hinter den Pedalen ist eine dekupierte Lyra angebracht. 
Das Klavier hat in der Contra-Oktave ein-, fur C— b 1 zwei- und 
im iibrigen dreichorige Besaitung sowie Wiener Mechanik. Die Be- 
saitung ist kreuzsaitig: wahrend die BaBsaiten in schrager Richtung 
angeordnet sind, verlaufen die Diskantsaiten von b' ab (mit Ausnahme 
der Saiten fur die hochste Oktave) in gekreuzter Richtung unter den 
BaBsaiten. — Es sind vier Pedale vorhanden: Fagott-, Forte-, Pianozug 
und Pauke mit Glocken. Umfang der Klaviatur wie bei No. 160 

u. 161. Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Eben- 
holz belegt. 

Breite 1,80 m, Tiefe 90 cm, Hohe 92 cm. 

Abbildung auf Seite 159; Nachbildung der Inschrift auf Seite 242. 
Das „kreuzsaitige System", nach dem hente sowohl Pianos wie auch Fliigel 
fast ausschlieBlich hergestellt werden, wurde zueist 1835 von Boehm in London und 
1839 von Pape in Paris angewendet, kam jedoeh erst im letzten Viertel des 19. Jahr- 
hunderts iiber dem Umweg von Amerika (Steinway) zu allgemeiner Aufnahme. 



Hammerklaviere No 163 u 164 ^a^^f^f^^S 163 

No. 163. Pianino (Aufrechtes Hammerklavier) 

aus der Mitte des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Instrument ist englischen Ursprungs und sehr reich, wenn auch 
etwas iiberladen und mit wenig Geschmack, ausgestattet. Die Mischung 
gothischer, barockisierender, empireartiger und chinesischer Motive weisen 
auf den in der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts beliebten und ver- 
breiteten Mobelstil des Englanders Chippendale hin. Vielleicht stammt 
das Gehause des Instruments aus friiherer Zeit, und Klaviatur und 
Mechanik sind sparer erneuert worden. — Das Instrument ist in 
Mahagoni, teilweise auch in Ahorn und Palisander fourniert. Die obere 
Fiillung, die als Tur gestaltet ist, zeigt auf der Aufienseite erne nach 
Art eines Triptychons eingeteilte Malerei auf Leinwand, die in der 
Mitte Pallas Athene und zu beiden Seiten die Musen der Malerei und 
der Musik darstellt; die Innenseite ist ebenfalls mit einer Malerei ge- 
schmiickt: sie stellt den Lyra spielenden Apoll mit den drei Grazien 
dar. Oberhalb der Klaviatur befindet sich eine zweite reich verzierte 
Fiillung, die als sogenannter ,Jalousie-Schweller" eingerichtet ist. Die 
untere Fiillung zeigt eine gemalte Blumengirlande mit zwei Bronze- 
beschlagen. Die Klaviatur wird von vergoldeten Konsolstiitzen getragen; 
als Kronung des Ganzen dient ein pagodenartiger mit Goldornamenten 
bemalter Aufsatz. Die rechte Seite des Innern ist als dreifacheriger 
Notenschrank eingerichtet. 

Das Pianino hat in der Contra-Oktave einchorige, in der groBen 
Oktave zweichorige und im iibrigen dreichorige Besaituung sowie 
eine dem heutigen Pianino nahekommende Mechanik. Es sind zwei 
Pedale vorhanden: ein Pianozug, der durch Vorschieben einer mit Filz 
besetzten Leiste und ein Fortezug, der durch Aufheben der Dampfung 
in Verbindung mit dem bereits erwahnten Jalousie-Schweller (vgl. No. 126) 
wirkt. - Umfang der Klaviatur: Contra-F— a 4 (sechs Oktaven und Terz). 
Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt; 
samtliche Tasten zeigen gravierte Verzierungen. 
Hohe 2,35 m, Breite 1,20 m, Tiefe 58 cm. 

Abbildungen auf Seite 165. 
Das Instrument wurde in Turin aufgefunden und stand vorher in einem SchloB 
in Piemont. Eine Beschreibung findet sich in der ,,Zeitschrift fur Instrumentenbau", 
XIV. Band, No. 32 (Seite 774-776); doch erscheint die darin ausgesprochene Ansicht, 
das vorlieg'ende Instrument ware in seiner Ausstattung als „Muster des Empirestils" 
anzusehen, anfeehtbar. 

No. 164. Kleines Pianino („Pianet"), 

laut Inschrift auf eingelegtem Ahornschild in der Mitte des Klaviatur- 
deckels von: „. . P. Mangeot, . . A NANCY" erbaut; etwa aus dem 
Jahre 1860. Das Instrument ist in Mahagoni fourniert. Der Unter- 
rahmen ist spitzbogenartig ausgebuchtet und zu beiden Seiten mit einer 
Schnitzerei verziert. 

Das Pianet hat in der tiefsten Oktave zweichorige, im iibrigen 
dreichorige, schrag verlaufende Besaitung und eine dem modernen Pianino 
ahnliche Mechanik; nur sind die Stofier mittels Achsen in den Hammer- 
nussen befestigt und die Ausloser befinden sich auf den Tastenhebeln. 
Es ist von eigenartiger, aber praktischer Bauart: es setzt sich aus 
zwei Hauptteilen zusammen, die durch ein an der linken Seite des 
Gehauses angebrachtes Scharnier miteinander verbunden sind. Den 
hinteren Teil bildet das Gehause mit dem Rahmenbau, wahrend der 
vordere Teil aus Klaviatur, Mechanik und Unterrahmen besteht. 



164 ^5Ha51S:^ Hammerklaviere No. 164 u. 165 

Dieser Vorderbau laBt sich bei notig werdenden Reparaturen, beim Auf- 
ziehen neuer Saiten usw. gleich einer Tiir offnen, so daB man bequem an 
alle Teile der Mechanik und des Resonanzbodens gelangen kann. — Es ist 
ein Forte-Pedal vorhanden, das zur linken Seite in der Ausbuchtung des 
Unterbaues liegt. 

Umfang der Klaviatur: Contra- F — f ! (sechs Oktaven). Die Unter- 
tasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Hohe 1,01 m, Breite 1,32 m, Tiefe 51 cm. 

Abbildung (mit aufgeklappter Riickwand) auf Seite 166; 

Nachbildung der Insehrift auf Seite 241. 
Pianino 

in Verbindung mit Reproduktions- Mechanik von Debain in Paris 

(c. 1870) s. in der Abteilung „Mechanische Musikinstrumente" (2. Band). 

No. 165. Pianino mit chromatischer Klaviatur, 

laut eingelegter Insehrift auf der Innenseite des Deckels von „RUD. 1BACH 
SOHN IN BARMEN" erbaut. Das eigenartige Instrument ist im Jahre 1876 
fur den Verein „Chroma" erbaut worden, der sich die Einfuhrung des 
„chromatischen" oder „gleichstufigen Tonsystems" zur Aufgabe gestellt 
hatte. Dieses System basiert auf der Aufhebung der gebrauch lichen 
Grundskala, an deren Stelle die Teilung der Oktave in zwolf gleiche 
den Halbtonen entsprechende Tonstufen tritt. 

Das einfach ausgestattete Pianino ist aus imitiertem Ebenholz; die 
Klaviatur wird von zwei Konsolstiitzen getragen. Es hat im BaB ein- 
und zweichorige, im Diskant dreichorige Besaitung und moderne 
Mechanik. Die Klaviatur ist wie bei der unlangst aufgekommenen 
„Clutsam"-Klaviatur bogen- oder strahlenformig angeordnet, 1 ) aber 
mit dem Unterschied, daB Ober- und Untertasten nicht wie gewohnlich 
auf Grund der diatonischen Tonleiter sondern nach dem chromatischen 
System gruppiert sind d. h. sich in ununterbrochener Reihe ablosen. 
Die Tasten F, G, A und H sind daher stets als Obertasten, Fis, Gis und 
B stets als Untertasten vorhanden. Selbstverstandlich wird durch diese von 
der Norm abweichende Anordnung der Klaviatur das Spiel ungemein er- 
schwert, und die Technik mi'iBte vollstandig „umgelernt" werden. Die 
Vorziige, die die chromatische vor der gewohnlichen Klaviatur besitzt, 
bestehen in der groBeren Leichtigkeit weiterer Griffe — dieSpannung einer 
Dezime entspricht einer Oktave auf der gewohnlichen Klaviatur -- und 
in dem Umstand, daB fur samtliche Tonleitern, je nachdem eine Unter- 
oder Obertaste den Grundton bildet, nur zwei Fingersatze (allerdings mit 
haufiger Anwendung des Daumens auf Obertasten) erforderiich sind. 

Unterhalb der Klaviatur befindet sich eine zum Zwecke mecha- 
nischen Transponierens verschiebbare Holzleiste, die zur Bezeichnung der 
Tastenlage in Felder eingeteilt ist: helle Felder geben die Lage der Tasten 
C bis E, dunkle Felder die Lage der Tasten F bis H an. Es sind zwei 
Pedale fur Piano und Forte vorhanden. Umfang der Klaviatur: Sub- 
contra-Gis — gis 4 (sieben Oktaven). Ausstattung der Tasten wie bei No. 164. 

Hohe 1,27 m, Breite 1,41 m, Tiefe 70 cm. 



1 1 



Bereits i. J 1824 wurde diese Bauart von den Wiener Instruinentenmacliern 
Georg Staufer und Maximilian Haidinger (oder Kaidinger?) angewendet. Vgl. 
,,Allg. musik. Zeitung", 27 Jahrg. (Leipzig 1825, Sp. 728) und J.Fischhof, ,,Versuch 
einer Qeschichte des Clavierbaues" (Wien, 1853, S. 27): ,,In Beziehung auf die Claviatur 
haben 1824 Georg Staufer und Max. Haidinger ein Patent auf die veranderte Form 
desselben genommen, indem sie sie eingebogen und kreisformig bauten. Doch hatte 
die Erfindung keine weiteren Folgen." 



165 





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166 




No. 164. Kleines Pianino („Pianet") 
von P. Mangeot, Nancy 1860. (Mit aufgeklappter Riickwand.) 

Text: Seite 163. 




No. 166. Kleines Hammerklavier nach kreuzsaitigem System. 
Aus der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts. 

Text: Seite 167. 




No. 168. Orphika, 
anscheinend von Dohnal, Wien. Ca. 1800. 

Text: Seite 16S. 



Hammerklaviere No. 165 u. 166 ^^^^^ 167 

Versuche zur Konstruktion einer chromatischen Klaviatur sind bereits mehrfach 
im 18. Jahrhundert gemacht worden ; schon im Jahre 1708 erfand der Mathematiker 
Conrad Henfling eine derartige Klaviatur, die im ersten Band von Matthesons 
,,Critica musica" (Hamburg 1722) beschrieben wird. GroBe Aehnlichkeit mit dem 
spateren Chroma-System besaB die chromatische Klaviatur, die gegen Ende des 18 Jahr- 
hunderts Johann Rohleder, ein Prediger zu Friedland in Pommern, erfand. Dieser 
iibergab - nach Gerbers ,,Neuem ... Lexikon" (3. Theil, Leipzig 1813, Sp. 904) - 
,,1791 der Konigl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin seine neuen, mit vielem 
Scharisinn erfundenen und erklarten Mittel zur Erleichterung des Klavierspielens 
Selbige bestanden aber 1) in einer Klaviatur, auf welcher Ober- und Untertasten un- 
unterbrochen wechselweise auf einander folgen; 2) in einem neuen Notensystem, welches 
nicht nur die verschiedene Lage der BaB- und Diskantnoten, sondern auch alle Kreutze 
und b vor den Noten aufhebt; 3) in einem zu seiner neuen Tastatur gehorigen Ton- 
zeiger, durch dessen Verriickung man sogleich transponiren kann, ohne die Applikatur 
verandern zu di'irfen ....". Im nachsten Jahre (1792) gab er zu Konigsberg eine 
Schrift folgenden Titels heraus: ,, Erleichterung des Klavierspielens, vermoge einer 
neuen Einrichtung der Klaviatur und eines neuen Notensystems." 

Diese Versuche Rohleders, deren Prioritatsrecht anscheinend dem Mathematiker 
und Musikschriftsteller Johann Georg Gotthelf Hiibsch in Schul-Pforta gebiihrt 
(vgl. hieriiber Gerbers „Neues ... Lexikon", 2. Theil, Sp 737-740), wurden immer 
wieder aufs neue aufgenommen ; z. B. im |ahre 1810 von dem philosophischen Schrift- 
steller und Musiktheoretiker Karl Christ. Fr. Krause (1781 — 1832; vgl. „Allg. musik. 
Zeitung", 12. Jahrg. No. 41). Groves Lexikon erwahnt eine von dem Englander William 
A. B. Lunn unter dem Namen Arthur Wallbridge i. J. 1843 erfundene und praktisch 
erprobte „Sequenz-Klaviatur", die auf dem chromatischen Prinzip beruhte; in Deutsch- 
land war es K. B. Schumann, ein Arzt in Rhinow bei Rathenow, der die Idee des 
chromatischen Systems neu belebte und nach groBen personlichen Opfern hierfiir 
1865 starb. Im Jahre 1876 wurde der Verein des gleichstufigen Tonsystems , .Chroma" 
in Berlin begrundet; die Hauptverfechter seiner Prinzipien waren Heinrich Joseph 
Vincent (geb. 1819 zu Theilheim bei Wiirzburg, gest 1901 zu Wien), Albert Hahn 
(geb. 1828 zu Thorn, gest. 1880 zu Lindenau bei Leipzig), der Begriinder der Vereins- 
zeitschrift ,,Die Tonkunst" (Berlin 1876), und Melchior Sachs (geb. 1843 zu Mittelsinn 
in Unterfranken). Die ersten Klaviere mit „chromatischer Klaviatur" baute Paul 
Preufi in Berlin; ihm folgten eine Reihe angesehener Fabriken wie J bach in Barmen, 
Schiedmayer in Stuttgart u. a. Heute ist das gleichstufige Tonsystem wieder ziemlich 
von der Tagesordnung verschwunden. Eine sinnreiche Weiterbildung der chromatischen 
Klaviatur wurde 1882 von Paul von Janko unternommen (vgl. No. 238-240 des 
Katalogs); doch gelang es bisher trotz mancher Erfolge auch dieser Klaviatur nicht, 
das jahrhundertelang bewahrte System der gebrauchlichen Klaviaturanordnung irgend- 
wie zu erschiittern. 

Vgl: Alb. Hahn, „Zur neuen Klaviatur" (Konigsberg 1875); H. J. Vincent, 
„Die Neuklaviatur" (Malchin 1875); Otto Quanz, ,,Zur Geschichte der neuen chroma- 
tischen Klaviatur" (Berlin 1877), die Zeitschrift „Die Tonkunst" (Berlin 1876 f.) etc. 

No. 166. Kleines Hammerklavier 

in Form eines Nahkastens; ohne Namen des Erbauers. Wahrscheinlich 
eine Lehrlingsarbeit aus der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts. Das 
Gehause ist aus Erlenholz und dunkel poliert. 

Das Instrument hat in der tiefsten Oktave einchorige, im ubrigen 
zweichorige Besaitung nach kreuzsaitigem System und Wiener Mechanik. 
Die eiserne Anhangeplatte ist durch zwei gekreuzte Spreizen verstarkt. - 
Umfang der Klaviatur, die wie bei No. 145 zum Gebrauch heraus- 
gezogen wird: f'-i 4 (drei Oktaven). Die Untertasten sind mit Bein 
belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 
' Breite 55 cm, Tiefe 36 cm, Hohe 17 cm. 

Abbildung auf Seite 166. 

Stunime Hammerklaviere siehe No. 214 und No. 369. 



Orphikas No. 167 u. 168 



Eine niedliche Abart des Hammerklaviers bildet die 1795 von Carl 
Leopold Rollig in Wien erfundene 

Orphika, 

ein kleines Klavierinstrument, das ahnlich der Guitarre oder Laute beim Spielen 
um die Schulter gehangt oder gleieh dem ilalienisehen Oktavspinett („Spinettina 
da serenata") auf den SchoB gelegt wurde; es fand besonders bei den in 
damaliger Zeit beliebten Serenaden Verwendung. Die Besaitung liegt oberhalb 
des Gehauses, dessen Decke als Resonanzboden dient. Den Namen erhielt das 
Instrument — wie der Erfinder berichtet - „wegen der Form, die mit der Lyra 
des Orpheus einige Aehnlichkeit hat". 1 ) 

Es war in der Empirezeit ziemlich verbreitet und beliebt, geriet dann 



aber bald in Vereessenheit. 



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No. 167. Orphika, 

Wiener Arbeit aus den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Das schmucklose Instrument ist aus dunkel poliertem 
NuBbaumholz verfertigt. 

Es hat einchorige Besaitung und Wiener Mechanik mit Messing- 
kapseln und Auslosung. -- Umfang der Klaviatur: c— f 2 (zwei Oktaven 
und Quarte). Die Untertasten sind schwarz lackiert, die Obertasten sind 
mit Bein belegt. 

Breite 1,02 m, Tiefe 33 em, Hohe 1 1 '/•_> cm. 

In der in der FnBnote bereits erwahnten Broschiire ,,ORPHICA" (Wien 1795) 
heiBt es im Anhang: „Die Verfertignng geschieht unter der Anfsicht des Erfinders." 
Anscheinend war der Wiener Klavierbaner Dohnal der Verfertiger der Instrnmente. 
(Vgl. Seite 223 des Katalogs.) 

No. 168. Orphika 

mit gravierter Inschrift auf einem kleinen Elfenbeinschild: „Clem. [sic! 
statt „CarI Leopold"] Rollig Invent."; aus dem Anfang des 19. Jahr- 
hunderts. Das hiibsche Instrument ist in Mahagoni fourniert. Die 
Vorderleiste des Rahmens ist mit Elfenbeinadern und rautenformigen 
Elfenbeinplattchen eingelegt. Das Namensschild ist von messingenen Perl- 
stabchen eingefaBt; der untere Rand des Gehauses ist von einer Ahorn- 
ader umsaumt. 



') Vgl. die in der Bibliothek des Museums befindliche Broschiire „ORPHICA. / 
Ein / musikalisches Instrument. / Erfunden von ' C. L. Rollig. .... Mit Kupfern. / 
Wien, / bey Blumauer 1795", sowie den Orphika und Orphikaspieler darstellenden 
Kupferstich von C. Miiller 1796. — Carl Leopold Rollig (geb. um 1740) war zuerst 
Musikdirektor in Hamburg und von 1797 ab Beamter der Hofbibliothek zu Wien, 
wo er am 4. Marz 1804 starb. Er beschaftigte sich viel mit mechanischen Experimenten; 
so verbesseite er 1780 die Glasharmonika und machte sich auBer durch die Orphika 
i. J. 1801 auch durch die Erfindung der ,,Xanorphika", eines „musikalischen Geigen- 
bogen-Instruments mit einer Klaviatur", bekannt. Auch als Musikschriftsteller, Kom- 
ponist und Harmonika -Virtuose ist er hervorgetreten; vgl. die ausfiihrliche Lebens- 
beschreibung des vielseitigen Mannes in Gerbers ,,Neuem Lexikon der Tonkiinstler" 
(3. Teil, Leipzig 1813, Sp. 895 f.) 



Orphikas No. 168 u 169 



169 



No, 



Besaitung und Mechanik entsprechen dem unter vorhergehender 
Nummer beschriebenen Instrument. AuBerdem ist eine sog. „Flageolett"- 
Vorrichtung vorhanden : eine Leiste, die mit der linken Hand bedient 
wird und durch leichtes Andrucken von zugespitzten federnden Filz- 
stiickchen auf die Mitte der Saiten die hohere Oktave des betreffenden 
Tones zum Erklingen bringt. Umfang der Klaviatur: e — g'-' (zwei 

Oktaven und Terz). Die Untertasten sind mit Bein belegt, die Ober- 
tasten sind aus Ebenholz. 

Breite 1,02 m, Tiefe 24 cm, Hohe 8V» cm. 

Abbildung auf Seite 166. 

169. Orphika, 

ebenfalls Wiener Arbeit aus dem Anfang des 19.Jahrhunderts. Das mit 
einem mit Seidenstickerei geschmuckten Tragband versehene Instrument 
ist in Mahagoni fourniert und mit Einlagen von Messing und Bein ver- 
ziert. Im iibrigen entspricht es der unter voriger Nummer beschriebenen 
Orphika, nur besitzt es keine Flageolettvorrichtung. Umfang der Klaviatur: 
c— c 3 (drei Oktaven). Die Untertasten sind mit Bein belegt, die Ober- 
tasten sind schwarz srbeizt. 



Breite 



1,05 



m, Tiefe 27 cm, Hohe 9 1 -• cm. 



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Orphika-Spieler. 
Nach einem Kupferstich von C. Miiller a. d. J. 1796. 



Hammerflugel No. 170 



HAMMERFLOGEL. 

No. 170. Hammerflugel 

mit folgender in schwarzer Farbe aufgetragener Inschrift auf dem 
unteren Teil des Vorsetzbretts uber der Klaviatur: „BARTH0L0MAEVS 
DE' CHRISTOPHORIS PATAVINVS INVENTOR FACIEBAT FLORENTIAE 
M.DCCXXVI" (1726). 

Der Fliigel ist von unschatzbarem historischem Wert: 
es ist der zweite der beiden erhaltenen Hammerflugel, 
die von dem Erfinder des Hammerklaviers erbaut worden 
sind, und der einzige, der sich noch vollig in urspri'inglichem 
Zustande befindet. 1 ) 

In der auBeren und inneren Anlage erinnert das Instrument noch 
stark an einen Kielfliigel; gleich den meisten Cembali italienischer Her- 
kunft steht es in einem besonderen Kasten, der fast genau dem Kasten 
des Cembalo aus demselben Jahre (No. 85 des Katalogs) entspricht: er 
weist auBen ziegelroten, innen hellblauen Anstrich auf und ist an den 
Randern vergoldet; die rechte Seitenwand sowie das VerschluBbrett an 
der Klaviatur sind rot lackiert und mit hubschen chinesischen Gold- 
malereien geschmiickt. Der Kasten ruht auf drei im Barockstil gehal- 
tenen bemalten und reich geschnitzten Beinen, deren beide vordere 
durch eine vergoldete Holzschnitzerei mit einander verbunden sind. 
Das schmucklose Gehause des Fliigels ist aus Zypressenholz. Die 
Klaviaturbacken sind in Ebenholz fourniert und mit zwei Ebenholz- 
knopfen versehen (s. u. Seite 173). 

Die Besaitung ist zweichorig. Cristofori's geniale Mechanik ent- 
halt, wie schon Seite 115 erwahnt, bereits alle wesentlichen Teile der 
modernen Flugelmechanik: belederte Hammerchen, die auf einer be- 
sonderen Leiste--dem sog. „Hammerstuhl" - - aufgereiht sind, beweg- 
liche StoBzungen zur Ermoglichung der sog. „Auslosung", wodurch die 
Hammer sofort nach dem Anschlag in ihre friihere Lage zuriick- 
geschnellt werden, unter den Hammern liegende Hebelarme, die die 
Hammernusse beriihren, Fanger zur Verhinderung eines harten Auf- 
fallens der Hammer sowie Einzeldampfer zum sofortigen Abdampfen 



der Saiten nach erfolgtem Anschlag. 

Es hat den Anschein, als ob Cristofori die flache Bauart des 
Kielfliigels beibehalten wollte, wodurch sich die ungiinstige Anlage des 
Stimmstocks erklaren lieBe, der naturgemaB vermoge des starkeren Saiten- 
bezugs groBere Dicke als bei dem Cembalo benotigte. Um Raum fur 
das Hammerwerk zu gewinnen, muBte Cristofori den Stimmstock in 
entsprechender Hohe oberhalb des Resonanzbodens anbringen; in- 
folgedessen sind die Wirbel — ahnlich wie bei der Harfe - durch den 
Stimmstock gebohrt und die Saiten auf der unteren Seite des Stimm- 
stocks aufgespannt. Gleich dem Stimmstock ist die den inneren Ge- 
hauserand umziehende Anhangeplatte aus entsprechend starkerem Holz 



') Nur zwei ganz geringfiigige Ausnahmen sind zu erwahnen: die tiefste Unter- 
taste C und der Dampfer fiir die Taste h 2 sind im 19. Jahrhundert erneuert worden. — 
Auf der BaBbacke des Hammerstuhls findet sich die handschriftliche Bezeichnung 
„XX"; vielleicht war das Instrument der zwanzigste von Cristofori erbaute 
Hammerfl iigel. 



171 



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„Hammerstuhl" zu No. 170. 

(Urform der StoBzungen- [spateren ,,englischen"] Mechanik.) 




„Schlitten" zu No. 170. 
(Cristofori-Hammerfliigel, Florenz 1726.) 

Text: Seite 170. 




No. 215. Modell der Mechanik Cristoforis. 
Text: Seite 199. 



Hammerflugel No. 170 u. 171 ^^)^^^ 173 

als beim Cembalo hergestellt. - Die Hammerkopfe sind nicht aus Holz 
sondern aus ringformig zusammengerollten und an der Anschlagstelle 
belederten Pergamentstreifchen gefertigt, die auf kleinen am Hammerstiel 
befestigten Holzklotzchen ruhen. An Stelle des bei dem Kielfliigel im 
Resonanzboden angebrachtenSchallochs ist das unterhalb des Resonanz- 
bodens befindliche VersehluBbrett mit vier runden Schalloffnungen 
versehen. - - Zur Erzielung einer Pianowirkung ist die Klaviatur mittels 
zweier an den Backen angebrachter Knopfe nach dem BaB zu verschieb- 
bar, so daB die Hammer nur zum Anschlagen einer Saite („una corda") 
gebracht werden konnen. 

Die Tastenhebel, der seitliche und obere Teil der Hammernusse 
und die Dampfer weisen die eigenhandige Originalbezifferung (1 — 49) 
Cristoforis auf, die sich also im Innern des Fliigels im ganzen vier- 
mal findet. - - Umfang der Klaviatur: C-c 3 (vier voile Oktaven). Die 
Untertasten, deren hubsch ausgedrehte Stirnkanten mit Ebenholz hinter- 
legt sind, sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Palisander belegf. 

Lange 2,50 m, Breite 91' 2 cm, Hohe 97' ,2 cm. 
Abbildungen auf Seite 171 u. 172; Nachbildung der Inschrift auf Seite218. 

Der Fliigel bildet das historisch wertvollste Objekt des Museums; er 
stammt aus dem Besitz einer Patrizierfamilie zu Modena und wurde auf der 
zu Ehren Cristoforis im Jahre 1876 in Florenz veranstalteten Ausstellung 
von Baron Kraus erworben. Er ist der einzige Cristofori-Fliigel, der sich 
in einer europaischen Sammlung befindet; den ersten im Jahre 1720 erbauten 
Fliigel besitzt das „Metropolitan Museum of Art" zu New York („Catalogue 
of the Crosby Brown Collection" No. 1219, p. 91—93); doch macht Hipkins 
(„A description and history of the Pianoforte", London 1896, pag. 101) darauf 
aufmerksam, daB dieses Instrument nicht mehr die Original-Hammer besitzt, 
an historischem Wert mithin unserm Fliigel nachsteht. 1 ) Der Fliigel war 
1878 auf der Pariser Weltausstellung ausgestellt, bei welcher Gelegenheit 

er von Hipkins gepriift und gespielt wurde: „this instrument was, 

at that time, in satisfactory playing order: the touch light and agreeable".-) 

No. 171. Hammerflugel, 

laut aufgeklebter Kupferstichvignette auf der linken Seite des Resonanz- 
bodens von „Jean Andre Stein Faiseur d'Orgues, des Clavecins / 
et Organiste a I'Eglise des Minorittes, a Augsbourg 1773" erbaut. — 
Der Fliigel ist aus Kirschbaumholz und ruht auf fiinf gedrehten 
kannelierten Beinen. Der Deckel ist nach Art Silbermann'scher In- 
strumente getafelt. 

Auch dieses Instrument hat hoh en historisch en Wert: 
es ist der alteste bisher bekannt gewordene Fliigel, der 

') Hipkins bringt iibrigens in seinem soeben erwahnten Bnche (vor pag. 99) eine 
Abbildung und (pag. 100) eine Beschreibnng des vorliegenden Fliigels. Bei der An- 
gabe der Inschrift ist ihm ein Versehen unterlaufen: der Wortlaut enthalt - wie aus 
der Nachbildung auf S. 218 des Katalogs ersichtlich — ebeuso wie bei dem NewYorker- 
Flugel vom Jahre 1720 hinter „PATAVINUS" das Beiwort „INVENTOR" [„Erfinder"], 
so daB also seine Angabe „leaving out the word Inventor" auf einem Irrtum be- 
ruht; wahrscheinlich liegt hier eine Verwechselung mit der Inschrift des Cembalo 
No. 85 vor. -- Die Hinzufiigung des Wortes ^Inventor" beweist, daB das Instrument 
als Hamm er- Fliigel von Cristofori gebaut worden ist, also nicht etwa aus einem 
Cembalo spater umgearbeitet sein kann. 

2 ) Siehe Grove's ,, Dictionary" Vol. I (1904) p. 637: „dieses Instrument. . . . 
war zu jener Zeit in befriedigend spielbarem Zustand: der Anschlag war leicht und 
angenehm". 



174 ^^^^ ^ Hammerflugel No. 171 u. 172 

die von Stein erfundene s o g. ,,deutsche Mechanik" mit 
Auslosung besitzt. (Vgl. Seite 117 des Katalogs.) 

Die Besaitung ist zweichorig; die Hammer ruhen in Holzkapseln. 
Die Tasten erhalten ihre Fuhrung noch nicht durch Stifte sondern ebenso 
wie bei den Kielfltigeln durch eine am Riickende der Tasten ange- 
gebrachte, mit facherartigen Einschnitten versehene Leiste. - Es ist ein 
Kniehebel vorhanden, der durch Aufheben der (Einzel-) Dampfung als 
Fortezug wirkt; die Dampfer sind ahnlich wie bei dem unter vorher- 
gehender Nummer beschriebenen Cristofori-Flugel ausgestattet. 

Umfang der Klaviatur: Contra F — f ! (fiinf Oktaven). Die Unter- 
tasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 
Lange 2,16 m, Breite 95 cm, Hohe 88 '/a cm. 
Abbildung auf Seite 175; Nachbildung der Inschrift auf Seite 271. 
Der Flugel wurde in Tirol in der Nahe von Trient aufgefunden. 
In dem bereits S. 119 erwahnten Briefe Mozarts an den Vater in Salzburg 
(vom 17. October 1777) heiBt es : „ . . . . Ehe ich noch vom Stein seiner Arbeit 
etwas gesehen habe, waren mir die Spattischen Clavier die liebsten; nun muB ich 
aber den Steinischen den Vorzug lassen; denn sie dampfen noch viell besser, als die 
Regensburger. Wenn ich starck anschlage, ich mag den Finger liegen lassen, oder auf- 
heben, so ist halt der Ton in dem Augenblick vorbey, da ich ihn horen lieB. ich 
mag an die Claves kommen wie ich will, so wird der Ton immer gleich seyn. er 
wird nicht schebern, er wird nicht starcker, nicht schwiicher gehen, oder gar ausbleiben; 
nut einem Wort, es ist alles gleich. es ist wahr, er giebt so ein Piano forte nicht 
nnter 300 fl: aber seine Miihe und FleiB die er anwendet, ist nicht zu bezahlen. 
seine Instrumente haben besonders das vor andern eigen, daB sie mit Auslosung ge- 
macht sind. Da giebt sich der Hunderteste nicht damit ab - aber ohne Auslosung ist 
es halt nicht moglich daB ein Pianoforte nicht schebere oder nachklinge; seine 
Hammerl, wenn man die Claves anspielt, fallen, in dem Augenblick da sie an die 
Saiten hinauf springen, wieder herab, man mag den Clavis liegen lassen oder auslassen. 
Wenn er ein solch Clavier fertig hat, |:wie er mir selbst sagte:| so setzt er sich erst 
hin, und probirt allerley Pasagen, Lauffe und Springe, und schabt und arbeitet so 
lange bis das Clavier alles thut. Denn er arbeitet nur zum Nutzen der Musique, und 
nicht seines Nutzens wegen allein, sonst wiirde er gleich fertig seyn. Er sagt oft, 
wenn ich nicht selbst ein so passionirter Liebhaber der Musick ware, und nicht selbst 
etwas weniges auf dem Clavier konnte, so hatte ich gewis schon langst die Qedult 
bey meiner Arbeit verloren; allein ich bin halt ein Liebhaber von Instrumenten die 
den Spieller nicht ansetzen, und die dauerhaft sind. Seine Clavier sind auch wirklich 
von Dauer. Er steht gut davor daB der Raisonance-Boden nicht bricht, und nicht springt. 
Wenn er einen Raisonance-Boden zu einem Clavier fertig hat, so stellt er ihn in die 
Luft, Regen, Schnee, Sonnenhitze, und alien Teufel, damit er zerspringt, und dann 
legt er Span ein, und leimt sie hinein damit er recht starck und test wird. Er ist 
vollig froh wenn er springt; man ist halt hernach versichert daB ihm nichts mehr 
geschieht. Er schneidet gar oft selbst hinein, und leimt ihn wieder zu, und befestiget 
ihn recht. Er hat drey solche Pianoforte fertig. ich habe erst heute wieder darauf ge- 

spiellet Die Machine wo man mit dem Knie driickt, ist auch bey ihm 

besser gemacht, als bey den andern. Ich darf es kaum anriihren, so geht es schon; 
und so bald man das Knie nur ein wenig wegthut, so hort man nicht den mindesten 
Nachklang . . . . " 

Vgl. das Faksimile auf Seite 267 u. 268 des Katalogs. 

No. 172. Kleiner Hammerflugel 

mit Inschrift auf dem Vorsetzbrett uber der Klaviatur: ,, Christian Gottlob/ 
Hubert / Hochfiirstlich Anspachischer Hof-Instrumenten- / Bauer 

fecit Anno 1785". — Das htibsch ausgestattete Instrument ist in NuB- 
baum fourniert und ruht auf drei mit Schnitzereien und Bronze- 
beschlagen verzierten geschweiften Beinen. Der Deckel ist nach Art 
Silbermann'scher Instrumente getafelt und dreiteilig zusammenlegbar, 
wodurch beim Spiel ein Abschattieren der Tonstarke ermdglicht wird. 



175 




No. 171. Hammerfliigel 

von Joh. Andreas Stein, 

Augsburg 1773. 

Text: Seite 173. 




Taste zu No. 171 
mit der sogenannten „deutschen Mechanik' 



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Hammerfliigel No. 172-174 ^^^^^ 177 



Das AeuBere ist mit schonen ornamentalen Intarsien und Brandmalereien 
verziert; besonders reich ist die rechte Seitenwand, der Deckel iiber 
der Klaviatur und das Vorsetzbrett ausgestattet. An den Seitenwanden 
sind drei ziselierte Bronzebeschlage mit Handgriffen angebracht. 

Der Fliigel hat zweichorige Besaitung und eine primitive, aber 
eigenartige StoBzungenmechanik') ohne Auslosung: die Hammer sind 
auf einer unterhalb der Dampferleiste liegenden Leiste aufgereiht und 
schlagen die Saiten in der Richtung nach vorn (nach dem Stimmstock 
zu) an. Die StoBer, die die Verbindung zwischen Hammer und Tasten 
bilden und lose auf den Tastenenden ruhen, schnellen beim Niederdriicken 
der Tasten die Hammer gegen die Saiten. — An der rechten Klaviatur- 
backe sind zwei Ziige mit Elfenbeinknopfen angebracht, die durch 
Vorschieben einer mit Filz besetzten Leiste bezw. Aufheben der (Einzel-) 
Dampfung eine Piano- oder Fortewirkung ermoglichen. — Umfang 
der Klaviatur: C — P (vier Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind 
mit Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Lange 1,62 m, Breite 62 cm, Hohe 86 cm. 

Abbildung auf Seite 176; Nachbildung der Inschrift auf Seite 234. 

No. 173. Hammerflugel 

aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Instrument ist in NuBbaum fourniert und ruht auf fiinf eckigen Spitz- 
beinen. Der Deckel ist auf der AuBen- und auf der beim Spiel zuriick- 
klappbaren Innenseite mit rautenformigen Einlagen versehen. 

Der Fliigel hat zweichorige Besaitung, deutsche Mechanik mit 
Holzkapseln und Auslosung und einen Kniehebel, der durch Aufheben 
der Dampfung als Fortezug wirkt. Umfang der Klaviatur: Contra F — f 3 
(fiinf Oktaven). Ausstattung der Tasten wie bei No. 172. 

Lange 2,15 m, Breite 94 cm, Hohe 88 cm. 

No. 174. Hammerflugel 

von johann David Schiedmayer in Niirnberg erbaut; eine Signierung 
ist nicht vorhanden. Aus der Wende des 18. Jahrhunderts. Das 

hubsch ausgestattete Instrument ist in Mahagoni, NuB- und Kirschbaum 
fourniert und ruht auf vier vergoldeten Beinen in Karyatidenform. Der 
Deckel und beide Seitenwande des Gehauses weisen rauten- und schach- 
brettartige Einlagearbeiten auf. Das Vorsetzbrett iiber der Klaviatur 
und die Dampferleiste sind mit Blumengirlanden und Landschaften in 
sog. Intarsienmalerei verziert. Die Dampferleiste ist auBerdem mit einem 
Bronzebeschlag, das Vorsetzbrett mit einem kleinen Spiegel in Medaillon- 
form geschmiickt. Der innere Rand des Gehauses wird von Messing- 
Perlstabchen umsaumt. Auf dem Vorderteile des Deckels sind sechs 
gravierte Messingscharniere angebracht. 

Besaitung, Mechanik und Kniehebel genau wie bei No. 173. Um- 
fang der Klaviatur: Contra F — F (fiinf Oktaven). Die Untertasten sind 
schwarz gebeizt, die Obertasten sind mit Elfenbein belegt. 

Lange 2,19 m, Breite 99 cm, Hohe 87 cm. 

Abbildung auf Seite 180. 

Der Fliigel, iiber dessen Herkunft und Authentizitat sich Dokumente im Arcliiv 

des Museums befinden, ist von Liszt offers gespielt worden. Vgl. hieriiber „Katalog 

der historischen Ausstellung der Stadt Niirnberg auf der Jubilaums-Laudes-Ausstellung" 

') Vgl. Bemerkung zu No. 110 (Seite 131 des Katalogs). 



12 



178 ^^^^^ Ham merflugel No. 17 4-176 

(Niirnberg 1906, S 263): „Nach zuverlassiger Ueberlieferung hat Altmeister Franz 
Liszt, der in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wiederholt bei dem Kardinal 
Fursten Hohenlohe zu Schillingsfiirst auf Besnch weilte, 1 ) bei dem dortigen katholischen 
Qeistlichen Lehner, dem damaligen Besitzer, des ofteren auf dem Flugelchen gespielt, 
insbesondere Kompositionen von Bach, Handel, Scarlatti u. a. m." Aus Schillings- 
fiirst kam das Instrument 1901 nach Niirnberg und 1907 in den Besitz des Museums. 

No. 175. Hammerflugel 

aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Instrument ist aus rotbraun gebeiztem Eichenholz und ruht auf vier 
eckigen Spitzbeinen. Die Aufienrander werden von aufgelegten Messing- 
leisten umsaumt. Klaviaturbacken und Vorsetzbrett weisen Einlege- 
arbeiten aus Ahorn- und Ebenholz auf; das Vorsetzbrett ist in der Mitte 
durch einen eingelegten Stern aus Elfenbein und verschiedenartigen 
Holzern verziert. 

Der Fliigel hat zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik 
mit Messingkapseln und Auslosung. Die Hammerkopfe sind ahnlich 
wie bei den Cristofori- und Silbermann-Flugeln ausgestattet, jedoch mit 
dem Unterschied, daB bei dem vorliegenden Instrument Holz- (nicht 
Pergament-) Ringe verwendet sind. Als Fanger dient eine mit Filz be- 
kleidete Leiste. Es sind zwei Kniehebel (Piano- uni Fortezug) vor- 
handen. — Umfang der Klaviatur: Contra F— f ; (fiinf Oktaven). Die 
Untertasten, deren Stirnkanten abwechselnd mit Ahorn- und Elfenbein- 
adern eingelegt sind, sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz 
belegt. 

Lange 2,20 m, Breite 95 cm, Hohe 83 cm. 

No. 176. Hammerflugel, 

laut Inschrift auf einem Porzellanschild inmitten der Zierleiste von 
,, Ferdinand Hofmann Clavier Instrument-macher / in Wienn" erbaut. 
Auf der Iinken Seite des Resonanzbodens ist auBerdem ein geschriebener 
Zettel aufgeklebt, dessen Wortlaut mit dem Zettel des Tafelklaviers 
No. 140 iibereinstimmt. Aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. 
Das Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf vier eckigen 
Spitzbeinen. Zierleiste und Klaviaturbacken sowie die Beine sind mit 
Bronzebeschlagen verziert; Klaviaturbacken und die Leiste unterhalb 
der Klaviatur sind von messingenen Perlstabchen umsaumt. 

Der Fliigel hat teils zwei-, teils (von c'- ab) dreichorige Besaitung 
und Wiener Mechanik mit Messingkapseln und Auslosung.-) Es ist ein 
Fortezug-Kniehebel und ein oberhalb des Namensschildes angebrachter 
Pianozug vorhanden, der durch Vorschieben einer mit Tuch besetzten 
Leiste wirkt. 

Umfang der Klaviatur: Contra F — f 3 (fiinf Oktaven). Die Unter- 
tasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt; die Stirn- 
kanten der Tasten sind mit kleinen Ebenholz- und Elfenbeinstreifen 
eingelegt. 

Lange 2,12 m, Breite 98 cm, Hohe 86 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 233. 

') Laut frdl. Auskunft der Hofpianistin Fraulein Lina Schmalhausen in 
Berlin war Liszt wiederholt in den Jahren 1866 — 186S und zum letztenmal vom 
8.— 20. August 1873 in Schillingsfiirst zti Besuch. 

'-) Vom Beginn des 19. Jahrhunderts ab kommt bei deutschen Fliigeln fast 
ausschliefilich die verbesserte ,, deutsche" (Stein'sche) oder „Wiener" (Streicher'sche) 
Mechanik mit Messingkapseln und Auslosung zur Anwendung. 



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Ham merflugel No. 177-179 ^^^^^ 181 

No. 177. Hammerflugel, 

von Broadwood & Sons in London erbaut; eine Signierung ist nicht 
vorhanden. Aus detn Anfang des 19. Jahrhunderts. — Das schone 
Instrument ist in Mahagoni fourniert; das ganze AeuBere ist mit Ein- 
lagestreifen von Ahorn- und griin gefarbtem Holz verziert. Der Fliigel 
runt auf einem ebenso ausgestatteten Gestell mit vier graden Spitzbeinen 
und ist mit Bronzebeschlagen im Empirestil verziert; am rechten AuBen- 
rand des Gehauses sind auBerdem drei Bronzegriffe zum SchlieBen 
des Deckels angebracht. Die Zierleiste iiber der Klaviatur, die Klaviatur- 
backen und die unterhalb derTastatur befindliche Leiste sind mit schonen 
Intarsien geschmuckt, die Blumengewinde, Ornamente u. Aehnl. dar- 
stellen. In der Mitte der Zierleiste zeigen die Einlagen eine Gruppe 
von Musikinstrumenten. 

Der Fliigel hat in der tiefsten Oktave zweichorige, im iibrigen 
dreichorige Besaitung, englische Mechanik und zwei holzerne, hiibsch 
verzierte Pedaltritte fur Piano und Forte. Umfang der Klaviatur: 

Contra F— f 3 (f u n f Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, 
die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Lange 2,12 m, Breite 1 m, Hone 98 cm. 

No. 178. Kleiner Hammerflugel (Querfliigel), 

laut Inschrift auf einem Messingschild in der Mitte der Zierleiste von 
„K. SCHLIMBACH, / in Koenigshofen im Grabfelde" erbaut; aus dem 
Anfang des 19. Jahrhunderts. Der einfach ausgestattete Fliigel ist in 
Kirschbaum fourniert und ruht auf drei eckigen, leicht geschweiften 
Beinen. 

Er hat im BaB zweichorige, im Diskant (von g 1 ab) dreichorige 
Besaitung, Wiener Mechanik und drei Kniehebel: Fagott-, Forte- und 
Pianozug. Umfang der Klaviatur: Contra F— g 3 (fiinf Oktaven und 
ein Ton). Die Untertasten sind schwarz gebeizt, die Obertasten sind 
mit Elfenbein belegt. 

Lange 1,76 m, Breite 93 cm, Hohe 83 cm. 

Abbildung auf Seite 179; Nachbildung der Inschrift auf Seite 263. 

No. 179. Hammerflugel 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. — 
Das schon ausgestattete Instrument ist in Kirschbaum fourniert und mit 
hubschen Einlegearbeiten aus verschiedenartigen Obstbaumholzern in 
Form von Ornamenten, Friesen, Blumengirlanden u. a. reich verziert; 
es ruht auf fiinf ebenfalls mit Intarsien versehenen eckigen Spitzbeinen. 
Die Vorderseiten der Beine und die Zierleiste der Klaviatur sind mit 
Porzellanmedaillons geschmuckt, die mit musizierenden Figuren, Liebes- 
paaren und Amoretten bemalt sind. Der untere Rand des Gehauses 
ist von messingenen Perlstabchen umsaumt. Die acht Deckelscharniere 
und das SchloB sind mit Gravierungen verziert. 

Der Fliigel hat im BaB zweichorige, im Diskant (von b 1 ab) drei- 
chorige Besaitung, Wiener Mechanik und einen Kniehebel, der durch 
Aufheben der Dampfung als Fortezug wirkt. Umfang der Klaviatur: 
Contra F— a 3 (fiinf Oktaven und Terz). Die Untertasten sind mit Eben- 
holz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Lange 2,25 m, Breite 1,02 m, Hohe 88 cm. 

Abbildung auf Seite 179. 



Hammerfliigel No. 180-182 



No. 180. Hammerfliigel, 

laut in Kupferstich hergestelltem Zettel von „..'./ TH0 S TOMKISON, 
. . LONDON / . ." erbaut; aus dein ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. 
Das Instrument ist in Mahagoni fourniert und mit Adern von Ahorn- 
holz eingelegt; es ruht auf einem vierbeinigen einfachen Gestell. Der 
Deckel ist massiv Mahagoni; Zierleiste und Klaviaturbacken sind in 
Ahorn fourniert und von Palisandereinfassungen umgeben. 

Der Fli'igel hatte ursprunglich durchweg dreichorige Besaitung; 
doch ist die tiefste Oktave jetzt nur noch zweichorig. Die Mechanik 
ist die englische. Es sind zwei einfache holzerne Pedale fur Forte und 
Piano vorhanden, die aber nicht wie gewohnlich in der Mitte sondern 
an den beiden Seiten des Gestells liegen und deren Ziige durch die 
beiden Vorderbeine hindurchgefiihrt werden. - Umfang der Klaviatur: 
Contra F c 4 (funf Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit 
Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,27 m, Breite 1,08 m, Hohe 93 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 275. 

No. 181. Hammerfliigel, 

laut Inschrift auf einem Porzellanschild inmitten der Zierleiste von 
,, Louis Dulcken h. b. [herzoglich bayrischer] Hofklaviermacher / in 
Munchen" erbaut; aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Das schone 
Instrument ist im Empirestil ausgestattet; es ist aus imitiertem Eben- 
holz (schwarz durchgebeiztem Birnbaumholz) verfertigt und ruht auf 
vier reich geschnitzten Beinen, die patinierte Lowenkopfe als Karyatiden 
tragen und in vergoldete Lowentatzen auslaufen. An Stelle der ublichen 
Pedallyra sind zwei reich vergoldete Schnitzereien in Form von Delphinen 
angebracht. An den Kanten und an dem Namensschild oberhalb der 
Klaviatur befinden sich Bronzebeschlage, an der rechten Seitenwand 
aufierdem vier Bronzeringe, die zum VerschlieBen des Deckels dienen. 
Die Zierleiste ist mit Blumenornamenten in sog. Intarsienmalerei ge- 
schmiickt und mit einer Einfassung von Ahornholz umgeben. 

Der Flugel hat teils zwei-, teils von f J ab dreichorige Be- 
saitung, Wiener Mechanik und funf Pedale: Fagottzug, Verschiebung, 
Pauke und Glocken, Pianissimo- (durch Vorschieben einer mit Tuch- 
stiickchen besetzten Leiste) und Fortezug. Umfang der Klaviatur: 

Contra F — f 4 (sechs Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, 
die Obertasten sind dunkel gebeizt. 

Lange 2,31 m, Breite 1,19 m, Hohe 88 cm. 

Abbildung auf Seite 180; Nachbildung der Inschrift auf Seite 222. 

No. 182. Hammerfliigel, 

laut Inschrift auf einem Porzellanschild in der Mitte der Zierleiste von 
„Johann / Jacob Konnicke / Burger in Wien" erbaut; auf der linken 
Seite des Resonanzbodens befindet sich auBerdem folgender Kupfer- 
stich-Zettel: „J0H : JAK : KONNICKE Biirgl. Instrumentenmacher / 
wohnhaft auf dem Alstergrund in der Herrngasse N ro 51." Aus dem 
Anfang des 19. Jahrhunderts. — Das schone Instrument ist in Mahagoni 
fourniert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen; es ist im Empirestil 
ausgestattet und mit schonen Bronzebeschlagen reich verziert. Die Be- 
schlage auf Zierleiste und Klaviaturbacken sind auf Palisanderfourniere 
aufgelegt. 



Hammerflugel No. 182-185 ^^®a^^ 183 

Der Fliigel hat im BaB zweichorige, im Diskant (von b 1 ab) drei- 
chorige Besaitung, Wiener Mechanik und drei Kniehebel (Forte-, Piano- 
und Fagottzug). -- Umfang der Klaviatur: Contra F-c 4 (fiinf Oktaven 
und Quinte). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit 
Ebenholz belegt; die Stirnkanten der Untertasten sind mit Ebenholz 
und Elfenbein eingelegt. 

Lange 2,11 m, Breite 1,08 m, Hohe 86 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 238. 

No. 183. Kleiner Hammerflugel (Querfliigel), 

von Joh. Andreas Mahr in Wiesbaden 1810 (laut Mitteilung des Hauses 
Jbach) erbaut; eine Signierung ist nicht vorhanden. Das Instrument ist 
in NuBbaum fourniert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Die 
Zierleiste ist mit einer hiibschen Einlegearbeit von hellem Holz - an- 
scheinend Haselstaude — geschmiickt. 

Der Fliigel hat in der Contra-Oktave einchorige, im iibrigen 
zweichorige Besaitung, Wiener Mechanik und zwei Kniehebel (Piano- 
und Fortezug). - Umfang der Klaviatur: Contra F — g 3 (fiinf Oktaven 
und ein Ton). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit 
Elfenbein belegt. 

Lange 1,46 m, Breite 72 cm, Hohe 77 cm. 

Abbildung auf Seite 180. 
Auf den Resonanzboden des Instruments ist folgende offenbar gefalschte Inschrift 

geschrieben: ,, Fliigel von Mozart, wo seine Schwagerin (Sangerin Madame Lang) 

Unterricht darauf von Mozart erhalten." 

No. 184. Aufrechter Hammerflugel, 

laut Inschrift von „. . M. & W. Stodart . . London 1814" erbaut. 
Das einfach ausgestattete Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht 
auf einem Gestell mit vier kurzen eckigen Spitzbeinen. (Die Beine sind, 
da der Fliigel anscheinend fur einen niedrigen englischen Wohnraum 
zu hoch war, verkiirzt worden. Die Klaviatur liegt jetzt nur 55 cm iiber 
dem FuBboden.) Der obere Rahmen wird durch zwei mit dunkelroter Seide 
bespannte Fliigeltiiren gebildet. Die rechte Seite des inneren Gehauses 
ist als dreifacheriger Noten- oder Biicherschrank eingerichtet. 

Der Fliigel hat dreichorige Besaitung und englische Mechanik, 
und zwar liegt die gesamte nach oben gerichtete Mechanik h inter 
dem Resonanzboden, so daB der Anschlag der Hammer von der Riick- 
seite aus erfolgt. Zur Verstarkung des Resonanzbodens dienen vier in 
den Stimmstock eingeschraubte eiserne Spreizen. Pedale oder Knie- 
hebel sind nicht vorhanden. — Umfang der Klaviatur: Contra F—c 4 (fiinf 
Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die 
Obertasten sind aus Ebenholz. 

Hohe 2,45 m, Breite 1,07 m, Tiefe 56 cm. 

Abbildung auf Seite 185; Nachbildung der Inschrift auf Seite 272. 

William Stodart hatte fur derartige aufrechte Fliigel in Form eines Bucherschranks 

i. J. 1795 ein Patent erhalten. (Vgl. Grove's „Dictionary" vol. IV [London 1908], p. 700). 

No. 185. Hammerflugel, 

laut Inschrift auf eingelegtem Ahornschild in der Mitte der Zierleiste 
von „John Broadwood and Sons .... London" und zwar nach Mit- 
teilung der Firma Broadwood im Jahre 1814 erbaut. — Das Instrument 
ist in Mahagoni fourniert und ruht auf viergedrehten Beinen mitMessing- 
rollen. An der rechten Seitenwand sind drei verzierte Messingringe 
zum VerschlieBen des Deckels angebracht. 



184 ^^^^^ Ham merflugel No. 185-188 

Der Flugel hat dreichorige Besaitung, englische Mechanik und 
zwei Pedale fur Piano und Forte. Umfang der Klaviatur: Contra 
C-c 4 (sechs Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Ober- 
tasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,47 m, Breite 1,15 m, Hone 91 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 213. 

No. 186. Aufrechter Hammerflug'el 

laut Inschrift auf einem Porzellanschild in der Mitte der Zierleiste 
von „J. Miiller / Mauerstrafse No. 35 / a Berlin" erbaut; aus dem zweiten 
Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. — Das stattliche Instrument ist in NuB- 
baum fourniert und im Empirestil ausgestattet. Der Oberbau ist obe- 
liskenartig gestaltet; der kapitalartige Aufsatz ist von einem vergoldeten, 
eierstabartigen Fries umsaumt. Die in der Mitte durchbrochene und mit 
hellgriinem Stoff hinterspannte obere Fiillung ist mit einem Bronze- 
Emblem von Musikinstrumenten verziert; die Zierleiste sowie die beiden 
den Unterrahmen bildenden Tiiren sind ebenfalls mit reichen Bronze- 
beschlagen versehen. Die Klaviatur wird von zwei vergoldeten Stiitzen 
in Form von Schlangen mit Delphinkopfen getragen. 

Die in schrager Richtung verlaufende Besaitung ist im BaB 
zweichorig, im Diskant (von a 1 ab) dreichorig. Der Flugel hat Wiener 
Mechanik und zwei Pedale fiir Piano und Forte. Die Anschlagstelle 
der Hammer liegt - - wie stets bei aufrechten Flitgeln — unterhalb der 
Klaviatur. Umfang der Klaviatur: Contra-E — f 4 (sechs Oktaven und 
Halbton). Ausstattung der Tasten wie bei No. 185. 

Hohe 2,13 m, Breite 1,20V, m, Tiefe 58 cm. 

Abbildung auf Seite 186; Nachbildung der Inschrift auf Seite 247. 

No. 187. Hammerflugel, 

laut geschriebener Inschrift auf dem Resonanzboden als „N ro 1183" von 
,.Nannette Streiclier nee Stein Vienne 1816" erbaut. Das stattliche 
Instrument ist in Esche fourniert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen, 
deren beide vorderen durch die geschweifte Leiste des Pedals verbunden 
sind. Die Vorderseite der Dampferfiihrungsleiste ist mit gelber Seide 
hinterspannt und mit Laubsagearbeit versehen. Oberhalb der Klaviatur 
sind Bronzebeschlage und ein rautenformiges Namensschild aus Milch- 
glas angebracht. 

Der Flugel hat in der Contra-Oktave zweichorige, im ubrigen 
dreichorige Besaitung, Wiener Mechanik und fi'inf Pedale: Verschiebung, 
Fagott-, Forte-, Piano- oder Lautenzug (durch Vorschieben einer mit 
Tuchstiickchen besetzlen Leiste) und Pauke mit Glocken; zur getrenn- 
ten Anwendung des letzteren Pedals sind auBerdem zwei Kniehebel an- 
gebracht. Umfang der Klaviatur: Contra F — f 4 (sechs Oktaven). 
Ausstattung der Tasten wie bei No. 185 u. 186. 

Lange 2,32 m, Breite 1,19 m, Hohe 92 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 272. 

No. 188. Hammerflugel, 

laut geschriebener Inschrift auf dem Resonanzboden als „N r0 1326" von 
„Nannette Streicher nee Stein / Vienne 1818" erbaut; auBerdem ist das 
Milchglasnamensschild oberhalb der Klaviatur mit der Inschrift versehen: 
„Nannette Streicher nee Stein / a Vienne". Das Instrument ist dem 



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Hammerflugel No 188 190 ^^S^S^ 187 



unter vorhergehender Nummer beschriebenen Fliigel innerlich und 
auBerlich fast vollig gleich, nur etwas groBer und in Mahagoni fourniert. 
— Umfang der Klaviatur: Contra C— f 4 (sechs Oktaven und Quarte). 
Lange 2,49 m, Breite 1,26 m, Hone 92 cm. 

No. 189. ^ufrechter sogen. „Giraffen"- Hamm fl i < 1 

mit lithographierter Inschrift hinter Glas: „Erfunden ' von / Waclitl & 
Bieyer / in / Wien"; aus dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts 

In d r linken unteren Ecke des Resonanzbodens befindet sich aulierdem 
folgender lithographierter Zettel: 

,, WACHTL & BLEYER / 
wohnhaft auf der alten Wieden in der Allee^asse / im. . HauseNo. 75 & 76". 
Darunter sind die varschiedenartigen von der Firma hergestellten Fliigel ab- 
gebildet: 



,Forte-Piano 
en Giraffe. 



Apollo- 
Forte-Piano. 



Pyramiden- Schrank- 
formig-es. formiges. 



Harfen- 
formiges." 



Das stattliche Instrument ist in Mahagoni fourniert und im Empire- 
stil ausgestattet. Die mit griinem Stoff bespannten Fiillungen sind ebenso 
wie Klaviaturdeckel und Zierleiste mit schonen Bronzebeschlagen verziert, 
die teilweise auf Fourniere von imitiertem Ebenholz (gefarbtem Birn- 
baumholz) aufgelegt sind. Die Klaviatur ruht auf zwei ebenfalls mit 
Bronzebeschlagen versehenen patinierten Karyatiden. 

Der Fliigel hat teils zwei-, teils (von dis der kleinen Oktave ab) 
dreichorige Besaitung, Wiener Mechanik und drei Pedale fur Forte, 
Pianissimo und Piano. Im Innern ist oberhalb der Saiten eine diinne 
Holzplatte zur Schallabdampfung angebracht. -- Umfang der Klaviatur: 
Contra C f 4 (sechs Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind mit 
Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 
Hohe 2,38 m, Breite 1,25 m,Tiefe 55 cm. 

Abbildung auf Seite 185; Nachbildung der Inschrift auf Seite 276. 
Die Erbauer Wachtl & Bieyer veroffentlichten im Intelligenz-Blatt No. XVII 
znr „Allgemeinen Mnsikalischen Zeitnng", 13. Jahrg. (November 1811) eine ausfiihr- 
liche Beschreibung ihrer anfreehten Fliigel unter dem Titel: „Historische Beschreibung 
der aufrechtstehenden Forte- Pianos, von der Erfindung Wachtl und Bleyers in Wien." 
Naheres hieriiber s. Seite 277 des Katalogs. 

No. 190. Hammerflugel, 

laut Inschrift in der Mitte der Zierleiste von „Mathias Miiller Inhaber 
einer K. K. privl. Instrumentenfabrick / in / Wien" erbaut. Auf 
den Resonanzboden ist auBerdem folgender lithographierter Zettel 
eines Handlers geklebt: „Heinrich Welcker, / FORTE -PIANO FA- 
BRIKANT / BINGEN /" etc. Aus dem zweiten oder dritten Jahrzehnt des 
19. Jahrhunderts. — Das stattliche Instrument ist in Mahagoni fourniert 
und im Empirestil ausgestattet; es ruht auf vier eckigen patinierten 
Spitzbeinen in Karyatidenform mit vergoldeten FiiBen. Die Vorder- 
und rechte Seitenwand des Gehauses sind mit Bronzebeschlagen ge- 
schmiickt. Die Dampferfuhrungsleiste ist mit Blatt- und Fruchtorna- 
menten bemalt. Die gewolbte Zierleiste oberhalb der Klaviatur und 
die Klaviaturbacken sind in Ahorn fourniert und mit schonen Intarsien- 
malereien verziert, die inmitten einer griechischen Landschaft ein von 
Amoretten umgebenes Schaferpaar darstellen. 

Der Fliigel hat in der Contra-Oktave zweichorige, im tibrigen 
dreichorige Besaitung und Wiener Mechanik. Von den urspriinghch 



Hammerfliigel No. 190-192 



vorhanden gewesenen fiinf Pedalen (vgl. No. 195) sind noch zwei vor- 
handen, von denen nur das rechte als Fortezug benutzbar ist. Hinter 
dem Pedal ist spater eine dekupierte und mit Bronzebeschlagen versehene 
Lyra angebracht worden. Umfang der Klaviatur: Contra F — f 4 (sechs 
Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten 
sind dunkel gebeizt. 

Lange 2,16 m, Breite 1,15 m, Hohe 86 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 248. 

No. 191. Hammerfliigel 

aus dem zweiten oder dritten Jahrzehnt des 19. Jalirhunderts; wahr- 
scheinlich von Nannette Streicher oder Andreas Stein (Sohn) in Wien 
erbaut. Auf einem Porzellanschild in der Mitte der Zierleiste findet 
sich die Inschrift: „A. Vienne / a / Leipzig A. Kiihnel" 1 ). — Das 
stattliche Instrument ist in Kirschbaum fourniertund im Empirestil ausge- 
stattet; es ruht auf vier eckigen Spitzbeinen, die mit Messingbeschlagen 
versehen und von vergoldeten Karyatiden gekront sind. Es ist an den 
Kanten sowie rings um die Klaviatur mit hiibschen braungetonten 
Intarsienmalereien verziert, die tanzende Putten mit Blumengirlanden 
in den Handen darstellen. 

Der Fliigel hat dreichorige Besaitung, Wiener Mechanik und 
vier Pedale: Verschiebung, Fagott- und Fortezug; die Vorrichtung fur 
das vierte Pedal ist spater entfernt worden. AuBerdem sind zwei Knie- 
hebel angebracht, die durch Vorschieben einer mit Filz besetzten Leiste 
ein Pianissimo („Voix celeste"), bewirken. - Umfang der Klaviatur: 
Contra-F — f 4 (sechs Oktaven). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die 
Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Lange 2,24 m, Breite 1,20 m, Hohe 85 cm. 

Der Fliigel ist bis zuni Jahre 1849 im Besitze einer Fiirstin von Schwarzburg- 
Sondershausen gewesen und stand im SchloB zu Otterwisch. 

No. 192. Aufrechter (sog. „Pyramiden"-) Hammerfliigel, 

laut in Bronze aufgetragener Inschrift auf einem Porzellanschild von 
„C. Schlimbach zu Koenigshofen" erbaut; aus dem zweiten oder dritten 
Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. - - Das stattliche Instrument ist in NuB- 
baum fourniert und im Empirestil ausgestattet. Die durchbrochene 
obere Fiillung ist mit blauem Tuch hinterspannt und zeigt im oberen 
Teil eine viersaitige Lyra. Das AeuBere des Gehauses ist ebenso wie die 
Zierleiste mit verschiedenen Bronze- und Messingbeschlagen verziert. 
Die Klaviatur wird von zwei patinierten und vergoldeten Karyatiden 
getragen. 

Der Fliigel hat in der tiefsten Oktave zweichorige, im iibrigen 
dreichorige Besaitung, Wiener Mechanik und sechs Pedale, die aber zum 
Teil nicht mehr benutzbar sind: Forte-, Piano-, Pianissimozug, Ver- 
schiebung, Fagottzug und ein Pedal fiir „Janitscharen"-Musik. Bei An- 
wendung des letzteren Pedals werden auBer Pauke und Glocken auch 

') Ambrosius Kiihnel (geb. um 1770, gest. am 13. August 1813 zu Leipzig) 
begriindete am 1. Dezember 1800 mit Franz Anton Hoffmeister (geb. 1754 zn 
Rotenburg am Neckar, gest. 9. Februar 1812 zu Wien) in Leipzig eine Musikverlags- 
anstalt unter der Firma „ Bureau de musique", aus der das heutige Welthaus C. F. Peters 
hervorgegangen ist. Aus Notizen in Gerbers „Neuem . . . Lexikon" (4. Theil, Sp. 262 
u. 295) geht hervor. daB das Kiihnel'sche Bureau zu Leipzig eine Niederlage der 
Wiener Fliigel von Andreas Stein (Sohn) und Nan n e tte^S trei cher unterhielt. 



Hammerflugel No 192-196 ^^^^^ 189 

Schellenbaum und Becken (Cinellen) in Bewegung gesetzt, die zwei 
zu beiden Seiten des Gehauses stehende 60 cm hone geschnitzte 
Negerfiguren tragen. - Urn fang und Ausstattung der Klaviatur wie bei 
No. 190. 

Hone 2,74 m, Breite 1,15 m, Tiefe 62 cm. 

Als Aufsatz des Fliigels dient eine urspriinglich zu einem andern 
Flugel gehorende Vase mit vergoldetem Blumenschmuck. 

Abbildung auf Seite 191; Nachbildung der Inschrift auf Seite 263. 

No. 193. Aufrechter (sog. „Giraffen"-) Hammerflugel 

aus dem zweiten oder dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts; ohne 
Namen des Erbauers. Das stattliche Instrument ist in Mahagoni 

fourniert und im Empirestil ausgestattet. Das ganze AeuBere ist mit 
schonen Bronzebeschlagen verziert. Die Fiillungen sind mit hellblauer 
Seide hinterspannt; die obere Fullung wird durch Messingstabe in eine 
Anzahl Felder abgeteilt. 

Der Flugel hat teils zwei-, teils (von dis der kleinen Oktave ab) 
dreichorige Besaitung, Wiener Mechanik und zwei Pedale (Forte- und 
Pianozug). Umfang der Klaviatur: Contra-F — V (sechs Oktaven). Die 
Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Hohe 2,35 m, Breite 1,17 m, Tiefe 56 cm. 

No. 194. Aufrechter (sog. „Gi raff en"-) Hammerflugel 

aus dem zweiten oder dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderls; ohne 
Namen des Erbauers. Das stattliche Instrument ist in geflammtem 
Nufibaum fourniert; das ganze AeuBere ist von Adern aus Ahornholz 
eingefaBt. Die Fiillungen sind mit griiner Seide hinterspannt; die 
Klaviatur ruht auf volutartigen Konsolstiitzen. 

Der Flugel hat dreichorige Besaitung, Wiener Mechanik und zwei 
Pedale (Forte- und Pianozug). - - Umfang und Ausstattung der Klaviatur 
wie bei No. 193. 

Hohe 2,33 m, Breite 1,26 m, Tiefe 61 cm. 

No. 195. Aufrechter (sog. „Gi raff en"-) Hammerflugel, 

laut Inschrift auf einem Milchglasschild von „Heinricli Janssen in Wien" 
erbaut; aus dem zweiten oder dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Das 
stattliche Instrument ist aus dunkel gebeiztem Birnbaum- (imitiertem 
Eben-)holz und im Empirestil ausgestattet. Die Fiillungen sind mit 
brauner Seide hinterspannt und ebenso wie Zierleiste und Klaviatur- 
backen mit schonen Bronzebeschlagen verziert. 

Der Flugel hat teils zweichorige, teils (von dis der kleinen Oktave 
ab) dreichorige Besaitung, Wiener Mechanik und fiinf Pedale: Ver- 
schiebung, Fagott-, Piano-, Forte- und Pianissimozug. - Umfang und 
Ausstattung der Klaviatur wie bei No. 190 und 192. 

Hohe 2,32 m, Breite 1,19 m, Tiefe 57 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 237. 

No. 196. Aufrechter (sog. „Pyramiden"-) Hammerflugel, 

laut gedrucktem Zettel auf der linken Seite des Resonanzbodens erbaut 
von: „Joseph Wachtl, biirgerl. Orgel- und Instrument macher. Wohnt an 
der Wien im Hirschen Nr. 30. im ersten Stock, rechts die Stiege"; auBer- 
dem befindet sich auf einem Porzellanschild iiber der Klaviatur folgende 



Hammerflugel No. 196 198 



Inschrift: „Joseph Wachtl in Wien." Aus den zwanziger Jahren des 
19. Jahrhunderts. Das stattliche Instrument ist in Mahagoni fourniert 
und im Empirestil ausgestattet. Beide Fiillungen sind mit griiner Moire- 
seide hinterspannt und ebenso wie die Klaviaturstirnseite und Zierleiste 
durch schone Bronzebeschlage mit Mahagoniumrahmungen verziert. 
Die untere Fiillung ist in Form eines Fachers gestaltet; die Klaviatur 
wird von zwei patinierten, ehemals vergoldeten Karyatiden getragen. Als 
Kronung des Ganzen dient eine ebenfalls vergoldete Vase. 

Der Fliigel hat zweichorige Besaitung, Wiener Mechanik und 
drei Pedale: Forte- und Pianozug; das dritte, vielleicht friiher ein Fagott- 
zug, ist auBer Tatigkeit. Der Resonanzboden ist mit zahlreichen Schall- 
offnungen versehen. — Umfang der Klaviatur: Contra F — c 4 (funf Oktaven 
und Quinte). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit 
Ebenholz belegt. 

Hohe 2,73 m, Breite 1,08 m, Tiefe 51 cm. 

Abbildung auf Seite 191 ; Nachbildung der Inschrift auf Seite 276. 

No. 197. Hammerflugel, 

laut (teilweise verblaBter) Inschrift auf einem Milchglasschild in der Mitte 
der Zierleiste von „JACOB ROHMANN / in Breslau" erbaut; aus den 
zwanziger oder dreiBiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das stattliche 
Instrument ist in Mahagoni fourniert und im Empirestil ausgestattet. 
Es ruht auf drei eckigen Spitzbeinen, die in Stiitzen aus bronziertem 
Messing auslaufen. Das ganze AeuBere ist mit schonen Bronzebeschlagen 
geschmiickt; auBerdem befinden sich am Oberteile der Beine und ober- 
halb der Pedale Bronzerosetten. Der Deckel iiber der Klaviatur ist in 
sog. „Pyramiden-Mahagoni" fourniert. 

Der Fliigel hat in der tiefsten Oktave zweichorige, im iibrigen drei- 
chorige Besaitung, Wiener Mechanik und funf Pedale: Fagottzug, Ver- 
schiebung, Pianissimo- (durch Vorschieben einer mit Tuchstreifen 
besetzten Leiste), Piano- (durch weniger weites Vorschieben derselben 
Tuchleiste) und Fortezug. Umfang der Klaviatur: Contra F — f 4 (sechs 
Oktaven). Ausstattung der Tasten wie bei No. 196. 

Lange 2,22 m, Breite 1,20 m, Hohe 89 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 255. 

No. 198. Aufrechter Hammerflugel, 

laut eingelegter Inschrift von „Riese & Feurich CASSEL" erbaut; aus 
den zwanziger oder dreiBiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das In- 
strument hat die Form eines Schrankes und ist in Mahagoni fourniert. 
Das ganze AeuBere ist mit schonen ornamentalen und figurlichen Ein- 
lagen aus Ahornholz verziert; besonders reich sind Klaviaturdeckel und 
Zierleiste sowie die untere Fiillung ausgestattet. Die mit grunem Tuch 
hinterspannte obere Fiillung hat die Form einer Doppeltiir. 

Der Fliigel hat in der tiefsten Oktave zweichorige, im iibrigen 
dreichorige Besaitung, Wiener Mechanik und drei Pedale (Forte-, 
Pianissimo- und Pianozug). Umfang und Ausstattung der Klaviatur 
wie bei No. 197. 

Hohe 1,96 m, Breite 1,15 m, Tiefe 60 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 255. 



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HammerflUgel No. 199 ti. 200 ^^^^^ 193 

No. 199. Hammerfliigel 

mit gepragter Inschrift in einer Messingplatte iiber der Klaviatur: „Patent- 
Piano-Forte Nanette Streicher geb: Stein und Sohn in Wien"; im 

Jahre 1825 erbaut. Der stattliche Fliigel ist in NuBbaum fourniert 
und ruht auf drei saulenartigen, an den Kapitalen vergoldeten Beinen. 
Er hat dreichorige Besaitung und die sogenannte „oberschlagige 
Mechanik", wodurch die eigenartige Form der Bauart dieser sogen. 
Streicher'schen „Patentfliigel", bei denen die Tastatur hoher liegt als 
das Gehause, bedingt wird. Es sind drei Pedale vorhanden: Piano- 
und Pianissimozug (durch Verschiebung um eine und um zwei Saiten 
„due corde ed una corda") und Fortezug (durch Aufheben der Dampfung). 
Die Pedale liegen auf einem Aufbau der Verbindungsleiste der beiden 
Vorderbeine 20 cm iiber dem Boden, so daB fur den Spieler eine be- 
sondere FuBbank an den Fliigel angeschraubt ist. Umfang der 

Klaviatur: Contra-F — f 4 (sechs Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfen- 
bein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,32 m, Breite 1,20 m, Hohe 92 cm. 

Abbildung auf Seite 192; Nachbildung der Inschrift auf Seite 275. 
Der Fliigel wurde von der Erbauerin Nannette Streicher dem Komponisten 
und Pianisten Johann Nepomuk Hummel (1778—1837) zum Geschenk ge- 
macht und von ihm acht Jahre hindurch benutzt. In der von Hummels 
Sohn, dem Landschaftsmaler Professor Carl Hummel, im Jahre 1895 ausge- 
stellten Echtheitsbestatigung heiBt es u. a. : „. . . . Mein Vater hatte denselben / 
von 1825 — 1833 in Gebrauch, hat in Concerten in / Weimar, darauf gespielt 
und haben auf demselben / u. A. Ferd. Hill er, Willmers und Adolf 
Henselt, / als Schiiler gelernt / ul ) etc. 

No. 200. Hammerfliigel, 

laut Inschrift auf der Innenseite des Deckels von: „ < Sebastien 

Erard & Pierre Erard / / a Paris" erbaut; auf den Resonanz- 

boden ist auBerdem „Par Brevet d'Invention Erard a Paris" und die 
Fabriknummer ,,12758" geschrieben. Das Instrument ist nach Mit- 

teilung der Firma Erard im November 1827 erbaut; es ist in 
Mahagoni fourniert und ruht auf vier gedrehten und kannelierten Beinen. 
Der Klaviaturdeckel ist auf der Innenseite in Ahorn fourniert. 

Der Fliigel hat fiir die fiinf tiefsten Tasten zweichorige, im iibrigen 
dreichorige Besaitung und die Erard'sche Patent- Repetitionsmechanik 
mit doppelter Auslosung („double echappement"). Die Anhangeplatte 
wird durch sechs runde vernickelte Eisenspreizen verstarkt. Es ist ein 
Forte- und ein Piano-Pedal vorhanden. Umfang der Klaviatur: 

Contra- C — f 4 (sechs Oktaven und Quarte). Ausstattung der Tasten 
wie bei No. 199. 

Lange 2,32 m, Breite 1,21 m, Hohe 95 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 227. 

Erards 1821 gemachte Erfindung der „doppelten Auslosung", auf der 

die gesamte moderne Pianofortemechanik basiert, wurde von ihm zuerst 1823 

auf der Pariser Ausstellung, also nur vier Jahre vor der Erbauung des vor- 

liegenden Fliigels, an die Oeffentlichkeit gebracht. 

') Ferdinand Hiller (1811-1885) ist der bekannte Komponist, Pianist und 
Musikschriftsteller, der von 1850—1884 in Koln als stadtischer Musikdirektor und Leiter 
des Konservatoriums wirkte und die „gefeiertste Musiknotabilitat Westdeutschlands" 
war. Nicht minder bekannt als Pianist und feinsinniger Komponist ist Adolf Henselt 
(1814-1889). Heinrich Rudolf Willmers (1821-1878) war ein begabter Klavierspieler, 
der in Berlin und Wien wirkte; er endete im Wahnsinn. 



13 



194 ^^^^^ Ham merflugel No 201-204 

No. 201. Hammerflugel, 

laut geschriebener Inschrift von „Gregor Deiff / Biirg : Orgel u. In- 
strumentenmacher / in Miinchen" erbaut; aus den zwanziger Jahren des 
19. Jahrhunderts. Das stattliche Instrument ist in Kirschbaum fourniert 
und ruht auf drei dunkel polierten saulenartigen Beinen. Der vor der 
Klaviatur befindliche vordere Teil des Deckels und die Leiste unterhalb 
der Klaviatur sind nach Art von Ebenholzeinlagen mit Ornamenten 
bemalt. Die Zierleiste oberhalb der Klaviatur sowie die Klaviaturbacken 
sind mit Bronzebeschlagen im Empirestil verziert. 

Der Fliigel hat teils zweichorige, teils (von c 2 ab) dreichorige Be- 
saitung, Wiener Mechanik und zwei Pedale: Fagott- und Fortezug; ur- 
sprunglich war noch ein Pianozug vorhanden. Umfang der Klaviatur: 
Contra-F— g 4 (sechs Oktaven und ein Ton). Die Untertasten sind mit 
Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 2,22 m, Breite 1,20 m, Hohe 90 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 221. 

No. 202. Hammerflugel 

mit gepragter Inschrift in einer Messingplatte: „Patent- Piano-Forte / 
erf unden u. verfertigt / von J. B. Streicher in Wien"; aus den dreissiger 
Jahren des 19. Jahrhunderts. Das stattliche Instrument ist in Mahagoni 
fourniert und ruht auf drei eckigen teilweise vergoldeten saulenartigen 
Beinen. Im iibrigen ist es dem unter No. 199 beschriebenen „Patent- 
fliigel" gleich, nur besitzt es eine groBere Klaviatur; ihr Umfang betragt: 
Contra C-f 4 (sechs Oktaven und Quarte). 

Lange 2,43 in, Breite 1,29 m, Hohe 85 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 275. 

No. 203. Hammerflugel 

mit derselben gepragten Inschrift wie No. 202 und aus derselben Zeit 
stammend. Ein dem unter vorhergehender Nummer erwahnten Fliigel 
auBerlich und innerlich vollig gleiches Instrument; nur ist der Klaviatur 
noch ein Ton hinzugefiigt. Ihr Umfang betragt: Contra-C — g 4 (sechs 
Oktaven und Quinte). 

Lange 2,44 m, Breite 1,31 m, Hohe 85 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 275. 

No. 204. Aufrechter Hammerflugel (sog. „Lyraflugel"), 

laut Inschrift auf einem Porzellanschild von „Instrumentenmacher / J L 
F Scliultz / a / Berlin" erbaut; aus den dreifiiger Jahren des 19. Jahr- 
hunderts. Das stattliche Instrument ist in Mahagoni fourniert. Der 
obere Teil des Gehauses ist in Form einer siebensaitigen Lyra gestaltet, 
die an den oberen Schweifungen in geschnitzte Adlerkopfe auslauft. 
Obere und untere Fiillung sind mit rotem Stoff hinterspannt. Zierleiste 
und Klaviaturbacken sind mit Einlegearbeiten geschmiickt; die Klaviatur 
ruht auf zwei volutartigen Konsolstiitzen. 

Die in schrager Richtung verlaufende Besaitung ist in der tiefsten 
Oktave zweichorig, im iibrigen dreichorig. Der Fliigel hat Wiener 
Mechanik und vier Pedale: Verschiebung, Pianissimo-, Piano- und Forte- 
zug. - Umfang der Klaviatur: Contra-E-a 4 (sechs Oktaven und Quarte). 
Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind schwarz 
gebeizt. 

Hohe 2,06 m, Breite 1,28 m, Tiefe 61 cm. 

Abbildung auf Seite 186; Nachbildung der Inschrift auf Seite 264. 



Hammerflugel No. 204 207 ^^^^^ 195 

Als Erbauer von ,,Lyrafliigeln" war namentlich Johann Christian Schleip ge- 
schatzt, ein tiichiger Klavierbauer aus Tiingeda bei Gotha, der i. J. 1816 nach Berlin 
ubersiedelte. Aucn als Erfinder eines 16fuBigen klingenden Pedals wird er geruhmt; 
vgl. „Allg. musik. Zeitung", Jhg. 15, 22, und 26. Einen derartigen Lyrafliigel mit Pedal 
besitzt das ,, Metropolitan-Museum'' zu New-York (No. 3347). 

No. 205. Hammerflugel, 

Iaut eingelegter Inschrift auf einem Ahornschild von: „A. Jbach & Sohn. / 
in / Barmen" erbaut und zwar nach Mitteilung des Hauses Ibach im 
Jahre 1839 als erster von der Firma fertiggestellter Fliigel. Das 

stattliche Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf drei vasen- 
formigen Beinen. Die in Palisander fournierte Zierleiste oberhalb der 
Klaviatur und die Klaviaturbacken sind von Messingadern eingefaBt; die 
Seitenwande des Gehauses werden von Adern aus Ahornholz umsaumt. 

Die Besaitung ist dreichorig; nur die tiefsten drei Saiten sind 
einchorig und die darauf folgenden fiinf zweichorig. Der Fliigel hat 
englische Mechanik und ein Forte- und ein Piano-Pedal. Umfang der 
Klaviatur: Contra C— f 4 (sechs Oktaven und Quarte). Die Untertasten 
sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Lange 2,39 m, Breite 1,31 m, Hohe 89 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 237. 
No. 206. Hammerflugel, 

laut gravierter Inschrift auf einem Perlmutterplattchen in der Mitte der 

Zierleiste von „C. W. Volkening in BIELEFELD" erbaut; aus dem 

Ende der dreiBiger Jahre des 19. Jahrhunderts. Das stattliche Instrument 

ist in Mahagoni fourniert und ruht auf drei geschnitzten vasenartigen 

Beinen. Es ist durch eingelegte Adern aus Ahornholz verziert; die Mitte 

der Zierleiste oberhalb der Klaviatur schmiickt eine hiibsche ornamentale 

Einlage ebenfalls aus Ahornholz. 

Der Fliigel hat dreichorige Besaitung (nur die fiinf tiefsten 

Saiten sind zweichorig), englische Mechanik und ein Piano- und ein 

Forte- Pedal. Umfang der Klaviatur: Contra C— g 4 (sechs Oktaven 

und Quinte). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit 

Ebenholz belegt. 

Lange 2 m, Breite 1,32 m, Hohe 90 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 276. 

Auf der rechten oberen Seite des Resonanzbodens befindet sich folgende 

von Liszt eigenhandiggeschriebene Inschrift: „Bielefeld - - Konzert 

am 13. November F. Liszt." Leider fehlt eine Jahreszahl, doch hat das 

betreffende Konzert anscheinend im Jahre 1841 stattgefunden, als Liszt auf 

seiner groBen norddeutschen Konzertreise begriffen war, die ihn bis nach 

Holland fuhrte. 1 ) (Vgl. Jul. Kapp, „Franz Liszt", Berlin 1910, Seite 150.) 

No. 207. Hammerflugel, 

Iaut Inschrift auf eingelegtem Ahornschild von „lgnace Pleyel & Comp ie / 
. . . . / PARIS" erbaut; aus dem Jahre 1845. Das stattliche In- 
strument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf drei gedrehten Beinen. 
An der rechten Seitenwand des Gehauses sind drei verzierte Messing- 
griffe angebracht, die zum VerschlieBen des Deckels dienen. Die Zier- 
leiste iiber der Klaviatur ist mit eingelegter Messingeinfassung versehen. 
Der Fliigel hat in den tiefsten anderthalb Oktaven zweichorige, 
im iibrigen dreichorige Besaitung und die bei Instrumenten dieser 



*) Die Autographensammlung des Museums besitzt einen ,, November 41 Crefeld' 
datierten Brief Liszts. 



Hammerfliigel No 207-210 



Zeit gebrauchliche englisch-franzosische Mechanik. Die Anhangeplatte 
wird durch vier eiserne Spreizen verstarkt. Es ist ein Piano- und ein 
Forte-Pedal vorhanden. - Umfang der Klaviatur: Contra-C — g 4 (sechs 
Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die 
Obertasten sind aus Ebenholz. 

Lange 2,03 m, Breite 1,27 m, Hone 95 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 252. 

No. 208. Hammerfliigel, 

laut in Goldbronze aufgetragener Inschrift von „PAPE / PARIS & 
LONDRES" erbaut. Zu beiden Seiten der Inschrift sind zwei Medaillen 
reproduziert, aus denen hervorgeht, daB Pape's Instrumente 1834 und 1838 
pramiiert sind. Das Instrument stammt aus den vierziger Jahren des 
•19. Jahrhunderts; es ist in Palisander fourniert und ruht auf drei 
dekupierten Beinstiitzen. Die Rander des Deckels, der Vorder- und 
der rechten Seitenwand sind von Perlstabchen umsaumt. Das Noten- 
pult ist mit schonen ornamentalen Laubsagearbeiten verziert. Die Pedal- 
lyra ist duroh Holzschnitzereien mit den beiden Vorderbeinen verbunden. 

Die Besaltung ist dreichorig, nur die tiefsten zwei Saiten sind 
einchorig und die drei darauf folgenden zweichorig. Der Fliigel hat 
oberschlagige Mechanik, die Pape gleichzeitig mit Streicher in Wien 
zur Anwendung brachte. (Vgl. Bemerkung zu dem Tafelklavier No. 154 
und dem Hammerflugel No. 199.) Drei oberhalb der Besaitung liegende 
holzerne Spreizen dienen zur Verstarkung des Gehauses, wahrend drei 
darunter angebrachte Spreizen Stimmstock und Anhangeplatte verstarken. 
Es ist ein Piano- und ein Fortepedal vorhanden. - Umfang und Aus- 
stattung der Klaviatur wie bei No. 207. 

Lange 2,40 m, Breite 1,33 m, Hohe 86 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 248. 

No. 209. Aufrechter Hammerflugel, 

etwa aus den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. Das Instrument ist von niedriger Bauart; es ist in Palisander 
fourniert und hat einen rechteckigen, pianino-ahnlichen Oberbau. Die 
mit grt'mem Seidenstoff hinterspannte dekupierte obere Fullung hat die 
Form einer sechssaitigen Lyra. Die Klaviatur wird von zwei saulen- 
ahnlichen Stiitzen getragen. 

Bemerkenswert ist die Anlage des Resonanzbodens, der von der 
oberen Vorderkante aus schrag nach hinten lauft. 

Der Fliigel hat in den tiefsten anderhalb Oktaven (bis E der 
groBen Oktave) einchorige, im ubrigen zweichorige Besaitung, eng- 
lische Mechanik und ein Fortepedal. -- Umfang der Klaviatur: Contra- 
C— a 4 (sechs Oktaven und Sexte). Ausstattung der Tasten wie bei 
No. 207 u. 208. 

Hohe 1,63 m, Breite 1,25 m, Tiefe 63 cm. 

Abbildung auf Seite 192. 

No. 210. Hammerflugel, 

laut eingelegter Inschrift von „Pol Louis / a Nimes Paris Toulouse" 

erbaut; aus dem Jahre 1855. -- Das Instrument ist in Mahagoni fourniert 
und ruht auf drei eckigen Beinen. An der rechten Seitenwand des 
Gehauses sind drei Bronzerosetten angebracht, die zum VerschlieBen 
des Deckels dienen; der Deckel selbst ist von einer geschnitzten Borte 
eingefaBt. 



Hammerfliigel No. 210 u. Tangentenfliigel No 211 ^^ 197 

Der Fliigel hat bis Contra-E zweichorige, im iibrigen drei- 
chorige Besaitung und englisch-franzosische Mechanik. Die Anhange- 
platte wird durch sechs eiserne Spreizen verstarkt. Es ist ein Piano- 
und ein Forte-Pedal vorhanden. — UmfangderKlaviatur: Subcontra-A — a 4 
(sieben Oktaven). 1 ) Ausstattung der Tasten wie bei den vorhergehenden 
Fliigel n. 

Lange 2,44 m, Breite 1,37 m, Hohe 96 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 252. 



Die „TA NGENTENFLOGEL" 

wurden um die Mitte des 18. Jahrhimderts von dem Regensburger Klavier- 
baner Franz Jacob Spath [Spath] erfnnden und von ihm spater in Gemein- 
schaft mit seinem Schwiegersohn Christoph Friedrich Schmahl verfertigt. Die 
Fliigel stellen einen Versuch dar, mittels einer einfachen an die Clavicymbel 
sich anlehnenden Konstruktion einen Hainmerfliigelton zu ermoglichen; durch 
ihre Mechanik bilden sie ein Mittelglied zwischen Kiel- und Hammerfliigel: 
auf dem Riickende der Tasten sind kleine Hebelarme angebracht, auf denen 
mit Wildleder besetzte Holzstiickchen, die sog. „Tangenten" ruhen, die ihre 
Funning wie die Docken der Kielfliigel durch eine mit facherartigen Ein- 
schnitten versehene Leiste erhalten. Beim Niederdriicken der Taste wird der 
belederte Tangentenkopf gegen die Saiten geschnellt, und Kochs Lexikon 
(Frankfurt a. M. 1802, Sp. 1493) erwahnt etwas euphemistisch, ,,daB dadurch 
auf dem Instrument ein sehr starker und prachtvoller Ton hervorgebracht 
wird". Audi Gerber („Lexikon der Tonkiinstler', Leipzig 1792, 2. Theil, 
Sp. 538) bemerkt, daB „die sogenannten Tangentenfliigel ohne Kielen .... 
vielen Beyfall gefunden haben" der aus einem Cembalo umgearbeitete 

Fliigel No. 213 des Museums ist ein Beweis hierfiir, — doch haben sie das 
erste Viertel des 19. Jahrhunderts nicht iiberdauert. 

No. 211. Tangentenfliigel, 

laut geschriebener Inschrift auf der linken Seite des Resonanzbodens 
von „Spath & Schmahl. Regensburg 1790" erbaut. Darunter befindet 
sich der Zusatz eines Kaufers: „gekostet in Regensburg 170 fl". Das 
in NuBbaum fournierte Instrument ruht auf vier gedrehten Spitzbeinen. 
Der massive Deckel ist getafelt; Vorsetzbrett und Klaviaturbacken sind 
mit NuBbaumwurzelfournieren und Ahorneinfassungen ausgestattet. 

Die Besaitung ist zweichorig. Zur linken Seite iiber der Kla- 
viatur ist ein Lautenzug, der durch Andriicken einer mit Wollfransen 
bekleideten Leiste wirkt, und zur rechten Seite ein Pianissimozug ange- 
bracht, der eine mit Wildledersttickchen besetzte Leiste an die Saiten 

') Bereits 1824 benutzte Liszt in Pariser Konzerten einen Erard- Fliigel, der 
einen Umfang von sieben Oktaven besaB. 



1 98 ^^^ Tangentenflugel No. 211 213. No. 214 

schiebt. AuBerdem sind zwei Kniehebel vorhanden, die durch Verschieben 
der Tangenten und durch Aufheben der Einzeldampfung als Piano- 
und Fortezug wirken. Umfang der Klaviatur: Contra-F— f 3 (funf 

Oktaven). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein 
belegt. 

Lange 1,89 m, Breite 97 cm, Hohe 85 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 264. 

No. 212. Tangentenflugel, 

ebenfalls von Spath & Schmahl in Regensburg erbaut; eine Signierung 
ist nicht mehr vorhanden. Das Instrument ist in gleicher Weise wie 
das unter vorhergehender Nummer beschriebene ausgestattet, ruht aber 
auf vier eckigen Spitzbeinen. 

Wahrend die Tangenten bei dem vorhergehenden Fliigel nur am 
unteren Ende mit Wildleder iiberzogen, an der Anschlagstelle aber un- 
beledert sind, haben die Tangenten bei vorliegendem Instrument an 
beiden Seiten also auch an der Anschlagstelle — einen Wildleder- 

uberzug, wodurch der Ton weicher, d. h. einen mehr dem Hammer- 
klavier ahnlichen Charakter erhalt. 

Zur rechten Seite iiber der Klaviatur ist ein Fortezug, der durch 
Aufheben der Dampfungauf denDiskant wirkt, angebracht; zwei auBerdem 
vorhanden gewesene Ziige (wahrscheinlich Laute und Pianissimo) sind 
spater entfernt worden. Besaitung, Kniehebel, Umfang der Klaviatur 
und Ausstattung der Tasten entsprechen dem vorhergehenden Tangenten- 
flugel. 

Lange 1,89 m, Breite 95 cm, Hohe 85 cm. 

No. 213. Tangentenflugel, 

aus einem italienischen Cembalo des 17. Jahrhunderts zu einem 
Tangentenflugel gegen Ende des 18. Jahrhunderts umgearbeitet. Das 
Gehause des Instruments, das auf vier eckigen Spitzbeinen ruht, ist 
auBen hellbraun gestrichen und teilweise bronziert; das Innere sowie 
die beiden Leisten sind karminrot gestrichen. (Der Anstrich ist 
modernen Ursprungs). 

Der Fliigel hat zweichorige Besaitung und eine den beiden 
andern Tangentenfliigeln entsprechende Mechanik. Zur linken Seite iiber 
der Klaviatur ist ein Pianissimozug angebracht, der durch Vorschieben 
einer mit Tuchstiickchen besetzten Leiste wirkt. Umfang der 

Klaviatur: Contra-F — f 3 (fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit 
Bein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Lange 1,94 m, Breite 96'/l> cm, Hohe 87 cm. 



No. 214. Stummes Hammerklavier 

aus der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das zu Uebungszwecken verfertigte Instrument hat die Form eines 
alten kleinen Hammerklaviers und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen; 
es ist hellbraun gestrichen (NuBbaum-Imitation). 

Umfang der Klaviatur: C-d ! (vier Oktaven und ein Ton). Die 
Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 74 ' l> cm, Tiefe 40Va cm, Hohe 77 cm. 

Siehe auch No. 369. 

-cxgjSio- — 



Modelle von Mechaniken No 215 227 ^^^ 199 



MODELLE von HAMMERKLAVIER-MECHANIKEN 

(Diese Abteilung soil spater durch Anfertigung einer groBeren Anzahl von 
Modellen zur Veranschaulichung der historischen Entwicklung des Klavierbaues weiter 
ausgcbaut werden.) 

No. 215. Modell der Mechanik des „Gravicembalo col piano e 
forte" von Bartolomeo Cristofori (erfunden 1709). Moderne Nach- 
bildung, die genau mit der Mechanik des ini Museum befindlichen 
Hammerflugels v. J. 1726 (No. 170) ubereinstimmt. 

Abbildung auf Seite 172. 

No. 216. Modell der primitiven englischen Hammerfltigel-Mechanik 
von Broadwood & Co., London, aus der Zeit um 1780. Mechanik fur 
Querflugel; sog. „01d Man's Head". Mit Unterdampfung an messingenen 
Dampfertangenten. 

No. 217. Modell der verbesserten englischen Hammerflugel- 
Mechanik von Broadwood & Co., London, aus der Zeit von 1795 bis 
1830. Mit Oberdampfung an holzernen Stechern („ Wooden or Jack 
Damper"). 

No. 218 u. 219. Zwei Modelle der modernen englischen Hammer- 
fliigel-Mechanik von Broadwood & Co., London, aus dem Jahre 1879. 
a) Mit Oberdampfung, b) mit Unterdampfung an Drahtstechern. 

No. 220, 221, 222, 223. Vier Modelie von modernen Pianino- 
Mechaniken von Carlo Perotti, Turin. Aus dem Ende des 19. Jahr- 
hunderts. 

No. 224. Modell der Mechanik des von Luigi Caldera zu Turin c. 1870 
erfundenen „Melopiano"; verfertigt von Carlo Perotti zu Turin. - 
Das mit Repetitionsmechanik ausgestattete Modell laBt die Anlage einer 
„Prolongation"(TonhaItung) und eines eigenartigen Pianozuges erkennen, 
durch den der Hammer zur Erzielung eines schwacheren Anschlags am 
vollstandigen Zuriickfallen verhindert und in halber Hohe gehalten wird. 
Ueber Caldera vgl. Seite 209. Seine Erfindung wnrde von der Londoner Firma 

Kirk man & Son fur England erworben und von ihr weiter vervollkommnet. Vgl. 

Groves „Dictionary", vol III (London 1907), p. 110. 

No. 225. Modell einer modernen Pianino-Mechanik. Unsigniert. 



No. 226. Klaviatur mit(doppelt auslosender Repetitions-) Mechanik 
eines modernen Fliigels von Erard & Cie. in Paris; unsigniert. Urn- 
fang der Klaviatur: Subcontra-A — c 4 (sieben Oktaven und Terz). 

No. 227. Anschauungsmodell zur Fabrikation moderner Piano- 
fortehammer 

in drei verschiedenen Stadien; auf einem Holzgestell aufgereiht. Von 
Carlo Perotti, Turin. 



200 



^^^^^M^^^^^^ 



CLAVIORGANUM 

ist der Name eines heute auBerGebrauch gekommenen Tasteninstruments, das 
eine Kombination eines Klaviers (Clavichord, Clavicymbel oder Pianoforte) mit 
einem kleinen Orgelwerk bildet. Das Orgelwerk, das in das Untergestell des 
Instruments eingebaut ist, besteht gewohnlich nur aus einem oder zwei Floten- 
registern teils gedeckter teils offener Holzpfeifen, denen der Spieler meist 
selbst durch ein kleines Geblase, das er mittels eines Pedaltritts bedient, den 
notigen Wind zufiihrt. Durch Kniehebel oder Pedale, die mit einem sog. 
„Sperrventil" in Verbindung stehen, kann das Orgelwerk ein- und ausge- 
schaltet werden, so daB das Instrument auch als Klavier oder als Orgel allein 
benutzbar ist. 

Das Claviorganum wird auch von Praetorius in seinem „Syntagma 
musicum" erwahnt („Organographia", XLII. Capitel: „Ist ein ... . Clavi- 
cymbel, .... do zugleich neben den Saiten etliche Stimmwerk von Pfeiffen, 
wie in eim Positiv, mit eingemenget sein; von auBen aber nicht anders, als 
ein Clavicymbel .... anzusehen . . . ."). Es war bereits gegen Ende des 
15. Jahrhunderts bekannt: i. J. 1480 befanden sich „Dos Clabiorganos" [zwei 
Claviorgana] im Besitz eines Don Sancho de Pared es, Kammerherrn der 
Konigin Isabella von Spanien. 1 ) Erhalten hat sich noch ein derartiges urn 
hundert Jahre jiingeres Instrument flamischen Ursprungs; es tragt die Inschrift : 
„Lodowicos Threwes me fecit, 1579" und befindet sich jetzt im South 
Kensington-Museum zu London.-) Auch das auf Seite 87 des Katalogs er- 
wahnte Dresdener Instrumenteninventarium aus dem Jahre 1593 verzeichnet 
vier derartige Instrumented) Ebenso scheinen in Italien die alten Claviorgana 
verbreitet gewesen zu sein; in der von Cristofori 1716—31 verwalteten 
Medici-Sammlung (vgl. S. 219 des vorliegenden Katalogs) waren z. B. fiinf 
derartige Instrumente (No. 1, 2, 32, 82, 83) vertreten, darunter eins in Ver- 
bindung mit einem „Regal" oder Schnarrwerk, einem Cembalo und zwei 
kleinen Spinetts. — Hammerklaviere mit Orgelwerk wurden um die 
Wende des 18. Jahrhunderts fur den hauslichen Gebrauch der Organisten 

') Cf. Van der Straeten, „La Musique aux Pays-Bas", vol. VII (1885), p. 248. 

2 ) Cf. En gel, C, ,, Catalogue of the musical instruments in the South Ken- 
sington Museum" (London 1874), p. 375 und Hipkins, A. J. „The Pianoforte...", p. 94. 

3 ) Vgl. M. Fiirstenau, ,,Ein Instrumenteninventarium vom Jahre 1593" (Sep.- 
Abdr., Dresden 1872), Seite 9 und 10: .,17) Ein Clavicordium von Cipressen. darunter 
ein Flotwergk, so . Kretzschmar zu DreBden gemacht. 18) Ein groB Positif mit 
einem Instrument, .... welches zu Augspurg gemacht ... 19) Ein Instrument, for- 
miret wie ein Fliigel darunter auch ein Positif. 38) Ein Clavicortium. darunter ein 
Flotwergk, welches George Kretzschmar zu Dresden gemacht." 



Claviorgana No. 228 u 229 



haufiger gebaut, fan den jedoch keine groBe Verbreitung und kamen im zweiten 
Drittel des 19. Jahrhunderts wieder auBer Gebraucli. -- Das Geblase samtlicher 
im Museum vorhandenen Claviorgana No. 228 — 232 besteht aus je einem 
Schopf- und einem kleinen Magazinbalg (sog. „Widerblaser") und wird dureh 
einen Pedaltritt vom Spieler selbst bedient. 



No. 228. Claviorganum (Tafelklavier mit Orgelwerk) 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das schmucklos ausgestattete Instrument ist in dunkelgebeiztem Kirsch- 
baum fourniert; der Deckel ist aus Weidenholz verfertigt. Der untere 
Rahmen wircl durch drei mit griinem Stoff bespannte Tiiren gebildet; 
die beiden Tiiren unterhalb der Klaviatur sind von leicht geschweifter 
Form. An beiden Seitenwanden des Gehauses sind verzierte Handgriffe 
aus Bronze angebracht. In das Schalloch des Resonanzbodens ist eine 
hiibsche vertiefte Rosette eingelassen. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und eine primitive StoB- 
zungenmechanik ohne Auslosung: derauf dem Tastenhebel angeschraubte 
StoBer schnellt einfach das mit Pergament am Hammerstuhl befestigte 
Hammerchen an die Saite. Die Hammerchen sind an der Anschlag- 
stelle mit kleinen Elfenbeinplattchen versehen, wodurch der Ton spinett- 
artigen Charakter erhalt. — Zur linken Seite sind im Innern des Gehauses 
vier Ziige angebracht: ein Pianozug, der durch Verschiebung, ein Forte- 
zug, der durch Aufheben der Dampfung, ein Lautenzug, der durch 
Auflegen eines mit Wollfransen besetzten Eisenstabes wirkt und ein 
Zug zum Abstellen der Hammer, so daB das Orgelwerk also auch 
allein benutzt werden kann. Dieses besteht aus einem 8'-F16tenregister 
offener Holzpfeifen; nur die Pfeifen fur die tiefste Oktave sind „gedeckt". 
Unterhalb der Klaviatur sind zwei Ziige zur getrennten Anwendung 
des Orgelwerks fur BaB und Diskant angebracht. — Umfang der Klaviatur: 
Contra-F— f :i (tiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die 
Obertasten mit Elfenbein belegt. 

Breite 1,75 m, Tiefe 60 cm, Hohe 91 cm. 

No. 229. Claviorganum (Tafelklavier mit Orgelwerk), 

laut Inschrift auf einem Porzellanschild in der Mitte des Vorsetzbretts 
von „Joh. Gottlob Horn Dresden 1785" erbaut; der Name ist von 
farbigen Blumenmalereien umgeben. Das schmucklos ausgestattete In- 
strument ist aus Eichenholz, das Vorsetzbrett fiber der Klaviatur in 
Birnbaum und Eiche fourniert. 

Das Klavier hat in der tiefsten Oktave einchorige, im ubrigen 
zweichorige Besaitung und deutsche Mechanik mit Holzkapseln und 
Ausl5sung. Das Orgelwerk besteht aus einem 8-FI6tenregister offener 
Holzpfeifen; nur die BaBpfeifen sind gedeckt. Im Gegensatz zu dem 
unter vorhergehender Nummer beschriebenen Claviorganum besitzt dies 
Instrument keinerlei Ziige zum Ein- und Ausschalten der Hammer oder 
der Holzpfeifen; das Orgelwerk wird durch Nichtbetatigung des Geblases 
ausgeschaltet. Das linke der beiden holzernen Pedale wirkt als Forte- 
zug auf das Hammerwerk durch Aufheben der Dampfung. - - Umfang 
der Klaviatur: Contra-F-- g 11 (fiinf Oktaven und ein Ton). Die Unter- 
tasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. Fur die 



202 ^^^^^f^ Claviorgana No. 229-231 

Tasten der Contra-Oktave sind keine Pfeifen vorhanden; das Orgel- 
werk setzt erst mit C der groBen Oktave ein. 
Breite 1,60 m, Tiefe 60 cm, Hohe 92 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 234. 

No. 230. Claviorganum (Taf el klavier mit Orgelwerk), 

laut eingebrannter Inschrift auf eingelegtem Ahornschild von „PFEFFEL / 
au Havre / 1797" erbaut. Das hiibsch ausgestattete Instrument ist in 
Mahagoni fourniert und mit eingelegten, von verschiedenartigen Holzern 
umsaumten Friesen von Ahornholz verziert. Die Fiillungen des Unter- 
baus sind mit durchbrochenen Schnitzereien in gotischem Stil geschmuckt 
und mit dunkelgrunem Stoff hinterspannt. 

Das Klavier hat zweichorige Besaitung und StoBzungenmechanik 
ohne Auslosung. Das Orgelwerk besteht aus einem gedeckten 8'- und 
einem offenen 4'-F16tenregister. Vier unterhalb der Klaviatur ange- 
brachte Ziige ermoglichen An- und Abstellen der einzelnen Register, 
wahrend ein weiterer, jetzt auBer Tatigkeit befindlicher Zug durch Auf- 
heben der Dampfung als Fortezug fur das Hammerwerk diente. (Der 
erste Zug wirkt auf den BaB des 4'-Registers, der dritte Zug gestattet 
Ein- und Ausschalten des Orgelwerks, der vierte Zug wirkt auf das 
gesamte 8'- und der fiinfte Zug auf den Diskant des 4'-Registers.) 
Umfang der Klaviatur: Contra-F-f 3 (fiinf Oktaven). Die Untertasten 
sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,61 m, Tiefe 69 cm, Hohe 99 cm. 

Abbildung auf Seite 204; Nachbildung der Inschrift auf Seite 251. 

No. 231. Claviorganum (Hammerfliigel mit Orgelwerk), 

ohne Namen des Erbauers, aber anscheinend eine Arbeit von C. G. 
Friederici in Gera aus clem Beginn des 19. Jahrhunderts. Das statt- 
liche Instrument ist in Larche fourniert. Die Fiillungen des Unterbaus, 
in den das Orgelwerk eingebaut ist, sind durchbrochen und mit griiner 
Seide hinterspannt. Inmitten des Vorsetzbrettes iiber der Klaviatur ist 
ein kleines Glasschild mit Messingeinfassung angebracht. 

Der Fliigel hat im BaB zweichorige, im Diskant (von b 1 ab) drei- 
chorige Besaitung und deutsche Mechanik mit Messingkapseln und 
Auslosung. Zur linken Seite iiber der Klaviatur befindet sich ein sog. 
„Fagottzug", der durch Auflegen einer mit eiuer Papierrolle besetzten Leiste 
auf die BaBsaiten wirkt. Von den vier vorhandenen Pedalen ist das 
zweite ein Piano-, das dritte ein Fortezug fiir das Hammerwerk. 
Mittels zweier zu beiden Seiten an den Klaviaturbacken angebrachten 
Schieber kann das Hammerwerk abgestellt werden, so daB das Orgel- 
werk, das aus einem Register gedeckter Holzpfeifen im 8-Ton besteht, 
dann allein benutzbar ist. Das Geblase wird durch das vierte Pedal 
vom Spieler selbst bedient, wahrend mittels des ersten Pedals, das mit 
einem sog. „Sperrventil" in Verbindung steht, die Windzufuhr abge- 
stellt, das Orgelwerk also sofort ausgeschaltet werden kann. Unterhalb 
der Klaviatur sind auBerdem zwei Ziige angebracht, die getrennte An- 
wendung von BaB und Diskant des Orgelwerks gestatten. — Umfang 
der Klaviatur: Contra-F — c 4 (fiinf Oktaven und Quinte). Die Unter- 
tasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 
Lange 2,17 m, Breite 1,05 m, Hohe 96 cm. 

Abbildung auf Seite 203. 



203 




204 



H 
n 
x 



LP 
n 



to 

o 

o 




Claviorgana No. 231 u. 232 ^^^^^^ 205 



Das durch seine vielseitigen Klangkombinationen sehr interessante In- 
strument stammt aus dem Bruderhause der Briidergemeinde in Ebersdorf im 
Fiirstentum ReuB. 

No. 232. Claviorganum (Tafelklavier mit Orgelwerk) 

aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das stattliche Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf vier 
achtkantigen vasenartigen Beinen mit Messingrollen. Vorderwand und 
Seitenwande sowie Vorsetzbrett und Klaviaturbacken sind von ein- 
geleglen Adern aus Ahornholz umsaumt. 

Das Klavier hat in der tiefsten Oktave einchorige, im Uebrigen 
zweichorige Besaitung und Wiener Mechanik mit Messingkapseln und 
Auslosung. Es sind zwei Kniehebel (Piano- und Fortezug) vorhanden. 
Das Orgelwerk besteht aus einem 8'-F16tenregister offener Holzpfeifen; 
nur die Pfeifen fur die tiefste Oktave sind gedeckt. AuBer den beiden 
Kniehebeln sind zwei Kniedriicker vorhanden, von denen der linke 
das Ausschalten der Hammer bewirkt, also alleinige Anwendung des 
Orgelwerks gestattet, wahrend der rechte eine umgekehrte Funktionaus- 
ubt, d. h. ein sofortiges Abstellen des Orgelwerks ermoglicht. AuBer- 
dem sind an den Klaviaturbacken zwei Schieber angebracht, die 
wie bei dem vorhergehenden Instrument von Friederici — getrennte 
Anwendung von BaB und Diskant des Orgelwerks zulassen. — Urn- 
fang der Klaviatur: Contra-F— f* (sechs Oktaven). Die Untertasten sind 
mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. Fiir die Tasten der 
Contra-Oktave sind wie bei No. 229 keine Pfeifen vorhanden; das 
Orgelwerk setzt erst mit C der groBen Oktave ein. 

Breite 1,69 m, Tiefe 60 cm, Hohe 887a cm. 



KLAVIERHARFEN. 

Die Klavierharfe oder das Harfenklavier (franz.: „Claviharpe") stellt einen 
Versuch dar, die kostspielige Pedalharfe, deren Behandlung bekanntlich ziemlich 
schwierig und undankbar ist, durch ein Klavierinstrument mit harfenahnlichem 
Klang zu ersetzen. Wenn auch den besten „Claviharpes" von Chr. Dietz in 
Briissel eine Aehnlichkeit mit der charakteristischen „glasernen" Tonfarbung der 
Harfe nicht abgesprochen werden kann, so ist dennoch eine zufriedenstellende 
Losung des nicht leichten Problems trotz vielfacher Versuche und voruber- 
gehender Erfolge bisher nicht gelungen ebensowenig wie es gegliickt ist, 
brauchbare „Streichklaviere" zu erfinden, die den Ton der Streichinstrumente 
nachzuahmen imstande waren. 

Der Erfinder der modernen Klavierharfe 1 ) ist Johann Christian Dietz in 

Paris (1814); die Fabrikation seiner Instrumente, die einen sehr sinnreich ausge- 

dachten Mechauismus besitzen, setzten mit geringfiigigen Aenderungen sein 

') Bereits i. J. 1681 war ein wiirttembergischer Organist Joh. Kurtz mit einer 
„neucrfnndenen Harfe, so durch ein Klavier, gleich einem Spinet, zu schlagen" her- 
vorgetreten. Vgl. Qerbers ,, Lexicon der Tonkunstler" (1790-92), 1. Tlieil Sp. 772. 



206 ^^^^^^ Claviharpes No. 233 -235 

gleichnamiger Sohn und sein Enkel in Briissel fort. Von Versuchen in neuester 
Zeit ist die italienische „Calderarpa", 1890 von Caldera und Racca er- 
funden, und die Klavierharfe von Ignatz Lutz in Wien (1891) zu erwahnen. 
Im AeuBern zeigen alle Modelle dieselbe Form, die an den alten 
Giraffenfliigel erinnert; nur mit dem Unterschied, daB zur VergroBerung 
der Klangfiille die Besaitung sich nicht innerhalb des Gehauses befindet 
sondern frei liegt, wodurch die Instrumente auch auBerlich ein harfenahn- 
liches Aussehen erhalten. 

No. 233. Claviharpe (Klavierharfe), 

laut Inschrift auf eingelegtem Aliornschild in der Mitte der Notenpult- 
leiste von „ .... / J. C. Dietz f i Is / facteur de Clavi-Harpes. rue Neuve 
des petits Champs No 36 a Paris (1821)" erbaut; mit dem Zusatz: 
„Par Brevet d'invention No. 65." Dieselbe Inschrift ist auBerdem 
in die linke obere Ecke des Resonanzbodens geschrieben ; darunter 
befindet sich ein geschriebener Reparaturvermerk des Klavierbauers 
ALBERT MULLER, Paris, aus dem Jahre 1880. - Das Instrument 
ist in Mahagoni fourniert; die der Harfe entsprechende „Baronstange" 
zeigt die Form einer Saule und ist an Kapital und Basis mit ziselierten 
ehemals vergoldeten Bronzebeschlagen versehen. 

Der Bezug besteht aus Stahlsaiten; die BaBsaiten (bis f 1 ) sind mit 
Kupferdraht iibersponnen. Beim Niederdriicken der Taste wird die 
Saite durch eine hakenformige, an der Innenseite belederte Messingkappe, 
die an einem Holzklotzchen angeschraubt ist, angerupft, wodurch ein 
harfenahnlicher Ton entsteht. Sobald der Finger die Taste verlaBt, wird 
der Haken durch ein kleines an einem Messingdrahtchen angebrachtes 
Bleigewicht, das als Fiihrung dient, wieder in seine urspriingliche 
Lage versetzt. Es sind vier holzerne Pedaltritte vorhanden: 1. ein 

Fagottzug, der. durch Anlegen einer Papierrolle auf die BaBsaiten, 
2. ein Fortezug, der durch Abstellen der Dampfung wirkt, 3. ein sogen. 
„FlageoIett"-Zug, der eine mit Filzstiickchen besetzte Leiste an die Mitten 
der Saiten driickt und dadurch einen Flageoletteffekt bewirkt, 4. ein 
Pianozug, der eine mit Wildleder besetzte Leiste an die Saiten driickt. 
— Umfang der Klaviatur: Contra-F — f 4 (sechs Oktaven). Die Untertasten 
sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten aus Ebenholz. 

Hohe 2,24 m, Breite 1,22 m, Tiefe 43 cm. 

Abbildung auf Seite 207; Nachbildung der Inschrift auf Seite 221. 

No. 234 u. 235. Zwei Claviharpes (Klavierharfen), 

laut eingelegter verzierter Inschrift auf der Riickseite des Klaviatur- 
deckels von „Dietz" erbaut; aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. 
Der Erbauer ist der Sohn von Dietz Fils, von dem die unter vorher- 
gehender Nummer beschriebene Klavierharfe herruhrt, und der Enkel 
des Erfinders des Instruments. — In der auBeren Form entsprechen die 
beiden Instrumente genau dem ursprunglichen Modell. Die Gehause 
sind aus imitiertem Ebenholz und mit schon geschnitzten teilweise ver- 
goldeten Ornamenten geschmiickt, deren Wirkung durch Zierschnitt noch 
erhoht wird; besonders schon ist No. 234 ausgestattet. Die Saulen 
sind mit hubsch geschnitzten vergoldeten Kapitalen geschmiickt. 



207 







iV' » 



No. 233. Claviharpe (Klavierharfe) 

von J. C. Dietz Fils, 

Paris 1821. 

Text: Seite 206 




208 




No. 234. Claviharpe (,,Klavierhai fe") 
von Christian Dietz, Bri'issel ca. 1890. 



Text: Seite 206. 



Claviharpes No. 234 u. 235, Calderarpa No. 236, Pedalier No. 237 ^ 209 

Im Gegensatz zu den alteren Claviharpes besteht der Bezug durch- 
gehends aus mit Seide (ibersponnenen Saiten. DieMechanik entspricht mit 
ganz geringfiigigen Abweichungen der Klavierharfe No. 233. Es sind 
zwei messingene Pedaltritte vorhanden, die als Flageolett- und Forte- 
zug dienen. Umfang und Ausstattung der Klaviatur stimmen mit dem 
vorhergehenden Instrument iiberein. 

Hohe je 2,43 m, Breite 1,25 m, Tiefe 39 cm. 

Abbildung von No. 234 auf Seite 208; Nachbildung der Inschrift 
auf Seite 221. 

No. 236. „Calderarpa" (Klavierharfe), 

von L. Caldera in Turin und Racca in Bologna 1890 erfunden; mit 
doppelter in Goldfarbe aufgetragener Inschrift auf vorderer und hin- 
terer Zierleiste: „PATENT / CALDERA / TORINO". Das In- 

strument ist im AeuBern den Dietz'schen Klavierharfen ahnlich, nur 
von kleinerer, gedrungener Bauart. Es ist aus imitiertem Ebenholz und 
an der bis zum Fufiboden reichenden Saule hiibsch bronziert. 

Die Calderarpa hat Stahlsaitenbezug; die tiefsten Saiten (Contra- 
F — Gis der groBen Oktave) sind mit Kupferdraht iibersponnen. Die 
Mechanik ist ziemlich unvollkommen: die Saiten werden nicht wie bei 
den Dietz'schen Claviharpes angerupft, sondern mittels schragstehen- 
der Holzplattchen, die mit Tuchstiickchen bekleidet sind, angestoBen; 
die tiefsten Saiten werden sogar, da die Konstruktion des AnstoB- 
mechanismus sich anscheinend als zu schwach erwies, wie bei dem 
Pianoforte durch Hammer angeschlagen. — Es ist ein Pedal vorhanden, 
das durch Andriicken einer mit Filz besetzten Leiste als Pianozug wirkt. - 
Umfang der Klaviatur: Contra-F — f 4 (sechs Oktaven); die Untertasten sind 
mit Bein belegt, die Obertasten aus Ebenholz. 

Hohe 1,80 m, Breite 1,08 m, Tiefe 36 cm. 
Luigi Caldera, der auch als Erfinder des „Melopiano" (siehe No. 224) 
bekannt geworden ist, arbeitete an seiner „CaIderarpa" im Verein mit Racca 
fast zehn Jahre lang (1881-1890). Zu einer Einfiihrung in Deutschland ist es 
infolge Patentschwierigkeiten nicht gekommen. 1 ) Hergestellt ist die „Calderarpa" 
wahrscheinlich von der Firma Carlo Perotti in Turin (Vgl. No. 220 — 224 
und 227 des Katalogs). — Eine Calderarpa besitzt auch das „Metropolitan- 
Museum" zu New York. (No. 2430.) 



No. 237. „Pedalier" (Uebungspedal), 

laut lithographierter Inschrift in der Mitte der Unterseite des Ober- 
rahmens von „.... JGNACE PLEYEL & COMP'E- Paris" erbaut; aus 
der zweiten Halfte des 19. Jahrhunderts (c. 1870). Auf der Ober- 
seite des Rahmens ist eine Reproduktion der Goldenen Medaille an- 
gebracht, die die Firma Pleyel auf der Pariser Weltausstellung 1855 
erhielt. Das Instrument, das zu Pedalstudienzwecken fur den haus- 
lichen Gebrauch von Orgelspielern bestimmt ist, entspricht im AeuBeren 
- abgesehen von dem um 87 cm vorgebauten Pedalrahmen - einem Pia- 
nino; die Stelle der Klaviatur nimmt die Spielbank ein, so daB also das 
Gehause mit der Besaitung und Mechanik im Riicken des Spielers liegt. 
Das schmucklose Gehause ist aus Eichenholz; der Oberrahmen ist mit 
griinem Pliisch hinterspannt. 

l ) Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", XI. Band (1890,91), S. 271 und 391. 



14 



210 ^B^^B^^B Janko-Klaviaturen No. 238-240 

Das Instrument hat schrag verlaufende Besaitung; die acht tiefsten 
Saiten sind zweichorig, die iibrigen dreichorig. Die Mechanik entspricht 
dem modernen Pianino und hat Oberdampfung. - - Umfang der Pedal- 
klaviatur: Contra-C— d der kleinen Oktave (zwei Oktaven und ein Ton). 
Die Untertasten sind aus Buchenholz, die Obertasten schwarz gebeizt. 

Hohe 1,44 m, Breite 1,23 m, Tiefe 1,25 m. 

Abbildung auf Seite 204. 

JANKO-KLAVIATUREN. 

No. 238. Erste Modelle der Janko-Klaviatur, 

in primitiver Weise von dem Erfinder Paul von Janko 1 ) i. J. 1882 
eigenhandig geschnitzt und von ihm als erste praktische Obertragung 
seiner Idee Herrn Paul de Wit in Leipzig geschenkt. 

No. 239. Stumme Janko- (Uebungs-) Klaviatur, 

laut lithographierter Goldinschrift von „A. H. FRANCKE / LEIPZIG" ver- 
fertigt; etwa aus dem Jahre 1890. In Mahagonikasten mit Messing- 
handgriffen und -beschlagen. 

Breite 42 cm, Tiefe 34 l /s cm, Hohe IOV2 cm. 

Vgl. die folgende Nummer. 

Die ersten Janko-Fliigel baute 1886 Rud. Willi. Kurka in Wien. 

No. 240. Janko-Klaviatur. 

Vollstandiges Modell in dunkel gebeiztem Kasten. 
Breite 72 cm, Tiefe 3872 cm, Hohe I8V2 cm. 

Ueber die Klaviatur von Paul v. Janko sagt Riemanns „Musik- 
Lexikon" (7. Auflage, Leipzig 1909, Seite 659): ,,1882 erfand er eine neue 
Klaviatur, die an die Vincentsche chromatische Klaviatur [vgl. No. 165 des 
vorliegenden Katalogs] ankniipft, aber fur das Auge die Grundskala (C dur) 
kenntlich erhalt. Jankos Klaviatur besteht aus 6 Tastenreihen, die terrassen- 
formig iibereinander liegen, aber nur eine einzige chromatische Skala vor- 
stellen, da die oberen vier Tastenreihen nur andere Angriffsstellen der beiden 
unteren sind (jeder Hebel ist in drei Klaviaturen mit einer Taste vertreten). 
Das Janko-Klavier hat nur *h der gewohnlichen Spannweite fiir die Oktave 
und ermoglicht eine Fulle neuer Effekte (Glissando). Sein anfanglicher Mangel, 
die schwere Spielbarkeit der obersten Tastenreihen, ist durch Veranderungen 
der Konstruktion behoben worden. J. beschrieb seine Klaviatur („Eine neue 
Klaviatur", 1886) und fiihrte sie seit 1886 auf Konzertreisen mit Erfolg vor. . . 
Doch hat sichtlich die Begeisterung fiir das Neue der Erfindung bereits stark 
abgeflaut, und die Gefahr einer neuen Aera der Klaviermusik kann als be- 
seitigt gelten " 

,, Piano Quatuor" von Baudet u. ,,Harmonichord" von Kaufmann 
s. in Abteilung „Friktionsinstrumente"; ebenso Radleiern(Vielles). 

Tastencister, Tastenguitarre, Tastenzither 

siehe in Abteilung ,,Zupfinstrumente". (Bd. II.) 

l ) Qeb. 2. Juni 1856 zu Totis (Ungarn), empfing seine Ausbildung am Wiener 
Polytechnikum und Konservatorium, zuletzt an der Berliner Universitat. Janko lebt 
seit 1892 als Beamter der Tabaksregie in Konstantinopel; 1904 erhielt er die Stellung 
eines Sektionchefs. 

— <y©j5K)- 



Klavierbauer: Adam - - Baffo 



Verzeichnis der Instrumentenbauer 

und Nachbildungen der Inschriften 

zur Abteilung „BESAITETE TASTENINSTRUMENTE". 



Adam, Abel. (Spinettina No. 55.) 

Ein Spinettmacher, der zu Turin um die Wende des 17. Jahrhunderts 
lebte; seine Instrumente waren hubsch ausgestattet. 

Valdrighi') 1N0. 6) ftihrt eiu Spinett mit der allerdings unverbiirgten Jahres- 
zahl ,,1663" an. — Ein Oktav-Spinett a. d.J. 1693 bcsitzt die Kgl. Sammlung zn Berlin 
(Collection Snoeck No. 215); ein kleines Clavecin a. d. J. 1714 befand sich in der 1882 
zu Paris versteigerten alten Sammlung Savoye (No. 7). 

Astor & Norwood. (Tafelklavier No. 146.) 

Englische Instrumentenhandler aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, die 
sich anscheinend hauptsachlich mit dem Vertrieb von Klavieren und Blas- 
instrumenten befaBten. Die Firma wurde von George Astor begriindet 
und war Cornhill 79 zu London ansassig. Ob die Firma die von ihr 
vertriebenen Tafelklaviere selbst baute, ist nicht nachweisbar. Georg Astor 
betrieb das Geschaft zuerst allein und nahm — nach Inschriften auf Instrumenten 
zu urteilen — erst spater Norwood als Teilhaber auf. 

Ein mit „ George Astor" signiertes Pianoforte besitzt das New Yorker Museum 
(No. 2403); ein ebenso signiertes Tafelklavier, das ahnlich unserm Tafelklavier No. 146 
ausgestattet ist, befand sich auf der Chickering-Ausstelluhg in Boston 1902. — Auch 
verschiedene Blasinstrumente der Firma haben sich erhalten: eine hoch B-Clarinette 
von „G. Astor" ist in Briissel (No. 1957), ein Serpent von „Astor & Cie" in Paris 
(No. 1190) und zwei Querfloten von „ Astor & Norwood" (irrtiimlich als „Horwood" 
gelesen) befinden sich in Briissel (No. 1058) und in Berlin (Collection Snoeck No. 676). 

Baffo, Joannes Antonius. (Vgl. Cembalo No. 79.) 

Einer der besten jtalienischen Cembalobauer; er stammt aus Venedig 
und hat dort auch gearbeitet. Er ist um die Wende des 15. Jahrhunderts 
geboren und mufi ein hohes Alter erreicht haben ; seine reich ausgestatteten 
Fliigel zeugen von trefflicher Arbeit. 

Ein Cembalo a. d. J. 1523 besitzt das ,, Museum fur Kunst und Industrie" zu 
Wien, eins aus d. J. 1574 das South Kensington-Museum zu London (No. 6007). Ein 
aus der alten Sammlung Savoye stammendes Cembalo (No. 3) a. d. J. 1579 befindet 
sich jetzt im Pariser Conservatoire (No. 324). Auch in der von Cristofori 1716- 1731 
verwalteten Medici-Sammlung war ,,un cimbalo. . . del' Baffo" (No. 3) vertreten. Die 
Inschriften der beiden Baffo-Cembali in unserer Sammlung (No. 79) und im ,,Histo- 
rischen Museum" zu Basel (No. 221) sind wie bereits S. 96 erwahnt - gefalscht. 

') Valdrighi, Luigi-Francesco, „Nomocheliurgografia antica e moderna ossia 
elenco di fabbricatori di strumenti armonici", Modena 1884. 



212 g^J?lg}t!g)^tfig} Klavierbauer: Baffo— Broadwood 

Die von Valdrighi (a. a. O. No. 176) zitierte Jahreszahl „1597"diirfte eine Verwechslung 
mit ,,1579" (S. ob.) sein. Es ist moglich, daB der von Lutgendorff 1 ) S. 28 ange- 
fuhrte Lauten- und Harfenmacher ,, Antonio Baffo" (1581?) mit Joannes Antonio 
identisch ist. 

Beyer, Adam. (Tafelklavier No. 108.) 

Von Geburt wahrscheinlich ein Deutscher, der ca. 1770 nach London 
ubersiedelte, nachdem der englische Klavierbau durch Johannes Zumpe 
groBere Ausdehnung gewonnen hatte und infolgedessen deutsche Klavier- 
bauer nach England lockte. Er war (nachweisbar von 1781-1795) in der 
Compton Street am Soho-Square nahe der Oxford-Street ansassig; auBer 
Tafelklavieren baute er Claviorgana (Klaviere mit Orgelwerk), die er auch 
nach Paris verkaufte. Mit dem deutschen Physiker Beyer, der 1785 zu Paris 
ein von ihm erfundenes „Glass-chord" vorfuhrte - ein Instrument, bei dem 
Glasplatten mittels einer Hammermechanik angeschlagen wurden — ist Adam 
Beyer nicht identisch. 

Ein Tafelklavier a. d. J. 17S8 besitzt das ,, Norsk Folkemuseum" zu Christiania 
(No. 115); ein anderes a. d. J. 1795 befand sich 1902 auf der Chickering-Ausstellung 
zu Boston (No. 1014). 

Im Jahre 1890 veroffentlichte J. Gal lay „Un inventaire sous la terreur. Etat 
des instruments de musique releve chez les emigres et condamnes par A. Br u n i. . . " 
(Paris, Chamerot) ein kultur- wie musikgeschiehtlich gleich interessantes Buch, 

das ein Verzeichnis von 367 iVlusikinstrumenten enthalt, die zum Besitztum franzo- 
sischer Aristokraten gehorten und zur Zeit der Schreckensherrschaft von der Regierung 
konfisziert wurden. Hierin sind als No. 32 und No. 150 je ein ,, Forte-piano organise" 
(i. e. Claviorganum) von ,,Adam Berjer [sic] Londini . . . 1788" und von ,,Adam 
Berger, Londini . . . 1775" erwahnt; doch diirfte in beiden Fallen der Name irrtiim- 
lich statt ,, Beyer" von Bruni protokolliert oder von Gallay gelesen worden sein. 2 ) 
No. 32 gehorte einer Fiirstin Quinski (= Kinsky, geb. v. Palffy), No. 150 dem 
spanischen Gesandten Comte Fernan-Nunez. 

Brizzi & Niccolai. (Tafelklavier No. 162.) 

Eine Pianofortefabrik in Florenz, die i. J. 1844 gegriindet wurde und 

noch heute besteht (Via dei Cerretani 12); der jetzige Inhaber der Firma ist 
G. Niccolai. 

Broadwood, John & Sons. (Cabinet-Piano No. 151, 

Hammerfliigel No. 177 u. 185.) 
Das beri'ihmte Haus John Broadwood & Sons", London, die alteste noch 
existierende Firma der gesamten Klavierfabrikation, wurde von dem Schweizer 
Harpsichordmacher Burkat Shudi (eigentlich Burkhard Tschudi, 
geb. 13. Marz 1702 im Canton Glarus) gegriindet, der als junger sechzehn- 
jahriger Bursche nach London kam und hier etwa zehn Jahre spater ein Ge- 
schaft im Kirchspiel St. James begann. Er verzog dann wahrscheinlich nach 
Merard Street, Soho, wo er konigliche Protektion erlangte, und scheint endlich 
sich im Jahre 1742 in Great Pulteney Street, St. James (cf. „Daily Advertiser" 
5. Okt. 1742) in dem Hause niedergelassen zu haben, das heute dieNummer33 

') Lutgendorff, Willibald Leo Frh. v., ,,Die Geigen- und Lautenmacher vom 
Mittelalter bis zur Gegenwart." Frankfurt a. M., 1904. 

2 ) Ebenso beruht Gallay 's Angabe in der FuBnote zu No. 32, die einen in Tou- 
louse (!) ansassigen Instrumentenbauer Berge als Verfertiger ansehen will, auf einem 
Irrtum. DaB Gallay nicht alle Namen des Protokolls richtig entziffern konnte. beweist 
u. a. No. 57, wo er statt der bekannten Firma ,, Longman & Broderip" (vgl. Seite 240 
des Katalogs) „Longuian et Broderip" liest. Dieser „Longuian" ist von Valdrighi 
(vgl. die FuBnote auf vorhergehender Seite) unter No. 4284 iibernommen! 



213 




/xX/XLjL-* 



11a Jl'C 



aT/rAVRiMixraa 



Inschrift zum Oktav-Spinett No. 55 (Seite 75). 



■aBH 




Inschrift zum Tafelklavier No. 146 (Seite 152). 




Inschrift zum Tafelklavier No. 108 (Seite 128). 




Inschrift zum Hammerflugel No. 185 (Seite 183). 



214 






Inschrift zum Cabinet-Piano No. 151 (Seite 154). 



Antonio Brunelli Fecce I7?8 



Inschrift zum Oktav-Spinett No. 64 (Seite 80). 



-- RENDSBDRG 1 



Inschrift zum Pianino No. 160 (Seite 162). 




OTA MS ft 



UMLAUT* 4UJRiSTOPHQRX JBATAITINVS 
FACIEB>tr FLOMM1' l^E. 



Inschrift zum Spinett No. 53 (Seite 71). 



Klavierbauer: Broadwood Brunelli ^S^S^^^ 215 

tragt und bis zum Jahre 1904 der Sitz der Firma blieb. John Broadwood, 
geboren im Oktober 1732 zu Cockburnspath in Schottland, war gleich Shudi 
seines Handwerks ein Schreiner oder Kunsttischler; er kam etwa um 1755 
nach London und fand im Jahre 1761 in Shudis Werkstatt Beschaftigung 
(cf. „Gazetteer and Daily Advertiser", v. 14. Ian. 1767). Dank seiner Begabung 
und Tiichtigkeit wurde er bald Shudis bester, unentbehrlicher Gehulfe; 
i. J. 1769 heiratete er Shudis Tochter Barbara und wurde im folgenden 
Jahre Geschaftsteilhaber Shudis bis zu dessen am 19. August 1773 erfolgten 
Tode. Broadwood assoziierte sich hierauf mit seinem Schwager Burkat Shudi, 
der aber nach neun Jahren wieder aus dem Geschaft austrat. VomJahrel782 
ab blieb John Broadwood einziger Eigentumer der Firma „Shudi & Broadwood", 
bis er im Jahre 1795 seinen Sohn James Shudi Broadwood als Teilhaber 
aufnahm und die Firma in John Broadwood & Son" anderte. Die endgiiltige 
Firmierung John Broadwood & Sons" datiert seit dem Jahre 1807, als ein Sohn 
aus spaterer Ehe, Thomas Broadwood, als dritter Teihaber eingetreten war. 

Die Einfiihrung des Pianobaues in das Geschaft fallt in das Jahr 1773, 
und zwar begann Broadwood mit dem Bau von Tafelklavieren nach dem 
Zumpe'schen Modell. Zehn Jahre spater (1783) erhielt die Firma ein Patent 
fur ein verbessertes Tafelklavier, in dem die alte Clavichord-Anlage endgiiltig 
aufgegeben und die Stimmstockplatte und Stimmnagel von der rechten Seite 
auf die Hinterseite des Resonanzbodens verlegt war. In demselben Jahrzehnt 
gelang es der Firma, auch verbesserte Fliigel auf den Markt zu bringen, die 
mit ausgeglichener Skala, geteiltem Stimmstock fur Baft- und Diskantsaiten 
und mit Forte- und Pianopedal versehen waren — Errungenschaften, die 
bald allgemeine Annahme fanden. — John Broadwood, dessen Name und 
Fabrikate unterdessen Weltruf erlangt hatten, starb im Jahre 1812; sein Sohn 
James B. (1772-1851) uberlebte ihn um fast vierzig Jahre. Das Geschaft 
ging nach James' Tode auf seinen Sohn Henry Fowler B. (1811 — 1893) 
iiber, dessen Sohn — ein Urenkel John Broadwoods — H en ry John Tschudi 
Broadwood, der jetzige Leiter des Welthauses ist. Die Firma wurde im 
Oktober 1901 in eine Aktiengesellschaft (John Broadwood & Sons, Limited") 
umgewandelt. Die alten Lokalitaten in Pulteney Street, in denen die Fabrik 
seit hundertsechzig Jahren ununterbrochen betrieben war, wurden 1904 gegen 
groBere Raumlichkeiten an der Ecke Conduit Street und George Street, 
Hanover Square, aufgegeben. 

(Nach Grove's , .Dictionary" Vol. I [1904] p. 405 und „Zeitschrift fur Instru- 
mentenbau", II. Band No. 11, S. 141 f.) 

Klaviere und Fliigel von Broadwood befinden sich in den Sammlungen von 
Berlin (Snoeck-Collection No. 180), New York (No. 2768, 2805), Steinert-New Haven 1 ) 
(No. 31) sowie in verschiedenen englischen Sammlungen. — Das Haus Broadwood 
besitzt auch eine Privatsammlung, die 22 Instrumente enthalt; cf. „Collection 
of antique Instruments at John Broadwood & Sons. . ." (London, c. 1904) und ,,Zeitschrift 
fur Instrumentenbau" 24. Jahrgang (1904), S. 757 u. 759. 

Brunelli, Antonio. (Spinettina No. 64.) 

Das betreffende Instrument, das die Jahreszahl ,,1798" tragt, macht den 
Eindruck einer Laienarbeit. Moglicherweise ist der Verfertiger ein Nach- 
komme des Komponisten und Kapellmeisters Antonio Brunelli, der zu 
Anfang des 17. Jahrhunderts in San Miniato, Prato und Pisa wirkte ; auch 
zwei Musiker Domenico und Lorenzo Brunelli, die zu derselben Zeit 
lebten und wahrscheinlich der namlichen Familie angehoren, werden von 
den Lexikographen (Walther, Fetis, Eitner) erwahnt. 

') Diese Sammlung wurde i. J. 1900 vom Besitzer der Yale University in New 
Haven als Geschenk itberwiesen. 



216 ^^^^^ Klavierbauer: Caspersohn- Cristofori 

Caspersohn, H. & Com p. (Pianino No. 160.) 

H. Caspersohn besaB eine Kunsttischlerei in Rendsburg und verband 
sich im Jahre 1839 oder 1840 mit einem schwedischen Klavierbauer 
C. J. Malmgren zur Begriindung eiuer kleinen Pianofortefabrik. Die 
Tischlerei mit der Fabrik brannte jedoch i. J. 1843 ab; Caspersohn gab in- 
folgedessen den Klavierbau auf und beschrankte sich nach dem Neubau 
seiner Werkstatte auf die Mobelfabrikation. 1 ) 

Cristofori, Bartolomeo. (Spinett No. 53, Cembali No. 84, 85, 86, Ham- 
merflugel No. 170.) 
Bartolomeo' 1 ) Cristofori, iiber dessen Lebenslauf nur wenig ubermittelt 
ist, wurde nach Ausweis der Kirchenbucher der Chiesa di San Luca am 
4. Mai 1655 als Sohn des Francesco C. zu Padua geboren; seine Eltern 
waren einfache Leute aus dem Volk. Schon friihzeitig verbreitete sich sein 
Ruf als geschickter Cembalaro; bei einem (bereits S. 72 erwahnten) Besuche, 
den der Granprincipe Ferdinand von Medici, der alteste Sohn des 
GroBherzogs Cosimo 111., auf einer Reise nach Venedig i. J. 1687 der Stadt 
Padua abstattete, erregten seine Instrumente die Aufmerksamkeit des kunst- 
verstandigen Furstensohnes, und er veranlaBte Cristofori zur Uebersiedlung 
an den Hof zu Florenz, der damals den wichtigsten Mittelpunkt des 
kiinstlerischen und musikalischen Lebens Italiens bildete. Wahrscheinlich 
hat diese Uebersiedlung bald nach dem Jahre 1687 stattgefunden; jedenfalls 
war Cristofori bereits im August 1690 in Florenz ansassig. Seine Werkstatt 
befand sich vermutlich im Uffizien-Palast in der Nahe des alten Theaters, 
wo auch die GieBerei und die Arbeitsraume der Kunstschreiner untergebracht 
waren. Vom 1. April 1698 ab wurde Cristofori mit einem festen monat- 
lichen Gehalt von 12 Scudi und einer jahrlichen Mietsentschadigung von 
24 Scudi vom Hofe besoldet, wahrend seine Arbeiten vorher einzeln entlohnt 
worden waren. Im Jahre 1709 besuchte der Schriftsteller und Archaolog 
Scipione Maffei (1675 1755) Florenz, um das Protektorat Ferdinands 
von Medici fur seine Zeitschrift „Giornale dei letterati d' Italia" zu erbitten ; 
bei dieser Gelegenheit lernte er Cristofori und seine neue Erfindung des 
„Gravicembalo col piano e forte" kennen, woruber er zwei Jahre spater 
im „Giornale" einen ausfuhrlichen Bericht veroffentlichte (Vgl. Seite 115 des 
Katalogs). Diese Beschreibung iibernahm Maffei dann in eine Sammlung 
seiner Schriften, die unter dem Titel „Rime e Prose" 1719 in Venedig er- 
schienen, und auch in Deuischland erfuhr man durch die in Matthesons 
„Critica musica" 1725 erschienene Uebersetzung des Maffei'schen Aufsatzes 
von den neuartigen Instrumenten. Vermutlich ist Cristofori zu seiner Erfin- 
dung durch den Fiirsten Ferdinand unmittelbar angeregt worden, zumal 
dieser auBer groBer Vorliebe fur Musik und Poesie auch reges Interesse fiir 
alles Neue auf dem Gebiet der mechanischen Wissenschaften und Kiinste 
zeigte. — Ferdinand wurde bereits am 30. Oktober 1713 von einer heim- 
tiickischen Krankheit dahingerafft ; Cristofori verblieb jedoch im Dienste des 
Hofes und erhielt drei Jahre spater von dem regierenden GroBherzog Cosimo III., 
der iibrigens fiir die kiinstlerischen Neigungen seines Sohnes nur wenig 
Verstandnis zeigte, den Posten eines Konservators der prachtigen Instrumenten- 



') Diese Mitteilungen verdankt das Museum der frdl. Vermittelung der Piano- 
fabrik Bock & Hinrichsen in Rendsburg. 

2 ) Diese Schreibart — mit einem m — findet sich in den eigenhandigen 
Rechnungen und Dokumenten Cristoforis, die das Staatsarchiv zu Florenz bewahrt. 
Sein Name kommt iibrigens auch in den z. T. dialektisch korrumpierten Schreibarten 
Cristofali, Cristofani, Cristoffoli und Cristofoli vor. 



217 






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(Verkleinertes) Faksimile der Rechnung Cristoforis iiber das Spinett No. 53 

(Vgl. Seite 72). 






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Faksimile der Empfangsbescheinigung Cristoforis 
unter dem Invenlar der Instrumentensammlung Ferdinands v. Medici („23. Settembre 1716"). 



218 




SWUHLeXR DE CHKISTOPHOR1S J&ATAVINSS SftCTCSAT FLORENTijfc M.IKX 




Inschrift zimi Cembalo No. 85 (Seite 103). 




RTHOLGMJ5.VS D£ CHHLrSTOFHORlS PaTAYIWVS INVENTOR FACIEBAT FLORENTINE. M.DCCXJfc 



N 



Inschrift zum Hammerfliigel No. 170 (Seite 170). 




«U£CC£i Yj US£j>JO<Z< 



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ju-Oi pp/rrvxs Qava* t£ 77 1 



Inschrift zum Oktav-Spinett No. 60 (Seite 79). 



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J jreaenbacn 



Inschrift zum Clavichord No. 31 (Seite 50). 



Klavierbauer: Cristofori ^^^^S^^5 219 



sammlung iibertragen, die der Granprincipe hinterlassen hatte. 1 ) Im hohen 
Alter von fast77Jahren starb der Erfinder des Hammerklaviers am 27.Januarl731 
zu Florenz; den Klavierbau setzte sein geschickter Gehulfe Giovann i Ferrini 
fort, wahrend sein Amt als Konservator der Instrumentensammlung im Sep- 
tember des nachsten Jahres Pietro Mazzetti erhielt. - Cristofori wurde in 
der heute nicht mehr bestehenden Kirche San Jacopo tra Fossi beigesetzt. Am 
7. Mai 1876 wurde anlaBlich einer ihm zu Ehren in Florenz veranstalteten 
Ausstellung-) im Kreuzgang der Klosterkirche von Santa Croce zu Florenz 
ein Denkstein mit folgender Inschrift erricbtet: 

„A Bartolommeo Cristofori 

Cembalaro da Padova che 

in Firenze nel MDCCX1 

Invento 

il Clavicembalo col Piano e Forte." 

DaB Cristofori mit einem gleichnamigen Geigenbauer, von dem ein 
schones Cello und ein ContrabaB aus den Jahren 1715 und 1716 bekannt sind, 
identisch ist, wie Piccolellis („Liutai antichi e moderni", Firenze 1885) und 
nach ihm Liitgendorff annehmen, diirfte ein Irrtum sein, da dieser Cristofori 
i. J. 1680 als dreizehn Jahre alter Schuler von Nicola Amati in Cremona 
erwahnt wird, mithin i.J. 1667 geboren sein muB, wahrend als Geburtsjahr 
des Erfinders des Hammerklaviers 1655 feststeht; auch geht aus den zahlreichen 
im Staatsarchiv zu Florenz vorhandenen Dokumenten und Rechnungen hervor, 
daB letzterer sich nur als Klavierbauer und -reparateur betatigt hat. — Ein 
Portrat Cristoforis ist bisher nicht bekannt geworden. 

Literaturnachweise: Puliti, Leto. Cenni storici della Vita del Serenissimo 
Ferdinando dei Medici Granprincipe di Toscana e della Origine del Pianoforte. 
Memoria letta nell'Adunanza dell' Accademia del R. Istituto Musicale il di 7 Dicembre 
1873 ... . (Estratto dagli Atti deHAccademia del R. Istituto Musicale di Firenze, 1874). 
Firenze, 1874. 8°. 150 SS. u. 8 lith. Tafeln. — Casaglia, Ferdinando. Per le onoranze 
a Bartolommeo Cristofori che avranno luogo in Firenze il di 7 maggio 1876. Firenze 1876. 
8", 32 SS - Casamorata, L. F. ArtikeUCristofori" in Fetis' ,, Biographic universelle 
des Musiciens", Supplement, Tome premier (Paris 1881), p. 217-219 - Hipkins, A.J. 
Artikel ,, Cristofori" in Grove's ,, Dictionary of Music and Musicians", vol. 1 
(London 1904 ), p. 636-637. 

] ) Das genaue Verzeichnis dieser Sammlung, die in dem vorliegenden Katalog 
bereits mehrfach erwahnt wurde, ist auf Seite 101-106 der wertvollen Quellenschrift 
,, Cenni storici.." von L. Puliti (s. o.) abgedruckt Das mit eigenhandiger Empfangs- 
bestatigung Cristoforis tvgl. Faksimile auf Seite217des vorliegenden Katalogs) ver- 
sehene Inventar vom 23. September 1716 weist 84 Nummern auf. Die Zahl der zur 
Sammlung gehorenden Instrumente betrug insgesamt 161, und zwar waren vorhanden: 
18Cembali, wovon sechs von Cristofori und mehrere von Domenico da Pesaro 
und Gierolamo Zenti, 16 Spinetts, 3 Clavichords („Sordini"), 2 kleine Orgeln, 
5 Claviorgana, wovon eines in Verbindung mit einem Cembalo und zvvei Spinetten, 
1 sog. ,,Gambenwerk", 5 Theorben, 3 Lauten, 5 Guitarren. 1 Mandoline, 1 Harfe, 

I Salterio, 3 Lire da gamba, ein Chor von 13 Viole da gamba, 2 Viole da braccio 
von Antonio Stradivari, 10 Violinen, worunter 2 von Jacob Stainer, 4 von 
Nicola Amati, 1 von Antonio Amati und 2 von Antonio Stradivari, 
7 Violoncelli („Bassetti di mano"), worunter 2 von Nicola Amati und 1 von 
Antonio Stradivari, 2 Contrabasse, 3 Chore Schnabelfloten, 3 Querfloten, 1 Fagott, 

II Zinken und 11 Dudelsacke (,,Zampogne"). Wann die schone Sammlung aufgelost 
wurde und in wessen Besitz die einzelnen Instrumente iibergingen, ist nicht zu er- 
mitteln gewesen ; wahrscheinlich sind manche Stiicke daraus spater in private und 
offentliche italienische Sammlungen ubergegangen. 

J ) Bei dieser Gelegenheit wurde eine von P. Cavoti gezeichnete, von A. Bortone 
modellierte und von L. Gori gravierte Medaille gepragt, deren ausfiihrliche Be- 
schreibung auf Seite 132 des Werkes ,,Musica in nummis" von K. Andorfer und 
R. Epstein (Wien 1907) enthalten ist. 



220 ^^^^^ Klavierbauer: Cristofori- Deckert 

In derMedici-Sammlung(vgl. Fufinote 1 auf vorhergehender Seite) waren folgende 
sieben von Cristofori erbaute Instrumente vertreten (Puliti, a. a. O., p. 102 u. 106): 
,,Un Cimbalo di ebano con' tastatura d'avorio seg. No. 6. 

Uno Spinettone da Teatro seg. No. 9. 

Tre Cimbali ad un registro sego- No. 10. 

Un' Cimbalo ad un' Registro seg. No. 76. 

Un' Cimbalo da sonarsi ritto. . . con' tastatura di bossolo... seg. No. 77". 
AuBerden in unserm Museum befindlichen funf Instrumenten (No. 53, 84, 85, 86 und 
170) und dem Hammerfliigel v. J. 1720 im „Metropolitan -Museum" zu New York 
(No. 1219) 1 ) sind weitere authentische Instrumente Cristoforis bisher nicht auffindbar 
gewesen. 2 ) - Zwei dr eimanualige Cembali, die in den letzten Jahren in Italien auf- 
tauchten und von den Erwerbern einer nordamerikanischen Universitat und einem groBen 
siiddeutschen Museum gestiftet wurden, haben sich als Falschungen erwiesen. Sie riihren 
aus derselben triiben Quelle in Florenz her, der auch verschiedene in bezug auf 
Ausstattung und Signierungen zum mindesten zweifelhafte Instrumente im New-Yorker 
,, Metropolitan-Museum" entstammen. (Vgl. audi Bemerkung zu No. 1, Seite 28.) 

Crudeli, Giuseppe. (Spinettina No. 60.) 

Ein italienischer Klavierbauer, der zu Lucca (Oberitalien) lebte und 
i.J. 1781 zuarbeiten begann. Naheres ist iiber ihn nicht nachweisbar; Valdrighi 
verzeichnet als No. 767 einen Orgelbauer Crudeli, der zur gleichen Zeit lebte, aber 
nicht aus Jesi, der Geburtsstadt Pergoleses stammte, sondern in Recanati 
ansassig war. (Cf. Fetis' .,Biographie universelle", tome 8 e , p. 87 [Spontini].) 
Anscheinend ein Verwandter Giuseppes C. ist der von Valdrighi unter No. 3585 
zitierte Orgelbauer Federigo C. (Lucca 1820). 

Daniel Freres. (Reise-Hammerklavier No. 143.) 

Eine Klavierbauer-Firma zu Briissel, die nach der Inschrift des Reise- 
klaviers No. 143 dort in der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts (1773) ansassig 
gewesen sein soil. Die Inschrift diirfte aber nicht authentisch sein; das In- 
strument muB mindestens dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts angehoren. 

Deckert, Johann Nicolaus. (Bundfreies Clavichord No. 31.) 

Ein Klavierbauer zu GroB-Breitenbach bei Arnstadt in Thuringen, der 
etwa seit d. J. 1790 Clavichords, Hammerflugel und Tafelklaviere verfertigte, 
die ihrer Preiswiirdigkeit und ihres guten Tones wegen sehr gesucht waren. 
Er starb 1826. - Die Preise seiner Clavichords betrugen 5 — 7, seiner Piano- 
forte 8 bis 20 Louisd'or. 

Vgl. Gerber, Neues Lexikon der Tonkiinstler (1812-1814), 1. Theil, Sp. 858; 
Fetis, Biographie universelle (1878—1883), tome 2«. p. 448. 

') Ausfiihrliche durch Abbildungen erlauterte Beschreibungen dieses altesten 
Hammerfliigels finden sich in der zitierten Schrift von Puliti (pp. 119-126) und 
in dem anlaBlich der Wiener Musikausstellung 1892 erschienenen Prachtwerke 
„Illustrazioni di alcuni Cimeli concernenti l'Arte musicale in Firenze" (Firenze 1892, 
Tavola XXXVII). 

2 ) O. Paul erwahnt in seiner ,,Geschichte des Claviers" S. 114 zwei „aus 
Cristofali's Fabrik" (!) stammende Hammerflugel; doch diirfte es sich in beiden 
Fallen um einen Irrtum handeln. In dem von ihm zitierten Briefe Zelters an Goethe 
vom 29. September 1804 (vgl. „Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter...", 1. Theil, 
Berlin 1833, S. 144) ist die Rede von einem Si Ibermannschen (Kiel-) Fliigel, und 
auch das von Burney in seinem „Tagebuch einer Musikalischen Reise" (1. Bd., 
Hamburg 1772, S. 151) erwahnte schone Pianoforte a. d. J. 1730, das der Verfasser 1770 
bei dem beriihmten Sanger Farinelli (Carlo Broschi, 1705 — 1782) sah und von diesem 
^Raphael d' Urbino" genannt wurde, ist nicht als eine Arbeit Cristoforis bezeichnet. 
Wahrscheinlich riihrte dies Instrument — wie es Cesare Ponsicchi („I1 Pianoforte, sua 
origine e sviluppo", (Firenze 1876, p. 37) und Hipkins („The Pianoforte ..", p. 102) 
annehmen — von Cristoforis Schiiler Giovanni Ferrini (vgl. Seite 219) her. 



221 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 201 (Seite 194). Inschrift zur Claviharpe No. 233 (Seite 206). 





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Inschrift zu den Claviharpes No. 234 u. 235 (Seite 206). 




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Inschrift znm Clavichord No 12 (Seite 36). 



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222 




lnsclnift zum Clavichord No. 1 (Seite 27). 



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Inschrift zum Cembalo No. 67 (Seite 88). 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 181 (Seite 182). 




Inschrift zum Cembalo No. 92 (Seite 108). 



Klavierbauer: Deiff— Dohnal ^^^^^^ 223 

Deiff, Gregor. (Hammerfliigel No. 201.) 

Deiff lebte als „Biirg. Orgel- und Instrumentenmacher" zu Miinchen in 
dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Naheres lieB sich iiber ihn leider 
nicht ermitteln, da laut Auskunft des Miinchener Stadtarchivs Standesamts- 
register zu Anfang des 19. Jahrhunderts im rechtsrheinischen Bayern noch 
nicht eingefiihrt waren. Auch in einem Miinchener AdreBbuch v. J. 1835 hat 
sich der Name D. nicht vorgefunden. 

Dietz, Johann Christian („Claviharpe" No. 233) und Christian Dietz 
f„Claviharpes" No. 234 u. 235.) 
Der eigentliche Erfinder des „Claviharpe" ist Johann Christian Dietz 
(geb. 1769, gest. ca. 1845), ein vielseitiger Instrumentenbauer und genialer Erfinder 
auch auf anderen Gebieten mechanischer Kiinste. Er fiihrte die Klavierharfe 
zum erstenmal i. J. 1814 zu Paris vor und erregte dainit groBes Aufsehen 
und allgemeine Bewunderung. 1 ) Sein gleichnamiger Sohn Johann Christian 
Dietz, geb. urn 1801 zu Emmerich, hat sich ebenfalls als Erfinder auf 
dem Gebiete der Musikinstrumente einen Namen gemacht. An der Vervoll- 
kommnung der Klavierharfe arbeitete er weiter und baute in den Jahren 1819 
bis 1821 eineAnzahl derartiger Instrumente; auch gab er i.J. 1821 eine Broschiire 
heraus: ,, Description du Claviharpe, invente par M. Dietz pere et execute par 
MM. Dietz fils et Comply" (Paris, 21 pp. 8°). Spater beschrankte er sich in 
der Fabrikation jedoch hauptsachlich auf Pianofortes. Im Alter von fi'mf- 
undachtzig Jahren zog sich der riistige Greis von Paris nach Briissel zuriick, 
wo er die Arbeiten seines Sohnes Christian Dietz (geb. 1851 zu Paris) 
tiberwachte. Dieser, der Enkel des Erfinders des Claviharpe und der dritte 
Trager des Natnens, widmete sich, gestutzt auf die Familientradition, in Briissel 
ausschlieBlich der Fabrikation der Klavierharfe, und von ihm riihren die 
beiden im Museum befindlichen Instrumente No. 234 u. 235 her. 

Nach „Zeitschrift fur Instrumentenbau" XIV. Bd (1893-94), S. 506 u. XVII 
Bd. (1S96— 97), S. 139 f.; die dortigen Angaben beruhen auf Familieniiberlieferung. 

Klavierharfen des Erfinders Johann Christian Dietz finden sich in der Kgl. 
Sammlung zu Berlin (No. 1202 und Snoeck-Collection No. 389), vom Sohn („J. C. 
Diet/, fils 1821") in dun Museen zu Stockholm (No. 110 und Kopenhagen (No. 279) 
und vom Enkel in der Sammlung zu Briissel (No. 1612). 

Dohnal, Joseph (wahrscheinlich Verfertiger der Orphikas No. 167-169). 

Joseph D. wurde 1759 zu Dub in Mahren (Kreis Olmiitz) geboren und 
machte sich in Wien als Klavierbauer selbstandig. Am 10. April 1810 kaufte er 
mit seiner Gattin Thekla geb. Gall nan n das Haus „zum Meeressturm", 
Gartnergasse No. 87 an der Wien (Vorstadt Laimgrube), und starb hier im 
Alter von siebzig Jahren am 30. Dezember 1829. - - (Vgl. auch Seite 168.) - 
Seine Erbschaft trat sein gleichnamiger Sohn an, der i.J. 1793 zu Wien geboren 
war. Er hatte anscheinend bei dem renommierten Meister Josef B rod maun 
den Klavierbau erlernt und starb in den fiinfziger Jahren zu Wien. 

Nach frdl. Nachforschungen des Herrn A. Haidecki in Wien. 

Je eine mit „Dohnal" signierte Orphika besitzt das Gewerbemuseum zu Markneu- 
kirchen (No. 933) und das Landesmuseum zu Gorz. (Vgl. „Fach-I<atalog" der Musik- 
Ausstellung Wien 1892, Seite 140, No. 102, auch No. 103). Das Exemplar in Markneu- 
kirchen enthalt folgenden gedruckten Zettel: 

,AVer diese Orphica ohne Mitwissen des Erfinders ganz oder in ihren 

wesentlichen Teilen nachmacht, verfallt zu Folge des von Sr. k. k. Majestat dem 

Erfinder fiir den Alleinverkauf erteilten, und am 26. August 1795 durch die 



l ) Naheres iiber ihn siehe in der Abteilung „Friktionsinstrumente". 



224 tlg^lSKlg}^ Klavierbauer: Dominicus Pisaurensis 

Wienerzeitung bekannt gemachten Privilegii, nebst Verluste des nachgemachten 
Instruments noch in eine Geldstrafe von hundert Kaiserlichen Ducaten." 

Orphikas besitzen aufierdem die Sammlungen zu Berlin (No. 1200, 1201), Christiania 

(No 68), New York (No. 1246), Paris (No. 362) etc. 

Dominicus Pisaurensis. (Gebundenes Clavichord No. 1, Cembalo No. 67.) 

Domenico, ein hervorragender Erbauer von Tasteninstrumenten, wurde 
Anfangs des 16. Jahrhunderts geboren und lebte etwa bis zum Jahre 1580. 
Sein Zuname „Pisaurensis" nennt als seine Heimatstadt Pesaro 1 ), die in der 
ersten Halfte des 16. Jahrhunderts durch Lucrezia d'Este, die kunstsinnige 
Gemahlin des Herzogs Francesco Maria II. aus der Familie della Rovere 
(vgl. Bemerkung zum Positiv No. 241), einen Mittelpunkt kiinstlerischen und 
literarischen Lebens bildete. — Ueber Domenicos Leben ist nichts weiter nach- 
weisbar, als dab er in Venedig gearbeitet haben muB. (S. u.) Bekannt ist das 
„Gravecembalo", das sich der bedeutende Musiktheoretiker Gioseffo Zarlino 
(1517 — 1590) von Domenico, den er als ausgezeichneten Klaviermacher riihmt, 
i. J. 1548 bauen lieb. Vgl. seine „Istitutioni harmoniche . . . ." Venetia 1558, 
pag. 140: „vno de tali iftrumenti feci fare io l'anno di noftra falute 1548 in 
Vinegia''), per vedere, in qual maniera poteffero riufcire le harmonie chro- 
matice, & le Enharmonice; & fu vn Ciauocembalo, & e anco appreffo di me, 
il quale fece Maeftro Dominico Pefarefe fabricatore eccelente di fimili 
iftrumenti; nel quale non folamente li Semituoni maggiori fono diuifi in 
due parti, ma anche tutti li minori . ..." In diesem eigenartigen Instrument 
waren also nicht nur die groBen sondern auch alle kleinen Halbtone in zwei 
Teile geieilt, d. h. sowohl Ober- als auch Untertasten waren nach den Er- 
fordernissen der „reinen" Stimmung„gebrochen", so daB derGanzton vierfach 
geteiltwar. (Vgl.auch J.G. Walther, Musicalisches Lexicon, Leipzig 1732, S. 473.) 

Die Annahme Liitgendorff's („Die Geigen- und Lautenmacher". . .. 
S. 146), daB ftinf Violen, die im Besitze Konig Philipps II. von Spanien waren, 
von Domenico da Pesaro stammen, erscheint fraglich, zumal die Erwahnung 
im Inventar der Musikinstrumente des Konigs nur „de mano de Dominico" 
lautet, also keinen Hinweis auf die Heimatstadt Pesaro enthalt. 

Die Berliner Kgl. Sammlung besitzt ein undatiertes Spinett Domenicos (No. 1031), 
die Briisseler Sammlung ein Spinett a. d. J. 1548 (No. 1584) und ein undatiertes Cem- 
balo (No. 1606). Im Pariser Conservatoire befindet sich auBer einem Cembaletto v. J. 
1543 (No. 323) ein unsigniertes Clavichord (No. 1485), das bereits bei No. 1 des vor- 
liegenden Katalogs (S. 27) erwahnt ist; an gleicher Stelle (S. 28) ist ein Clavichord a. 
d. J. 1547 genannt, das 1889 dein franzosischen Sammler M. Thibout fils gehorte. 
Das „ Metropolitan-Museum" zu New York besitzt ein Spinett aus dem Jahre 1561. 
Ein im South Kensington- (Victoria and Albert-) Museum zu London befindliches 
Cembalo mit der spaten Datierung 1590, das bereits — It. Groves „ Dictionary" vol. IV p. 
182 - Oktav- (4') Saiten und zwei Registerziige besitzt, diirfte nicht authentisch sein. 

Ein Spinett a. d. J. 1575 war imjuli 1901 auf einer Londoner Auktion; vgl. „Zeit- 
schrift der J. M. G.", Jahrg. II, S. 409. - 

In der von Cristofori 1716—1731 verwalteten Medici-Sammlung waren vier 
Instrumente Domenicos vertreten: ein Cembalo (No 4), ein Claviorganum uSordino 
. . . . con' graviorgano" , No. 32), ein Oktav-Spinett („Cembaletto ottavino" 
No. 78) und ein Clavichord („Sordino", No. 80). Aus zwei von Casaglia 3 ) mitgeteilten 
Rechnungen geht hervor, daB Cristofori ein Spinett und ein Cembalo Domenicos 
(wahrscheinlich No. 78 und No 4 der obigen Sammlung) i. J. 1693 repariert hat. 

') Pesaro ist ein Kiistenort am adriatischen Meer, nordlich von Ancona. Die 
Stadt ist auch als Geburtsort Rossinis, des „Schwans von Pesaro", bekannt. 

2 ) Vinegia ist eine veraltete, aber noch bis zum 16. Jahrhundert gebrauchliche 
Bezeichnung fur „Venezia" (Venedig). 

3 ) Cf. Casaglia, Ferd. ,,Per le onoranze a Bartolommeo Cristofori ..." 
(Firenze 1876), Documento \'I & VIII (pag. 24 u. 27). 



Klavierbauer: Donat - Dulcken 5§§}(lgtflg}£lS^l§} 225 

Donat (lat. „Donatus"), Johann Jacob. (Gebundenes Clavichord No. 12.) 
Der Orgel- und Klavierbauer Johann Jacob D. gehort einer Orgelbauer- 
familie an, die in verschiedenen Zweigen wahrend des 17. und 18. Jahr- 
hunderts in Sachsen ansassig war; in Gerbers „Neuem . . . Lexikon" (1812, 
1. Theil, Sp. 916) werden Mitglieder der Familie in Zwickau, Altenberg und 
Leipzig erwahnt. Wahrscheinlich war Johann Jacob ein Verwandter des Leipziger 
Orgelbauers Christoph Donat, der „um die Mitte des 17. Jahrhunderts 
beriihmt" war und i. J. 1667 die Orgel der Leipziger Stadtkirche erbaute. 

Dulcken, Louis. (Hammerflugel No. 181.) 

Johann Ludwig (Jean Louis) Dulcken wurde am 5. August 1761 zu 
Amsterdam geboren und erlernte in seiner Heimatstadt und spater in Paris 
unter Leitung seines Vaters x ) den Klavierbau. Bereits 1781 berief ihn der 
Kurfiirst Karl Theodor als „mechanischen Klaviermacher" an den Hof zu 
Miinchen; er hatte hier (1792) eine „eigene Behausung" „C-V No. 39 vor 
dem Kost Thoerl". 1787 ist seine Besoldung in den Hofrechnungen mit 
300 Fl., 1790 mit 350 und 1793 mit 400 Fl. angegeben. Im Jahre 1799 hei- 
ratete er die gefeierte Pianistin Sophie Lebrun (geb. 1781) -) ihre beiden 
altesten Tochter machten sich ebenfalls als Pianistinnen und die jiingste, 
Violande, als Sangerin einen Namen. - - Dulckens Klaviere waren ihres guten 
Tones und schoner Ausstattung wegen nicht nur in Deutschland sondern auch 
in Italien, der Schweiz und anderwarts bekannt und gesucht. In der ,, All- 
gem. Musikalischen Zeitung" (22. Jahrg., 1820, Sp. 550) wird Dulcken bei 
der Aufzahlung der konigl. Hofmusik in Miinchen als „mechanischer Hof- 
klaviermacher" und „ein ausgezeichneter erfinderischer Kopf, der es mit jedem 
in seinem Fache aufnimmt" genannt. Sein Todesjahr ist nicht ubermittelt. 

Vgl. Lipowsky Baierisches Musiklexikon, Miinchen 1811, S. 70; Qerber, Neues 
. . . Lexikon, 4. Theil, Sp. 790 -91; Schilling, Universal-Lexikon . . ., 2. Bd., S. 506; 
B i erd i m p f 1 , dieSammlung der Musikinstrumente des baierischen Nationalmuseums, S. 72. 
Ein Hammerklavier von Louis Dulcken-Miinchen a. d. J. 1792 besitzt das baierische 
Nationalmuseum zu Miinchen. (No. 206.) Auf der Wiener Ausstellung 1892 befand 
sich ein Dulcken'scher Fliigel, den die Stadt Miinchen 1816 der Kaiserin Carolina 
Augusta, einer geborenen Prinzessin von Bayern, als Hochzeitsgabe widmete. (Vgl. 
„Fach-Katalog . . .", Wien 1892, Seite 3, No. 26.) 

') Der Vater war wahrscheinlich der bei C. Pierre (,,Les facteurs d'instruments" 
p. 135) erwiihnte Louis Dulcken in Paris, der 1783 rue Vieille-du-Temple und 
1788 — 89 rue Monconseil wohnte. Gerber („Neues . . . Lexikon", 1. Theil, Sp. 948) 
und nach ihm Schilling (a. a. O.) bezeichnen Jean Louis als Sohn des aus Hessen 
stammenden Clavecinmachers Johann Daniel D.; das scheint aber ein Irrtum zu sein, 
da dieser Dulcken nicht in Amsterdam sondern in Antwerpen ansassig war, und zwar 
etwa seit dem Jahre 1740 (vgl. No. 432 der Snoeck-Collection zu Briissel). Burney 
nennt Johann Daniel D. im „Tagebuch seiner Musikalischen Reisen" (2. Band, 
Hamburg 1773, Seite 41) den ,,besten Fliigelmacher" nach den drei Ruckers. Clavecins 
von ihm besitzen die Sammlungen zu Berlin (Snoeck-Collection No. 231 u. 233) und 
Briissel (No. 1605 u. 1608). Nach der Inschrift des Clavecin Snoeck No. 231 zu urteilen, 
war er 1764 nach Briissel iibergesiedelt. Diese Uebersiedelung war anscheinend 

durch den zu Anfang des Jahres 1763 erfolgten Tod seines Vaters, des Clavecinbauers 
Anton Dulcken, veranlabt worden, nachdem die Witwe sich in verschiedenen Ein- 
gaben mit der Bitte urn Gewahrung der Biirgerrechte und Privilegien an den Briisseler 
Magistrat gewandt hatte. Ausfiihrliches Material hierzu bringt E. Vander Straeten 
in seinem Werke „La Musique aux Pays-Bas" bei (Tome I, Bruxelles 1867, p. 197—205), 
ohne freilich das etwas verwickelte Verwandtschaftsverhaltnis zwischen den einzelnen 
Tragern des Namens „ Dulcken", iiber das bei alien Lexikographen und ihren Ent- 
lehnern groBe Unklarheit herrscht, entwirren zu konnen. 

2 ) Sie war eine Tochter des Oboe-Virtuosen Ludwig August Lebrun (1746 bis 
1790) und seiner Gattin, der ausgezeichneten Sangerin Franziska Lebrun (1756 bis 
1791), einer Tochter des Bassisten Danzi. 



15 



226 f^^^^^^ Klavierbauer: Erard 



Erard, Sebastien & Pierre. (Hammerfliigel No. 200, Mechanik No. 226.) 
Sebastien Erard entstammt einer deutschen Familie Erhard und wurde 
am 5. April 1752 zu StraBburg i. E. als Sohn eines Tischlers geboren. Im 
Alter von sechzehn Jahren kam er naeh Paris zu einem Clavecinbauer in die 
Lehre, iibertraf jedoch bald seinen Meister und wurde deshalb entlassen. Der 
Ruf seiner hervorragenden Geschicklichkeit verbreitete sich so schnell, daB 
er bereits nach kurzer Zeit die Aufmerksamkeit der Aristokratie auf sich 
gelenkt hatte, und im Jahre 1776 fand er eine Gonnerin in der kunstsinnigen 
Herzogin von Villeroi, die ihm in ihrem SchloB geeignete Raume zur 
Anlage einer Werkstatte anwies; hier verfertigte er i. J. 1777 das erste in 
Frankreich hergestellte Pianoforte. In Gemeinschaft mit seinem Bruderjean 
Baptiste Erard 1 ) errichtete er dann ein eigenes Etablissement in der Rue 
de Bourbon. Das rasch sich steigernde Renommee der Firma ermoglichte 
1786 die Begriindung einer Filiale in London. Zahlreiche Neuerungen und 
Erfindungen im Instrumentenbau sind unzertrennlich mit dem Namen „Erard" 
verkniipft; besondere Erwahnung verdienen sein „Piano organise", die „Harpe 
a fourchette", die ,,Orgue expressif" sowie namentlich die Doppelpedalharfe 
(„a double mouvement", 1811). Die weitaus wichtigste seiner Erfindungen 
ist aber die Repetitionsmechanik mit „doppelter Auslosung" („double echap- 
pement", 1823), iiber die Naheres bereits auf S. 1 19 u. 193 des Katalogs mitgeteilt 
ist. Auch als Orgelbauer leistete er Ausgezeichnetes; sein letztes Werk war 
(1827) die Expressivorgel mit Celestin-Pedal in der Kapelle der Tuilerien. Eine 
hartnackige Krankheit machte seinem arbeitsreichen, aber auch von groBen 
Erfolgen gekronten Leben am 5. August 1831 ein Ende; er starb auf seinem 
Schlosse La Muette bei Passy. Sein Neffe Pierre Erard, geb. 1796, 
gest. ebenfalls auf La Muette am 18. August 1855, wurde sein Erbe und Nach- 
folger in der Leitung des Welthauses. Ihm folgte seine Witwe; der jetzige 
Chef des Pariser Hauses ist Graf v. Franq uevi 1 1 e, der eine Nichte Pierre 
Erards geheiratet hatte; Geschaftsfuhrer ist M. Blond el. Die Londoner 
Fabrik wurde 1890 aufgelost; das dortige Verkaufshaus leitet Daniel Mayer. 

Vgl. Fetis, F. ,, Notice biographique sur Sebastien Erard", t Paris 1831, 21 pp 4°; 
,,Perfectionnemens apportes dans le mecanisme du Piano par les Erard depuis l'origine 
de cet instrument juspu'a l'exposition de 1834", Paris 1834, mit 8 lithographierten 
Tafeln; ,, Notice sur les travaux de MM. Erard", Paris 1855, ebenfalls mit Tafeln; 
ferner: „Zeitschrift fur Instrumentenbau" II. Bd. (1881-82), S. 233 f. und die Artikel 
in den Lexicis von Fetis, Grove und Riemann. 

Ein Erard-Tafelklavier a. d. J. 1793, das Ambroise Thomas, dem Komponisten 
der Oper ,,Mignon" gehorte, besitzt die Pariser Sammlung (No. 338) ; weitere Tafel- 
klaviere sind in Berlin (a. d. J. 1795, Collection Snoeck No. 178), in New York (a. d. J. 
1800, No. 2147; und in Paris (a d. J. 1813, No. 1383) etc. Beethovens Erard-Fli'igel 
a. d. J. 1803 besitzt - wie bereits Seite 120 erwahnt das Museum Francisco-Caro- 
linum zu Linz; ein ebenfalls von Beethoven oft benutzter Fliigel aus demselben Jahre 
gehort dem Fiirsten Karl L i c h n o w s k i in Gratz bei Troppau. 2 ) Der von Erard-London 
i. J. 1832 anF. Mendelssohn-Bartholdy geschenkte Fliigel befindet sich jetzt in 
der Berliner Kgl. Sammlung (No. 1095); ebenso seit einigen Jahren der Erard-Fliigel 
Meyerbeers. - Im Briisseler Musee sind verschiedene Modelle von Erard-Mechaniken 
vorhanden (No. 1648-51). 

Wie beliebt und verbreitet die Erard-Klaviere zu Ende des 18. Jahrhunderts in 
Paris waren, beweist auch das Bruni'sche ,,Inventaire sous la terreur" (vgl. Seite 212 
des vorliegenden Katalogs), in dem elf Erard'sche Pianoforte aus den Jahren 1784-90 
(No. 48, 63, 68, 127, 148, 202, 228, 237, 356, 360, 367) und ein „Piano organise" a. d. 
J. 1791 (No. 219) angefuhrt sind. 



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') Eine Tochter von ihm wurde die Gattin des Komponisten Gasparo Spontin i. 
-) Vgl. „Fach-Katalog" der Wiener Musikausstellung 1892, Seite 299 No. 129. 



227 



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MEDAILLEDORALEXFOSITIONDEI827. 




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Inschrift zurtl Hammerfliigel No. 200 (Seite 193). 




Inschrift zLim Tafelklavier No. 130 (Seite 142). 




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Inschrift zum Oktav-Spinett No. 52 (Seite 71). 



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Inschrift zum Clavichord No. 23 (Seite 45). 




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Inschrift zum Tafelklavier No. 129 (Seite 142). 




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Inschrift zum Hammcrklavier No. 109 (Seite 128). 



Inschrift zum Clavichord No. 9 (Seite 34). 



Klavierbauer: Fani- Friederici ^rg^rjfg^lSXlg} 229 

Fani (?), Luigi. (Spinettina No. 38.) 

Ein italienischer Spinettmacher aus der ersten Halfte des 17.Jahrhunderts 

(1635), iiber den sich nichts Naheres ermitteln lieB. Nach dem im Museum 

vorhandenen Spinett zu urteilen, fertigte er hubsch ausgestattete Instrumente. 

Floriano, Benedetto. (Spinett No. 33.) 

Ein geschickter Spinettmacher aus der zweiten Halfte des 16.Jahrhunderts 
(1571), der nach Valdrighi („Nomocheliurgografia u No. 1072) in Venedig 
ansassig war. Auf venezianischen Ursprung und Geschmack deutet iibrigens 
auch die in orientalischem Stil gehaltene Bemalung des Spinetts No. 33 hin. 
Ein Cembalo mit der Inschrift ,, Benedict. Floreanus MDLXXII" (1572) besitzt 
das „Conservatoire des Arts et Metiers" zu Paris. 

Francke, A. H. (Janko-Klaviatur" No. 239.) 

Hof-Pianofabrik in Leipzig, Gustav-Adolfstr. 47. Die Firma wurde 1865 
gegriindet; jetziger Inhaber ist Theophil Francke. 

Franco, Giovanni Francesco. (Cembalo No. 92.) 

Ein italienischer Instrumentenbauer, der urn die Mitte des 18.Jahrhunderts 
(1757) lebte und vielleicht in Turin, woher das Cembalo No. 92 stammt, 
ansassig war. Moglicherweise ist Giovanni Francesco ein Nachkomme des 
Florentiner Lautenmachers Stefan o Franco, von dem das Museum eine 
Pandurina (kleine Diskant-Laute) aus dem Jahre 1692 besitzt. 

Friederici, Christian Gottlob. (Bundfreies Clavichord No. 30, Tafel- 
klavier No. 130, Claviorganum No. 231.) 
Christian Gottlob Friederici wurde am 23. August 1750 zu Gera als 
Sohn des Ratskammeres Christian Gottfried F. (geb. 21. Marz 1714 zu 
Meerane in Sachsen, gest. 6. Marz 1777 zu Gera) geboren, der in Gemeinschaft 
mit seinem Bruder, dem Altenburgischen Hof-Orgelbaumeister Christian 
Ernst F. (geb. 8. Marz 1709 zu Meerane i. S., gest. 4. Mai 1780 zu Gera), 
einem Schiller von Gottfried Silbermann in Freiberg, den Instrumenten- 
bau betrieb; beide zahlen zu den hervorragendsten Orgel- und Klavierbauern 
des 18. Jahrhunderts. ') Ihre Eltern waren der Vizeburgermeister und Stadt- 
schreiber Johann F. in Meerane und seine Gattin Eva Maria geb. Salz- 
brenner; die beiden Sonne Ernst und Gottfried waren 1737 und 1744 
nach Gera iibergesiedelt. Des letzteren Gattin, Christiane Dorothee 
(geb. 1717, gest. 1770), war die einzige Tochter des Rats-Oberbaumeisters 
und Buchhandlers Stei nbeeck. — Gottlob besuchte das Gymnasium seiner 

! ) Im Orgelbau, den er(nach Gerbers Lexikon) bei dem Altenburgischen Hoforgel- 
bauer Gottfried Heinrich Trost erlernt hatte, scheint Christian Ernst Friedericis 
Ruf besser gewesen zu sein als seine Arbeit; einen Beweis hierfiir bietet der Bericht iiber 
den ProzeB betreffs der St. Jacobi-Orgel zu Chemnitz 1765- 1772 in der „Zeitschrift fiir 
Instrumentenbau" XXIV. Band (1903-04), S. 1025 f. - Vgl. fiber ihn auch Seite 116 des 
vorliegenden Katalogs. Die Erfindung des „Pyramidenfliigels" fallt in das Jahr 1745 
und wurde von Friederici durch einen Kupferstich bekannt gemacht (S. „Zeitschrift 
fiir Instrumentenbau", XV. Band [1894-95], S. 398). Es haben sich noch zwei 
derartige Instrumente erhalten ; sie befinden sich jetzt in der Briisseler Sammlung 
und iin Goethehaus zu Frankfurt a. M. Der Briisseler Fliigel (No. 1631 ; Catalogue 
vol. Ill, p. 199 — 201) tragt die Inschrift: „diese Pyramide hat gefertiget und erfunden 
Christian Ernst Friderici Orgelbauer in Gera in Monats 7*"' [September] An° 1745. 
S. D. G." [= Soli Deo Gloria]; der im Goethehaus befindliche Fliigel, der ebenfalls 
a. d. J. 1745 stammt, ist im XXI. Bd. (1900-01) der „Zeitschrift fiir Instrumentenbau" 
abgebildet und beschrieben. Im vierten Buch des ersten Teils von „Dichtung und 
Wahrheit" berichtet Goethe iiber den Fliigel im Elternhause („ . . . Friderici in Gera, 
dessen Instrumente weit und breit beriihmt waren . . . "). Auch in Mozarts Eltern- 
haus in Salzburg waren Instrumente von Friederici vertreten ; es geht dies aus einem 
Brief hervor, den der Vater Leopold Mozart an Wolfgang nach Augsburg am 



230 ^S^^S^S Klavierbauer: Friederici— Gerstenberg 



Vaterstadt und bezog 1769 die Leipziger Universitat, um sich der Jurisprudenz 
zu widmen. Nach einer Studienzeit von funf Jahren kehrte er nach Gera 
zuriick; da er aber wenig Neigung zu seinem gewahlten Berufe zeigte, 
widmete er sich auf Anraten seines Oheims Christian Ernst dem Klavierbau 
und iibernahm nach dessen Tode 1780 sein Geschaft, das sich eines weit- 
verbreiteten ehrenvollen Rufes erfreute. Er verheiratete sich im nachsten Jahre 
mit Johanne Christiane Wilhelmine Fii rbri nger (geb. 8. Dez. 1756 zu 
Gera, gest. 12. Febr. 1840 ebendort), die ihm sieben Kinder schenkte. Das 
Geschaft nahm von Jahr zu Jahr einen groBeren Aufschwung. Friederici'sche 
Klaviere und Flugel waren weit iiber Deutschlands Grenzen bekannt und geschatzt ; 
auch in Forkels „Musikalischem Almanach auf das Jahr 1782" und in Gerbers 
,,Neuem . . . Lexikon der Tonkunstler" (1812) werden sie geriihmt. I m Jahre 
1786 wurde Christian Gottlob F. von dem Fiirsten ReuB von Lobenstein der 
Titel eines „Reussischen Kammerraths" verliehen. Er starb bereits im Alter 
von 55 Jahren am 21. Januar 1805; das Geschaft fiihrte der alteste Sohn, 
Hofmechanikus Christian Ernst Wilhelm F. (geb. 19. April 1782 in der 
Zoitzmiihle bei Liebschwitz, gest. 3. Februar 1872 zu Gera) fort; ihm folgte 
als letzter Vertreter der beri'ihmten Klavierbauerfamilie Ernst LudwigF. 
(geb. 27. November 1806 zu Gera, gest. 7. Mai 1883 ebenda). 

Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", XXIV. Bd. (1903-04), S. 209 f., S. 867 f.; 
XXV. Bd. (1904-05,) S. 128 f., S. 161 f. Diese Aufsatze sind von Emil Fischer 
in Gera verfaBt und beruhen auf genauem Quellenmaterial. — Die Nachrichten iiber 
Christian Gottlob Friederici basieren auf einer Autobiographic, die am 16. Januar 1802 
im „Lobensteinischen gemeinniitzigen Intelligenzblatte" erschien. 

Gellinger, Israel. (Zweimanualiges Oktav-Spinett No. 52.) 

Der Orgel- und Instrumentenbauer Israel Gelliuger stammt aus StraBburg 
und erhielt laut Ausweis der Biirgerbiicher am 23. April 1653 das Burgerrecht 
der Stadt Frankfurt a. M., nachdem er schon vierzehn Jahre als „BeisaBe" dort 
gewohnt hatte; er war also um 1639 von StraBburg nach Frankfurt uber- 
gesiedelt. Seit dem Jahre 1649 war er Organist („Orgelsch lager") zu 
St. Katharina und hat die Orgel auf seine Kosten „in Bau und Besserung" 
gehalten. Im Juni 1653 wurde er als Instrumentenmacher in die Schreiner- 
zunft aufgenommen. Er war viermal verheiratet; nachweisbar sind die Namen 
seiner zweiten Gattin (1659: Barbara, Tochter des f Andreas Gangler) 
und seiner vierten Gattin (1665: Anna Katharine, Tochter des f Henrich 
Rohr, Burgers zu Licht in Oberhessen). 1672 wurde sein Sohn Andreas 
Gellinger, friiher in Heidelberg und StraBburg, Organist an der BarfiiBer- 
Kirche; ein Orgelmacher Israel Gellinger, wahrscheinlich ein Enkel 
Israel d. Aelt., erhielt 1716 das Frankfurter Biirgerrecht. ') 

Gerstenberg, J oh. David. (Zweimanualiges Pedal-Clavichord No. 23.) 

Ein Orgelbaumeister zu Geringswalde-j in Sachsen, dessen eigentlicher 

Name Gerstenberger ist. Laut Ausweis der dortigen Kirchenbiicher 

9. Oktober 1777 schrieb. Es heiBt darin : 3 ) „. . . Wenn Du mit Herrn Stein 
sprichst, so muBt Du alle Gelegenheit vermeiden, von unseren Instrumenten von 
Gera eine Meldung zu machen, denn er ist eifersiichtig mit dem Fride- 
rici . . .". Das bezieht sich auf den Besnch Mozarts bei Joh. Andreas Stein, der 
auf S. 119 und 174 des vorliegenden Katalogs erwahnt ist. 

1 ) Das Museum verdankt diese dem Frankfurter Stadtarchiv entnommenen 
Angaben der frdl. Vermittlung des „Stadtischen historischen Museums" zu Frankfurt a. M. 

2 J In Geringswalde machte einer der besten Orgelbauer des 19. Jahrhunderts, 
Friedrich Ladegast, seine Lehrzeit durch. (Vgl. „Verzeichnis der Instrumenten- 
bauer zur Abteilung Orgeln".) 

3 ) Nach L. No hi, „Mozart nach den Schilderungen seiner Zeitgenossen", 
Leipzig 1880, S. 156. 



Klavierbauer: Giusti Hildebrandt 



wurde er als Sohn des Hanss Gersten berger von Hilmsdorf und dessen 
Gattin Susanne am 2. Mai 1716 geboren und Tags darauf getauft. Er starb 
im Alter von achtzig Jahren am 24. Dezember 1796 und wurde am 27. beerdigt. 

Giusti, Giovanni (Joannes) Baptista. (Cembalo No. 73 und wahrschein- 
lich auch No. 78 u. 81.) 

Ein Instrumentenmacher in Lucca, der in der zweiten Hafte des 17. und 
Anfangs des 18. Jahrhunderts lebte und ausgezeichnete Cembali baute. 
Lutgendorff (a. a. O. S. 224) erwahnt inn auch als Lautenmacher (1693); im 
Verfertigen von Lauten war er „weniger hervorragend, dagegen zeigen seine 
Cimbalone durchweg schone Arbeit". 

In der Berliner Kgl. Samnilnng befindet sich als No. 1062 ein Clavicymbel, 
dessen Inschrift „Cimbalo del Sig. Professor Giusti 1701" der ,,Fiihrer" (S. 109) als 
,,vielleicht unecht" bezeichnet; doch weist der betreffende Fliigel in der Bauart Aehn- 
liclikeit mit den in unserem Museum befindlichen Cembali auf, so daB die Inschrift sehr 
vvohl authentisch sein konnte. 

Greifenhagen, Johann Rudolph. (Tafelklavier No. 129.) 

Nach Ausweis der Kirchenbiicher von Borna (Bezirk Leipzig) ist der 
„Biirger und Musikalischer Instrument- Verfertiger" Johann Rudolph Greifenhagen 
dort am 16. April 1806 im Alter von 50 Jahren und drei Monaten gestorben; 
seine Geburt fallt also in den Anfang des Jahres 1756. Seine Gattin hieB 
Rosine So phie, geb. Laurentius; sie starb mit Hinterlassung zweier 
Tochter am 25. September 1807 im Alter von 56 Jahren. 

Guth, Johann Georg Michael. (Hammerklavier No. 109.) 

Ein Orgel- und Instrumentenbauer, der in der zweiten Halfte des 18. Jahr- 
hunderts in Musbach bei Neustadt an der Hardt (Unterpfalz) ansassig war. Nach 
Meusels „Teutschem Kunstlerlexikon" (2. Ausgabe, Lemgo 1808, 1. Band, 
Seite 324) ist er zu Niederhochstadt in der Pfalz geboren und baute „Fortepianos 
nach dem feinsten englischen Geschmack, und eine besondere Art von Orgeln." 
Ein Guth'sches Hammerklavier aus der Sammlung Steinert-New Haven befand 
sich 1892 auf der Wiener Musik-Ausstellung (Vgl. den Aufsatz von O. Fleischer, 
„Die Musikinstrumente in der Ausstellung" in dem von S. Schneider 1894 heraus- 
gegebenen Prachtwerke ,,Die . . . Ausstellung . . . Wien 1892"; doch ist dort [Seite 72] 
der Name irrtumlich als „Muth" zitiert). 

Haase, Georg. (Gebundenes Clavichord No. 9.) 

Der „Orgelmachermeister" George Haase wurde nach Ausweis der 
Kirchenbiicher St. Petri zu Bautzen zu Anfang des Jahres 1650 als Sohn des 
gleichnamigen Mullers und Wildschiitzen zu Osslingen (Ossling bei Kamenz 
in Sachsen) geboren und i. J. 1679 mit Dorothea Wentzel, Tochter des 
Aeltesten „der Kiichler und weiBbecker" Hermann W., als 39. Paar zu Bautzen 
getraut. Er starb dort als „Vornehmer Burger und Kunsterfahrner Orgel- 
und Instrumentmacher" am 9. Marz 1712. — „Budissin" (oder Budysin) ist der 
alte wendische Name der sachsischen Stadt Bautzen. 

Hauser, Johannes Hermann. (Gebundenes Clavichord No. 17.) 

Ein Klavierbauer, der urn die Mitte des 18. Jahrhunderts (1761) lebte. 
Als Wohnort gibt die Inschrift des Clavichords „Gimb" an ; es laBt sich nicht 
entscheiden, ob die Abkiirzung als Gimborn im Rheinland, Gimbsheim in Hessen 
oder Gimbweiler in Oldenburg zu deuten ist. 

Hildebrandt, Fried rich. (Kleines Hammerklavier No. 99.) 

Ein Klavierbauer, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu Leipzig 
„auff der Quergasse No. 1635" wohnte und als einer der friihesten Ver- 
fertiger von Hammerklavieren bemerkenswert ist. Er ist vielleicht ein Verwandter 
des beruhmtenDresdenerOrgelbauersZach arias Hildebrand (1680— ca. 1755), 



232 5Sg^ia51l3^ Klavierbauer: Hildebrandt-Horn 

des besten Schiilers von Gottfried Silbermann und Erbauers derOrgel der 
Dresdener Schlofikirche. Auch durch seine Freundschaft mitjohann Sebastian 
Bach ist Zaeharias H. bekannt; er fertigte um das Jahr 1740 nach Baclis 
Angaben ein „Lautenelavicymbel" an, von dem Adlung in seiner „Musica 
mechanica Organoedi" (2. Band, Seite 139) eine Beschreibung gibt. (Vgl. No. 66 
[S. 87, FuBnote3] und No. 262 des Katalogs). Dessen Sohnjohann Gott- 
fried H. ist der Erbauer der Orgel der Michaeliskirche zu Hamburg. 

Vgl. Gerbers Lexika (1790, 1. Th, Sp. 636; 1812-14, 2. Th., Sp. 672) und 
Spitta „Joh. Seb. Bach" (Leipzig 1873-80; Bd. I, S. 637, Bd. II, S. 114, 117) etc. 

Hodsoll, William. f„Cabinet-Piano" No. 148.. 

Ein Londoner Musikalienhandler und Verleger, der auch einen Klavier- 
handel betrieb. Er begann sein Geschaft 1794 und ubernahm kurz vor 1800 
von Francis Lin ley die beruhmte Handlung von John Bland, 45 High 
Holborn. Erst nach fast vierzigjahriger erfolgreicher Tatigkeit zog sich Hodsoll 
1831 vom Geschaft zuriick; seine Firma fiihrte Zenas T. Purday weiter. 

Vgl. Groves ..Dictionary" (Vol. II, London 1906, p. 414). 

Hofmann, Ferdinand. (Tafelklavier No. 140 u. Hammerflugel No. 176.) 
Ferdinand Hofmann wurde um das Jahr 1760 (1756 oder 1762) zu Wien 
geboren; er war ein geschickter Klavierbauer. Er wohnte um 1800 ,,nachst 
dem Getreidmarkte, bei 3 Hufeisen No. 28" und erwarb am 15. Juni 1807 das 
Haus „auf der Windmuhl, Krongasse 54 zu den drei Lanzern" (heute Bienen- 
gasse 6 im VI. Bezirk). 1820—22 ist er im Wiener „Handlungs-Gremien- 
Kalender" als „k. k. Hof-Kammer-Klavier-Instrumentenmacher"aufgefuhrt. Nach 
den Totenprotokollen der Stadt Wien ist er am 25. Janner 1829 im allgemeinen 
Krankenhause im Alter von 73 Jahren (ledig) gestorben, wahrend die Kirchen- 
biicher der Pfarre zu St. Joseph sein Alter mit 67 Jahren angeben. 
Nach frdl. Nachforschungen des Herrn A. Haidecki in Wien. 

Horn, Gottfried Joseph. (Bundfreies Clavichord No. 27.) 

Gottfried Joseph Horn wurde 1739 zu Nickern, einem Dorfe bei Dresden, 
als Sohn eines Miillers geboren. Er erlernte das Mullerhandwerk und uber- 
nahm auch spater die Miihle des Vaters; als er aber nach einigen Jahren zu- 
fallig in den Besitz des Werkzeugs und der Modelle aus der Hinterlassen- 
schaft des Instrumentenmachers Schwarze, eines Schiilers von Silbermann 
in StraBburg, gelangte, bekam er Lust zu der neuen Profession und wandte 
sich dem Klavierbau zu, zu dem er viel natiirliche Anlagen mitbrachte. 1772 
war sein erstes, 1785 das einhundertfunfzigste Clavichord fertig; bis zu seinem 
i. J. 1795 erfolgten Tode hat er fast 470 Instrumente fertig gestellt. Er beschrankte 
sich fast ausschlieBlich auf den Bau von Clavichords, die „wegen ihres Silber- 
tons sehr gesucht wurden". (Gerber.) Zur Unterscheidung von seinem jiingeren, 
in Dresden ansassigen Bruder Johann Gottlob nannte er sich „Horn senior". 
Vgl. G. A. Klabe, ,,Neuestes gelehrtes Dresden" (Leipzig 1796) S. 69, Meusel, 
,,Teutsches Kiinstlerlexikon" 1. Band (1808), S. 421 und Gerber, ,,Neues . . . Lexikon" 
(1812-14), 2. Theil, Sp. 725. 

Horn, Johann Gottlob. (Claviorganum No. 229.) 

Johann Gottlob Horn wurde als jungerer Bruder Gottfried Josephs 1748 
ebenfalls zu Nickern bei Dresden geboren. Von Jugend an zeigte er viel Lust 
zum Instrumentenbau, so daB er von seinem Vater nach Dresden geschickt 
wurde, um hier zunachst bei einem Meister Keitel das Tischlerhandwerk zu 
erlernen. Seine Ausbildung im Klavierbau empfing er bei zwei der besten 
deutschen Meister: i. J. 1771 ging er zu Joh. Andreas Stein nach Augsburg 
und zwei Jahre spater zu Christian Ernst Friederici nach Gera, wo er 
sechs Jahre blieb. Auf Anraten Friedericis machte er sich dann 1779 in Dresden 



233 




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Inschrift zum Clavichord No. 17 (Seite 



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Inschrift zum Hammerklavier No. 99 
(Seite 122). 



Inschrift zum Cabinet-Piano No. 148 (Seite 153). 




Inschrift zum Hammerfltigel No. 176 (Seite 178). 




Inschrift zum Clavichord No. 27 (Seite 49). 



234 




Inschrift zum Claviorganum No. 229 (Seite 201) 




Inschrift zum Clavichord No. 22 (Seite 44). 




Inschrift zum Hammerfltigel No. 172 (Seite 174). 



Klavierbauer: Horn -Hubert c^r^^f^^ 235 

selbstandig; er scheint hier eine Zeitlang mit dem geschatzten Klaviermacher 
Mack gemeinsam gearbeitet zu haben. (s. u.) Gleich denen seines Bruders 
genossen auch seine Instrumente einen guten Ruf. — Er starb bereits i.J. 1796, 
ein Jahr nach dem Tode seines alteren Bruders. Trotz seines verhaltnismaBig 
friihen Todes hat er iiber 550 Instrumente (Clavichords, Clavicymbel, Hammer- 
klaviere und Claviorgana) fertig gestellt. Nach Klabe war der Preis eines 
seiner einfachen Clavichords 30, eines Fortepianos 100 und eines Clavecin 
200 Thaler. Seine Werkstatt iibernahm im Auftrage der Witwe sein Schiiler 
Carl Ernst Fiirchtegott Renzsch, der aber schon im folgenden Jahre eine 
eigene Klavier- und Orgelbauanstalt in Dresden eroffnete. 

Vgl. Klabe (a. a. O., S. 68), Meusel (a. a. O., 1. Bd. S. 421) und Gerber 
(a. a. O.; 2. Theil, Sp. 726 u. 727, 3. Theil, Sp. 838). 

Ein undatiertes bundfreies Clavichord mit der Signierung „Horn und Mack" 
befindet sich in der Sammlung Galpin zu Hatfield (Broad Oak, Essex, England). 
Ein ebenfalls bundfreies Clavichord von Job. Gottlob Horn a. d. J. 1791 ist in der 
Sammlung Schumacher-Luzern. 



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Hubert, Christian Gottlob. (Gebundenes Clavichord No. 22; bundfreie 
Clavichords No. 24 u. 25; kleiner Hammerflugel No. 172.) 

Christian Gottlob Hubert wurde i. J. 1714 zu Fraustadt (Wschova) im 
damaligen Konigreich Polen geboren. Er scheint bereits friih die Heimat 
verlassen zu haben und nach Deutschland gekommen zu sein; 1740 trat er als 
Orgel- und Instrumentenmacher in die Dienste des Markgrafen Friedrich von 
Bayreuth (reg. 1735—1763). Bei der Wiedervereinigung der Furstentumer 
Bayreuth und Ansbach i.J. 1769 wurde der Hofhalt nach Ansbach verlegt und 
Hubert, der den Titel „Hochfiirstlich Anspachischer Hof-Instrumenten-Bauer" 
erhielt, siedelte mit der Kapelle nach Ansbach iiber. Gerber sagt in seinem 
Lexikon 1790: „Seine Arbeiten, sowohl selbst erfundene als verbesserte 
Klaviere [Clavichords], Fliigel und Pianoforte wurden sehr gesucht, teuer 
bezahlt und zum Teil nach Frankreich, England und Holland versendet." 
Hubert zahlt zu den besten Klavierbauern des 18. Jahrhunderts; seine Instru- 
mente zeichnen sich auch durch die hiibsche, meist im Rokokostil gehaltene 
Ausstattung ihrer Gehause aus. Er starb, fast achtzig Jahre alt, i. J. 1793; 
sein Geschaft und seinen Titel iibernahm Johann Wilhelm Hoffmann 1 ), der 
bereits seit dem Jahre 1789 sein treuer Gehiilfe gewesen war. 

In den von J. G. Meusel herausgegebenen „Miscellaneen artistischen Inhalts" 
(Erfurt 1779-1787) heifit es im 27. Heft (1786, Seite 137) bei einer Reisebeschreibung 
„durch die Gegenden des Frankischen Kreises": „. . . .Ein aufmerksamer Reisender 
darf hauptsachlich, wenn er nach Anspach kommt, den beruhmten Instrumentenmacher 
Hubert nicht vorbeygehen. Er ist sowol durch seine guten dauerhaften, mit dem 
schonsten Wohlklang versehenen Klaviere und Fortepiano beriihmt, deren er immer 
verschiedene von besonderer Einrichtung und dem kiinstlichsten Ban in der Arbeit, 
auch ansehnliche Bestellungen hat, als durch andere musikalische Instrumente und den 
Orgelbau in dem Katholischen Bethause zu Anspach, in ausgebreitetem Rufe. Seine 
Fortepiano sind schon bis nach Frankreich, Engelland und Holland versendet worden, 
und ob sie gleich nicht so theuer sind, als die englischen, so werden sie ihnen doch 
wenig nachgeben. Ein gewohnliches Klavier kostet 3 Carolin, hingegen verfertigt er 
Fortepiano fur 20 bis 25 Carolins. Er ist ein sehr kleiner Mann von stillem und 
edlem Charakter, dabey etwas hitzig und eigensinnig und in seinen Arbeiten aufier- 
ordentlich accurat und piinktlich. ..." 

Vgl. Gerbers „Lexikon derTonkiinstler" (1790), 1. Theil, Sp. 669-670; Meusels 
„Teutsches Ki'mstlerlexikon" (1808-14), 1. Bd., S. 410; 3. Bd., S. 104; Lipowskys 
„Baierisches Musik-Lexikon" (1811), S. 132; Sowinski, »Les musiciens polonais et 
slaves" (1857), p. 268. 

') Geb. am 1 l.Februar 1764 zu Desmannsdorf bei Ansbach, gest. am 23. Sept. 1809. 
Vgl. Meusels „Teutsches Kiinstlerlexikon" (1808-14), 1. Bd., S. 410; 3. Ed., S. 103. 



236 ^tfma5iS5iS^IS} K'avierbauer: Hubert— Jbach 

Die Berliner Kgl- Sammlung besitzt ein gebundenes Clavichord von Hubert a. 
d.J. 1736 (No. 1014)'), das historische Museum zu Basel ein ebenfalls gebundenes In- 
strument a. d. J. 1782 (No. 211). Ein bundfreies Clavichord a. d. J. 1782 befindet 
sich im Saal 23 des „Deutschen Museums" zu Munchen. 

Janssen, Heinrich. (Giraffenfliigel No. 195.) 

Heinrich Janssen wurde i.J. 1781 zu Rostock geboren unci machte sich als 
Klavierbauer in Wien ansassig. Im Jahre 1814, wo er laut dem Wiener Handels- 
Gremien-Kalender in „Mariahilf No.93" (Stiftgasse) wohnte, verheiratete er sich mit 
Konstantia Maria Preindl. Seit 1821 war seine Wohnungund Arbeitsstatte 
„zu Mariahilf in der LeopoldsgaBe, No. 154" (heute: Lindengasse). In der„Allgem. 
Musikalischen Zeitung", 26. Jhg. (1824), Sp. 813 berichtet Chladni von einem 
Patent, das Janssen am 26. Aug. 1824 fur eine Erfindung erhielt, „horizonta!e 
und aufrechtstehende Pianofortes mit doppelten Resonanzboden zu machen, 
welche durch eine besondere Verbindung ein Ganzes bilden . . ." Fischhof 
(„Versuch einer Geschichte des Clavierbaues", Wien 1853, S. 28) erwahnt, daB 
diese Boden zwei bis drei Zoll von einander entfernt standen. Als weitere Woh- 
nungen sind nach Handels-Gremien-Kalendern „am Neubau, an der Mariahilfer- 
straBe 270 ... , Verkaufsgewolbe in der Stadt No. 1138" (seit 1828, heute Stall- 
burggasse) und 1835 „auf der Laimgrube an der Wien No. 68" nachweisbar. 
Z. T. nach frdl. Nachforschungen des Herrn A. Haidecki in Wien. 
Einen Giraffenfliigel von Janssen besitzt auch das Museum Carolino-Augusteum 
zu Salzburg. 

Jbach, Adolph (Tafelklavier No. 149); A.J. &Sohn (Hammerfliigel No. 205); 
Adolf J. Sonne (Pianinos No. 156, 157 u. 159); Rud. Jbach Sohn 
(„Ibachord" No. 95 u. Pianino mit chromatischer Klaviatur No. 165). 
Der Begriinder des Hauses Jbach, das heute unter den deutschen Klavier- 
fabriken einen hohen Rang einnimmt, ist Johannes Adolph Jbach. Er 
wurde am 20. Oktober 1766 als Sohn wenig bemittelter Eltern in der Kluse 
bei Luttringhausen unweit Barmen geboren. Seinen Jugendunterricht und erste 
musikalische Anregung verdankte er den kunstsinnigen Monchen des Klosters 
Beyenburg, atif deren Veranlassung er i. J. 1794 sein erstes tafelformiges 
Klavier baute und die Reparatur der dortigen Orgel vornahm; in demselben 
Jahre machte er sich in Beyenburg als Klavier- und Orgelbauer selbstandig. 
Im Jahre 1801 siedelte er nach Rittershausen uber und zog von dort 1806 
nach Wupperfeld; beide Ortschaften gehoren heute zu der groBen Fabrik- 
stadt Barmen. Nach weiteren zehn Jahren (1816) wurde die erste Fabrik in 
Barmen gegriindet, und von dieser Zeit an beginnt der allmahliche Aufschwung 
der Firma. In den zwanziger Jahren trat der alteste Sohn Carl Rudolf J. 
(geb. 22. Februar 1804) in das vaterliche Geschaft ein und wurde i.J. 1834 
Teilhaber; das Geschaft firmierte nunmehr „A. Jbach & Sohn in Barmen". 
Nach dem i.J. 1839 erfolgten Eintritt des zweiten Sohnes, Richard, der 
sich speziell dem Orgelbau widmete, lautete die Firma: „Adolph Jbach 
Sohne". Der Vater Johannes Adolph J., der sich schon seit etwa fiinfzehn 
Jahren vom Geschaft zuriickgezogen hatte, starb am 14. September 1848; 
wenige Jahre vorher (1844) war auch der dritte Sohn Gustav als Teilhaber 
aufgenommen worden, der aber i. J. 1862 ausschied, um eine eigene Pianoforte- 
fabrik („Gustav Adolph Jbach") zu begri'mden. Die Stammfirma nannte sich 
jetzt: „C. Rud. & Rich. Jbach". Carl Rudolph starb bereits am 26. April 1863; 
ihm folgte sein Sohn Rudolf (geb. 30. Januar 1843), der in Gemeinschaft mit 
seinem Oheim das Geschaft fortfiihrte. Mit Beginn des Jahres 1869 wurde 
der Orgelbau unter Richard J. (gest. 11. April 1903) als selbstandiger Geschafts- 
betrieb abgezweigt, und Rudolf J. wurde alleiniger Eigentiimer der Hauptfirma, 

! ) Dies Instrument ist allem Anschein nach nicht authentisch. 



237 




hischrift zum „Giraffenfliigel" No. 195 (Seite 189). 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 205 (Seite 195). 




Inschrift zum Pianino No. 156 (Seite 158). 



238 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 182 (Seite 182). 




Inschrift zum Clavichord No. 32 (Seite 50). 



» DW'KENHtlM ^ 




Inschrift zum Pianino No. 161 (Seite 162). 



Ciw/<^ww^ CJracunLSx. 



Inschrift zum Clavichord No. 28 (Seite 49). 



Klavierbauer: J bach — Lemme £!§}r?!§}f?^rsi|$g!§} 239 

die sich seitdem „Rud. Jbach Sohn" nennt. 1876 wurde die neue Fabrik 
Neuerweg 40 bezogen, 1883 wurde die zu groBerem Umfang anwachsende 
Pianofabrikation nach Schwelm (eine Meile ostlich von Barmen) verlegt. 
Rudolf Jbach ist der eigentliche Begriinder des Weltrufs des Hauses, in dessen 
Leitung ihm nach seinem am 31. Juli 1892 erfolgten Tode sein Bruder 
Walter und seine drei Sohne Rudolf, Max und Hans ablosten. Die Firma 
besitzt jetzt drei Fabriken in Barmen, Schwelm und Berlin und auBerdem 
eigene Filialen in Coin, Diisseldorf, Hamburg und Bremen. 

Vgl. »Das Haus Rud. Jbach Sohn Barmen-Koln", Barmen 1894 (Hundertjahrs- 
Festschrift) ; ferner „Zeitschrift fur Instrumentenbau", III. Band (1882-83), S. 59 u. 
XII. Band (1891-92), S. 641. 

Konnicke, Johann Jakob. (Hammerflugel No. 182.) 

Ein Wiener Klavierbauer, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts geboren 
wurde und etwa von 1790-1825 arbeitete; er wohnte It. Zettel des Flugels 
No. 182 „auf dem Alstergrunde, Herrengasse No. 51". Sein im Museum 
vorhandener Flugel zeugt von guter Arbeit und Ausstattung. 

Das Haydn-Museum der Stadt Wien besitzt einen Hammerflugel von Konnicke 
a. d. J. 1796, der der Tradition nach von Haydn benutzt worden ist. Ein Hammer- 
flugel, der ebenfalls noch der Wende des 18. Jahrhunderts angehort, befindet sich in 
der Sammlung Steinert-New Haven (No. 40). 

Kramer, Siegmund Theodor. (Bundfreies Clavichord No. 32.) 

Ein Clavichord- und Pianofortebauer, der It. Ausweis der Gottinger 
Kirchenbiicher am 26. Oktober 1828 im Alter von 78 Jahren in Gottingen 
starb, also i. J. 1750 geboren wurde. Er gehort anscheinend der beriihmten 
Klaviermacherfamilie Kramer in Gottingen an, deren Haupt Johann Paul 
Kramer (geb. 1743 zu Jiichsen in Meiningen, gest. 9. Marz 1819 zu Gottingen) 
war; seine Gattin hieB Elisabeth, geb. Moringer. Das bliihende 
Geschaft setzten seine beiden Sohne („Gebriider Kramer") Johann Christian 
Friedrich (geb. 10. Februar 1770 zu Jiichsen, gest. 23. November 1858 zu 
Gottingen, verheiratet mit Catharine Margarethe Elisabeth, geb.Nolte), 
und Georg Adam (geb. 26. Dezember 1775 und gest. 20. Marz 1826 zu 
Gottingen, verheiratet mit Luise Antoinette geb. Eggers, geb. 1784 zu 
Bovenden, gest. 5. Januar 1861 zu Gottingen), fort. 

Vgl. iiber die Familie Kramer ,,Allgemeine musikalische Zeitung", 32. Jahrgang 

(1830), Sp. 181 f, wo es u. a. heiBt: Die Kramer'schen Claviere, die in den 

Jahren 1780 bis 1790 verfertigt wurden, werden von dem Klavierspieler eben so gesucht 
und geschatzt, wie von dem Geigenspieler die Violinen von Amati und Stradivari . . ." 
Vgl. auch Forkels „Musikalischen Almanach . . . auf das Jahr 1782" (Leipzig, 
Schwickert), S. 198. 

Von Johann Paul Kramer und Sohnen besitzt das Germanische National- 
museum zu Niirnberg drei bundfreie Clavichords a. d. J. 1787 (No. 266), 1803 (No. 264) 
und 1800 (No. 270); letzteres ist ein Pedal-Clavichord. 

Kuper, G. W. & Co. (Pianino No. 161). 

Eine kleine Pianofabrik, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Bocken- 
heim bei Frankfurt a. M. bestand. 

Lemme, Carl. (Bundfreies Clavichord No. 28.) 

Friedrich Carl Wilhelm Lemme wurde i. J. 1747 zu Braunschweig als 
Sohn eines Instrumentenmachers geboren. Er bereitete sich auf die Organisten- 
laufbahn vor, machte aber auch gleichzeitig eine Lehrzeit im Instrumentenbau 



240 ^a^^^^S Klavierbauer: Lemme- Longman 

bei seinem Vater durch. Um 1780 wurde er Organist an der Katharinen- 
und Magnikirche seiner Heimatstadt und betrieb gleichzeitig den Klavierbau 
eifrig weiter; i. J. 1787 hatte er mit seinem Vater bereits uber 800 Instrumente 
fertiggestellt. -Lemme zahlt neben Hubert und Kramer zu den ersten 
Meistern seines Fachs ; in F o r k e 1 s „Musikalischem Almanach auf das Jahr 1 782" 
(S. 198 u. 199) heiBt es: „ . . . Seine Instrumente gehoren mit zu den besten, so- 
wohl in Betracht der Arbeit als des Tons . . . Der gewohnliche Preis seiner 
Claviere ist nach den verschiedenen Sorten 3—10 auch 12 Louis-d'or." In 
Gemeinschaft mit seinem Vater brachte er an den Clavichords verschiedene 
Verbesserungen an, die in gerader Fiihrung der Tasten undgepreBten Resonanz- 
boden bestanden; auch baute er Clavichords in „ovalrunder Form", von 
denen sich ein Exemplar in No. 28 des Museums erhalten hat. Ueber seine 
Erfindungen vgl. Heft 8 der von Joh. Georg Me us el herausgegebenen „Mis- 
cellaneen artistischen Inhalts" (Erfurt 1779 f.) und Gerbers „Lexicon der 
Tonkiinstler" (Leipzig, 1790; Bd. 1, Sp. 797). Im Jahre 1802 gab er bei 
K. Reichard in Braunschweig eine 20 Seiten 4° umfassende Schrift heraus: 
„Anweisung und Regeln zu einer zweckmaBigen Behandlung englischer und 
teutscher Pianoforte's und Klaviere, nebst einem Verzeichnisse der bei dem 
Verfasser verfertigten Sorten von Pianofortes und Klavieren . . ." l ) 

Nach dem hierin enthaltenen „Verzeichniss" verfertigte er: „I. GroBe Patent- 
Pianoforte's Fliigel nach den besten englischen Meistern gearbeitet. Contra F— c*. 
Mahagoni (zn 6U und 55 Friedrichsd'or). II. GroBe Pianoforte-Fliigel. Contra F— f 3 . 
36, 34, 26 Friedrichsd'or. III. Pianoforte's in Klavierform (d. s. Tafelklaviere; je nach 
dem LJmfang der Klaviatur zu 22, 18, 16 Friedrichsd'or). IV. Klaviere (Clavichords), 
alle Sorten durchgehends bandfrey. (In 14 Sorten, verschiedenen Umfangs und GroBe, 
im Preise von 15—4 Friedrichsd'or. Ueber Sorte 14 -- vgl. das Clavichord No. 28 — 
heiBt es Seite 19): 

„. . .eine von mir ganz neu inventirte Art. Der auBerliche Korper oval, in 
Antic-gusto [Stil Louis XVI.], oder mit Adern und Fiillungen, sauber polirt und gear- 
beitet, gehet . . . von Contra F bis dreygestrichen A, . . . a 15 Friedrichsd'or. 

In den 5 letzten Sorten nehme ich diejenige Art Resonanzboden, welche ich 
bereits im Jahre 1772 inventirt, und zu der Zeit unter dem Namen GepreBter bekannt 
gemacht habe, solche geben einen vorziiglichen Ton, und sind dem ReiBen und Platzen 
nicht unterworfen." 

Lemme starb im Sommer 1808; ") er hinterlieB einen gleichnamigen 
Sohn, der 1769 zu Braunschweig geboren war und der Familientradition 
entsprechend den Klavierbau erlernte. Er errichtete um d. J. 1799 eine Piano- 
fortefabrik zu Paris und starb im Oktober 1832 zu Charenton-le-Pont (Dep. 
Seine). Naheres uber ihn siehe in Fetis „Biographie universelle . . ." tome 
5^ (Paris 1884), p. 266-267. 

Longman & Broderip. (Tafelklavier No. 116.) 

Eine bekannte Londoner Musikverlags-Firma aus der zweiten Halfte 
des 18. Jahrhunderts, die auch einen ausgedehnten Instrumentenhandel betrieb. 
Die Firma wurde um das Jahr 1767 von James Longman begriindet und 
lautete zuerst „J. Longman & Co.", dann 1771—77 nach Eintritt eines Teil- 
habers Lukey „Longman & Lukey". 1778 wurde Francis Broderip als dritter 
Teilhaber aufgenommen, so daB der Name der Firma zu „Longman, 
Lukey & Broderip" erweitert wurde. Lukey trat aber bereits im nachsten Jahre 
aus, und das Geschaft firmierte von 1779 — 1798: „Longman & Broderip". 

') Von dem Buch ist in offentlichen Bibliotheken nur ein Exemplar bekannt, 
das sich in der Kgl. Bibliothek zu Briissel befindet. Das obige Zitat ist diesem Exemplar 
entnommen. 

'-) Fur Geburts- und Sterbejahr ist Meusels ,,Teutsches Ki'mstlerlexikon" 
(2. Ausgabe, Lemgo 1808-14), 1. Bd. S. 561 und 3. Bd. S. 120, die Quelle. 



241 




Inschrift zum Tafelklavier No. 116 (Seite 132). 




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•*S0k 




Inschrift zum Cembalo No. 76 (Seite 95). 




Inschrift zum Pianet No. 164 (Seite 163). 



16 



242 



MARIUS 









9> 



1/7/ 3 



Inschrift zum „Clavecin brise" No. 83 (Seite 100). 




Inschrift zum ,,Teetisch-Klavier" No. 158 (Seite 161). 




Inschrift zum Tafelklavier No. 162 (Seite 162). 



Klavierbaner: Longman — Mangeot tHitfl§Sil}!31g} 243 

1798 fallierte die Firma; John Longman, der dem friiheren James gefolgt 
war, unterhielt einigejahre hindurch eine Teilhaberschaft mit clem bekannten 
Komponisten und Pianisten Muzio Clementi (1746—1832) in der alten 
Niederlassung Cheapside 26, wahrend Broderip in Gemeinschaf t mit Wilkinson 
ein neues Geschaft Haymarket 13 eroffnete. I.J. 1802 trennte sich John Longman 
wieder von Clementi; dieser begrundete eine neue Firma, aus der nach mannig- 
fachen Wandlungen und dementis Tode i.J. 1832 die noch heute bestehende 
renommierte Pianofortefabrik Collard & Collard hervorging. — Der Verlag 
von Longman & Broderip war gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu bedeu- 
tendem Umfang angewachsen; auch der Vertrieb aller Arten Musikinstrumente 
— auBer Harpsichords und Pianofortes waren es namentlich Blasinstrumente - 
wurde in grofiem MaBstabe betrieben, so daB sich Instrumente mit der 
Signatur „Longman & Broderip" in den Sammlungen noch zahlreich vorfinden. 
Eigene Fabrikation scheint die Firma nicht betrieben zu haben, sie beschaftigte 
eine Anzahl Heimarbeiter. 

Vgl. Groves ,, Dictionary . .." vol.11 (1906), p. 769 u. vol. I (1904), p. 557 u. 564. 

Von Tasteninstrumenten seien erwahnt: in Briissel ein ,,Piano-orgue" (Clavi- 
organum; No. 1128); in Christiania eine kleine Orgel (Positiv ; No. 1702); in NewYork 
ein Claviorganum (No. 2803) und ein ,, Portable Piano" (Reiseklavier ; No. 2849); in 
Paris ein Harpsichord (No. 333) Ein Harpsichord befand sich auch in der Sammlung 
Savoye zu Paris (No. 6), die 1882 dort versteigert wurde. — Die Kopenhagener Samm- 
lung besitzt ein Hammerklavier (No. 474) mit der Signierung „Broderip & Wilkinson". 

Magniai, Lorenzo. (Cembalo No. 76.) 

Ein Cembalobauer, der zu Florenz in der zweiten Halite des 17. Jahr- 
hunderts lebte. Weiteres ist iiber ihn bisher nicht nachweisbar; jedenfalls 
gehort er nicht zu den zahlreichen Florentiner Instrumentenbauern jener 
Zeit, die fur den Granduca Ferdinando dei Medici arbeiteten. (Vgl. 
z. B. Migliai, Pertici, Zenti etc.) 

Mahr, Johann Andreas. (Kleiner Hammerflugel No. 183.) 

In Gerbers „Neuem . . . Lexikon der Tonkiinstler" (Leipzig 1812 1814), 
3. Theil, Sp. 290 heiBt es: „Mahr (Johann Andreas) Hofmechanikus zu 
Wiesbaden, schon seit 1788 wegen seiner Klavier-Instrumente beriihmt, 
arbeitet seit einiger Zeit mit seinem Bruder gemeinschaftlich. AuBer den 
gewohnlichen Arten von Instrumenten verfertigt er auch sogenannte Clavi- 
Mandors zu 12 bis 30 Carolinen. In Hamburg fand ich 1793 bey einem 
Freunde ein Pianoforte in Klavier-Format fur 80 Thlr., welches im Tone und 
Traktamente nichts zu wiinschen ubrig lieB. Eins seiner Meisterstiicke, einen 
Fliigel, besaB der Baron von Diinnwald zu Mainz im J. 1788." Nach 
Ausweis der Wiesbadener Kirchenbiicher hieB der Bruder, mit dem Mahr 
gemeinsam arbeitete, Johann Gottfried; er war ebenso wie der Vater 
Johann Andreas sen. Hofmechanikus. Johann Andreas Mahr Sohn wurde 
am 20. Juni 1800 mit Katharina, Tochter des Pfarrers Ramspott kopuliert; 
sein Todesjahr ist in den Kirchenbuchern nicht zu ermitteln gewesen, so daB er 
moglicherweise in spaterenjahren Wiesbaden verlassen hat. Johann Gottfried M. 
wurde am 13. September 1792 kopuliert und starb am 6. September 1812. 

Mangeot, Pierre. (Pianet No. 164.) 

Pierre Hyacinthe Mangeot begrundete i. J. 1830 zu Nancy eine 
Pianofabrik, die er i. J. 1859 seinen beiden Sohnen Alfred und Edouard 
Joseph M. iiberlieB; letzterer war am 24. April 1835 zu Nancy geboren. 
Wahrend der Vater die Fabrik nur in kleinerem MaBstab betrieb er 

hatte zuletzt jahrlich im Durchschnitt ungefahr zweihundert Instrumente fertig 
gestellt, suchten die Sohne die Fabrikation nach amerikanischem Muster 



244 ^^^^^ Klavierbauer: Mangeot— Marius 

in groBem Stil zu handhaben und erzielten anfanglich auch Erfolg damit. 
Aber durch die Einfi'ihrung vieler Neuerungen und allerlei kostspielige Versuche, 
wozu besonders das i. J. 1876 patentierte und auf der Pariser Weltaus- 
stellung 1878 vorgefiihrte „Piano a claviers renverses" — ein Doppelflugel 
mit entgegengesetzter Tastaturanordnung der oberen Klaviatur — gehorte, 
erschopften sich die finanziellen Hulfsmittel, und die Liquidation des Geschafts 
wurde unvermeidlich. Die beiden Bruder zogen sich nach Paris zuriick, wo 
Alfred am 29. April 1889 starb. Eduard widmete sich dem Klaviergeschaft 
weiter, griindete spater eine Zeitschrift „Le Monde musical", die jetzt einer 
seiner Sonne redigiert, und starb am 31. Mai 1898. 

Lt. C. Pierre, „Les facteurs d'instruments de musique" (Paris 1893), p. 209, 
„Zeitschrift fiir Instrumentenbau", I. Bd. (1880/81), S. 4 u. 22 und frdl. Mitteilungen 
von Paul de Wit. 

Die Briisseler Sammlung besitzt ein ihr von den Erfindern geschenktes „Piano 
a claviers renverses ' (No 1638). 

Marius, Jean. („Clavecin brise ou de voyage" No. 83.) 

Trotzdem Jean Marius, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Paris 
Iebte, zu den erfindungsreichsten franzosischen Clavecinverfertigern gehdrt, sind 
bisher weder seine Lebenszeit noch irgendwelche naheren biographischen An- 
gaben uber ihn zu ermitteln gewesen. Als Spezialitat betrieb er die Verfertigung 
von „Clavecins brises ou de voyage", die ihrer praktischen Verwendbarkeit 
und schonen Ausstattung wegen vielen Beifall fanden, aber wohl ziemlich 
teuer gewesen sein diirften. Am 18. September 1700 erhielt Marius fiir diese 
Erfindung ein konigliches Privilegium auf zwanzig Jahre; eine Beschreibung 
des „Clavecin brise" findet sich im ersten Teil des Werkes „Machines et 
Inventions approuvees par l'Academie Royale des Sciences" (s. u.), eine 
lobendeErwahnung auBerdem in den„Memoires deTrevo ux" (1703, p.1292). 1 ) 
Auch in der Ursprungsgeschichte des Hammerklaviers spielt Marius eine 
wenn auch nur unbedeutende Rolle: fast gleichzeitig mit Cristofori in 
Italien und Schroter in Deutschland beschaftigte er sich mit Versuchen 
zur Erfindung eines Hammermechanismus, wenn ihn hierbei wohl auch 
nur das Bestreben leitete, die leicht abgenutzten Federkiele der Clavecins 
durch widerstandsfahigere Holzhammerchen zu ersetzen. Im Februar 1716 
legte er der ,,Academie royale" vier Modelle von „clavecins a maillets" 
(Clavicymbel mit Hammern) vor, deren Beschreibungen und Abbildungen 
neunzehn Jahre spater in dem dritten Teil des soeben erwahnten Werkes 
„Machineset Inventions .."("... Depuis 1713 jusqu'en 1719", Paris MDCCXXXV 
No. 172, 173, 174) erschienen.*) Gleich Schroter hatte Marius auBer 
einer unterschlagigen auch eine oberschlagige Hammermechanik konstruiert; 
seine Zeichnungen umfaBten ferner die Umanderung eines aufrechten Clavecin 
zu einem horizontalen Instrument mit Hinzufugung eines Hammerwerks ^cla- 
vecin a maillets et a sautereaux") : doch fiihrten alle diese Versuche zu keinem 
praktischen Resultat, so daB sie nur historisches Interesse beanspruchen konnen. 
, .Clavecins brises" von Marius besitzen die Sammlungen zu Berlin (No. 1065; 
aus dem Besitz Friedrichs des Groben), Paris (No 331) und Briissel (No. 555, mit 
der Jahreszahl ,,1709"). Ein weiteres Exemplar mit derselben Jahreszahl tauchte im 
Juli 1901 auf einer Auktion zu London auf; vgl. ,, Zeitschrift der 1. M. G." Jahrg. II, S. 409. 
Auch in der von Cristofori 1716—1731 verwalteten Medici-Sammlung (vgl. 
S. 219 des vorliegenden Katalogs) war das Instrument vertreten; in dem von Cristofori 

1 ) cf. Chouquet. G., Catalogue du Musee du Conservatoire., de... Paris, 1884, 
p. 86. 

2 ) Abgedruckt in der bereits Seite 219 erwahnten wertvollen Schrift ,,Cenni 
storici della vita di . . . Ferdinando dei Medici . . . . e dell' origine del pianoforte" 
von Leto Puliti (Firenze 1874, p. 109-116 nebst 4 lithographischen Tafeln). 



Klavierbauer: Marius Meyer ^a^g^^^a^S 245 

1716 aufgestellten Inventar 1 ) ist als No. 28 angefuhrt: „Un' cimbalo da ripiegare, 
lavoro fatto in Francia, con' il fondo dipinto a rabeschi, con' tastatura d'ayorio, et 
ebano in tre pezzi, con' invenzione per poterlo accordare di uno Strumento d'ottone. 2 ) 
(„Ein Cembalo zum Zusammenklappen, in Frankreich gefertigte Arbeit, der Boden 
mit Arabesken bemalt, mit Tastatur aus Elfenbein nnd Ebenholz in drei Teilen, mit 
einer Vorrichtung dasselbe mit einem Messinginstrument stimmen zu konnen.") 

Mathuscheck, Ferdinand. („Teetisch-Klavier" No. 158.) 

Ferdinand Mathuscheck wurde am 9. Juni 1814 zu Mannheim geboren. 
Nach beendeter Lehrzeit in einer Instrumentenmacherwerkstatt ging er auf 
die Wanderschaft und war in den bedeutendsten europaischen Klavierbauan- 
stalten, zuletzt bei Henry Pape in Paris tatig. Im Jahre 1840 machte er sich in 
Worms selbstandig. verlieB aber nach der Revolution von 1848 Europa und 
wandte sich nach Nordamerika. In New York assoziierte er sich mit 
Mr. Dunham und baute 1849 das erste kreuzsaitige Piano in den Vereinigten 
Staaten. Von 1857 ab arbeitete er mit einem Mr. Driggs zusammen, der 
iiber groBes Kapital und einen noch groBeren Reichtum an fantastischen 
Ideen zur Verbesserung des Klavierbaues verfugte. Nach Losung des Ver- 
haltnisses mit Driggs grtindete Mathuscheck i. J. 1863 in New Haven 
(Connect.) die „Mathushek Piano Co." Als diese Firma in eine Aktienge- 
sellschaft umgewandelt wurde, zog er sich von dem Geschaft einige Jahre 
nach New York zuri'ick und begrundete hier spater trotz seines 
hohen Alters in Gemeinschaft mit seinem Sohn eine neue Gesellschaft, die 
„Mathushek & Son Piano Co.", die groBen Ruf erlangte und in Brooklyn, 
Jersey City und andern Stadten Filialen besitzt. Als einer der angesehensten 
und erfolgreichsten Vertreter amerikanischer Klavierindustrie starb Ferdinand 
Mathuscheck hochbetagt am 9. November 1891 zu New York. 

Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", XII. Band (1891-92), S. 102 und 107; 
Spillane, Daniel, „History of the American Pianoforte", New York 1890, p. 226-227. 

Meissner, Samuel. (Tafelklavier No. 162.) 

Ein Wiener Klavierhandler aus der Mitte des 19. Jahrhunderts; er war 
im Besitze eines kaiserl. konigl. Privilegium. Die Inschrift „Brizzi e 
Niccolai", die sich auf dem Stimmstock des betreffenden Klaviers findet, 
beweist, daB er Instrumente dieser Florentiner Firma vertrieben hat. (Vgl. 
Seite 212 des Katalogs.) 

Meyer, Meincke & Pieter. (Tafelklavier No. 111.) 

Zwei Amsterdamer Klavierbauer (vielleicht Briider?), die etwa seit dem 
Jahre 1780 arbeiteten und deren Tafelklaviere ziemliche Verbreitung fanden. 
Als Wohnstatten sind nach Aufschriften auf Instrumenten „Nieuwe Dyk by 
den Dam" und „op 't Rokkin" nachweisbar. Gegen Ende des 18. Jahr- 
hunderts ubersiedelte die Firma nach Hamburg; iiber Peter Meyer sagt 
Gerbers „Neues . . . Lexikon der Tonkunstler" (Leipzig 1812- 1814), 3. Theil, 
Sp. 415: „. . . Tasteninstrumentmacher zu Hamburg urns J. 1800, ist aus 
Amsterdam geburtig, und gehort unter die guten Arbeiter und Kunstler der 

gegenwartigen Zeit." 

Ein in derSignierung mit No. Ill identisches Instrument besitzt Herr Paul deWit 
in Leipzig. -Zwei in Amsterdam gebaute Tafelklaviere, von denen eins die Jahreszahl 1782 

J ) cf. Puliti, a. a. O., pag. 103. 

2 ) Diese Vorrichtung besitzt auch das Exemplar der Berliner Sammlung. Vgl. 
Fleischers „Fuhrer" (Berlin 1892), S. 110: „... Zur linken Hand befindet sich an 
der Seite eine eigenartige Vorrichtung zum Abmessen der Saitenlangen." [?] — 

Anscheinend eine Nachahmung des ,, Clavecin de voyage" von Marius bildete 
das ganz ahnlich konstruierte Reisespinett von Christianus Nonnemacker a. d. J. 
1757, von welchem Instrument unser Museum drei Photographien besitzt. 



Klavierbauer: Meyer- Muller 



tragt, besitzt die Brtisseler Sammlung (No. 1626 1 ) und Collection Snoeck No. 404). 
Ein kleines Tafelklavier (mit der Adresse „op 't Rokkin") befindet sich in der Berliner 
Sammlung (Collection Snoeck No. 173), wahrend ein ahnliches Instrument, das aus 
dem Besitze des Komponisten Friedrich Kuhlau (1786-1832) stammt und als Wohn- 
sitz der Erbauer „Hamburg" angibt, der Sammlung zu Kopenhagen angehort (No.473). 

Migliai, Antonio. (Arcicembalo No. 82.) 

Ein Instrumentenbauer aus Florenz, der in der zweiten Halfte des 
17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts lebte und auBer schonen Cembali 
auch Harfen und wahrscheinlich auch Lauten verfertigte; er war in seiner 
Vaterstadt ansassig. Der Vorname seines Vaters war Michelagnolo. — In dem 
„Archivio delle arti" der „Universita dei fabbricanti" zu Florenz ist Antonio 
Migliai i. J. 1684 bei der Jesuitenkirche wohnhaft angefiihrt; anscheinend 
hat er auch fur den Granduca Ferdinando dei Medici gearbeitet. 2 ) In 
den „Atti Civili dell'Universita dei Fabbricanti" wird sein Name auBerdem 
i. J. 1704 gelegentlich eines Rechtsstreits erwahnt, den er wegen eines Haus- 
friedensbruchs mit einem Sig. Giovanni Battista Salvadori fiihrte. 3 ) 

In der Sammlung Savoye zu Paris befand sich 1882 ein Cembalo Migliais 
a. d. J 1682 (No. 4). Ein schemes zweimanualiges Cembalo a. d. J. 1696 besitzt die 
Berliner Sammlung (No. 1061). In unserm Museum ist eine Spitzharfe (Arpanetta) mit 
der Inschrift ,,Antonius de Migliais Florentin us Fecit anno/ 1703 vorhanden. 
Die in Valdrighis ,,Nomocheliugografia" unter No. 2086 und 2087 ange- 
fiihrten Migliai sind wahrscheinlich miteinander identisch. 

Miiller, J. (Aufrechter Hammerfliigel No. 186.) 

Ein Berliner Klavierbauer aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts; 
er wohnte MauerstraBe 35. Nach den Verzeichnissen der von der „K6nigl. 
Akademie der bildenden Kiinste und mechanischen Wissenschaften" zu Berlin 
ausgestellten Musikinstrumente stellte er i. J. 1804 „zwei aufrechtstehende 
Pianoforte auf zweierlei Art nach eigener Erfindung" und 1806 ein „aufrecht- 
stehendes Fortepiano in Form eines Meubels und ein Fortepiano in Clavier- 
format" (d. i. ein Tafelklavier) aus. 4 ) 

Ledebur erwahnt in seinem „Tonkiinstler- Lexicon Berlin's" (Berlin 1861) 
S. 386, daB er i. J. 1802 als Erster [in Berlin] aufrechtstehende Fliigel verfertigt hatte' 

Muller, Mathias. (Tafelklavier No. 150 und Hammerfliigel No. 190.) 

Mathias Miiller wurde am 24. Februar 1796 zu Wernborn oder Frankfurt 
a. M. als Sohn eines Ziegelbrenners geboren und machte sich als Klavierbauer 
in Wien selbstandig. Laut dem Kirchenbuch der Pfarrei St. Joseph in der 
Vorstadt Mariahilf heiratete er am 23.Janner 1803 Elisabeth Killian (geb. 1783, 
gest. hochbetagt ca. 1870), dieTochter eines burgerl. Tischlermeisters und Haus- 
besitzers auf der Laimgrube 120. — M. war ein geschatzter und erfindungsreicher 
Instrumentenmacher: im Jahre 1800 erfand er ein Doppelklavier, zwischen 
dessen beiden Manualen eine mit Darmsaiten bezogene Lyra angebracht war. 
Das merkwiirdige Instrument, fiir das er ein k. k. Privilegium erhielt, nannte 
er „DittanakIasis" oder „Dittaleloclange". (Vgl. „Allgemeine musikalische 
Zeitung", 3. Jahrgang [1801], Sp. 254 und 4.Jahrgang [1802], Sp. 158.)') Die- 



') Die teilweise unleserliche Inschrift dieses Instruments ist nach der Nach- 
bildung der Inschrift zum Tafelklavier No. Ill zu erganzen. 

*) ,,Stratti delle Matricole e Campioni dei debitori e Creditori de E a M 
(1634-1708); Mat. L. 27". Cf. Puliti, „Cenni storici .... " (vgl. S. 219 des vorliegenden 
Katalogs), pag. 78/79. 

3 ) Cf. Puliti, a. a. O., pag. 84, Nota c. 

") Vgl. O Paul, Geschichte des Claviers (Leipzig 1868), S. 136. 

5 ) Vgl. auch Gerbers ,,Neues ... Lexikon der Tonkunstler . . ." (Leipzig 
1812—1814); 3. Theil, Sp. 514. — Das seltene Instrument (,, Verfertigt fiir das 
Breitkopf & Haertelsche Inst. Magazin in Leipzig") besitzt das Metropolitan Museum" 
zu New York (No. 3256; Catalogue p. 269). 



247 



■ 









Inschrift zum Tafelklavier No. Ill (Seite 131). 



.NTONLVSDIMIGLlAIsri£JRi;NTlNVS II AM t# 



Inschrift zum Arcicembalo No. 82 (Seite 99). 




Inschrift zum aufrechten Hammerfliigel No. 186 (Seite 184). 




Inschrift zum Tafelklavier No. 144 (Seite 152). 



248 




Inschrift zum Hammerfltigel No. 190 (Seite 187). 




Inschrift zum Tafelklavier No. 154 (Seite 157). 




Inschrift zum Hammeriltigel No. 208 (Seite 196). 



Klavierbauer: Miiller Pape ^^^^^ 249 



selbe Zeitschrift (7. Jhrg. Sp. 536) bezeichnet ihn auch als Verbesserer der 
Rollig'schen „Xanorphika", welches Instrument M. personlich im Konzert 
vorfuhrte. Im Jahre 1803 erwarb er einen Baugrund in der oberen Gstatten- 
gasse (No. 175; heute Luftbadgasse 1 im VII. Bezirk) und erweiterte 1808 seinen 
Betrieb durch Ankauf eines benachbarten Grundstiickes (No. 176, an der Koth- 
gasse, der heutigen Gumpersdorfer StraBe). Im Jahre 1817 (oder kurz vorher) 
erhielt er ein k. k. Privileg und errichtete fur seine „k. k. Landesfabrik" einen 
dreistockigen Neubau in der PraterstraBe No. 502 (heute No. 35, Vorstadt 
Leopoldstadt), wohin er i. J. 1822 ubersiedelte. — Ein fi'infjahriges Patent erhielt 
er i. J. 1823 „fiir eine Claviatur zwischen den Saiten und dem Stimmstocke, 
wo der Schlag des Hammers von oben geschieht" (a. a. O. 28. Jahrg., Sp. 694), 
und in Fischhofs „Versuch einer Geschichte des Clavierbaues" (Wien 1853, 
S. 28) wird eine weitere Erfindung von ihm erwahnt, die in einer veranderten 
Anlage der Stegstifte bestand 1 .)-- Hier ist er als „Gewerbegerichts-Beisitzer" 
im Alter von 75 Jahren am 26. Dezember 1844 gestorben. Wurzbachs „Bio- 
graphisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich" (19. Theil, Wien 1868) ruhmt 
ihn auch als Erfinder eines „Flossen-Wasserrades" (1822) und eines verbesserten 
Eisenbahnwagens (1825); doch diirfte hier eine Verwechselung mit einem 
Namensvetter vorliegen. 

(Biographische Angaben nach frdl. Nachforschungen des Herrn A. Haidecki 
in Wien.) " Ein sechsoktaviger Hammerfliigel mit sechs Pedalen befindet sich im 
Stadtischen historischen Museum zu Frankfurt a. M. (X 18350). 

Neuhaus, Antoine. (Tafelklavier No. 144.) 

Ein Klavierbauer oder -handler von anscheinend deutscher Herkunft, der 
im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts in Paris ansassig war und nach der Inschrift 
des Tafelklaviers No. 144 Rue Bourbon Ville-Neuve No. 31 wohnte. 

Pape, Jean Henri. (Tafelklavier No. 154, Hammerfliigel No. 208.) 

Johann Heinrich Pape, einer der vielseitigsten und erfindungsreichsten 
Klavierbauer des 19. Jahrhunderts und neben Erard der bedeutendste in 
Paris wirkende Meister, wurde am l.Juli 1789 in Sarstedt bei Hannover ge- 
boren. Er kam i. J. 1811 nach Paris, und nach einem kurzen Aufenthalt in 
England wurde er von Ignace P ley el als Werkfuhrer fur seine neugegriindete 
Pianofortefabrik (cf. S. 253) gewonnen. Wenige Jahre spater (1815) errichtete 
er eine eigene Fabrik, die er fast ein halbes Jahrhundert mit groBtem Geschick 
leitete; fast in jedem Jahr gelang ihm eine neue Erfindung oder die Ein- 
fiihrung einer Verbesserung im Klavierbau. So fertigte er bereits 1815 — 17 
als einer der Ersten Pianinos nach dem Muster der englischen „Cottage 
Pianos" an; zu seinen weiteren wichtigsten Neuerungen gehort die Konstruktion 
von tischformigen Klavieren und Flugeln mit oberschlagiger Mechanik, ferner 
die Einfuhrung der Hammerkopfbefilzung anstatt der Belederung, des kreuz- 
saitigen Saitenbezugs, eines Doppelresonanzbodens, einer neuen Stimmvorrich- 
tung u. v. a. Die Gesamtzahl seiner Erfindungen, die ihm zahlreiche hohe Aus- 
zeichnungen eintrugen, belauft sich auf einhundertsiebenunddreiBig, wenn auch 
freilich hiervon nur wenige zu allgemeiner Annahme kamen. — In spateren 
Jahren iibergab Pape das Geschaft seinem Sohne; auch ein Neffe wurde als Teil- 
haber aufgenommen. Von 1872—1885 leiteten es „M mes PapeetDelouche"; 
doch bedeutete der Austritt des Begriinders das Ende des Ruhmes des alten 
Hauses. Henri Pape starb hochbetagt am 2. Februar 1875 zu Asnieres bei Paris. 

') Nach einem Leipziger Adrefibuch a. d. J. 1829 hatte Miiller in diesem Jahre 
die Leipziger Messe beschickt. (Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", XXV. Band, 
[1904-05] Seite 7). 



250 tSa^HSSiaflg^iSS) Klavierbauer: Pape — Pfrang 

Vgl.: ,,Noticesur les inventions et perfectionnements apportes par H. Pape dans la 
fabrication des pianos", Paris 1839 (mit Abbildungen und einer Aufzahlung von 46 Pa- 
tenten); Pontecoulant, Ad. de, ,, Organographies Paris 1861, Tome 2e, pp. 358 etc. ; 
C. Pierre, „Les facteurs d'instrnments de mnsique", Paris 1893, p. 183; ferner Fetis' 
„Biographie universelle" und ,,Zeitschrift fur Instrumentenbau", 30. Jahrg. (1910), S. 585. 

Ein ,, Piano console" (Piano in Konsoltischform) a. d. J. 1839 befindet sich 
im Kopenhagener Museum (No. 488). Die Sammlung des Conservatoire zu Paris be- 
sitzt ein Tafelklavier a. d. J. 1816 (No. 341) und zwei Modelle Papescher Mechaniken 
(No. 1488 u. 1492). — Ein (bereits kreuzsaitiges) Pianino in Verbindung mit einer 
,,Orgue expressif" a. d. J. 1836 bewahrt die Berliner Kgl. Sammlung; vergl. ,,Zeitschrift 
der I. M. G." Jahrg. I, S. 173. 

Perius, Valerius. (Kleines Virginal No. 37.) 

Ein italienischer Spinettmacher, der in derersten Halite des 17.Jahrhunderts 

(1631) zu Rom lebte. Naheres iiber ihn ist bisher nicht zu ermitteln gewesen. 

Perotti, Carlo. (Modelle von Mechaniken No. 220-224 u. 227; 

Calderarpa No. 236.) 
Eine i. J. 1870 gegrundete, noch heute bestehende Fabrik von Pianos, 
Drehpianos und Mechaniken zu Turin. (Via Canova e Marocchetti 41 ; Ver- 
kaufsmagazin: Via Ormeae Galliari 41.) 

Pertici, Giovanni. (Zweimanualiges Cembalo No. 74.) 

Ein Cembalobauer aus Florenz, der in der zweiten Halfte des 17. Jahr- 
hunderts lebte und in seiner Vaterstadt ansassig war. Der Vorname seines 
Vaters war Piero, seines GroBvaters Bartolomeo. In dem ,,Archivio delle 
arti" der „Universita dei fabbricanti" zu Florenz ist Giovanni Pertichi 1665 
unter den „Buonaccordai'") „con il benefizio di suo padre" verzeichnet.") In den 
„Atti Civili dell'Universita dei Fabbricanti" taucht sein Name auBerdem i. J. 1690 
anlaBlich eines unbedeutenden Rechtsstreits auf, den er als Verleiher eines 
Cembalo zu einer Karnevalsauffiihrimg der „Accademia del Corso dei Tintori" 
mit Domenico Leoni Speziale, dem Vertreter dieser „Accademia", fiihrte. 3 ) 

Pether, Georgius. (Hammerklavier No. 142.) 

Ein englischer Klavierbauer, der in der ersten Halfte des 19. Jahr- 
hunderts zu London lebte und John Street No. 16 an der Oxford Street wohnte; 
er ist vielleicht ein Nachkomme von William Pether, von dem sich in 
der Sammlung Steinert-New Haven ein Spinett (No. 17) befindet. — Wie aus 
der Inschrift des Hammerklaviers No. 142 hervorgeht, erhielt Georgius Pether 
ein Patent auf eine von ihm erfundene oberschlagige Mechanik. 

Pfeffel, (Claviorganum No. 230.) 

Ein Instrumentenbauer wahrscheinlich von deutscher Abkunft, der um 
die Wende des 18. Jahrhunderts in Le Havre (Frankreich, Dep. Seine-Inferieure) 
ansassig war. 

Pfrang, F[riedrich] Wilhelm. (Tafelklavier No. 107.) 

Ein „Profess", d. h. ein Monch, der die Ordensgeliibde abgelegt, des 
Zisterzienserklosters Bildhausen 4 ), der in der zweiten Halfte des 18. Jahrhun- 
derts (1778) lebte und groBes Geschick im Klavierbau besaB. 

') ,,Buonaccordo" = alte italienische Bezeichnung fiir Cembalo. 

2 ) „Stratti delle Matricole . ." etc. Mat L. 7. - Cf. die FuBnote 2 auf S. 246 
des Katalogs. Puliti, a. a. O., pag. 80/81. 

3 ) Cf. P u 1 i t i , a. a. O., pag. 84, Nota d. 

*) Das Kloster lag — laut freundl. Auskunft des Germanischen Nationalmuseums 
zu Niirnberg - im Bezirksamt Kissingen im bayrischen Regierungsbezirk Unterfranken; 
es wurde i.J. 1156 gegriindet und 1803 aufgehoben. Die Klosterkirche wurde damals 
abgebrochen. 



251 








' ■■-■■■ ■ 









Inschrift zum Oktav-Virginal No. 37 (Seite 63). 




Inschrift zum Hammerklavier No. 142 (Seite 151). 




Inschrift zum Claviorganum No. 230 (Seite 202). 




Inschrift zum Tafelklavier No. 107 (Seite 127). 



252 




Inschrift zum Tafelklavier No. 127 (Seite 141). 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 207 (Seite 195). 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 210 (Seite 196). 




Inschrift zum Clavichord No. 20 (Seite 43). 



Klavierbauer: Piantanida— Puchert ^^^^ 253 

Piantanida, Felice. (Tafelklavier No. 1 27.) 

Ein italienischer Klavierbauer, der um die Wende des 18. Jahrhunderts 
in Mailand lebte. Verschiedene Mitglieder der Familie P. waren tiichtige 
Musiker; Felice ist wahrscheinlich ein Verwandter der in Mailand wirkenden 
Komponisten Gaetano P. (geb. ca. 1768 zu Bologna, gest. 1836 zu Mailand) 
und Abate Isadoro P. (gest. ca. 1820 zu Mailand). Ein Giorgio P. war 
1795 erster Violoncellist am Scalatheater zu Mailand. (Vgl. E i t n ers „Quellen- 
lexikon", Bd. VII, S. 428/29.) 

Pleyel, Ignace & Cie. (Hammerflugel No. 207, „Pedalier" No. 237.) 

Der Begriinder des Hauses Pleyel, das sich heute zur bedeutendsten 
franzosischen Pianofortefabrik entwickelt hat, ist der als Ignaz Joseph 
Pleyel wohlbekannte Komponist (geb. l.Jjuni 1757 zu Ruppersthal bei Wien, 
gest. H.November 1851 bei Paris). Er eroffnete i. J. 1795 einen Musikalien- 
handel und -Verlag, dessen Hauptbestandteil seine eigenen ungemein zahl- 
reichen und beliebten Kompositionen bildeten. Die Pianofortefabrik begriin- 
dete er i. J. 1S07; beide Geschafte ubernahm i. J. 1824 sein altester Sohn 
Camille P. (geb. 18. Dezember 1788 zu StraBburg), der sich mit dem Pia- 
nisten und Komponisten Friedrich Kalkbrenner (1788-1849) assoziierte. 
Unter ihrer Leitung nahm die Fabrik einen groBartigen Aufschwung. Camille 
Pleyel starb am 4. Mai 1855; Geschaftserbe wurde August Wolff (Firma: 
„Pleyel, Wolff & Cie."). Jetziger Leiter des Welthauses ist (seit 1898) G. Lyon, 
dem 1897 die Erfindung einer pedalfreien chromatischen Harfe gelang. 
Vgl. die Lexika von Fetis, Grove und Riemann. 

Die Berliner Kgl. Sammlung besitzt das von Pleyel verfertigte Tafelklavier 
Meyerbeers (No. 1098), die Sammlung des Pariser Conservatoire das Klavier des 
Opernkomponisten Michael Carafa (1785-1872) aus dem Jahre 1833 (No. 344). Auf 
der Wiener Musikausslellung v. 1892 war ein einem Warschauer Besitzer gehorendes 
Tafelklavier ausgestellt, das "Chop in in seinen letzten drei Lebensjahren (1847-1849) 
gehorte f,,Fachkatalog": S. 382 No. 29). - Ueber die rekonstruierten Clavecins von 
Pleyel, Wolff & Cie. veigl. die FuBnote auf Seite 110 des vorliegenden Katalogs. 

Pol, Louis. (Hammerflugel No. 210.) 

Ein franzosischer Klavierbauer, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts 
in Ntmes lebte und in Paris und Toulouse Filialen unterhielt. C. Pierre 
berichtet in seinem Buch „Les facteurs d' instruments de musique" (Paris 1893, 
p. 211), daB Pol 1854 eine Art neuer Schraubenwirbel („chevilles a vis") erfand, 
die die Widerstandsfahigkeit der Saiten erhohen sollten; die Erfindung wurde 
auf der Pariser Weltausstellung 1855 pramiiert. Auch befaBte er sich in 
demselben Jahre mit der Konstruktion eines Klavierresonanzbodens in Violinform. 

Puchert, Joh. Samuel. (Gebundenes Clavichord No. 20.) 

Johann Samuel Puchert wurde nach Ausweis der Rudelstadter Kirchen- 
biicher am 10. Oktober 1741 als Sohn des Orgelbauers und Instrumenten- 
machers Siegemund P. (geb. 1719, gest. 20. Dezember 1768) zu Adlersruh 
bei Rudelstadt (Kreis Bolkenhain) in Schlesien geboren; seine Mutter hieB 
Anna Renata, geborene Hauptmann (geb. 1704, gest. 4. Oktober 1774). 
Seine Ausbildung empfing er wahrscheinlich bei seinem Vater, dessen Ge- 
schaft er fortfiihrte und nach dem benachbarten Rudelstadt verlegte; in spateren 
Jahren war er aber wieder in seinem Heimatort ansassig, wo er auch das Amt 
eines Schulaufsehers bekleidete. Hier starb er am 11. September 1794; beerdigt 
wurde er in Rudelstadt. 



254 ^Ig^lStflStfSaflll} Klavierbauer: Riese- Ruckers 

Riese & Feurich. (Aufrechter Hammerfliigel No. 198.) 

Die Pianofortefabrik Riese & Feurich wurde um das Jahr 1825 in Cassel 
gegrundet und bestand bis gegen 1860; die Fabrikation, die sich hauptsachlich 
auf Tafelklaviere und aufrechte Fliigel erstreckte, war ziemlich ausgedehnt. 
Nach Auflosung des Geschafts trat August Feurich bei der i. J. 1846 
gegriindeten Firma Carl Scheel in Cassel als Ausarbeiter in Stellung; er 
starb ca. 1867. 1862 — 63 war er ein Jahr lang in der 1851 gegriindeten 
Klavierfabrik seines Neffen Julius Feurich in Leipzig tatig, der bei ihm 
in den Jahren 1835 — 39 seine Lehrzeit durchgemacht hatte. 

Nachfrdl. Mitteilungen des Herrn Kommerzienrats H. Feurich in Leipzig. 

Riva, Alessandro. (Spinett No. 65.) 

Laut Ausweis der Zivilakten von Bergamo (Lombardei) wurde er am 
5. Februar 1803 zu Villa d'Adda geboren und starb am 21. Dezember 1868 
zu Bergamo, wo er als Klavierbauer ansassig war; er kann als einer der 
letzten Verfertiger von Spinetts bezeichnet werden. Seine Gattin hieB Rom i Ida 
Claudi, seine Eltern Guiseppe R. und Rosa Villa; sein Vater war eben- 
falls Cembalobauer und Schreiner. 

Rohmann, Jacob. (Hammerflugel No. 197.) 

Ein Pianofortefabrikant in Breslau aus der ersten Halfte des 19. Jahr- 
hunderts; sein Name ist in Breslauer AdreBbtichern bis 1859 nachweisbar. 
Er war „Kgl. Hof-lnstrumenten verfertiger" und etwa seit 1835 mit Gottlieb 
Brand assoziiert; ihre Fabrik war Altbiisserstr. No. 10. Im Jahre 1839 zog er 
sich vom Geschaft zuriick, da inn die AdreBbiicher seit dieser Zeit als „Partikulier" 
anfiihren. Seine Wohnung war 1837-1852 Matthiasstr. 93 und von 1853 bis 
1858 in derselben StraBe No. 91; die Hauser hatten die Namen „Goldene 
Sonne" und „Griiner Wald". Im Jahre 1859 scheint er gestorben zu sein; 
jedenfalls ist sein Name seit dieser Zeit nicht mehr erwahnt. 

Diese Mitteilungen verdankt das Museum den freundl. Nachforschungen des 
Herrn cand. phil. et mus. H. E. Guckel in Breslau. 

Ruckers, Hans (der Aeltere). (Kleine Virginals No. 35 u. 36.) 

Hans Ruckers d. Aelt. ist das Haupt der Familie Ruckers, die den ersten 
Rang unter den Erbauern von Kielflugeln einnimmt. Der Name „Ruckers" 
kommt auch in den Schreibarten Rukers, Rueckers, Ruyckers, Ruekaers, Rieckers 
und Rikaert vor; er ist aus einer Zusammenziehung des flamischen Namens 
„Ruckaerts" oder „Ryckaertszoon" entstanden, der mit dem in England haufig 
vorkommenden Namen „Richardson" gleichbedeutend ist. Die Familie ist 
flamischen Ursprungs; die Nachrichten iiber das Leben ihrer einzelnen Mit- 
glieder sind recht sparlich. 

Hans R. wurde um das Jahr 1550 als Sohn des Franz R. zu Mecheln 
geboren; er erlernte das Schreinerhandwerk. Nach Ausweis der Kirchenbiicher 
der Kathedrale zu Amsterdam wurde er am 25. Juni 1575 mit N a en ken (Adri- 
enne) Cnaeps getraut; in demselben Jahre wurde er als „Hans Ruyckers, 
clavisinbalmakerre" in die St. Lukas-Gilde als Mitglied aufgenommen. In den 
Antwerpener Burgerbtichern ist sein Name merkwurdigerweise erst am 
28. Februar 1594 eingetragen ; doch scheint es sich hier nur um die Erneuerung 
einer friiheren Eintragung zu handeln, da die alten Protokolle bei der Pltin- 
derung des Rathauses durch die Spanier i.J. 1576 verbrannt waren. — Von ur- 
kundlich nachweisbaren Daten aus Hans Ruckers' Leben ist noch zu erwahnen, 
daB ihm i.J. 1591 das Instandhalten der Orgel in der Kapelle der Heiligen 
Jungfrau der Kathedrale iibertragen wurde und daB er 1593 eine Umarbeitung 



255 






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v- J. .V vj 'j ,K.3 *k? * 



Inschrift zum aufrechten Hammerflugel No. 198 (Seite 190). 




Inschrift zum Spinett No. 65 (Seite 81). 




Inschrift zum Hammerflugel No. 197 (Seite 190). 



256 




Rosette zum Clavecin No. 71 (Seite 90). 




Inschrift zum Tafelklavier No. 128 (Seite 141). 



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Inschrift zum Hammerklavier No. 134 (Seite 144). 



Klavierbauer: Ruckers d^^S^l^lia^ 257 



der dortigen Hauptorgel vornahm. 1598 oder 1599 erhielt er die Aufsicht 
uber die Orgeln der Bavo-Kirche und 1617 dieselbe Funktion an der Jakobs- 
kirche; doch ist nicht festgestellt, ob es sich hierbei um ihn oder seinen 
gleichnamigen Sohn (Hans Ruckers d. Jiing.) handele. Dieselbe UngewiBheit 
herrscht betreffs seines Todesjahres, das als 1642 iiberliefert ist. Er miiBte 
demnach ein Alter von neunzig Jahren erreicht haben; wahrscheinlich ist er 
aber bereits um 1620 gestorben, ') zumal die letzten seiner Instrumente dem 
Jahre 1614 angehoren, und 1642 ist das Todesjahr seines Sohnes Hans 
(Johannes). 

Hans Ruckers d. Aelt. hatte vier Sohne: Franz, getauft am 28. Marz 
1576, Hans, getauft am 15. Januar 1578, Andreas, getauft am 30. August 
1579 und Anton, getauft am 9. April 1581. Die beiden mittleren der vier 
Briider, Hans und Andreas, erwiesen sich als wiirdige Schiiler ihres groBen Vaters; 
Franz und Anton scheinen andere Berufe ergriffen zu haben. 

Den Ruhm als Erfinder des Claviorganum und einiger wichtiger Ver- 
besserungen im Clavecinbau (Anbringung von Registerziigen und eines zweiten 
Manuals und Einfuhrung des 4'-Saitenchors u. a.) hat die Forschung Hans R. d. Aelt. 
wieder aberkennen miissen;'-) immerhin ist er der erste Meister, der diese 
Errungenschaften in seinen Fliigeln vereinigte und dessen Instrumente dadurch 
fiir seine Sohne und das ganze folgende Jahrhundert vorbildlich wirkten. 

In der „Encyclopedie methodique" (Paris 1782 — 1832) sagt Hiill- 
mandel (Tome I, p. 286) uber ihn: „Was diesen geschickten Klavierbauer 
aber vor allem ausgezeichnet hat, ist die Giite, der voile und gleichmaBige 
Ton seiner Clavecins, den er erreichte durch gliicklich gewahlte Proportionen, 
durch die auBerste Sorgfalt in der Auswahl des Holzes fiir den Resonanz- 
boden, durch die Achtsamkeit, mit der er die Fasern des Holzes fiir diese 
Boden aneinanderfiigte, damit die Schwingungen durch nichts unterbrochen 
wurden und durch die Abstufung in ihrer Starke, welche der verschiedenen 
Anzahl der Schwingungen fiir die hohen und tiefen Tone entsprach." 3 ) 

Die Ruckers benutzten zur Signierung ihrer Instrumente charakteristische 
Marken aus MetallguB, die sie als Rosetten in den Schallochern der be- 
malten Resonanzboden befestigten. Diese Marken stellen eine harfenspielende 
Engelsgestalt mit den Initialen des Erbauers dar; Hans des Aelt. Signum 
zeigt den Engel in halb kniender, nach links gewendeter Stellung auf einem 
Fels oder einer Wiese und die Initialen „H R". Sein gleichnamiger Sohn pflegte 
zur Unterscheidung die Initialen „I R" (Johannes Ruckers) zu benutzen. 4 ) 

Vgl. Burbure, Leon de, ,,Recherches sur les facteurs de clavecins et les luthiers 
d'Anvers", Bruxelles 1863; van der Straeten, Edmond, ,,La musique aux Pays-Bas 
avant le XIXe siecle", Bruxelles 1867-1887: Tome I (1867) et III (1875); Hipkins, 
A. J., Artikel ..Ruckers" in Groves ..Dictionary. . .", vol. IV (London 1908), p. 180-189. 

Von Hans Ruckers d. Aelt. sind noch nahezu zwanzig Instrumente nachweis- 
bar — ein Beweis, daB sich ihre Wertschatzung drei Jahrhunderte hindurch unver- 
mindert erhalten hat, wenn sie auch im 18. Jahrhundert mannigfachen Umarbeitungen 
durch VergroBerung ihres Umfangs (,,mis en ravalement"; vgl. Seite 99 des Katalogs) 
und Anbringung anderer Verbesserungen unterzogen wurden. Sie gehoren den Jahren 

') Die neuerdings von E. Closson vertretene Ansicht, bereits 1598 als Todes- 
jahr anzunehmen, ist mit der Tatsache unvereinbar, daB in dem (signierten) kleinen 
Virginal 1610 des Pariser Conservatoire zweifellos eine Arbeit Hans R. d. Aelt. vorliegt. 
(Vgl. S. 60 des vorliegenden Katalogs.) 

2 ) Vgl. hieriiber S. 200 (Claviorganum) und S. 84 (Clavicytherium) des vor- 
liegenden Katalogs. 

3 ) Uebersetzung nach Krebs, „Die besaiteten Klavierinstrumente. . .", S. 121. 

4 ) Lithographische Abbildungen in OriginalgroBe enthalt der dritte Band von 
van der Straetens „La musique aux Pays-Bas" (s. o.). 



17 



258 £^l§SlS3t!SS^ Klavierbauer: Ruckers (u. Carest) 

1590-1614 an; zehn Clavecins sind zweimanualig. Die Instrumente befinden sich 
in den offentlichen Sammlungen zu Antwerpen (Musee du Steen), Berlin, Briissel, 
London und Paris sowie in verschiedenen franzosischen und englischen Privatsamm- 
lnngen. Ein (allerdings nicht ganz zuverlassiges) Verzeichnis enthalt Groves ,,Dictio- 
nary", vol. IV (1908), p. 185'186. 

Auch in der von Cristofori 1716—1731 verwalteten Medici-Sammlung 
(vgl. S. 219 des Katalogs) war ein sehr schon ansgestattetes zweimannaliges Ruckers- 
Clavecin vertreten; in dem betreff. Inventar 1 ) figuriert als No 75: „Un Cimbalo 
d'Anversa a tre Regisiri due principale, et uno Ottava, con' due tastature d'avorio, et 
ebano. con' cassa tinta di rosso con' cornicette dorate ..." etc. - Ebenso sind in 
dem Bruni'schen Inventar (cf. das Buch von Gallay: „Un inventaire sous la 
terreur", Paris 1890, [s. S. 212 des vorliegenden Katalogs] eine Anzahl Ruckers-Clavecins 
angefiihrt, von denen zwei (No. 78 a. d. J. 1606 und No. 122 „mis en ravalement 
par Pascal Tasquin, a Paris, en 1771") Hans d. Aelt., vier andere (No. 77, 115, 
130, 175) Hans d. J. zugeschrieben werden diirften, wahrend zwei weitere Instrumente 
(No. 306 und 346) keine nahere Signierung aufweisen. S. auch S. 259. 

* 

Es ist eine historisch interessante Tatsache, daB die 
ersten in Antwerpen seBhaften Claveci nbauer aus Coin a. Rh. 
stammen und Coin also gewissermaBenalsAusgangspunkt des 
beruhmtenAntwerpener Klavierbauesangesehen werden kann. 
Nach den Forschungen Burbures (a. a. O., S. 7) ist als erster Clavecinbauer 
in Antwerpen Josse (Joes) Carest (auch Karest und Care est geschrie- 
ben) zu bezeichnen, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Coin geboren 
wurde und in jungen Jahren nach der flamischen Hauptstadt gekommen war; 
er wurde i. J. 1519 in die St. Lukas-Gilde aufgenommen und erhielt 1523 den 
Meistertitel. Sein Name stand an der Spitze der zehn Meister, die i. J. 1557 
beim Magistrat zu Antwerpen die Erlaubnis zur Begriindung einer besonderen 
Korporation der Clavecinbauer innerhalb der St. Lukas-Gilde nachsuchten; 
sein Todesjahr ist nicht ubermittelt. Auch ein Goswin Carest, Sohn des 
Hans C, der ebenfalls aus Coin stammt, ist nachweisbar (er erhielt i. J. 1536 
das Antwerpener Biirgerrecht), ferner ein Coiner Peter Vorenborch (oder 
Vornenberch), Sohn des Peter V., der 1542 in die Biirgerliste einge- 
tragen und 1552 in die Lukas-Gilde aufgenommen wurde (vgl. Burbure, 
a. a. O., S. 19). 

Ein Spinett von Joes Carest a. d. J. 1548 besitzt die Briisseler Sammlung 
(No. 1587); Lutgendorff (a. a. O., S. 321), der iibrigens Burbures Angaben fiber 
Josse und Goswin C. vermengt, erwahnt — leider ohne Quellenangabe - - auch ein 
Spinett mit der Inschrift: „Claes Karest de Colonia fecit 1550." — In dem Dresdener 
Instrumenteninventarium v. J. 1593 (vgl. S. 84 des Katalogs) ist als No. 10 „ein Instru- 
ment [Spinett], so ettwan Jobst Karest gemacht ..." verzeichnet. 

Ruckers, Andreas (der Aelt ere). (Clavecin No. 71.) 

Andreas Ruckers wurde, wie bereits S. 257 erwahnt, als dritter Sohn 
Hans Ruckers' Ende August 1579 zu Antwerpen geboren; als Tauftag ist der 
30. August nachweisbar. Seine Aufnahme in die St. Lukas-Gilde erfolgte 
i. J. 1611. Seine Instrumente genossen mit Recht denselben weitverbreiteten 
Ruf wie die seines Vaters und alteren Bruders Hans (Johannes); sie waren ihnen 
beziiglich Bauart und Ausstattung vollkommen ebenbiirtig. 2 ) Von Daten aus 



') Cf. Puliti, Leo, „Cenni storici .. ", Firenze 1874, pag. 106. 

2 ) In Matthesons ,,Neu-Eroffnetem Orchestre" (Hamburg 1713) heiBt es 
S. 262: ,,Zweene Briider, Brabander von Geburth, mit Nahmen [Hans und Andreas] 
Ruecker, haben in . . Verfertigung, insonderheit der viereckten Clavicymbel [d. s, 
groBe Virginals], auch Fliigel, viel Gliick und Reputation gehabt." 



Klavierbauer: Ruckers — Schenck ^^^^^ 259 

seinem Leben ist nur bekannt, daB i. J. 1619 einige Mitglieder der Lukas-Gilde 
bei ihm ein Clavecin bestellten, das bei musikalischen Veranstaltungen der 
Gilde benutzt werden sollte, und daB er i. J. 1644 das Instandhalten der Orgel 
in der Kapelle der Heiligen Jungfrau in der Kathedrale, das schon sein Vater 
besorgt hatte, iibernahm. Sein Todesjahr ist ebenfalls nicht iiberliefert, kann 
jedoch als etwa 1655 angenommen werden. Er hinterlieB einen Sohn, 
Andreas (den Jiingeren), geb. 1607, den letzten beriihmten Klavierbauer 
aus der Familie Ruckers. 

Andreas d. Aelt. Marke, die auch das Clavecin No. 71 tragt und auf 
S. 256 abgebildet ist, ist der seines Vaters sehr ahnlich; jedoch zeigt die 
Engelsgestalt eine sorgfaltigere Ausarbeitung. 

Literaturnachweise s. bei Hans Ruckers (S. 257). 

Das Verzeichnis in Groves „Dictionary", vol. IV (London 1908), p. 187/188 
fiihrt 38 erhaltene Clavecins und Spinetts von Andreas Ruckers d. Aelt. an, die den 
Jahren 1610-1651 angehoren; sie befinden sich in den offentlichen Sammlungen zu 
Antwerpen, Berlin, Briissel, Brugge, London, Turin und in belgischen, englischen 
und franzosischen Privatsammlungen. 1 ) Das Clavecin des Museums (No. 71) ist in der 
Liste als No. 69 verzeichnet; doch beruht die dort angegebene Inschrift , , ANDREAS 
RUCKERS IN ANTWERPEN" auf einem Irrtum, das Instrument ist nur durch seine 
Rosette signiert. Ferner ist das bei Hans R. als No. 15 angefiihrte Clavecin 

a. d. J. 1628 durch die Rosette als Arbeit von Andreas gekennzeichnet. 

In dem Bruni'schen Inventar (vgl. S. 212 des vorliegenden Katalogs) sind 
zwei Clavecins von Andreas Ruckers d. Aelt. angefiihrt (No. 71 a. d. J. 1616 und 
No. 55 a. d. J. 1638), die beide verloren gegangen sind; sie stammten aus dem Besitz 
des Grafen de Lauragais und des Herzogs de Croy d' Havre. — Ferner verzeichnet 
das Inventar ein weiteres Clavecin von Andreas R. (No. 26) ohne Jahreszahl; iiber 
die tibrigen Ruckers-Clavecins vgl. die vorhergehende Seite. 

Schenck, J oh. Georg. (Tafelklavier No. 128.) 

Johann Georg Schenck wurde i. J. 1760 zu Ostheim in Bayern geboren. 
Er wurde Schiiler von Joh. Andreas Stein in Augsburg und begriindete 
bald darauf seinen Ruf als Klavierbauer. Gegen Ende der achtziger Jahre 
ubersiedelte er nach Weimar und blieb hier als angesehener und vielbe- 
schaftigter „Hof-Instrumentenmacher" bis an sein Lebensende (etwa 1830) 
ansassig. Im Jahre 1800 erfand er ein Tafelklavier mit Echoeffekt, der sog. 
„Schwebung", mittels derer der Ton „entfernt und herbeikommend" darge- 
stellt werden konnte; vgl. hieruber No. 128 des Katalogs. Im Intelligenz-Blatt 
No. I des 22. Jahrgangs (1820) der „Allgemeinen musikalischen Zeitung" wird 
ein von dem „beruhmten . . Hof-Instrumentenmacher Schenck . . . neuer- 
dings . . verfertigtes . . Cornett-Clavier" fur 130 Thlr. zum Kauf angeboten. 
Der Besitzer nennt es ,,ein herrliches Instrument"; „es besteht aus einem 
Hauptclavier, 8 FuBton, einem Oberclavier, 4 FuBton, und einem Pedal- 
Clavier, 16 FuBton". Es war nach der Beschreibung eins der haufig ge- 
bauten Uebungsinstrumente fur Organisten, wie es auch das Museum in dem 
Pedal-Clavichord von Joh. David Gerstenberg (No. 23, Seite 45 des Kata- 
logs) besitzt. 

Vgl. iiber Schenck die Lexika von Schilling, Mendel-Reissmann und 
Fet is. 

') Auch das Virginal No. 316 der Sammlung des Pariser Conservatoire a. d. J. 
1617 durfte eine Ruckers-Arbeit (wahrscheinlich von Andreas d. Aelt.) und nicht — wie 
es der Katalog (S. 82) angibt italienischen Ursprungs sein. Abgesehen von der 

Aehnlichkeit im AeuBeren mit dem Virginal No. 1080 deuten die vlamischen Trachten 
der Elfenbeinfiguren auf dem Vorsetzbrettchen auf Antwerpener Ursprung. Die In- 
schrift „Sic transit gloria mundi" findet sich iiberdies mehrfach auf Instrumenten von 
Andreas Ruckers; vgl. No. 60, 62, 77 und 86 der in Groves „Dictionary" enthaltenen Liste 



260 ^^^^ Klavierbauer: Schiedmayer— Schiffer 

Schiedmayer, Johann David. (Hammerflugel No. 174.) 

Johann David Schiedmayer wurde am 20. April 1753 zu Erlangen ge- 
boren; gleich Joh. Georg Schenck trat er bei Joh. Andreas Stein in Augs- 
burg in die Lehre. Nach vollendeter Lehrzeit und einigen Wanderjahren 
— die letzten drei Jahre (vom 17. Juli 1778 ab) verbrachte er als Gehulfe 
wiederum bei Stein in Augsburg 1 ) machte er sich im August 1781 in 

seiner Vaterstadt selbstandig. Rasch verbreitete sich der Ruf seiner Piano- 
forte, die Gerbers Lexikon v. J. 1792 sogar als den Stein'schen uberlegen 
ruhmt. Im Jahre 1797 siedelte Sch., der inzwischen den Titel „Churfiirst- 
licher Hofinstrumentenmacher" erhalten hatte, nach Niirnberg iiber, und der 
Ruhm seiner hervorragenden Instrumente stieg von Jahr zu Jahr. Um 1800 hatte 
er - nach Gerber „bereits fur acht voile Jahre Arbeit Bestellungen". Er 
starb als einer der bedeutendsten Klavierbauer seiner Zeit am 20. Marz 1805. 
Seine Erbschaft trat sein altester Sohn und Schiiler J ohann Lorenz Sch. 
an (geb. am 2. Dezember 1786 zu Erlangen, gest. im Marz 1860 zu Stuttgart), 
der Begrunder der bekannten Hofpianofortefabrik Schiedmayer & Sonne in 
Stuttgart. 

Vgl. Joh. G. Meusel, „Miscellaneen artistischen Inhalts", 14. Heft (Erfurt 1782), 
S. 103-104; ferner die Lexika von Gerber, Schilling und Fetis sowie „Ge- 
schichtliche Entwicklung der .... Fabrik Schiedmayer & Sonne", Stuttgart 1886. - 
Gerber (a. a. O., 2. Theil, Sp. 428) teilt ein lobendes Urteil iiber die „Schied- 
mayerischen Fortepianos, die fiir 40 Louisd'or nicht bezahlt, nur erkauft werden konnen" 
a. d. J. 1789 mit, das in seiner Ueberschwanglichkeit an Schubart gemahnt. 

Schiele, Johann (oder Schiebe?) (Kleines Hammerklavier No. 134.) 

Ein Wiener Klavierbauer aus der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts, der 
auch die in damaliger Zeit beliebten kleinen Klaviere mit Nahtischein- 
richtung verfertigte. In dem Wiener „Handels-Gremien-Kalender u ist Johann 
Schiebe 1817 — 1821 als „Mariahilf No. 16" wohnhaft verzeichnet. 

Schiffer, Wilh. Cons tan tin. (Tafelklavier No. 120.) 

Ein Klavierbauer in Coin aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, der sich 
besonders mit dem Bau von Tafelklavieren befafite, die mit einer sinnreichen 
Oktavenkoppelung versehen waren. In dem „Verzeichnus / der / stadt-kolnischen 
Einwohner I ... I Kolln, 1797. , Gedruckt bey Thiriart und Compagnie, . . ."*-') 
ist er als No. 63 „auf St. Mathias-StraBe" wohnhaft angefiihrt. In einem 
„AdreBbuch .... der Stadt Coin" v. J. 1822 ist er nicht mehr zitiert. Da weitere 

') Vgl. sein Lohn- und Tagebuch aus dieser Zeit, abgedruckt im 23. Bande 
der „Zeitschrift fiir Instrumentenbau", S. 192/93. 

2 ) Das „Verzeichnus" enthalt die Adressen einiger anderer Instrumentenmacher, 
die als ein Beitrag zur Geschichte des Instrumentenbaues in Coin um das Ende des 
18. Jahrhunderts hier folgen mogen: 

»No. 4199. Georg Arnold, Orgelmacher. Auf der BreitenstraBe. 
No. 1506. Julius Henr. Bartels, Claviermacher. In der Miihlengasse. 
No. 3876. Mathias Briick, Claviermacher. Aufm Katzenbauch [jetzt : Kat- 

tenbug]. 
No. 4268. Johan Cartheuser, Musicalisch -Instrumentenmacher. In der 

Mariengartengasse. 
No. 3874. Joh. Klein, Instrumentenmacher. Aufm Katzenbauch. 
No. 5853. Anton Sonnemann, Clavier-Macher. In der Schildergasse. 
No. 3880. Peter Sonnemann, Klaviermacher. Aufm Katzenbauch. 
No. 2872. Arnold Spees, Posthornmacher. Auf St. MachabaerstraB. 
No. 4849. Franz Steger, Vogels-Orgel-Macher, Gros und klein Orgelmacher. 
In der Heimersgasse ohnweit den Franciskaner." 



Klavierbauer: Schiffer Schmahl 



Nachforschungen iiberihn in den Registern des Coiner Standesamts ergebnislos 
verlaufen sind, sein Name in den Sterberegistern der Jahre 1797—1822 auch 
nicht vorkommt, so ist er moglicherweise in spateren Jahren von Coin verzogen. 

Schlimbach, K as par. (Querfliigel No. 178, Pyramidenfliigel No. 192.) 
Johann Kaspar Schlimbach wurde am 30. Juli 1777 als Sohn des Caspar 
Schl. zu Merkershausen (Bayern) geboren; seine Mutter hiefi Katharina, 
geb. Endres und stammte aus Konigshofen. Als Schreinergeselle kam er 
auf seiner Wanderschaft nach Wien, wo er bei einem Orgelbauer Stellung 
fand und dort den Orgel- und Klavierbau erlernte. Zu Beginn des Jahres 
1806 kehrte er in die Heimat zuriick und machte sich in der seinem Geburts- 
ort benachbarten Stadt Konigshofen im Grabfelde (Bezirk Wtirzburg) selb- 
standig. Seine erste kleine Orgel stellte er fiir das dortige Elisabethenspital 
her, wandte sich aber bald dem Klavierbau zu und baute hauptsachlich auf- 
rechtstehende und Quer-Fliigel. Auch an der Erfindung des heute zu 
groBer Verbreitung gelangten Harmoniums ist er beteiligt; zusammen mit 
dem eigentlichen Erfinder, dem in Konigshofen ansassigen bayrischen Rent- 
amtmann Bernhard Eschenbach, seinem Vetter (geb. 1769, gest. 1852), ver- 
fertigte er um 1810 das erste auf dem Prinzip des spateren Harmonium 
beruhende Tasteninstrument mit durchschlagenden Zungenstimmen, die sog. 
„Aeoline". : ) Hochbetagt starb er am 21. Mai 1861 in Konigshofen. Drei 
seiner sechs Sonne wurden ebenfalls Orgelbauer: der alteste, Balthasar, 
geb. 1. April 1807, iibernahm 1836 das Geschaft des Hoforgelbaumeisters 
Seuffert in Wurzburg, aus dem die noch heute bestehende Orgelbau- 
anstalt „B. Schlimbach & Sohn" hervorging; der fiinfte Sohn, M. (Martin?) 
J. Gustav, geb. 13. November 1818, siedelte sich in Speier an, wahrend der 
jiingste Jon. Kaspar, geb. 3. Januar 1820, als Orgelbauer und Instrumenten- 
macher in Konigshofen ansassig blieb; von ihm besitzt z. B. die Berliner 
Kgl. Sammlung eine Guitarre (No. 656). Balthasar Sch. starb im Alter von 
neunzig Jahren am 30. August 1896 zu Wurzburg. 

Nach Mitteilungen des Sohnes Martin Sch. a. d. J. 1888, der Firma B. Schlim- 
bach und Sohn in Wurzburg und frdl. Ermittelungen des Stadtpfarramtszu Konigshofen. 

Schmahl (Schmal), Johann Matthaus. (Hammerklaviere No. 102—105.) 
Johann Matthaus Schmahl oder Schmal — es kommen beide Schreib- 
arten vor — entstammt einer siiddeutschen Orgel- und Klavierbauerfamilie, 
der mehrere tiichtige Meister angehoren. Der Stammvater des aus Heilbronn 
a. N. nach Ulm iibergesiedelten Zweiges der Familie ist ein Orgelbauer 
Michael Schmal, dessen Sohn Georg Friedrich Sch. (d. Aelt.) der 
Vater des Johann Matthaus Sch. ist. 

Ueber Georg Friedrich Sch. d. Aelt. enthalten Weyermann's „Nach- 
richten von Kiinstlern und Gelehrten aus Ulm" einen ausfiihrlichen Bericht. 
(„Ein kunstlerischer Orgelbauer in Ulm, geboren zu Heilbronn am 15. Nov. 
1700. — Er lernte bei seinem Vater Michael Schmal und kam von Augs- 
burg, wo er sich damals aufhielt, fiir den verstorbenen Orgelbauer Chri- 
sostomus Baur 1729 als Orgelmacher nach Ulm. Seine erste Hauptarbeit 

in Ulm war die Reparatur der Orgel im Miinster -) AuBer ver- 

schiedenen kleinen Arbeiten hat er 43 Orgeln an verschiedenen Orten in und 

') Vgl. „Allgemeine musikalische Zeitung", 22. Jahrgang (1820, Sp. 506) sowie 
die^.Einleitung zur Abteilung „Orgelartige Tasteninstrumente mit Zungenstimmen". 
Eine derartige Aeoline besitzt das baierische Nationalmuseum zu Miinchen. 

2 ) Der Erbauer der „zwar kostbaren aber schlechtbeschaffenen" Orgel im Ulmer 
Miinster war Andreas Schneider (Anno 1560). Vgl. „Sammlung einiger Nach- 
richten von beriihmten Orgel-Wercken. . .", Breslau 1757, S. 93. 



262 ClS^^SSa Klavierbauer: Schmahl— Seyffarth 

auBer Schwaben neu gemacht Er starb am 26. August 1773".) Seine 

Gattin hieB - laut Ausweis der Kirchenbucher des Miinster-Stadt-Pfarramts 
zu Ulm ■- Sybilla Euphrosine, geb. Faulhaber; seine beiden Sonne, 
Johann Matt ha us und Georg Friedrich (d. Jiing.) waren eben- 
falls geschickte Orgelbauer, widmeten sich aber auch mit gutem Erfolg 
dem Bau von Hammerklavieren, der durch die Silbermanns zu StraBburg 
in Siiddeutschland eingefiihrt war. Die sauber gearbeiteten Klaviere von 
Johann Matthaus Sch., deren Konstruktion von der G. Silbermannschen StoB- 
zungenmechanik etwas abweicht und die haufig mit einer sinnreichen Trans- 
poniereinrichtung versehen waren, erfreuten sich in Siiddeutschland und in 
der Schweiz groBer Verbreitung; doch pflegte Sch. - wie die meisten Piano- 
forteverfertiger jener Zeit — seine Instrumente nicht zu signieren. — Ueber 
sein Leben berichten Weyermanns Nachrichten: „....geboren 1734. Er 
lernte bei seinem Vater [Georg Friedrich Sch. d. Aelt.]. AuBer mehreren 
kleinen Arbeiten, Instrumenten von verschiedener Art, Klavieren mit und ohne 
Pedal, Geigen und dergl. verfertigte er mehrere neue Orgeln, z. B. die Orgel 
in der BarfiiBerkirche, die Kriegsrath und Pfarrkirchenbaupfleger, Johann 
Friedrich Gaum, in Ulm 1780 stiftete mit 2 Klavieren und 19 Registern, die 
Orgel in Reuti ob der Donau, mit 8 Registern, die Orgel in Mahringen 1775, 
die Orgel in Berghulen 1784, die Orgel in Jungingen mit 8 Registern, die 
zu Holzkirch mit 8 Registern und die zu Lonsen mit 12 Registern; auch hat 
er die Orgel in der Dreyfaltigkeitskirche in Ulm ganz neu repariert und mit 
2 neuen Registern versehen; u. m. a. Er starb am 24. November 1793. Er 
war ein sehr geschickter Mann." 

Auch ein jiingerer Bruder, der gleich seinem Vater Georg Friedrich 

Sch. hieB, war Instrumentenbauer. Weyermann sagt von ihm: „ er 

lernte bei seinem Vater, und lebt als Orgel- und Instrumentenmacher in Ulm. 
Er verfertigte: die Orgel in Altenstadt mit 12 Registern, die zu Temmenhausen 
und die zu Finningen, jede mit 8 Registern und Mehreres." Nach Ausweis der 
Ulmer Kirchenbucher ist er am 16. Dezember 1748 zu Ulm geboren und starb 
dort am 23. Oktober 1827. Er heiratete am 21. Januar 1783 Dorothea 
Franziska geb. Kolb (geb. 9. Marz 1761, gest. 22. Juni 1847) und hatte vier 
Sonne, von denen nur der alteste Christof Friedrich (geb. 22. Sep- 
tember 1787 zu Ulm, gest. ebendort i. J. 1839) sich dem Orgelbau widmete. 

Ueber den Regensburger Zweig der Familie vgl. „Spath & Schmahl" 
(Seite 266). 

AuBer Weyermanns „ Nachrichten von Ulm" (s. ob.) vgl. Meusels 

»Teutsches Ktinstlerlexikon" (2. Ausgabe, Lemgo 1808- 14), 2. B<±, S. 281. - Die 
Angaben in den Lexicis von Gerber sind ungenau und liickenhaft. 

Schultz, J. L. F. (Aufrechter [sog. „Lyra"-] Fliigel No. 204.) 

Ein Berliner Klavierbauer aus der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts; 
in Ledebur's „Tonkiinstler- Lexicon Berlin's" (Berlin 1861) ist er nicht 
erwahnt. In dem „Verzeichnis der von der Kgl. Akademie der bildenden 
Kunste u. mechanischen Wissenschaften [zu Berlin] ausgestellten Musikinstru- 

mente vom Jahre 1838" ist ,,J. L. F. Schultz, Musikinstrumentenmacher 

Berlin Adler-Str. 5" mit „1 Fliigel mit Dampfung in verbesserter Art" vertreten. 

Seyffarth, Hermann. (Dreimanualiger „Spinettfliigel" No. 96.) 

Hermann Seyffarth wurde am 27. Juni 1846 zu Leipzig-Mockern geboren. 

Seine Lehrzeit machte er in der Leipziger Pianofabrik von Dolge & Co. durch, 

1866 bis 1870 war er bei Stein weg in Braunschweig tatig, ging jedoch 1870 als 



263 




Inschrift zum Tafelklavier No. 120 (Seite 134). 




Inschrift zum Querfliigel No. 178 (Seite 181). 




Inschrift zum Pyramidenflugel No. 192 (Seite 188). 



264 




Inschrift zum „Lyraflugel" No. 204 (Seite 194). 




Vignette zum Spinett No. 61 (Seite 79). 




Inschrift zum Cembalo No. 94 (Seite 109). 




Inschrift zum Tangentenflugel No. 211 (Seite 197). 



Klavierbauer: Seyffarth— Silbermann ^aSIKli^lS} 265 

Werkfiihrer wieder zu Dolge zuriick und verblieb dort bis z. J. 1882. Dann 
eroffnete er in Leipzig-Gohlis eine eigene Klavierbauanstalt und Reparatur- 
werkstatt, widmete sich aber wenige Jahre darauf mit groBem Geschick und 
bestem Erfolge vornehmlich der Reparatur und Instandsetzung der alten 
Tasteninstrumente der musikhistorischen Sammlungen von Paul de Wit 
zu Leipzig. Im Jahre 1892 erhielt er anlaBlich der Theater- und Musik-Aus- 
stellung zu Wien eine Auszeichnung des Kaisers von Oesterreich (vgl. „Zeit- 
schrift fur Instrumentenbau" XIII. Band, 1892—93, S. 99); die von ihm erbauten 
„Spinettflugel" wurden auf der Rotterdamer Ausstellung 1909 mit dem „Grand 
Prix" pramiiert. 

Silbermann, Gottfried. (Zweimanualiger Kielflugel No. 91[?]). 

Siehe: Verzeichnis der Instrumentenbauer zur Abteilung „Orgeln". 

Silbermann, J oh. Andreas. (Hammerklavier No. 97.) 

Johann Andreas Silbermann wurde als altester Sohn des Orgelbauers 
Andreas S. (geb. 16. Mai 1678 zu Kleinbobritzsch bei Frauenstein im sachs. 
Erzgebirge, gest. 16. Marz 1734 zu StraBburg) am 26. Juni 1712 zu StraB- 
burg geboren; seine Mutter hieB Anna Maria, geb. Schmid und 
stammte aus StraBburg. Er erlernte unter der Leitung seines Vaters 1 ) ebenfalls 
den Orgelbau und gait auf diesem Gebiete als einer der ersten Meister 
seiner Zeit. Wahrend des Zeitraums von 1736 — 1783 hat er insgesamt 
vierundfunfzig Orgeln erbaut; die beriihmtesten seiner Werke stehen in 
der Thomaskirche zu StraBburg, in der Stephans- und Theodorkirche zu 
Basel und in der katholischen Kirche zu Karlsruhe (fruher in der Abtei 
St. Blasien im Schwarzwald). Hochgeachtet starb er als Mitglied des „groBen 
Raths" seiner Vaterstadt am 11. Februar 1783. Er trat i. J. 1775 auch literarisch 
mit einer historisch beachtenswerten „Lokal-Geschichte der Stadt StraBburg" 
hervor. Ueber seine Bedeutung in der Geschichte des Klavierbaues vgl. S. 121 
des Katalogs. Von neun Kindern aus seiner ersten Ehe mit Anna 

Salome Mannberger (1742) starben sieben in ganz jugendlichem Alter; 
von den beiden uberlebenden wurde der altere Johann Josias S. (geb. 1765, 
gest. bereits am 3. Juni 1786) ebenfalls Orgelbauer. — Joh. Andreas' zweite 
Ehe mit Elisabeth Schatz (1772) blieb kinderlos. - Unter seinen Schiilern 
ist Joh. Andreas Stein in Augsburg (vgl. S. 270) an erster Stelle zu nennen. 

In Forkels „Musikalischem Almanach fur Deutschland auf das Jahr 1784" 
(Leipzig, im Schwickertschen Verlag) findet sich S. 213 folgender Nekrolog: 

„Am 11 ten Februar 1783 starb zu StraBburg, Johann Andreas Silber- 
mann, des groBen Raths alter Beysitzer und Orgelmacher daselbst 

AuBerdem, daB er iiberhaupt ein sehr verdienstvoller Mann war, und sich 
sogar durch seine Localgeschichte von StraBburg (1775) und durch seine 
Geschichte und Beschreibung des Odilienbergs unter den Gelehrten bekannt 
gemacht hat, ist sein Tod fur die musikalische Welt seiner vorzuglichen 
Instrumente wegen ein groBer Verlust." 

Vgl. Lobstein, J. F. „Beitrage zur Geschichte der Musik im EIsaB u. bes. in 
StraBburg", StraBburg 1840, in welchem Buch sich S. 106 — 114 ausfiihrliche Angaben 
auch uber die andern Mitglieder der Familie und vollstandige Verzeichnisse aller von 
Andreas d. Aelt. und Joh. Andreas S. erbauten Orgeln finden; ferner die Lexika von 
Mendel-Reissmann und Fetis. 



') Vgl.iiber den Vater Verzeichnis der Instrumentenbauer zur Abteilung „Orgeln". 



Klavierbauer: Silbermann— Spath 



Silbermann, Johann Heinrich [Jean Henri]. (Spinett No. 61.) 

Johann Heinrich Silbermann wurde als jiingster Sohn von Andreas S. 
(s. o.) am 24. September 1727 zu StraBburg geboren. AuBer der Ver- 
fertigung von Clavicymbeln, Spinetts und Clavichords widmete er sich vor- 
nehmlich dem durch seinen beruhmten Oheim Gottfried Silbermann 
(1683 — 1753) begrundeten Pianofortebau und brachte es hierin zu hoher 
Meisterschaft. In Forkels „Musikalischem Almanach fur Deutschland auf 
das Jahr 1782" heiBt es (S. 200): „Seine Instrumente sind in der musikalischen 
Welt allzu bekannt, als daB es notig ware, . . . erst etwas zum Lobe derselben 
zu sagen. Sowohl seine Fliigel als Pianoforte, wie auch andere zum Theil 
selbst erfundene Manual- und Pedal-Clavierinstrumente, zeichnen sich durch 
Sauberkeit der Arbeit und Schonheit des Tons aus .... Seine Piano- 
forte verkauft er gewohnlich das Stuck fur 300 Thaler" — ein fur damalige 
Zeit recht hoher Preis. — Auch Gerber erwahnt in seinem „Lexikon 
der Tonkunstler" (Leipzig, 1790-92), 2. Theil, Sp. 516: „Seine Fortepianos 
sind weit beruhmt, besonders in Frankreich. Und man kann behaupten, daB 
die besten, welche Paris besitzt, von seiner Arbeit sind. . . ul ) 

Er starb am 15. Januar 1799 in seiner Vaterstadt und hinterliefi aus 
seiner Ehe mit Katharina Margarethe Mosseder zwei Sonne, von denen 
der altere, J o h a n n Friedrich (geb. 21 . Juni 1762, in Geisteszerriittung gest. 
9. Marz 1805 zu StraBburg) ebenfalls Klavier- und Orgelbauer wurde; er war 
gleichzeitig Organist an der StraBburger Thomaskirche und auch Komponist. 

Vgl. Lobstein (a. a. O.) und die Lexika von Fetis und Mendel-Reissmann 
sowie die Stammtafel der Familie Silbermann im Verzeichnis der Orgel- 
bauer des Katalogs. 

Zwei mit unserrn Spinett No. 61 fast iibereinstimmende Instrumente finden sich 

- wie bereits S. 80 erwahnt — im „Historischen Museum" zu Basel (No. 226) und 

im Museum des Bachhauses zu Eisenach. Ein weiteres Spinett und einen zweimanua- 

ligen K'elfliigel besitzt letzteres Museum aus der Stiftung Obrist. Einen Hammer- 

fliigel a. d. J. 1776 bewahrt die Berliner Kgl. Sammlung (No. 1080). 

Sodi, Vincenzio. (Cembalo No. 94.) 

Ein italienischer Cembalobauer, der in der zweiten Halfte des 1 8.Jahrhunderts 
(1772) zu Florenz lebte. Naheres iiber ihn war bisher nicht zu ermitteln. 

Ein dreimanualiges Cembalo a. d. J. 1779 besitzt das , , Metropolitan-Museum" 
zu Mew York (No. 2359), doch scheint die Authentizitat dieses Instruments zweifelhaft 
zu sein. 

Spath & Schmahl. (Tangentenflugel No. 211 u. 212). 

Franz Jacob Spath (oder Spath) gehorte einer Regensburger Familie 
von Orgel- und Instrumentenbauern an und lebte etwa 1725 — 1796. Ein 
Franz Jacob S p. (gest. 4. Januar 1760), wahrscheinlich sein Vater, ist der 
Erbauer der 1758 eingeweihten Orgel in der Neuen Kirche zur heiligen 
Dreifaltigkeit 2 ); auBerdem wird ein Johann Adam Sp. (ein Bruder ?) als 
Orgel- und Klavierbauer geriihmt: „er hat nicht nur die prachtige Orgel in der 
Domkirche zu Regensburg erbauet, sondern verfertiget auch Fliigel und 

') In dem Bruni'schen „Inventaire" (It. Gal lay, „Un inventaire sous la 
terreur" [vgl. S. 212 des vorliegenden Katalogs]) ist als No. 92 ,,un clavecin en bois 
de noyer, par Jean Henri Silbermann, annee 1769, a Strasbourg" aus dem Besitz 
eines Baron de Maubec protokolliert. 

2 ) Vgl. M et ten leiter, D., „Aus der musikalischen Vergangenheit bayrischer 
Stadte. Musikgeschichte der Stadt Regensburg", Regensburg, 1866, S. 287. - Gerber 
(„Neues . . . Lexicon", 4. Theil, Sp. 225) nennt diese Orgel irrtumlich ein Werk des 
jiingeren Franz Jacob Sp — Mettenleiter erwahnt auBerdem einen Franz Sp. (gest. 
23. August 1786). 



267 



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(Verkleinertes) Faksimile der ersten Seite des Briefes W. A. Mozarts 

iiber die Steinschen Klaviere. 
(Qeschrieben in Augsburg am 17. Oder 18. Oktober 1777.) 

Aus dem Mozart-Museum in Salzburg; mit Bewilligung der Internal. Stiftung „Mozarteum" reproduziert. 



268 



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(Vgl. Bemerkung zur vorhergehenden Seite. 
Faksimile der oberen Halfte der zweiten und einiger Zeilen der dritten Briefseite.) 



Klavierbauer : Spath - Stein 



Fortepianos, welche nicht nur in, sondern auch auBer Deutschland gesucht 
werden." ') — Doch ist es auch moglich, daB dieser Spath — wie es Eitner 
(„Quellen-Lexikon", Bd. IX S. 214) annimmt — von Oerber (Lexicon 1790—92, 
2. Theil Sp. 538) mit dem Ansbacher Stadtkantor und Liederkomponisten 
Johann Adam Sp. (geb. 9. Dezember 1742, gest. 29. September 1794) ver- 
wechselt wird und daher vielleicht mit Franz Jacob d. Jung, identisch ist. — 
Von Franz Jacob Sp., dem Erfinder der sog. „Tangentenfliigel", heiBt es in 
Gerbers beiden Lexicis: (1792:) „. . . Er verfertiget auch die sogenannten 
Tangentenfliigel ohne Kielen, welche vielen Beyfall gefunden haben". (1814): 
„. . . Er iiberreichte schon 1751 dem Churfursten zu Bonn einen Tangenten- 
Fltigel mit 30 Veranderungen und hatte durch seinen FleiB dies Instrument 
im J. 1770 bis zu 50 Veranderungen gebracht .... Er starb urns Jahr 1796". 
Verheiratet war er mit Johanna Rosina SchleBinger; von seinen sieben 
Kindern war Anna Felicitas (s. u.) die alteste Tochter. — Der von Forkel 
herausgegebene „Musikalische Almanach ftir Deutschland auf das Jahr 1782" 
berichtet iiber inn: „Verfertigt mehrerley Clavierinstrumente von ungemeiner 
Giite. Seine Pianoforteinstrumente in Flugelform sind insonderheit vorztig- 
lich, nicht bloss in Betracht der schonen, saubern und dauerhaften Arbeit, 
sondern der ganzen Einrichtung. Der Preiss eines solchen Instrumentes auf 
der Stelle ist 40 Dukaten. Herr Spath arbeitet jetzt mit seinem Schwiegersohn, 
Herrn Schmahl in Gesellschaft." 

Dieser Schwiegersohn ist — nach Feststellung aus Regensburger Kirchen- 
biichern — Christoph Friedrich Schmahl,') der i. J. 1739 als Sohn 
des Orgelbauers und Instrumentenmachers Johann Adam Sch. zu Heil- 
bronn a. N. geboren wurde; seine Mutter hieB Susanne Katharina. Er hatte 
am 12. Juni 1772 die Regensburger Biirgerpflicht abgelegt und wurde am 
28. September desselben Jahres mit Anna Felicitas Spath (getauft am 

14. April 1751) getraut. Ein Zweig der Familie Schmahl war bereits im 
17. Jahrhundert in Regensburg ansassig; das „Baierische Nationalmuseum" zu 
Miinchen besitzt ein „Clavichord in Flugelform" (No. 144) von dem Klavier- 
macher Friedrich Schmahl in Regensburg a. d. J. 1692. Nach Metten- 
leiter (a. a. O.), der auch einen Orgel- und Instrumentenmacher Christ. 
Carl Schmahl (gest. 1815, ledig) verzeichnet, wurde Spaths Schwiegersohn 
Christoph Friedrich Schmahl spater „Hausgerichtsassessor"; er starb am 

15. Mai 1814. 



Spighi, Francesco. (Tafelklavier No. 119.) 

Ein Klavierbauer aus Florenz, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
(1790) lebte. Naheres lieB sich iiber ihn bisher nicht ermitteln. 

Stein, Ferdinand. (Aufrechtes Hammerklavier No. 155.) 

Ein Klavierbauer, der in der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts zu Wien 
lebte; der beruhmten Familie Stein-Streicher scheint er nicht anzugehoren 
oder ist vielleicht ein Verwandter des auf Seite 273 erwahnten Heinrich 
Stein. 



J ) Vgl. z. B. das Faksimile des Mozart-Briefs v. 17. Oct. 1777 (Seite 267 des 
Katalogs), in dem „die spattischen Clavier" erwahnt werden, ferner die Lexika von 
Meusel, Gerber und Lipowsky. 

2 ) Nicht Qeorg Friedrich Schm. d. J., wie Meusel a. a. O., 2. Bd. S. 281, 
vermutet, da dieser in seiner Vaterstadt Ulm blieb (vgl. Seite 262 des Katalogs). 



Klavierbauer: Stein 



Stein, Johann Andreas. [Siehe das Portrat auf Seite 282.] (Hammerflugel 
No. 171.) 

Johann Georg Andreas Stein wurdei. J. 1728 zu Heidelsheim in Baden 
geboren. Er erlernte bei Joh. Andreas Silbermann in StraBburg den Orgel- 
und Klavierbau. Im Jahre 1750 kam er nach Augsburg und verheiratete sich 
hier etwa acht Jahre spater mit Regina Barbara (oder Maria Regina?) 
Burkhard. Sein erstes selbstandiges Werk war die 1755 — 57 fertiggestellte 
Orgel der BarfiiBer- (Franziskaner- oder Minoriten-) Kirche zu Augsburg 1 ); an 
dieser Kirche bekleidete erv.J. 1757 das Amt eines Organisten. 1758 unter- 
nahm er eine Reise nach Paris; hier verfertigte er sein erstes Claviorganum. 
Nach Augsburg zuriickgekehrt, erbaute er 1766 die schone Orgel in der dortigen 
Kreuzkirche, wandte sich aber dann mehr und mehr dem Klavierbau zu, 
in dem er es zu groBer Beruhmtheit brachte. In Forkels „Musikalischem 
Almanach fur Deutschland auf das Jahr 1782" heiBt es (Seite 201): „. . . .AuBer 
daB er vortrefliche und sehenswiirdige Orgeln gebaut hat, verfertigte er auch 
ungemeine schone Fliigel, Pianoforte, Claviere und andere musikalische Instru- 

mente Seine Pianoforteinstrumente sollen in Absicht auf Schonheit der 

Arbeit und des Tons, wie auch der Deutlichkeit im Vortrage, den Spathischen 
ahnlich seyn" — doch bezeugt Mozarts Brief vom 17. Oktober 1777,") daB sie 
die „spattischen Clavier" noch bedeutend (ibertrafen. — Die in primitiver 
Form wahrscheinlich von Steins Lehrer, Joh. Andreas Silbermann, zuerst 
angewandte „deutsche Mechanik" wurde von Stein durch Hinzufugung der 
Auslosung und spater der Fanger verbessert und eigentlich erst lebensfahig 
gemacht. Diese verbesserte „deutsche Mechanik" wurde dann von seiner 
Tochter Nannette und ihrem Gatten, Joh. Andreas Streicher, tiber- 
nommen und gelangte als „Wiener Mechanik" zu groBter Bedeutung im 
deutschen Klavierbau der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts. Von weiteren 
Erfindungen Steins sind die Melodika (1770), ein Doppelfliigel („Piano vis-a-vis") 
und die Saiten-Harmonika (1789) zu nennen; „von seiner Melodika und seinen 
Pianofortes sind iiber 700 in ganz Europa verbreitet", heiBt es in Gerbers 
„Neuem Lexikon". Auch Schubart riihmt ihn in seinen „Ideen zu einer 
Aesthetik der Tonkunst" (Wien 1806): er „kennt alles GroBe, besonders was 
Klavier- und Orgelspiel betrifft; als Mechaniker hat er schwerlich seines Gleichen 
in Europa. Seine Orgeln, Fliigel, Fortepianos und Clavikorde sind die besten, 
die man kennt: Starke mit Zartheit, Tiefsinn mit Hoheit, Dauer mit Schonheit 
gepaart . . . ". 

Stein starb am 29. Februar 1792 zu Augsburg im Alter von 64 Jahren. 
In den letzten Jahren seines Lebens hatte er die Leitung seiner ausgedehnten 
Klavierbauanstalt seiner Tochter Nannette iiberlassen, die mit ihrem Bruder 
Mathaus Andreas das Geschaft spater nach Wien verlegte. (Siehe 
„Streicher", Seite 274.) AuBerdem hatte Stein noch drei Tochter und 
einen Sohn: Regina (geb. 1760), die sich nach Wetzlar verheiratete; Bar- 
bara (geb. 1763, gest. 1838), die 1790 einen Vetter, den Pfarrer Burkhard 
in Augsburg, heiratete; Euphrosine, verheiratet mit dem Mautoberbeamten 
Doll, zuletzt in Erlangen, und Fried rich (geb. 1784, gest. in Wien 1809). 

Vgi. die Lexika von Gerber, Schilling und Fetis und „Zeitschrift fiir In- 
strumentenbau", XXIII. Band No. 8. 



') Das Museum besitzt den von Stein selbst gezeichneten und von E. Eichel 
gestochenen schonen Kupferstich des Prospekts dieser Orgel, deren Disposition in 
Joh. Adam Hillers „W6chentlichen Nachrichten" (14. Stuck, 1770; S. 108/109) abge- 
druckt ist. Ueber die Geschichte der Orgel vgi. „Zeitschrift fiir Instrumentenbau", 
XXIII. Band No. 6. 

' l ) Vgi. das Faksimile auf Seite 267 des Katalogs. 



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271 




Inschrift zum Tafelklavier No. 119 (Seite 134). 




Inschrift zum Pianino No. 155 (Seite 158). 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 171 (Seite 173). 



272 




Inschrift zum aufrechten Hammerfliigel No. 184 (Seite 183). 




^lOBAm ;Atrt&JSTIN StraUBE, 
Fecit a Brrlin, Anno 475 T* 





Inschrift zum Clavichord No. 29 (Seite 49). 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 187 (Seite 184). 



Klavicrbauer: Stein — Stodart 



Ein Stein-Fliigel v. J. 1775 aus dem Besitz eines Herrn Bra tin inWien befand 
sich auf der Wiener Ausstellung 1892 (Katalog S. 407, No. 77); auf derselben Aus- 
stellung war auch ein gebundenes Clavichord a. d. J. 1762 (Katalog S. 284, No. 107). 
Die Briisseler Sammlting besitzt einen Flugel a. d. J. 1786 (No. 1634) tind das » Metro- 
politan-Museum" zu New York einen undatierten Pedalfliigel (No. 3182). In der Samm- 
lting Steinert-New Haven befindet sich ein unsignierter Flugel (No. 37), der fast genau 
unserm Instrument No. 171 entspricht und daher Stein zugesprochen werden kann. 
Ueber Steins Nachkommen lieB sich z. T. mit frdl. Untersttitzung des Herrn 

A. Haidecki in Wien — folgendes ermitteln: 

Bei der Uebersiedelung seiner Kinder nach Wien war dort bereits ein Instru- 
mentenbauer Heinrich Stein ansassig, der nach den Protokollen der Landstrafier 
Pfarrkirche zum hi. Rochus am 12. Mai 1811 als dreiBigjahriger Witwer mit der 
Sattlerstochter Klara Katsche eine zweite Ehe einging und in den Wiener Hand- 
lungsgremien-Kalendern von 1813 bis 1816 als Instrumentenfabrikant, LandstraBe 54, 
verzeichnet ist. Ob er mit den Augsburgern verwandt war, ist nicht erwiesen ; ausge- 
schlossen erscheint es nicht, da sich Nannette mit ihren Briidern - vielleicht auf 
sein Anraten? in seiner nachsten Nachbarschaft, LandstraBe 34, einlogierte. 

Uebrigens hatte Johann Andreas Stein in Augsburg einen Bruder Johann Heinrich, 
der ebenfalls Orgelmacher war (vgl. § 13 des Kontrakts iiber die Augsburger Barfusser- 
Orgel vom 5. Marz 1755 in der „Zeitschrift fiir Instrumentenbau", XXIII. Band, 
Seite 187). — Anscheinend ist die Witwe von Johann Andreas, als deren Vornamen 
die Wiener Standesamtsprotokolle allerdings Maria Regina („Instrumentenmachers 
Wittwe") nennen, ihren Kindern nach Wien gefolgt, zumal ihre tibrigen drei Tochter 
damals bereits verheiratet waren; sie tibernahm zweimal (1794 und 1797) bei der Tatife 
von Enkelkindern die Patenstelle. -- Matthias (Matthaus) Andreas Stein, Nannettes 
urn sieben Jahre ji'ingerer Bruder, war am 12. Dezember 1776 zu Augsburg geboren 
und heiratete am 13. November 1796 in Wien Josepha Tischlerin (geb. 1771); als 
Trauzeuge fungierte sein Schwager Andreas Streicher, mit dem er im selben Hause, 
LandstraBe 34, wohnte. Seit 1802 arbeitete er selbstandig. Nach den Wiener Handels- 
kalendern verlegte er 1817 seine Wohnung nach dem Rasoumoffsky'schen Hause auf 
der LandstraBe No. 60, 1818 nach dem Hause No. 496 und 1819 nach No. 76. Furst 
Andreas Rasoumoffsky, bekannt als Freund und Gonner Beethovens (Quartette 
op. 59), hatte dort mehrere Baugrtinde und Hauser erworben, die in der Gegend der 
heutigen ErdbergstraBe lagen. Matthias Andreas starb am 6. Mai 1842; sein Sohn 
Karl Andreas, sein einziges Kind, geb. am 4. September 1797 zu Wien, wurde eben- 
falls Klavierbauer und machte sich i. J. 1829 selbstandig. 1844 wurde ihm der Titel 
„Hof-Clavier-Instrumentenmacher" verliehen; im nachsten Jahre erhielt er auf der 
dritten osterreichischen Gewerbeausstellung zu Wien eine silberne Medaille. Auch als 
ausgezeichneter Pianist und Komponist hat er sich betatigt; er schrieb zwei Klavier- 
konzerte, zwei Ouverttiren und eine komische Oper ,,die goldene Gans". Gestorben 
ist er am 28. August 1863.— Der jiingste Sohn Johann Andreas', Friedrich, wurde 
am 26. Mai 1784 zu Augsburg geboren und als zehnjahriger Knabe von seiner 
Schwester Nannette mit nach Wien genommen. Er studierte bei Albrechtsberger 
Theorie und wurde ein geschickter Pianist und Komponist; auch mit Beethoven 
war er befreundet. Er starb im jugendlichen Alter von 25 Jahren am 5. Mai 1809 
an der Lungenschwindsucht; auBer Klavier- und Kammermusikwerken hinterlieB er 
eine Pantomime „die Fee Radiante" und eine Oper „der Kampf urn Mitternacht", 
die 1812 in Wien aufgefuhrt wurde. (Vgl. „Allg. Musik. Zeitung", 11., 12. u. 14. Jahrgang.) 

Stodart, M. & W. (Aufrechter Hammerfliigel No. 184.) 

Die Firma Stodart, die in der Geschichte des englischen Klavierbaues 
eine wichtige Rolle spielt, wurde i. J. 1776 von Robert Stodart, einem 
Schiiler John Broadwoods, gegriindet (London, Wardour Street, Soho); 
Stodart beteiligte sich auch an den erfolgreichen Versuchen zur Einfiihrung 
der sog. „englischen Mechanik". 1777 erhielt er ein Patent fur einen Flugel, 
der eine Verbindung zwischen Hammer- und Kielfliigel darstellt. I.J. 1795, 
wahrend mittlerweile das Geschaft nach Golden Square No. 1, verlegt worden 
war, lieB sich William Stodart einen aufrechten Flugel in Form eines 



18 



Klavierbauer: Stodart Streicher 



Biicherschranks patentieren (vgl. No. 184). William, der die Firma in Gemein- 
schaftmitseinem Bruder Malcolm („W. & M. Stodart") leitete, erwarb i. J. 1820 
das Patent der bei ihm beschaftigten James Thorn und William Allen, die 
ein Rahmenwerk von Metallrohren und -platten erfunden hatten; diese wichtige 
Erfindung legte den Grund zur allgemeinen Einfiihrung des Eisenrahmens. 

Eine Beschreibung dieses „Compensation Patent Pianoforte" erschien 
in der Zeitschrift „Quarterly Musical Magazine and Review", vol. Ill, p. 185; 
auszugsweise teilt sie in deutscher Uebersetzung Chladni in der „Allgem. 
Musik. Zeitung", 24. Jahrg. (1822), Sp. 180/81 und 26. Jahrg. (1824), Sp. 809 
mit. Stodart wird hier als „Pianofortemacher fur den Konig und die konig- 
liche Familie" bezeichnet. Im 26. Jahrg. heifit es: „ ..Ein solches Instrument 
mit gewohnlichem Kasten kostet 110 Pfund, 5 Schilling und mit einem 
eleganten Kasten 126 Pfund. Andere gewohnliche Instrumente kosten bey 
ihm von 37 Pfund bis 68 Pfund, 5 Schilling " 

Nach Malcolm Stodarts Tod verlor die Firma („Stodart & Son") an Be- 
deutung und wurde i. J. 1861 aufgelost. 

Vgl. Grove's dictionary" vol. IV (London 1908) p. 70001. 

Ein Cabinet-Piano a. d. J. 1801 befindet sich im „Metropolitan -Museum" zu 
New York (No. 2804); aufrechte Fli'igel in Biicherschrankform besitzen die Berliner 
Kgl. Sammlung (No. 1088, angeblich aus dem Besitz Konig Friedrich Wilhelm III.) 
und das „Norsk Folkemuseum" zu Christiania (No. 86). 

Straube, Johann Augustin. (Bundfreies Clavichord No. 29.) 

Johann Augustin Straube wurde am 15. Mai 1725 zu Alt-Brandenburg 
geboren. Er iibersiedelte als „musicalischer Instrumentenmacher" nach Berlin 
und erwarb laut Ausweis des Biirgerbuchs am 28. August 1764 durch Zahlung 
von 4 Thlr. das Biirgerrecht. Forkel sagt von ihm in seinem „Musikalischen 
Almanach fur Deutschland auf das Jahr 1782" (S. 202): „. . . Macht vorzug- 
lich gute Fltigel, wie auch kleine Clavierformige Pianoforte, die sehr geschatzt 
und gesucht werden. Der Preiss seiner Clavierformigen Pianoforte soil 60 
Rthl. seyn." Ebenso erwahnt ihn Gerber in seinem „Lexicon der Ton- 
kiinstler" (Leipzig, 1790—92), 2. Theil Sp. 599: „. . . ist vorziiglich durch seine 
Pianofortes beruhmt." Nach J. A. Otto („Ueber den Bau der Bogeninstru- 
mente . . . .", Jena 1828) verfertigte und reparierte er auch Geigen; Liitgen- 
dorff (S. 640) nennt ihn auch hierin einen „geschickten Meister". — Straube 
starb in seinem Hause Leipziger StraBe 17 zu Berlin am 18. April 1802. 

Die biographischen Daten verdankt das Museum der Freundlichkeit des Herrn 
Hof-Instrumentenmachers J. Straube in Berlin, eines Urenkels Job. Aug. Straubes. 
Ein Clavichord von Straube besitzt auch die Berliner Kgl Sammlung; vgl. „Zeitschrift 
der I. M. G." Ihg. 1, S. 173. 



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Streicher, Nannette. (Hammerflugel No. 187, 188, 191 [?], 199.) 

Maria Anna oder Nannette Streicher, eine ungemein begabte und viel- 
seitige Frau, wurde am 2. Januar 1769 als Tochter des beriihmten Orgel- 
und Klavierbauers Joh. Andreas Stein zu Augsburg geboren. Schon in 
fruhester Jugend offenbarte sich das musikalische Talent des Kindes; kaum 
acht Jahre alt, spielte sie Mozart bei dessen Besuch in Augsburg (Oktober 
1777) vor, und trotz mancher Untugenden, die ihrem Spiel anhafteten, konnte 
Mozart dem Vater nach Salzburg berichten: „Sie kann werden, sie hat Genie." 
Aber auch auf einem anderen, der weiblichen Natur sonst ganz fernliegenden 
Gebiete entwickelten sich ihre Fahigkeiten: sie zeigte so viel Neigung und 
Geschicklichkeit zum Klavierbau, daB sie bald die beste und zuverlassigste 
Gehiilfin des Vaters wurde und nach dessen Tode (29. Februar 1792) das 
vaterliche Geschaft nur unterstutzt von ihrem damals sechzehnjahrigen 

Bruder Matt ha us Andreas selbstandig weiterzufiihren vermochte. 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 199 (Seite 193). 




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Inschrift zu den Hammerfliigeln No. 202 u. 203 (Seite 194). 








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Inschrift zum Hammerfliigel No. 180 (Seite 182). 




Inschrift zum Oktav-Spinett No. 34 (Seite 59). 



276 




Inschrift zum Tafelklavier No. 126 (Seite 138). 




Inschrift zum Hammerfliigel No. 206 
(Seite 195). 




Inschrift zum Giraffenfliigel No. 189 
(Seite 187). 




Inschrift zum Pyramidenfliigel No. 196 (Seite 189). 



Klavierbauer: Streicher tl§}£lg}SISjQ§iKI^^ 277 



Im nachsten Jahre heiratete siejohann Andreas Streicher (geb. 13. 
Dezember 1761 zu Stuttgart), einen ausgezeichneten Pianisten, der auch als 
Mitschiiler Schillers auf der Karlsschule und dessen treuer Begleiter auf der 
Flucht von Stuttgart nach Mannheim bekannt geworden ist. Im Juli des 
Jahres 1794 begab sich Nannette in Gesellschaft ihres Gatten und zweier ihrer 
Briider nach Wien und begriindete zusammen mit ihrem Bruder Mathaus 
unter der Firma „Geschwister Stein" eine bereits am 17. Januar 1794 durch 
kaiserl. ErlaB konzessionierte Klavierfabrik in der „Roten Rose", No. 301 
in der Vorstadt LandstraBe. Im Jahre 1802 losten die Geschwister die 
Teilhaberschaft auf und arbeiteten unter den getrennten Firmen „Matthaus 
Andreas Stein" und „Nannette Streicher nee Stein" weiter. Streicher, der bis- 
her nur den kiinstlerischen und kaufmannischen Teil des Geschafts besorgt 
hatte, nahm jetzt auch an der Fabrikation regen praktischen Anteil, und in 
Gemeinschaft mit der Gattin gelang es ihm, den europaischen Ruf der 
Streicher'schen Fliigel zu begriinden. Die Fabrik bezog i. J. 1812 eigene 
Raumlichkeiten in der Ungargasse No. 27; i. J. 1823 wurde der Sohn Johann 
Baptist Streicher als Teilhaber aufgenommen (s. u.). Nach dieser Zeit zog 
sich Nannette allmahlich vom Geschaft, das sie in bewahrten Handen wuBte, 
zuriick und lebte mehr ihren kunstlerischen und literarischen Neigungen; so 
iibersetzte sie z. B. das groBe sechsbandige Werk des Phrenologen Franz 
Joseph Gall (1758—1828) „Anatomie et Physiologie du systeme nerveux" 
ins Deutsche. Unvergessen wird ihr stets die aufopfernde Anteilnahme und 
Freundschaft bleiben, die sie Beethoven, der bereits von 1798 ab in Ver- 
kehr mit ihrem Hause stand, besonders in seinen triiben Lebensjahren 1817 — 18 
bevvies; vgl. hieruber seinen Briefwechsel und Band IV und V der Beethoven- 
Biographie von A. W. Thayer. -- Nannette Streicher starb am 16. Januar 1833; 
ihr Sarg wurde zusammen mit denen ihres Gatten und Sohnes am 7. Oktober 
1891 von dem Matzleinsdorfer Friedhofe nach dem Wiener Zentralfriedhof 
iiberfiihrt und dort in einer Ehrengruft neben den andern Grabern historisch 
denkwiirdiger Personlichkeiten beigesetzt. 1 ) 

Vgl. „Allg. musik Zeitung", 35. Jahrg. (1833, No. 23 [Nekrolog]); ferner die 
Lexika von Gerber, Schilling, Grove nnd Wurzbach. 

Zwei Hammerfliigel, von denen einer a. d. J 1816 stammt, befinden sich in der 
Sammlung Steinert-New Haven (No. 43 u. 44). Einen Fliigel aus dem Jahre 1819 
besitzt das Technologische Gewerbemuseum zu Wien (ausgestellt auf der Wiener Aus- 
stellung 1892; Kat. S. 406, No. 71). 

Streicher, J. B. (Hammerfliigel No. 202 u. 203.) 

Andreas und Nannette Streicher hatten vier Kinder, die alle in der 
LandstraBer Pfarrkirche zu St. Rochus getauft wurden: der alteste Sohn 
Georg Friedrich wurde am 28. Oktober 1794 geboren und starb bereits 
im Kindesalter; der zweite Sohn war Johann Baptist, geboren am 
3. Januar 1796. Am 24. Februar 1797 folgte eine Tochter, Sophia Barbara, 
bei der die GroBmutter Sophia Barbara Streicher, „eines Steinhauer- 
meisters Wittwe", die Patenstelle ubernahm. Der jiingste Sohn, Friedrich 
Karl Ludwig, wurde am 19. Oktober 1801 geboren. — Schon friihzeitig 
trat Johann Baptist groBe Reisen durch Deutschland, Frankreich und 
England an; zuriickgekehrt wurde er i. J. 1823 Teilhaber der elterlichen 
Fabrik, deren Firma in „Nannette Streicher geb. Stein und Sohn" geandert 
wurde. (Vgl. Fliigel No. 199.) Nach dem zu Anfang des Jahres 1833 erfolgten 
Tode seiner Gattin zog sich der Vater Andreas Str. ganzlich vom Geschaft 
zuriick und iiberlieB dem Sohne die alleinige Fiihrung; er starb am 25. Mai 1833, 



') Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", XII. Bd. (1891), S. 35 u. 37. 



278 ^^^^ Klavierbauer: Streicher— Volkening 

vier Monate nach dem Tode Nannettes. Schon nach wenigen Jahren erhielt 
J. B. Streicher den Titel „K. K. Hof-Piano-Fabrikant"; das Geschaft erlebte 
unter ihm seine Glanzepoche und gewann Weltruf. Verheiratet war Streicher 
mit einer Tochter des bekannten Musikverlegers A. Andre in Offenbach a. M. 
Hochangesehen in den indnstriellen und politischen Kreisen Oesterreichs starb 
er am 28. Marz 1871; sein Nachfolger wurde sein Sohn Emil, den er bereits 
i. J. 1859 als Teilhaber („J. B. Streicher und Sohn") aufgenommen hatte. Im 
Marz 1896 liquidierte dieser das Geschaft und lebt seit dieser Zeit als Rent- 
ner in Wien. Sein Sohn ist der bekannte Liederkomponist Theodor Str. 
(geb. 7.Juni 1874). 

Vgl. ,,Allgemeine Musik. Zeitung", 36. Jhg. (Leipzig, 1834), Sp. 107, dasLexikon 
von Schilling sowie Wurzbach, ,,Biograph. Lexikon des Kaiserthums Oesterreich", 
40. Theil (Wien 1880), S. 16 f. etc. 

Tomkison, Thomas. (Hammerfliigel No. 180.) 

Ein geschatzter Londoner Klavierbauer aus der ersten Halfte des 19. Jahr- 
hunderts; aus der Inschrift des Flugels No. 180 geht hervor, daB seine Fabrik 
sich „Dean Street, Soho" befand. Er war einer der ersten (1840), der bei 
Fliigeln und Pianinos das kreuzsaitige System nach dem Patent von John 
Godwin (1836) anwandte; spater folgte ihm hierin Henri Pape in Paris. 

Vgl. Hipkins, „A description and history of the Pianoforte. ..." p. 20 
und Artikel ,,Pape" in Grove's „Dictionary" (vol. Ill, 1907, p 617). 

Ein „ Piano Buffet" von Tomkison besitzt die Bri'isseler Sammlung (No. 1633). 

Vincentius Pratensis. (Vincenzo da Prato.) (Oktav-Spinett No. 34, 

Cembalo No. 69 und vielleicht auch No. 70.) 

Ein Instrumentenmacher aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts; er 
stammt aus Prato bei Florenz. Ob Vincenzo in seiner Vaterstadt oder in 
Florenz gearbeitet hat, ist nicht nachweisbar. AuBer Spinetts und schonen 
Cembali hat er nach Liitgendorff (S. 682) auch Lauten und „cymbalartige 
Instrumente" (Salterios) verfertigt. 

In der Sammlung von Rene Savoye zu Paris befindet sich ein Cembalo (No. 721) 
aus dem 16. Jahrhundert von ,,Fra Preno nelli ang 1 ' ", das auf der Riickseite des 
Vorsetzbretts den Reparaturvermerk tragt: ,,Vin cent ins Pratensis 1610 re- 
stauro". Diese Inschrift ist ebenso wie bei unserm Cembalo No. 69 eingekratzt. 

Vlatten, Gebruder. (Tafelklavier No. 126.) 

Instrumentenbauer in Burtscheid bei Aachen aus dem Ende des 18. Jahr- 
hunderts (1798), die bei ihren Tafelklavieren die „StoBzungen-" oder „englische" 
Mechanik anwandten. Naheres iiber sie lieB sich leider nicht ermitteln, da 
eine wiederholte Nachfrage bei dem dortigen Pfarramt erfolglos blieb. 

Volkening, C. W. (Hammerfliigel No. 206.) 

C. W. Volkening kam im Jahre 1836 mit zwei Kollegen, J. L. Klems 
und Sassendorf, von Wien, wo er bei Streicher als einer seiner besten 
Gehulfen tatig gewesen, nach Westdeutschland und begrundete in Bielefeld 
eine Klavierfabrik, wahrend sich seine Genossen in Diisseldorf und Bremen 
selbstandig machten. Im Jahre 1858 muBte er sich von der Leitung seiner 
Fabrik, aus der spater die renommierte Firma Th. Mann & Co. hervorging, 
infolge Kranklichkeit zuriickziehen. Das Konzert, in dem Liszt am 13. November 
1841 den Fliigel No. 206 benutzte, wurde von Volkening anscheinend zu 



Klavierbauer: Volkening— Wachtl ^^^^^ 279 

Propagandazwecken veranstaltet. Auch als einer der ersten Erbauer von „Stutz- 
fliigeln" ist er zu erwahnen; auf Anregung einer sachsischen Prinzessin, die 
i. J. 1850 oder 51 in Bad Oeynhausen einen seiner Stutzflugel kennen lernte, 
wurde die Fabrikation dann von Dresdener Firmen aufgenommen. 

Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", IX. Bd. (1888-89) S. 4. 

Wachtl & Bleyer. (Giraffenflugel No. 189.) 

Wachtl, Joseph. (Pyramidenfliigel No. 196.) 

Der Begriinder der Firma Wachtl & Bleyer, die in der Geschichte des 
Wiener Klavierbaues zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine gewisse Rolle spielt, 
ist Franz Martin Seuffert, ein Sohn des fiirstl. Wiirzburgischen Hoforgel- 
bauers Franz Ignatz S. (geb. 1731) und Enkel von Johann Philipp S. 
(geb. 1673 zu Gessenheim bei Karlstadt, gest. 1760 zu Wiirzburg), der das- 
selbe Amt bekleidete. Franz Martin S. erlernte bei seinem Vater den Orgel- 
bau und kam spater nach \X/ien, wo er bei dem ausgezeichneten Klavier- 
fabrikanten Anton Walter (s. d.) Arbeit fand, der ihm — nach dem von 
Meusel und Gerber ubernommenen Bericht aus B. v. Sieb o Id 's „Frankischer 
Chronik, 1807" — „die Verfertigung des Pfeifenwerks zu Instrumenten und 
Uhren iibertrug, und ihm zwey seiner besten Arbeiter, einen gewissen Wachtl 
aus Wien und einen Ungar Bleyer, zu Gebulfen gab. Diese drey geschickten 
Arbeiter brachten ein neues Instrument zu Stande, dem sie den Namen, 
„Organisirtes Queerfortepiano", gaben; und da Walter 3000 Fl. dafiir erhielt, 
so wurden sie unter einander einig, eine eigene Fabrik solcher Instrumente, 
unter dem Namen: Wachtl und Kompagnie, anzulegen, wobey ein 
jeder aus seinem Vermogen 1000 Fl. zur Anlage beytragen musste." Das 
Geschaft, dessen Griindung etvva in das Jahr 1802 fallt, hatte guten Erfolg, 
so daB bereits 1807 sechsunddreiBig Gehulfen beschaftigt werden konnten; 
es wurden hauptsachlich Claviorgana und aufrechtstehende Fliigel verfertigt. 
Bald aber traten Zerwiirfnisse zwischen den Teilhabern Joseph Wachtl 
und J. F. Bleyer und ihrem Sozius Seuffert ein, infolgedessen letzterer 
aus der Firma austrat und ein eigenes Geschaft eroffnete. 1 ) Es entstand nun 
eine heftige Konkurrenz zwischen beiden Firmen, da Seuffert die i. J. 1804 
von den drei Teilhabern gemeinsam erfundenen aufrechtstehenden Fliigel in 
verbesserter Form als eigene Erfindung bezeichnete; vgl. hieriiber den bereits 
S. 187 des Katalogs erwahnten Bericht Bleyers in der „Allgemeinen Musi- 
kalischen Zeitung", Jhg. 1811. Auch die Fassung der Inschrift des Giraffen- 
fliigels No. 189: „Erfunden von Wachtl & Bleyer.." ist hierauf zuriick- 
zufiihren. Wachtl & Bleyers Fabrik befand sich „auf der alten Wieden in 
der Alleegasse No. 75 und 76". Spater muB sich auch Joseph Wachtl von 
Bleyer getrennt und allein weitergearbeitet haben ; er wohnte als „biirgerl. 
Orgel- und Instrumentenmacher an der Wien im Hirschen No. 30". („Auf 



') Im Anfang des Jahres 1815 war Beethoven von einem Freunde, dem 
Gubernialrat Varena in Graz, urn Besorgung eines Wiener Pianoforte gebeten worden; 
in dem Antwortschreiben, das der Meister am 21. Marz nach Graz richtete, heiBt es: 
,,von Sch an z konnen sie ein so gutes piano, als er sie nur immer zu liefern im 
Stande ist, fur den Preiss von 400 fl. W. W. [Wiener Wahrung] samt Emballage mit 
6 = 8ven [ = 6 Oktaven] haben — Seiffert [Seuffert] verlangt 460, wiirde es wohl auch 
urn 400 geben. — Es giebt aber noch Brave meister, wie ich hore, wo man ein gutes 

dauerhaftes auch noch ziemlich unter dem Preiss von 400 fl. bekommen konnte " 

Der Brief ist abgedruckt im 2. Juniheft 1906 der Zeitschrift ,,die Musik" und als 
No. 433 im 2. Band (1907; S. 267) der Gesamtausgabe der Beethoven-Briefe von 
Alfr. Chr. Kalischer. 



280 ^^^^^ Klavierbauer: Wachtl -Walter 

der Laimgrube", heute: MagdalenenstraBe 18, neben dem Theater an der Wien.) 
Im Jahre 1824 bezog er ein eigenes Haus „auf der Wieden No. 282" (heute: 
Kleinschmidgasse 3 im IV. Bezirk), das er bereits einige Jahre friiher mit seiner 
Oattin Theresia (gest. 1825) erworben hatte. Am 14. Mai 1832 verkaufte 
er zusammen mit seinem Sohne Anton dies Haus an einen Fabrikanten 
Joseph Glanz und scheint sich dann zur Ruhe gesetzt zu haben. — Die 
Seuffert'sche Fabrik, die der Begrunder 1826 nach dem Hause FavoritenstraBe 77 
verlegte und bei seinem Tode auf seinen Sohn Eduard vererbte, ging spater 
an Friedrich Ehrbar (geb. 26. April 1827 zu Hildesheim, gest. im Fe- 
bruar 1903 zu Gute Hort bei Gleypnitz) iiber und entwickelte sich zu einer 
der bedeutendsten Klavierbauanstalten Oesterreichs. 

Vgl. die Lexika von M eusel und Q er ber (fiber „Seulfert") und J. Fisch- 
hofs „Versuch einer Geschichte des Clavierbaues" (Wien, 1853). 

Ein aufrechtes Hammerklavier von Wachtl, Bleyer und Seuffert befindet sich 
in der Baseler Sammlung (No. 235). Einen Giraffenfliigel von Wachtl besitzt die Kgl. 
Sammlung zu Berlin (Collection Snoeck No. 186). 

Wagner, Johann Gottlob. (Tafelklavier No. 110.) 

Johann Gottlob [Jean Theophile] Wagner wurde um das Jahr 1750 zu 
Medingen bei Dresden als Sohn eines Zimmermanns geboren. Schon fruh 
erlernte er den Klavierbau, den er v. J. 1773 ab in Gemeinschaft seines 
jiingeren Bruders Christian Salomon W. (geb. 1754) betrieb. Im Jahre 
1775 erfanden sie gemeinsam „ein Pianoforte mit 6 Veranderungen in Form 
eines Claviers", das sie „Clavecin royal" nannten; eine nahere Beschreibung 
dieses Instruments enthalt der 3. Band von Fork els „MusikaIisch-kritischer 
Bibliothek" (Gotha 1779, S. 322 f.). Johann Gottlob W., dessen schone 
Fliigel Forkels „Almanach auf das Jahr 1782" riihmt, starb bereits 1789. 
Nach seinem Tode setzte der Bruder das Geschaft, das einen guten Ruf 
besaB, allein weiter fort. Bis zum Jahre 1796 waren bereits 772 Instrumente 
fertiggestellt. Das Todesjahr Christian Salomon W. 's ist nicht ubermittelt. 

Vgl. J. Q. A. Klabe, ,,Neuestes gelehrtes Dresden", Leipzig, 1796, S. 177 und 
die Lexika von Meusel und Gerber; diese enthalten auch Naheres iiber den Bruder. 

Ein Hammerklavier von Wagner besitzt das Bachmuseum zu Eisenach aus der 
Stiftung Obrist. 

Wales, R. („Cabinet-Piano" No. 148.) 

Ein Londoner Klavierbauer aus dem ersten Viertel des 19.Jahrhunderts, 
der u. A. „Cabinet-Pianos" fur den Musikalien- und Instrumentenhandler 
William Hodsoll (s. d.) verfertigte. 

Walter, Anton u. Sohn. (Kleines Hammerklavier No. 138.) 

Anton Walter gehort zu den hervorragendsten Wiener Pianofortebauern 
aus der zweiten Halfte des 18. und dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Aus 
einem (von Herrn A. Haidecki in Wien ermittelten) Trauungsdokument seiner 
Tochter Antonia a. d. J. 1808 geht hervor, daB er als „k. k. Hof- und burg: 
Orgel- und Instrumentenmacher" auf der Laimgrube 27 wohnte und seit 
ca. 1785 mit Elisabeth Reisi nger verheiratet war; das Haus Laimgrube 27 
trug den Schild „zum Blumenkorb" (heute: Magdalenenstr. 10 und Dreihuf- 
eisengasse 7, am Theater an der Wien). - Im „Jahrbuch der Tonkunst von 
Wien und Prag" ([Wien], 1796, im v. Schonfeldischen Verlag) heiBt es S. 87: 



281 




Inschrift zum Tafelklavier No. 110 (Seite 131). 




^M^ 



Inschrift zum Hammerklavier No. 138 (Seite 147). 



■>---x. 



Flcl/?o -J'orfe . ■/Yicrjf/aci ei n %^ 
<?, W<?7.lc/sOse 'Syria r Lo7i<£ofi 



Inschrift zum Cabinet-Piano No. 152 (Seite 157). 




Inschrift zum Tafelklavier No. 147 (Seite 153). 



282 




Inschrift zum Cembalo No. 75 (Scite 94). 




Portrat von Johann Andreas Stein. 
(Siehe Seite 270.) 

Photographische Reproduktion eines Oelbildes in der Barfiifierkirche zu Augsburg. 



Klavierbauer: Walter -Zenti ^^^^^^ 283 

„. . .Derjenige Kiinstler, der sich bisher am beriihmtesten gemacht hat, 
und der gleichsam der erste Schopfer dieses Instruments [des Fortepiano] bei uns 
ist, ist Hr. Walter, wohnhaft an der Wien, im Fokanetischen Hause, im hintern 
Hofe. Seine Fortepiano haben einen vollen Glockenton, deutlichen Anspruch, 

und einen starken vollen BaB Dieser Meister setzt die Preise 

seiner Instrumente von 50 bis 120 Dukaten, und versendet selbe weit und 
breit." Ferner S. 90: „. . . . Ueberhaupt .... ist es gewifi, daB wir gleichsam 
zwei Originalinstrumentenmacher haben, naml. Walter und Streicher, alle 
Uebrigen ahmen entweder dem Erstern oder dem Andern nach; vornehmlich 
findet Walter sehr viele Kopisten, weil mancher derselben aus seiner Schule 
abstammt." — Bekannt ist, daB Mozart ein Walter'sches Pianoforte besaB, 
das er sehr hochschatzte; das wertvolle Instrument befindet sich jetzt als 
Geschenk des Sohnes Carl Mozart im Museum des Mozarteums zu Salzburg. 

Vgl. No 52 auf S. 27 des betreff. Katalogs: ,,Laut der von dem Geschenkgeber 
dem Mozarteum am 10. Marz 1856 schriftlich abgegebenen Erklarung gehorte es in 
die letzten 10 Jahren seines Lebens dem ehemaligen k. k. osterr. Hofkapellmeister 
Wolfgang Amade Mozart, der besagtes Instrument eine Reihe von Jahren hindurch 
im Besitze und eine so besondere Vorliebe fiir dasselbe hatte, daB er es nie aus seinem 
Studierzimmer entfernte und sich nur ausschlieBlich dessen allein bei alien solenen 
Gelegenheiten bediente." 

Durch das immer mehr steigende Renommee der Streicher'schen Fliigel 
wurden anscheinend die Instrumente von Walter etwas in den Hintergrund 
gedrangt; jedenfalls nahmen die Fabrikate von Streicher wahrend der ganzen 
ersten Halfte des 19. Jahrhunderts die unbestritten erste Stelle im Wiener 
Klavierbau ein. 

Einen Hammerfliigel von Anton Walter & Sohn besitzt die Sammlung Steinert 
in New Haven (No. 41, Zeit: ca. 1810—15, nicht 1780, wie es der Katalog angiebt.) 
Auf der Wiener Ausstellung 1892 befand sich ein Walter 'scher Fliigel aus derselben 
Zeit. (Fach-Katalog S. 67, No. 219.) 

White, Thomas. („Cabinet-Piano" No. 152.) 

Ein englischer Klavierbauer aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. 
Nach der Inschrift des Piano No. 152 befand sich seine Fabrik „8 Wellchose 
Square" zu London. 

Wohlien, L. R. (Tafelklavier No. 147.) 

Lorenz Rudolph Woh 1 ien (Wohlin) ist nach Ausweis der Altonaer 
Kirchenbiicher am 23. Mai 1789 geboren und am 19. Januar 1834 dort ge- 
storben. Nach dem Tafelklavier No. 147 zu urteilen war er ein geschickter 
Klavierbauer. Sein Vater, Balster W., betrieb den Orgelbau; auch Lorenz' 
einziger Bruder Johann Heinrich W. (geb. 22. Marz 1779, gest. 27. August 
1842) war Orgelbauer in Altona. 

Zenti, Girolamo. (Cembalo No. 75.) 

Girolamo (Hieronymus) Zenti ist ein ausgezeichneter Spinett- und Cembalo- 

bauer des 17. Jahrhunderts; erhalten haben sich Instrumente von ihm aus den 

Jahren 1633 — 1683. Er stammt aus Viterbo 1 ) (im Norden der Provinz Rom); in 

] ) Die schwer lesbare Inschrift des Cembalo No. 75 „DI OP[ERA] MIA" ent- 
zifferte Kraus („Catalogo...", p. 19, No. 555) irrtiimlich als ,,di Olmia" (!), wodurch 
auch Valdrighi (,,Nomocheliurgografia". No. 3502) veranlaBt wurde, einen gar nicht 
existierenden Ort ,, Olmia" als Geburtsstadt Zentis zu bezeichnen. — Vielleicht ist der 
Name eines von Liitgendorff (S. 379) erwahnten Clavicimbelmachers Gerolamo 
de Leutis (Rom 1638) nicht richtig gelesen und moglicherweise mit Gerolamo 
de Zentis identisch. 



284 ^^^a^^^a^^^^^^ Klavierbauer: Zenti 



Rom hat er nachweisbar von (1658 1638?)— 1666 gearbeitet, nachher wahr- 
scheinlich in Florenz fiir den Granduca Ferdinand von Medici (s. u.). — 
In der „HISTORIA MVS1CA" von Gio. Andr. Ang. Bon tempi (Perugia 1695) 
wird er erwahnt; es heiBt hier pag. 47: ,,. . I piu moderni [clavicembali] 
fono Rati ritrouati da Girolamo Zenti, fatti in figura di Triangolo non giu- 
ftamente equicrure: . . . per hauer tre lati ineguali, con due taftature. . . e ... 

con tre regiftri " etc. [„die neuesten Cembali sind von Girolamo Zenti er- 

funden worden und haben die Form eines nicht ganz gleichschenkligen Drei- 
ecks. . ., da sie drei ungleiche Seiten haben, mit zwei Klaviaturen . . . und mit 

drei Registern, " etc.] Nach Liitgendorff (S. 723) war er auch 

Lautenmacher. Weitere Nachforschungen in Viterbo sind leider erfolglos 
geblieben; es liefi sich dort nur ein Drucker und Verleger Domenico 
Antonio Z. ermitteln, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts lebte und 
vielleicht ein Nachkomme Girolamos ist. 

Die Briisscler Sammlung besitzt ein Spinett Zentis (No. 1583) a. d. J. 1637. In 
dem ,, Metropolitan-Museum" zu New York befinden sich zwei Cembali (No. 1221 
und 1220) a. d. J. 1658 u. 1666, die beide in Rom erbaut sind. — In der von Cristo- 
fori 1716—1731 verwalteten Medici-Sammlung waren zwei Cembali (No. 5 u. 7) und 
zwei Spinette (No. 15 u. 24) Zentis vertreten; das Spinett No. 15 trug die Datierung 
,,1668". Aus den noch im Staatsarchiv zu Florenz aufbewahrten Rechnungen geht 
hervor, daB Cristofori wiederholt (i. J. 1693, 1694 und 1697) diese Cembali repariert hat. 1 ) 

') Cf. Casaglia, Ferd., ,,Per le onoranze a Bartolommeo Cristofori . . . ." 
(Firenze 1876), Documento VI, VII, IX (pag. 23, 26, 29). 



-c*Gj3X5 



ORGELN 

und 

orgelartige Instrumente. 



BENUTZTE SPEZIAL-LITERATUR. 



Orgel: 

Adlung, Jacob. MUSICA MECHANICA ORQANOEDI. . . zum Drucke befordert 
von Johann Lorenz Albrecht. 2 Bande. Berlin 1768. 

Bnhle, Edward. Die musikalischen Instrumente in den Miniatnren des friihen Mittel- 
alters. I. Die Blasinstrumente. Leipzig 1903. 

Darin SS. 52-116: ,,Die Orgel". 

Dommer, Arrey v. Artikel , , Orgel" im ,, Musikalischen Lexikon" (SS. 640-651). 
Heidelberg 1865. 

Locher, Carl. Die Orgel-Register und ihre Klangfarben. 3. Auflage. Bern 1904. 

Ritter, A. G. Zur Qeschichte des Orgelspiels im 14. bis zum Anfange des 

18. Jahrhunderts. 2 Bande. Leipzig 1884. 
,,Sammlung einiger Nachrichten von beriihmten Orgel-Wercken in Teutsch- 

land " Bresslau, verlegts Carl Gottfried Meyer, 1757. 

Topfer, J. G. Die Theorie und Praxis des Orgelbaues. 2. umgearb. Auflage des 

Lehrbuches der Orgelbaukunst hrsg. v. Max All inn. Mit Atlas. 

Weimar 1888. 

Wangemann, Otto. Die Orgel, ihre Geschichte und ihrBau. 3. Auflage. Leipzig 1887. 



Harmonium und seine Vorlaufer: 

Lederle, Joseph. Das Harmonium, seine Geschichte, Construktion .... Freiburg 

i. B. 1884. 
Liickhoff, Walther. Ueber die Entstehung der Instrumente mit durchschlagenden 

Zungenstimmen und die ersten Anfange des Harmoniuin-Baues. [Sep.-Abdr. 

aus „Zeitschrift fur Instrumentenbau", XXII. Bd.] Leipzig [1901/02]. 
Riehm, W. Das Harmonium, sein Bau und seine Behandlung. 3. Auflage. Berlin 1897. 
Rimbault, Edward F. The Harmonium. London MDCCC.LVII [1857]. 



<*£$?> 




ie Orgel, das groBartigste unci kunstvollste aller musikalischen 
Tonwerkzeuge, stellt eine Vereinigung einer mehr oder minder 
groBen Anzahl von Blasinslrumenten dar, die freilich nicht durch 
menschliche Lungenkraft sondern durch atmospharisehe Luft, die 
in Windbalgen aufgesaugt und den einzelnen Pfeifen zugefiihrt wird, zum Er- 
tonen gebracht werden. Virdung nennt in seiner „Musica getutscht" (Basel 
1511, Bl. C r.) die Orgeln eine 

Ait von Uh infttu mat un/vo<ld)tn bet mmjib butch ficb f«K nk 
xoint>6gttWQ maggtbe obabyenyemant crpUfcnf mi/fcAsfrnb 
Mtbycwfivummt^Mtiatnm pkfrWs b*S*n mfifi* 

Jede Orgel - - gleichviel von welcher GroBe besteht aus drei Hauptteilen : 

1) dem Geblase mit den Balgen, aus denen der Wind in die Windbehaltnisse (durch 
die Windkanale in die Windlade) stromt ; 2) dem Pfeifenwerk und 3) dem Regier- 
werk, das sich aus Klaviatur, der sogenannten Traktur und den Registerziigen zusammen- 
setzt und dem Wind den Zugang zu den einzelnen Pfeifen bahnt. 1 ) - Die Balge, die in ein- 
fachster Gestalt noch bei der Sackpfeife oder dem Dudelsack, einem uralten Vorlaufer der 
Orgel, anzutreffen sind, haben eine den Schmiedebiilgen gleiche Konstruktion. Bei den 
alteren Orgeln sind meist sog. Faltenbalge anzutreffen, die mehrere Falten haben und 
daher keinen gleichmaBigen Wind zu geben vermochten; besserund dauerhafter sind die 
im 16. Jahrhundertaufgekommenen sog. Spannbiilge, die beim Niederdriicken nur eine 
Falte bilden und infolgedessen gleichstarken Wind liefern. Sobald die Oberplatte des 
Balgs durch den Balgentreter oder -zieher (den sog. ,,Kalkanten") aufgezogen wird, 
offnet sich das in der festliegenden Unterplatte angebrachte Saugventil, wodurch der 
Balg durch die von auBen andrangende Luft sofort gefiillt wird. Von den Balgen 
wird der Wind durch holzerne Windkanale zu der Windlade geleitet, die die 



') Die komplizierte Bauart der Orgel kann an dieser Stelle selbstverstandlich 
nur in den wichtigsten Hauptziigen beschrieben werden, soweit es eben die im Museum 
vorhandenen primitiven alten Instrumente erfordern. Es bedarf keiner Erwahnung, 
daB das 19. Jahrhundert, das Zeitalter der Technik und Elektrizitat, durch eine groBe 
Anzahl einschneidender Verbesserungen, die es auch auf dem Gebiete des Orgelbaues 
hervorrief, eine vollige Umwalzung desselben bewirkt und die Orgel zu dem nahezu 
vollendeten Kunstwerk gemacht hat, das es heute darstellt. 



gesamten Ffeifen zu tragen hat unci den Wind an die einzelnen Pfeifenreihen abgibt; 
die Windlade bildet neben dem Pfeifenwerk den wichtigsten Teil, gewissermaBen 
die Lungen des ganzen Orgelmechanismus. Aeltere Orgeln vom 16. Jahrhundert 
ab sind mit der sog. Schleiflade ausgestattet, die in eine der Zahl der Klaviatur- 
tasten entsprechende Reihe schmaler Facher, die sog. ,,Kanzellen" abgeteilt 1st, fiber 
denen in Langsrichtung die mit den einzelnen Registern korrespondierenden Schleifen 
liegen, die mittels der Spielventile den Zugang des Windes zu den Pfeifen offnen 
oder abschlieBen. Aus der Windlade stromt der Wind in die oberhalb der Lade im 
Pfeifenstock sitzende Pfeife und versetzt die im Pfeifenkorper eingeschlossene Luft- 
saule in Schwingungen. — Die chromatisch abgestimmten Gruppen, in welche Pfeifen 
derselben Bauart und Klangfarbe vereinigt werden, heiBen Stimmen oder Register. 
Je nach der Bauart und der verschiedenen Art des Anblasens unterscheidet man zwei 
Hauptgruppen von Pfeifen: Labial- (Lippen-) oder Flotenpfeifen und Zungenpfeifen 
(Rohr- oder Schnarrwerke). — Charaktenstisch fur die Li ppenpfeifen, die alteste 
und wichtigste Pfeifenart der Orgel, ist der sog. Aufschnitt oberhalb des Kerns am 
Pfeifenmund mit den beiden meist abgeplatteten Einbiegungen der Lippen oder La- 
bien (Ober- und Unterlabium); gemafi ihrer verschiedenen Bauart oder weiteren oder 
engeren Mensur (Verhaltnis der Weite zur Liinge der Pfeife) gibt es Prinzipal-, 
Floten-, streichende und gedeckte (,,gedackte") Stimmen u. a. m. Letztere sind an 
ihrer oberen Oeffnung mit einem belederten, luftdicht abschlieBenden Stopsel versehen 
und klingen bei gleicher GroBe des Pfeifenkorpers eine Oktave tiefer als offene Pfeifen; 
sie sind von sanfter, dumpferer Klangfarbung. — Bei den Zungenpfeifen, die sich von 
den Lippenpfeifen audi durch eine andere Form des Pfeifenkorpers unterscheiden, wirkt 
ein metallenes elastisehes Plattchen (Zunge) tonerregend, das auf dem Rahmen oder 
Mundsti'ick der Pfeife aufliegt und schwingend entweder auf die Rinne des Mundstiicks 
aufschlagt oder durch sie hindurchgeht; je nach der verschiedenen Konstruktion unter- 
scheidet man aufschlagende mit starkem, schnarrendem Klang und durch- (oder ein-) 
schlagende Zungenstimmen von weicherem, weniger durchdringendem Klang. Zu den 
Zungenregistern gehoren : Posaune, Trompete, Fagott, Hoboe, Clarinette, Vox 
humana u. a. Jede groBere Orgel muB eine bestimmte Anzahl in ihrer Klangwirknng 
genau abgewogener Prinzipal-, Floten-, Gedackt-, Streich- und Rohrwerkstimmen be- 
sitzen; kleine Werke werden auf wenige Register beschrankt, die bei alten Instrumenten 
meist nur aus Prinzipal- oder Flotenstimmen bestehen. 

Nach der verschiedenen Lange der Pfeifen und der dadurch bedingten Tonhohe 
unterscheidet man 32-, 16-, 8-, 4-, 2- und 1-fiiBige Stimmen. Die ,,FuBton"-Bezeichnung, 
die man audi bei Bestimmung der Tonhohe anderer Instrumente anwendet, findet 
ihre Erklarung in dem HohenmaB der tiefsten Pfeife (GroB-C) der einzelnen Register: 
eine offene Labialpfeife, die auf den Ton C der groBen Oktave abgestimmt ist, hat 
eine Hohe von annahernd acht FuB (2,48 m); diese (Normal- oder Kern-) Stimmen, 
welche die Tone in derselben Hohe wiedergeben wie sie die menschliche Stimme 
besitzt, heiBen achtfuBige. VierfiiBig ist eine um die Halfte kleinere Stimme, die eine 
Oktave hoher als eine achtfuBige klingt und deren tiefste Pfeife, die den Ton klein-c 
ergibt, etwa vier FuB (1,24 m) miBt; eine um eine weitere Oktave hohere Stimme, 



deren tiefste Pfeife den Ton c 1 horen laBt nnd eine Hohe von 62 cm hat, heiBt zwei- 
ftiBig. Eine sechzehnfiiBige Stimme ist doppelt so groB als eine achtfnBige: ihre 
tiefste Pfeife ergibt den Ton Contra-C und miBt 4,96 m; zweinnddreiBigfiiBige 
Stitnmen, deren tiefste Pfeife dem Subcontra-C entspricht, sind nur in dem Pedal 
groBer Orgeln vertreten. Die gebrauchliche Abkurzung zur Bezeichnnng des FuBtons 
ist ein ' neben der Ziffer, z. B. 4', 8', 16' etc. 

Die Klaviatnr bildet die Vereinigung der Tasten, durch deren Niederdriicken 
die Kanzellenventile geoffnet nnd die Pfeifen znm Tonen gebracht werden ; groBere 
Werke besitzen mehrere iibereinanderliegende Manuale (Klaviaturen fiir die Hande) 
und auBerdem eine besondere BaB-Klaviatur fiir die FiiBe, das Pedal. Der Mecha- 
nismus, der mittels Stecher, Wellen und Abstrakte die Verbindung zwischen Tastatur 
und Windlade herstellt, heiBt Traktur. Das Herausziehen (Anziehen) oder das 
Hineinschieben (AbstoBen) der Registerziige, die zu beiden Seiten der Klaviatur 
angebracht sind, bewirkt ein Ertonen oder Verstummen der zu demselben Register 
gehorenden Pfeifen. 

Der Prospekt, die Vorderfront oder Fassade derOrgel, erhalt als Zierat mit be- 
sonderer Sorgfalt gearbeitete polierte Zinnpfeifen, die stets zum Prinzipalregistergehoren. 
Hervorragend schon ausgestattete Prospekte besitzen die Orgeln des StraBburger Miinsters, 
der Marienkirche zu Liibeck, des Doms zu Merseburg, der katholischen Hofkirche zu 
Dresden, der St. Jans-Kirche zu Herzogenbusch, der „Qroote Kerk" zu Haarlem u. v. a. 

Neben den groBen Kirchenorgeln hat es jederzeit auch kleine Instrumente ohne 
Pedal (sog. ,,Kabinet-Orgeln") gegeben, die fiir Kapellen oder fiir das Haus bestimmt 
waren und im 16. und 17. Jahrhundert neben den Klavieren eine wichtige Rolle als 
Begleitinstrumente spielten. Je nachdem diese kleinen Orgeln feststanden oder zum 
Tragen eingerichtet waren, nannte man sie Positive oder Portative. 

* 

Ueber die bis ins graue Altertum sich verlierende Geschichte der Orgel 
ist bisher noch kein erschopfendes Werk geschrieben worden, und es sind 
hierin noch mancherlei Liicken auszufiillen. Trotzdem sind uber die Orgel 
verschiedene Nachrichten auch aus dem fruhen Mittelalter vorhanden — einer 
Epoche, die bei anderen Instrumentengattungen meist in Dunkel gehiillt ist. 

Die urspriingliche Bedeutung des griechischen Wortes ooyarov (latein. 
Organum) ist Gerat. Spater wurde insbesondere ein Tonwerkzeug, namentlich 
ein Blasinstrument damit bezeichnet; die Benennung „Organum" als „Orgel" 
eine Vereinigung mehrerer, Blasinstrumenten entsprechenden Pfeifen — 
ist erst im 10. Jahrhundert unserer Zeitrechnung aufgekommen. Die altesten Vor- 
laufer der Orgel sind in der Panspfeife und in dem Dudelsack (Sack- oder 
Bockpfeife) zu erblicken; doch wurde bereits im zweiten vorchristlichen Jahr- 
hundert eine dem spateren Instrumente nahekommende Form der Orgel 
erfunden, die mit einem durch Wasser regulierten Pumpengeblase und 
einer registerartigen Klaviatur versehen war : die sogen. Wasserorgel 
(Organum hydraulicum); ihre Erfindung wird dem Mathematiker Ktesibios 



19 



(170 v. Chr.) zugeschrieben, dessen Schiller Heron von Alexandria eine 
Beschreibung des Instruments iiberliefert hat. Der Gebrauch der Wasserorgel 
scheint im ganzen romischen Reich bekannt gewesen zu sein, bis sie etwa urn 
die Mitte des 4. nachchristlichen Jahrhunderts durch eine neue Art, die 
pneumatische Orgel (Organum pneumaticum), bei der das Geblase schon aus 
Balgen bestand, iiberholt wurde. Das erste Orgelwerk, iiber das eine bestimmte 
Nachricht vorliegt, ist das Instrument, das Kaiser Konstantin Kopro- 
nymos von Byzanz (reg. 741—775) i. J. 757 dem Frankenkonig Pippin 
dem Kleinen zum Geschenk machte. Auch Karl der GroBe erhielt 
i. J. 812 eine Orgel durch griechische Gesandte — wie iiberhaupt Byzanz 
als Ausgangspunkt des mittelalterlichen Orgelbaues angesehen werden muB. 
Etwa von dieser Zeit laBt sich die allmahliche Verbreitung der Orgel im 
Abendland annehmen, namentlich als sie im Ausgang des 10. Jahrhunderts in 
den Dienst der Kirche gestellt und ihr Bau nun von kunstsinnigen Monchen 
betrieben wurde. Selbstredend waren diese Instrumente noch klein und 
durchaus unvollkommen; sie hatten meist nur acht bis zwolf diatonisch ab- 
gestimmte Pfeifen, die durch schleifenartige Hebel regiert wurden. Eine der 
altesten Kirchenorgeln besaB der Kolner Dom: die Weihe des Erzbischofs 
Bruno, eines Bruders Otto I., wurde i.J. 953 unter Orgelbegleitung vollzogen. 
AuBer in Deutschland fand der Orgelbau auch in England eine Pflegestatte; im 

11. Jahrhundert kam er auch in Italien in Aufnahme. Um die Wende des 

12. Jahrhunderts scheint die Tastatur aufgekommen zu sein, und damit war ein 
bedeutender Schritt zur Weiterentwicklung angebahnt; zu Anfang des 13. Jahr- 
hunderts war die Orgel vermutlich schon in ganz Europa bekannt und verbreitet. 

Allmahlich begann sich jetzt eine VergroBerung des Pfeifenwerks zu 
vollziehen, indem man die Pfeifen durch Oktav-, sodann durch Quint- und 
Terzchore mixturartig verstarkte, woraussich spater eineScheidung der verschie- 
denen Pfeifenreihen in einzelne Stimmen oder Register entwickelte. Als ein Haupt- 
werk dieser Epoche kann die groBe Orgel des Kolner Doms bezeichnet werden, 
die in der ersten Halfte des 13. Jahrhunderts von Meister J ohann erbaut 
wurde. 1 ) Allerdings war der Klang aller dieser Orgeln, deren Pfeifen aus Kupfer 
oder Erz verfertigt waren, noch unangenehm grell und schreiend und entbehrte 
jeglicher Abwechslung und Veranderung der Tonstarke und Klangfarbe. 

Einen groBen Fortschritt bedeutete die im 14. Jahrhundert gemachte 
Erfindung der Springlade, die aus dem Bedurfnis entstand, den Prinzipalchor 
fur sich allein spielbar zu machen; eine weitere Folge war die Einfiihrung 
der Registerziige, die getrennte oder vereinte Anwendung der einzelnen 



') Vgl. Fahne, „Diplomatische Beitrage zur Geschichte der Baumeister des 
Kolner Domes" (Diisseldorf 1849), S. 38. Die Wohnung Meister Johanns lag 1250 
am Ende der JohannisstraBe bei St. Kunibert. 



Orgeln 

Pfeifenreihen nach dem Belieben des Spielers ermoglichte. — Mit der weiter 
fortschreitenden Entwicklung und VergroBerung des Mechanismus und 
Pfeifenwerks der Orgel im 13. und 14. Jahrhundert wurde aber die Spielart 
naturgemaB so erschwert, daB die Tasten, die ohnedies eine Breite von zwei 
bis drei Zoll und eine von dem spateren Typ abweichende Form besaBen, 
nach Praetorius' Bericht („Organographia", pag. 97) „. . . so hart nieder zu 
bringen gewesen, also daB man dieselben mit einer vollen und zugethanen 
Faust hat niederdriicken miissen"; hiervon riihrt der bis in die heutige Zeit 
gebrauchliche Ausdruek „Orgel schlagen" her. Auch die Windbeschaffung 
war noch recht unvollkommen und ungleichmaBig; groBere Werke erforderten 
bis zu zwanzig Balgen, die in der Form gewohnlicher Schmiedebalge ver- 
fertigt und von zehn Kalkanten, die sie vermoge ihrer Korperschwere nieder- 
treten und aufziehen muBten, bedient wurden. Erst in der zweiten Halfte 
des 15.Jahrhunderts, nachdem die Orgel durch Einfiihrung der Mensuralmusik 
zu immer groBerer Bedeutung gelangt und ihre Einbiirgerung in die Kirche 
beendigt war, trat eine Wendung zum Besseren ein: die Tastenbreite wurde nach 
und nach schmaler, so daB etwa um 1530 die Spannung der Oktave ziemlich 
der heutigen Breite entsprach. Ein beruhmtes Werk dieser Zeit war die von 
dem Priester Nikolaus Faber erbaute und i. J. 1361 vollendete groBe Orgel 
im Dom zu Halberstadt, die schon drei Manuale besaB und spater auch mit 
einem Pedal versehen wurde; die Pedalklaviatur scheint von dem Brabanter 
Orgelbauer Louis van Valbeke (gest. 1318) erfunden zu sein, kam jedoch 
erst hundertfunfzig Jahre spater allgemeiner in Aufnahme. Im Laufe des 

15. Jahrhunderts wurden u. a. groBere Orgeln im Dom zu Worms (1440), 
in der Lorenzkirche (1444) und in der Sebalduskirche (1465) zu Niirnberg, 
im Dom zu Frankfurt a. M. (1476), in der Stiftskirche zu Bamberg (ca. 1480) 
und in der Marienkirche zu Liibeck (1492) aufgestellt, wahrend spater im 
Zeitalter der Religionskriege manches schone Werk abgebrochen wurde oder 
den Bildersturmern zum Opfer fiel. Das Pfeifenwerk wurde im 16. Jahrhundert 
durch Einfiihrung gedeckter und verschieden (eng und weit) mensurierter 
Pfeifen und durch Hinzufiigung der Rohr- oder Schnarrwerke (Zungenpfeifen) 
bereichert und mannigfaltiger gestaltet. 

Im Laufe des 17. Jahrhunderts baute man schon vielfach groBe Orgeln 
bis zu vier Manualen und sehr zahlreichen Registern und Koppeln; besonderer 
Wert wurde jetzt auch auf die kostbare und prunkvolle Ausstattung der 
Prospektgehause und die Verwendung wertvollen Materials zu den Prospekt- 
pfeifen gelegt, wenn auch hierbei - entsprechend dem barocken Geschmack 
jener Zeit mancherlei Auswiichse zutage traten. In dieselbe Zeit 

fallt ferner die Einfiihrung der streichenden oder Gamben-Stimmen; eine 
wichtige Neuerung war auch die Erfindung der sogen. „Windwage" 



(ca. 1665) durch den Orgelbauer Christian Foerner aus Wettin bei 
Halle a. S. (geb. 1610), mittels derer die Dichtigkeit der in den Balgen 
komprimierten Luft gemessen werden konnte. Auch allgemeine Verbesserungen, 
wie die Anwendung der gleichschwebenden Temperatur (durch Andreas 
Werckmeister 1691) und die allmahliche Festsetzung einer bestimmten 
Tonhohe der Stimmung (im sogen. „Chorton") kamen zur Einfi'ihrung, und 
der gesamte Orgelbau machte nun von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erhebliche Fort- 
schritte; das 18. Jahrhundert, „eine Bliitezeit des Orgelbaues, Orgelspieles und 
der Orgelbauwissenschaft", war besonders reich an hervorragenden Orgel- 
bauern. 

Die Epoche des modernen Orgelbaues, die hier natiirlich nur ganz kurz 
beriihrt werden kann, datiert von der Erfindung des „Kastenbalgs" (1819) 
durch Markussen und Sohn zu Apenrade in Schleswig, der ,,Kegellade" 
(1842) durch Friedr. Eberh. Walcker in Ludwigsburg und namentlich des 
„pneumatischen Hebels" (1832) durch den Englander Charles Spackmann 
Barker (geb. 10. Oktober 1806 zu Bath, gest. 26. November 1879 zu 
Maidstone), wodurch eine leichte und stets gleichbleibende Spielart und 
Registrierung ennoglicht wurde. Weitere moderne Errungenschaften sind die 
sogen. „R6hrenpneumatik" und die Dienstbarmachung der Elektrizitat zur 
Verrichtung mechanischer Arbeitsleistung im Betriebe der Orgel. 

Zu den hervorragendsten Orgelbauern zahlen: Conrad Roth en burger 
(Niirnberg 1475); Hans Lobsinger (gest. 1570 zu Niirnberg); Esajas 
Compenius (gest. 1615 zu Biickeburg); Gottfried Fritsche (in Dresden 
gest. um 1635); Eugenio Casparini (geb. 1624 zu Sorau, gest. 1706 zu Neuen- 
wiese bei Gorlitz); Arp Schnitker (gest. 1720 zu Hamburg); Andreas Si lb er- 
mann (geb. 1678 zu Klein-Bobritzsch im sachs. Erzgebirge, gest. 1734 zu 
Strafiburg), sein Bruder Gottfried (geb. 1683 zu Klein-Bobritzsch, gest. 1753 zu 
Dresden) und sein Sohn Johann Andreas Silbermann (geb. 1712, gest. 1783 
zu Stratiburg); Zacharias Hildebrand (geb. 1680, gest. ca. 1755 zu Leipzig); 
Johann Joachim Wagner (in Berlin, erste Halfte des 18. Jahrhunderts); 
Gebriider Trampeli (in Adorf in Sachsen, Ende des 18. Jahrhunderts); 
Friedrich Eberhard Walcker (geb. 1794 zu Kannstadt, gest. 1872 zu 
Ludwigsburg) und seine Sonne; Aristide Cavaille-Coll (geb. 1811 zu 
Montpellier, gest. 1899 zu Paris); Friedrich Ladegast (geb. 1818 zu 
Hermsdorf i. S., gest. 1905 zu WeiBenfels); Joseph Merklin (geb. 1819 zu 
Oberhausen in Baden, gest. 1905 zu Nancy); Wilhelm Sauer (geb. 1831 zu 
Friedland in Meckl., Iebt in Frankfurt a. O.) u. a. 

Ebenso wie die Gehause der Spinette und Kielflugel wurden im 
16. und 17. jahrhundert auch die Haus- oder Kabinetorgeln haufig in kiinst- 
lerischer Weise ausarstattet und mit Malereien und Schnitzereien reich 



Orgeln 



293 



verziert. Ein Meisterwerk in dieser Beziehung bildet ein Positiv des flamischen 
Orgelbauers E. Hoffheimer aus dem Jahre 1692, das sich in englischem 
Privatbesitz befindet. ') 



] ) Das prachtige Instrument wurde nach dem Tode seines Besitzers J. Snowden 
Henry i. J. 1889 von Mr. W. H. Head erworben und war auf der ,, Music Loan 
Exhibition" zu London 1904 ausgestellt. (Vgl. ..Catalogue" 1909, p. 211. Die bei- 
gegebene Lichtdruckabbildung laBt iibrigens deutlich die Jahreszahl 1692 als Ursprungs- 
zeit erkennen, wodurch die Legende, das Positiv hatte der „ Maiden Queen" Elisabeth 
gehort, hinfallig wird.) 



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294 ^^^^ Positiv No 241 u. Portativ No 242 



POSITIVE (kleine feststehende Orgeln), 
PORTATIVE (kleine tragbare Orgeln), 
HAUS- und KIRCHENORGELN. 

No. 241. Positiv, 

italienische Arbeit aus der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts ; ohne 
Namen des Erbauers. Der Oberbau des interessanten Instruments, das 
in einem Kloster in der Nahe von Rom gefunden wurde, weist auf 
den Seitenwanden und der durch eine Doppeltiir zu offnenden Riickwand 
marmorierten Anstrich, anscheinend aus spaterer Zeit, auf. Der dreifach 
geteilte Prospekt ist mit vergoldetem Stuckiiberzug versehen, der mit 
Reliefornamenten im Renaissancestil verziert ist; die drei rundbogenartigen 
Felder werden von gewundenen Halbsaulen flankiert. Oberhalb der 
beiden Seitenfelder ist iiber zwei Fiillhornern eine Steineiche, das Wappen 
der Familie della Rovere 1 ), erkennbar. Auch die Vorderseite des 
Unterbaues ist mit ornamentalen und figurlichen Stuckaturen bedeckt. 

Das Werk hat drei (Prinzipal-) Register im 4', 2' (Oktav) und 
1' (Superoktav) mit offenen Metallpfeifen; Holzpfeifen sind nicht vor- 
handen. Die in der Mitte der Prospektfelder stehenden Pfeifen F, c 
und cis haben gevvundene Form; einige Pfeifen sind sparer erneuert 
worden. Die Schleifen fur das 2'- und 1 '-Register ragen an der rechten 
Seitenwand hervor, so daft die Register von hier aus an- und abstellbar 
sind. Zur Windbeschaffung dienen zwei Faltenbalge, die durch iiber 
Rollen laufende Stricke von der Riickwand des Gehauses aus aufgezogen 
werden. — Die Klaviatur sitzt in einem abnehmbaren Rahmen, an dem 
die einzelnen Tasten durch Lederstreifen befestigt sind. Die Tasten 
sind durch Zugdrahte mit der Windlade, die sehr enge, der Klaviatur 
entsprechende Teilung hat, verbunden. Umfang: F — c :t (drei Oktaven 
und Quinte); die tiefsten Untertasten Fis und Gis sind fortgelassen. Die 
Untertasten, deren Stirnkanten hiibsch ausgedreht sind, sind mit Buchs- 
baum belegt, die Obertasten sind aus Palisanderholz und von Buchs- 
baumadern durchzogen. Die Stimmung steht etwas tiefer als die 
heutige Kammertonstimmung. 

Hohe 2,10 m; Breite 87 cm; Tiefe 53 cm. 

Abbildung auf Seite 295. 

No. 242. Portativ 

aus der Wende des 16. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Gehause des primitiven Instruments, das in seiner trapezahnlichen Form 
an das alte Clavicytherium erinnert, weist marmorierten Anstrich auf. Die 
Fiillung der das Pfeifenwerk verdeckenden Vordertiir zeigt auf der Innen- 
seite eine kunstlose Malerei, die den guten Hirten mit dem Lamm auf 

') Der beriihmten italienischen Adelsfamilie della Rovere gehort auBer 
Papst Sixtus IV. (reg. 1471 -1484) auch Papst Julius II. (1503—1513), der bekannte 
Mazen Bramantes, Michelangelos und Raffaels, an. 



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No. 243. Positiv. Siiddeutsche Arbeit aus der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts. 

Text: Seite 297. 



Portativ No. 242 u. Positi v No. 243 ^^^^ 297 

den Schultern inmitten einer Landschaft darstellt. Der obere Teil des 
Prospekts wird durch einen spater hinzugefiigten blauseidenen Vorhang 
verdeckt, der in Nachahmung einer Stickerei die Worte „Soli Deo 
Gloria" in gelber Farbe tragi Die Klaviatur ist von primitiven Kerb- 
schnitzereien eingefaBt. Das Instrument ruht auf einem einfachen 
kreuzbeinigen Holzgestell. 

Das Werk besitzt drei Register im 4'-, 2'- (Oktav) und l'-Ton 
(Superoktav), deren Schleifen ebenso wie bei dem unter vorhergehender 
Nummer beschriebenen Positiv an der rechten Seitenwand des Gehauses 
herausragen. Die BaBpfeifen sind aus Holz und gedeckt, die Diskant- 
pfeifen sind aus Metall. Die Metallpfeifen des l'-Registers stehen im 
Prospekt und sind durch Ausbeulungen verziert. Zur Windbeschaffung 
dient ein sogen. „Wiederblaser'V) der durch eine primitive Tretvor- 
richtung vom Spieler selbst mit dem rechten FuB in Bewegung gesetzt 
wird. Die Windlade liegt unter der Klaviatur; die Spielventile liegen - 
wie meist bei alten kleinen Orgelwerken — unmittelbar unter den Tasten 
und werden durch Stecher aufgedrt'ickt. Der Rahmen, in dem die Tastatur 
sitzt, liegt in hochst primitiver Weise lose auf der Oberkante des Unter- 
baues und ist dreiteilig zerlegbar. - Umfang der Klaviatur: C — c 1 * (vier 
Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Untertasten, deren Stirnkanten 
ausgedreht sind, sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkel ge- 
beizt. Die (nicht mehr urspriingliche) Stimmung steht ziemlich einen 
Halbton tiefer als Kammerton. 

Hohe 1,17 m, mit Gestell 1,69 m; Breite 85 cm; Tiefe 44 cm. 

Abbildung auf Seite 300. 
No. 243. Positiv, 

vermutlich suddeutsche Arbeit aus der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts; 
ohne Namen des Erbauers. Das ganze Gehause des schonen Instruments 
ist vollstandig mit figurlichen, Ornamenten- und Blumenmalereien be- 
deckt; die Profilleisten sind vergoldet. (Anscheinend ist die Bemalung 
spateren Ursprungs; sie gehort dem lS.Jahrhundert an.) DieMalereien der 
beiden Vordertiiren, die die Prospektpf eifen verdecken, und der beiden Tiiren 
der Seitenwande stellen in allegorischen Figuren die vier Jahreszeiten dar. 
Die Innenseiten der beiden Seitentiiren zeigen einen Bischof im Ornat mit 
dem Modell einer Kirche auf dem Arm und die Gestalt der Justitia mit 
Schwert und Rechtsbuch in den Handen. Die Bemalung der Innenseite der 
beiden Vordertiiren stellt die Heimkehr des jungen David aus dem Kampf 
mitGoliath und seineBegruBung durch das ihm entgegenziehendeVolkdar, 
das auf verschiedenen Instrumenten (Pommer, Zinken, Harfen, Triangel, 
Schnabelflote, Tamburin usw.) musiziert, (1. Buch Samuelis, 18. Cap., V. 6 
und 7); als Vorlage fur diese Malerei diente ein nach einer Zeichnung von 
Johannes Stradanus von Adrian Collaert verfertigter Kupferstich.-) 

*) Der „Wiederblaser", der nur bei kleinen Haus- und Drehorgeln Anwendung 
findet, ist meist ein „gedoppelter" Faltenbalg, dessen untere Platte zugleich die obere Platte 
des eigentlichen Schopfers bildet. Wird der Balgtritt niedergetreten, so f ii lit sich der 
untere Balg mit Luft, und diese stromt dann durch ein Ventil auch in den oberen, 
gleichsam als Magazin dienenden Balg. Vgl. die Abbildung des Claviorganum No. 230 
(Seite 204), die die Anlage eines „Wiederblasers" deutlich erkennen laBt. 

2 ) Enthalten als Blatt 7 in dem von Philipp Galle zu Antwerpen urn das 
Jahr 1600 herausgegebenen Werke „ENCOMIVM MVSICES / Quod ex faeris litteris 

concinnabat Philip. Gallaeus. Iconibus exprimebat ... Io. Stradanus etc. / 

Antverpiae apud Philippum Gallaeum." Das Werk befindet sich in der Bibliothek 
des Museums; moderne Reproduktionen der einzelnen Blatter in Form von farbigen Glas- 
scheiben sind an den Fenstern des Parterresaales aufgehangt. -- Der Name das Malers 



298 ^^^^^^ Positive No. 243 u. 244 



Das Gesims ist mit den zwolf Sternbildern des Tierkreises bemalt 
und wird durch einen (ebenfalls spater hinzugefugten) Aufbau gekront, 
der unter einer fiinfzackigen vergoldeten Krone zwei Familienwappen 
tragt. Die Prospektpfeifen werden durch vergoldete, sich der GroBe 
der Pfeifen anpassende Holzschnitzereien im Renaissancestil begrenzt. 
Unterhalb des Prospekts und tiber der Klaviatur sind zwei Psalm- 
spriiche in Goldbuchstaben aufgetragen. Zwei Tiiren oberhalb der 
Klaviatur, hinter denen sich das Schnarrwerk (s. u.) befindet, haben durch- 
brochene vergoldete Fullungen. Zu beiden Seiten der Klaviatur sind 
zwei eiserne Leuchter befestigt, in denen noch alte Wachskerzen stecken. 

Das Werk hat fiinf Register; die Disposition ist: Gedackt 8', 
Prinzipal 4', Quinte 2 2 h', Oktav 2' und ein Schnarrwerk 8' (Regal- oder 
Rohrwerk mit aufschlagenden Zungenstimmen; eine „Schalmey" oder 
„Vox humana"). Das Prinzipal-Register hat Zinn-, die ubrigen Register 
Holzpfeifen. Zur rechten Seite neben der Klaviatur ist auBerdem ein 
sogen. „Tremulant" ') angebracht. Das sehr sauber gearbeitete Pfeifen- 
werk ist anscheinend um die Mitte des 18. Jahrhunderts erneuert worden. 
Als Registerziige dienen eiserne Hebel, die zur linken Seite der Klaviatur 
angebracht sind. Zur Windbeschaffung sind zwei kleine Faltenbalge 
vorhanden, die mittels Riemen von der rechten Seiten wand aus aufgezogen 
werden. - Umfang der Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave 
ist ,,kurz". Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz 
belegt. — Die Stimmung steht einen Halbton hoher als Kammerton. 

Hohe 3 m; Breite 1,23 m; Tiefe 82 cm. 

Abbildung auf Seite 296. 

Das Positiv gehorte urspriinglich einer Patrizierfamilie in Niirnberg 
und wurde zu Linz a. d. Donau erworben. 

No. 244. Liegend.es Positiv, 

suddeutsche oder Tiroler Arbeit aus der ersten Halfte des 17. Jahr- 
hunderts. Das Gehause des schonen Instruments ist in NuBbaum 
fourniert und mit Einlagen von geflammter (ungarischer) Esche verziert; 
das ganze AeuBere ist durch Fourniere in eine Anzahl Felder eingeteilt, 
die von Ahorn- und Palisanderadern eingefaBt werden. Auch das 
Zierbrett unterhalb der Klaviatur weist hiibsche Intarsien von verschieden- 
farbigen Holzarten auf. Zu beiden Seiten der vorgebauten Klaviatur 
sind Adelswappen in schoner Einlegearbeit angebracht; sie tragen die 
Signaturen „H J G / V W und M G / G V H" und stellen anscheinend 
die Wappen der Stifter der Orgel dar. 

Das Werk hat sechs Register, deren Ziige sich zu beiden Seiten 
der Klaviatur befinden. Die Disposition ist folgende: Sifflote 2', 
Gedackt 4', Kleinflote 2', Oktav 4', Quinte 5', Regal 4'. - - Samtliche 

Stradanus lautet eigentlich van der Straet; er ist 1536 zu Brugge geboren 
und starb 1605 zu Florenz. Adrian Collaert war Stecher und Kupferstichhandler 
zu Antwerpen und ist um 1520 geboren. Philipp Galle ist der Stammvater der 
bekannten Kupferstecherfamilie; er ist 1537 zu Harlem geboren und starb im Alter 
von fiinfundsiebzig Jahren 1612 zu Antwerpen. Vgl. Q. K. Nagler, Neues allgem. 
Kiinstler-Lexikon, Miinchen 1835 f., Bd. 3, 4 und Bd. 17, S. 449. 

') „ Tremulant" ist eine in alten Orgeln sich haufig findende „Vorrichtung im 
Windkanale . . ., durch welche der ZufluB des Windes zu den Pfeifen unterbrochen 
und dem Tone derselben eine bebende Bewegung gegeben wird". (Dommer.) Die 
unki'instlerische Wirkung des Tremulant wurde besonders in der Charwoche und bei 
Begrabnisfeiern zur Nachahmung des Schluchzens und Weinens angewendet. 



299 




No. 245. Positiv mit Pedal. 
Siiddeutsche (bayrische) Arbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. 

Text: Seite 301. 



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Flotenregister haben gedeckte Holzpfeifen; das „Regal" (Schnarr- 
werk), das unmittelbar unter der Klaviatur liegt, hat aufschlagende 
Zungenstimmen (vgl. No. 243). Das Werk beherbergt trotz des ver- 
haltnismaBig kleinen Gehauses uber zweihundert liegend angeordnete 
gedeckte Holzpfeifen. Sifflote und Kleinflote sind gleiche Register; ') 
die als „Quinte 5'" bezeichnete Stimme ist eine Quintflote P/s'. Die 
Register werden betatigt, indem die auf den Seiten verteilten Zuge 
beiderseits nach der Mitte zu geschoben werden; durch umgekehrte 
Bewegung werden sie abgestellt. - Zur Windbeschaffung dienen zwei 
groBe Faltenbalge, deren Oberplatten gleichzeitig die Decke des Gehauses 
bilden. Die Klaviatur stehtwie beiNo.241 in einem abnehmbaren Rahmen, 
an dem die einzelnen Tasten mittels Lederstreifchen befestigt sind. 
Umfang: C — c :! (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten, deren Stirnkanten mit goldgepreBtem Papier beklebt sind, 
sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkelbraun gebeizt. — Die 
Stimmung steht ziemlich einen Halbton hoher als Kammerton. 

Breite 1,25 m; Tiefe 83 cm; Hohe 36 cm. 

Abbildung auf Seite 295. 

Das Positiv stammt aus einer Kirche bei Bozen. Es ruht auf einem 
nicht dazu gehorenden Tisch mit vier gedrehten saulenartigen Beinen. 

No. 245. Positiv mit Pedal, 

suddeutsche (bayrische) Arbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts; 
ohne Namen des Erbauers. Das Gehause des hubschen Instruments 
ist hellgriin, teilweise rosa gestrichen und vergoldet. Die Eckturme des 
dreiteiligen Prospekts werden durch schone vergoldete Holzschnitzereien 
im Barockstil flankiert. 

Das Werk hat fiinf Register, die durch zu beiden Seiten der 
Klaviatur verteilte eiserne Hebel betatigt werden. Die Register sind 
nicht bezeichnet; vorhanden sind: Gedackt 8', Prinzipal 2', Flauto 4', 
Quinte 17s' und Oktav 1'; Prinzipal 2' steht zum groBten Teil im 
Prospekt. Das Geblase bildeten urspriinglich zwei auBerhalb des 

Gehauses liegende Faltenbalge, die jedoch bei der Aufstellung der 
Orgel im Museum aus raumlichen Grimden nicht verwendet werden 
konnten. Die Windbeschaffung geschieht jelzt mittels eines an das 
Werk angebauten Kanals von den Balgen der daneben stehenden Orgel 
von Franz Xaver Bloch (No. 260) aus. - - Umfang der Klaviatur: C— c 3 
(vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". AuBerdem ist an die 
tiefste Oktave ein kleines Pedal angehangt, das also ebenfalls nur eine 
„kurze" oder „gebrochene" Oktave umfaBt.'-') Die Untertasten des 
Manuals sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten dunkel gebeizt. 

: ) Sifflote - das Wort scheint vom frz. „siffler" [zischen], abgeleitet zu sein - ist eine 
nur in alten Orgeln zu findende, meist offene, weit mensurierte Labialstimme im 2' oder 1'. 

2 ) DaB Pedale mit sogen. „gebrochener" Oktave noch weit ins 18. Jahrhundert 
hinein (namentlich bei Orgeln siiddeutschen, osterreichischen und oberitalienischen 
Ursprungs) ganz gebrauchlich waren, beweist u. a. der Brief Mozarts, den er an 
den Vater am 17. Oktober 1777 aus Augsburg schrieb und der teilweise auf S. 267 
u.268 des vorliegenden Katalogs faksimiliert ist. Mozart berichtet darin auch von seinem 
Spiel auf der Orgel der Augsburger BarfiiBer -( Minoriten -) Kirche und erwahnt: 
,,. . . — Vom Anfang war mir das Pedal ein wenig fremd, weill es nicht gebrochen 
war; es fieng c an, dann d e in einer Reihe. bey uns ist aber D und E oben, wie 
hier Es und Fis. ich kam aber gleich drein . . ." 

(Vgl. L. Nohl, „Mozarts Briefe", Salzburg 1865, S. 72, und O. Jahn, „W. A. 
Mozart" 4. Auflage, Leipzig 1905, 1. Teil, S. 417.) 



Positiv No. 245, Portativ No. 246 u. Positiv No. 247 



Die ursprunglich etwas hohere Stimmung ist durch Verlangerung 
der Pfeifenkdrper spater auf Kammerton gebracht worden. 

Hohe 1,62 m; Breite 1,64 m; Tiefe 96 cm ohne Pedal, 1,18 m 
mit Pedal. 

Abbildung auf Seite 299. 

Das Positiv stammt aus der ehemaligen SchloBkapelle zu Schulzen- 
dorf, Pfarrei GroBhobing in Mittelfranken; es stand anfanglich in der 
Pfarrkirche zu Hobing und wurde i.J. 1845 nach Schulzendorf iiberfiihrt. 

No. 246. Portativ, 

anscheinend italienische Arbeit aus dem Ende des 17. Jahrhunderts ; 
ohne Namen des Erbauers. Das zierliche Instrument ist aus Ebenholz 
verfertigt und im Spatrenaissancestil ausgestattet. Es wird von einer 
Saulchengalerie gekront; an beiden Seitenwanden sind versilberte Hand- 
griffe angebracht, die ebenso wie die aufgesetzte Galerie modernen 
Ursprimgs sind. Die Vorderfront ist mit verkropften aufgelegten 
Profilleisten versehen; die Klaviatur liegt innerhalb des Gehauses, das 
durch zwei mit gravierten Messingscharnieren versehene Fliigelturen 
geschlossen wird. Die Innenseiten der Turen sind mit Engelsgestalten 
bemalt; die mit einer Schildpatteinfassung versehene Fiillung zum Ver- 
decken der Pfeifen ist mit einer kunstlosen Malerei geschmikkt, die 
die heilige Cacilie an der Orgel, von musizierenden und singenden 
Engelsgestalten umgeben, darstellt. 

Das Werkchen hat ein Register gedeckter Holzpfeifen im 2'-Ton. 
Zur Windbeschaffung dienen zwei kleine oberhalb der Pfeifen liegende 
Balge, die durch einen an der linken Seitenwand des Gehauses an- 
gebrachten Hebel in Bewegung gesetzt werden; das Geblase ist erneuert. 
— Umfang der Klaviatur: C — c 2 (drei Oktaven ; tatsachlicher Klang: 
c' — c 4 ); die tiefste Oktave ist „kurz". Ausstattung der Tasten wie bei 
No. 245. - - Die Stimmung entspricht No. 244. 

Hohe 78 cm; Breite 47 cm; Tiefe 41 cm. 

No. 247. Positiv, 

suddeutsche Arbeit aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Das Gehause des stattlichen Instruments ist aus Fichten- 
holz; die Fullungen der Vorderfront und der Seitenwande sind durch 
Schnitzereien aus Eichen- und Eschenholz verziert. Der Prospekt mit 
der Klaviatur wird durch zwei Flugeltiiren verdeckt; die drei Pfeifen- 
felder werden durch vergoldete Holzschnitzereien begrenzt. Das Ge- 
hause wird durch ein durchbrochenes Gesimse im sog. Jesuitenstil 
gekront. 

Das Werk besitzt vier Register, deren Ziige an der rechten Seiten- 
wand angebracht sind, so daB sie also vom Spieler nicht selbst bedient 
werden konnen. Die Disposition ist: Oktav (Prinzipal) 2', Superoktav 1', 
Gedackt 4' und 8'; die beiden ersten Register haben Metall-, die beiden 
anderen (gedeckte) Holzpfeifen. Das Prinzipal-Register steht teilweise 
im Prospekt. Zur Windbeschaffung dient ein kleiner Magazinbalg 

mit zwei Schopfern, die entweder durch einen an der rechten Seiten- 
wand des Unterbaues angebrachten Holzhebel, neben dem sich ein 
Zeiger als Windmesser befindet, oder auch wie beim Harmonium vom 
Spieler selbst durch zwei Tretschemel in Bewegung gesetzt werden 
konnen. Offenbar ist das Geblase spateren Ursprungs. 



303 




No. 247. Positiv. 

Siiddeutsche Arbeit aus dem Anfang des 18. jahrhunderts. 

Text: Seite 302. 



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Positiv u. Portative No. 247- 249, Orgel No. 250 ^^ 305 

Umfang der Klaviatur: C — c : ' (vier Oktaven); die tiefste Obertaste 
Cis ist fortgelassen. Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten 
mit Bein belegt. - Die Stimmung entspricht No. 244 und 246. 

Hohe 2,10 m; Breite 1,22 m; Tiefe 69 7s cm. 

Abbildung auf Seite 303. 

No. 248. Portativ 

aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne Nam en des Erbauers. 
Das primitive Instrument hat ein weiB gestrichenes Gehause und steht 
auf einem Holzbock. Die linke Seitenwand zeigt Ornamentmalereien in roter 
Farbe. Die Prospektpfeifen, die mit (stark verblaBter) Silberbemalung 
versehen sind, werden durch eine weiB und rot bemalte Holzschnitzerei 
im Barockstil begrenzt. 

Das Werk hat vier Register, deren Ziige an der rechten Seiten- 
wand des Gehauses angebracht sind: Gedackt 8' und 4', Flote 2' und 1'; 
alle Pfeifen sind aus Holz. Zur Windbeschaffung dient ein Schopfbalg, 
der an der rechten Seitenwand angebracht und mit Handgriffen zum 
Aufziehen versehen ist; ein kleiner Magazinbalg liegt auf der oberen 
Decke. — Umfang der Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven); die tiefsten 
Obertasten Cis und Dis sind fortgelassen. Die Untertasten sind mit 
Buchsbaum belegt, die Obertasten sind dunkel gebeizt. 

Hohe (ohne Holzbock) 1,10 m; Breite 887-2 cm; Tiefe 57 cm. 

Das Portativ stammt aus einer Thiirino;er Dorfkirche. 



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No. 249. Portativ 

aus derselben Zeit wie No. 248; ohne Namen des Erbauers. Das 
primitive Instrument besitzt, urn das Gewicht beim Tragen zu ver- 
ringern, kein eigentliches Gehause; die Pfeifen stehen in einem ein- 
fachen holzernen Rahmen unmittelbar hinter der Klaviatur. 

Es sind IV2 Register vorhanden: ein gedecktes 4-Register Holz- 
pfeifen und ein offenes 2'-Register Zinnpfeifen; letzteres Register, dessen 
Pfeifen groBtenteils erneuert sind, beginnt erst bei der zweiten Oktave. 
Die Register sind nicht abstellbar. Zur Windbeschaffung dienen zwei 
Faltenbalge, die in schrager Lage hinter den Pfeifen liegen und mit 
primitiver Bemalung versehen sind. — Umfang der Klaviatur: E — f 2 
(drei Oktaven und Halbton); in der urspriinglich „kurzen" BaBoktave 
sind die drei tiefsten Pfeifen C, D, E spater durch Pfeifen fur E, Fis 
und Gis ersetzt worden. Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Ober- 
tasten mit Elfenbein belegt. Die Stimmung steht ziemlich einen 
Halbton tiefer als Kammerton. 

Hohe 68 cm, Breite 64 cm, Tiefe 59 cm. 

Abbildung auf Seite 304. 

No. 250. Orgel 

von Gottfried Silbermann in Freiberg in Sachsen 1723 24 fur die 
evangelische Kirche zu Hilbersdorf bei Freiberg i. S. erbaut. 
Eine Signierung ist nicht vorhanden. 

Von den verschiedenen Werken, die die Hilbersdorfer Orgel erwahnen, seien 
genannt :*) 

Buchwald, Qeorg. ,,Neue sachsische Kirchengalerie" Ephorie Freiberg. 
Leipzig 1901. Darin: ,,Die Parochie Hilbersdorf" von Pastor Hesse; Sp. 263 : „Am 

') Die Ausziige aus den betreff. Werken verdankt das Museum der Freundlich- 
keit des Herrn Arno Reich ert, Verwalters der Musikabteilung der Kgl. offentl. 
Bibliothek zu Dresden. 



20 



Orgel No 250 



2. Pfingstfeiertage 1724 wurde die neue von Gottfr. Silbermann fur 300 Thaler erbaute 
Orgel (ohne Pedal) eingeweiht." Eine einfache Holztafel mit dieser Angabe war 
audi in der Hilbersdorfer Kirche angebracht. 

Ritter, Johann Ludwig. ,,Etwas zur Feyer des ersten Jubilaums der beiden 
Silbermannischen Orgeln in Rotha", Leipzig 1821. Darin Seite 13: „Verzeichniss der 
von Gottfried Silbermann erbauten Orgeln" No. 18: „In Hilbersdorf ...mit 1 Clav. 
ohne Ped." ; 

Steche R. „ ... Darstellung der alteren Bau- und Kunstdenkmaler des Konig- 
reichs Sachsen." Dresden (1884), Seite 100; 

Heise, F. u. G. A. Poenicke, ,, Album der Schlosser und Rittergiiter im 
Konigreich Sachsen". Leipzig, o. J., Seite 157; 

Oehme, Fritz. ,,Handbuch iiber altere und neuere beriihmte Orgelwerke im 
Konigreich Sachsen..." Dresden (1889), Seite 134: ,,Die Orgel in Hilbersdorf bei 
Freiberg, ohnweit von Conradsdorf, wurde von Johann Gottfried Silbermann urn das 
Jahr 1713 oder 1714 [sic] erbaut und hat nur 5 klingende Register und 1 Nebenzug." 

Die schone Orgel, die urspri'mglich in die Briistung der Kirchen- 
empore eingebaut war, ruht jetzt auf einem neu angefertigten holzernen 
Unterbau. Das Gehause ist weiB gestrichen und teilweise vergoldet; 
die beiden Spitztiirme des reich verzierten Prospekts sind durch eine 
vergoldete rokokoartige Schnitzerei mit einander verbunden und von 
Trompeten blasenden Engelsfiguren gekront. Die Prospektpfeifen werden 
durch schone vergoldete Schnitzereien im Barockstil begrenzt; unter- 
halb des Mittelfeldes ist eine schildartige vergoldete Schnitzerei angebracht. 

Das Werk hat fiinf Register, deren Ztige sich zur linken Seite 
oberhalb der Klaviatur befinden. Die Disposition ist noch die urspriing- 
liche; sie lautet: Prinzipal 4', Gedackt 8', Oktav 2', Quinte IV2' und 
Cymbel 2' *). Samtliche Pfeifen sind aus Metall mit Ausnahme der 
tiefsten Prinzipal- und der gedeckten Pfeifen. — Die Windlade liegt 
dicht am Boden ; die Spielventile werden durch Stecher von oben auf- 
gedriickt. Zur Windbeschaffung dienen zwei groBe Faltenbalge, die 
hinter der Orgel liegen. Da sie eine Lange von fast 2 m haben, wurden 
sie im Museum aus raumlichen Griinden mit einem Podium uberbaut 
und zur bequemeren Handhabung mit einer Tretvorrichtung versehen. — 
Umfang der Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Obertaste Cis 
ist fortgelassen. Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit 
Bein belegt. Ein Pedal besitzt die Orgel nicht. Die Stimmung steht 
einen Halbton hoher als Kammerton. 

Hohe 2,15 m (ohne Unterbau), Breite 1,82 m, Tiefe 73 cm. 

Abbildung des Prospekts (ohne Unterbau) auf Seite 307. 
Das schone Werk, eines der historisch wertvollsten Be- 
sitztumer des Museums, ist die einzige Silbermannsche 
Orgel, die sich in einer Sammlung befindet. Die Orgel ist 
vorziiglich erhalten und vollkommen spielbar; namentlich das Register 
„Gedackt 8 '" ist von groBer Schonheit und Weichheit und besitzt unver- 
kennbaren Silbermannschen Charakter. 

Vgl. den Aufsatz „Ein kleines Silbermannsches Orgelwerk aus dem Jahre 1724" 
in der ,,Zeitschrift fur Instrumentenbau" (28. Jahrg. [1907] No. 1), in dem es heiBt: „Die 
Kirche der Gemeinde Hilbersdorf bei Freiberg i. S. besaB . . . ein reizendes kleines 
Orgelwerk von Gottfried Silbermann. Langer als 180 Jahre hat es dem 



] ) Cimbel (Cymbel) ist eine kleine, mehrfach repetierende gemischte Stimme 
(Mixtur); ihrer scharfen Intonation wegen ist sie bei Benutzung des vollen Werkes 
zuletzt zu registrieren. Gottfried Silbermann hat die Cymbel mit Vorliebe angewendet. 



307 




No. 250. Orgel 

von Gottfried Silbermann, 
1723/24 fur die evang. Kirche zu Hilbersdorf erbaut. 

Text: Seite 305. 



308 




No. 252. Positiv 

von Adalbert Beer, 

Prag 1757. 



Text: Seite 309. 



Orgel No 250, Portativ No. 251, Positiv No. 252 ^^ 309 

gottesdienstlichen Gebrauche gedient; es muBte aber, da sich im Laufe der Zeit ver- 
schiedene Mangel einstellten und das Gotteshaus durcli Einbau einer gewolbten Decke 
(an Stelle der alten, niedrigen Holzdecke) raumlich fast noch einmal so groB geworden 
war wie vorher, einer neuen groBeren Orgel mit 16 klingenden Registern weichen, 
die . . . [1906] von den Hoforgelbauern Gebriider Jehmlich in Dresden geliefert 
wurde. ..." usw. 

No. 251. Portativ, 

anscheinend moderne Nachbildung eines Originals aus der ersten Halfte 
des 18.Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das zierliche Instrument 
steht auf einem neu angefertigten kreuzbeinigen Gestell. Das Gehause 
ist aus Tannenholz und weist marmorartigen Anstrich auf. Prospekt 
und Klaviatur sind durch eine Doppeltur verdeckt. Die herausnehmbare 
Fiillung der Riickwand ist zur groBeren Tonentfaltung durchbrochen. 

Das Werk besitzt drei Register, deren Ztige an der rechten Seiten- 
wand angebracht sind und daher vom Spieler nicht selbst bedient 
werden konnen: Prinzipal 2' (im Prospekt), Oktav 1' und Gedackt 4'. 
Zur Windbeschaffung client ein Magazinbalg mit einem kleinen Schopfer, 
der durch einen an der rechten Seitenwand angebrachten Riemen auf- 
gezogen wird. Der Magazinbalg liegt auf der oberen Decke. — Umfang 
der Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die 
Untertasten sind mit Buchsbaum, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 
— Die Stimmung entspricht No. 249. 

Hohe 66 cm, Breite 72 cm, Tiefe 36 cm. 

Abbildung auf Seite 300. 

No. 252. Positiv 

mit folgender geschriebenen Inschrift unter Glas und Rahmen oberhalb 
der Klaviatur: „Dieses Werk Hat Ververtiget / Adalbert Beer seiner 
Kunst Migna/tur Mahler, und Orgel-macher Aldt / stadt Prag in 
der Jesuitergassen, den 17 April, Ao 1757." Das Gehause des schonen 
Instruments ist hellgriin gestrichen. Der reich verzierte dreiteilige Pro- 
spekt wird von vergoldeten fliigelartigen Holzschnitzereien im Rokokostil 
flankiert; in gleicher Weise sind die drei Pfeifenfelder ausgestattet. Auch 
auf die beiden Ecktiirme sind vergoldete Schnitzereien aufgesetzt; der 
Mittelbau wird von einer Trompete blasenden Engelsfigur gekront. Der 
Unterbau des Gehauses tragt zwei geschnitzte vergoldete Wappen, die 
anscheinend die Familienwappen der Stifter darstellen. 

Das Werk hat vier Register, deren Ziige sich zu beiden Seiten 
der Klaviatur befinden: Prinzipal 2' (im Prospekt), Mixtur zweifach (V 
und -l-i' repetierend) 1 ), Gedackt 8' und Flote 4'; letzteres Register hat 
ebenfalls gedeckte Pfeifen. Die Registerziige werden merkwiirdigerweise 
umgekehrt betatigt, d. h. durch Ziehen unwirksam gemacht. 2 ) — Zur 

') „Mixtur" ist die in der Orgel am haufigsten gebranchte gemischte oder 
Hilfsstimme, die zu einem Grundton zugleich einen oder mehrere Obertone (Qninte, 
Oktave etc.) horen laBt; je nach der Zahl der Pfeifen, die zn einer Mixtnr gehoren, 
unterscheidet man zwei-, drei-, vierfache Mixturen u. s. f. „ Repetierend" nennt man 
Stimmen, die in der hoheren Oktave die Tone in der Tonhohe der tieferen Oktave 
wiederholen. Die Mixturen haben den Zweck, dem Orgelklange Glanz und Scharfe 
zu verleihen; als selbstandige Stimmen konnen sie naturgemaB nicht verwendet werden. 

-) Vgl. hierzu Mattheson, ,,Das Neu-Eroffnete Orchestre" (Hamburg, 1713; 
S. 260), wo erwahnt wird, ,,. . . daB an etlichen Orgeln die Register ausgezogen / an 
andern aber /wie an der [Orgel der] Cathrinen[kirche zu Hamburg] eingestecket werden 
miissen / wenn man spielen will . . ." 



310 ^^^ Positive No. 252 u. 253. Portativ No. 254 

Windbeschaffung dienen zwei Faltenbalge; sie werden mittels Riemen, 
die iiber Rollen Iaufen, von der rechten Seitenwand des Gehauses aus 
aufgezogen. — Umfang der (vorstehenden) Klaviatur: C — c ! (vier Oktaven); 
die tiefste Oktave ist „kurz". Die Untertasten sind mit dunkel gebeiztem 
Buchsbaum, die Obertasten mit Elfenbein belegt. — Die Stimmung ent- 
spricht No. 249 und 251, d. h. sie steht ziemlich einen Halbton tiefer 
als Kammerton. 

Hohe 3,25 m, Breite 1,29 m, Tiefe 42 cm. 

Abbildung auf Seite 308; Nachbildung der Inschrift auf Seite 357. 

Das schone Orgelwerk stammt aus einem SchloBgute in Schlesien. 

No. 253. Positiv, 

hollandische Arbeit aus der Mitte oder dem zweiten Drittel des 18. Jahr- 
hunderts; ohne Namen des Erbauers. Das stattliche Instrument zeigt 
im AeuBern den typischen Mobelstil der Liitticher und rheinischen 
Kunstschreiner jener Zeit; das Gehause ist aus massivem Eichenholz 
und in Mahagoni fourniert. — Der Unterbau, dessen vordere Lisenen 
mehrfach geschweift sind, ruht auf tatzenartigen FiiBen, von denen sich 
Muschelwerk-Schnitzerei um die untere Kante zieht. Die gebauchte 
Fiillung des Unterbaues, die Schliisselschilder auf der Klaviaturklappe 
und den Fliigeltiiren zur Verdeckung des Prospekts sind mit barocki- 
sierenden Metallbeschlagen verziert. Die Fiillungen der oberen Fliigel- 
turen werden von profilierten ausgeschweiften Friesstiicken umrahmt. 
Gekront wird das Gehause von einem geschweiften Gesims mit schonen 
muschel- und blattwerkartigen Schnitzereien in der Mitte. Auch der 
dreiteilige Prospekt ist mit durchbrochenen vergoldeten Barock- 
Schnitzereien verziert; die Prospektpfeifen haben vergoldete Labien. 

Das Werk hat sechs Register, deren mit hollandischen Bezeich- 
nungen versehene Ziige zu beiden Seiten der Klaviatur angeordnet sind : 
Praestant 8' (nicht durchgehend sondern nur fur Diskant disponiert; 
alle iibrigen Register sind fiir BaB und Diskant geteilt), Hohlflote 8' '), 
Oktav 4', Flote 4', Quinte 2 2 /s' und Superoktav 2'. Ein ehemals vor- 
handen gewesener „Tremulant" (vgl. FuBnote auf S. 298) ist spater 
entfernt worden. Zur Windbeschaffung dient ein kleiner Magazin- 

mit einem Schopfbalg, der durch eine an der rechten Seite des Unter- 
baues angebrachte Tretvorrichtung vom Spieler selbst in Bewegung 
gesetzt wird. — Die Klaviatur ist herausziehbar; ihr Umfang betragt: 
C — e 3 (vier voile Oktaven und Terz). Die Untertasten sind mit Bein 
belegt, die Obertasten sind aus Palisanderholz. 

Hohe 2,55 m, Breite 1,60 m, Tiefe 73 cm. 

Abbildung auf Seite 311. 

Das schone Orgelwerk gehorte urspriinglich dem ehemaligen 
Kloster Schledenhorst bei Haldern und wurde i. J. 1899 von der evange- 
lischen Gemeinde zu Haldern im Rheinland angekauft. 

No. 254. Portativ, 

italienische Arbeit aus dem 18. Jahrhundert, ohne Namen des Erbauers. 
Das interessante Instrument wurde als sog. „Prozessionsorgel" be- 
nutzt; zu diesem Zweck sind an den Gehausewanden vier herauszieh- 
bare eiserne Riegel zum Befestigen von Tragstangen angebracht. Das 

') „ Hohlflote" ist ein offenes, etwas weit mensuriertes Flotenregister mit vollem, 
rundem Ton. „Praestant" - abgeleitet vom lat. ^praestare", vorn stehen - ist gleich- 
bedeutend mit „Prinzipal". - - Vgl. auch die Bemerkung zu No. 259. 



311 




No. 253. Positiv, 

hollandische Arbeit aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. 

Text: Seite 310. 



312 




No. 258. 
Hausorgel 

aus dem ersten Drittel dcs 19. Jahrhunderts. 

Text: Seite 314. 



Portative No. 254-256 



Gehause weist hellblauen Anstrich auf; der Prospekt hat die Form eines 
Rundbogens und ist mit primitiven rokokoartigen Schnitzereien ge- 
schmuckt. Als Kronung des Gehauses dient ein Aufsatz mit Akanthus- 
blatt-Schnitzereien. 

Das kleine Werk hat drei Register, die durch zur rechten Seite 
iiber der Klaviatur angebrachte Hebel in Tatigkeit gesetzt werden. Die 
Register stehen im 2'-, 1'- und Vs'-Ton und enthalten offene Metallpfeifen. 
Zur Windbeschaffung dienen zwei kleine im hinteren Teil des Gehauses 
iibereinander liegende Faltenbalge, die mittels zweier an der rechten Seiten- 
wand angebrachten Schniire aufgezogen werden. — Umfang der Klaviatur: 
C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". Die Untertasten 
sind mit Bein, die Obertasten mit Ebenholz belegt und mit Knopfchen 
aus Bein besetzt. - Die Stimmung entspricht No. 251 und 252, war aber 
urspriinglich hoher. 

Hohe 1,18 m, Breite 74 cm, Tiefe 53 cm. 

Abbildung auf Seite 322. 
No. 255. Portativ 

aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, ohne Namen des Erbauers; an- 
scheinend die Arbeit eines dilettierenden Monches. Das Instrument, 
das zum Gebrauch auf einen Tisch gestellt werden mufi, steht auf 
vier kurzen Beinen; ein fruher vorhanden gewesener Oberbau ist ent- 
fernt worden. Das Gehause ist anscheinend aus Erlenholz und weist 
dunkelbraunen Anstrich auf. 

Das Werk hat zwei Register gedeckter Holzpfeifen im 4'- und 
2'-Ton, und zwar sind aus Griinden der Raumersparnis zwei zu- 
sammenliegende Pfeifen (c und cis, d und dis usw.) durch eine ge- 
meinsame Mittelwand mit einander verbunden. Die 4'-Pfeifen sind am 
unteren Boden liegend angeordnet, die 2'-Pfeifen stehen hinter der 
Klaviatur; letzteres Register ist mittels der an der linken Seitenwand 
herausragenden Schleife abstellbar. Das Geblase besteht aus einem 
sogen. „Wiederblaser" (vgl. FuBnote zu No 242) und wird durch einen 
an der rechten Seite angebrachten Hebel in Bewegung gesetzt. — Umfang 
der Klaviatur: C — fis 3 (vier Oktaven und ubermaB. Quarte). Unter- und 
Obertasten sind mit Buchsbaum belegt. Die Stimmung steht etwa 

einen Viertelton tiefer als Kammerton. 

Hohe 40 cm, Breite 95 cm, Tiefe 52 cm. 

Das Portativ stammt aus dem ehemaligen Kloster Mellenbach 1 ) in 
Thuringen. 

No. 256. Portativ in Form eines Nahtisches, 

laut gravierter Inschrift auf einem kleinen Elfenbeinschild unterhalb 
der Klaviatur von „C. R. A. Venzky K6n: Sachs: Hof-Orgelbauer, u: / 
Instrumentenmacher in Dresden" und zwar laut einer Zettelinschrift im 
Inneren „im Monat Marz 1807" erbaut. Das zierliche Instrument 
ist in Kirschbaum fourniert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Die 
Vorderseite des Gehauses ist mit einem empireartigen Bronzebeschlag 
verziert. 

Das Werkchen besitzt ein Flotenregister gedeckter Holzpfeifen im 
2'-Ton. Zur Windbeschaffung dient ein kleiner Magazin- und ein 
Schopfbalg, der durch eine an der rechten Seite angebrachte Schnur 

*) Mellenbach ist der Geburtsort des bekannten Theoretikers Georg Andreas 
Sorge (geb. 21. Marz 1703, gest. 4. April 1778 als Hof- und Stadtorganist zu 
Lobenstein). 



314 ^^ Portative No. 256 u. 257, Hausorgel No. 258 

aufgezogen wird; der Spieler kann sich durch einen kleinen FuB- 
tritt, der mit einem durch das rechte Vorderbein des Instruments hin- 
durchgefiihrten Draht in Verbindung steht, auch selbst den notigen Wind 
verschaffen. — Umfang der Klaviatur, die zum Gebrauch herausgezogen 
wird: C — c 2 (drei Oktaven; vgl. No. 246). Die Untertasten sind mit 
Ebenholz, die Obertasten mit Elfenbein belegt. Die Stimmung ent- 

spricht ziemlich genau der heutigen Kammertonstimmung. 
Hone 77Va cm, Breite 61 7s cm, Tiefe 42 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 358. 

No. 257. Portativ 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
zierliche Instrument ist anscheinend fur ein Kind verfertigt und ruht 
auf vier kurzen eckigen Beinen. Das Gehause ist aus NuBbaumholz 
und auf der Vorderseite und iiber der Klaviatur mit farbigen Blumen- 
malereien versehen. Die gleiche Ausschmuckung zeigt ein kleiner 
Aufbau iiber der Klaviatur mit durchbrochener und mit roter Seide 
hinterspannter Fiillung, die durch eine dekupierte viersaitige Lyra und 
vergoldete Bronzebeschlage verziert ist. 

Das Werkchen besitzt ein Flotenregister im 2'-Ton. Alle Pfeifen 
sind liegend angeordnet; die tiefen Pfeifen sind gedeckt. Zur Wind- 
beschaffung dient wie bei dem Portativ No. 255 ein sogen. „Wieder- 
blaser", der durch einen am rechten Vorderbein befestigten, mit Bronze- 
beschlagen versehenen Tritt in Bewegung gesetzt wird. Umfang der 
Klaviatur: C — g 2 (drei Oktaven und Quinte; tatsachlicher Klang: c 1 — g 4 ). 
Ausstattung der Tasten und Stimmung entsprechen No. 256. 

Hohe 1,10 m, Breite 55 cm, Tiefe 44 cm. 

Abbildung auf Seite 304. 

No. 258. Hausorgel ! ) 

aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
Instrument, das auf einem Tisch mit vier leicht geschweiften Beinen 
ruht, hat ein weiB gestrichenes Gehause. Der dreiteilige Prospekt ist 
mit vergoldeten Holzschnitzereien im Empirestil geschmiickt. Die in 
den beiden Seitenfeldern des Prospekts stehenden holzernen Zierpfeifen 
sind „blind" (oder richtiger „stumm"); sie sind an der Vorderseite mit 
Silberbronze iiberzogen. 

Das Werk hat zwei Register, deren Ziige an der linken Seitenwand 
angebracht sind : Gedackt 8' (Holzpfeifen) und Klarinette 8' (durch- 
schlagende Zungenstimmen mit trichterformigen metallenen Aufsatzen). 
Zur Windbeschaffung dienen ein Magazin- und zwei Schopf- (Falten-) 
balge, die unterhalb der Tischplatte angebracht sind und durch eine 
Tretschemelvorrichtung vom Spieler selbst in Bewegung gesetzt werden. 
Das Geblase zeigt moderne Einrichtung und ist daher spater erneuert 
worden. — Umfang der Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven). Die Unter- 
tasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. Die 
Stimmung steht fast einen Halbton hoher als Kammerton. 
H6he 1,89 m, Breite 1,44 m, Tiefe 57 cm. 
Abbildung auf Seite 312. 

') Im 19. Jahrhundert kamen die alten Beneniiungen „Positiv" und „Portativ" 
allmahlich auBer Gebrauch, und es wurden hierfiir die deutschen Bezeichnungen 
»Stuben"-, „Zimmer"- oder „Hausorgel" angewendet. 



Hausorgel No. 259 ^^^^^^ 315 



No. 259. Hausorgel m it Pedal, 

hollandische Arbeit aus der ersten Halfte des 19.Jahrhunderts(ca. 1820 — 40), 
ohne Namen des Erbauers. Das stattliche Instrument ist in Mahagoni 
fourniert und wird durch Flugeltiiren, die mit hiibschen Bronze- 
schliisselschildern versehen sind, geschlossen. Oberhalb der Fiillungen 
der Vordertiire und Seitenwande sind Schnitzereien angebracht; 
ebenso zeigt das Notenpult schone durchbrochene Schnitzereien in 
Form von Musikinstrumenten und Eichenlaub. Die drei Pfeifenfelder 
des Prospekts werden durch barockartige vergoldete Schnitzereien be- 
grenzt. Als Kronung des Gehauses dient ein galerieartiger Aufsatz, der 
zu beiden Seiten von Bronzebeschlagen und zwei Gipsstatuetten, die 
Hohepriester darstellen, flankiert wird; ebenso sind am Prospekt auf 
vergoldeten Konsolen zwei kleinere Statuetten angebracht, die Moses 
und den Harfe spielenden Konig David darstellen. Die Mitte des 
Aufsatzes schmiickt ein musikalisches Emblem in hiibscher Aquarell- 
malerei. 

Das Werk hat sieben, teilweise nicht durchgehende Register, 
deren mit hollandischen Bezeichnungen versehene Ziige zu beiden Seiten 
der Klaviatur angeordnet sind: Hohlflote 8' (gedeckte Holzpfeifen) ; 
Flautino 2' (offene Metallpfeifen), fur BaB und Diskant geteilt; Praestant 
(oder Oktav) 2' (Metallpfeifen, die groBtenteils im Prospekt stehen); fur 
BaB und Diskant geteilt; Flauto dolce 4' (offene, eng mensurierte Holz- 
pfeifen); Nasat l'/V (gedeckte Holzpfeifen). 1 ) Ein fruher vorhanden 
gewesener „Tremulant" (vgl. FuBnote zu No. 243) ist spater entfernt 
worden. 

Zur Windbeschaffung dient ein einfaltiger Magazin- (Keil-) balg 
mit einem Schopfbalg, der durch eine an der rechten Seite des Unter- 
baues angebrachte Tretvorrichtung vom Spieler selbst in Bewegung 
gesetzt wird. Zur rechten Seite neben der Klaviatur befindet sich ein 
als Windmesser dienender Knopf, der den jeweiligen Stand des Balges 
anzeigt. Die Windlade ist wie bei alien Hausorgeln aus dieser Zeit 
eine Schleiflade mit Wellenmechanik. Rechts unter der Hauptlade 
befindet sich eine besondere kleine Lade fur die vier hochsten 
Diskantpfeifen (cis 3 — e). Umfang der Klaviatur: C — e 3 (vier 

Oktaven und Terz); auBerdem ist ein Pedal im Umfang von Vh Oktaven 
(C — f) angehangt. Die Untertasten des Manuals sind mit Bein, 
die Obertasten mit Schildpatt belegt. — Die Stimmung entspricht 
No. 256 und 257. 

Hohe 2,40 m, Breite 1,41 m, Tiefe 74 cm. 

Abbildung auf Seite 317. 

Die Orgel war mehrere Generationen hindurch im Besitze der 
Familie Wolff- van Oordt, die jetzt in Elberfeld ansassig ist. 
Disposition und Bauart haben mit dem Positiv No. 253, das ebenfalls 
hollandischen Ursprungs ist, groBe Aehnlichkeit, so daB die Hausorgel 
No. 259 vielleicht als Arbeit eines Sohnes oder Schulers des Erbauers 
von No. 253 gelten kann. 



') Ueber „Hohlflote" und „Praestant" vgl. die FuBnote auf Seite 310. „Flauto 
dolce" (Dolz- oder Dulzflote) ist ein offenes, eng mensuriertes Flotenregister von 
sanftem, lieblichem Klang. „Nasat" (auch Nasard, Nassat) ist ein gedecktes Floten- 
register von dunkler, verschleierter Farbung. 



316 ^^^^ Orgel No. 260 u. Hausorgel No. 261 

No. 260. Orgel, 

laut eingekratzter Inschrift auf einem vergoldeten rautenformigen Holz- 
plattchen in der Mitte der Vorderseite des Unterbaues von „F / X. 
Bloch / 1840" erbaut. Auf der Riickseite der groBten Prinzipalpfeife 
ist dienochmaligeSignierung „X. Bloch / von Aesch / Canton Basel 1840" 
angebracht; auBerdem besagt ein auf den Windkanal geklebter Zettel, 
daB „Franz Xaver Bloch junior diese Orgel im 22 ten Jahre 
seines Alters erbaut" hatte. — Das schone Werk, das vermoge seiner 
weit mensurierten Pfeifen einen kraftigen, vollen Klang besitzt, stammt 
aus dem Sehlosse Boetzstein an der Aar, das sich friiher im Besitz einer 
Familie v. Roll befand. Das Gehause ist im Empirestil ausgestattet 
und am Prospekt und an den beiden Seitenwanden mit farbigem mar- 
moriertem Anstrich versehen. Der Oberbau des Prospekts zeigt die 
ubliche Gliederung in Mittelfeld und Ecktiirme; die auch teilweise im 
Unterbau stehenden Prospektpfeifen werden durch vergoldete Holz- 
schnitzereien begrenzt. Das dreifach geteilte Mittelfeld wird von einer 
geschnitzten vergoldeten Vase gekront. Der Unterbau, dessen mit Pfeifen 
besetztes Mittelfeld ahnlich dem des Oberbaues ausgestattet ist, wird 
durch Halbsaulen mit vergoldeten palmettenartigen Kapitalen gegliedert. 
Die Orgel hat acht Register; die Disposition ist folgende: Suavial 8' 
(nicht durchgehend, sondern erst von c 1 an), Flauto 8', Bourdon 8', 
Prinzipal 4', Flauto 4', Flautino 2' (mit Metallpfeifen), Mixtur zweifach 
und Rohrflote 2'; letzteres Register war in der urspriinglichen Dispo- 
sition nicht vorgesehen sondern ist erst bei der Aufstellung der Orgel 
im Museum eingesetzt worden. 1 ) Die Pfeifen des Prinzipal- und Suavial- 
registers stehen groBtenteils im Prospekt. — Zur Windbeschaffung dienen 
zwei groBe ubereinander liegende Faltenbalge, die durch eine Tret- 
vorrichtung in Bewegung gesetzt werden. — Umfang der Klaviatur: 
C-f 3 (vier Oktaven und Quarte); auBerdem ist ein Pedal von einer 
Oktave Umfang (C— c) angehangt. Die Untertasten des Manuals sind 
mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. Die Stimmung 
steht etwa einen Viertelton tiefer als Kammerton. 

Hohe 3,25 m, Breite 2,50 m, Tiefe 1,14 m, mit Pedal: 1,65 m. 

Abbilduns: auf Seite 318. 



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No. 261. Kleine Hausorgel mit Pedal, 

deutsche Arbeit aus der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts; vielleicht von 
Adolph Jbach Sonne in Barmen erbaut. Das einfach ausgestattete In- 
strument, das keinen Prospekt besitzt, hat ein nuBbaumfarben gestrichenes 
Gehause. Die obere Fiillung ist durchbrochen und mit Gaze hinterspannt. 
Das Werk hat sechs Register, die aber zum Teil nicht durch- 
gehend sind, d. h. nur auf BaB oder Diskant wirken, und deren Ziige 
zu beiden Seiten oberhalb der Klaviatur angebracht sind. Auf der linken 
Seite: Gedackt 8' (fur Diskant), Oktav 4', Superoktav 2' (fur BaB); 
auf der rechten Seite: Superoktav 2' (fur Diskant), Prinzipal 8' (fur 
Diskant) und Gedackt 8' (fur BaB). Zur Windbeschaffung dient 

') „Suavial" ist ein Flotenregister mit sanftem Geigenton; es beginnt in der 
Regel erst mit c 1 . „Bourdon" (Bordun) ist ein gedecktes Flotenregister von weichem, 
rundem Klang und entspricht etwa dem gebrauchlichen „Gedackt". Ebenso ist ,, Rohr- 
flote" ein gedecktes Flotenregister; doch ist hierbei dem Stopsel auBerdem ein 
Rohrchen aufgesetzt, wodurch der Ton eine besondere, etwas hellere Farbung erhalt. - 
Ueber „Mixtur zweifach" vgl. No. 252. (FuBnote 1 auf Seite 309.) 



317 




No. 259. Hausorgel mi t Pedal. 

Hollandische Arbeit aus der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts. 

Text: Seite 315. 



318 




No. 260. Oro-el 



von Franz Xaver Bloch jr., Aesch (Schweiz) 1840. 
Text: Seite 316. 



Hausorgel No. 261 u. Orgel-Spieltisch No. 262 ^^ 319 



ein Schopf- und ein kleiner Magazinbalg; der Schopfer wird durch 
einen an der rechten Seite der Vorderwand angebrachten Tritt vom 
Spieler selbst in Bewegung gesetzt. — Umfang der Klaviatur: C— f 3 
(vier Oktaven und Quarte); auBerdem ist ein Pedal im Umfang von 
lVa Oktaven (C— f) angehangt. Die Untertasten des Manuals sind mit 
Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. Die Stimmung steht einen 
Halbton noher als Kammerton. 

Hohe 1,65 m, Breite 1,38 m, Tiefe 72 cm. 

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ORGEL-SPIELTISCHE UND -KLAVIATUREN 

No. 262. Spieltisch (Manuale, Pedal, Registerbrett) mit Spielbank 

der alten Orgel der Johanniskirche zu Leipzig; die Orgel wurde von 
Johann Scheibe 1742 — 1744 erbaut. (In dem anscheinend noch originalen 
Notenpult befinden sich die geschnitzten Initialen „SJ" [Johann Scheibe?].) 
- Der Spieltisch hat ein braun gestrichenesGehause; die Klaviaturbacken 
sind mit Einlagen von verschiedenartigen Holzern (NuB-, Ahorn- und 
Ebenholz) verziert. Umfang der beiden Manuale: C c :i (je vier Oktaven), 
des Pedals: C — c 1 (zwei Oktaven); die tiefsten Obertasten Cis sind -- wie 
iibrigens auch meist auf G. Silbermann'schen Orgeln — fortgelassen. 
Die Spielbank ist mit schwarzem Leder iiberzogen. 

Die Disposition, die sich aus den Aufschriften auf den Register- 
knopfen ergibt, ist nicht mehr die urspriingliche, sondern ist bei der 
letzten Reparatur des Werkes durch Friedrich Ladegast in WeiBenfels 
i. J. 1867 etwas modernisiert worden (vgl. u.). Bei dem Umbau der 
Johanniskirche (1893/94) wurde die alte Orgel abgebrochen und Herrn 
Paul de Wit in Leipzig uberwiesen. Eine Aufstellung des gesamten, 
21 Stimmen enthaltenden Werkes erwies sich wegen des WurmfraBes 
in den Windladen und Holzpfeifen als unmoglich, doch wurden zur 
Verkleidung des Spieltisches einige noch unversehrte Teile des alten 
Orgelgehauses benutzt. Abbildung auf Seite 321. 

Der unscheinbare Spieltisch ist von hohem musikgeschichtlichem 
Interesse, da die Orgel von J o h. Seb. Bach gepriift und „nach der 
strengsten Untersuchung, die vielleicht jemals uber eine Orgel ergangen 
ist, von dem Hrn. C. M. [Capellmeister] J oh. Seb. Bach und dem 
Hrn. Zach arias Hildebrand 1 ) fur untadelhaft erkannt worden". 
(Vgl. Adlung, „Musica mechanica Organoedi", Berlin 1768, Th. I. 
S. 251.) Wahrscheinlich hat Bach auch noch spater auf dem von ihm 
so geruhmten Werk bisweilen gespielt.") Eine friihere Erwahnung dieser 

J ) Vgl. iiber ihn Seite 231 u. 232 des Katalogs. 

z ) Die Bemerkung in der „Zeitschrift der I. M. G." Jahrgang I, Seite 208: 
,,Bach hat auf dieser Orgel bis zu seinem Tode jeden Sonntag gespielt und da 
St. Johann damals die Spitalkirche war, auch bei jedem feierliehen Begrabnisse", muB 
auf einem Irrtum beruhen, da dies ja Funktionen des standigen Organisten (Johann 
George Hi lie; vgl. folgende Seite) waren. In dem betreffenden Aufsatz iiber die 
Bachorgel heifit es weiter: „Man umzaunte spater die Orgelbank durch ein Holzgitter, 
weil die Touristen haufig Andenken herauszuschnitzeln versuchten. Beim Erneuerungs- 
bau der Johanniskirche wurde die Orgel entfernt, nachdem sie jahrelang unbeniitzt 
gestanden hatte ; sie sollte in der Taufkapelle der neuen Kirche wieder aufgestellt 
werden, wo sie aber bei ihrer Hohe von 6,5 Metern nicht den geniigenden Platz fand." 



320 



Orgel-Spieltisch No. 262 



Orgelprobe findet sich in dem Nekrolog Bachs, der in L. Chr. Mizlers 
„Musikalischer Bibliothek", 4. Band (Leipzig 1754, l.Th., S.172) enthalten 
ist: „. . . er kannte auch den Bau der Orgeln aus dem Grunde. Das 
. . . bewies er sonderlich, unter andern, einmal bey der Untersuchung 
einer neuen Orgel, in der Kirche, ohnweit welcher seine Gebeine . . . 
ruhen. 1 ) Der Verfertiger dieses Werks war ein Mann, der in den 
letzten Jahren seines hohen Alters stand. Die Untersuchung war viel- 
leicht eine der scharfsten, die jemals angestellet worden. Folglich ge- 
reichte der vollkommene Beyfall, den . . . Bach iiber das Werk 
offentlich ertheilete, so wohl dem Orgelbauer, als auch ... Bach en 
selbst, zu nicht geringer Ehre." 

Die urspriingliche Disposition der Orgel ist in der „Sammlung einiger Nach- 
richten von beriihmten Orgel-Wercken in Teutschland .... Bresslau, verlegts Carl 
Gottfried Meyer, 1757" mitgeteilt (Seite 56); sie lautet: 



Orge 



Hanptwerck. 



1. Quintathoen 

2. Princ. 

3. Gedackt 

4. Spiel pfeiff 

5. Octav 

6. Octav 

7. Quinta 

8. Octav 

9. Cornetto 
10. Mixtnr 



In Oberwerck. 



1. Quintathoen 

2. Lieblich Gedackt 

3. Spielpfeiff 

4. Princ. 

5. Hohlflot 

6. Weitpfeiff 

7. Octav 

8. Tertia 



„Die 
zu St. Johannis vor Leipzig 
hat 22. Stimmen. 



16 Full 
8 
8 
4 
4 
2 
3 
1 

2 fach. 
4 fach. 



8 FuB. 

8 

4 

4 

3 

1 

2 

2 



fach. 



Pedal. 



1. Posaun 

2. SubbaB 

3. Trompet 

4. Violon 



16 FuB. 
16 

8 
8 



1. Separatio, oder Copel zum 
Pedal und Manual. 

2. Tremulant. 

3. Ventil zum Hauptwerck. 

4. Ventil zum Oberwerck. 

5. Calcanten-Glocklein. 

Als etwas besonders ist bey diesem 
Wercke anzumercken, daB durch 
Verbindung eines Zuges auf ei- 
nen Clavier das Piano und 
Forte, gantz auBerordentlich wohl 
sich tractiren lasset. 

Dieses Werck hat 3. Balge, ist von 
1742. bis 1744. von Johann 
Scheibe erbauet worden. Orga- 
nist darbey ist Johann George 
Hi lie." 



Die Veninderungen der Disposition, die bei den spateren Reparaturen vor- 
genommen wurden, sind nur geringfugig: im Hauptwerk wurde Octav 1' entfernt und 
dafilr Viola d'amour 8' (ein Lieblingsregister von Ladegast) eingesetzt, im Oberwerk 
das Terzregister durch ein Flauto traverso 4' und im Pedal Trompet 8' durch Oktav- 
baB 8' ersetzt. 

Vgl. ferner „Zeitschrift fur Instrumentenbau", XX. Band (1899-1900), S. 990, 
wo sich auch eine Abbildung des alten Prospektes findet: „Das Gehause ist 3 m hoch, 



') Bekanntlich wurde Bach am 31. Juli 1750 auf dem Johanniskirchhofe, der 
neben der Johanniskirche lag, beerdigt. Seine Grabstatte verfiel und geriet bei der 
Auflosung des alten Friedhofes vollig in Vergessenheit, bis bei dem Erneuerungsbau 
der Kirche i. J. 1894 seine Gebeine aufgefunden und unter dem Altar der neuen 
Kirche in wiirdiger Weise neu beigesetzt wurden. 



321 




No. 262. Spieltisch 
der von Johann Scheibe 1742—44 erbauten Orgel der Johanniskirche zu Leipzig. 

Text: Seite 319. 



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Orgel-Spieltisch No. 262. — Klaviaturen No. 263 u. 264 ^ 323 

3,50 m breit und 2,50 m tief. Urspriinglich hatte das Werk 22 klingende Register, 
doch ist bei einer spateren Reparatur das schone Glockenspiel, das in der Regel an 
hohen Festtagen gespielt wurde, und von dem Albrecht in seiner »Kirchen- und 
Predigergeschichte« am Ende des 18. Jahrhunderts zu erzahlen weiB, entfernt worden. 

Die Orgel ist in den Jahren 1742 — 1743 von Johann Scheibe, dem beruhmten 
»Orgelmacher der Leipziger Universitat*, der bereits 1715 das schone Werk fur die 
Universitatskirche St. Pauli fertiggestellt hatte, erbaut worden. Nach Riemer's Chronik 
wurde am 1. Juni 1742 die alte Orgel »abzureiBen angefangen«, und am 2. Juni 1743 
»ist die neue Orgel zum ersten Male, jedoch noch nicht ganz verfertigt gespielt 

worden « Ueber die Bezahlung der Orgelbauer entspann sich 1744 zwischen 

Scheibe und dem Rathe der Stadt Leipzig ein langer Streit. Zwar war vorher ein 
Kontrakt geschlossen worden, worin 625 Thaler ausgemacht waren und Scheibe dabei 
noch die fruhere Orgel und auch Theile einer alten Thomas-Orgel mit in Zahlung 
nehmen sollte; aber Scheibe verlangte mehr und gab an, der kiirzlich verstorbene 
Vorsteher des Johannishospitals, Baumeister Sieber, habe ihn mi'mdlich beauftragt, noch 
einige Register anzubringen, die in dem Kontrakt nicht vorgesehen worden waren. 
Der Rath wollte zuerst diese miindliche Abmachung nicht gelten lassen, zahlte aber 
schlieBlich, urn dem Streite ein Ende zu machen, im April 1745 noch 250 Thaler 
iiber die ausgemachte Summe hinaus. 

Im Jahre 1786 wurde die Orgel durch die Gebriider Trampeli umgebaut und 
vervollstandigt. Die letzte Reparatur erfolgte 1867 durch Orgelbaumeister Friedrich 
Ladegast in WeiBenfels a. S. Das Werk ist bis zum Abbruche der alten Johannis- 
kirche im Jahre 1894 standig [?] im Qebrauche gewesen." - Nachzutragen ware, daB 
Scheibe beim Bau der Orgel die noch brauchbaren Bestandteile der von ihm i. J. 1740 
abgetragenen altesten Orgel der Thomaskirche aus dem Jahre 1489 verwandte; vgl. 
Ph. Spitta, „Joh. Seb. Bach", 2. Band (Leipzig 1880), S. 113/114. 

Ueber die neben dem Spieltisch aufbewahrten Reliquien aus der alten Thomas- 
schule zu Leipzig (Hausnummerschild, Hausschelle und guBeiserne Herdplatte) vgl. 
die Abteilung „ Reliquien und Verschiedenes" im 2. Bande des Katalogs. 



No. 263. Viermanualige Klaviatur 

von der ehemaligen, durch Jakob Courtain 1793—1797 erbauten Orgel 
der Marienkirche zu Osnabriick. — Die hiibsch ausgestattete Klaviatur 
ist in Ebenholz fourniert und an Backen und Vorsetzbrett mit Einlagen 
aus Rosenholz verziert. Zu beiden Seiten der Backen war die Einrichtung 
der Koppeln angebracht. Umfang der vier Manuale: C— f 3 (je vier 
Oktaven und Quarte). — Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Ober- 
tasten mit Bein belegt. 

Breite 85 cm, Tiefe 74 cm, Hohe 41 cm. 

Die Courtain'sche Orgel hatte - It. frdl. Auskunft des Herrn Organisten Oeser 
in Osnabriick — 46 klingende Stimmen und besaB iiber 3000 Pfeifen ; die Baukosten 
betrugen 5500 Thaler. Die Orgel wurde bei der 1901—03 vorgenommenen Restau- 
rierung der Marienkirche abgebrochen, und ein neues Werk mit 55 klingenden Stimmen 
von Gebriider Rohlfing in Osnabriick erbaut. 

No. 264. Viermanualige Klaviatur 

von der ehemaligen, i. J. 1902 abgebrochenen Orgel der Nikolaikirche 
zu Leipzig; It. vergoldeter Inschrift von „F. LADEGAST 1863" erbaut. 
Das Gehause der Klaviatur ist schwarz poliert; Umfang wie bei No. 263. 
Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 
Breite 81 cm, Tiefe 82 cm, Hohe 40 cm. 

Die Orgel der Nikolaikirche war von Ladegast in den Jahren 1859- 1863 erbaut 
worden und besaB 85 Stimmen. (Vgl. Riemanns ,,Musik-Lexicon", Leipzig 1909, 
S. 778). Ueber die alteren Orgeln der Kirche vgl. No. 306 des Katalogs. (Seite 329.) 



324 Slg^^^^lia Orgel-Spieltisch No. 265 



No. 265. Spieltisch 

der friiheren Orgel der Marienkirche zu Berlin nach dem i. J. 1893/94 
erfolgten Umbau durch Schlag & Sohne in Schweidnitz. Der (pneu- 
matische) Spieltisch besitzt drei Manuale und Pedal; er enthalt Register- 
ziige fur 53 klingende Stimmen, 20 Koppeln und Nebenzuge, 25 son- 
stige Knopfe und 22 Tritte. Die Manuale liegen nach franzosischer Art 
steii iibereinander; die Pedalklaviatur verlauft in konkaver Richtung. 
Breite 1,78 m, Tiefe 90 cm, Hohe 1,16 m. 

Ueber die Geschichte der Marien-Orgel zu Berlin berichtet ein von Otto 
Dienel (s. u.) verfafites Konzertprogramm „zur 150jahrigen Jubel-Feier der Orgel" 
(Berlin, 12. Mai 1873): 

„Die friiheste Erwahnung einer Orgel in der St. Marien-Kirche fallt unter die 
Regierung des Kurfursten Johann Georg in's Jahr 1579. Dieselbe hatte 400 Pfeifen 
und 9 Register. Im Jahre 1670 wird von einem groBeren drei-manualigen Werke 
berichtet, welches „der Orgelmacher Christoph Werner vorfreien Tisch und lOOThlr." 
reparirt und mit zwei neuen Balgen versehen hat, so daB deren nun acht waren. 

Im Jahre 1719 wurde aber dieses Werk fiir vollig unbrauchbar zur Erfiillung 
seines Zweckes gehalten, und da die Wittwe Still erin, geborene Betzin (Stiller, geb. 
Betz), zum Baue einer neuen Orgel 1500 Thlr. geschenkt hatte, so wurde noch in 
demselben Jahre ein Contract mit dem Orgelbauer Joachim Wagner abgeschlossen, 
nach welchem er fiir 2000 Thlr. das Werk zu bauen versprach. Im Herbste des 
Jahres 1719 wurde das Werk begonnen und im Fruhjahre 1723 wurde es vollendet. 1 ) 
Den 12. Mai 1723 haben die Herren Adrian Lutterodt, Organist an St. Nicolai, 
Johann Fried r. Walther von der Garnison-Kirche und J oh. Dietrich Wiedeburg 
von St. Marien die Orgel abgenommen und gefunden, daB ,,alles, wie es Name haben 
mag, nach dem vorgeschriebenen Contracte von dem Orgelmacher Hrn. Joachim Wagner 
gut und tiichtig gemachet sei." — AuBer diesem Meisterwerke baute der Orgelbauer 
Wagner noch folgende Werke: 1) die Orgel in der hiesigen Garnison-Kirche 1724 — 25, 
2) die alte Orgel in der Garnison-Kirche zu Potsdam 1723, welche 1730 der Jerusalemer 
Kirche in Berlin durch Friedrich Wilhelm I. geschenkt wurde, 3) die Orgel in St. 
Georgen, 4) die alte Orgel auf dem Friedrichs-Werder in Berlin, 5) die Orgel in der 
Parochial-Kirche, 6) in der franzosischen Kirche in der KlosterstraBe, 7) im Friedrichs- 
Hospital, und 8) 1732 die neue Orgel in der Garnison-Kirche zu Potsdam. 

Als im Jahre 1800 der Abt Vogler nach Berlin kam, wuBte derselbe den 
damaligen Organisten Sei del an St. Marien fiir sein Simplifications-System zu interes- 

siren [vgl. Ledeburs ,,Tonkiinstler-Lexicon Berlins" S. 623]. Es sei erwahnt, 

daB auf seine Veranlassung durch den Orgelbauer Falkenhagen von den 2556 Pfeifen, 
welche die Orgel enthielt, 1555 herausgenommen, und daB von den iibrigen 1001 
Pfeifen viele zu anderen Registern umgearbeitet worden sind. Gegen diese miBlungene 
Umgestaltung erhoben sich jedoch bald viele Stimmen, und im Jahre 1829 wurde die 
Orgel wieder in ihrer ursprtinglichen Gestalt mit nur geringen Aenderungen durch 
den Orgelbauer Buchholz hergestellt." — Ueber den letzten groBen Umbau, der 
i. J. 1893/94 nach Planen des Organisten Otto Dienel (geb. 1839, gest. 1905) von 
Schlag & Sohne in Schweidnitz unter Beibehaltung eines Teils der Laden und 
des Pfeifenwerks nnternommen wurde, vgl. den ausfiihrlichen Bericht im XIV. Band 
(1893-94) der „Zeitschrift fiir Instrumentenbau" S. 95 u. 97). Im Jahre 1908 wurde 
die Orgel durch Wilhelm Sauer in Frankfurt a. O. abermals umgebaut, wobei Wind- 
laden, Geblase und Regierwerk erneuert, das Pfeifenwerk und die Intonation aber 
beibehalten wurden. 

Die Ueberlassung des Schlag'schen Spieltischs verdankt das Museum der frdl. 
Vermittlung des damaligen Militarintendantur-Referendars Herrn Hermann Mund in 
Potsdam. 



') [Die 40 Stimmen umfassende Disposition ist in der „Sammlung einiger Nach- 
richten von beriihmten Orgel-Wercken" (Bresslau 1757, S. 3 u. 4) abgedruckt.] Wagner 
wurde zu Charo im Magdeburgischen geboren und starb etwa 1750 zu Berlin. Vgl. 
iiber inn und seine Orgeln die Aufsatze von Hermann Mund in No. 13 — 15 des 
22. Jahrgangs der ,,Zeitschrift fiir Instrumentenbau". 



Prospektpfeifen No. 266—271 ^^^^^ 325 



ORGEL-PROSPEKTPFEIFEN. 

No. 266. Prospektpfeife 

von der um die Mitte des 16. Jahrhunderts erbauten alten Orgel der 
Kirche zu Helmighausen in Waldeck. Die Pfeife ist aus Metall (Zinn 
mit starker Bleilegierung). Am Labium ist ein ehemals vergoldetes 
getriebenes Zinnornament in Form einer Maske und in der Mitte 
der Pfeife eine ebenso ausgefiihrte Krone aufgelotet. — Die Tonhohe 
ist ungefahr kl.-d; wahrscheinlich war die Pfeife die tiefste Pfeife des 
4-PrinzipaIregisters. 
Hohe 1,29 m. 

Abbildung auf Seite 322. 

No. 267, 268, 269. Drei Prospektpfeifen 

von der durch Urban Heussler und Leonhart Kurtz in Munch en um 1595 
erbauten alten Orgel der St. Michael-Hofkirche zu Miinchen 1 ). Die mit 
Goldornamenten bemalten Pfeifen sind aus Holz und von runder Form; 
sie sind „gedackt", d. h. ihre Miindung ist mit belederten Holzstdpseln 
verschlossen. Ihre Tonhohe ist: H, fis, gis, was etwa A, e, f is der 
„Kammerton"-Stimmung entspricht. 
Hohe: 90, 64, 63 cm. 

No. 270. Prospektpfeife 

von einer alten Orgel der Frauenkirche zu Miinchen; aus der Wende 
des 16. Jahrhunderts. Die Pfeife ist aus Metall (Zinn mit starker Blei- 
legierung) und hat spiralformig gewundene Form ; die Vorderseite ist 
silberbronziert. Ihre Tonhohe ist c 1 . 
Hohe 89 cm. 



No. 271. Prospektpfeife 

aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Die Pfeife ist aus Metall (Zinn mit 
starker Bleilegierung). Das Labium ist mit einer vergoldeten Manner- 
maske bemalt. — Die auffallend weite Mensur lafit vermuten, daB die 
Pfeife urspriinglich langer gewesen ist; die Tonhohe ist daher nicht 
bestimmbar. 

Hohe 68 cm. 



') Die Angabe der Namen der Erbauer verdankt das Museum der Freundlich- 
keit des Herrn Hoforganisten Ludwig Felix Maier zu Miinchen, der folgende Mit- 
teilungen machte: „Die erste Orgel in der St. Michaelshofkirche wurde um 1595 erbaut 
von Urban Heussler und Leonhard Kurtz in Miinchen. Fur die vorausgehenden 
Jahre war jedoch die Orgel aus der damaligen Lorenzerkirche im Alten Hof aufgestellt, 
auf welcher noch Orlando di Lasso gespielt hat. Die Orgel Heusslers bestand aus 
zwei getrennten Werken. — Das zweite Orgelwerk zu St. Michael stamnit aus dem 
Jahre 1697, und ist in diesem Werke nur die Vereinigung der vorher aus zwei kleineren 
gesonderten Orgeln zu einem grofien Orgelwerk zu ersehen. Der Name des Erbauers 
dieser Orgel ist leider nicht genannt. Zuletzt wurde diese (zweite) Orgel im Jahre 1812 
durch [Abt] Qeorg Vogler nach seinem Simplificationssystem umgebaut." 



326 ^^^^^ Prospektpfeifen No. 272—285 

No. 272, 273, 274. Drei Prospektpfeifen 

aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Die Pfeifen sind aus Metall (Zinn mit 
starker Bleilegierung) und mit Goldornamenten und Engelskopfen auf 
schwarzem Grunde bemalt. Ihre Tonhohe ist: d, fis 1 , g 1 . — Ein am 
Pfeifenkorper von No. 272 angelotetes Stuck deutet auf urspriinglich 
hohere Stimmung hin (vergl. No. 285). 
Hone: 1,52 m, 86 cm, 83 cm. 

Abbildung von No. 272 auf Seite 322. 

No. 275, 276. Zwei Prospektpfeifen 

von der durch Heinrich Compenius aus Nordhausen i. J. 1604 er- 
bauten alten Orgel im Dom zu Magdeburg. Die Pfeifen sind aus Metall 
(Zinn mit starker Bleilegierung) und mit gepreBten Verzierungen und 
Windungen versehen; No. 275 ist vergoldet. Ihre Tonhohe ist d 1 und h 1 . 

Hohe 69 und 50 cm. 
Die 42 Stimmen umfassende Original-Disposition dieser Orgel ist abgedrnckt 
in Praetorius' „Organographia", p. 172/173 und in spaterer Form in der „Samm- 
lung einiger Nachrichten von beruhmten Orgel-Wercken" (Bresslau 1757, S. 61 62) sowie 
in Adlungs „Musica mechanica Organoedi", Bd. I, S. 253/254. — Eine ausfiihrliche 
Geschichte der Magdeburger Domorgel enthalt die Abhandlung „Die Orgelwerke 
Magdeburgs einst und jetzt" von R. Palme im 29. Jahrgang (1909) der ,,Zeitschrift 
fur Instrumentenbau", No. 10 f. 

No. 277, 278, 279, 280, 281. Fiinf Prospektpfeifen 

von der durch Rau aus Joachimsthal i. J. 1636 erbauten alten Orgel 
der Bergkirche bei Schleiz. Die Pfeifen sind aus poliertem Zinn und 
mit gepreBten spiralformigen Windungen versehen; die tiefste Pfeife 
ist mit schildartigen Ausbeulungen verziert. Ihre Tonhohe ist: D 
oder Dis (diese Pfeife ist von auffallend weiter Mensur und gehorte 
anscheinend zu einem Pedalregister [Principal- oder OktavbaB]), c und 
cis (die tiefsten Pfeifen des Oktav- [4'] Registers) und f 1 und fis 1 . 

Hohe: 2,82 m, 1,73V 2 m, 1,68 m, 1 m, 89 cm. 
Die Orgel der Bergkirche bei Schleiz wurde — It. frdl. Auskunft des Herrn 

Hoforganisten W.Venus in Schleiz — durch die Gebriider Trampeli in Adorf 

i. J. 1777 restauriert. 

No. 282, 283, 284. Drei Prospektpfeifen 

von der im 17. Jahrhundert erbauten alten Orgel des ehemaligen Nonnen- 
klosters Kentrop bei Hamm i. Westf. Die Pfeifen sind aus Metall (Zinn 
mit starker Bleilegierung); sie sind mit gepreBten Windungen verziert 
und weisen graugriinen Oelfarbenanstrich auf. Ihre Tonhohe entspricht 
etwa c, f, g, ist jedoch nicht genau bestimmbar, da die Pfeifenmundungen 
zerstort sind. 

Hohe: 1,33 m, 90 cm, 86 cm. 
Die Klosterorgel wurde zu Anfang des 19. jahrhunderts von der altreformierten 
Qemeinde zu FHerich i. Westf. angekauft. 

No. 285. Prospektpfeife 

von der i. J. 1654 erbauten alten Orgel der St. Anna-Kapelle in Olmutz. 
Die Pfeife ist aus poliertem Zinn und mit gepreBten schlangenartigen 
Windungen verziert. Ihre Tonhohe ist a; ein am Pfeifenkorper an- 
gelotetes Stuck beweist, daB die Orgel spater in tiefere („Kammerton"-) 
Stimmung gebracht worden ist. 
Hohe 1,05 m. 



Prospektpfeifen No. 286-294 ^^^^^ 327 

No. 286, 287, 288. Drei Prospektpfeifen 

von der i. J. 1687 erbauten alten Orgel der SchloBkirche zu Darmstadt. 
Die Pfeifen sind aus Metall (Zinn mit starker Bleilegierung) und mit 
vergoldeten Bemalungen verziert. Jede Pfeife tragt auf rotem Schilde 
verschiedene Initialen: die groBte „M: I.OM/'M: I O G", die mittlere 
„I C I", die kleinste „I K"; wahrscheinlich sind dies die Initialen der 
Stifter der Orgel. Die groBte Pfeife ist auBerdem in der Mitte mit 
einem gemalten Familienwappen, unter dem sich die Jahreszahl „1 687" 
befindet, geschmuckt. Um die Labien der drei Pfeifen sind bartige 
Mannermasken gemalt; der Aufschnitt stellt den Mund dar. Die Ton- 
hohe ist: D, cis, d. 

Hohe: 2,50 m, 1,52 m, 1,47 m. 

Abbildung von No. 288 auf Seite 322. 
No. 289. Prospektpfeife 

von einer alten Dresdener Orgel aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. 
Die Pfeife ist aus poliertem Zinn und mit gepreBten spiralformigen 
Windungen verziert. Ihre Tonhohe ist dis'. 

Hohe 85 cm. 

No. 290, 291. Zwei Prospektpfeifen 

von der durch Zacharias Tayfsner i. J. 1702 erbauten alten Orgel im 

Dom zu Merseburg. Die Pfeifen sind aus poliertem Zinn und mit 

gepreBten spitzbogen-, rauten- und schildartigen Verzierungen versehen. 

Ihre Tonhohe ist d und a. 

Hohe 1,29 m und 1 m. vt „ „ . 

Abbildung von No. 290 auf Seite 322. 

Der Name des Erbauers ist in Gerbers „Neuem.. Lexikon der Tonki'mstler" 
(1812—14), 4. Theil, Sp. 330 mitgeteilt. Die Disposition der Orgel, die 4 Manuale 
und 75 Stimmen besaB, ist in Ad lungs „Musica mechanica Organoedi", I. Bd., 
S. 255—57 abgedruckt. 

No. 292, 293. Labium und Aufschrift (in Gipsabdrucken) 

der groBten Prospektpfeife von der durch Andreas Silbermann in StraB- 
burg 1714 — 16 erbauten Orgel des StraBburger Mtinsters. Die auf dem 
Mantel der Pfeife eingravierten lateinischen Inschriften (Psalmspriiche 
und Namen der Zeugen) beziehen sich auf die Uebernahme der Orgel 
i.J. 1716, wahrend das Labium folgende charakteristische Inschrift tragt: 
,,Bombarde par les Allemands / Aoiit — Sept. 1870, I restaure crux 
ordres dc Gu stave Klotz I Architecte de F Oeuvre Notre-Damc I par Wetzel 
freres a Strasbourg / 1873 I Vive la France!" 

Die beiden Gipsabdriicke sind ein Geschenk an P. de Wit seitens des Orgelbau- 
meisters H. Koulen in Oppenau i. Baden, der unter Beibehaltung des alten Prospekts 
1896 ein neues Werk erbaute. 

Die ,,ganz nach franzosischem Zuschnitt gebaute" Orgel enthielt 39 Stimmen 
und 2242 Pfeifen. Ueber ihre Geschichte vgl. den ausfiihrlichen Aufsatz „Strafiburgs 
bedeutendste Orgelwerke aus alter und neuer Zeit" von J. F. Emil Rupp in No. 31 
des 21. Bandes der ,,Zeitschrift fur Instrumentenbau". 

No. 294. Prospektpfeife 

von der durch Johann Scheibe 1742—44 erbauten alten Orgel der 
Johanniskirche zu Leipzig. Die Pfeife ist aus poliertem Zinn und mit 
spiralformigen Windungen verziert, d. h. aus einzelnen Streifen zusammen- 
gelotet. Ihre Tonhohe ist etwa f 1 . 

Hohe 74 cm. 

Ueber die Orgel der Leipziger Johanniskirche vgl. No. 262 des Katalogs. 



328 ^^Prospektpfeifen u. Posaunenstimmen No. 295-299 1 



No. 295. Prospektpfeife 

von der durch Schweinfleisch in Leipzig i. J. 1772 erbauten alten 
Orgel der Thomaskirche zu Leipzig. Die Pfeife ist aus poliertem Zinn 
und mit gepreBten spiralformigen Windungen verziert. Ihre Tonhohe ist c 1 . 

Hohe 83 cm. 
Ueber die alten, von Bach benutzten Orgeln der Leipziger Thomaskirche vgl. 
den ausfiihrlichen Bericht in Ph. Spittas „Johann Sebastian Bach", 2. Band 
(Leipzig 1880), S. Ill f. 1 ) und F. A. Herrmanns „Fiihrer durch die Thomas-Kirche 
in Leipzig" (Leipzig, ca. 1890, Seite 32). — Die Orgel von Schweinfleisch blieb 
iiber hundert Jahre im Gebrauch und wurde erst 1887 abgebrochen. 

No. 296, 297. Zwei Prospektpfeifen 

von der durch Johann Rusch in Leitmeritz i. J. 1777 erbauten alten 
Orgel der katholischen Kirche zu Schirgiswalde in Sachsen.') Die Pfeifen 
sind aus (ziemlich gutem) Metall; sie sind spiralformig gewunden und 
mit schildartigen Ausbeulungen verziert. Ihre Tonhohe ist: es 1 , e\ 
Hohe 83 und 80 cm. 



Verschiedenes zur Abteilung „Orgeln". 

No. 298. Posaunenstimme (32') 

von der durch Zacharias Hildebrand i. J. 1743 erbauten alten Orgel 
der Wenzelskirche (Kirche zu St. Wenceslai) zu Naumburg a. S. 
Diese „PosaunenbaB-Stimme" hat nicht nur holzernen Korper (Kopf und 
Kehle), sondern auch die aufschlagende Zunge ist aus Holz; doch war 
sie zweifellos urspriinglich aus Metall und ist erst spater durch Holz 
ersetzt worden. — Vgl. die folgende No. 
Hohe 47 cm. 

No. 299. Posaunenstimme (32'), 

ebenfalls von der alten Orgel der Wenzelskirche zu Naumburg a. S. 
a. d. J. 1743. Der Kopf ist von Holz; die Kehle, die zur Erzielung 

eines weicheren Tones mit weiBem Leder iiberzogen ist, und die auf- 
schlagende Zunge 3 ) sind von Messing. 

Hohe 3772 cm. 
Die erste Orgel der Naumburger Wenzelskirche mit 44 Stimmen war von dem 
Merseburger Orgelbauer Zacharias Tayssner (vgl. No. 290 u. 291) i. J. 1700 erbaut 
worden; ihre Disposition ist in Ad lungs „Musica mechanica Organoedi", Bd. I, 

') Der Name des Erbauers und die Zeit der Erbauung der groBeren der beiden 
Thomaskirchenorgeln scheinen Spitta nicht bekannt gewesen zu sein. Aus Gerbers 
„Neuem Lexikon der Tonkiinstler" (1812 — 14), 4. Theil, Sp. 160 geht hervor, daB 
diese 1525 von der Thomaskirche angekaufte Orgel von Joachim Schund i. J. 1356 
fur ein ,,unweit Leipzig liegendes .... Monchskloster" (Antonier-Monchsstift zu 
Eicha) erbaut worden ist. Dieses Werk wurde iibrigens von dem oben erwahnten 
Schweinfleisch durch Anbau eines Riickpositivs und eines Pedals in den Jahren 
1755/56 vergroBert (vgl. Gerber, a. a. O.). 

2 ) Vgl. »Chronik von Schirgiswalde" 1905. Die Orgel wurde ■ laut freundl. 
Auskunft des Herrn Kantor Weiler i. J. 1898 abgebrochen und durch ein neues 
Werk von Hermann A. Eule in Bautzen ersetzt. 

3 ) 32fiiBige Zungenstimmen werden heute meist einschlagend mit halber Hohe 
des Schallkorpers konstruiert. 



Posaunenstimmen, Orgelpfeifen u. Orgelbank No. 299— 306 ^a 329 

S.262 abgedruckt. Sie erwies sich aber bald als mangelhaft, so daB sie von Zacharias 
Hildebrand in Leipzig „in eine ganz andere Form" gegossen werden muBte; „man 
konnte davon nichts brauchen als das Gehause". Die von Hildebrand neu erbaute 
Orgel hatte 52 Stimmen; ihre Disposition ist ebenfalls bei Adlung (a. a. O., S. 263/64) 
zu finden. Es heiBt dort S. 264: 

„Im Pedale. 

1. PosannenbaB 32 FnB. 

die Korper v. Holz". 

Im Jahre 1747 wnrde iibrigens Jo h. Sebastian Bachs Schwiegersohn, 
Joh. Christoph Altnickol (gest. im Juli 1759), Organist an der Wenzelskirche. 

No. 300. Posaunenstimme (16) 

aus dem 18. Jahrhundert, wahrscheinlich ebenfalls von einer Hil de- 
bran dschen Orgel. Im ubrigen wie No. 299. 
Hohe 26 cm. 

No. 301, 302, 303. Drei Posaunenstimmen (16) 

aus dem 18. Jahrhundert; von der alten Orgel der Kirche zu Schwaney 
bei Altenbeken in Westfalen. Zwei Stimmen sind mit aufschlagenden 
Kupferzungen, die dritte mit einer Messingzunge versehen. 
Hohe 23, I6V2 und 14 cm. 

Die Schwaneyer Orgel wurde i. J. 1873 — It. frdl. Ausknnft des Herrn Lehrers 
Peim — von der Kirche in Grundsteinheim (Westfalen) angekauft. 

No. 304. (Aufschlagende Zungen-) Pfeife 

aus der ersten Halite des 18. Jahrhunderts, angeblich von einer Silber- 
mannschen Orgel. Die Pfeife, die zu einem „Vox humana"- Register 
zu gehdren scheint, ist aus Metall (Zinn mit Bleilegierung); der Aufsatz 
ist „halb gedeckt". Die Tonhohe ist schwer bestimmbar, diirfte jedoch 
der groBen Oktave (C — F) angehoren. 
Hohe 28V 2 cm. 

No. 305. Labialpfeife 

eines Flotenregisters; aus der Wende des 18. Jahrhunderts. Die Pfeife 
ist aus Metall und mit einer (primitiven) Expressions-Stimmeinrichtung 
versehen, die heute fur alle offenen Metallpfeifen angewendet wird: 
durch Aufrollen eines am Oberteil der Pfeife ausgeschnittenen Streifens 
ist die Stimmung regulierbar. Ihre Tonhohe ist c'. 
Hohe 43Va cm. 

No. 306. Orgelbank 

von der ehemaligen Orgel der Nikolaikirche in Leipzig; aus dem Ende 
des 18. Jahrhunderts. Die ehemals weiB gestrichene und mit empire- 
artigen Schnitzereien versehene Bank ist u. a. von Felix Mendels- 
sohn-Bartholdy bei Orgelstudien und Konzertauffuhrungen wieder- 
holt benutzt worden. 

Die alteste, anch von Bach ofters gespielte Orgel der Leipziger Nikolaikirche 
stammte aus den Jahren 1597—1598; sie wurde 1725 durch Johann Scheibe und 
in Bachs Todesjahr 1750durch Zacharias Hildebrand renoviert. Eine dreimanualige 
neue Orgel, zu der die vorliegende Bank gehorte, wurde 1790—1793 von den Briidern 
Johann Gottlob und Christian Wilhelm Trampeli aus Adorf im Voigtlande 



330 ^^^ Orgelbank u. -Registerteile No. 306-309 

erbaut und besafi 49 Stimmen. In den Jahren 1859 — 1863 errichtete Friedrich 
Ladegast aus Weifienfels ein neties viermanualiges Werk mit 85 Registern (vgl. No. 264), 
das im Friinjahr 1903 durch Wilhelm Sauer aus Frankfurt a. O. pneumatisch um- 
gebaut und auf 94 Register erweitert wurde. 

Laut frdl. Mitteilung des Herrn Musikdirektor C. Heynsen in Leipzig. Ueber 
die alten Orgeln vgl. Ph. Spitta, ,Joh. Seb. Bach" (2. Band, S. 116) und das Lexikon 
von Mendel-Reissmann (10. Band, S. 281). 

Orgelbank 

der von Johann Scheibe i. J. 1742—44 erbauten Orgel der Johannis- 
kirche zu Leipzig: siehe No. 262 des Katalogs. 

No. 307, 308. Zwei Registerzuge 

von der i. J. 1591 erbauten alten Orgel in Misselwarden bei Bremerhaven. 
Die Registerzuge sind aus Eichenholz und mit den hakenformigen 
Griffen aus einem Stuck geschnitzt. 

Laut frdl. Auskunft des Herrn Organisten Doscher verzeichnen die alten 
Kirchenbiicher und die Schulchronik von Misselwarden nur die einzelnen Stifter, 
nicht aber den Namen des Erbauers der alten Orgel. 

No. 309. (16) Registerplattchen und (7) RegisterknOpfe 

von einer Orgel aus dem 18. Jahrhundert. Die Plattchen sind aus schon 
ziseliertem versilberten Messingblech, die Knopfe aus Bein. Auf rotem 
Pliisch aufgezogen und in Altgoldrahmen gerahmt. 

FlQtenwerke, Flotenuhren, Vogelorgeln (Serin ettes) etc. 

siehe in Abteilung „Mechanische Musikinstrumente" (am Schlusse 
des 2. Bandes des Katalogs). 



--cxoJSio-- 



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ORGELARTIGE TASTENINSTRUMENTE 

mit Zungenstimmen. 

(Regale; Aeolinen, Physharmonikas und andere Vorlaufer 
des Harmonium; Harmoniums.) 

Zu der Gruppe der orgelartigen Instrumente mit Zungenstimmen zahlen 

alle in ihrer Konstruktion der Orgel verwandten Tonwerkzeuge, deren durch 

komprimierte Luft in Vibration versetzte Tonerreger nicht Labial- sondern 

nur Zungenstimmen sind. (Vgl. Seite 288 des Katalogs.) Die altesten zu 

dieser Familie gehorenden Instrumente, die mit auf schlagenden Zungen ver- 

sehenen Regale, sind bereits im 14. und 15. Jahrhundert im Gebrauch 

gewesen, wahrend Tasteninstrumente mit d urch schlagenden Zungen, zu 

denen vornehmlich das Harmonium und seine Vorlaufer (Aeoline, 

Aeolodikon, Physharm on ika) gehoren, erst im Anfang des 19. Jahr- 

hunderts erfunden wurden. 

* 

REGALE 

sind kleine tragbare Orgelwerke (Portative) mit einem aus aufschlagenden 
Zungenstimmen bestehenden Rohr- oder Schnarrwerk. Diese „Schnarrwerke", 
die sich in ihrer charakteristischen Klangfarbung von den weichen Floten- 
stimmen wesentlich unterscheiden, wurden im 16. Jahrhundert dem Pfeifen- 
werk der Orgel einverleibt. Die Zungenstimmen, die iibrigens gegen 

Witterungseinflusse auBerst empfindlich sind, werden durch kleine zwischen 
Keil und Zunge liegende messingene Schieber (sog. „Stimmkrucken"), mittels 
derer der schwingende Teil der Zungen verkurzt oder verlangert werden kann, 
in Stimmung gehalten. Zur Windbeschaffung dienen zwei an der Riickseite 
des Instruments liegende Faltenbalge, die durch erne zweite Person bedient 
werden miissen. 

Die Regale, die meist nur ein 8'-Register, seltener ein zweites (4'-) oder 
ein drittes (16-) Register besitzen, haben einen sehr scharfen durchdringenden 
Klang, der bei ungeniigender Konstruktion der Zungen oder der aufge- 
setzten Schallbecher einen oft unangenehm schnarrenden oder schreienden 



332 ^^^^^^ Regale No. 310 u. 311 



Charakter annimmt. Trotzdem waren sie besonders im 16. und 17. Jahr- 
hundert zahlreich verbreitet: sie fanden nicht nur in Kirchen sondern auch 
bei Fest- und Tafelmusiken in „Kays. Konig- Chur- und Furstlichen Capellen" 
zur Begleitung und Unterstiitzung des Gesanges Verwendung und wurden 
hierbei ihres langer anhaltenden Tones und ihrer leichteren Tragbarkeit wegen 
sogar dem Clavicymbel und auch dem Positiv vorgezogen. ') Das musikalisch 
feiner empfindende 18. Jahrhundert drangte sie mehr und mehr in den Hinter- 
grund, 2 ) und die zu Anfang des 19. Jahrhunderts gemachte Erfindung der 
Tasteninstrumente mit durchschlagenden Zungenstimmen lieB sie mit Recht 
ganzlich in Vergessenheit geraten. 

Eine ausfiihrliche Beschreibung der Regale bringt Praetor i us im 
XLV. Capitel seiner „Organographia". 

No. 310. Regal 

aus dem 17. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. Das Gehause 
des Instruments ist aus Eichenholz. Die Zungenstimmen liegen hinter 
der Klaviaturund sind durch eine mit durchbrochener Schnitzerei verzierte 
Leiste verdeckt. Diese Leiste dient gleichzeitig als Sehalldeckel und ist 
zur Schallverstarkung abhebbar; vgl. Praetorius' „Organographia" 
pag. 72: 
». .. .es kann auch, bald, mit Ueberlegung oder Zuschiebung des Deckels, ganz 

still, bald, wenn es wiederumb eroffnet wird, gar stark lautend gemacht, also, daB es 

sich unter einer vollen wolbestellten Music von Vocalisten und Instrurnentisten gar 

eigentlich herauBer vernehmen laBt." 

Die beiden an der Riickseite des Instruments liegenden Balge 
sind behufs leichterer Tragbarkeit des Instruments abnehmbar. — Umfang 
der Klaviatur, die zum Zwecke des Transponierens um einen ganzen 
Ton verschiebbar ist: C— c 3 (vier Oktaven); die tiefste Oktave ist „kurz". 
Die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind schwarz 
gebeizt. 

Lange 1,22 m, Breite 83 cm, Hohe 18 cm. 

Abbildung auf Seite 333. 
Das Instrument entspricht genau dem in Praetorius' „Theatrum In- 

strumentorum" auf Tafel IV No. 2 abgebildeten „Regahll". 

No. 311. Regal 

aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Gehause des hubschen Instruments ist dunkelgriin gestrichen und 
mit schonen aufgelegten Schnitzereien aus Lindenholz im Spatrenaissance- 
und Barockstil verziert; auch die Riickwand des prospektartigen Auf- 
baues und die Oberplatten der Balge sind in gleicher Weise ausgestattet. 
Die Zungenstimmen liegen nicht wie bei den meisten Regalwerken 
hinter der Klaviatur sondern stehen in stufenformiger Anordnung als 

') Vgl. Praetorius' ,,Organographia", Seite 72: ,,es kann auch nicht 

allein in Furstlichen Gemachern vor der Taffel und andern ehrlichen Conviviis, be- 
sondern auch in kleinen und groBen Kirchen fast besser als ein Positiff mit Lust 
angehoret und gebraucht werden". 

2 ) Mattheson spricht in seinem ,,Neu-Eroffneten Orchestre" (Hamburg 1713; 
Seite 263) „von den schnarrenden hochst eckelhafften Regalen ..." 



333 




No. 310. Regal aus dem 17. Jahrhundert. 

(Im Verhaltnis zu No. 311 in verkleinertem MaBstabe.) 

Text: Seite 332. 




No. 311. Regal 
aus der ersten Halfte des 18. Jahrhunderts. 

Text: Seite 332. 



334 



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Regale No. 311 u. 312 ^^§^^^^ 335 



Kronung auf dem Aufbau und sind mit den Tasten wie bei den Posi- 
tiven durch Zugdrahte und Wellenbrett verbunden. Die Zungen haben 
messingene Schallbecher als Aufsatze, wodurch die Tonstarke ganz 
betrachtlich erhoht wird. Zur Windbeschaffung dienen zwei hinter dem 
Gehause liegende Balge. Umfang der Klaviatur: C— h 2 (drei 

Oktaven und Septime); die tiefsten Obertasten Cis und Dis sind fort- 
gelassen. Die Untertasten sind mit Ebenholz belegt und von Elfenbein- 
adern durchzogen, die Obertasten haben Elfenbeinbelag. Die Stimmung 
steht eine kleine Terz hoher als Kammerton. 

Hohe 96 cm, Breite 1,18 m, Tiefe (einschlieBl. der Balge) 867-' cm. 

Abbildung auf Seite 333. 
Das Instrument ruht auf einem spater hinzugefiigten Tisch mit vier gedrehten 
Beinen. 

No. 312. Regal („Reise-Regal") 

aus dem 18. Jahrhundert; ohne Namen des Erbauers. Das Gehause 
ist aus Eichenholz. Das Instrument ist dem unter No. 310 beschriebenen 
Regal ahnlich, doch ist auch die Klaviatur abnehmbar und kann zwischen 
die mittels zweier Scharniere zusammenklappbaren Balge geschoben 
werden, so dati das ganze Instrument dann wie ein Koffer leicht tragbar 
ist. — Lage der Zungenstimmen und der Balge wie bei No. 310. Umfang 
der Klaviatur: C — a 2 (drei Oktaven und Sexte); die tiefste Oktave ist 
„kurz", die hochste Obertaste gis 3 ist fortgelassen. Die Untertasten sind 
mit Bein belegt, die Obertasten sind schwarz gebeizt. 

Lange 90 cm, Breite 65 cm, Hohe 9 cm. 
Als Erfinder derartiger zusammenlegbarer Regale, die besonders in Bibelform 

(sog. „Bibelregale"; vgl. Bemerkung zu No. 13) beliebt waren, gilt ein Nurnberger 

Orgelbauer Georg Voll (gest. urn 1565; vgl. Walthers „Musicalisches Lexicon", 

Leipzig 1732, S. 641). 



AEOLINEN, PHYSHARMONIKAS 

und andere Vorlaufer des Harmonium; 

HARMONIUMS. 

Wenn auch der Gebrauch von frei schwingenden oder durchschlagenden 
Metallzungen bereits lange bekannt war, so tauchte der Gedanke sie in Orgel- 
registern und spater in selbstandigen orgelartigen Tasten instrumen ten zu ver- 
wenden erst um die Wende des 18. Jahrhunderts auf. In ahnlicher Weise 
wie bei der Erfindung des Hammerklaviers wurden diese Versuche gleichzeitig 
von verschiedenen Seiten aufgenommen und verschiedentlich weiter entwickelt. 

Die friiheste Anwendung der durchschlagenden Zunge ist in Ostasien, 
in dem uralten chinesischen Blasinstrument Tscheng oder Tschiang zu 
suchen. Dieses besteht aus einer Anzahl (13—25) Pfeifen aus Bambusrohr, 



Vorlaufer des Harmonium 



die am FuBe mit frei schwingenden Metallzungen versehen sind und auf 
einem Windbehalter, zu dem meist ein ausgehohlter Flaschenkiirbis benutzt 
wird, aufgestellt sind; angeblasen wird das Tscheng mittels einer gansehals- 
artig gebogenen Rohre. Ein fast gleiches Instrument besitzen die Japaner in 
ihrem Sho 1 ); auch das in Siam und auf Borneo gebrauchliche Heem ist 
ahnlich beschaffen. 

In Anlehnung an das chinesische Tscheng, dessen Bekanntschaft ihm 
ein Akustiker, der danische Professor Kratzenstein, vermittelt hatte, kon- 
struierte der Petersburger Orgelbauer Kirsnik im Jahre 1780 die ersten 
Orgelregister mit durchschlagenden Zungen, die von Kirsniks Gehulfen, dem 
Orgelbauer C. G. Racknitz zu Stockholm, 1792 in eine von Abt Vogler 
erfundene mechanische Orgel, das Orchestrion, eingefiigt nnd spater auch in 
ahnlichen Musikwerken von Joh. Nep. Maelzl verwendet wurden. Durch 
Maelzls „Panharmonicon" lernte sie im Jahre 1807 der Pariser Orgelbauer 
Gabriel Jos. Grenie (geb. 1756 oder 1762 zu Bordeaux, gest. 1837 zu Paris) 
kennen, der die Erfindung einige Jahre spater fur seine „Orgues expressives" 
nutzbar machte. - Wahrscheinlich unabhangig von den Versuchen Kratzen- 
steins und Kirsniks, aber vielleicht beeinfluBt von einem im Jahre 1789 von 
Johann Jacob Schnell zu Paris erfundenen „Anemocorde" '-') hatte angeblich 
bereits im Jahre 1800 Joh. Tobias Eschenbach, Tiirmer an der Michaelis- 
kirche zu Hamburg — ausgehend von der im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, 
der Ossian-Zeit, ungemein beliebten A eo 1 s h a r f e — , ein „A eo 1 o d i o n" erfunden : 
„ein Tasteninstrument, welchem man die Tone aus gekrummten, freistehenden 
Metallfedern , die durch Windkanale, mittelst eines Balges, in Schwingung 
gebracht werden, entlockt. Der Spielende kann durch das Treten den Ton 
an- und abschwellen lassen."') In diesem Aeolodion, das ein Haupt- 
charakteristicum der spateren Instrumente, ein von dem Willen des Spielers 
beeinfluBtes dynamisches Abschattieren des Tons, aufweist, ist bereits ein 
unmittelbarer Vorlaufer des spateren Harmonium zu erblicken; allerdings 
ist es nicht erwiesen, ob das Instrument tatsachlich schon im Jahre 1800 er- 
funden worden ist. Etwa ein Jahrzehnt spater taucht der Name „Eschen- 
bach" zum zweitenmal in der Entstehungsgeschichte des Harmonium auf: 
der bayrische Rentamtmann Bernhard Eschenbach in Konigshofen im 



') Das Museum besitzt vier Exemplare von Tschengs und Shos; vgl. die Ab- 
teilung „Exotische Instrumente" am Schlusse des zweiten Bandes des Katalogs. 

2 ) Es war dies ein dreichorig besaitetes Tasteninstrument, dessen Saiten durch 
einen in Blasebalgen erzeugten Windstrom zum Schwingen gebracht wurden (vgl. All- 
gemeine Musikalische Zeitung", 1. Jahrgang [1798] Sp. 39-44). 

3 ) Vgl. Schneider, Wilhelm, „Historisch-technische Beschreibung der musi- 
calischen Instrumente", Neisse 1834; S. 120. Der Bericht soil in der „Nationalzeitung 
der Deutschen" Jhg 1816, S. 433 enthalten sein. 



Vorlaufer des Harmonium ^^^^^^^^^ 337 

Grabfelde (geb. 1769, gest. 1852) baute in Gemeinschaft mit seinem Vetter, 
dem dortigen Klavierbauer Kaspar Schlimbach') ein Tasteninstrument mit 
durchschlagenden Zungenstimmen, das er „Aeoline u nannte, und in Bernhard 
Eschenbach ist allem Anschein nach der eigentliche Erfinder des Harmonium 
zu erblicken. Aus einem ausfiihrlichen zeitgenossischen Bericht, der von 
Gleichmann im Jahre 1820 in der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung" 
(No 30 v. 26. July) veroffentlicht wurde, geht hervor, daB Eschenbach zur 
Konstruktion seiner Aeoline durch die unscheinbare Maultrommel (Aura oder 
Brummeisen) angeregt wurde — ein auBerst primitives Blasinstrument, in 
dessen hufeisenformig gebogenem eisernen Rahmen eine frei schwingende 
Zunge befestigt ist. In dem betreffenden Bericht heiBt es: 

„In Erwagung, dass die fest eingespannte Zunge dieses Instruments einen stets 
gleichen, unverstimmbaren Ton von sich gebe, der, bios durch den menschlichen 
Hauch, nach eben den Gesetzen, wie bey den Saiten der Aeolsharfe, nur willki'ihrlich, 
modificirt werde, glaubte er, dass mehre auf ahnliche Art eingespannte, groBe und 
kleine stahlerne Zungen, durch Blasebalge zur Ansprache gebracht einen stets gleichen 
Ton geben, und sich in die gebrauchlichen Tonverhaltnisse stimmen lassen miissten. 
Der Versuch wurde gemacht und er gelang. Mit Hiilfe des dortigen geschickten 
Instrumentenmachers, Hrn. Schlimmbach, wurde nun das erste Instrument dieser Art zu 
Stande gebracht, welches der Erfinder, wie er sagte, nach Anleitung des Wortes 
Violine, Aeoline nannte. Uneigenniitzig teilte er nun seine Erfindung einigen andern 
Kunstlern mit, namentlich Hrn. Voit in Schweinfurt, der dann mehre solcher Instrumente 
bauete, sie Aeolodikon nannte, und schon vor mehren Jahren mit einem derselben eine 
Reise nach Frankfurt machte." 

Eschenbachs Nachahmer Voit'-') blieb nicht ohne Nachfolger mit seinem 
Aeolodikon; in den nachsten Jahren tauchten noch verschiedene andere 
Instrumentenbauer auf, die sich Eschenbachs Erfindung nutzbar machten, ihren 
Instrumenten hochtonende griechische Namen verliehen und als eigene Erfindung 
ausgaben. In erster Reihe ist hier der Wiener Anton Haeckl zu nennen, der 
jahrzehntelang unverdient als Eriinder des Harmoniums gait; das von ihm im 
Jahre 1818 konstruierte ziemlich unvollkommene Instrument, fur das er 1821 ein 
fiinfjahriges Patent erhielt, taufte er Physharmonika, und diese Bezeichnung 
blieb bis in die vierziger Jahre fur alle nach ahnlichem Prinzip konstruierten 
Instrumente vorherrschend. Schon viel vorgeschrittener in der Bauart war das 



') Vgl. Seite 261 des Katalogs. Kaspar Schlimbach wird meist (z. B von 
Fetis, Grove und auch Li'ickhoff) mit dem Orgelschriftsteller Georg Christian 
Friedrich Schlimbach (geb. 1760 zu Ohrdruf) verwechselt, der an der Erfindung des 
Harmonium ganz unbeteiligt ist 

2 ) Auf der Wiener Musikausstellung vom Jahre 1892 befand sich ein bundfreies 
Clavichord von „M. Voit & Sohn", Schweinfurt 1811, aus der Sammlung Steinert- 
New Haven. Vgl. die Abbildung in dem von S. Schneider herausgegebenen Prachtwerk 
„Ausstellung fur Musik- und Theaterwesen Wien 1892" (Wien 1894, S. 217). 



22 



Vorlaufer des Harmonium 



„Aeolodicon", mit dem Friedrich Sturm in Suhl im Jahre 1830 an die 
Oeffentlichkeit trat. Im ailgemeinen kamen die Physharmonikas dieser Zeit 
jedoch meist iiber ein Spiel Zungen noch nicht hinaus und waren beziiglich 
des Charakters und der Ausgiebigkeit des Tones noch recht unvollkommen; 
vor allem machte die unzureichende Geblaseanlage ein wirklich nuanzierungs- 
fahiges Spiel unmoglich. Von einer Fabrikation im Sinne der Klavierindustrie 
konnte noch keine Rede sein : jeder Instrumentenbauer baute nach eigenem 
in vielfachen Modifikationen von einander abweichendem System, wodurch 
die groBe Verschiedenheit der Konstruktion jedes einzelnen dieser alteren In- 
strumente erklarbar wird. 

Die innere Einrichtung der Physharmonika ist in den Grundziigen 
der Orgel entlehnt. Das primitive Geblase, das von dem Spieler anfanglich 
durch Pedaltritte, spater durch eine Tretschemelvorrichtung selbst bedient 
wird, besteht bei alteren Instrumental meist nur aus einem „Wiederblaser" 
(einem Schopf- mit einem mit ihm verbundenen kleinen Magazin- oder Reserve- 
balg) oder zwei Schopfbalgen; erst die neueren Instrumente wurden mit zwei 
Schopfbalgen und einem Magazinbalg ausgestattet. Die komprimierte Luft 
stromt aus den Balgen durch einen Kanal in die hinter oder unter der Klaviatur 
angebrachte Windlade, worin die eigentlichen Tonerreger, die messingenen 
Zungen, befestigt sind, und versetzt diese in Vibration. Die Einrichtung der 
facherartigen Oeffnungen, in denen die Zungen liegen (die sog. „Kanzellen"), 
und der von oben her mit den Tasten in Verbindung stehenden Ventile, die 
die Kanzellen luftdicht verschlieBen und sich beim Niederdriicken der Tasten 
offnen, entspricht der Orgel. 

Die allmahliche Vervollkommnung der Zungeninstrumente ging von 
Frankreich aus. Schon Grenie, der erste Erbauer von „Orgues expressives", 
bemiihte sich um die Verbesserung der Balganlage zur Erzielung des sog. 
„Expression-Spiels"; seine Versuche wurden von seinem begabten Schiiler 
Theodore Achille Muller (geb. 1801 zu Vertus, Todesjahr nicht ermittelt) auch 
auf dem Gebiet des Kanzellenbaues erfolgreich fortgesetzt. Anderen hervor- 
ragenden franzosischen Fabrikanten, wie Jacob Alexandre (geb. 1804, 
gest. 1876 zu Paris) und seinem Sohn Edouard (geb. 1824, gest. 1888 zu 
Paris) sowie namentlich Alexandre Frangois Debain (geb. 1809, gest. 1877 
zu Paris) ist die Vervollkommnung der Zungenstimmen und des Kanzellen- 
baues zu danken. Debain gebiihrt das groBe Verdienst der Einfiihrung von 
Zungenstimmen, die beziiglich ihrer Starke und Breite verschiedenartig gestaltet 
waren, wodurch sich eine Reihe veranderter Klangfarben ergab, die zur Anwen- 
dung der verschiedenen Spiele oder Register (Flute, Bourdon, Clairon, Basson etc.) 
fiihrten. Dem nach diesem Prinzip gebauten neuen Instrument, das er sich 
im August 1840 patentieren lieB, gab er den Namen „Harmonium", und diese 



Vorlaufer des Harmonium 



Bezeichnung- ist seither allgemein zur Annahme gekommen. Mit der Ein- 
fiihrung der verschiedenen Register war der Grund zu dem modernen voll- 
kommenen Instrument gelegt, das den Namen „Harmonium" fiihrt. Die 
Begriinder der heute weit ausgedehnten deutschen Harmoniumfabrikation 
waren die beiden in Paris ausgebildeten Bruder Julius (geb. 1822, gest. 1877) 
und Paul (gest. 1890) Schiedmayer, die ihre Fabrik in Stuttgart im Jahre 
1853 errichteten. 

Von einigen neueren Verbesserungen minder wichtiger Bedeutung ab- 
gesehen, zu denen die Erfindung der „Percussion" (Hammeranschlag der 
Zungen behufs rascherer und sicherer Ansprache) und des „Prolongement" 
(eine dem Fortepedal des Klaviers entsprechende Vorrichtung zur Tonver- 
langerung) gehoren, ist als wertvolle moderne Errungenschaft die Einfiihrung 
des „Saugluft- Systems" ') zu erwahnen. Bei den nach diesem System zuerst 
von Estey in Brattleboro (U. S. A.) i. J. 1856 und von Mason & Hamlin 
zu Boston i. J. 1861 erbauten sog. „amerikanischen (Cottage-) Orgeln" 
wird im Gegensatz zu den deutschen und franzosischen „Druckluft"-Har- 
moniums die Vibration der Zungen nicht durch komprimierte ausstromende 
sondern durch verdiinnte eingesogene Luft bewirkt. In Deutschland wurde 
dieses System zuerst durch den Schweden Karl Theodor Mannborg (geb. 1861 
zu Karlstad) eingefiihrt, der i. J. 1889 eine Harmoniumfabrik zu Borna i. S. 
begriindet hatte (jetzt in Leipzig). - - Als ein Triumph modernen Harmonium- 
baues ist schlieBlich das Kunstharmonium der Pariser Firma Mustel & Cie. 
(begriindet von Victor Mustel, geb. 1815 zu Havre, dem Erfinder der 
„Double expression" [1854], der „Celesta" [1868] etc.) zu nennen. 



') Als Erfinder dieses Systems wird zwar ein Arbeiter aus Alexandres Fabrik 
in Paris bezeichnet, der 1835 nach Amerika ausgewandert sein soil; doch scheint 
dieses Verdienst dem deutschen Instrumentenbauer Friedrich Buschmann zu ge- 
biihren, der 1832 in Hamburg eine Klavier- und Physharmonika-Bauanstalt begriindete 
und bereits i. J. 1836 eine Physharmonika mit Saugluft- System „con ex- 
pression" herstellte. (Vgl. „Zeitschrift fiir Instrumentenbau", 30. Jahrg. [1910], 
Seite 996.) 



CX£$^>-- 



340 ^^^^^ Physharmonika No. 313-315 

No. 313. Physharmonika, 

laut lithographiertem Zettel auf der Innenseite des Deckels von „ANTON 
HAECKL Erfinder der Phys-Harmonika in Wien / Ungargasse No. 330" 

erbaut; aus dem Anfang der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts. 
Das Instrument ist in Mahagoni fourniert und hat die Form eines kleinen 
Nahtisches; es ruht auf einem schwarz polierten Gestell mit drei mit 
einander verbundenen Beinen, die ebenso wie die Vorderseite des Ge- 
stelles mit hiibschen Bronzebeschlagen im Empirestil verziert sind. 

Die noch hochst primitiv konstruierten und befestigten Zungen- 
stimmen liegen unmittelbar unter der Klaviatur. Der notige Wind wird 
ihnen durch einen Keilbalg mit sog. „Wiederblaser"-Einrichtung zuge- 
fiihrt, der mittels des linken der beiden Pedale bedient wird, wahrend 
das rechte Pedal, das als Pianozug dient, durch Niederdriicken eines 
mit Seide bespannten Schalldeckels, der sich auf die Zungenstimmen 
legt, eine Abdampfung des Tons ermoglicht. — Umfang der Klaviatur: 
c — c 4 (vier Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Ober- 
tasten mit Ebenholz belegt. Die Tasten haben wie auf alten Clavichords 
und Spinetts ziemlich enge Mensur. 

Breite 63 cm, Tiefe 20 cm, Hohe 75 cm. 

Abbildung auf Seite 334; Nachbildung der Inschrift auf Seite 358. 

Eine ausfi'ihrliche durch drei Abbildungen (Fig. A, 1 u. 2) erlauterte Beschreibung 
dieser Physharmonika siehe bei W. Liickhoff, „Ueber die Entstehnng der Instru- 
niente mit durchschlagenden Zungenstimmen", S. 4 u. 5. 

No. 314. Physharmonika 

aus dem Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Das schmucklose Instrument, das ebenfalls die Form 
eines kleinen Nahtisches hat, ist in NuBbaum fourniert und von hellen 
Ahornadern durchzogen; es ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Die 
Oberseite des Deckels ist mit einem Perlmutterplattchen mit eingravierten 
militarischen Emblemen geschmiickt. 

Die Konstruktion der Zungenstimmen und des Geblases ist eben- 
falls noch recht primitiv, weicht aber in mehrfacher Beziehung (umge- 
kehrte Anordnung der Zungen und Ventile, Aufreihung der Tasten auf 
einer gemeinsamen Drahtachse, Abdichtung der Ventile u. a.) von der 
Haeckl'schen Physharmonika ab. Das Geblase, ein sog. „Wiederblaser", 
wird durch eine einfache zweiarmige an den Hinterbeinen befestigte 
Trittvorrichtung in Bewegung gesetzt. - Umfang der Klaviatur: c — c 3 
(drei Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit 
Ebenholz belegt. 

Breite 597s cm, Tiefe 23V« cm, Hohe 85 cm. 

Abbildung auf Seite 334. 

Eine ausfi'ihrliche Beschreibung mit zwei Abbildungen (Fig. B u. 3) siehe bei 
Liickhoff, a. a. O., S. 5 u. 6. 

No. 315. Physharmonika 

aus derselben Zeit wie No. 314; ohne Namen des Erbauers. Das un- 
scheinbare Instrument erinnert im AeuBern ebenfalls an einen kleinen Nah- 
tisch ; es ruht auf vier kurzen gedrehten Beinen. Das Gehause ist aus Tannen- 
holz und weist rotbraunen palisanderfarbigen Anstrich auf. Hinter den 
Pedalen befindet sich eine dekupierte Lyra. An der Innenseite des 
Deckels ist eine mit Laubsa^earbeit verzierte und mit blauem Stoff 



Physharmonika No. 315—318 



bespannte Klappe angebracht, die anscheinend als Notenpult gedient 
hat. In ahnlicher Weise ist die Zierleiste uber der Klaviatur ausge- 
stattet, die in der Mitte mit einem Messingbeschlag geschmuckt ist, der 
die Madonna mit dem Kinde darstellt. 

Die primitiv konstruierten Zungenstimmen sind mit besonderen 
holzernen Schutzhiilsen iiberdeckt, uber denen ein mit buntem Papier 
beklebter, an der Oberseite durchlocherter Kasten liegt, der sich mittels 
eines zur Iinken Seite iiber der Klaviatur angebrachten Zuges nach Art 
eines sog. „Jalousie-Schwellers" (vgl. No. 126 des Katalogs) dffnen und 
schlieBen laBt. Zur Windbeschaffung dienen zwei kleine Faltenbalge, 
die durch Pedaltritte in Bewegung gesetzt werden. — Umfang der 
Klaviatur: C — c 3 (vier Oktaven). Die Untertasten sind mit bereits stark 
abgenutztem roten Anstrich versehen, die Obertasten sind mit Bein belegt. 

Breite 81 cm, Tiefe 39 l h cm, Hohe 837s cm. 

No. 316. Physharmonika 

aus dem Anfang der dreiBiger Jahre des 19. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Das schmucklos ausgestattete Instrument hat die Form 
eines kleinen Tisches; es ist in dunkel poliertem NuBbaum fourniert 
und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. 

Die Zungenstimmen liegen unterhalb der Klaviatur. Zur Wind- 
beschaffung dienen zwei kleine Schopfbalge und ein Magazinbalg, der 
unmittelbar hinter der Klaviatur ruht, also offen liegt. Die Schopfer, 
die mit dem Magazinbalg durch Messingdrahte verbunden sind, werden 
durch zwei holzerne Tritte, die mit den Balgen ebenfalls durch Drahte 
in Verbindung stehen, in Bewegung gesetzt. - Umfang der Klaviatur: 
F — f 3 (vier Oktaven). Die Untertasten sind mit Bein belegt, die Ober- 
tasten schwarz gebeizt. 

Breite 72 cm, Tiefe 38 cm, Hohe 81 cm. 

Abbildung auf Seite 334. 

No. 317. Physharmonika, 

laut bereits fast ganzlich verblaBter Inschrift oberhalb der Klaviatur 
von „. . . . Bergmann Orgelbauer" erbaut; aus derselben Zeit wie No. 316. 
Das Instrument hat ebenfalls die Form eines kleinen Tisches und ist in 
NuBbaum fourniert; es ruht auf vier achtkantigen saulenartigen Beinen, 
die auf einem Unterbau stehen, in dem das Geblase untergebracht ist. 
Die durchbrochene und mit roter Seide bespannte Zierleiste oberhalb 
der Klaviatur ist in Ahorn fourniert. 

Den Zungenstimmen wird durch zwei kleine Balge, die durch 
Pedaltritte in Bewegung gesetzt werden, der Wind zugefuhrt; die Luft wird 
von dem im Unterbau liegenden Geblase durch die beiden hinteren 
Tischbeine in die Windlade geleitet. — Umfang der Klaviatur: Contra- 
F — c 3 (vier Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit Ebenholz, 
die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 93 V:: cm, Tiefe 5472 cm, Hohe 77 cm. 

Abbildung auf Seite 343. 

No. 318. Physharmonika 

aus den dreiBiger Jahren des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das schmucklose Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf 
zwei pfeilerartigen Stutzen. Hinter den Pedalen ist eine dekupierte Lyra 
angebracht. 



342 ^ Physharmonika No. 318-320 u. A eolodicon No. 321 

Den Zungenstimmen wird durch ein primitives, als sog. „Wieder- 
blaser" eingerichtetes Geblase, das durch einen Pedaltritt in Bewegung 
gesetzt wird, der notige Wind zugefuhrt. Es sind im ganzen drei 
Pedale vorhanden, die an einer gewundenen Leiste zwischen den beiden 
Stiitzen liegen, auf denen das Instrument ruht; jedoch befinden sich 
zwei Pedale nicht mehr in Tatigkeit. — Umfang der Klaviatur: C— g 3 
(vier Oktaven und Quinte). Die Untertasten sind mit Elfenbein, die 
Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 86 cm, Tiefe 36 1 2 cm, Hohe 80 cm. 

No. 319. Physharmonika 

aus derselben Zeit wie No. 318; ohne Namen des Erbauers. Das hiibsch 
ausgestattete Instrument hat die Form eines groBen Nahtisches; es ist 
in Mahagoni fourniert und ruht auf vier gedrehten Beinen, die oben 
mit je zwei kranzartigen Messingreifen umlegt sind. Der Deckel und 
die Unterseite des Gehauses sind von eingelegten Ahornadern durch- 
zogen. Hinter den Pedalen befindet sich eine dekupierte Lyra. Das 
Schlusselschild zeigt eine farbige Holzeinlage in Form eines Schmetterlings. 

Die Konstruktion der Zungenstimmen und des Geblases ist sehr 
einfach, zeugt aber von einer geschickten Hand. Die Zungen liegen 
an der Riickwand des Gehauses, und die Kanzellen werden durch die 
Tastenenden abgeschlossen; die Tasten dienen also gleichzeitig als Spiel- 
ventile. Der Raum hinter der Klaviatur ist durch einen mit zwei f-locher- 
artigen Einschnitten versehenen Schalldeckel verdeckt. Das Geblase 
besteht aus zwei kleinen Balgen, die durch Pedaltritte in Bewegung ge- 
setzt werden. Umfang der Klaviatur: C — a 3 (vier Oktaven und Sexte). 
Ausstattung der Tasten wie bei No. 318. 

Breite 9Vh cm, Tiefe 56 cm, Hohe 75 cm. 
Vgl. die Beschreibung u. Fig. 10 bei Liickhoff, a. a. O., Seite 13. 

No. 320. Physharmonika 

aus derselben Zeit wie die beiden unter vorhergehenden Nummern be- 
schriebenen Instrumente; ohne Namen des Erbauers. Der in Mahagoni 
fournierte Unterbau hat die Form einer Kommode; ein friiher vorhanden 
gewesener Aufsatz ist verloren gegangen. Die Fiillung des Unterbaues 
zeigt zwei markierte Schubladen mit geschnitzten Schlusselschildern. 

Hinter der Klaviatur ist ebenso wie bei der unter vorhergehender 
Nummer beschriebenen Physharmonika ein Schalldeckel angebracht. 
Das Geblase besteht aus einem Schopf- und einem kleinen Magazinbalg 
und wird durch den rechten der beiden Pedaltritte in Bewegung gesetzt. 
Der linke Tritt, der durch verstarkten Druck auf den Magazinbalg wirkt, 
erfullt die Funktion eines Forte-Pedals. Umfang der Klaviatur, die 

zum Gebrauch herausgezogen wird: Contra- F — f 3 (fiinf Oktaven). Aus- 
stattung der Tasten wie bei No. 318. 

Breite 1,07 m, Tiefe 57 Vi cm, Hohe 86 cm. 

No. 321. Aeolodicon 

mit ziselierter Inschrift auf einem vergoldeten Messingplattchen in der 
Mitte der Zierleiste: „Aeolodicon / von / Friedrich Sturm / in Suhl"; etwa 
aus dem Jahre 1835. Das stattliche Instrument, das im Aeufieren bereits 
dem spateren Harmonium gleicht, ist in Mahagoni fourniert und im 



.343 




No. 317. Physharmonika 
von Bergmann; ca. 1830—35. 

Text: Seite 341. 




No. 321. Aeolodicon 

von Friedrich Sturm, Suhl ca. 1835. 

Text. Seite 342. 



344 




No. 324. „Orgue expressif de voyage" 
von Achille M filler, Paris ca. 1845. 

Text: Seite 346. 




No 324 in zusammengeklapptem Zustande. 





No. 327. „Bibel-Harmonium" 

in geoffnetem und geschlossenein Zustande. 

Danische Arbeit, ca. 1860-70. 

Text: Seite 350. 



Aeolodicon No. 321 u. Physharmonika No. 322 ^^ 345 

Empirestil ausgestattet. Die Klaviatur ruht auf zwei mit Messing urn- 
kleideten verzierten Saulen. Die Klaviaturbacken und die Zierleiste 
sind in NuBbaum fourniert. Die ganze Vorderseite des Instruments 
sowie die Zierleiste sind mit schonen Bronzebeschlagen verziert. 

Das Aeolodicon, dessen Konstruktion in Anbetracht der Zeit seiner 
Entstehung ein schon recht vorgeschrittenes System und in gewissem 
Sinne einen EinfluB des Orgelbaues erkennen laBt, hat bereits zwei 
Reihen Zungenstimmen, deren Klangfarbe allerdings noch keine Ver- 
schiedenheit aufweist: auBer der gewohnlichen Zungenreihe im 8'-Ton 
ist fur die Tasten der Mittellage (g — c ;i ) eine zweite Reihe Zungen im 
4'-Ton vorhanden, die mittels eines aufwarts bewegbaren Kniedriickers 
eingeschaltet werden kann ; ein zweiter zur rechten Seite angebrachter 
Kniedriicker ermoglicht durch Auflegen einer Dampferklappe auf die 
Zungenstimmen eine Pianowirkung. Die Zungen, die in einer Hohe 
von 10 cm iiber dem Tastenniveau hinter der Klaviatur liegen, sind in 
origineller und abweichender Weise nicht an Platten sondern an 
Messingpflockchen befestigt, die ahnlich den Pfannen der Zungenpfeifen 
der Orgel konstruiert sind. Das noch ziemlich unvollkommene Geblase 
besteht aus zwei Faltenbalgen und wird durch Pedaltritte in Bewegung 
gesetzt. — Umfang der Klaviatur: Contra-F— f 4 (sechs Oktaven). Die 
Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten aus Ebenholz. 

Breite 1,15 m, Tiefe 55 cm, Hohe 88 cm. 

Abbildung auf Seite 343; Nachbildung der Inschrift auf Seite 358. 

Vgl. die atisftihrliehe Beschreibung (mit den Abbildungen Fig. E u. 7—9) bei 
Liickhoff, a. a. O., S. 11- 13. 

Ueber Sturms Aeolodicon veroffentlichte Gasparo Spontini, der Komponist 
der ,,Vestalin" und des „Cortez", zusammen mit drei angesehenen Mitgliedern der 
Berliner Kgl. Kapelle in der ,,Allg. musik. Zeitung", 35. Jahrgang (1833), Sp. 355 
folgendes lobende Attest: 

,,Das von Hrn. F. Sturm ausSuhl neuerfundene (iiber das Neue desselben haben 
wir keine Stimme, da \xir es mit den friiheren nieht vergleichen konnten) Tasten- 
Instrument, Aeolodicon, hat ein zierliches AeuBere mit einer Claviatur von circa 6 
Oktaven Umfang mid 2 Pedalen. Der Ton desselben ist sehr angenehm, gleicht in 
der Hohe der Flote und Clarinette, in der Mitte mehr dem Home, in der Tiefe dem 
Contra-Fagotte; dabey laBt sich ein schones Crescendo und Diminuendo der Tone 
durch zwey Veranderungen und durch starkern oder schwachern Druck der Pedale 
bewirken, audi ist es keiner baldigen Verstimmung unterworfen, indem Alles in Metall 
gearbeitet und sehr dauerhaft ist. Vorziiglich eignet sich dasselbe zu sanften melo- 
dischen Tonstucken, wie auch zu Choralen, und ist fiir kleine Kirchen statt einer 
Orgel sehr anwendbar. Dieses bezeugen gern der Wahrheit gemaB 

Spontini, P. L. Seidel, G. A. Schneider 

Vgl. auch Seite 368. C M6ser -" 

No. 322. Physharmonika oder Aeolodicon, 

laut gravierter Inschrift oberhalb der Klaviatur auf einem Silberplattchen 
mit empireartiger Messingumrahmung von „D. L. Bollermann in / 
Dresden" erbaut; aus dem Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahr- 
hunderts. Das Instrument ist in NuBbaum fourniert. Die Klaviatur ruht 
auf zwei volutartigen Konsolstiitzen. Die mit Filz bekleidete Schallplatte 
hinter der Klaviatur ist mit Bronzebeschlagen verziert. 

Ebenso wie das unter vorhergehender Nummer beschriebene 
Aeolodicon von Sturm besitzt auch diese Physharmonika bereits zwei 
Zungenreihen im 8'- und 4'-Ton, die durch an der rechten Klaviatur- 
backe angebrachte Registerzuge an- und abstellbar sind. Zwei weitere 



346 ^ Physharmonika No. 322. Orgues expressives No. 323 u. 324 

Ziige sind an der linken Backe vorhanden, von denen der eine ein 
Abstellen der BaBzungen des 4'-Registers bewirkt, wahrend der zweite 
durch Aufheben eines Schalldeckels als Fortezug dient. Wie bei 
No. 319 dienen die Tastenhebel gleichzeitig als Spielventile. Das Ge- 
blase besteht aus zwei Schopfbalgen und einem Magazinbalg und wird 
durch Tretschemel in Bewegung gesetzt. 

Das Instrument zeichnet sich auBerdem durch eine praktische 
Einrichtung aus: die ganze Klaviatur mit den Zungenstimmen laBt sich 
mittels zweier Scharniere, die an der unter der Klaviatur befindlichen 
Leiste angebracht sind, behufs Oeffnen der Windlade aufklappen; beim 
Zuriickklappen dieses Oberteils wird die Windlade durch aufeinander- 
gepaBte Filz- und Wildlederstreifen luftdicht verschlossen. Umfang 
der Klaviatur: Contra-F — g 3 (fiinf Oktaven und ein Ton); die Unter- 
tasten sind mit Bein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,03 m, Tiefe 51 cm, Hohe 81Vj cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 357. 

No. 323. Orgue expressif, 

laut Inschrift auf eingelegtem Ahornschild auf der Innenseite des Deckels 
von,,.,../ A le Muller Rue de la Ville I'Eveque 42. Fs S* Honore. Paris" 

erbaut; aus den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das stattliche 
Instrument ist in Mahagoni fourniert; die innere Seite des Klaviatur- 
deckels ist mit einem Fournier aus sog. „gewimmertem" Mahagoni 
versehen und ebcnso wie die Klaviaturbacken von Palisanderstreifen 
eingefaBt. 

Die sehr sorgfaltig gearbeiteten Zungenstimmen haben die den 
franzosischen „Orgues expressives" eigene charakteristische Konstruktion, 
die fast genau den „Vox humana"-Stimmen der Orgeln entspricht: 
jede einzelne Zungenstimme ruht in einem auf der Windlade stehenden 
Behalter und ist mit einem birnformigen Schallbecher versehen. Durch 
den Raum, den diese ziemlich groBen Schallbecher einnehmen, wird der 
stufenartige Oberbau des Instruments bedingt. — Mittels einer am 
Schallbecher angebrachten sinnreichen Prazisions-Schraubenvorrichtung 
laBt sich ein bequemes Einstimmen der einzelnen Stimmen ermoglichen. 
Das Geblase besteht aus zwei groBen nebeneinander liegenden Schopf- 
balgen, die durch Tretschemel in Bewegung gesetzt werden, und einem 
Magazinbalg. Ein an der rechten Seite unterhalb der Klaviatur angebrachter 
Zugermoglicht das„Expression"-Spiel, d.h.er bewirkt durch Ausschaltung 
des Magazinbalgs eine unmittelbare Verbindung zwischen den Schopfern 
und der Windlade. — Umfang der Klaviatur: Contra-F — f ' (fiinf Oktaven). 
Die Untertasten sind mit Elfenbein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 

Breite 1,477a m, Tiefe 65 7 2 cm, Hohe 1,18 m. 

Abbildung auf Seite 347; Nachbildung der Inschrift auf Seite 358. 



No. 324. Orgue expressif de voyage (Reise-Expressionsorgel), 

laut Inschrift auf eingelegtem Ahornschild auf der Innenseite des Deckels 
gleichfalls von „.... / A ,e - Muller / ....Paris" erbaut; aus derselben 
Zeit wie No. 323. Das interessante Instrument ist von gedrungener 
Form und aus massivem Mahagoni; es ruht auf zwei lyraartigen Stiitzen. 
Hinter den beiden mit Messingrosetten versehenen Pedalen ist eben- 
falls eine Stiitze in Lyraform angebracht. 



347 




No. 323. ,,Orgue expressif" 
von Achille Miiller, Paris ca. 1845. 

Text: Seite 346. 




No. 325. Physharmonika 
in Verbindung mit Glockenspiel; ca. 1850. 

Text: Seite 349. 



348 



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Orgue expressif No 324. Physharmonika No. 325 

Wie der Name besagt, ist diese „Orgue expressif" fur Reisezwecke 
konstruiert, und zwar ist das Instrument in sehr praktischer Weise zu- 
sammenlegbar, indem die Klaviatur mit der Windlade in das etwa 
25 cm hone Gehause hineingeschoben und die angeschraubten Stutz- 
beine zusammengeklappt werden konnen. Die ausgezeichnete 

konstruktive Anlage des ganzen Instruments zeigt bereits viel Aehnlich- 
keit mit den heutigen amerikanischen „Cottage Organs" (vgl. Seite 339). 
Die Zungen, die anscheinend aus Neusilber verfertigt sind, sind zur Er- 
zielung einer bestimmten beabsichtigten Klangfarbe von charakteristischer 
Form. Jede einzelne Zunge ist mit einer besonderen Kanzelle versehen, 
wahrend bei modernen (deutschen) Instrumenten samtliche Kanzellen 
gemeinsam im sog. „Stimmstock" befestigt sind. Zur Windbeschaffung 
dienen zwei nebeneinander liegende sog. „Parallelbalge" („allseitig auf- 
gehende Balge"), die eine doppelte Windmenge als Keilbalge von 
gleicher GroBe zu liefern vermogen. -- Umfang der Klaviatur: Contra- 
ct— c 4 (sechs Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die 
Obertasten aus Ebenholz. 

Breite 1,44 m, Tiefe 31 cm, Hohe 78 cm. 

Abbildungen auf Seite 344. 
Vgl. die ausfiihrliche Beschreibung mit den Abbildungen Fig. D, 4 u. 5 bei 
Liickhoff, a. a. O., Seite 9-11. 

Das Instrument, fur das Midler im Jahre 1843 ein Patent erhielt (vgl. 
Seite 360 d. Katalogs) und das in seiner ganzen Konstruktion deutlich die 
Ueberlegenheit der franzosischen „Orgues expressives" vor den deutschen 
Physharmonikas jener Zeit erkennen laBt, soil aus dem Besitz des Komponisten 
Sigismund Neukomm (geb. 10. Juli 1778 zu Salzburg, gest. 3. April 1858 zu 
Paris) stammen und von ihm haufig auf Konzertreisen benutzt worden sein. 1 ) 

No. 325. Physharmonika in Verbindung mit Glockenspiel 

aus der Mitte des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
zierliche Instrument, anscheinend eine Laienarbeit, ist in Mahagoni 
fourniert und ruht auf einem kleinen Tisch mit vier geschweiften Beinen. 
Oberhalb der Klaviatur sind in einem aufklappbaren Glaskasten chroma- 
tisch abgestimmte Metal Iglocken auf einer Achse aufgereiht, die beim 
Niederdriicken derTasten durch Metallhammerchen angeschlagen werden. 
Mittels eines zur rechten Seite der Klaviatur angebrachten Zuges wird 
ein Abstellen der hinter der Klaviatur liegenden Zungenstimmen er- 
mdglicht, so daB das Instrument auch als Glockenspiel allein benutzbar 
ist. Das Geblase besteht aus zwei kleinen Schopfbalgen und einem 
Magazinbalg; die Oberplatten der beiden in einem rahmenartigen Holz- 
gestell auf dem FuBboden liegenden und durch einen Hebel mitein- 
ander verbundenen Schopfer dienen gleichzeitig als Trittflache. Dahinter 
befindet sich eine dekupierte Lyra, die zur Verdeckung zweier Metall- 
rohre dient, durch die der Wind in den Magazinbalg geleitet wird. 
- Umfang der Klaviatur: g — f :! (zwei Oktaven und Septime); die tiefste 
Obertaste gis ist fortgelassen. Die Untertasten sind mit Bein belegt, die 
Obertasten schwarz gebeizt. (Die Klaviatur zeigt iibrigens ungleich- 
maBige Teilung.) 

Breite 68 cm, Tiefe 40 Vs cm, Hohe 1,05 m. 

Abbildung auf Seite 347. 
') DaB es Neukomm auch bei seinem Aufenthalt in Brasilien benutzt hat, wie 

es Liickhoff (a. a. O., S. 9) nach de Wit's Katalog (No. 101, S. 57) annimmt, erscheint 

ausgeschlossen, da N. (nach Fetis' Lexikon) sich nur in den Jahren 1816 — 1821 in 

Brasilien aufhielt. 



350 t^^^^^ Harmonium No. 326 329 

No. 326. Kleines (Kinder-) Harmonium in Verbindung mit Drehorgel 
aus der Mitte des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
zierliche Instrument hat die Form eines Kastens; es ist in Mahagoni 
und teilweise in Ahorn fourniert. Die Vorderseite des Deckels ist mit 
einer Intarsienmalerei gesehmuckt, die eine Jagdszene darstellt. 

Es ist nur ein Spiel Zungen vorhanden; die Tasten dienen gleich- 
zeitig als Spielventile. Das primitive Geblase wird mittels eines fufi- 
artigen Trittes, der mit dem Instrument durch eine Schnur in Verbindung 
steht, bedient. — Umfang der Klaviatur: f — a 2 (zwei Oktaven und Terz). 
Die Untertasten sind mit Bein belegt, die Obertasten schwarz poliert. 

Das Harmonium ist mittels einer Stiftwalze, die durch einen an 
der linken Innenseite des Gehauses angebrachten Messinghebel einge- 
schaltet werden kann, auch mechanisch benutzbar. Durch eine an der 
rechten Seitenwand befindliche Vorrichtung kann die Walze fur ver- 
schiedene kleine Stiicke (Melodie aus Bellini's „Norma" etc.) eingestellt 
werden. 

Breite 38 cm, Tiefe 23 Va cm, Hohe 19 cm. 

No. 327. Kleines Harmonium in Bibelform, 

danische Arbeit 1 ) aus dem dritten Viertel des 19. Jahrhunderts. Das 
Instrument, eine moderne Nachahmung des alten Bibelregals (vgl. 
Seite 335), ist aus Ahornholz und mit schwarzem Lederiiberzug ver- 
sehen; es ist mit gravierten Messingbeschlagen verziert und mit farbigem 
Vorsatzpapier beklebt. 

Den Zungenstimmen wird durch zwei hinter der Klaviatur liegende 
Balge, von denen einer als Magazinbalg dient, der notige Wind zu- 
gefuhrt; das Geblase muB, falls der Spieler sich nicht auf das Spiel 
mit der rechten Hand allein beschranken will, durch eine zweite Person 
bedient werden. Umfang der Klaviatur: c — f 3 (drei Oktaven und 

Quarte). Die Untertasten sind mit Bein belegt, die Obertasten schwarz 
gebeizt. 

Breite 597a cm, Tiefe 28 cm, Hohe 13 cm. 

Abbildune auf Seite 344. 



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No. 328. Kleines Harmonium in Bibelform, 

ebenfalls danische Arbeit und von demselben Verfertiger wie No. 327. 
Das schmucklose Instrument ist aus dunkel gebeiztem Eichenholz; in 
der inneren Einrichtung entspricht es genau dem unter vorhergehender 
No. beschriebenen Bibel-Harmonium. 

No. 329. Kleines (Kinder-) Harmonium, 

franzosische Arbeit ohne Namen des Erbauers; aus derselben Zeit 
wie No. 327 u. 328. Das primitive schwarz polierte Instrument hat die 
Form eines Nahtisches; der Raum hinter der Klaviatur wird durch einen 
mit griiner Seide bespannten Rah men verdeckt. 

Die Zungenstimmen sind von einfachster Form. Das Geblase 
entspricht der alten „Wiederblaser"-Einrichtung und wird mittels eines 
an der linken Seitenwand angebrachten Hebels in Bewegung gesetzt. - 
Umfang der Klaviatur: f — c :i (zwei Oktaven und Quinte). Die Unter- 
tasten sind mit Bein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. 
Breite 36 cm, Tiefe 20 cm, Hohe 14 cm. 

') Auf der Unterseite des Instruments findet sich der Stempel der Instrumenten- 
liandlung F. Thomsen, St. Kongensgade 21, Kopenhagen. 



Harmonium No 330 u. 331 



No. 330. Harmonium, 

laut lithographierter Inschrift oberhalb der Klaviatur von „ALEXANDRE 
PERE ET F1LS 39. Rue Meslay. Paris" erbaut; aus dem dritten 
Viertel des 19. Jahrhunderts. Das stattliche Instrument ist in Palisander 
fourniert und von geschnitzten Leisten (Perl- und Eierstaben) eingefaBt. 
An den Seitenwanden sind ziselierte Metallgriffe angebracht; zu beiden 
Seiten des Unterbaues stehen gedrehte, kanellierte Saulen. 

Das Harmonium besitzt vier Spiele Zungen (oder klingende 
Register): „Basson" (im BaB) und „Hautbois" (im Diskant) 8', „CIairon" 
(BaB) und „Pifre" (Diskant) 4', „Bourdon" (BaB) und „Clarinette" (Diskant) 
16', „Cor anglais" (BaB) und „Flute" (Diskant) 8'; letzteres Register ist 
mit „Percussion" (Hammerwerk) verbunden. 1 ) Die „Teilung" (Halbierung) 
der einzelnen Spiele liegt zwischen e 1 und f 1 ; d. h. die BaBregister er- 
strecken sich bis e 1 , wahrend die Diskantregister mit P beginnen. 2 ) - 
An Hilfsziigen sind vorhanden: je ein Fortezug fur BaB und Diskant, 
der durch Oeffnen eines iiber den Zungen lieeenden Schalldeckels 
wirkt; eine „Sourdine", die durch Oeffnen einer kleineren Windklappe 
eine Abdampfung des Registers „Cor anglais" bewirkt; je ein Zug fur 
„Expression", der das Ausschalten des Magazinbalgs ermoglicht (vgl. 
No. 323), und fur „Grand Jeu", der das Einschalten des „vollen Werks" 
besorgt. Das Geblase besteht auszwei Schopfbalgen und einem Magazin- 
balg und wird durch Tretschemel in Bewegung gesetzt. — Umfang der 
Klaviatur: C — c 4 (fiinf Oktaven). Die Untertasten sind mit Elfenbein 
belegt, die Obertasten aus Ebenholz. 

Breite 1,18 m, Tiefe 65'/2 cm, Hohe 1,01 m. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 357. 



No. 331. Reise-Harmonium (sog. „Mel odium"), 

laut gepragter Inschrift auf einer Messingplatte von „M. HORUGEL 
LEIPZIG-LEUTZSCH" „Oktober 1904" erbaut. Das praktische Instru- 
ment ist aus Eichenholz und ruht auf zwei Beinstutzen, die mit den 
Pedaltritten an die Unterseite des Gehauses angelegt werden konnen, 
so daB das Ganze dann einen kofferformigen Kasten bildet und leicht 
transportierbar ist. 

Das Harmonium hat zwei Spiele Zungen im 8'- und 4'-Ton. Das 
8'-Register ist nicht abstellbar; das 4'-Register, das im BaB als „Viola", 
im Diskant als „Flute" bezeichnet ist, kann durch zwei an den Klaviatur- 
backen angebrachte Knopfe getrennt angewendet werden. AuBerdem ist 
eine sog. „Forteklappe" vorhanden, mittels derer ein iiber den Zungen 
liegender Schalldeckel geoffnet werden kann. Das Geblase, das nach 
dem amerikanischen „Saugsystem" eingerichtet ist (vgl. Seite 339), wird 



') Vgl. Seite 339 des Katalogs und W. Riehm, „Das Harmonium", Seite 22: 
„Durch diese Mechanik nahert sich der Harmoniumton dem Pianoforte. Damit nam- 
lich die Zungen augenblicklich, und zwar sogleich in voller Starke erklingen, sobald 
die Tasten niedergedriickt werden, was durch den Wind allein nicht immer so voll- 
kommen zu erreichen ist, werden sie hier durch Hammerehen angeschlagen (perkutiert) 
und so in eine Vibration versetzt, die der Windstrahl nur fortzusetzen braucht. Die 
Perkussion ist besonders fiir rasches Passagenspiel, fi'ir Triller und ahnliche Figuren 
wichtig und wertvoll." 

2 ) Sog. „franzosische Teilung" ; die „deutsche Teilung" liegt zwischen h und c 1 . 



352 ^^^ Harmonium No. 331. Melophone No. 332 

durch zwei an einem Riemen befestigte Tritte in Bewegung gesetzt. 
- Umfang der Klaviatur: C— c 3 (vier Oktaven). Ausstattung der Tasten 
wie bei No. 330. 

Breite 77 1 h cm, Tiefe 37 '/a cm, Hohe 82 cm; in zusammenge- 
klapptem Zustande betragt die Hohe 28 cm. 



No. 332. Melophone, 

von A. Brown in Paris verfertigt („P[iece] No. 158"); eine Signierung ist 
nicht vorhanden. Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Gehause des 
sehr reich ausgestatteten Instruments ist in Thuja fourniert und an den 
Randern von Ebenholz- und Elfenbeinadern eingefafit. Die Oberseite 
des Schutzdeckels iiber den Klappen der Zungenstimmen ist mit schonen 
gravierten Einlegearbeiten von farbigem Perlmutter und Elfenbein verziert. 

Das Instrument hat die Form einer groBen Guitarre mit hohem 
Zargenbau und kurzem in eine Schnecke auslaufenden Hals. Im unteren 
Teil des Gehauses liegt das aus zwei kleinen Faltenbalgen bestehende 
Geblase und dariiber die Windlade, in dem sich die Tonerreger, durch- 
schlagende Zungenstimmen, befinden. Die Balge werden durch einen 
an der Unterseite des Gehauses angebrachten Handgriff, („archet", d. i. 
Bogen), der aus zwei miteinander verbundenen Metal lstangen besteht, 
mit der rechten Hand in Bewegung gesetzt, wodurch der Wind durch 
zwei sich abwechselnd offnende Ventile zu den Zungen stromt. Auf 
dem Hals ist die Tastatur angebracht, die sich aus sieben Tastenreihen 
zu je zwolf in chromatischer Reihenfolge angeordneten Tasten (kleinen 
Elfenbeinknopfen) zusammensetzt und durch Drahte mit den iiber 
den Zungen liegenden Klappendeckeln in Verbindung steht. Beim 
Niederdriicken der Tasten werden die Klappen geoffnet und die 
Zungen durch den entstehenden Luftstrom in Schwingung versetzt. Zur 
Erleichterung der Applikatur und Ermoglichung eines mechanischen 
Transponierens wiederholen sich die auf den fiinf oberen Querreihen 
der Tastatur liegenden Knopfe auf den fiinf unteren Querreihen. Die 
Tasten der einzelnen Querreihen sind in Quinten gestimmt; z. B. er- 
geben die Tasten der ersten Reihe folgende Tone: 




F % (=£) 



Unterhalb des Halses ist eine Zugvorrichtung angebracht, die mit dem 
Daumen der linken Hand gehandhabt wird und vom Ton g der kleinen 
Oktave ab eine Oktavverdoppelung („redoublement d'octaves") ermog- 
licht. Der Umfang ist: H— e 4 (vier Oktaven und Quarte); doch sind fur 
die Oktavverdoppelung audi noch Zungen fur G, Gis, A und B vor- 
handen. 

Gesamtlange 79 cm, Korpuslange 5072 cm, Breite 26V2 cm, Zar- 
genhohe 18 cm. 

Abbildung auf Seite 348. 

Das Instrument steht in einem seiner Form angepafiten Kasten 
aus Vogelahornholz. 



Melophone No. 332. Ziehharmonikas ^^^^ 353 

Das Melophone, ein tragbares harmoniumartiges Instrument, wurdeim Jahre 1837 
von einem Pariser Uhrmacher Leclerc erfunden; er assoziierte sich zur Fabrikation 
desselben mit A. Brown, dessen Fabrik sich Rue des Fosses du Temple No. 20 befand. 
Es erregte bei seinem Auftauchen groBe Bewunderung: die ,,Allgem. Musikalische 
Zeitung" berichtet z. B. von Konzerten eines jungen Italieners Giulio Regondi, die 
1840 in Wien stattfanden und sich reichen Beifalls erfreuten; ein anderer Melophone- 
Virtuose, Louis Dessane, unternahm im nachsten Jahre Kunstreisen durch halb 
Europa. In einem langeren in No. 25 des 43. Jahrgangs der Zeitung veroffentlichten, 
etwas iiberschwanglichen Bericht heiBt es u. a. : 

,,Man bringt piano, forte, crescendo und decrescendo hervor, und erhalt Tone, 
die vorziiglich den Blasinstrumenten ahneln. Besonders sind die tiefen von 
auBerordentlicher Fiille und Schone, die hochsten dagegen erschienen uns etwas 

scharf, Im Freien mag gerade diese wirklich bewundernswerthe Durch- 

dringlichkeit und Kraft des Klanges einen ganz besondern Reiz und jenes Mysteriose 
erhalten, was man in Frankreich riihmt. Der Klang ist neu [?]; wir mochten ihn 
zwischen Blasinstrumente und Orgel setzen. Man hat dies Instrument im grossern, 
mitteln und kleinen Formate, das letzte fur Damen und fur Zimmer, da der Ton 
weniger stark, aber von demselben Klange ist. ..." 

Das Pariser ,, Conservatoire de Musique et de Declamation" stellte iiber das 
Melophone am 23. Oktober 1838 ein von Cher u bin i , Ha be neck, Paer, Berton, 
Halevy, Auber und den anderen Direktoren unterzeichnetes lobendes Attest aus, 
das auf dem im Besitz des Museums befindlichen lithographierten Portrat des Er- 
finders abgedruckt ist. Halevy hat das Instrument auch in einer seiner Opern ver- 
wendet; das Solo wurde von dem bereits erwahnten Dessane ausgefuhrt. — Im 
Jahre 1842 verkaufte Leclerc sein Erfindungsrecht an Pellerin und Brown, von 
denen jeder die Fabrikation selbstandig fortsetzte; doch wurde das Melophone spater 
durch die Fortschritte im Harmoniumbau iiberfliigelt und in den Hintergrund gedrangt, 
so daB es heute ganzlich auBer Mode gekommen ist. 

Vgl. „Allgemeine musikalische Zeitung", 43. Jahrgang (1841), Sp. 218, 501-03, 
760 u. 44. Jahrgang (1842), Sp. 438. 



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Die kleinste und musikalisch minderwertigste Abart der orgelartigen 

Instruments bildet die 

Ziehharmonika, 

die im Jahre 1822 von Friedrich Buschmann in Berlin unter dem Namen 
„Hand-Aeoline" erfunden und einige Jahre spater (1829) von Damian in 
Wien als „Accordeon" weiter vervollkommnet wurde. Hervorgegangen 
ist sie aus der Aeoline oder Physharmonika und aus der Mundharmonika, 
die zuerst als „Mund-Aeoline" oder „Aura" 1821 ebenfalls von Friedrich 
Buschmann verfertigt ward. — Die Hand- oder Ziehharmonika besteht aus 
einem vielfaltigen (sog. „Laternen"-) Balg, an dessen Ober- und Unterplatte 
durchschlagende Zungen befestigt sind, die mit einer Tastatur verbunden sind 
und durch Zusammenpressen und Aufziehen des Balges in Vibration versetzt 
werden. Das Instrument wird in verschiedener GroBe und Form gebaut: 



23 



354 ^^^^^ Ziehharmonika No. 333-335 ^^(^^ 

das Accordeon hat langliche, das Bandoneon oder die Concertina eine 
gedrungenere, vier-, sechs- und achteckige Form. Kleine Accordeons besitzen 
meist nur eine diatonisch angeordnete Tastatur fur die rechte Hand und zwei 
oder drei „BaBknopfe" fur die linke Hand; groBere Instrumente dagegen, die 
mit Doppelzungen ausgestattet sind, haben fur jede Hand eine chromatische 
Tastatur im Umfang von mehreren Oktaven und verschiedene Registerziige. 
Der Erfinder der eine verhaltnismaBig hohere Stufe einnehmenden englischen 
„Concertina" (1829) ist Charles Wheatstone (geb. 1802 zu Gloucester, 
gest. 1875 zu Paris); die Instrumente werden in der noch heute bestehenden 
groBen Fabrik von Wheatstone & Co. in vier verschiedenen GroBen (Treble : 
g—g 4 , Tenor : c — c 3 , Bass : C— c 3 , Double Bass : Contra-C — c 2 ) hergestellt. 
Die ersten Concertina- Virtuosen waren Giulio Regondi, George Case 
und Richard Blagrove. Es existiert fur das Instrument eine groBe 
Originalliteratur mit vielen Kammermusikwerken; Bernard Molique (1802 
bis 1869) und Giulio Regondi (1822 — 1872) haben sogar verschiedene 
Konzerte fur Concertina mit Orchesterbegleitung geschrieben. 

No. 333. Ziehharmonika („Accordeon u ), 

sachsische Arbeit, mit 19 Knopfen oder Tasten im chromatischen Umfang 
von IV2 Oktaven. Die Tasten sind mit Perlmutter belegt; die Falten 
des Balges sind mit buntem Papier beklebt. 
Hohe 31 V2 cm. 

No. 334. Ziehharmonika („Accordeon"), 

franzosische Arbeit; Ausstattung und Umfang der Tastatur wie bei 
No. 333. 

Hohe 31 cm. 

No. 335. Ziehharmonika 

russischen Ursprungs; primitives Instrument mit nur 7 Knopfen oder 
Tasten. Die Zungen sind mit einer verzierten Messinghiilse iiberdeckt. 
Hohe 267* cm. 



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Orgelbauer: Alexandre Bergmann ^^^^ 355 



Verzeichnis der Instrumentenbauer 

und Nachbildungen der Inschriften 

zur Abteilung „ORGELN und orgelartige Instrumente". 



Alexandre, Pere & Fils. (Harmonium No. 330.) 

Jacob A., geb. 1804 zu Paris, war einer der ersten franzosischen 
Fabrikanten von Harmoniums (Accordeons, Physharmonicas, Melodiums), an 
deren Popularisierung er wesentlichen Anteil hat. Die Fabrik, die er i. J. 1829 
begriindet hatte, nahm einen raschen Aufschwung, wozu besonders die Fabri- 
kation ganz billiger Instrumente („Orgues a cent Francs") beitrug. In den 
vierziger Jahren nahm Jacob A. seinen Sohn Edouard (geb. 1824) als Associe 
auf und erwarb i. J. 1849 die Patente der Perkussions-Einrichtung von 
Alexandre Martin aus Provins. Martin blieb bis 1855 stiller Teilhaber 
der Firma, iiberwarf sich aber spater mit den beiden anderen Inhabern. 
Im Jahre 1858 wurde eine Musterwerkstatt zu Ivry in der Nahe von Paris 
eroffnet, doch fiihrten ungliickliche Spekulationen zehn Jahre spater zum 
Fallissement des Hauses. Jacob A., der diesen schweren Schlag nicht ver- 
winden konnte, starb am ll.Juni 1876 zu Paris. Unterdessen war i. J. 1872 
unter der Firma „Societe des orgues d'Alexandre pere et fils" eine neue Ge- 
sellschaft begriindet worden, die Edouard A. bis zu seinem am 8. Marz 1888 
erfolgten Tode leitete. Im Jahre 1874 brachte die Firma Harmoniums nach 
amerikanischem (Saugluft-) System in den Handel; vgl. hieriiber die FuBnote 
auf Seite 339 des Katalogs. - - Edouard A.'s Gattin, Charlotte geb. Dreyfus, 
war eine geschatzte Harmoniumvirtuosin. Sein Nachfolger in der Leitung 
des Geschafts wurde sein Schwiegersohn Edouard Seches. 

Vgl. die Lexika von Fetis (Supplement) und Riemann; ferner C. Pierre, 
„Les facteurs d'instruments de tnusique" (Paris 1893, p. 243 -45) und „Les Orgues- 
Melodium d'Alexandre Pere & Fils" (Paris 1855). 

Ein schones Alexandre-Harmonium besitzt das Conservatorio zu Mailand(No. 159). 

Beer, Adalbert. (Positiv No. 252.) 

„Ein vortrefflicher Miniaturmaler und zugleich Orgelmacher zu Prag, 
dessen Bestattung am 27. April 1762 stattfand." (Dlabacz, Joh. Gottfr. „A11- 
gemeines historisches Kiinstler-Lexicon fur Bohmen . . .", Prag 1815.) — Nach 
der Inschrift des Positivs No. 252 wohnte er i. J. 1757 in der „Aldtstadt Prag 
in der Jesuitergassen". 

Bergmann, .... (Physharmonika No. 317.) 

Ein Orgel- und Physharmonikabauer aus der ersten Halfte des 19. Jahr- 
hunderts. Da die fast ganzlich verblaBte Inschrift der Physharmonika No. 317 
keinen Wohnort angibt, lieB sich Naheres iiber ihn nicht ermitteln. 



356 ^^I^a^a^a Orgelbauer: Bloch— Compenius 



Bloch, Franz Xaver jun. (Orgel No. 260.) 

Ein Schweizer Orgelbauer, der im Jahre 1818 geboren wurde und aus 

Aesch im Kanton Basel stammte. Anscheinend war er im Orgelbau Geschafts- 
nachfolger seines Vaters. 



Bollermann, D. L. (Physharmonika oder Aeolodikon No. 322.) 

Ein geschickter Physharmonikabauer, der in den dreiBiger Jahren des 
19. Jahrhunderts in Dresden ansassig war, die Stadt aber etwa i. J. 1845 
Schulden halber verlassen muBte und nach Amerika fliichtete. ') Nach der 
„Allgem. musik. Zeitung" (43. Jahrg., Sp. 694) empfing er i. J. 1841 „wegen 
kunstlicher und effektvoller Verbindung des Aeolodikons mit dem Pianoforte 
und wegen des dabei angebrachten Flageoletzuges" vom sachsischen Mini- 
sterium des Innern eine Pramie von 100 Thlrn. 



Brown, A. (Melophone No. 332.) 

Ein Pariser Instrumentenfabrikant aus dem Anfang der vierziger Jahre 
des 19. Jahrhunderts. Naheres fiber ihn s. Seite 353 des Katalogs (Bemerkung 
zu No. 332). 

Melophones besitzen die Sammlungen zu Berlin (Coll. Snoeck No. 126), Briissel 
(No. 203), Kopenhagen (No. 258), Miinchen (,,baierisches Nationalmuseum", No. 168 
und ,,Deutsches Museum" im Saal 23), New York (No. 1205) und Paris (No. 1542). 



Compenius, Heinrich. (Prospektpfeifen No. 275 u. 276.) 

Heinrich Compenius gehdrt einer Familie von hervorragenden Orgel- 
bauern an, die in der zweiten Halfte des 16. und der ersten Halfte des 17. Jahr- 
hunderts in Thuringen wirkte. Er ist um das Jahr 1540 zu Nordhausen ge- 
boren und wurde etwa 1565 Organist an der St. Andreas-Kirche zu Eisleben. 
1567 verfaBte er eine theoretische Schrift: „Musica teutsch in kurtze Regulas 
und Fragstiicke" und betatigte sich auch als Komponist („Christliche Harmonia 
zu Ehren . . . dess . . . Raths zu Erffordt mit 5 Stimmen componirt", 1572.) 
Er war furstlich erzbischoflicher Magdeburgischer Orgelbauer; sein Haupt- 
werk war die i. J. 1604 vollendete Domorgel zu Magdeburg mit 42 Stimmen 
und drei Manualen nebst Pedal (vgl. Bemerkung zu No. 275 u. 276 der 
Katalogs). Eine etwas kleinere Orgel mit 31 Stimmen baute er fur das 
Kloster Riddageshausen in Braunschweig. Ein anderer ausgezeichneter 

Orgelbauer war der Fiirstl. Braunschweigische Orgel- und Instrumentenmacher 
Esaias C, der um 1560 geboren war und von Praetorius in der „Organo- 
graphia" wiederholt riihmend erwahnt wird; er ist der Erbauer der Biicke- 
burger Orgel (1615), der Orgel in der Moritzkirche zu Halle a. S. (1625) u. a. 
Von Ludwig C. riihrt die Orgel der Erfurter Predigerkirche (1649) her. 

Vgl. Praetorius' „Organographia" (mehrfach), Ad lungs „Musica mechanica 
Organoedi" und Gerbers „Neues . . Lexikon der Tonkiinstler" (1. Theil, 1812, 
Sp. 765 u. 766). 



') Das Museum verdankt diese Angaben der Freundlichkeit des Herrn Piano- 

fortehandlers Ernst Wunderlich in Jena, dessen Vater, der sich i. J. 1839 zu 

Dresden als Tischlermeister niedergelassen hatte, fur Bollermann die Instrumenten- 
gehause herstellte. 



357 




Inschrift zum Harmonium No. 330 (Seite 351). 




Inschrift zum Positiv No. 252 (Seite 309). 




Inschrift zur Physharmonika No. 322 (Seite 345). 



358 




Inschrift zur Physharmonika No. 313 (Seite 340). 




Inschrift zur „Orgue expressif" No. 323 (Seite 346). 




Inschrift zum Aeolodicon No. 321 (Seite 342). 




Inschrift zum Portativ No. 256 (Seite 313). 



Orgelbauer: Courtain— Hildebrand £§gtflgtflgK!g} 359 

Courtain, Jacob. (Orgel-Klaviatur No. 263.) 

„Ein geschickter Orgelbauer", der gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
wirkte. Nach Gerbers „Neuem Lexikon der Tonkiinstler" (1. Theil, 1812, 
Sp. 803) wohnte er „anfangs in Emmerich, dann 1790 zu Burg-Steinfurt [bei 
Miinster] und endlich 17Q3 zu Oldenburg. Zur Ehre seiner Kunst hat er 
i. J. 1790 im Dom zu Osnabriick ein 16 fiiBiges Werk von 41 Stimmen, 
worunter 13 Rohrstimmen, fur 3 Man[uale] . . . und Pedal. . . erbauet. Die 
Disposition desselben, ganz im franzosischen Geschmacke, findet man in der 
mus. Korresp[ondenz, Speier], 1791. S. 107. . ." Abt Vogler nannte C.'s 
Arbeit „das Non plus ultra der Orgelbaukunst". Wahrscheinlich war die 

Anerkennung, die die Domorgel fand, die Veranlassung, daB ihm i. J. 1793 
auch der Bau der Orgel fur die Marienkirche in Osnabriick iibertragen wurde. 

Haeckl, Anton. (Physharmonika No. 313.) 

Ein Wiener Instrumentenbauer, der in der ersten Halfte des 19. Jahr- 
hunderts lebte; nach der Inschrift zu No. 313 wohnte er in den zwanziger 
Jahren Ungargasse No. 330. In der Wiener Zeitung v. J. 1821 heiBt es: 
„Anton Hackl hat ein Patent auf 5 Jahre erhalten auf ein Instrument, wo 
durch den Wind aus messingenen und stahlernen Federn [Zungen], die in 
messingenen Korpern befestigt sind, verschiedenartige Tone hervorgebracht 
werden, und sich nicht leicht verstimmen konnen. Dieses Instrument, welches 
er Phys-Harmonika nennt, kann wegen seiner geringen GroBe mit jedem 
Klavierinstrument leicht in Verbindung gebracht werden." Diese Physharmonika, 
die nichts weiter als eine minderwertige Nachahmung der bereits 1810 er- 
fundenen Eschenbach'schen „Aeoline" bildete, war die Ursache, daB 
H. ganz unverdient jahrzehntelang fur den „Erfinder" des Harmoniums ge- 
halten wurde; vgl. hieriiber Seite 337 des Katalogs. 

Die ,,Allgemeine musik. Zeitung" (24. Jahrg., 1822, Sp. 14) berichtet iiber ein 
Wiener Konzert voni 15. Dezember 1821, in dem als No. 11 des Programms „Fantasie 
fur die Phys-Harmonica, von Hrn. Hieronimus Payr" ') vorgetragen wurde: ,, Dieses 
neue, von Hrn. Hackel erfundene Instrument interessirte, indem es hier das erstemal 
offentlich zu dehor gebracht wurde, durch den, das Gemiith ergreifenden. seelenvollen 
Ton, und durch die mannichfaltigen Abstufungen und Modificationen desselben." 

Heussler, Urban. (Prospektpfeifen No. 267— 269.) 

Ein Orgelbauer zu Miinchen, der i. J. 1595 zusammen mit Leonhart 
Kurtz die Orgel der dortigen St. Michael-Hofkirche erbaute. Das „Baierische 
Musik-Lexikon" von F.J. Lipowsky (Miinchen, 1811) verzeichnet auBerdem 
(S. 123) einen Johann H., der in seiner Eigenschaft als Hoforgelmacher 1593 
ein Jahresgehalt von 24 Gulden bezog. (Vgl. L. Westenrieder, „Jahrbuch 
der Menschengeschichte in Baiern", Bd. Ill, S. 110.) 

Hildebrand, Zacharias. (Posaunenstimmen No. 298—300.) 

Vergl. iiber ihn Seite 231/232 des Katalogs (Friedrich Hildebrandt); 
ferner Seite 319 und 329. 

') Payer, geb. 15. Februar 1787 zu Meiding bei Wien, gest. im September 1845 
zu Wiedburg bei Wien, war Kapellmeister und Opernkomponist und der erste Virtuose 
auf dem Aeolodikon und der Physharmonika; seine Konzertreisen fuhrten ihn durch 
ganz Deutschland, nach Amsterdam und Paris. (Vgl, die Lexika. von Fetis und 
Mendel-Reissmann.) 



360 ^^^^^ Orgelbauer: Horugel -Miiller 

Horugel, M. („MeIodium" [Reise-Harmonium] No. 331.) 

Im Jahre 1893 gegriindete Harmoniumfabrik in Leutzsch bei Leipzig, 
KirchstraBe 6 und Kurze StraBe 6; die jetzigen Inhaber der „Hof-Harmonium- 
fabrik" sind P. Horugel und Wilhelm O. Jiirgens. 

Jbach, Adolph Sonne. (Hausorgel No. 261.) 

Siehe Seite 236 des Katalogs. 

Kurtz, Leon hart. (Prospektpfeifen No. 267— 269.) 

Ein Orgelbauer zu Miinchen aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Vgl. 
iiber ihn Urban Heussler (auf voriger Seite). 

Ladegast, Fried rich. (Orgel-Klaviatur No. 264.) 

Friedrich Ladegast wurde als Sohn eines Tischlers am 30. August 1818 
zu Hochhermsdorf bei Geringswalde in Sachsen geboren und starb als einer 
der bedeutendsten deutschen Orgelbauer des 19. Jahrhunderts hochbetagt am 
30. Juni 1905 zu WeiBenfels a. S. Er erlernte den Orgelbau bei seinem Bruder 
Christlieb L. (geb. 3. Dezember 1813) in Geringswalde, war dann in ver- 
schiedenen anderen Werkstatten zu Borna, Leipzig und Dessau tatig und 
machte sich i. J. 1847 zu WeiBenfels selbstandig. Durch mehrere vorziigliche 
Orgelbauten wurde sein Name rasch bekannt, so daB ihm i. J. 1855 der Um- 
bau der groBen Orgel des Merseburger Doms iibertragen wurde, womit sein 
Ruf besiegelt war. Bis 1876 hatte er 80 Werke fertig gestellt, darunter die 
Orgel fur die Nikolaikirche zu Leipzig (1859— 63) und den Dom zu Schwerin 
(1871). In spateren Jahren unterstiitzte ihn sein Sohn F. Oskar (geb. 26. Sep- 
tember 1858), mit dessen Hiilfe er es insgesamt auf 220 Orgeln brachte. Oskar 
L. ist der jetzige Leiter der beruhmten Orgelbauanstalt in WeiBenfels. 
Vgl die Lexika von Mendel-Reissmann und Riemann. 

Miiller, Achille. („Orgue expressif" No. 323 

u. „Orgue expressif de voyage" No. 324.) 
Theodore Achille Midler wurde am 6. Mai 1801 zu Vertus (Departement 
Marne) geboren. Den Harmoniumbau erlernte er bei Gabriel Joseph 
Grenie, dem ersten Erbauer von „Orgues expressives". (Vgl. Seite 336). 
Nach dessen am 3. September 1837 erfolgten Tode setzte M. sein System mit 
einigen Verbesserungen fort. Bereits 1834 hatte er ein „Organo-Piano u er- 
funden, ein zweimanualiges Instrument, das eine Verbindung zwischen „Orgue 
expressif" und Pianoforte bildete und auf der Pariser Ausstellung mit der 
bronzenen Medaille pramiiert wurde. Weitere Auszeichnungen erhielt er in 
den Jahren 1839 und 1844; an den Versuchen zur Verbesserung der Kon- 
struktion der Zungenstimmen und des Kanzellenbaues hat er wesentlichen 
Anteil. Seine Fabrik befand sich damals Rue de la Ville l'Eveque 42 im 
Faubourg St. Honore. Die Erfindung der sehr sinnreich konstruierten und 
praktischen „Orgue expressif de voyage" wurde ihm, wie bereits S. 349 er- 
wahnt, i.J. 1843 patentiert; auch auf der Londoner Weltausstellung v. J. 1851 
war das Instrument ausgestellt. M.'s Todesjahr scheint nicht iibermittelt 
zu sein. 

Vgl. Fetis, „Biographie universelle", tome 6£ (Paris 1884) p. 260/61; C. Pierre, 
„Les facteurs d'instruments de musique", Paris 1893, p. 234/35. Eine nahere Be- 
schreibung seiner Modifikationen des Grenie'schen Systems befindet sich im tome III 
von M. P. Hamels ,,Nouveau manuel complet du facteur d'orgues" (Paris 1849). 



Orgelbauer: Rau— Scheibe 



Rail, .... (Prospektpfeifen No. 277— 281.) 

Ein Orgelbauer aus der ersten Halfte des 17. Jahrhunderts (1636), der 
zu Joachimsthal i. d. Uckermark ansassig gewesen sein .soil. 

Rusch, Johann. (Prospektpfeifen No. 296 u. 297.) 

Johann Rusch wurde i. J. 1728 zu Dornbirn in Tirol geboren. Er war 
zuerst in Zwickau als Orgelbauer ansassig, wo er sich mit Veronica 
Biegert[in] (oder Piggert[in], geb. 1740 zu Zwickau, gest. 26. Februar 1803 
zu Leitmeritz) verheiratete. Im Jahre 1769 siedelte er nach Leitmeritz in 
Bohmen iiber und erhielt am 29. August desselben Jahres das dortige Biirger- 
recht. Von Orgeln, die er baute, sind nachweisbar: eine groBe Orgel fur 
die Hohenelber Klosterkirche (1772), eine Orgel fur die Leitmeritzer Stadtkirche 
(1774) und fur die katholische Pfarrkirche zu Schirgiswalde i. S. (1777; 
vgl. No. 296 u. 297). Er starb zu Leitmeritz am 17. September 1791. 
Von seinen vier Kindern wurde sein Sohn Anton (geb. 1768 zu Zwickau, 
gest. 16. August 1839 zu Leitmeritz) ebenfalls Orgelbauer. Das Leitmeritzer 
Burgerrecht erhielt er am ll.Januar 1793; er baute u. a. eine Orgel fur die 
St. Niklas-Kirche in Nikdorf und i. J. 1802 eine Orgel fur Reichenau. 

Das Museum verdankt diese Mitteilungen den frdl. Nachforschungen des Stadt- 
archivars und K. K. Konservators Herrn Heinrich Ankert in Leitmeritz. 

Scheibe, Johann. (Orgel-Spieltisch No. 262, Prospektpfeife No 294.) 

Johann Scheibe wurde um das Jahr 1675 geboren. Er lebte in Leipzig; 
neben Zacharias Hildebrand war er der geschatzteste dortige Orgelbauer. 
Im Jahre 1710 wurde ihm der Bau der Orgel fur die Leipziger Universitats- 
(Pauliner-) Kirche (ibertragen, da man ihn „als einen redlichen, billigen und 
fleiBigen Arbeiter" schatzte. Im Herbst 1716 war das „prachtige Orgelwerk. . ., 
welches 54 Stimmen hat", vollendet 1 ). Die Orgelpriifung wurde Johann 
Sebastian Bach iibertragen, der damals gerade von Weimar als Fiirstl. 
Hof-Kapellmeister nach Cothen iibergesiedelt war; sein lobendes Gutachten 
(„Leipzig, d. 17. Decembris ao 1717") ist in Spittas Bach-Biographie (Bd. II., 
S. 119 f.) abgedruckt. Scheibe erhielt den Titel „Universitats-Orgelmacher" 
und wurde in der Folgezeit mit alien Reparaturen, die sich bei den Leipziger 
Orgeln notig erwiesen, betraut. So nahm er in den Jahren 1721, 1730 
und 1747 bei der aus Eicha erworbenen Thomasorgel (vgl. Seite 328, FuBnote 1) 
mehrfache Umarbeitungen vor; 1722 reparierte er die Orgel der Neuen Kirche, 
1725 die Nikolaiorgel (vgl. Seite 330) usw. Ueber die 1742—44 erbaute 
Orgel der Johanniskirche siehe No. 262 des Katalogs (Seite 319 f.). Auch die 
von ihm erbaute Orgel zu Zschortau bei Delitzsch wurde im August 1746 
durch Bach gepriift. Ein ausfiihrlicher Bericht iiber seine verschiedenen 

sinnreichen Erfindungen zur Verbesserung der Orgelmechanik, die auch in 
Gerbers Lexicon erwahnt werden, 2 ) findet sich in der „Leipziger Neuen 

: ) Die Disposition dieser Orgel ist in der ,,Sammlung einiger Nachrichten . . .", 
Breslau 1757, S. 54/55 enthalten und bei Spitta, „Joh. Seb. Bach", 2. Band S. 117 f. 
abgedruckt. 

'-) Das „dritte. . . seltene Stuck, so er bey der Orgel. . . . sollte erfunden haben" 
und das Oerber „wieder entfallen" war, wird wahrscheinlich der Mechanismus gewesen 
sein, „durch welchen mittelst grofierer oder geringerer Beschwerung der Blasbalge die 
Stimmung der Orgel hoher oder tiefer gemacht werden konnte". Sch. wandte diese 
Erfindung zum ersten Male bei einem i. J. 1731 fertiggestellten kleinen Orgelwerk an. 
(Spitta, a. a. O., S. 154.) 



Orgelbauer : Scheibe— Schweinf leisch 



Zeitung von gelehrten Sachen", Jahrg. XVIII, S. 833 f. Scheibe starb am 
3. September 1748 zu Leipzig. — Sein Sohn, der Komponist und Kapell- 
meister Johann Adolf Sch. (geb. Anfang Mai 1708 zu Leipzig, gest. 22. April 
1776 zu Kopenhagen) machte sich hauptsachlich durch seine oft stark polemische 
musikschriftstellerische Tatigkeit bemerkbar; bekannt sind seine aus rein per- 
sonlichen Motiven veranlaBten Angriffe gegen Bach im 6. Stuck seiner Zeit- 
schrift „der critische Musicus" (Hamburg 1737—40). 

Vgl. Gerbers „Lexicon der Tonkiinstler", 2. Theil, Leipzig 1792, Sp. 412 und 
Spitta, Ph., ,Johann Sebastian Bach", 2. Band, Leipzig 1880, SS. 112—122, 154, 501. 

Schlag & SOhne. (Orgel-Spieltisch No. 265.) 

Der Begriinder der renommierten Orgelbauanstalt Schlag & Sonne in 
Schweidnitz ist Christian Gottlob Schlag. Er wurde am 27. Februar 1803 
zu Storschwitz bei Zeitz geboren und wandte sich i. J. 1822, nachdem er 
zuerst die Weberei erlernt hatte, dem Orgelbau zu. Seine Lehrzeit machte er 
in Schafstadt bei einem Meister Sch on berg durch und war dann in ver- 
schiedenen Werkstatten zu Herzberg, Magdeburg und Jauer tatig, bis er sich 
im Jahre 1831 selbstandig machte. Als ihm drei Jahre spater eine Reparatur 
an der Orgel der Friedenskirche zu Schweidnitz ubertragen wurde, siedelte 
er nach dieser Stadt iiber, und seine Firma entwickelte sich in der Folgezeit 
zur grofiten ostdeutschen Orgelbauanstalt. 1869 nahm Sch. seine beiden 
Sonne Theodor und Oskar als Teilhaber auf, so daB die Firma in 
„Schlag & Sonne" umgeandert wurde. Christian Gottlob starb am 10. Marz 1889; 
die Sohne, denen das Pradikat „Kgl. H of orgelbauer" verliehen wurde, fiihrten 
das Geschaft allein weiter fort. Es wurden bisher iiber 700 Werke fertig- 
gestellt; zu erwahnen waren die Orgeln in der St. Elisabethkirche zu Bres- 
lau (1879, mit 62 Stimmen), in der evangel. Kirche zur Hirschberg (1879, mit 
64 Stimmen), zu Gorlitz (1879, mit 66 Stimmen), in der Peter und Paul-Kirche 
zu Liegnitz (1894, mit 53 Stimmen) in der St. Jacobi-Kirche zu Chemnitz (1903, 
mit 62 Stimmen), in der Gnadenkirche zu Hirschberg (1904, mit 70 Stimmen) 
u. v. a. 

Vgl. die Lexika von Mendel-Reissmann und Riemann. 

Schweinfleisch, (Prospektpfeife No. 295.) 

Ueber Schweinfleisch, dessen Vorname nicht ubermittelt ist, heiBt es 
in Gerbers „Lexicon der Tonkiinstler", 2. Theil (Leipzig 1792) Sp. 483/84: 
„Instrumentmacher und Orgelbauer zu Leipzig, stand vom Jahr 1731 bis 39 
bey seiner Mutter Bruder dem ehemaligen beriihmten Altenburgischen Hof- 
Orgelbauer, Herrn [Gottfried Heinrich] Trost, 1 ) ordentlich in der Lehre, und 
baute 1768 das von Kennern gepriesene Orgelwerk von 25 Stimmen 

') Vgl. iiber ihn Gerber, a. a. O., Sp. 687: „.. ein vortreflicher Orgelmacher 
aus Altenburg; arbeitete in der ersten Halfte dieses [des 18.] Jahrhunderts mit vielem 
Ruhme. Unter ihm bildeten sich vier in der Folge sehr beriihmt gewordene Orgel- 
baumeister als Gesellen, namlich : C. E. Friederici in Gera [vgl. Seite 229 des 
Katalogs], Casparini in Konigsberg [vgl. S. 365], Joh. Jakob Graichen und 
Joh. Nikol. Ritter, beyde im Bareuthischen. Folgende Werke von Trosts Arbeit 
sind merkwiirdig: die Orgel zu Dollstadt im Gothaischen von 20 Stimmen, 1709: die 

Orgel in Waltershausen bey Gotha von 58 Stimmen im Jahr 1730 fiir 6000rthlr. : 

und die Orgel in der SchloBkirche zu Altenburg von 40 Stimmen; vorziiglich schon 
von 1736 bis 1739 erbauet." — Ueber andere Mitglieder der Familie Trost (Tobias 
Gottfried, wahrscheinlich der Vater Gottfried Heinrichs; Johann Caspar [Vater 
und Sohn] und Caspar) vgl. Gerbers „Neues Lexikon", 4. Theil (1814), Sp. 393-395. 



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Orgelbauer: Schweinfleisch— Silbermann 



und 2 Klavieren 8 FuBton, in der reformirten Kirche zu Leipzig." Diese 
Angaben sind dem 3.Jahrgangder „W6chentlichen Nachrichten" vonjoh. Adam 
Hiller (Leipzig 1768 69, Seite 38) entnommen, wo auch die Disposition 
dieser Orgel abgedruckt ist. Ueber den von Sch. in den Jahren 1755 56 

vorgenommenen Umbau der altesten Orgel in der Thomaskirche zu Leipzig 
und die von ihm 1772 neu erbaute Thomas-Orgel siehe Seite 328 des Katalogs. 

Silbermann, Andreas. (Gipsabdrucke einer Prospektpfeife, No. 292 u. 293.) 

Andreas Silbermann, das alteste Mitglied der beriihmten Orgelbauer- 
familie, wurde am 16. Mai 1678 als erster Sohn desZimmermeisters Michael S. 
zu Klein-Bobritzsch bei Frauenstein im sachsischen Erzgebirge geboren; 1 ) 
seine Mutter hieB Anna Maria geb. Preussler und stammte aus Grofi- 
altersdorf. Er erlernte den Orgelbau und kam auf der Wanderschaft nach 
Gorlitz, wo der kaiserl. Hoforgelbauer Eugenius Casparini, einer der 
ersten Meister seiner Zeit,-) mit dem Bau der groBen Orgel fiir die neue 
Peter-Pauls-Kirche beschaftigt war. Einige Zeit spater arbeitete S. in Hagenau 
(im UnterelsaB) und wandte sich kurze Zeit darauf nach StraBburg i. Els.; hier 
machte er sich selbstandig und verheiratete sich am 13. Juni 1708 mit Anna 
Maria Sch mid. Von seinen zwolf Kindern (neun Sohnen und drei 
Tochtern) starben viele in jugendlichem Alter; nur vier Sonne, Johann 
Andreas (geb. 26. Juni 1712, gest. 11. Februar 1783; siehe Seite 265 des 
Katalogs), Johann Daniel (geb. 31. Marz 1717, gest. 6. Mai 1766 zu 
Leipzig), Jo hann Gottfried (geb. 1722, gest. 3. Mai 1762) und Johann 
Heinrich (geb. 24. September 1727, gest. 15. Januar 1799; s. Seite 266) 
blieben am Leben und erlernten alle die Kunst des Orgelbaues unter Leitung 
des Vaters, der es hierin zu hoher Meisterschaft und groBem Rufe gebracht 
hatte. Andreas S. starb im Alter von 56 Jahren am 16. Marz 1734; die Zahl 
der von ihm wahrend seiner nahezu dreiBigjahrigen Wirksamkeit in StraBburg 
erbauten Orgeln, die fast alle fur Elsasser und Schweizer Kirchen bestimmt 
waren, belauft sich auf dreiBig. 

Nach Lobstein, J. F. ,,Beitrage zur Geschichte der Musik im ElsaB ..." 
(StraBburg 1840), Seite 107 (biographische Mitteilungen) und Seite 109/110 (Verzeichnis 
seiner Orgeln); ferner ,,Zeitschrift fiir Instrumentenbau", XXVI. Band (1905-06) 
No. 17. — Vgl. die Stammtafel der Familie Silbermann auf Seite 367 
des Katalogs. 

Silbermann, Gottfried. (Orgel No. 250.) 

Gottfried Silbermann, der ji'mgere Bruder Andreas' und der beruhmteste 
Tragerdes Namens „Silbermann", wurde am 14. Januar 1683 in Klein-Bobritzsch 
bei Frauenstein geboren. Er verbrachte eine bewegte Jugendzeit; mutwillige 
Streiche, wofiir ihm harte Bestrafung drohte, zwangen ihn zur Flucht aus 



1 ) Seite 363 des Katalogs enthalt eine Abbildung des Geburtshauses der Bruder 
Andreas und Gottfried Silbermann. 

2 ) Geboren 1624 zu Sorau in der Niederlausitz, gestorben 12. September 1706 
zu Neuenwiese in Gorlitz. Er war deutscher Herkunft; sein eigentlicher Name war 
Caspar. Der Bau der Gorlitzer Orgel, die drei Manuale und 57 Stimmen besaB, 
dauerte sieben Jahre (1697—1703); ihre Disposition ist in der „Sammlung einiger 
Nachrichten" (Breslau 1757), S. 37 und in Adlungs „Musica mechanica Organoedi", 
I. Bd., S. 232 abgedruckt. Vgl. iiber ihn Gerbers ,,Neues Lexikon", 1. Theil, Sp. 
659-661; ebenso fiber seinen Sohn Adamo Orazio und seinen Enkel Johann 
Gottlob Casparini. 



366 ^^^S^S^S^S^^ Orgelbauer: Silbermann 



Frauenstein, wo er bei einem Buchbindermeister F rob el in der Lehre war, 
nach Bohmisch-Einsiedel zu seinem Vetter, einem dortigen Miiller. Von dort 
gelangte er schlieBlich zu seinem Bruder Andreas nach StraBburg, bei dem 
er den Orgelbau erlernte, und in dessen Werkstatt er spater auch als Ge- 
hulfe arbeitete. Aber auch in StraBburg war seines Bleibens nicht lange; 
neuer Streiche wegen muBte er abermals fluchten und kehrte nun nach der 
Heimat zuriick. Hier baute er i. J. 1708 seine erste Orgel und verlegte vier Jahre 
darauf seinen Wohnsitz nach Freiberg i. S., wo er bis an sein Lebensende 
ansassig blieb. Seine SeBhaftmachung in Freiberg bedeutete das Ende seiner 
unstaten, abenteuerlichen Jugend, und jetzt konnte sich seine geniale Be- 
gabung, die ihm unter den deutschen Orgel- und Instrumentenbauern 
seiner Zeit den ersten Rang anweist, in Ruhe entfalten. Er bezog ein 
geraumiges Haus am SchloBplatz, die sog. „Reiterwache" (s. die Abbildung 
auf Seite 364), und arbeitete hier mit einer groBeren Zahl Gehiilfen iiber 
dreiBig Jahre hindurch bis zum Jahre 1741, wo er die Wohn- und Ar- 
beitsstatte wechselte. Den ersten Beweis seiner hohen Meisterschaft bot er mit der 
45stimmigen Orgel im Freiberger Dom, die er in den Jahren 1712-14 er- 
baute und die seinen Ruf mit einem Schlage begrundete. Freiberg verdankt 
S. noch drei weitere groBere Orgeln in der St. Jacobi- (1709), St. Johannis- 
(1711) und St. Petrikirche (1734—36). Bald drang S.'s Ruf auch nach der 
sachsischen Residenz, die damals unter August dem Starken ihre kiinstlerische 
Glanzperiode erlebte; man ubertrug ihm den Bau der Orgel fur die Dresdener 
Sophienkirche (1720) und spater auch fur die Frauenkirche (1736). Nach der 
Einweihung dieses Werkes wurde S. mit der Verleihung des Titels „Kgl. Poln. 
und Churfurstl. Sachs. Hof- und Landorgelbauer" ausgezeichnet. Weitere 
beruhmte Silbermann'sche Orgeln besitzen die St. Georgenkirche zu Rotha 
bei Leipzig (1721), die Kirchen zu Ponitz im Altenburgischen (1737), die St. 
Johanniskirche in Zittau (1741) u. v. a. 

Neben dem Orgelbau betrieb S. auch eifrig die Verfertigung von Clavi- 
chords und Clavicymbeln (vgl. No. 91 des Katalogs); iiber seine Verdienste 
um die Einfuhrung und Verbesserung des nammerklaviers vgl. Seite 116. Im 
Jahre 1722 erfand er ein verbessertes Clavichord, das er „Cembal d'amour" 
nannte (vgl. Adlung, a. a. O., 2. Band S. 124); das Instrument war mit 
Saiten von doppelter Lange ausgestattet, die von den Tangenten genau in 
der Mitte getroffen wurden und die Oktaven des Tones der ganzen Saite 
doppelt ertonen lieBen. Verbreitung hat das „Cembal d'amour" nicht gefunden. 
Silbermanns letztes und groBtes Werk war die mit 47 Stimmen disponierte 
Orgel fur die i. J. 1751 vollendete kath. Hofkirche zu Dresden. Mitten in 
der Arbeit erreichte den von Hypochondrie und Podagra gequalten 71jahrigen 
Meister am 4. August 1753 der Tod; die Orgel wurde von seinen besten 
Schiilern Zacharias Hildebrand (vgl. Seite 359 des Katalogs) und seinem 
begabten Neffen J oh. Daniel S. (1717 — 1766; vgl. Seite 365) vollendet und 
im Februar 1754 eingeweiht. Insgesamt sind aus S.'s Werkstatt wahrend 
seiner fiinfundvierzigjahrigen Tatigkeit 47 Orgeln 1 ) hervorgegangen, die 
ihrer Zeit als Meisterwerke ersten Ranges galten und auch heute noch in 
Sachsen fast wie nationale Heiligtumer in Ehren gehalten werden. 



') Das erste vollstandige Verzeichnis der Orgeln wurde von dem Freiberger 
Cantor und Musikdirektor Johann Gottfried Fischer (1751-1821) aufgestellt und 
in der Festschrift des Rothaer Pfarrers Joh. Ludwig Ritter (Leipzig 1821; s. S. 368) 
veroffentlicht. Dieses Verzeichnis wurde von Ludwig Mooser is. ob.) ubernommen; 
auch in einem Aufsatz von A. J. Hipkins in No. 11 des 3. Bandes (1882/83) der 
„Zeitschrift fur Instrumentenbau" ist es abgedruckt. 





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* ca. 1650. Zimmermann zu Klein-Bobritzsch; er wurde ca. 1680 „Hof- und SchloBzimmermann" 

und verzog 1693 nach dem benachbarten Frauenstein. 
Verheiratet (s. 17. September 1676) mit Anna Maria PreuBler aus GroBaltersdorf. 


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f in jugendlichem 
Alter. 


Johann Heinrich 

* 24. September 1727 zu StraBburg, 

f 15. Januar 1799 ebenda. 

Verheiratet (seit ca. 1760) mit 

Katliarina Margarethe 

Mosseder. 


Friederike 

Magdalena 

verehliclite Strohl. 

Das Ehepaar war 

bereits 1840 f- 




Johann 
Heinrich 

Literat; iiber- 
nahm spater die 

Buchdruckerei 

seiner Schwieger- 

eltern. 




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* 14. Januar 1683 zu Klein-Bobritzsch, 
f (ledig) 4. August 1753 zu Dresden. 




Johann Gottfried 

* 1722 zu StraBburg, 
f (ledig) 3. Mai 1762 
ebenda. 


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Johann 

Friedrich 

* 21. Juni 1762 
t 9. Marz 1805 
[1817?] 


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Johann Daniel 

*31.Marzl717zuStraBburg, 
f 6. Mai 1766zu Leipzig. 
Verheiratet mit Elisabeth 
Bar. 

Einziger Sohn: 


Ludwig 

t in jugendlichem Alter. 


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* 16. Mai 1678 zu Klein-Bobritzsch, f 16. Marz 1734 zu StraBburg. 
Verheiratet (s. 13. Juni 1708) mit Anna Maria Schmid aus StraBburg. 
Von seinen zwolf Kindern blieben nur am Leben: 


Johann Andreas 

* 26. Juni 1712 zu StraBburg, 1 1 1. Februar 1783 ebenda. 

Verheiratet (s. 1742) mit Anna Salome Mannberger. 

Von seinen neun Kindern blieben nur am Leben: 

(seine zweite, am 2. Februar 1772 mit Elisabeth 

Schatz geschlossene Ehe war kinderlos.) 


Johann Andreas 

(jiingstes Kind seines 
Vaters). Er wurde Kauf- 
mann und verheiratete 
sich mit Anna Maria 
Karth. 




Johann Josias 

* 1765, t 3. Juni 1786 
zu StraBburg. 



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368 t§gtf^tf!gtflgSl§} Orgelbauer: Silbermann— Sturm 

Als ein interessantes zeitgenossischesUrteilsei eineAeuBerung von Job. Fried rich 
Agricola (1720-1774) in Adlungs „Musica mechanica Organoedi" (1. Band, S. 212) 
mitgeteilt: ,,An seinen Orgeln, finden achte Orgelkenner weiter nichts zn tadeln, als: 
die allzueinformige Disposition, welche bios aus einer iibertriebenen Belnit- 
samkeit, nichts von Stimmen zn wagen, wovon er nicht ganz gewiB versichert war, 
daB ihm nichts daran miBrathen whrde, herri'ihrte; ferner die allzueigensinnige 
Temperatur, und endlich die allzuschwachen Mixtnren und Cimbeln, wegen 
welcher seine Werke, znmal fiir groBe Kirchen, nicht Scharfe nnd durchschneidendes 
Wesen genug haben. Drey Dinge, welche er alle sehr leicht hatte andern konnen. 
Dagegen bewundern Kenner: die vortreffliche Sauberkeit, Qhte nnd Danerhaftigkeit, 
der Materialien sowohl als der Arbeit; die groBe Simplicitat der innern Anlage; die 
ungemein prachtige und voile Intonation; und die iiberaus leicht und bequem zu 
spielenden Claviere." 

Gottfried Silbermann war unverheiratet; er hinterlieB ein betrachtliches 
Vermogen, das seinem Vetter, einem damaligen Hofkommissarius, zufiel. Sein 
Geschaft setzte sein bereits erwahnter Neffe Johann Daniel S. fort, der 
ebenfalls den Titel eines Hoforgelbauers erhielt. 

Vgl.: Ritter, Joh. Ludwig. ,,Etwas znr Feyer des ersten Jubilaums der beiden 
Silbennannischen Orgeln in Rotha", Leipzig 1821 (vgl. Seite 306 des Katalogs); Mooser, 
Ludwig, ,,das Briiderpaar ... Silbermann", StraBburg, Druck von Gustav Silber- 
mann [einem Urenkel von Andreas S.] 1861; ,,Zeitschrift fiir Instrnmentenbau", XXVI. 
Band (1905—06), No. 15, 16, 17; ferner die Lexika von Oerber, Schilling, Mendel- 
Re iBmann etc. 

Sturm, Friedrich. (Aeolodicon No. 321.) 

Johann Friedrich Sturm wurde am am 24. Juli 1797 als einziger Sohn 
des Webermeisters Georg St. zu Suhl in Thuringen geboren. Trotz groBer 
Vorliebe fiir die Musik muBte er das vaterliche Handwerk erlernen; 1815 kam 
er auf der Wanderschaft nach Schweinfurt, spater nach Koburg und der 
Rheinpfalz. Im Jahre 1820 heiratete er ein Madchen aus seiner Vaterstadt, 
Johanna Margarethe Meissner; doch starb seine Gattin schon nach 
sechsjahriger Ehe am 26. Oktober 1826. - - Die Virtuositat eines Maultrommel- 
blasers, den er zufallig i.J. 1823 in Wiirzburg horte, veranlaBte ihn zur Kon- 
struktion eines Tasteninstruments mit Zungenstimmen; im nachsten Jahre 
hatte er nach vielfachen Versuchen sein erstes Aeolodicon fertiggestellt. Doch 
lieB ihn seine geschaftliche Tatigkeit nur wenig zum Instrumentenbau kommen, 
und erst i.J. 1827 konnte er sich ganzlich seiner Lieblingsbeschaftigung wid- 
men. Im Oktober des nachsten Jahres reiste er mit seinem Instrument nach 
Erfurt und kurz darauf, mit Empfehlungen an den Direktor der Singakademie, 
Professor Zelter, versehen, nach Berlin. Hier fand er freundliche Aufnahme 
und mit Recht reiche Anerkennung, da sein Aeolodicon gegeniiber den 
primitiven Aeolinen und Physharmonikas jener Zeit einen entschiedenen 
Fortschritt bedeutete. (Vgl. hierzu das auf Seite 345 des Katalogs abgedruckte 
Attest Spontinis aus dem 35. Jahrgang der „Allg. Musikalischen Zeitung.") 
Das Berliner Instrument wurde von dem Geheimrat Christian Gottfried 
Korner, dem Freunde Schillers und Vater von Theodor Korner, 
fiir 200 Thaler erworben und auf dessen Veranlassung dem preuBischen 
Kultusministerium vorgefiihrt. Auch hier fand das Aeolodicon groBen Beifall, 
so daB die Regierung seine Einfiihrung fiir kleine Kirchen an Stelle der 
Orgel beabsichtigte und dem Erfinder eineBestellung von hundert Instrumenten 
in Aussicht stellte; doch lehnte St. unklugerweise dieses giinstige Angebot ab. 
Die Verhandlungen scheiterten an der Preisfrage, da die Regierung nur 
100 Thaler als Einzelpreis gewahren wollte. Nach einem Aufenthalt von 

zwei Monaten reiste St. heimwarts und betrieb die Fabrikation seiner 



Orgelbauer: Sturm— Venzky Qig^iS^Ii^lStfSg} 369 

Aeolodica eifrig weiter. Eine weitere Reise unternahm er auf Anraten des 
dortigen Musikdirektors Albert Methfessel (1785—1869) i. J. 1830 nach 
Hamburg; die dort erzielten Verkaufe legten den Grund zu seinem Wohl- 
stand, so daB er nach seiner Ruckkehr im Suhler Oberland eine Schneide- 
miihle erwerben konnte. 

Zwei Tochter aus seiner zweiten Ehe mit einem Fraulein v. Widder, 
Klementine und Dorothea, leben noch in Suhl; in ihrem Besitze befindet 
sich das Manuskript der „Lebenserinnerungen", das St. in seinem 67. Lebens- 
jahre(1863) verfaGte und dem die obigen Angaben entnommen sind. — St. ist 
hochbetagt in seiner Heimatstadt am 24. Juni 1883 gestorben. 

Die Ausziige aus dem Manuskript verdankt das Museum der Freundlichkeit des 
Herrn Mittelschullehrers Albert Schmidt zu Frankfurt a. M., eines Enkels von 
Friedrich Sturm. 



Tayssner, Zacharias. (Prospektpfeifen No. 290 u. 291.) 

Oerbers „Neues Lexikon", 4. Theil (Leipzig 1814, Sp. 330) verzeichnet 
zwei Orgelbauer mit Namen Tayssner: 

„Andreas T., . . . , geb. zu Lobegin im Magdeburgischen, lebte gegen 
Ende des 17. Jahrhunderts. 

Zacharias T., ob Bruder oder Sohn des Vorhergehenden, ist nicht 
bekannt, war ebenfalls Orgelbauer, geb. zu Lobegin, und hatte sich zu Merse- 
burg gesetzt, wo er i. J. 1700 noch arbeitete. Seines Namens wird zwar hin 
und wieder riihmlich gedacht; zu diesem Ruhme mogen aber die beyden 
Werke, welche er zu Jena und Naumburg erbauet hat, wohl wenig beyge- 
tragen haben, indem es ersterem am Winde fehlt, und letzteres nur 43 Jahre 
brauchbar geblieben ist. [Vgl. hieruber No. 299 des Katalogs.] Ueberhaupt 
konnen noch folgende seiner Werke genannt werden: 1) in der Kollegien- 
kirche zu Jena, 1704 repariert; 2) die Dom-Orgel zu Merseburg, 1702; 3) im 
Benediktinerkloster zu Weingarten, ein Werk .... fur 4 Manuale 
und Ped." 1 ) - Die Disposition der letzteren Orgel ist in der „Sammlung 
einiger Nachrichten von beruhmten Orgel werken" (Breslau 1757, Seite 97) 
abgedruckt. 

Venzky, C. R. A. (Portativ No. 256.) 

Carl Rudolf August Venzky wurde i. J. 1767 als Sohn des Pastors 
Gotthelf V. zu Langenhennersdorf bei Pirna geboren. Den Orgelbau er- 
lernte er 1780—85 bei dem sachsischen Hoforgelmacher Johann Friedrich 
Treubluth (geb. 29. Mai 1739 zu Weiksdorf in der Oberlausitz; gest. 
28. April 1821 zu Dresden) 3 ), bei dem er bis zum Jahre 1787 in Stellung 
blieb. Dann ging er einige Jahre auf die Wanderschaft und kehrte 1790 
nach Dresden zu Treubluth zuruck. Im nachsten Jahre erhielt er den Titel 
eines „ChurfurstI. Sachs. Hoforgelmacher-Adjunctus"; wahrscheinlich wurde 
er nach Treubluths Tode (1821) dessen Nachfolger. -- Meusel (s. u.) sagt von 



*) Letztere Angabe scheint auf einem Irrtum zuberuhen; dieberiihmte 76stimmige 
Orgel der Abteikirche des Klosters Weingarten wurde 1737-1750 von Josef Q abler 
aus Ochsenhausen erbaut. Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", 21. Band (1900/01) 
No. 10. 

2 ) Vgl. iiber ihn Gerbers „Neues . . Lexikon", 4. Theil, 1814, Sp. 385/86. 



24 



370 figtf^^lgtflgtf^tflSl Orgelbauer: Venzky 



ihm: „Er baut nicht nur alle Arten von Orgeln, sondern auch Fortepiano's 
in Fliigel- und Klavierform, mit und ohne Flotenwerke, ingleichen Klaviere 
ohne und mit Flotenwerken. Er erfand auch eine neue Gattung von Klavier- 
formigen Fortepiano's, wo der Resonanzboden iiber das ganze Instrument 
geht." 1 ) Sein Todesjahr ist nicht ubermittelt. — Auch sein Bruder, Ernst 
Christian Gotthold V., der sich in Birkenfeld selbstandig gemacht hatte, 
war Orgel- und Instrumentenbauer. 

Vgl. Q. A. Klabes „Neuestes gelehrtes Dresden", Leipzig 1796, S. 175; 
Meusels „Teutsches Kunstlerlexikon", Lemgo 1809, 2. Band, S. 480,81 und Qerbers 
„Neues . . . Lexikon", 4. Theil, 1814, Sp. 434. 

') Hiernach konnte das Tafelklavier No. 145 eine Arbeit Venzkys sein. 



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FRIKTIONSINSTRUMENTE. 



BENUTZTE SPEZIAL-LITERATUR. 



Bartl, Franz Konrad. Abhandlung von der Tastenharmonika. Mit 5 Kupfertafeln. 
Briinn, 1798. 

Chladni, E. F. F. Neue Beytrage zur Akustik. Nebst 10 steingedrnckten Tafeln. 
Leipzig, 1817. 

Beytrage zur praktischen Akustik und zur Lehre vom Instrumentbau, enthaltend 
die Theorie und Anleitung zum Bau des Clavicylinders und damit verwandter 
Instrumente. Leipzig, 1821. 

Hdt. [anon.], Beitrage zur praktischen Akustik. Ueber Klaviaturinstrumente mit 
singendem Tone. In Nr. 27 — 29 des 50. Jahrgangs der „Allgem. musik. 
Zeitung". Leipzig, 1848. 

Lapaire, H. Vielles et cornemuses. Paris, 1901. 

Mi'iller, J. Chr. Anleitung zum Selbstunterricht auf der Harmonika. Leipzig, 1788. 

Pohl, K. F. Zur Qeschichte der Glasharmonika. Wien, 1862. 

Zam miner, Friedr. Die Musik und die musikalischen Instrumente in ihrer Beziehung 
zu den Qesetzen der Akustik. Mit Holzschnitten. GieBen, 1855. (7. Kapitel, 
S. 176-206.) 



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ie Gruppe der Friktionsinstrumente nimmt in der groBen 
Reihe der musikalischen Tonwerkzeuge eine Sonderstellung von 
untergeordneter Bedeutung ein. Es gehoren zu ihr diejenigen 
Instrumente, deren klanggebender Tonkorper, der sowohl aus 
Darm- oder Metallsaiten als auch aus Glocken von Glas oder aus glasernen, 
holzernen und metallenen Staben bestehen kann, durch Friktion oder Reibung 
in Vibration gesetzt wird. Soweit Saiten die Tonerreger bilden, ist der 
Vorgang der Klangerzeugung ganz ahnlich wie bei den Streichinstrumenten, 
deren Saiten ja auch durch Reibung mit einem Pferdehaarbogen in Schwingung 
geraten. Das unterscheidende Moment zwischen den Streichinstrumenten 
und den Saiten -Friktionsinstrumenten, deren Hauptvertreter die in musika- 
lischer Beziehung tief unter der einfachsten Geige stehende Rad- oder 
Drehleier („Vielle") ist, besteht darin, daB ihre Saiten nicht mittels eines 
dem leisesten Fingerdruck des Spielers willig gehorchenden Bogens sondern 
durch ein mit Harz bestrichenes und mit Hulfe einer Kurbel in Umdrehung 
versetztes kleines Rad, das gleichsam einen mechanischen „ewigen" Bogen 
darstellt, angestrichen werden; auBerdem wird die Skala nicht durch Greifen 
der Saiten hervorgebracht, sondern die Saiten werden auf mechanischem 
Wege durch Andrucken von Tasten verkiirzt - - ebenso wie es bei der alten 
schwedischen „Schlusselfiedel" oder „Nyckelharpa" der Fall ist, die aber zu 
den mit einem Bogen gespielten Streichinstrumenten zahlt. 

Naheres iiber die anderen zur Gattung der Friktionsinstrumente ge- 
horenden Gruppen (Bogen- oder Streichklaviere, Glasharmonikas, 
Friktionsinstrumente nach Chladni'schem Prinzip und Nagelgeigen) 
enthalten die Einleitungen zu diesen Abteilungen. 



374 



Die RAD- oder DREHLEIER, 



auch Bettler- oder Bauernleier genannt (ital.: Lira tedesca [deutsche Leier], 
Lira rustica [Bauernleier], Ghironda ribecca, Stampella, Viola da orbo [Blinden- 
fiedel]; franz.: Viell e; engl. Hurdy-gurdy) ist ein armseliges, unkiinstlerisehes 
Instrument, aber in musik- und kulturgeschichtlicher Beziehung von groBem 
Interesse, da es zu den altesten abendlandischen Tonwerkzeugen gerechnet 
werden muB. Schon im friihen Mittelalter war es bekannt und verbreitet, 
und seine Form und Konstruktion haben sich jahrhundertelang fast unver- 
andert erhalten: der meist guitarrenahnliche, mit hohen Zargen versehene 
Resonanzkorper ist mit mehreren Darmsaiten bespannt, von denen eine einzelne 
oder auch zwei im Einklang gestimmte Saiten als Spielsaiten dienen und 
mittels einer in einem langlichen Kasten untergebrachten und aus zehn bis 
zwolf diatonisch angeordneten Tasten bestehenden Klaviatur verkiirzt werden. 
Die ubrigen zu beiden Seiten des Tastaturkastens liegenden, in Grundton und 
Quinte gestimmten Saiten werden nicht gegriffen sondern summen wie die 
„Hummeln" genannten Begleitpfeifen des Dudelsacks stets im Einklang mit. 
Durch ein holzernes Rad, das mittels einer mit der rechten Hand bedienten 
Kurbel in Bewegung gesetzt wird, werden alle Saiten gleichzeitig angestrichen. 
Die Geschichte der Radleier laBt sich bis ins 9. Jahrhundert zuriickver- 
folgen; die alteste nachweisbare Bezeichnung des Instruments ist „Organistrum". 
Zwei dieser Zeit angehorende, von Abt Gerbert in seinem wertvollen Werk 
„De cantu et musica sacra" (St. Blasien 1784) mitgeteilte Codices enthalten 
eine Anleitung fur die Mensur und Anbringung der Tastatur sowie eine Ab- 
bildung des Instruments. Seine Form ist auch in zwei Baudenkmalern fran- 
zosischen und spanischen Ursprungs aus dem 11. und 12. Jahrhundert iiber- 
liefert: es war eine von zwei Spielern gehandhabte Radleier groBerer Bauart, 
von denen einer die aus acht diatonischen Tasten bestehende Klaviatur bediente, 
wahrend der andere das Rad drehte. Besondere Verbreitung fand die spater 
fiir einen einzelnen Spieler eingerichtete Leier in den folgenden Jahrhunderten 
unter dem Namen „Chifonie"(korrumpiert aus „Symphonie") oder„Truand" 
als Volksinstrument in Frankreich; es wurde jedoch auch am koniglichen 
Hofe gepflegt und stand unter Heinrich II. und Heinrich III. in groBer Gunst. 



Rad- oder Drehleiern (Vielles) ^^^^^ 375 

Anders in Deutschland: hier gait die Radleier stets als ein verachtliches Bettel- 
instrument; Virdung bringt in seiner „Musica getutscht" (1511) zwar eine 
Abbildung aber keine Beschreibung der „Lyra", und Praetorius (1618) tut 
die „Bauern- und umblaufende Weiber-Leyer" mit ein paar Worten ab. 

Zu einer heute ganz unverstandlich erscheinenden auBerordentlichen 
Beliebtheit gelangte das primitive Instrument zusammen mit der Musette 
(Sackpfeife) im 18. Jahrhundert in den franzosischen Salons und Biirgerhausern : 
die „Vielle" wurde zum Modeinstrument „par excellence" erhoben und behielt 
diese bevorzugte Stellung bis iiber die Revolutionszeit hinaus. Ein geschickter 
Instrumentenmacher, Baton zu Versailles, war der erste, der im Jahre 1716 
die Bauart und Ausstattung der Vielle verbesserte; ihm folgte sein Sohn 
Charles Baton, der nach Paris iibersiedelte und weitere Verbesserungen 
des Mechanismus vornahm. Urn die Mitte des 18. Jahrhunderts besaB das 
Instrument zwei im Einklang gestimmte Spielsaiten, „Chanterelles" genannt, 
und vier mitsummende Begleitsaiten, die paarweise zu beiden Saiten des 
Klaviaturkastens angeordnet waren: die hinteren Saiten hieBen „la Trompette" 
und „la Mouche", die vorderen „le grand Bourdon" und „le petit 
Bourdon". Die Klaviatur, deren Umfang durch Baton Pere et Fils und 
P. Louvet auf zwei voile Oktaven (g 1 — g 3 ) erweitert worden war, bestand aus 
23 Tasten, die wie beim Klavier in Ober- und Untertasten gruppiert waren. 1 ) 
— Schon unter Ludwig XIV. genossen Janot und Laroze groBen Ruf als 
Vielle-Spieler; zu den beruhmten Virtuosen des 18. Jahrhunderts, die sich 
auch meist als Komponisten betatigten, zahlen: Charles Baton Fils, Bois- 
mortier, Buterne, Nicolas Chedeville le Cadet, Dinguy, Michel 



') Die Stimmung der Xhanterelles" war in - /up : ;jj— ; mit Hulfe der Klaviatur 






lieB sich folgende chromatische Skala hervorbringen : 

* .* ~}}~ £ te - ^ ( oder ^) § 



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Gespielt wurde gewohnlieh in Q oder in C. In letzterem Falle wurde „la Trompette" in 

Z l) rg Cq- ~~z\ 

: fe — -j — , „la Mouche" in Z?' \ und „le petit Bourdon" in - ^- — 9 — 

gestimmt; „le gros Bourdon" wurde nicht benutzt und an der Beriihrung des Rades 
gehindert. Spielte man in G, so wurde „le petit Bourdon" ausgeschaltet und „la 

Trompette" einen Ton hoher in ziTtEz gestimmt; „le gros Bourdon" gab als 

BaBton dazu J^ezzzzztlzzz a n. Man hatte also als standig mitsummende Begleitakkorde 

:§t=J== oder : 9 * | 

-h— — P- 



376 ^^^^^ Radleiern (Vielles) No. 336 u. 337 

Leclerc, Charles Minart, Ravet u. a. Zahlreich waren die Schriften und 
Schulen (von Bonin, Michel Corrette und Antoine Terrasson), die das 
Instrument behandelten, und eine groBe Schar von Instrumentenmachern 
- wie Barge, Delaunay, Feury, Lambert, Levalois, Pierre et Jean 
Louvet u. a. — wetteiferte in derVervollkommnung und luxuriosen Ausstattung 
des Allerweltsinstruments. - - DaB die „Leyer" auch vereinzelt in Deutschland 
gepflegt wurde, beweist der ruhmende Bericht, den Gerber von der Virtuo- 
sitat des Amtschoessers Biedermann zu Beichlingen in Thiiringen gibt (1786). 
Mit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts und der allmahlichen Verbreitung 
des Pianoforte hatte die Glanzperiode der Vielle ihr Ende gefunden; sie sank 
mit Recht wieder zu ihrer urspriinglichen Rolle eines Bettlerinstruments hinab. 
Heute ist die Radleier im Aussterben begriffen und wird nur noch ab und 
zu in den Handen umherziehender Savoyarden angetroffen. 1 ) 



No. 336. Radleier 

aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Das ziemlich roh gearbeitete 
Instrument ist angeblich russischen Ursprungs. Der Boden ist aus 
Eichenholz, die Zargen, die einen rotlichen Anstrich aufweisen, aus 
Weidenholz. 

Die Besaitung besteht aus einer Spiel- und zwei zu jeder Seite neben 
dem Klaviaturkasten liegenden Brumm- oder Begleitsaiten. Die Klaviatur 
umfaBt elf in einer Reihe liegende (diatonische) Tasten im Umfang von 
g 1 — c 3 . 

Lange 68 cm, Breite 32 Vs cm, Zargenhohe I2V2 cm. 

No. 337. Radleier („Vielle en luth") 

mit geschriebenem Zettel auf der Innenseite des Klaviaturdeckels: „fait 
par jean Louvet rue / St Honore vis a vis [de] la [barriere] / des Sergents 
a paris 1747"; auBerdem befindet sich an der linken Seite des Kastens 
der Brandstempel „J. LOUVET / A PARIS". Das lautenartige Korpus 
des schonen Instruments ist aus neun abwechselnd angeordneten Spanen 
von Ahorn- und Palisanderholz zusammengesetzt. Die Decke ist aus 
Palisander; der Deckenrand wird von einem eingelegten Fries aus 
Ebenholz und Elfenbein eingefaBt. Im unteren Teil der Decke befinden 
sich zwei schrag sitzende C-L6cher.-) Der hiibsch geschnitzte Wirbel- 
kasten lauft in ein Frauenkopfchen aus. Die Kurbel des Rades ist aus 
massivem Elfenbein. 

Die Besaitung besteht aus zwei Spiel- und vier Begleitsaiten. Die 
„Trompette"-Saite ist wie meist bei franzosischen Instrumenten 

dieser Zeit iiber einen besonderen Steg gespannt, der durch eine 
seitlich angebrachte kleine Darmsaite in halb schwebender Lage gehalten 
wird und durch vibrierende Bewegungen auf der Decke — ahnlich wie bei 

') Die Partitur der Oper „Linda di Chamounix" von Donizetti (1842) enthalt 
zwei Savoyardenlieder mit Begleitung der Vielle. 

'-') Derartige C-L6cher besitzen alle franzosischen Vielles des Museums. 



377 




No. 342. 





No. 345. 




No. 340. 




No. 339. 

Von Levalois, Paris 1753. 

Radleiern (Vielles). 
Text: Seite 379-381. 




No. 346. 

Von Colson, Mirecourt; 

ca. 1820-40. 



378 




No. 337. 

Von Jean Louvet, 

Paris 1747. 





No. 341. 

Radleiern (Vielles). 
Text: Seite 376-381. 



No. 344. 

Vielle organisee von 

Vallansan, Lyon. 

Ca. 1780. 




Radleier spielender Engel. 

(Aus einem Gemalde votn Meister des Thomas-Altars ,,Christus und der unglaubige Thomas' 

im Wallraf-Richartz-Museum zu Coin.) 



Radleiern (Vielles) No. 337-341 ^^^^^ 379 



den Trumscheits oder Nonnengeigen — einen trompetenartigen Ton der 
Saite hervorrufen soil. Zur Befestigung der kleinen Hulfssaite ist ein 
Wirbel in den Saitenhalter eingelassen. 

Die Klaviatur umfaBt 23 Tasten, und zwar sind die 13 Untertasten 
aus Ebenholz und die 10 Obertasten aus Elfenbein. 

Lange 65 cm, Breite 27 cm. 

Abbildung auf Seite378; Nachbildung der Inschrift auf Seite416. 

No. 338. Radleier („Vielle en guitare"), 

laut Brandstempel auf der linken Seite des Klaviaturkastens von „FEURY 
A PARIS" verfertigt; aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das gelb- 
braun lackierte Korpus des hubschen Instruments hat Guitarrenform 
und hohen Zargenbau; es ist aus NuBbaumholz verfertigt. Der Decken- 
rand wircl von einem eingelegten Fries aus Ebenholz und Bein ein- 
gefaBt. Im iibrigen entsprechen Ausstattung, Besaitung und Klaviatur 
No. 337. 

Lange 68 cm, Breite 27 cm, Zargenhohe 12 7a cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 415. 

No. 339. Radleier („Vielle en guitare"), 

laut gravierter Inschrift auf dem Raddeckel von „Levalois a Paris 1753" 

verfertigt. Das rotlichgelb lackierte Korpus des schonen Instruments 
ist aus Ahornholz. Der Deckenrand wird von einem eingelegten Fries 
aus Ebenholz und Elfenbein eingefaBt. Der Saitenhalter, der Raddeckel 
und der Deckel des Klaviaturkastens sind mit hiibsch gravierten ornamen- 
talen Einlagen aus Ebenholz und Elfenbein verziert. Der geschnitzte 
Wirbelkasten lauft in ein hubsches Frauenkopfchen aus. — Besaitung 
und Klaviatur wie bei den beiden vorhergehenden Vielles. 

Lange 6372 cm, Breite 25 cm, Zargenhohe 10 cm. 

Abbildung auf Seite 377; Nachbildung der Inschrift auf Seite 416. 

No. 340. Radleier („Vielle en guitare"), 

franzosische Arbeit aus dem 18. Jahrhundert. Das rotlichgelb lackierte 
Korpus des hubschen Instruments ist aus Vogelahornholz. Die Decke 
weist farbige Blumenmalereien auf; der Wirbelkasten lauft in einen (an- 
scheinend karikierten) Frauenkopf aus. Die Untertasten sind aus Pali- 
sanderholz; im iibrigen stimmt das Instrument mit den vorhergehenden 
Vielles iiberein. 

Lange 637a cm, Breite 257a cm, Zargenhohe 87a cm. 

Abbildung auf Seite 377. 

No. 341. Kleine Radleier („Petite vielle en guitare"), 

franzosische Arbeit aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts. Das 
dunkelbraun lackierte Korpus des hubschen Instruments ist aus NuB- 
baumholz. Die Ausstattung entspricht im iibrigen den vorhergehenden 
Vielles, doch ist das Rad mit einem Pferdehaarbezug versehen. 

Die Besaitung besteht nur aus einer Spielsaite und zwei Begleitsaiten. 
Die Klaviatur umfaBt nur 22 Tasten aus Ebenholz; die tiefste Obertaste 
(gis 1 ) ist fortgelassen. 

Lange 51 cm, Breite 18 cm, Zargenhohe 77a cm. 

Abbildung auf Seite 378. 



380 ^^^^^ Radlei ern (Vielles) No. 342-344 

No. 342. Radleier, 

deutsche Arbeit aus dem 18. Jahrhundert. Boden und Decke des ziem- 
lich roh gearbeiteten Instruments sind aus Tannenholz, die iibrigen 
Teile aus Buchenholz. Der Klaviaturdeckel und der Wirbelkasten sind 
mit einfachen Kerbschnitzereien versehen; auf dem Kasten sind in einem 
Wappenschild die Initialen „M D" erkennbar. 

Die Besaitung besteht aus zwei Spielsaiten und zwei Paar metallenen 
Begleitsaiten, die in abweichender Anordnung unmittelbar neben den 
Spielsaiten einherlaufen. Mittels eines neben dem Rade angebrachten 
Hebels ist die erste Spielsaite mit den dazu gehorigen zwei Begleitsaiten 
abstellbar. Umfang und Anordnung der Klaviatur entsprechen den 
vorhergehenden Vielles. 

Lange 70 cm, Breite 42 cm, Zargenhohe 127a cm. 

Abbildung auf Seite 377. 

No. 343. Radleier („Vielle en guitare"), 

franzosische Arbeit aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts. Das 
rotbraun lackierte Korpus des hiibschen Instruments ist aus NuBbaum- 
holz. Der Deckenrand wird von einem eingelegten Fries aus Ebenholz 
und Bein eingefaBt. Der Wirbelkasten lauft in einen Sarazenenkopf aus. 
AuBer der gewohnlichen Besaitung von zwei Spiel- und vier Be- 
gleitsaiten sind (wie bei der Viole d'amour) fiinf (urspriinglich sechs) 
mitklingende (Aliquot-) Stahlsaiten vorhanden, die unter den beiden Bour- 




zt=± 



donsaiten iiber die Decke laufen; sie sind in P (m »^» ffl — | — |- 



zu stimmen. Die Klaviatur entspricht den iibrigen Vielles. 

Lange 65 7s cm, Breite 267s cm, Zargenhohe 97« cm. 

Abbildung auf Seite 377. 

Im Jahre 1773 erhohte D'Laine die Anzahl der Aliquotsaiten auf zwolf 
und nannte das neue Instrument „Violonvielle". (Cf. „Journal de musique", 
Paris 1773, p. 77.) 



No. 344. Radleier mit Orgelwerk („Vielle en guitare organisee") 

mit gravierter Inschrift auf einem schildartigen Elfenbeinplattchen: „FAIT 
PAR / VALLANSAN / A LYON"; aus der zweiten Halfte des 18. Jahr- 
hunderts. Die Decke des schonen Instruments ist aus Mahagoni-, die 
Zargen aus NuBbaumholz. AuBer dem Deckenrand ist auch der Rad- 
deckel und der Deckel des Klaviaturkastens von einem eingelegten Fries 
aus Ebenholz und Elfenbein eingefaBt. Der geschnitzte Wirbelkasten 
lauft in ein Frauenkopfchen aus. Die Kurbel des Rades ist aus massivem 
Elfenbein. 

Besaitung und Tastatur entsprechen den vorhergehenden Vielles 
No. 337 — 340. AuBerdem ist aber bei vorliegendem Instrument unter- 
halb der Tastatur ein kleines Orgelwerk eingebaut, das aus einer Reihe 
Holzpfeifchen besteht, deren Ventile durch Niederdrucken der Tasten 
geoffnet werden. Zur Windbeschaffung dient ein im Innern des Korpus 
liegender kleiner Faltenbalg, der beim Umdrehen der Kurbel gleichzeitig 



Radleiern (Vielles) No. 344-346 



in Bewegung gesetzt wird. Die Oberplatte des Balgs ist mit bunter 
Tapete beklebt. 

Lange 68 cm, Breite 28 cm, Zargenhohe 18 cm. 

Abbildung auf Seite 378; Nachbildung der Inschrift auf Seite 416. 

Derartige „Orgelleiern" besitzen die Sammlungen zu Berlin (Collection Snoeck 
No. 609), Brussel (No. 1483 von „Pons a Grenoble 1785"), Paris (No. 214 u. 1048 
von Berge a Toulouse), London (No. 169), das baierische Nationalmuseum zu Munchen 
(No. 161 „faite par Philibert Luboz a Amsterdam") etc. 

No. 345. Radleier 

von besonderer GroBe; deutsche Arbeit aus dem Anfang des 19. Jahr- 
hunderts. Das schwarzbraun lackierte Korpus des ziemlich primitiv 
gearbeiteten Instruments erinnert an die Form einer Viola da Gamba. 
Auf dem Saitenhalter, dem Raddeckel und dem bemalten Deckel des 
Klaviatur- und Wirbelkastens sind Messingbeschlage angebracht. 

Die Besaitung besteht aus einer Spiel- und drei Begleitsaiten (die 
„Trompette"-Saite ist nicht vorhanden); letztere sind abweichend inner- 
halb des Klaviaturkastens unter der Tastatur aufgespannt. Die Klaviatur 
umfafit 15 diatonisch angeordnete Tasten im Umfang von zwei Oktaven 

Lange 71 Vs cm, Breite 367a cm, groBte Zargenhohe 107s cm. 

Abbildung auf Seite 377. 

No. 346. Radleier („Vielle en guitare"), 

laut Brandstempel auf der linken Seite des Klaviaturkastens von „COLSON 
/ A MIRECOURT" verfertigt; aus der ersten Halftedes lQ.Jahrhunderts. Der 
Boden des ziemlich einfach gearbeiteten Instruments ist aus Ahornholz, 
die gelbbraun lackierten Zargen aus Eichenholz; im ubrigen mit den 
vorhergehenden Vielles No. 337 etc. ubereinstimmend. 

Lange 64 cm, Breite 27 cm, Zargenhohe 9 cm. 

Abbildung auf Seite 377; Nachbildung der Inschrift auf Seite 415. 



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382 



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BOGEN- oder STREICHKLAVIERE. 

Von der Radleier nahmen die bereits in der zweiten Halfte des 16. Jahr- 
hunderts einsetzenden mannigfachen Experimente ihren Ausgang, den ge- 
tragenen, sangbaren Geigenton auf klavierartigen Instrumenten mittelsrotierender 
Scheiben oder streichender Bander und Bogen nachzuahmen. Der alteste 
derartige Versuch ist das beriihmte „Nurmbergische Geigenwerck" oder 
„Geigen-Clavicymbel" von Hans Ha id en zu Niirnberg (gest. 1613), 
das Praetorius im XLIV. Capitel seiner „Organographia" ausfiihrlich 
beschreibt und auf Tafel 111 abbildet. 1 ) Das interessante Instrument war 
auBerlich wie ein Clavicymbel gestaltet, besaB aber unterhalb der metallenen 
Saiten eine Anzahl mit Pergament iiberzogener stahlerner Rader oder Scheiben, 
die durch eine Tretvorrichtung in bestandiger Umdrehung gehalten wurden. 
Beim Niederdriicken der Tasten wurden die Saiten durch Tangenten in Form 
von Messinghakchen, die vor den Saiten lagen, herniedergezogen und gegen 
die rotierenden Scheiben gedriickt, von denen sie ahnlich einem Geigenbogen 
angestrichen wurden. Der Erfinder erhielt fiir das sehr sinnreich konstruierte 
Instrument, das im Legato-Spiel gegenuber dem starren, nicht modulations- 
fahigen Tone der Kielfliigel mancherlei Vorziige besaB, von Rudolph II. ein 
kaiserliches Privileg; doch vereitelte sein friiher Tod eine weitere Ausbeutung 
der Erfindung. Schon nach wenigen Jahren fand er einen Nachahmer in 

') In dem bereits auf S. 84 und S. 200 erwahnten Dresdener „Instrumenten- 
inventarium vom Jahre 1593" (hrsg. v. M. Ftirstenau) ist als No. 42 verzeichnet : 
,,Ein Geigen-Instrument, so von Niirnbergk kommenn, ist dem Hertzogen von Beyern, ah er 
zu Dressden gewesen, geschenckt worden." Nach den Forschungen Fi'irstenaus (a. a. O., 
S. 7) hat dieser Besuch des Herzogs Albrecht von Bayern i.J. 1576 stattgefunden ; 
der Kammermeister war damals vom Kurfiirst August beauftragt worden, „das 
Instrument mit Geigensaiten bezogen und einem Pedal" nach Niirnberg ZU senden, von 
wo es weiter nach Miinchen befordert werden sollte. Es handelt sich hierbei zweifel- 
los urn H aid ens „Niirnbergisches Geigenwerk", dessen Erfindung 
dem nach bereits in die Jahre 1570- 1575 gesetzt werden muB. Merk- 
wiirdig bleibt allerdings, daB der bayrische Herzog diese Erfindung eines Niirnberger 
Kiinstlers erst bei einem Besuch am sachsischen Hofe kennen lernte. — Dasselbe In- 
ventar fiihrt als No. 26 an: „Ein Geigen-Instrument, so George Kretzschmar gemacht." 
(Vgl. Seite 200, FuBnote 3.) Vielleicht war dieses eine Nachbildung des „Niirnberger 
Geigenwerks", die Kretzschmar im Auftrage des Kurfiirsten ausgefiihrt hatte. — Das 
Museum des Briisseler ,, Conservatoire" ist im gliicklichen Besitze eines derartigen In- 
struments; vgl. den Aufsatz von E. C loss on in No. 14—16 des 50. Jahrgangs der 
Zeitschrift „Le Guide Musical". (Brtissel 1905.) 



Bogen- oder Streichklaviere ^^SS^^H^^ 383 

Spanien: in der Kathedrale zu Toledo war ein ahnliches Geigenklavier im 
Gebrauch, das die Inschrift trug „Fray Raymundo Fruchador, inventor, 
1625". ') — Ein Jahrhundert spater wurde die Idee, auf Tasteninstrumenten 
einen geigenahnlichen Ton hervorzubringen, wieder aufgenommen: Walthers 
„Lexicon" vom Jahre 1732 nennt Joh. Georg Gleichmann, Organist zu 
Ilmenau, und Friedrich Ficker, Orgel- und Instrumentenmacher zu Zeitz, 
als Erbauer von sog. ,,Clavier-Gamben" — Instrumente, die mit 
geringen Abweichungen wohl nichts anderes als Nachahmungen des durch 
Praetor i us' Beschreibung allgemein bekannt gewordenen „Nurmbergischen 
Geigenwercks" waren. — In der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts tauchten 
noch weitere derartige „Bogenfliigel" auf, und um die Jahrhundertwende 
war das Problem, angeregt durch die epochemachenden akustischen Unter- 
suchungen Ernst Friedrich Chladnis, eine Lieblingsaufgabe zahlreicher 
„Erfinder". 

Die in Frankreich in dieser Hinsicht unternommenen Versuche — im 
Jahre 1741 hatte Le Voirs zu Paris ein Gamben-Klavier konstruiert, dem 
ahnliche Instrumente von C u i s i n i e und Gay folgten — beabsichtigten eine 
Vervollkommnung der damals zu groBer Beliebtheit gelangten Vielle, 
wahrend in Deutschland der alte Gedanke, den Ton der Streichinstrumente 
nachzuahmen, weiter gepflegt wurde. Ein bemerkenswertes Instrument hatte 
im Jahre 1753 der Berliner Mechanikus Johann Hohlfeld (1711 — 1771) er- 
funden, dessen Bogenflugel auch von Carl Philipp Emanuel Bach in 
seinem „Versuch iiber die wahre Art, das Clavier zu spielen" geriihmt wird. Es 
war dies ein mit einchorigem Darmsaitenbezug versehener Fliigel, dessen Saiten 
- ahnlich wie bei Ha i dens Gambenwerk — mittels kleiner Hakchen an 
einen mit Pferdehaar bezogenen Bogen angedriickt wurden, der durch ein 
Schwungrad in Bewegung gesetzt wurde. Hohlfelds Erfindung wurde von 
Johann Carl Greiner, Mechanikus und Instrumentenmacher zu Wetzlar, 
im Jahre 1779 zu einem Bogen-Klavier benutzt, das er auf Abt Voglers 
Veranlassung spater mit einem Hammerwerk in Verbindung brachte und als 
„Bogenhammerclavier" bezeichnete. Einen anderen, aber ziemlich unvoll- 
kommenen Bogenflugel verfertigte im Jahre 1790 der Mechanikus Garbrecht 
zusammen mit dem Prediger Wasiansky, dem Freunde und Biographen Kants, 
zu Konigsberg. Schon brauchbarer war der Bogenflugel eines Herrn von 
Mayer zu Gorlitz (1794); hier war auf Chladnis Anregung dem Mechanismus 
ein durch einen Kniedriicker regierbarer Flageolettzug eingefiigt. Dieser 
Mayer'sche Fliigel erfuhr eine weitere Vervollkommnung durch das 1799 
erbaute Bogen-Klavier von Thomas Anton Kunz zu Prag, der die 
Mechanik und Bewegung des Bogenrahmens verbesserte und seinem Instrument 
l ) Cf. A.J. Hip kins, „The Pianoforte" p. 95. 



384 ^^^^^^ Piano Quatuor No. 347 



vor allem eine bedeutend leichtere Anschlagsart verlieh. — Zu derselben 
Gattung gehorte die bereits auf Seite 168 u. 249 erwahnte „Xanorphica" 
von Carl Leopold Roll ig, ein besonders umstandliches Instrument, das 
im AeuBern den spateren Klavierharfen ahnelte und fur jede Taste und 
Saite einen besonderen in einem gemeinsamen Rahmen hangenden Geigen- 
bogen besaB. Diese Bogen wurden durch eine Tretvorrichtung in Bewegung 
gesetzt und legten sich beim Niederdrucken der Tasten an die ihre Lage 
beibehaltenden Saiten. — 

Alle diese Instrumente beruhten auf demselben Prinzip und wiesen 
in ihrer Konstruktion nur unwesentliche Unterschiede auf. Aber keinem 
der zahlreichen „Erfinder" gliickte es, der akustischen Unvollkommenheiten 
und der groBen technischen Schwierigkeiten, die es hierbei zu iiberwinden gait, 
in befriedigender Weise Herr zu werden, und „trotz der vielen an diesen 
Instrumenten haftenden Denkerqualen hat es keins derselben uber das 
Renommee eines Kuriosums bringen konnen". (Riemann.) — Zu den be- 
merkenswertesten im 19. Jahrhundert auf diesem Gebiete unternommenen 
Versuchen gehort das im Jahre 1865 von Gustave Baudet in Paris verfertigte 
„Piano Quatuor" (siehe No. 347 u. 348). Aber auch dies blieb eben nur 
ein Versuch, bis in jungster Zeit eine nahezu ideale Losung des schwierigen 
Problems durch Erfindung eines allerdings nur auf mechanischem Wege 
spielbaren Geigeninstruments gelang: der „Violina" der Aktiengesellschaft 
Ludwig Hupfeld in Leipzig, bei der wirkliche Violinen durch genial 
konstruierte elastische RoBhaarbogen angestrichen werden. 



No. 347. „Piano Quatuor", 

laut eingelegter Inschrift in der Mitte der Zierleiste von ,, Baudet / 20 Rue 
Favart / Paris" erbaut; aus dem dritten Viertel des 19. Jahrhunderts (ca. 
1865 — 1870). In den Resonanzboden ist „No. 1284" eingeschlagen. 
Das auBerlich einem Pianino gleichende, einfach ausgestattete Instrument 
ist in Palisander fourniert; die Klaviatur wird von zwei Konsolstiitzen 
getragen. 

Die komplizierte Konstruktion des „Piano Quatuor" ist folgende: 
Der Resonanzboden ist mit einem einchorigen Bezug sehr starker, durch 
dazwischen geflochtene Schnur abgedampfter Stahlsaiten versehen, die 
in den tiefsten drei Oktaven mit Kupferdraht iibersponnen sind. Vor 
den Saiten liegt ein die ganze Breite des Instruments einnehmender 
Metallzylinder, der mit Papier mache uberzogen und mit Kolophonium 
bestrichen ist; er wird durch zwei Pedaltritte mittels eines Schwungrades 



Piano Quatuor No. 347 u. 348. Pentaphon No. 349 ^ 385 

in Rotation versetzt. Auf den Tastenenden ruhen zwei ubereinander 
liegende Hebelarme, von denen der untere mit Kapseln auf eine Leiste 
aufgeschraubt ist, wahrend der obere, durch eine Stellschraube regulier- 
bare Hebel mittels einer Spiralfeder gegen den unteren gedriickt wird. 
Rechtwinklig auf dem oberen Hebelarme stehen Abstrakte, die an den 
Beriihrungspunkten zur Verhinderung der Reibung mit Holzradchen 
versehen sind; ihre Fiihrung erhalten diese Abstrakte durch je zwei an 
der Mechanikbank oben und unten angeschraubte Holzkapseln. Am 
oberen Ende der Abstrakte sind gebogene Fischbeinstreifen eingeklemmt, 
die durch Stellschrauben reguliert werden. Zwischen diesen Fischbein- 
streifen und dem Zylinder sind kleine Biischel von Pf lanzenfasern („Tambico") 
auf einer diinnen Schnur aufgereiht und schlingenartig um die einzelnen 
Saiten gelegt. Beim Niederdriicken einer Taste wird die Spiralfeder 
des oberen Hebels und infolgedessen auch der auf ihm ruhende Abstrakt 
in die Hohe gehoben, wodurch das Faserbiischel mittels des Fischbein- 
streifens an den Zylinder gepreBt wird. Durch die Rotation des 
Zylinders und die hierdurch bewirkte, sich der Saite mitteilende Vibration 
des Faserbiischels wird die Saite in Schwingungen versetzt. — Der auf 
diese Weise erzielte Ton des „Piano Quatuor" hat besonders in der 
tiefen und hohen Lage viel Aehnlichkeit mit der Klangfarbe der Streich- 
instrumente Violoncello und Violine, ist jedoch nicht frei von unange- 
nehmen kratzenden Nebengerauschen. Das Instrument ist mit einer 
durch Kniedruckerin Bewegungzusetzenden Oktavkoppelung(„Redouble- 
ment d'octaves") versehen, die ein gleichzeitiges Ertonen der tieferen 
Oktavsaiten ermoglicht. 

Umfang der Klaviatur: Sub-Contra A — a 4 (sieben Oktaven). Die 
Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten aus Ebenholz. 

Hohe 1,23 m, Breite 1,43 m, Tiefe 66 cm. 

Abbildung auf Seite 399. 

No. 348. „Piano Quatuor", 

laut gravierter Inschrift auf der Innenseite des Deckels ebenfalls von 
„Baudet" zu Paris erbaut. Das Instrument, dessen Stimmstock mit der 
Nummer ,,1133" versehen ist, ist etwas alter als das unter vorhergehender 
Nummer beschriebene „Piano Quatuor", dem es im ubrigen auBerlich 
und innerlich fast genau gleicht. Als geringfiigige Abweichung ist 
zu erwahnen, daB es wie ein Harmonium mit Tretschemeln zur Bedie- 
nung des Zylinders ausgestattet ist und keine Oktavkoppelung besitzt. 
Umfang der Klaviatur und MaBe wie bei No. 347. 

No. 349. (Diskant) - „Pentaphon", 

i.J. 1903 von Henry Miiller-Braunau in Hamburg 1 ) erfunden. Das Gehause 
des einfach ausgestatteten tischartigen Instruments ist aus braun poliertem 
Fichtenholz. 

Die Spielvorrichtung des Pentaphon besteht aus fiinf Stahlsaiten, 
die mit Ausnahme der hochsten Saite ubersponnen und folgendermaBen 
gestimmt sind: 



&* 



^ 



T-: 



P 



g d 1 a 1 e 



»2 



*) Der Erfinder lebte spater in Berlin und soil dann — nach frdl. Mitteilung 
des Herrn Paul de Wit — nach England iibergesiedelt sein. 



25 



386 



Pentaphon No. 349. Streichharmonium No. 350 



Die Saiten sind iiber ein Griffbrett gespannt, das wie bei der Zither 
mit (28) metallenen Biinden versehen ist; der 5., 9., 12., 15., 17., 21. und 
24. Bund sind durch eingelegte Perlmutterkreise gekennzeichnet. Die 
Tonerzeugung geschieht mittels eines umlaufenden, kolophonierten 
ledernen Streichbands, das durch eine mit dem linken FuB zu bewegende 
Tretvorrichtung angetrieben und beim Niederdriicken der Tasten an die 
Saiten gedriickt wird. 

Breite 7572 cm, Tiefe 45 cm, Hohe 83 cm. 

Vgl.: H. Miiller-Braunau, „Einftihrung in das Spiel des Pentaphon . . ", 
Berlin [1904]. 

No. 350. „Streichharmonium", 

i. J. 1909 von Karl Beddies in Gotha konstruiert. Spielfertiges Modell 
in rohem Rahmenbau. 

Fur jeden Ton ist ein besonderer mit einer Darmsaite bespannter 
hohler geigenartiger Resonanzkorper vorhanden. Diese Tonkorper stehen 
auf einem gemeinsamen Resonanzboden und werden beim Nieder- 
driicken der Tasten, mit denen sie durch Schniire in Verbindung stehen, 
an einen mit Atlasseide bezogenen rotierenden Streichriemen gedriickt. 
An Stelle eines geplanten Tretwerkes zur Bewegung des Streichriemens ist 
das Modell mit einer von einer zweiten Person zu bedienenden Kurbel- 
vorrichtung versehen. - Umfang der Klaviatur: G — g 3 (vier Oktaven). 

Breite 87 cm, Tiefe 71 cm, Hohe 1,09 m. 

Bereits in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatte der Erfinder ein ahn- 
liches dreioktaviges Instrument konstruiert, bei dem iiber einen gemeinschaftlichen 
Resonanzkasten gespannte Darmsaiten durch Tastendruck an eine kolophonierte See- 
hundshaut, die sich iiber zwei Rollen bewegte, gedriickt und hierdurch zum Ertonen 
gebracht wurden. Dieses Instrument erhielt ein deutsches Reichspatent, wurde jedoch 
nicht praktisch verwertet. Von einer Patentanmeldung des neuen „Streichharmonium" 
wurde abgesehen, da die Konstruktion inzwischen durch die Geigenklaviere der Aktien- 
gesellschaft Ludwig Hupfeid in Leipzig iiberholt worden war. Eine ausfiihrliche 
technische Beschreibung mit erlauternden Zeichnungen befindet sich im Museumsarchiv. 



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387 



GLAS-HARMONIKAS. 

Das einfache physikalische Experiment, Weinglasern durch Bestreichen 
mit den angefeuchteten Fingern einen musikalischen Ton zu entlocken, war 
bereits im 17. Jahrhundert zu dem sog. „GIasspiel" verwertet worden, das 
der Jesuitenpater Athanasius Kircher in seinem 1673 erschienenen Werke 
„Phonurgia nova" beschreibt und abbildet. 1 ) Als ein noch alterer Vorlaufer 
der Glasharmonika ist das Glasspiel zu betrachten, das in dem Inventar der 
beriihmten Ambraser Sammlung vom Jahre 1596 als „ain Instrument von 
Glaszverch 1 ' verzeichnet ist; es bestand nach der Beschreibung der Sammlung 
von Alois Primisser (Wien 1819, S. 219) aus einem schon verzierten kleinen 
Kastchen mit Glasglocken im chromatischen Umfang von drei Oktaven und 
Terz (F — a"). Das von Kircher erwahnte Glaserspiel lernte der groBe 

amerikanische Physiker und Staatsmann Benjamin Franklin, der in den 
Jahren 1757 — 1762 als amerikanischer Volksvertreter in London weilte, dort 
im Jahre 1762 zufallig durch einen Mr. E. Delaval kennen, der sich auf einem 
von ihm verbesserten Instrument offentlich horen lieB.-) Die Eigenart des 
schonen Tones, den der Kiinstler seinem Instrument zu entlocken verstand, 
machte einen so starken Eindruck auf Franklin, dafi er sich in physikalischen 
Experimenten eifrig hiermit befaBte und auf diese Weise nach mehrfachen 
Versuchen zur Konstruktion der Harmonika gelangte. Er beschrieb seine 
Erfindung in einem an Pater Bee can' a in Turin gerichteten Briefe vom 
13.Juli 1762, der mit folgenden Worten schlieBt: „DieVorziige dieses Instruments 
sind: seine Tone sind so sanft, daB sie mit keinem andern verglichen werden 
konnen ; seine Tone konnen nach Belieben an- und abgeschwellt werden, 
indem man die Finger starker oder schwacher auf die Glaser setzt; man kann 
sie nach Willkur aushalten, und wenn das Instrument einmal gestimmt ist, 
darf es nie wieder gestimmt werden. Zur Ehre Ihrer musikalischen Sprache 



') Das fur den damaligen Stand der Aknstik und auch musikgeschichtlich 
wertvolle Werk erschien „in unsere Teutsche Mutter-Sprach iibersetzt" von Agathon 
Cario unter dem Titel „Neue Hall- u. Thonkunst" zu Nordlingen im Jahre 1684. 

*-') Delaval hatte das Glasspiel in einer Londoner Schenke von einem Irlander 
Puckeridge spielen horen; nach Schillings' Lexikon (3. Band, Seite 457) soil P. 
mit seinem Instrument bei einer Feuersbrunst im Jahre 1750 zu London umge- 
kommen sein. 



388 ^^^^^^^ ( Glas-)Harmonikas ^^^a^a^^^^a^ 

habe ich von ihr den Namen dieses Instrumentes hergenommen und heilte 
es Harmonica."') Das von Franklin verfertigte Modell blieb auch in der 
Folgezeit fur die Bauart des Instruments vorbildlich: die in ihrem Mittelpunkt 
durchbohrten Glasglocken sind auf einer horizontalen Welle so ineinander- 
geschoben aufgereiht, dafi jede groBere Glocke die nachstfolgende kleinere 
fast verdeckt und nur ihre Rander als Beruhrungsflache freilafit. Durch einen 
iiber Rollen laufenden Lederriemen steht die Welle mit einem Schwungrade, 
das mittels einer Tretvorrichtung in Bewegung gesetzt wird, in Verbindung. 
Durch leichtes Beriihren der angefeuchteten Glasschalen mit den benetzten 
Fingern wird das Instrument zum Ertonen gebracht; sein Klang ist fast frei 
von Obertonen und deshalb ungemein rein und durchdringend und von 
eigenartig atherischer Schonheit, aber auch nur in geringem MaBe niianzierbar 
und daher auf die Dauer etwas weichlich und monoton wirkend. — Als Unter- 
scheidungsmerkmal der einzelnen Glocken benutzte Franklin fur die Haupt- 
tone verschiedenfarbige, der Regenbogenskala entsprechende Glaser, wahrend 
er die Halbtone durch Milchglasglocken kenntlich machte. Diese Bezeich- 
nungsart wurde spater durch C. L. Rollig vereinfacht, der zu samtlichen 
Glocken dunkle einfarbige Glaser verwendete und nur die Halbtone durch 
bronzierte Streifen markierte. 

Die Harmonika fand sogleich bei ihrem Auftauchen uberall stiirmischen 
Beifall und wurde in der Wertherzeit und dem Zeitalter der Romantiker 
zum schwarmerisch verehrten Lieblingsinstrument aller „empfindsamen Seelen"; 
in den Schriften von Wieland, Schubart und Jean Paul fand sie auch 
poetische Verherrlichung. Die erste Kimstlerin, die auf dem neuen Instru- 
ment in London, Paris, Wien und in den deutschen Stadten mit ihrer 
Schwester, der Sangerin Cecily Davies (gest. 1803), konzertierte, war eine 
Verwandte Franklins, Miti Marian n a Davies (geb. 1740, gest. 1792 zu 
London), der der Erfinder sein Instrument geschenkt hatte; ihr folgte als 
erster deutscher Kiinstler der ehemalige Hoforganist des Markgrafen zu 
Baden-Baden, Joseph Philipp Frick (geb. 1740 bei Wiirzburg, gest. 
1798 zu London), der 1769 eine Kunstreise durch Deutschland unternahm. 
Zur weiteren Verbreitung der Harmonika trug namentlich Joseph Aloys 
Schmittbauer (geb. 8. November 1718 zu Bamberg, gest. 24. Oktober 1809 
zu Karlsruhe), Kapellmeister des Grafen von Baden, bei, der sich auch eine 
Verbesserung ihrer Konstruktion angelegen sein liefi, indem er zur Herstellung 
der Glocken Krystallglas verwendete und den Tonumfang von e — P erweiterte. 
Auch entfaltete er eine rege und erfolgreiche Lehrtatigkeit; z. B. war die 



') Abgedruckt in den von Q. T. W e n z e 1 1780 und Binzer 1829 heraus- 
gegebenen deutschen Uebersetzungen von Franklins Schriften. 



(Glas-)Harmonikas 



389 



beruhmteste Harmonikaspielerin ihrer Zeit, die erblindete Marianne Kirch- 
gessner (geb. 1770 zu Waghausel bei Bruchsal, gest. 8. Dezember 1808 zu 
Schaffhausen) seine Schiilerin. 1 ) Ein anderer bedeutender Virtuose, der auch 
als Komponist und Pianist bekannte Johann Ludwig Dussek (geb. 
9. Februar 1761 zu Czaslau in Bohmen, gest. 20. Marz 1812 zu St. Germain 
en Laye bei Paris) benutzte bei seinen Konzerten, die ihn durch ganz Deutsch- 
land fiihrten, eine von ihm verbesserte Tastenharmonika. 

Die „Clavier- oder Tastenharmonika", die mit Hulfe einer 
Tastatur eine leichtere Spielart der ziemlich schwierig zu behandelnden 
Harmonika ermoglichen sollte, war i.J. 1785 von dem Petersburger Mechanikus 
Hess el erfunden und wurde im nachsten Jahre durch Carl Leopold 
R 6 1 1 i g sowie spater (1798) durch den Professor H e i n r i c h K 1 e i n in 
PreBburg verbessert ; sie wies jedoch gegeniiber der eigentlichen Harmonika 
mancherlei Nachteile in tonlicher Beziehung auf, sodaB sie nur wenig Anklang 
fand. Als weitere Erfinder sind der franzosische Instrumentenbauer Deudon, 
der 1787 eine Transponier-Harmonika, ein bohmischer Virtuose Grassa, der 
1796 in Paris eine Pedal-Harmonika ^Instrument de Parnasse") konstruierte, und 
u. a. der Bremer Domkapellmeister Wilhelm Christian Muller zu nennen, 
der in seinem „Harmonicum" die Harmonika mit einem Flotenwerk vereinigte. 
Doch erwies sich die urspriingliche Franklin'sche Bauart alien spateren Ver- 
besserungen iiberlegen und kam daher bald wieder zu vollen Ehren. 



') „Als sie auf einer groBen Kunstreise im Mai 1791 nach Wien kam, erregte 

sie durch ihr Spiel so sehr M o z a r t s Interesse, daB er fur sie [am 23. Mai] ein 

Quintett, aus Adagio und Rondo bestehend, komponierte, welches sie spater mit 

auBerordentlichem Beifall vorzutragen pflegte." (Jahn , O., ,W. A. Mozart", 4. Auflage, 

Leipzig 1907, 2. Teil, S. 29.) Das eigenartige, fur Harmonika, Flote, Oboe, Viola 

und Violoncell geschriebene Werk ist in K 6 c h e 1 s thematischem Verzeichnis als 

No. 617 angefiihrt; seine thematischen Anfange lauten: 

— v; _— Rondo. Allegretto. 

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Adagio. 






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Ferner gibt es von Mozart ein angeblich bereits i. J. 1780 komponiertes 
Adagio C-dur fur Harmonika; vgl. No. 356 in Kochels Verzeichnis. 

Als Kompositionsprobe fi'tr das Instrument sei auch auf eine -,Fantasie fur die 
Harmonica / am Grabe der urn dieses Instrument so sehr verdienten Tonkiinstlerin / 
Demoiselle Kirchgessner / gesetzt von Wenzel I. Tomascheck ..." hingewiesen, 
die in der zweiten Beilage des 11. Jahrgangs (1809) der „Allgemeinen Musikalischen 
Zeitung" enthalten ist. 



390 SlSKSitflMlS^SS^l^SS} (Glas-)Harmonikas 



Die Harmonikas aus der Empire- und Biedermeierzeit besaBen 37 — 48 
Glocken im Umfang von drei bis vier Oktaven (meistens dis — dis 3 bezw. 
fis 3 ; die groBten von c — c 4 ); die tiefsten Glocken hatten ca. 25 cm, die 
hochsten ca. 6 — 7 cm Durchmesser. — Als Spielregeln gibt C. Billert in 
Mendel-ReiBmanns „Musikalischem Conversations-Lexikon" (4. Band, 
Berlin 1874, S. 540) folgende Anweisungen: „Der Spieler muB, ehe er an das 
Spiel geht, seine Hande sorgfaltig durch Waschen von Fett und SchweiB 
befreien. Am besten bewirkt dies ein nach tragi iches Trocknen der Hande in 
Kleie. Nachdem man nun die Glockenrander mit einem nassen Badeschwamm 
iiberstrichen und durch den Tritt in sanfte Rotirung gegen den Spieler 
gebracht hat, legt man das angefeuchtete erste Glied des gestreckten Fingers 
mit dem Polster auf die Glocke, welche man zum Tonen bringen will. Je 
nach dem schnelleren oder langsameren Rotiren der Glocken und dem 
sanfteren oder starkeren Druck mit dem Finger auf dieselbe ergiebt sich dem 

Willen des Spielers gemaB die Tonnuancierung In Bezug auf die fur 

die H. zu wahlenden Tonstiicke hat man gefunden, daB man nur solche 
wahlen muB, die lang dauernde Tone und diese, wo moglich, in nicht 
strengem Takt fordern, und daB sich auf der H. es am dankbarsten ergiebt, 
wenn die Harmonic dieser Tonstiicke in zerstreuter Lage genommen wird." 
Eine groBe Verbreitung wie das Pianoforte oder Harfe und Guitarre hat die 
Harmonika nie gefunden; schon in dem 1840 erschienenen Schilling'schen 
Lexikon heiBt es (3. Band, Seite460): „In neuerer Zeit ist die Harmonica 
sehr selten geworden, und eine ganze Generation fast ist herangewachsen, ohne 
Gelegenheit gehabt zu haben, dieses Instrument horen zu konnen." [?] Als 
Ursache wird auBer der „Schwierigkeit ihrer Behandlung" auch ihre „Kost- 
barkeit und Zerbrechlichkeit" erwahnt, „indem eine gute gegen 40 — 45 Carolin 
[ca. 875 — 1000 Mk.] kostet." - - Die Physharmonika, deren Name ja der Glas- 
harmonika entlehnt ist, und ihre spatere Vervollkommnung, das Harmonium, 
lieBen die Harmonika dann ganzlich in Vergessenheit geraten, zumal man der 
Art ihrer Tonerzeugung - - wenn auch wohl in iibertriebener Weise-- einen 
schadigenden EinfluB auf das Nervensystem des Spielers zuschreiben zu 
miissen meinte. 

Als Erbauer von Glasharmonikas ist Aloys Pohl zu Kreibitz in Bohmen 
erwahnenswert, 1 ) wie uberhaupt in Bohmen mit seiner ausgedehnten Glas- 
industrie die meisten derartigen Instrumente verfertigt zu sein scheinen. 

J ) Er hatte (nach einem alten Leipziger AdreBbuch) i. J. 1829 die Leipziger 
Messe beschickt. Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", XXV. Band, S. 7. 



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No. 355. Tasten- oder Clavier-Harmonika 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. 

Text: Seite 394. 



(Glas-) Harmonikas No. 351 354 ^^^^^ 393 

No. 351. (Glas-) Harmonika 

aus der Wende des 18. Jahrhunderts. Das schmucklos ausgestattete 
Instrument ist in Mahagoni fourniert und ruht auf vier gedrehten Beinen. 
— Zur rechten Seite vorn im Gehause befindet sich ein Porzellan- 
schalchen zur Aufnahme eines Schwammes, mit dem die Glaser vor 
dem Spiel befeuchtet werden miissen. 

Die Harmonika enthalt 37 chromatisch abgestimmte schalenformige 
Glasglocken im Umfang von drei Oktaven (dis-dis 8 ). Die Glocken fiir 
die diatonischen Tone sind aus Milchglas, die fiir die Halbtone, die 
durch bronzierte Rander gekennzeichnet sind, aus dunkelgriinem Glas. 
Der Durchmesser der groBten Glocke betragt 22 cm, der der kleinsten 
87:; cm. 

Breite 1,06 m, Tiefe 53 cm, Hohe 1,12 m. 

No. 352. (Glas-) Harmonika 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Das schmucklos ausgestattete 
Instrument ist ebenfalls in Mahagoni fourniert und ruht auf vier eckigen 
Spitzbeinen. Die Eckkanten des Gehauses sind durch rautenformige 
Fourniere von Thujaholz verziert. 

Die Harmonika enthalt 40 chromatisch abgestimmte Glasglocken 
im Umfang von drei Oktaven und Terz (dis — fis H ). Die Glocken sind 
innen abwechselnd violett und grim gestrichen; die Glocken fiir die 
Halbtone sind, wie iiblich, durch bronzierten Rand gekennzeichnet. 
Der Durchmesser der groBten Glocke betragt 24 cm, der der kleinsten 
77:; cm. 

Breite 1,12 m, Tiefe 4272 cm, Hohe 87 cm. 

Abbildung auf Seite 391. 

No. 353. (Glas-) Harmonika 

aus den dreiBiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das hiibsche Instrument 
ist ebenfalls in Mahagoni fourniert und ruht auf vier eckigen Spitz- 
beinen, zwischen denen zwei dekupierte Lyren angebracht sind. Beide 
Lyren, in denen sich die Fiihrung der Trittleiste befindet, sowie der 
Deckel sind mit empireartigen Bronzebeschlagen verziert. Zur Ver- 
deckung des Triebrads und des Kurbelrads sind an beiden Seiten- 
wanden im Innern des Gehauses kastenartige Deckel angebracht, die 
mit Einlagen von gebeiztem Thujaholz geschmi'ickt sind. 

Anzahl und Ausstattung der Glasglocken stimmen mit der Harmonika 
No. 352 iiberein. Der Durchmesser der groBten Glocke betragt 27 cm, 
der der kleinsten 8 cm. 

Breite 1,27 m, Tiefe 50'/ 2 cm, Hohe 86 cm. 

Das Instrument gehorte friiher dem Leipziger Konservatorium 
und war auf Mendelssohns Veranlassung angeschafft worden. 

No. 354. (Glas-) Harmonika 

aus den dreiBiger oder vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Das 
stattliche Instrument ist in Kirschbaum fourniert und ruht auf vier eckigen 
Spitzbeinen; die AuBenseite ist dunkel gebeizt. Das Triebrad liegt un- 
mittelbar unter den Glasglocken und wird durch zwei holzerne Platten 
verdeckt. 



(GJas-)Harmonikas No 354 u. 355 



Die Harmonika enthalt 48 chromatisch abgestimmte Glocken von 
griinlichem Glas im Umfang von vier Oktaven (c— c 4 ); die Glocken 
fiir die Halbtone sind, wie iiblich, durch bronzierten Rand gekennzeichnet. 
Der Durchmesser der groBten Glocke betragt25, der der kleinsten 5' d U cm. 

Breite 1,267s m, Tiefe 43 cm, Hohe 1,01 m. 

Abbildung auf Seite 391. 

Das Instrument wurde gleichfalls in Leipzig erworben. 

No. 355. Tasten- oder Clavier-Harmonika 

aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Das schmucklos ausgestattete 
Instrument ist aus Eichenholz und ruht auf vier gedrehten Beinen. Der 
Teil der Vorderwand, der die Tastatur verdeckt, ist mit einer auf Holz 
ausgeftihrten primitiven Malerei versehen, die eine von Blumengirlanden 
umgebene Engelsgestalt darstellt. 

Die Harmonika enthalt 37 weiBe und rubinrote Glasglocken, die 
auf zwei hintereinander liegenden Wellen aufgereiht sind, und zwar 
sind auf der vom Spieler aus vorderen Welle die Schalen fiir die 
diatonischen, auf der hinteren Welle die fiir die chromatischen Tone 
bestimmten Schalen angeordnet. Oberhalb der Glocken sind in 
Messingkapseln befestigte holzerne Hebelarme angebracht, die mit den 
Tasten durch Drahtabstrakte in Verbindung stehen. Beim Niederdriicken 
der Tasten werden die an ihrer Reibeflache mit Gummi und Tuch ge- 
polsterten Hebel an die Glocken gedriickt und diese dadurch zum Er- 
tonen gebracht. Die Hebel sind in der Mitte durchbohrt, um die 
Polster mit Essig oder Wasser befeuchten zu konnen. — Entsprechend 
der Gruppierung der Glocken ist auch die aus Knopfen bestehende 
Tastatur zweireihig angeordnet: in der vorderen Reihe liegen die den 
Untertasten des Klaviers entsprechenden Tasten fiir die diatonischen Tone, 
in der hinteren Reihe die den Obertasten entsprechenden Tasten fiir 
die chromatischen Tone. Der Umfang der Tastatur betragt: c — c 3 (drei 
Oktaven). Die Tasten der vorderen Reihe sind aus Elfenbein, die der 
hinteren Reihe schwarz gebeizt. 

Breite 98 cm, Tiefe 74 cm, Hohe 99 1 /, cm. 

Abbildung auf Seite 392. 

Vgl.: Franz Konrad Bartl (zu Olmfitz), „Abhandlung von der Tastenharmonika". 
Mit 5 Kupfertafeln. Briinn 1798. 



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395 



FRIKTIONSINSTRUMENTE 
nach CHLADNI'schem Prinzip. 

Durch die grundlegenden Untersuchungen undSchriften des bedeutenden 
Gelehrten und Musikers Ernst Friedrich Chladni (geb. 30. November 1756 
zu Wittenberg, gest. 3. April 1827 zu Breslau) hatte sich die Akustik oder 
Schallehre um die Wende des 18. Jahrhunderts aus bloBer Empirie zu selb- 
standiger wissenschaftlicher Form entwickelt, wozu namentlich die groBen 
Fortschritte jenerZeit auf mathematischem und naturwissenschaftlichem Gebiete 
beitrugen. „Chladni war der Erste, welcher die Gesetze des Schalles, soweit 
sie der Beobachtung und dem Experiment zuganglich sind, in systematischem 
Zusammenhange darstellte, wahrend er zugleich die Akustik durch selbstandige 
Forschungen bereicherte, ihre Verbindung mit der Musik und ihre Anwend- 
barkeit im Bau musikalischer Instrumente nicht nur im Allgemeinen nachwies, 
sondern sich auch selbst mit Erfolg in der Construction neuer musikalischer 
Instrumente versuchte." (Zamminer.) — „Bis dahin hatte man" — heiBt es in 
No. 28 des 50. Jahrgangs der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung" - „in 
der Hauptsache noch keine andere Weise, zur musikalischen Klangerzeugung 
fahige Korper mit Sicherheit zur Ansprache zu bringen, erkannt, als die, wo 
ein solcher durch ihm von einem anderen unmittelbar beigebrachte StoBe, 
also durch Schlagen, Reiben, Streichen oder Anblasen zum Schwingen ver- 
anlaBt wird. Die erste Art, einfaches Anschlagen, erzeugt indessen bios ryth- 
mische Klange, weil der durch den Anschlag zu momentanen Schwingungen 
gezwungene Korper diese freiwillig nicht fortsetzt, sondern sehr schnell in 
den Stand der Ruhe zuriickkehrt, wahrend durch Reibung, Streichen oder 
Anblasen eine dauernde Folge genau zusammenhangender regelmaBiger StoBe 
entsteht, welche den melodischen anhaltenden Klang bildet. Nun aber machte 
man die Entdeckung, daB ein klangfahiger fester Korper auch mittelbar zum 
Ansprechen gebracht werden konne, namlich dadurch, daB man ihn mit einem 
zweiten nichtklingenden verbindet und auf diesem Letzteren den klanger- 
zeugenden Impuls durch Reiben oder Streichen in der Richtung der Schwingungs- 
excursionen beibringt. Dabei erwies es sich, daB der durch ein solches 
Medium hervorgebrachte Klang im Vergleich mit dem auf unmittelbare Weise 



396 ^^^ Friktionsinstrumente nach Chladnis Prinzip 

erzeugten bei Weitem voller, runder, scharfer und hinsichtlich der jedesmal 
bezweckten Starke oder Schwache modificationsfahiger, also in jeder Beziehung 
vollkommener sei. Fiir den praktischen Gebrauch zeigten sich zunachst 
Glasstabchen als vermittelnde Korper zu einer derartigen Klangerzeugung 
um so geeigneter, als sogar jedem schwer ansprechenden Korper, z. B. Metall- 
oder Holzstaben, auf leichte Weise ein angenehmer Klang durch sie entlockt 
werden kann." 

Der erste praktische Versuch wurde von dem Entdecker dieser Theorie, 
von Chladni selbst unternommen: er konstruierte im Jahre 1790 ein Instrument, 
dem er den Namen „Euphon" gab und zu dem ihm - wie vielleicht uber- 
haupt zu seinen akustischen Experimenten - - die Glasharmonika unmittelbare 
Anregung gegeben hatte. Die klanggebenden Korper des Euphons bildeten 
eiserne Stabe, die mit Glasstaben in enger Verbindung standen, welche durch 
Streichen mit den benetzten Fingerspitzen in Langsschwingungen versetzt 
wurden. Das Instrument, das iibrigens schon bald nach seinem Auftauchen 
von Dr. Christ. Fr. Quandt zu Jena als „Glasplatten - Harmonika" 
nachgeahmt wurde, erregte groBes Aufsehen, das sich noch steigerte, als 
Chladni mit einem neuen und besseren Versuch, dem „Clavicylinder", an die 
Oeffentlichkeit trat (1800). Die Tonerzeugung beim Clavicylinder, dem Chladni 
allerdings erst nach jahrelangen Versuchen im Jahre 1814 seine endgultige 
Form geben konnte, geschah mit Hulfe einer Klaviatur durch Andriicken von 
metallenen Staben an einen durch eine Tretvorrichtung in Rotation versetzten 
Zylinder. Trotz Chladnis Bemuhungen, seine Entdeckungen und Erfindungen 
mit dem Nimbus des Geheimnisvollen zu umgeben, ') fehlte es auch ihm 
nicht an zahlreichen Nachahmern seiner Idee. Zu derartigen Instrumenten, 
deren eigentliche geistige Urheberschaft zweifellos Chladni gebuhrt, gehoren: 
das „Melodicon" von Peter Riffelstein (1800), das „Melodion" von Joh. 
Christian Dietz in Emmerich (1805), das „Xylosistron" (1808) und das 
„Xylharmonicon" (1810) von Uthe in Sangershausen, das „Uranion" (1810) 
und das „Terpodion" (1816) von Johann David Buschmann in Friedrich- 
roda u. a. Die Unterscheidungsmerkmale in bezug auf ihre Konstruktion 
sind ganz geringfugig und bestehen meist nur in verschiedenem Material 
der Streichstabe (Holz, Stahl, Messing) und abweichender Bauart und Aus- 
stattung des rotierenden Zylinders. Alle diese Instrumente, die groBenteils 
von ihren Erfindern auf Kunstreisen dem in damaliger Zeit noch ziemlich 
anspruchslosen Publikum vorgefuhrt wurden, fanden bei ihrem Erscheinen 



*) Erst i. J. 1821 gab er seine „Beytrage zur praktischen Aknstik und zur Lehre 
vom Instrumentbau, enthaltend die Theorie und Anleitung zum Bau des 
Clavicylinders und damit verwandter Instrumente" heraus. (Vgl. hierzu auch 
Bemerkung zu No. 356.) 



Friktionsinstrumente nach Chladnis Prinzip 



vielen Beifall, gerieten aber nach einigen Jahren in meist wohlverdiente Ver- 
gessenheit. Von ihrem oft iiberschwanglich gepriesenen Klange, der wohl 
mehr eigenartig als schon gewesen sein mag, kann man sich heute nur 
schwer ein richtiges Bild machen, da die Instandsetzung der wenigen noch 
erhaltenen Exemplare stets auf groBe technische Schwierigkeiten stoBt. 

Eine besondere, selbstandigere Stellung nahm das von Friedrich Kauf- 
man n zusammen mit seinem Vater Joh. Gottfried K. im Jahre 1809 zu Dresden 
erfundene „Harmonichord" ein, dessen Konstruktion eine Vereinigung des 
bei den Bogenklavieren angewendeten Prinzips und der von Chladni ver- 
folgten Idee erkennen laBt: die Klangerreger des Harmonichords waren 
Metallsaiten, die durch einen abgestumpften rotierenden Zylinder in Langs- 
schwingungen gerieten. Eine ausfiihrliche Beschreibung des Instruments 
enthalt No. 360 des Katalogs. Jedenfalls scheint aus der ganzen Gruppe der 
nach Chladnis Prinzip konstruierten Friktionsinstrumente dem Harmonichord 
das sinnreichste und musikalisch brauchbarste System eigen gewesen zu 
sein; noch im Jahre 1848 wird es in der „AlIgemeinen Musikalischen Zeitung", 
wenn auch wohl etwas euphemistisch, als ein Tastatursaiteninstrument be- 
zeichnet, „welches Vollstimmigkeit und Fortdauer des Tons nicht nur voll- 
kommen in sich vereint sondern wobei zugleich der Spieler das Anwachsen 
und Abnehmen jedes einzelnen Tones vollkommen und sicher in seiner 
Gewalt hat." -- Allein mit dem im Jahre 1866 erfolgten Tode seines Erfinders, 
der jeder Verbreitung seines Instruments eigensinnig abgeneigt war, begann 
auch der Ruhm des Harmonichords zu verblassen, und jetzt ist es nur noch 
als groBe Seltenheit in Sammlungen anzutreffen. Wenn auch vor einigen 
Jahren wieder ein etwas modern isiertes „Harmonichord" in die Oeffentlich- 
keit gebracht wurde, laBt sich doch behaupten, daB die zu Anfang des 
vorigen Jahrhunderts so groBes Aufsehen verursachende Bewegung der 
„Friktionsinstrumente" heute ziemlich bedeutungslos geworden ist, — so 
lohnend und verlockend auch das diesen Instrumenten innewohnende Problem 
erscheinen mag, ein Idealinstrument zu schaffen, das Vielstimmigkeit mit 
„Sangbarkeit", d. h. Modulationsfahigkeit des einzelnen Tons, zu vereinigen 
imstande ware. 

Eine kurze Beschreibung der einzelnen Instrumente vom akustischen Standpunkt 
enthalt das 7. Kapitel von Zam miners Buch ,,Die Musik und die musikalischen 
Instrumente in ihrer Beziehung zu den Gesetzen der Akustik" (Giefien, 1855; Seite 
176 ff.). 



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398 ^^^ Clavicylinder No. 356, Melodion No. 357 

No. 356. Clavicylinder 

mit folgender Inschriftauf einem Milchglasschild: „Clavicylindre / d'apres 
Mi Chladni fait par / Louis Concone / A Turin"; aus dem zweiten Jahr- 
zehnt des 19. Jahrhunderts. Das Instrument, das auBerlich einem Tafel- 
klavier ahnelt, ist in Kirschbaum fourniert und ruht auf vier mit Messing- 
ringen verzierten gedrehten Beinen. Das Namensschild ist von einem 
Bronzebeschlag in Form einer Girlande eingefafit. 

Als Tonerreger dienen kleine gebogene Eisenstabe, die auf den 
hinteren Tastenhebeln befestigt sind und beim Niederdriicken der Tasten 
gegen einen durch eine Tretvorrichtung in Rotation versetzten Glas- 
zylinder gedruckt werden. Die Stabe sind an ihrer Streichflache mit 
Filz bekleidet. In der rechten oberen Ecke des Innern ist wie bei den 
Glasharmonikas ein kleiner Blechbehalter zur Aufnahme eines Schwammes 
angebracht, mit dem der Zylinder zwecks besserer Ansprache der Tone 
vor dem Gebrauch befeuchtet werden muB. - - Umfang der Klaviatur: 
Contra G — a :i (fiinf Oktaven und ein Ton). Die Untertasten sind mit 
Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 95 cm, Tiefe 57 '/•-> cm, Hohe 86V2 cm. 
Abbildung auf Seite399; Nachbildung der Inschrift auf Seite 415. 
Der Clavicylinder war von Chladni im Mai 1799 erfnnden und im Januar 
des nachsten Jahres fertiggestellt worden; unmittelbar darauf veroffentlichte er hieriiber 
in der „AUg. Musikalischen Zeitung" einen Bericht. Das Instrument, das zunachst 
nur einen Umfang von 3 3 /-t Oktaven (Q — e 3 ) hatte, wurde im nachsten Jahre auf 
4 '/* Oktaven (D-f ;t ) erweitert, und Chladni teilte gleichzeilig seine Absicht mit, seine 
Erfindung auf Reisen der Oeffentlichkeit vorzufiihren. Er bereiste zu diesem Zwecke 
in den nachsten Jahren fast ganz Europa, und seine akustischen Vortrage und Experi- 
mente fanden iiberall groBen Beifall und reiche Anerkennung; sie erweckten i. J. 1808 
auch das Interesse Napoleons und wurden von dem Kaiser mit einem Qeschenk von 
6000 Frs. belohnt. ') - Im Winter 1810 weilte Chladni in Turin und veranstaltete 
dort mit seinem Clavicylinder zwei Vorfiihrungen; er berichtet hieriiber und iiber das 
dortige Musikleben in No. 2 des 13. Jahrgangs der ,,Allg. Musikal. Zeitung". In dem 
Bericht wird ein Instrumentenmacher Concone erwahnt, der sich ,, durch die Ver- 
fertigung guter Harfen auszeichne". Zweifellos hat Concone bei dieser Gelegenheit 
die Einrichtung des Clavicylinders kennen gelernt und das Instrument nachgebaut; 
nach der Inschrift ,, d'apres M r Chladni" zu urteilen, geschah dies vielleicht im Ein- 
verstandnis mit dem Erfinder, obwohl Chladni in dieser Beziehung damals noch 
sehr zuriickhaltend war. (Vgl. hierzu Seite 396 des Katalogs.) 



No. 357. Melodion, 

von Johann Christian Dietz in Emmerich erbaut; eine Signierung 
ist nicht vorhanden. Aus dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. 
Das Instrument, das auBerlich ebenfalls einem Tafelklavier ahnelt, ist in 
Mahagoni fourniert und ruht auf vier eckigen Spitzbeinen. Vorder- 
und Seitenwand und die Zierleiste iiber der Klaviatur werden von 
hiibschen mit Metall umkleideten und in Ebenholz eingelegten Leistchen 
umsaumt. 

Die Tonerzeugung ist ganz ahnlich wie beim Chladni'schen 
Clavicylinder: als Tonerreger dienen mit Filzbekleidete langlicheMessing- 
plattchen, die an ihrem oberen Ende an Messingstaben federnd befestigt 
sind und durch Schnure mit den Tastenhebeln in Verbindung stehen; 



') Vgl. W. Bernhardt, „Ernst Chladni als Akustiker", Wittenberg 1856, S. 44. 



399 




(Mit abgehobenen Fiillungen.) 

No. 347. „Piano-Quatuor" 

von Qustave Baudet, Paris ca. 1865—70. 

Text: Seite 384. 




No. 356. Clavicylinder von Louis Concone, Turin ca. 1815. 

Text: Seite 398. 



400 




No. 357. Melodion 

von Joh. Christian Dietz, 

Emmerich ca. 1810—15. 

Text: Seite 398 




No. 358. Terpodion von Joh. David Buschmann, Berlin ca. 1830. 

Text: Seite 401. 



Melodion No 357, Terpodion No. 358 



beim Niederdrucken der Tasten werden sie gegen einen durch eine 
Tretvorrichtung in Rotation versetzten kolophonierten Zinnzylinder ge- 
driickt. Die Stabe, deren GroBe und Starke sich nach dem Diskant zu 
entsprechend abstufen, sind durch eine Schraubvorrichtung leicht urn- 
stimmbar. Umfang der Klaviatur: Contra F — c 4 (fiinf Oktaven und 
Quinte). Die Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten 
schwarz gebeizt. 

Breite 1,18 m, Tiefe 60Vs cm, Hohe 82'/ 2 cm. 

Abbildung auf Seite 400. 

Das „Melodion" wurde von Johann Christian Dietz zu Emmerich, der 
als Erfinder der „Claviharpe" bereits auf S. 205 und 223 des Katalogs erwahnt wurde, 
in Anlehnung an Chladnis ,,Clavicylinder" im Jahre 1805 konstruiert; schon im 
nachsten Jahre wurde das neue Instrument von Hrn. Betzold (aus Qotha) in einem 
Konzert zu Leipzig vorgefiihrt. (Vgl. „Allg. musik. Zeitung" 8. Jhg., Sp. 526.) In dem- 
selben Jahrgang findet sich auf Sp. 715—718 eine ausfuhrliche Beschreibung und 
Wurdigung des Melodion; dieser Bericht schlieBt mit folgenden Worten: ,,In Deutsch- 
land und in entfernten Qegenden scheint man noch nicht einmal zu wissen, daB 
Hr. Dietz diese Instrumente fabrikmaBig verfertigt und also kein Geheimnis aus seiner 
Erfindung macht, wie neulich einige reisende Virtuosen auf diesem Instrumente aus 
Furcht, daB ihnen Andere zuvorkommen mochten, falschlich ausgestreut haben. Seine 
Fabrik ist bereits in solchem Flor, daB bestandig gegen dreyssig Instrumente in Arbeit 
sind. Der meiste Absatz schrankt sich jetzt nur noch auf das benachbarte Holland 
und Westphalen ein, wo der Erfinder auf einer kleinen Reise selbst dieses Instrument 
producirte." — Vgl. auBerdem den Aufsatz von A. A pel: „Ueber Herrn Uthe's 
Xylharmonicon, und einige verwandte Instrumente" in No. 25 des 12. Jahrgangs (1810) 
der ,,Allg. musik. Ztg." (Sp. 385—390), wo es ausdriicklich heiBt: „Die Ehre der Er- 
findung dieser Gattung von Instrumenten gebuhrt unstreitig dem, um die Theorie des 
Klangs so verdienten Chladni, der, in den Jahren 1789 und 1790 das Euphon 

baute und zuerst bekannt machte Alle spatern Instrumente, die durch einen 

vermittelnden Korper dem klingenden seinen Ton entlocken, sind Variationen des 
Euphons, deren es, wie Chladni oft wiederholte, wenn er von seiner neuen Erfindung 
sprach, unzahliche giebt." ') Ueber den Klang des Melodion sagt Gerbers ,,Neues 
Lexikon" (1. Theil, 1812, Sp. 892): „Beym langsamen harmonischen Vortrage eines 
Chorals iibertrift es vielleicht noch die Harmonika in Erweckung sanfter Gefvihle. 
Im Vortrage von geschwinden Satzen und Passagen hingegen hat es tauschende Aehn- 
lichkeit mit einer guten Berliner Flotenuhr." 



No. 358. Terpodion, 

laut gravierter Inschrift auf einem Perlmutterschild von „J. D. / Busch- 
mann / in / Berlin" erbaut; aus dem Anfang der dreiBiger Jahre des 
19. Jahrhunderts. Das auBerlich einem Tafelklavier ahnelnde Instrument 
ist in Mahagoni fourniert und ruht auf vier kurzen gedrehten Beinen. 
Der rahmenartige Schalldeckel, der den hinteren Raum des Gehauses 
verdeckt, ist in vier mit griiner Seide bespannte Felder eingeteilt, von 
denen die beiden Seitenfelder durch Laubsagearbeit verziert sind. In 
gleicher Weise sind die Schiebedeckel der zwei zu beiden Seiten der 
Klaviatur angebrachten Gefacher ausgestattet. Zierleiste und Klaviatur- 
backen sind in Buchsbaum fourniert und mit eingelegten Ahornfeldern 
und Ebenholzrauten verziert. 



J ) Eine Nachahmung des Dietz'schen Melodion von Max Ainmiller (ca. 1820) 
befindet sich im „Deutschen Museum" zu Munchen. (Vgl. ,,Fi'ihrer", S. 81, P.) 



26 



402 ^^^^^^ Ter podion No 358 u. 359 

DieTonerzeugung ist ebenfalls sehr ahnlich wiebeim Chladni'schen 
Clavicylinder: an einen mit Kolophonium bestrichenen und durch eine 
Tretvorrichtung in Rotation versetzten Holzzylinder werden beim Nieder- 
driicken der Tasten Holzstabe gedriickt, die an ihrer Reibeflache mit 
Wildleder bekleidet sind. Das Abstitnmen der einzelnen Stabe geschieht 
(ahnlich wie bei dem Melodion von Dietz) durch eine Schraubvor- 
richtung. - - Umfang der Klaviatur: Contra-F — f 4 (sechs Oktaven). Aus- 
stattung der Tasten wie bei No- 357. 

Breite 1,28 m, Tiefe 64 cm, Hohe 84 cm. 

Abbildung auf Seite 400. 

No. 359. Terpodion, 

laut gravierter Inschrift auf einem Milchglasschild von „J. D. Buschmann / 
in / Berlin" erbaut. Das Instrument ist auBerlich und innerlich dem 
unter vorhergehender Nummer beschriebenen Exemplar fast gleich; es 
ist ebenfalls in Mahagoni fourniert und ruht auf vier kurzen gedrehten 
Beinen. Zierleiste und Klaviaturbacken sind mit Ahornwurzelholz fourniert. 
Der den hinteren Raum des Gehauses verdeckende Schalldeckel ist 
durch Perlstabchen in zwei Felder geteilt und mit blauem Stoff be- 
spannt. Die innere Einrichtung, Umfang und Ausstattung der Klaviatur 
stimmen mit dem Terpodion No. 358 vollstandig uberein. 
Breite 1,30 V. m, Tiefe 68 cm, Hohe 82 cm. 

Nachbildung der Inschrift auf Seite 415. 

Das Terpodion wurde von Johann David Buschmann zu Friedrichroda 
bei Gotha im Jahre 1805 erfunden; aber erst nach mehr als zehn Jahre wahrenden 
Versnchen war das Instrument, dem der Herzog August von Coburg-Gotha den 
Namen gegeben hatte, ,,konzertfahig" geworden. In zahlreichen Stadten wurde es 
von dem Erfinder und seinen beiden Sohnen Eduard und Friedrich teilweise 
zusammen mit der Harmonika in Konzerten vorgefiihrt und fand iiberall groBen Beifall. 
Der anfanglich reclit teuere Preis von „66 Carolin in Gold" (= 1450.— Mk.) wurde 
spater, nachdem sich Buschmann mit seinen beiden Sohnen i. J. 1821 zur Fabrikation 
des inzwischen weiter verbesserten Instruments in Berlin ansassig gemacht hatte, auf 
den ,, Preis eines guten Pianoforte" ermaBigt. Am 1. Marz 1824 erhielt B. fur das 
Terpodion ein Patent ,,auf zehn Jahre fiir die ganze Monarchie"; aus dem Bericht der 
,,Allg. Musik. Zeitung" (26. Jahrgang, Sp. 258) geht hervor, daB die Streichstabe im 
Diskant ,, durch zum Theil aus Metall bestehende Tonstiicke" ersetzt waren Die- 
selbe Zeitung berichtet von weiteren ausgedehnten Konzertreisen der beiden Sonne 
in den dreiBiger Jahren; eine enthusiastische Besprechung erfahrt z. B. ihr Wurzburger 
Konzert (Dezember 1832).') Auch Job. Nep. Hummel in Weimar stellte ihnen am 
6. Dezember 1832 ein lobendes Attest fiber das Instrument aus. — Die Vervoll- 
kommnung des Harmonium bereitete um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch der 
Beliebtheit des Terpodion ein Ende. 

Vgl. „Allgem. Musik. Zeitung", Jhg. 18, 19, 22, 23, 27 und 34. 

Kurz nach den ersten Konzerten Busch matins hatte Carl Maria von Weber 
- allerdings wohl auf dessen Veranlassung — am 28. August 1817 folgenden Aufsatz 
iiber das Instrument geschrieben und einige Tage darauf in der Dresdener ,,Abend- 
zeitung" veroffentlicht :' J ) 

,,Buschmanns >Terpodion« (Labesang). So benannte der kunstliebende und 
schiitzende Herzog von Gotha wohlverdienterweise und sinnvoll ein neu erfundenes 
musikalisches Instrument, dessen Entstehung die Welt hauptsachlich auch seiner huld- 
voll tatigen Unterstiitzung verdankt, und welches die kunstliebenden Bewohner Dresdens 

') Nach einer mi'indlichen Mitteilung des f Professors H. Kipper ist das 
Terpodion etwa i. J. 1838 auch in einem Giirzenich-Konzert zu Coin vorgefiihrt worden. 

-) Vgl. Max Maria v. Webers Lebensbild seines Vaters (3. Band, Leipzig 1866, 
S. 157) und Georg Kaiser, Samtliche Schriften v. C. M. v. Weber (Berlin 1908, 
S. XCVII und 355). 



Terpodion No. 359, Harmonichord No. 360 ^^^ 403 

baldigsl in einem von dem Erfinder und Verfertiger desselben, Herrn Mechanikus 
Joh. Dav. Buschmann aus Friedrichroda bei Gotha, zu gebenden offentlichen 
Konzerte zu horen das Vergniigen haben werden, nachdem es schon die Zufriedenheit 
und den Beifall Unseres Allergnadigsten und kunstkennenden Monarchen und dessen 
erhabener Familie zu erringen so gli'icklich war. — Herr Buschmann hat einen zwolf- 
jahrigen FleiB darauf verwendet, ein Tastaturinstrument von 5'/s Oktave im Umfange 
zustande zu bringen, das den Ton aus durch Reibung in Erzitterung gebrachten und 
also klingend- oder tonenden Holzstaben erzeugt. Dies ist ihm auf hochst ausgezeiehnete 
Weise gelungen. Das Wie — vorderhand noch sein Geheimnis. Die Qualitat des 
Tons nahertsich, vermoge gleichen Erzeugungsprinzips, der Harmonika. Die Quantitat 
desselben iibertrifft letztere aber bei weitem an Umfang, Starke (vorziiglich der schonen 
Basse), Reinheit und Fiille. Der Druck und das Ruhen des Fingers auf der Taste 
bestimmt Dauer, Sehwellen, Vermindern und Kraft des Tons. Einzelne Regionen des 
Instruments ahmen bis zur lebendigsten Tauschung manche Blasinstrumente — in diesen 
naturgemafien Tongangen gespielt — nach. Dem gebundenen, ernsteren Stile gehort 
zwar seine Natur zunachst an, aber die wirklich auBerordentliche Leichtigkeit des 
Ansprechens der Tone bietet zu schnellrollenden Figuren alle Mittel dar, und es hat 
darin in seiner bequemen Form und der fast vollkommenen Unverstimmbarkeit einen 
bedeutenden Vorzug vor alien bis jetzt mir bekannten Erfindungen dieser Art, selbst 
das so scheme Harmonichord unseres wahrhaft hochzuschatzenden Mitbiirgers, Herrn 
Kaufmanns, nicht ausgenommen." [Vgl. die folgende No.] 



No. 360. Harmonichord, 

von Johann Friedrich Kaufmann in Dresden erbaut; eine 
Signierung ist nicht vorhanden. Aus den dreiBiger Jahren des 19. Jahr- 
hunderts. — Das Gehause des im AeuBern einem Giraffenflugel ahn- 
lichen, schmucklos ausgestatteten Instruments ist aus Kirschbaumholz. 
Die Fiillung des als Tur eingerichteten Oberrahmens und der als Notenpult 
dienende Deckel iiber dem Zylinder sind mit bedrucktem Mobelstoff 
bespannt. Die Klaviatur wird durch einen abnehmbaren gewolbten 
Deckel geschlossen. Den Unterbau bilden zwei Schrankchen, von denen 
das rechte zum Aufbewahren von Musikalien benutzbar ist, wahrend 
sich in dem linken das Schwungrad fur den Zylinder befindet. 

Die innere Einrichtung des Harmonichords ist im 50. Jahrgang 
der „Allg. Musik. Zeitung" (1848, No. 28 und 29) folgendermaBen 
beschrieben: „Ein System von Metal lsaiten, eine fur jeden Ton, auf 
einem Resonanzboden, in der Weise wie bei einem aufrechtstehenden 
Fliigel vertikal angebracht, bildet den klanggebenden Theil des Instru- 
mentes. Nach ihrem unteren Ende zu ist jede Saite an geeigneter Stelle 
mit einem holzernen horizontalliegenden Stabchen dergestalt versehen, 
daB in das eingekerbte Ende desselben die Saite sich fest eingeklemmt 
befindet, wahrend das andere Ende leicht auf einer Unterlage ruht, wobei 
eine einfache Vorrichtung dem etwaigen Riicken oder Verschieben des- 
selben begegnet. Jedes dieser Stabchen bildet eine wirkliche materielle 
Verlangerung des Angriffs- oder Anschlagspunktes der Saite; es ist 
eine Art Auswuchs derselben, so zu sagen ein Fuhlhorn, welches sie 
ausstreckt, urn durch dasselbe die Eindriicke eines fortgesetzten Stosses, 
der Reibung also, auf sich selbst iibertragen zu lassen. Dies aber ge- 
schieht folgendermaassen: Wahrend ein mittelst FuBtrittes und Schwung- 
rades in gleichmassige Bewegung versetzter, horizontal iiber dem Systeme 
der Stabchen und in ganz geringer Entfernung von diesen angebrachter 
[mit Wildleder bekleideter holzerner] Cylinder (eigentlich ein abgestumpfter 



404 ^^^^^^ Harmonichord No. 360 



Kegel, dessen starkere Dimensionen den Bafitonen, die schwacheren dem 
Diskante dienen) fortwahrend rotirt, driickt der Spieler vermoge der 
Klaviatur die Stabchen von ihrer Unterlage etwas in die Hohe, wodurch 
sie mit dem Cylinder in tangentiale Beriihrung kommen, der nun auf 
jedem der angedriickten Stabchen eine dem Bogenstriche bei den 
Geigeninstrumenten gleichkommende Reibung verursacht." Durch die 
auf diese Weise entstehende Friktion geraten die Stabchen in Erschutterung, 
die sich den mit ihnen verbundenen Saiten mitteilt und sie in Langs- 
schwingungen versetzt. Die Saiten sind mit einer sehr sinnreich 

ausgedachten Schraubenstimmvorrichtung versehen, deren ausfuhrliche 
Beschreibung Sp. 469—470 des soeben zitierten Jahrgangs der „AUgem. 
Musik. Zeitung" enthalt. Unter den einzelnen Holzstabchen liegen auf 
einer gemeinsamen Leiste aufgeschraubte metallene Federn, die an ihrem 
Ende mit Wildleder bezogen sind und als Dampfer dienen; sie konnen 
mittels eines als Fortezug wirkenden Kniedriickers, der zur rechten 
Seite angebracht ist, von den Stabchen abgeruckt werden. 

Umfang der (ziemlich eng mensurierten) Klaviatur: C — f ! (vier 
Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind mit Ebenholz, die Ober- 
tasten mit Bein belegt. 

Hohe 2,44 m, Breite 86 cm, Tiefe 54 cm. 

Abbildung auf Seite 405. 

Das Harmonichord wurde von dem Akustiker und Mechaniker J o h a n n 
Fried ricli Kaufman n in Dresden (geb. 1785, gest. 1866; vgl. uber ihn Seite 417) 
zusammen mit seinem Vater Johann Gottfried K. (geb. 1752, gest. 1818) im 
Jahre 1809 erfunden 1 ) und in den nachsten Jahren auf mehrfachen Kunstreisen in 
verschiedenen Stiidten vorgefuhrt, wo das Instrument iiberall groBes Aufsehen hervorrief. 
Im Jahre 1817 unternahmen Vater und Sohn mit dem Harmonichord und einem 
andern von ihnen erfundenen Instrument, dem ,,Chordaulodion", das eine Verbindung 
zwischen Pianoforte und Flotenwerk bildete, weitere Reisen, die sich bis Amsterdam 
und Paris ausdehnten ; vgl. hierzu die Berichte im 17. und 18. Jahrgang der ,,Allgem. 
Musik. Zeitung". In No. 64 des 12. Jahrgangs findet sich auch eine ausfuhrliche Be- 
schreibung des Harmonichord, dessen Klang groBe Aehnlichkeit mit der Aeolsharfe 
und der Glasharmonika nachgeriihmt wird. 

Bekannt ist das lebhafte Interesse, das Carl Maria von Weber an dem 
Instrument nahm: ,,zum Gebrauche des Herrn Friedr. Kauffmann" komponierte er 
Anfang Juni 1811 zu Miinchen ein r , Adagio und Rondo fur das Harmonichord" mit 
Orchesterbegleitung, dessen erste Auffiihrung unter groBem Beifall am 13. Juni 1811 
stattfand, und das Kaufmann auch spater in seinen Konzerten stets als „Paradestuck" 
vortrug. 2 ) -- In den dreiBiger und vierziger Jahren unternahm Kaufmann neue Konzert- 
reisen durch eine Anzahl groBerer deutscher Stadte, woriiber ebenfalls die „Allgem. 
Musik. Zeitung" berichtete. Mehrere hervorragende Musiker jener Zeit, wie Marschner, 
Reissiger, Julius Rietz u. a. zeigten groBes Interesse fur das Instrument; doch war 
Kaufmann einer weiteren Verbreitung desselben durchaus abgeneigt: selbst Liszts 
wiederholte Bitten, ihm ein Harmonichord zu iiberlassen, blieben erfolglos. 

Ueber Spielart und Klang des Instruments berichtete die „Allgem. Musik. Zeitung" 
(Jahrgang 50, Spalte 469) : „Es spielt sich ungemein leicht mit schneller Ansprache des 
Tones. Am Schonsten wirkt es bei massig schnellem Vortrage, aber auch brillante 
Satze, alle Verzierungen, Triller nicht ausgeschlossen, lassen sich mit Precision aus- 
fiihren, nur verlangt es ungemeine Delikatesse in der Behandlung. Das starkste 
Fortissimo wie der leiseste Hauch des Smorzando stehen der Willkiir des Spielers zu 



') Als ein gleichzeitig auftauchendes ahnliches Saiten-Friktionsinstrument ist das 
von Weidner in Fraustadt konstruierte „Triphon" zu erwahnen; vgl. Beschreibung 
und Kupferstich in No. 30 des 12. Jahrgangs der „Allgem. Musik. Zeitung". 

") Vgl. „Allgem. Musik. Zeitung", 48. Jahrgang (1846, Sp. 809) und F. W. Jiihns, 
„Carl Maria von Weber in seinen Werken", Berlin 1871, No. 115 (Seite 139). Die 



405 




No. 360. Harmon ichord 
von Joh. Friedrich Kaufmann, Dresden ca. 1835. 

Text: Seite 403. 



406 




No. 365. 



No. 363. 



Zwei Nagelgeigen. 

Text: Seite 410. 




No. 369. „Levigrave Regulateur" (Stumme Klaviatur) 
von Maury & Dumas (A. Dumas Fils & Colin), Nimes ca. 1875. 

Aus Liszts Besitz. 

Text: Seite 420. 



Harmonichord No. 360 



407 



Gebote und jeder einzelne Ton kann nach Belieben angehalten oder stakkirt werden. 
Dabei besitzt es eine eigenthtimliche Dampfung, vermoge welcher keine anderen 
Saiten, als die angeschlagenen, mitklingen. Durch Aufhebung dieser Dampfung [vgl. 
Seite 404] lasst sich dagegen ein eigenthiimlicher Nachhall bewirken, der namentlich 
zum Vortrage halb stakkirter Noten mit Effekt zu benutzen ist. Eine ganz besondere, 
bei keinem anderen der jetzt gebrauchlichen Instrumente vorkommende Eigenthiimlichkeit 
des Harmonichords ist die, dass jeder Akkord zu gleicher Zeit gebunden und harpeggirt 
zu Gehor gebracht werden kann, was mittelst des blossen Fingerdruckes geschieht. 
Tremendo's und Crescendo's kommen ausgezeichnet zu Gehor. Der Umfang erstreckt 
sich bis jetzt vom groBen C bis zum dreigestrichenen f und der Ton gleicht in der 
Tiefe fast dem des Cello oder des Violon-Registers der Orgel; die hoheren klingen 
etwas scharfer." 

Leider ist es bisher trotz mehrfacher Versuche nicht gelungen, das vorliegende 
Instrument (ein Unicum!) wieder in spielbaren Zustand zu bringen; ,,der Eigensinn 
des Erfinders, nur wenige Instrumente fiir seinen eigenen Bedarf zu bauen, keins 
kauflich abzugeben und selbst die innere Konstruktion geheim zu halten, hatte .... 
leider die Folge, daB nach seinem Tode das Instrument in die Rumpelkammer geriet 
und spatere Versuche, dasselbe wieder spielbar zu machen, so oft solche auch unter- 
nommen wurden, stets erfolglos blieben. Erst dem Enkel des Erfinders, Friedr. Kauf- 
man n jun. war es vorbehalten, nach langjahrigen Versuchen und Bemiihungen das 
verloren gegangene Geheimnis der Intonation wieder aufzufinden." (,,Zeitschrift fiir 
Instrumentenbau", XXIV. Band, Seite 1060.) — Eine Neukonstruktion des Harmonichord, 
die die Errungenschaften der modernen Instrumentenbautechnik nicht unbeachtet lielS, 
gelangte erst vor wenigen Jahren durch die „Harmonichord-Werke" zu Leipzig-Qohlis 
(Inhaber: Gustav Walch) an die Oeffentlichkeit. 



thematischen Anfange des Werkes, das als ,,Oeuvre posthume" spater im ,, Bureau de 
Musique" (C. F. Peters) zu Leipzig erschien, lauten: 



Adagio molto 

(Tutti) ± + 





Allegretto 

(Solo) 






l> =^ 



ff 



etc. 






"#•■ 



* 



til 





In einem an seinen Freund J oh an n Gansbacher (1778—1844) ge- 
richteten Brief vom 27. Juni 1811 spricht sich Weber fiber das Instrument und die 
Komposition folgendermaBen aus: ,,... es war eine verdammte Arbeit, fiir ein 
Instrument zu schreiben, dessen Ton so eigen ist und so fremd, dass man die lebhafteste 
Phantasie zu Hilfe nehmen muB, um es gehorig wirkend mit den andern Instrumenten 
ins Licht zu setzen, Es ist ein Geschwisterkind der Harmonika, und hat das besonders 
eigen, daB die Oktave so besonders hervorsticht bei jedem gehaltenen Tone, weil 
durch Reibung von Holzstabchen, und durch diese erst wieder Saiten in Schwingung 
gebracht werden." (Vgl. Jahns, a. a. O.) 



aX0}£)O-- 



Die NAGELGEIGE, 

auch „Nagelharmonika", „Stiftgeige" oder „Eisengeige" (franz.: „violon de fer", 
engl.: „nail violin") genannt, wurde i. J. 1744 von einem Bayern Johann 
Wilde 1 ), der 1741 — 1764 Kaiserl. Kammermusikus zu St. Petersburg war, in 
der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts erfunden; spater machte (nach Gerbers 
Lexikon) auch ein gewisser Srode wohl mit Unrecht Erfinderrechte 

: ) Wilde war - - nach Oerber — „ein vorziiglicher Meister auf der Violin und 
Viol d'Amour, zngleich aber auch ein erfinderischer Kopf und guter Instrumenten- 
macher." In Hillers ,,W6chentlichen Nachrichten" 4.Jahrgang, S. 192/94 sind seine ver- 
schiedenen Erfindungen beschrieben, die in einer Stockvioline, einer Viole d'Amour 
mit Dampfer, einer silbernen Syrinx- Pfeife, einer Schalmei-Querflote, einer kleinen 
Violine mit Pergamentdecke, einem zusammenlegbaren Violoncello u. a. bestanden. - 
Ueber die Nagelgeige heifit es (Seite 193/94): 

„Eine eiserne Nagel-Geige, sonst auch ... das Wildische Nagel- oder 
Stifftspiel genannt. Es besteht aus einem halbrund oder in Hufeisen-Qestalt aus- 
geschnittenen Bretgen, etwan l 1 /* FuB lang und 1 FuB breit, auf welchem 12, 18, oder 
24 eiserne gemeine Nagel oder Stiffte eingeschlagen sind, je einer langer als der andre 
oder tiefer eingeschlagen, nach dem Verhalt, daB einer nach dem andern immer einen 
ganzen oder halben Ton hoher schwirre oder klinge, wenn man mit einem gewohn- 
lichen Fiedelbogen, der wohl mit Kolophonium bestrichen seyn muB, daran streicht. 
Es ruht auf befestigten Kugeln oder niedrigen FuBen, und kann, damit es sich beym 
Spielen nicht verrucke, an jedem Tisch angeschraubt werden. Sonst kann man auch 
am Bogen dieses Nagel-Spielbrets einen vorragenden Stiel befestigen, woran man das 
Instrument mit der linken Hand halten, und dem Strich des Bogens mit der rechten 
Hand entgegen wenden kann, wie man will. .Darauf nun kann man so gut als auf 
einem andern Instrument, das mit dem Bogen tractirt wird, alle Melodien mit einem 
besondern Klang spielen. Der Erfinder dieses sehr wohlfeilen Instruments hat bey 
Hofe im Concert, und bey dem Intermezzo und Balletten im Orchester, mit aller Zu- 
horer Beyfall und Bewunderung darauf gespielt. Der Schall davon ist so durch- 
dringend, daB man es mit Anmuth durch ein ganzes Concert von stark besetztem 
Orchester durchschwirren hort. Er ist, wie er mir erzahlt hat, von ungefahr auf diese 
Erfindung gerathen, als er in seiner Werkstube einen Fiedelbogen an die Wand hangen 
wollen, und mit demselben unversehens an einen in der Wand festen Nagel angefahren; 
da er denn einen unerwarteten Klang gehort, darauf mit Fleiss noch einmahl mit dem 
Bogen fiber diesen Nagel und andere Nagel mehr gefahren, bey jedem, nachdem er kiirzer 
oder langer, dicker oder diinner war, einen unterschiedenen tiefern oder hohern Ton 
angetroffen, und also auf den Einfall gerathen, eine Octav von Nageln nach unter- 
schiedener Lange oder Stimmung auf ein besondres Brettgen, oder eigentlich zuerst 
nur in die Thiire seiner Werkstube, zu schlagen ; wodurch das neue Instrument gar 
bald in vollen Stand gerieth". 



Nagelgeigen No. 361 u. 362 ^^^^^ 409 

geltend. Das primitive Instrument besteht aus einem halbkreisformigen oder 
kreisrunden Schallkasten, auf dessen Deekenrand eine Anzahl in der GroBe 
sich abstufender abgestim inter metallener Stifte eingeschlagen sind; diese 
„Nagel" werden durch einen mit schwarzem Pferdehaar bezogenen und stark 
mit Kolophonium eingeriebenen Geigenbogen angestrichen, wodurch ein 
flotenartiger Ton entsteht. Doch lieB die Ansprache der Stifte zu wunschen 
ubrig; auch ermoglichte ihre fiir den Gebrauch des Bogens ungiinstige Lage 
nur das Spielen einer einfachen Melodie von mafiiger Bewegung. — In 
Frankreich wurden spater auch Nagelgeigen mit mitklingenden Saiten ver- 
fertigt. ') Ueber ein Virtuosentrio, das mit der Nagelharmonika Kunstreisen 
unternahm, berichtet Gerbers Lexikon (2. Theil, 1792, Sp. 501): 

„Senal oder Sen el, ein auBerordentlicher Kiinstler auf der Nagel- 
oder Stiftharmonika zu Wien, geb. in Bohmen; befand sich vor einiger Zeit 
mit seinen beyden Nichten auf Reisen, und liefi sich 1783 zu Ludwigsburg 
mit selbigen sogar durch Trios auf diesem Instrumente zu jedermanns Be- 
wunderung horen. Sie nannten ihre Instrumente Viol i n o - Harmon ika." 

Das Prinzip der Nagelgeige veranlaBte i. J. 1792 den Zeichenlehrer 
Trager zu Bernburg zur Konstruktion eines zur Gruppe der „Bogenflugel" 
gehorenden „NagelkIaviers", bei dem eiserne Stifte durch ein mit Kolophonium 
angeriebenes leinenes Band angestrichen wurden; dieses Band wurde auf 
gewohnte Weise durch eine Tretvorrichtung mittels eines Schwungrades in 
Bewegung gesetzt. (Vgl. „Berliner Musikalische Monatsschrift", July 1792). 

No. 361. Nagelgeige kleinster Form, 

deutsche Arbeit aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts. Das pri- 
mitiv gearbeitete Instrument hat einen halbkreisformigen Schallkorper. 
Auf der Decke sind 15 diatonisch abgestimmte Eisenstifte im Umfang 
von zwei Oktaven (g"—g H , mit kleiner Septime f [statt fis]) eingeschlagen. 
Die Zarge ist mit einem Papierstreifen beklebt, der mit den einzelnen 
Tonbuchstaben beschrieben ist. Zur Verhinderung des Abgleitens des 
Bogens sind die Stifte von einem Messingdraht umgeben. 

Breite 14Vs cm, Tiefe 10 cm, Hohe des Schallkorpers 3 cm. 

No. 362. Kleine Nagelgeige, 

deutsche Arbeit aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Der halbkreisformige 
Schallkorper des Instruments ist mit Blumenmalereien verziert. Auf 
der Decke, die mit einem kleinen kolorierten Kupferstich einer Blumen- 
vase beklebt ist, sind 26 chromatisch abgestimmte Stifte im Umfang 
von zwei Oktaven (g 1 — g :t ) eingeschlagen. Die Stifte sind wie bei 
No. 361 mit einer Schutzeinfassung versehen. 

Breite 28 Vs cm, Tiefe 18 cm, Hohe 27s cm. 



J ) Derartige Instrumente besitzen z. B. die Sammlungen zu Briissel (No. 166) 
und London (No. 430). 



410 ^^^^^ Nagelgeigen No. 362—365 

Das Instrument stammt aus dem Besitz des Komponisten Fried r. Wilhelm 
Rust (1739- 1796), des „Vorgangers Beethovens", wie inn Erich Prieger nennt. Nach 
Aussage von Rusts Enkel, dem Leipziger Thomaskantor Wilhelm Rust, hat sein GroB- 
vater ein Streichquartett komponiert, in welchem er die Solostimme auf diesem In- 
strument ausftihrte. 

No. 363. K 1 e i n e Nagelgeige, 

deutsche Arbeit aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Der Schallkorper 
des primitiv gearbeiteten Instruments zeigt kreisrunde Form und ist aus 
Eichenholz verfertigt. Auf der Decke sind 26 diatonisch abgestimmte 
Stifte im Umfang von zwei Oktaven und einer Quinte eingeschlagen 
(g — d :i ); die gekerbte Zarge ist mit den betreffenden Tonbuchstaben 
bezeichnet. Die Stifte sind wie bei No. 361 und 362 mit einer Schutz- 
einfassung umgeben. 

Durchmesser 25 V2 cm, Hohe 6Vs cm. 

Abbildung auf Seite 406. 

No. 364. Nagelgeige, 

deutsche Arbeit aus der Wende des 18. Jahrhunderts. Der Schallkorper 
ist halbkreisformig; Boden und Decke sind aus hellgelb lackiertem Fichten- 
holz verfertigt und besonders aufgenagelt. Auf der Decke, die durch 
eine Pergamentrosette verziert ist, sind 37 chromatisch abgestimmte 
Stifte im Umfang von drei Oktaven (c 1 — c n ) eingeschlagen. Die Stifte 
sind zur leichteren Unterscheidung in Gruppen zu fiinf und sieben 
angeordnet, so daB bei den Tonen c und f jedesmal eine neue Gruppe 
beginnt; ein kleiner Eisenstift bezeichnet auBerdem den Anfang der 
zweiten und dritten Oktave. Auf die Zarge ist ein gedruckter Papier- 
streifen mit Angabe der (deutschen und italienischen) Tonskala geklebt. 

Breite 32 cm, Tiefe 2IV2 cm, Hohe 3 3 A cm. 



No. 365. Nagelgeige, 

schwedische Arbeit aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Das aus 
Fichten- und Buchenholz verfertigte Instrument besteht aus einem halb- 
kreisformigen Schallkasten, der auf einem ebensolchen etwas groBeren 
Untersatz ruht. Auf der Decke sind 42 chromatisch abgestimmte Stifte 
eingeschlagen; sie haben einen Umfang von drei Oktaven und Quarte 
(c 1 — f 3 ) und sind wie bei No. 364 in Gruppen von je fiinf und sieben 
eingeteilt. Der groBte Eisenstift ist 15 Vs cm, der kleinste 3 cm lang. 

GroBte Breite 58 cm, groBte Tiefe 29 Vs cm, Hohe des Schall- 
kastens 11 Vs cm; Breite der Decke 47',2 cm, Tiefe der Decke 24 cm. 

Abbildung auf Seite 406. 

Auf der rechten Seite der Decke befindet sich folgender geschriebener Zettel: 
„En gammel sakellad Jem-violin / med halfbiige formad resonans-botten / och 
skala af metallstift, den spelades / med vanlig stroke, tillh: Carl XV. 1 ) / uter Galim- 
bertis samlingar." In deutscher Uebersetzung : „Eine alte sogenannte Eisenvioline mit 
halbmondformigem Resonanzboden und einer Skala von Metallstiften ; sie wurde 
mit einem gewohnlichen Bogen gespielt und gehorte Karl XV. ; aus Galimberts 
Sammlung." 



l ) Konig Karl XV. (geb. 1826), der sich auch durch seine schriftstellerische 
Tatigkeit einen Namen gemacht hat, regierte 1859—1872. 



Aliquot-Streichflote No. 366 ^^^^^ 411 

Eine modernisierte Nagelgeige bildet 
No. 366. „Aliquot-Streichflote", 

von Ph. J. Brambacli zu Marburg in Hessen i. J. 1888 erfunden; 
D.R.P. 45536. — Das Gehause des primitiven kleinen Instruments ist 
aus dunkelgebeiztem Eichenholz. „Es ist ein unverstimmbares, ober- 
toniges [Tasten-] Instrument, mit einem [chromatischen] Umfang von 
2 3 A Oktaven [c l — a 3 ], bei welchem mit einem Steg federnd verbundene 
gebogene Eisendrahte, vermittelst einer Claviatur und Zwischenhebel in 
eine Oeffnung des Deckels des Instrumentes gehoben und in dieser 
Stellung durch einen [gewohnlichen Violin-] Bogen angestrichen werden." 
(„Zeitschrift fur Instrumentenbau", IX. Band, Seite 143.) Der Ton des 
Instruments ist ziemlich kraftig und hat flotenahnlichen Charakter. 
Breite 46 cm, groBte Tiefe 35 cm, Hohe 8V2 cm. 



-•CXttjJO-- 



Erbauer von Friktionsinstrum.: Baudet — Buschmann 



Verzeichnis der Instrumentenbauer 

und Nachbildungen der Inschriften 

zur Abteilung „FRIKTIONSINSTRUMENTE". 



Baudet, Gustave. („Piano-Quatuor" No. 347 u. 348.) 

Ein geschickter franzosischer Klavierbauer des 19. Jahrhunderts. An der 
Erfindung und Vervollkommnung des „Piano-Quatuor" hat er jahrzehntelang 
gearbeitet und sein ganzes Vermogen zugesetzt, so daB er fast mittellos 
ca. 1885 starb. 1 ) Er trat mit dem Instrument zuerst i. J. 1865 an die Oeffent- 
lichkeit und erhielt hierfiir auf der Pariser Weltausstellung 1867 eine ehrenvolle 
Erwahnung und auf der Wiener Ausstellung 1873 die Verdienstmedaille. 

Vgl. A. J. Hipkins, ,,The Pianoforte" p. 97; ferner O. Paul, „Geschichte 
des Claviers", S. 231 u. ,,Musik. Instrumente" [auf der Wiener Ausstellung 1873], 
Braunschweig 1874, S. 70.'-') 

Ein Piano-Quatuor befindet sich aueh in der Sammlung Steinert-New Haven 
(No. 47); es war auf der Wiener Ausstellung v. J. 1892 ausgestellt. 

Beddies, Karl. („Streichharmonium" No. 350.) 

Karl Beddies wurde am 20. September 1844 zu Immendorf in Braun- 
schweig geboren. Im Jahre 1866 wurde er Lehrer und Organist in Bruch- 
machtersen und liefi sich von dort 1873 nach dem benachbarten Lebenstedt 
versetzen. Nach vierundzwanzigjahriger Dienstzeit als Kantor und Organist 
wurde er pensioniert; er siedelte nach Wernigerode, spater (1906) nach 
Darlingerode iiber und hat seinen Wohnsitz jetzt in Gotha. — Ueber sein 
„Streichharmonium" vgl. Seite 386 des Katalogs. 

Buschmann, Joh. David. („Terpodion" No. 358 u. No. 359.) 

Johann David Buschmann wurde i. J. 1773 zu Friedrichroda bei Gotha 
geboren. Er hatte dort ein Posamentiergeschaft inne, befaBte sich aber neben- 
bei auch mit der Reparatur von Klavierinstrumenten. Durch Chladnis 
akustische Versuche angeregt, beschaftigte er sich spater mit der Konstruktion 
von Friktionsinstrumenten und erfand 1810 das ,,Uranion", bei dem Holz- 
stabe, die durch einen mit Tuch tiberzogenen Zylinder angestrichen wurden, 
die Tonerreger bildeten. (Vgl. No. 30 des 12. Jahrgangs der „Allg. musik. 
Ztg".) Das 1817 fertiggestellte „Terpodion" war ein etwas vervollkomm- 

neteres Instrument, das auf demselben Prinzip beruhte. Vgl. hieriiber S. 401/03 

') Nach frdl Mitteilung des Herrn Paul de Wit in Leipzig. 

2 ) Auf derselben Ausstellung hatte Baruth in Lyon ein ,,Pianoquatuor mit 
Geigenclavierconstruction" ausgestellt, wofiir ihm ein Anerkennungsdiplom zuerkannt 
wurde. (Vgl. Paul, a. a. O., S. 71.) 



Erbauer von Friktionsinstrum.: Buschmann — Concone 5^531} 413 

des Katalogs. Auf einer seiner Kunstreisen lernte er i. J. 1812 zu Konigs- 

hofen im Grabfelde den Rentamtmann Bernhard Eschenbach und dessen 
neu erfundene „Aeoline", das erste harmoniumartige Tasteninstrument, 
kennen (vgl. Seite 337). Von dieser Zeit an widmete sich B. neben der 
Herstellung von Terpodions auch dem Bau von Aeolinen, und es gelang 
ihm hierbei mannigfache Verbesserungen in der Geblaseanlage zur Ein- 
fuhrung zu bringen. Imjahrel821 machte er sich mit seinen beiden (bereits 
Seite 402 erwahnten) Sohnen Eduard und Friedrich in Berlin ansassig; 
namentlich der letztere (geb. 1805) hat sich groBe Verdienste um die Weiter- 
entwicklung der Zungenstimmen-Instrumente erworben und verdient be- 
sonders als eigentlicher Erfinder der „Mund"- und „Zieh-Harmonika" 
(„Mund"- und „Hand-Aeoline", 1821 u. 1822) und vor allem des „Saugluft- 
Systems" Erwahnung. (Vgl. Seite 353 und 339.) — Friedrich B. siedelte mit 
dem Vater i. J. 1832 nach Hamburg iiber und begriindete dort eine Klavier- 
und Physharmonika-Bauanstalt, die sich eines guten Rufes erfreute und noch 
heute besteht. Johann David B. starb hochbetagt 1853 zu Hamburg. — Nach 
dem am 1. Oktober 1864 erfolgten Tode Friedrich B.'s ubernahm dessen 
altester Sohn Gustav Adolph B. die Fabrik und widmete sich vor allem 
dem Harmoniumbau. Die Fabrik befindet sich heute in Barmbeck bei Ham- 
burg, Hamburger Str. 173. — Die Klavierbauanstalt, die von dessen jungeren 
Briidern unter der Firma „C. & F. L. Buschmann" weitergefiihrt wurde, ist 
inzwischen seit Jahren erloschen. 

Vgl. ,,Allg. musik. Zeitung", Jahrg. 18—34 (siehe Seite 402 des Katalogs); 
Mendel-Reissmanns Lexicon (2. Band, S. 245) und ,,Zeitschrift fiir Instrumenten- 

bau", 30. Jahrg. (1910) No. 27 („Notizen aus dem Buschmann-Archiv in 

Hamburg"). 

Terpodions befinden sich im Kopenhagener Museum (No. 19) und in der Samm- 
lung der „Gesellschaft der Musikfreunde" zu Wien. (Ausgestellt auf der Wiener 
Ausstellung 1892; s. ,,Fachkatalog" S. 474 No. 236.) — Ein Terpodion von Daniel 
Loeschman u. James Allwrigth (London 1821) besitzt die Briisseler Samm- 
lung (No. 412); anseheinend hatte diese englische Firma das Patent B.'s fiir England 
erworben. 

Colson, . . . (Vielle No. 346.) 

Ein franzosischer Guitarren- und Leiernmacher aus der ersten Halfte 
des 19. Jahrhunderts; nach Liitgendorff („Die Geigen- und Lautenmacher", 
Frankfurt a. M. 1904; Seite 111) „ohne besonderes Verdienst", doch bieten 
seine Vielles gute Kopien der Originate aus dem 18. Jahrhundert. Er war in 
Mirecourt, dem „franz6sischen Markneukirchen", ansassig. Die Arbeiten 
seines Sohnes, der ebenfalls Guitarren verfertigte, haben wesentlich hoheren Wert. 

Eine „Vielle en guitare" besitzt das New Yorker Museum (No. 2148), eine „Vielle 
en luth" die Berliner Kgl. Sammlung (Collection Snoeck No. 601). 

Concone, Louis. („Clavicylindre" No. 356.) 

Ein geschickter Instrumentenbauer zu Turin aus dem Anfang des 19. 

Jahrhunderts, der sich besonders als Verfertiger von Harfen auszeichnete. 

(Vgl. die Bemerkung zu No. 356; Seite 398 des Katalogs.) Er ist anseheinend 

der Vater des Gesangspadagogen und Organisten Giuseppe C. (geb. 1810 

und gest. im Juni 1861 zu Turin), dessen Vokalisen noch heute als Material 

fiir den Gesangsunterricht sehr geschatzt sind. 

Einen Clavicylinder von Concone a. d. J. 1811 besitzt auch die Berliner Kgl. 

Sammlung (No. 1212). 



414 ^^^^^^ Erbauer von Friktionsinstrum.: Dietz— Feury 

Dietz, Johann Christian. („Melodion" No. 357.) 

Johann Christian Dietz, ein vielseitiger Instrumentenbauer und erfolg- 
reicher Erfinder auch auf anderen Gebieten mechanischer Kiinste, wurde am 
25. Oktober 1769 in dem Dorfe Schwanheim bei Zwingenberg in Hessen 
geboren. Im Vaterhause erlernte er das Schreinerhandwerk, verliefi aber bald 
die Heimat und arbeitete selbstandig in Emmerich a. Rhein und in Nimwegen 
(Holland). Das i. J. 1805 konstruierte „Melodion" gehort zu seinen ersten 
bemerkenswerten Erfindungen auf dem Gebiete des Instrumentenbaues; vgl. 
hieriiber Seite 401 des Katalogs. Ein ahnliches Prinzip lag dem i. J. 1812 
fertiggestellten „Trochleon" zugrunde; es war dies ein Tasteninstrument, in 
dem Metallstabchen dnrch einen mit Filz bezogenen rotierenden Bogen an- 
gestrichen wurden. Aus dem „Trochleon" ging dann ein neues Instrument, 
ein Streichklavier, hervor, das mit einem Darmsaitenbezug versehen war und 
mittels eines mit Pferdehaar bezogenen Bogens, der die Saiten anstrich, den 
Klang der Streichinstrumente nachahmte. Spater konstruierte er ein mit Me- 
tallsaiten und einem Rupfmechanismus versehenes Tasteninstrument zur Nach- 
ahmung des Guitarrentones, das er „Clavi-Lyra" nannte. Die vielseitigen 
Erfindungen, die Dietz auch auf maschinenbautechnischem Gebiete machte, 
lenkten die Aufmerksamkeit Napoleons I. auf den genialen Mann, und er lieB 
inn zu Anfang des Jahres 1813 durch den Minister de Montolivet nach 
Paris berufen, wo er sich um die Pariser Kanalisation und die Trockenlegung 
der Champs Elysees grobe Verdienste erwarb. Im Jahre 1814 konnte er zum 
ersten Male seine wertvollste musikalische Erfindung, die „Claviharpe" 
(„Klavierharfe") vorfiihren, fiir die er ein Patent erhielt und reichen Beifall 
erntete. (Vgl. Seite 205, 206 und 223 des Katalogs.) - Nach dem Sturze 
des Kaisertums siedelte D. nach Brussel iiber, wo er eine Fabrik von hydrau- 
lischen Maschinen und Pferdebahnwagen errichtete; mit der Erfindung und 
Herstellung von Musikinstrumenten scheint er sich spater nicht mehr beschaftigt 
zu haben. Um das Jahr 1845 beschlob er sein vielbewegtes Leben. 

Vgl. „Zeitschrift fiir Instrumentenbau", XVII. Band (1896-97), S. 137 f. 
Ein „Melodion" besitzt auch die Berliner Kgl. Sammlung (Collection Snoeck 
No. 118). In der Briisseler Sammlung befindet sich von D. eine Aeolsharfe (No. 1512) 
und im Pariser Conservatoire eine „kleine Orgel" (?) (No. 1417). Im 2. Supplement 
des Pariser Katalogs (1899; p. 27) wird er auch als Erfinder des „Polyplectron" und 
des „Aerophone" (einer Art Aeolsharfe?) bezeichnet und als seine Wohnung in Paris 
„rue Neuve-des-Capucines" No. 13 genannt. Ueber seinen Sohn und Enkel 

vgl. Seite 223 des vorliegenden Katalogs. 

Feury, Francois. (Vielle No. 338.) 

Frangois Feury (oder Ferry) ist ein tiichtiger Streichinstrumentenmacher, 
der im 18. Jahrhundert in Paris lebte. In den Jahren 1752 und 1757 war er 
geschworener Meister der dortigen Lautenmacherzunft; nach Instrumentenzetteln 
wohnte er in den vierziger Jahren „Rue des Fossez St. Germain de Lauxerrois" 
und spater ganz in der Nahe „Rue de l'Arbre-Sec". AuBer Violinen baute er 
auch Vielles, Guitarren, Mandolinen und Basse. Liitgendorff (a. a. O., 
S. 176) bezeichnet ihn als Schwiegersohn von Leclerc 1 ) und gibt als nachweis- 
bare aufierste Daten die Jahre 1715 und 1762 an. 

') Vgl. iiber J.N. [Jean Nicolas] Leclerc, der anscheinend hauptsachlicli 
Handler und Reparateur war, Seite 369 bei Liitgendorff; dort wird auch ein 
Blasinstrumentenmacher Gilles Lot als Schwiegersohn und Geschaftsnachfolger 
erwahnt. Ob Leclerc mit dem gleichnamigen Erfinder des ,,Melophone" (vgl. Seite 353 
des Katalogs) verwandt ist, ist nicht nachweisbar. 



415 




Inschrift zum „Terpodion" No. 359 (Seite 402). 




Inschrift zur Vielle No. 346 
(Seite 381). 



F FEURY 
A PARIS 



Inschrift zur Vielle No. 338 
(Seite 379). 




Inschrift zum Xlavicylinder" No. 356 (Seite 398). 



416 



,U^4 



JljyiraLLu 

1753> * £*^> 



Inschrift zur Vielle No. 339 (Seite 379). 




Inschrift zur Vielle No. 337 (Seite 376). 




Inschrift zur „ Vielle organisee" No. 344 (Seite 380). 




Inschrift zum Spinett No. 33 (Seite 59) [Nachtrag]. 



Erbauer von Friktionsinstrum.: Feury— Kaufmann 5iS}^S5 417 

Vgl. ferner C. Pierre, „Les facteurs d'instruments de musique", Paris 1893, 
p. 29, 33, 87. 

Eine,,Vielle enluth" a. d. J. 1746 besitzt das Baseler Historische Museum (No. 191), 
eine „Vielle en guitare" die Berliner Kgl. Sammlung (Collection Snoeck No. 600). 

Kaufmann, Friedrich. („Harmonichord" No. 360.) 

Die sachsische Familie Kaufmann hat vier Generationen von aus- 
gezeichneten Akustikern und Instrumentenbauern aufzuweisen. Ihr Stammvater 
war Johann Gottfried K., der am 12. April 1752 zu Siegmar bei Chemnitz 
von armen Eltern geboren wurde. Er kam in jungen Jahren nach Dresden 
und trat bei einem Mechaniker Loffler in die llehre, der sich hauptsachlich 
mit dem Reparieren von Uhren beschaftigte. Nach dem Tode seines Lehr- 
meisters iibernahm K. das Geschaft selbstandig und verheiratete sich 1779 mit 
Lofflers jungster Tochter Johanna Sophia.') Mit gutem Erfolge nahm 
er die Verfertigung von Spieluhren und mechanischen Musikwerken auf, 
und es gliickte ihm, im Jahre 1787 eine „F16ten-Harfenuhr" zu verfertigen, 
die vom Kurfiirsten von Sachsen Friedrich August III. angekauft wurde. 
Dem Beispiel des kunstliebenden Kurfiirsten folgten bald andere Fiirstenhofe, 
so daB sich noch heute in manchen deutschen und osterreichischen Schlossern 
Werke Kaufmanns vorfinden. Sogar Napoleon I. bestellte durch den eigens 
von ihm nach Dresden gesandten Herzog de Vice nee ein Spiel werk bei K. 
Im Jahre 1810 begab sich K. mit seinen neu erfundenen Instrumenten auf 
groBere Kunstreisen, die ihn 1816 in Begleilung seines begabten Sohnes 
Friedrich auch nach dem Auslande fuhrten; bei einem Aufenthalt in Frank- 
furt a. M. ereilte ihn am 10. April 1818 der Tod. 

Der seinem Vater durchaus ebenbiirtige Sohn Friedrich K. setzte nun 
die Erfindungen und Kunstreisen allein weiter fort. Er war am 5. Februar 
1785 zu Dresden geboren und hatte von seinem Vater eine grtindliche Aus- 
bildung in der Musik, Akustik und Uhrmacherkunst erfahren. Das erste mit 
dem Vater gemeinsam gebaute Instrument war das „Bellonion" (1805), ein 
„Maschinenwerk von Trompeten und Pauken", dem spater (1809) das „Har- 
monichord" (siehe Seite 403), das „Chordaulodion", ein „mechanisches 
Klavier mit Floten- und Pfeifenwerk" und ahnliche folgten. Besonderes 
Aufsehen erregte der i. J. 1808 konstruierte „Trompeter-Automat", dem auch 
C. M. v. Weber einen riihmenden Bericht widmete.') - - Auf den bereits 
Seite 404 erwahnten weiteren Konzertreisen wurde Friedrich K. von seinem 
Sohne Friedrich Theodor (geb. 9. April 1823) begleitet, der das Lebens- 
werk seines Vaters und GroBvaters spater erfolgreich weiterfuhrte. Im Jahre 
1846 schritt der jiingere K. zur Ausfiihrung eines Lieblingsgedankens, ein 
groBes mechanisches Musikwerk zu konstruieren, das ein vollstandiges Orchester 
in sich vereine. Dieses von ihm „Orchestrion" genannte umfangreiche In- 
strument, als dessen Vorlaufer das von seinem Vater verfertigte ,,Salpingion" 
und „Symphonion" (1839) anzusehen sind, war nach fiinfjahriger muhevoller 
Arbeit am 23. April 1851 vollendet und erregte nicht nur in Deutschland 
sondern auch auf der Londoner Ausstellung 1852 das groBte Aufsehen. Im 
Jahre 1855 wurde zuerst am Postplatz, dann in der Ostra-Allee 19 zu Dresden 
ein „akustisches Kabinet" eroffnet, das alle von der Familie K. erfundenen 

J ) Die Namen des Schwiegervaters und der Gattin sind in dem im Besitz des 
Antiquariats von Leo Liepmannssohn zu Berlin befindlichen Stammbuch Friedrich 
K.'s Ubermittelt, das auch die hitbsch ausgefuhrten Portrait-Silhouetten des Ehepaars 
enthalt. 

2 J Vgl. ,,Samtliche Schriflen von C. M. v. Weber", herausgegeben von Georg 
Kaiser (Berlin 1908, S. 351-354). 



27 



418 21S)B^ Erbauer von Friktionsinstrum.: Kaufmann — Louvet 

Instrumente enthielt und europaischen Ruf genoB. — Friedrich K. starb am 
1. Dezember 1866; sein Sohn iiberlebte ihn nur wenige Jahre und folgte 
ihm bereits am 5. Februar 1872 nach. Die Leitung des Hauses, dem unter- 
dessen auch eine Harmoniumfabrik angegliedert war, iibernahmen spater 
die beiden Sonne Friedrich (geb. 1861) und Friedrich Theodor (geb. 
22. Marz 1867), die sich jedoch ihrer Aufgabe nicht gewachsen zeigten, so 
daB das Geschaft und das beriihmte „akustische Kabinet" in den neunziger 
Jahren aufgelost werden muBten. 

Vgl. die Lexika von Mendel-Reissmann und Riemann sowie ,,Zeitschrift 
fur Instrumentenbau", VII. Band (1886-87) No. 10 und 11. 

Im Saal No. 23 des „Deutschen Museums" zu Miinchen ist das „Bellonion" 
a. d. J. 1805, ein 1810 gebauter Trompeterautomat und das groBe , , Orchestrion" 
a. d. J. 1851 aufgestellt. (Vgl. „Fuhrer", Seite 82.) 

Levalois, (Vielle No. 339.) 

Ein Pariser Instrumentenmacher um die Milte des 18. Jahrhunderts; 
nachweisbar sind die Jahre 1753 — 1769. In dem „Essai sur l'almanach general 
d'indications, d'adresses personelles" etc. (Paris 1769) ist er unter den 39 Mit- 
gliedern der Lautenmacherzunft angeftihrt („instruments de toutes especes"); 
als Wohnung ist Rue de la Calandre angegeben. 
Cf. C. Pierre, a. a. O., p. 115. 

Louvet, Jean (d. Aeltere). (Vielle No. 337.) 

Ein Pariser Instrumentenbauer, der in der ersten Halfte des 18. Jahr- 
hunderts wirkte; nachweisbar sind die Jahre 1691 — 1750. Er befaBte sich 
hauptsachlich mit der Verfertigung der damals in Mode gekommenen Vielles 
und bildete sich in seinen beiden Sohnen Pierre und Jean (s. u.) zwei 
treffliche Schiiler heran. Nach Instrumentenzetteln wohnte er 1733 Rue Grenier 
St.-Lazare und 1747 — 50 „RueSt. Honore vis-a-vis de la barriere des sergents". 

Cf. C. Pierre, a. a. O. p. 84; doch wird er hier — wie es meist geschieht — 
mit seinem gleichnamigen Sohn verwechselt. — Nach Pierre besitzt das Pariser 
Conservatoire eine Vielle a. d. J. 1733, die jedoch nicht katalogisiert zu sein scheint. 
(No. 1049 ist mit ,,fin du 18e siecle" bezeichnet). Eine ,, Vielle en luth" von ihm 
a. d. Jahre 1750 befindet sich in der Briisseler Sammlung (No. 521). 

Die Sohne iibertrafen den Vater an Bedeutung. Der altere, Pierre, 
wurde bereits 1742 geschworener Zunftmeister; auBer hiibsch ausgestatteten 
Vielles baute er auch Violen, Guitarren und Harfen. Er wohnte zuerst 
Rue Montmartre und fuhrte wie sein Bruderjean das Ladenschild „a la Vielle 
royale". Als spatere Wohnstatten sind Rue Pastourelle (1775) und als letzte 
seit 1776 Rue St.-Denis (Rue St.-Martin?) festgestellt. Er erreichte ein hohes 
Alter und wurde i.J. 1783 Aeltester („Doyen") der Lautenmacherzunft. 

Cf. Fetis, ,,Biographie universelle", Suppl., tome I, p. 128; C. Pierre, a. a. O., 
p. 84 und Lutgendorf f, a. a. O., S. 389 u. 390. 

Drei „Vielles en luth", wovon zwei mit 1747 und 1763 datiert sind, befinden 
sich im Pariser Conservatoire (No. 209, 210 und No. 1484). Ein gleiches Instrument 
a. d. J. 1759 („Rue Montmartre") besaB die Pariser Handlung O. Weishaupt & Co. 
(ca 1890; No. 33); ferner das Museum zu Gothenburg und die Sammlung des Barons 
Nathaniel v. Rothschild zu Wien. (Vgl. „Fachkatalog" der Wiener Ausstellung 1892, 
S. 183 No. 27.) Eine Quitarre a. d. J. 1758 verzeichnet das Bruni'sche Inventaire 
(vgl. Seite 212 des vorliegenden Katalogs) als No. 88. 

Auch Jean L. d. Jung, war ein geschatzter Instrumentenbauer, dessen 
Vielles und Harfen groBen Ruf genossen; als Geigenmacher war er dagegen 
nur wenig hervorragend. Er wurde i.J. 1759 geschworener Zunftmeister und 



Erbauer von Friktionsinstrum.: Louvet— Vallansan ^S^S 419 

wohnte stets in der „Rue de la Croix des petits Champs, pres de la porte 
Saint-Honore". In den „Tablettes de la renommee" wird er noch i. J. 1791 
als tuchtiger Meister geriihmt; er wohnte damals in dem Hause No. 42. 

Eine Vielle en luth a. d. J. 1750 von ihm besitzt das Pariser Conservatoire 
(No. 211); ebenso die Berliner Kgl. Sammlung a. d. J. 1766 (No. 1004). Hier ist auch 
eine Bratsche a. d. J. 1755 (Collection Snoeck No. 572) vertreten. Das Bruni'sche 
Inventaire (s. o.) fiihrt drei Harfen (No. 146, 192, 315) und eine Guitarre (No. 305) an. 

In der Briisseler Sammlung befindet sich eine ,, Vielle en luth" von einem 
bisher unbekannten ,,F. Louvet a Paris" (No. 1482); moglichenfalls lautet die Signierung 
aber „P" (Pierre) statt „F". 

Vallansan, .... („Vielle organisee" No. 344.) 

Ein franzosischer Instrumentenbauer aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, 
der in Lyon lebte; die „Vielle organisee" des Museums zeugt von sorgfaltiger 
Arbeit. — Naheres iiber ihn war bisher nicht zu ermitteln; ebensowenig sind 
weitere Instrumente von ihm nachweisbar. 



--cxj$3»-- 



Nachtrage. 

Neue Erwerbungen wahrend des Drucks des Katalogs. 



No. 367. Bundfreies Clavichord 

aus der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das schmucklose Instrument, das ehemals anscheinend auf einem Gestell 
stand, hat ein dunkelbraun gestrichenes Gehause aus Tannenholz. In 
das Schalloch des Resonanzbodens ist eine primitive Rosette eingelassen. 

Die Besaitung ist zweichorig; Umfang der Klaviatur: C— f 3 (vier 
Oktaven und Quarte). Die Untertasten sind mit Buchsbaum, die Ober- 
tasten mit Bein belegt. 

Breite 1,43 m, Tiefe 45 cm, Hohe 137a cm. 

No. 368. Tafelklavier 

aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das schmucklose Instrument ruht auf vier gedrehten Beinen; das Ge- 
hause weist modernen Anstrich in WeiB und Gold auf. 

Es hat zweichorige Besaitung und primitive deutsche („Prell"-) 
Mechanik mit Holzkapseln ohne Auslosung und Fanger. Die Hammer- 
stiele sind aus Draht verfertigt. Kniehebel oder Pedale sind nicht vor- 
handen. Umfang der Klaviatur: Contra F — f ! (fiinf Oktaven). Die 
Untertasten sind mit Ebenholz, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 1,587a m, Tiefe 52 cm, Hohe 77 cm. 

No. 369. Stumme Klaviatur („Levigrave Regulateur"), 

NE ON 

laut Goldinschrift auf der Zierleiste von „AN • MA • [Ancienne Mai- 
son] MAURY & DUMAS A . DUMAS FILS & COLIN" zu Nimes erbaut; 
ca. 1875. Das Gehause der Klaviatur ist aus Palisanderholz. 

Auf den Riickenden der Tastenhebel sind Federn angebracht, die 
durch eine mit einer Leiste in Verbindung stehende Kurbel zur Er- 
moglichung einer schwereren oder leichteren Spielart reguliert werden 
konnen. Eine auf der rechten Klaviaturbacke angebrachte Skala zeigt 
die Starke der Spannung der Feder an. -- Umfang der Klaviatur: zwei 
Oktaven und Terz (a— c). 

Breite 52 Va cm, Tiefe 36 cm, hintere Hohe 20 cm, vordere Hohe 
107a cm. 

Abbildung auf Seite 406. 

Die stumme Klaviatur stammt aus dem Besitz von Liszt 

und wurde von ihm in seinen letzten Lebensjahren benutzt. Im Jahre 1883 



421 




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No. 370. Physharmonika (Aeoline) 
in Verbindung mit Hammerklavier; ca. 1840. 

Text: Seite 423. 



422 




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Zu No. 370. 

Nach einer zeitgenossischen Lithographie von Franz Heinrich in Wien. 



Physharmonika No. 370. Harpsichord No. 371 



schenkte er dieselbe seiner Schiilerin, der jetzigen Hofpianistin LinaSchmal- 

h a us en mit folgenden Zeilen 1 ): 

„Mein stum mes Clavier, aus der vortreff lichen Invention 
der Fabrik Dumas, (Nismes-Paris) mit dem Schliissel, der 
erschwert oder erleichtert die Spielart, verehrt Fraulein 
Lina Schmalhausen ergebenst F< Liszt 

November, 83 — Weimar." 

No. 370. Physharmonika oder Aeoline in Verbindung mit 
Hammerklavier 

aus den dreiBiger Jahren des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. 
Das Gehause des eigenartigen Instruments ist in NuBbaum fourniert und 
schmucklos ausgestattet. Die obere Fiillung ist in gothischem Stile 
dekupiert und mit rotem Stoff hinterspannt. Die Klaviatur wird von 
volutenartigen Stutzen getragen. 

Das Hammerwerk hat eine in gerader Richtung verlaufende 
Besaitung, die bis H zweichorig, im (ibrigen dreichorig ist, und eine 
jener Zeit entsprechende StoBermechanik mit Unterdampfung. — Umfang 
der Klaviatur: Contra F — f 4 (sechs Oktaven). Die Untertasten sind mit 
Bein, die Obertasten mit Ebenholz belegt. — Unterhalb dieser Piano- 
forte- Klaviatur liegt eine ebenso ausgestattete zweite Tastatur fiir die 
Physharmonika; diese Klaviatur muB zum Gebrauch herausgezogen 
werden. Es ist ein Spiel Zungen vorhanden, und zwar liegen die 
Zungenstimmen unter den Tastenenden, die gleichzeitig als Spielventile 
dienen. Fiir die hochsten 1 l U Oktave (von d 3 ab) sind die Zungen be- 
ziiglich ihrer Tonhohe „repetierend" 2 ). - - Zur Windbeschaffung dienen 
zwei Faltenbalge, die im Rasten untergebracht sind und durch die beiden 
auBeren der drei vorhandenen Pedale in Bewegung gesetzt werden; das 
mittlere Pedal dient durch Aufheben der Dampfung als Fortezug fiir das 
Hammerwerk. Die Verbindung zwischen dem Geblase und den 
Zungenstimmen wird durch einen ledernen Schlauch hergestellt, der sich 
beim Herausziehen der Physharmonika-Klaviatur entfaltet. 

Breite 1,157a m, Tiefe 6572 cm, Hone 1,27 m. 

Abbildung auf Seite 421; vgl. auch die Abbildung auf Seite 422. 

Das interessante Instrument wurde in Augsburg erworben. 

No. 371. Harpsichord (englischer Kielfliigel) 

mit folgender Inschrift in eingelegtem Ahornschild auf der Zierleiste: 
JACOBUS K1RKMAN L0ND1NI FECIT 1767." In dem Resonanzboden 
befindet sich eine weitere Signierung in Form einer vergoldeten Metall- 
guB-Rosette, die zwischen den Initialen „I K" den Harfe spielenden 
Konig David darstellt. 3 ) — Das stattliche Instrument, das sich durch 
sorgfaltigste Arbeit und groBe Tonfiille auszeichnet, ruht auf einem 
einfachen vierbeinigen Gestell; das Gehause und der durch schwere 
messingene Scharniere befestigte Deckel sind in Mahagoni fourniert. 
Klaviaturbacken, Dockenleiste und Vorsetzbrett oberhalb der Klaviatur 

') Das Original dieses Dokuments befindet sich in der Autographensammlung 
des Museums. 

2 ) Vgl. FuBnote 1 auf Seite 309. 

3 ) In der Art der Rosette und auch in der Ausstattung der Tasten ist die 
Tradition der Ruckers bewahrt. Kirkmans Lehrherr Tabel war ein personlicher 
Schtiler eines Ruckers in Antwerpen, wahrscheinlich von Andreas Ruckers d. Jiing. 



Harpsichord No. 371 



sind in schon gemasertem NuBbaum fourniert und von eingelegten 
Ahornadern umrahmt; in ahnlicher Weise ist die rechte Seitenwand in 
einige Felder von dunklerem Mahagoni eingeteilt. 

Die Besaitung ist dreichorig; zwei Saitenchdre sind in normaler 
(8'-)Tonhohe und der dritte Chor ist in der hoheren Oktave (im 4'-Ton) 
gestimmt. Durch Registerziige, die sich zu beiden Seiten am AbschluB- 
brett uber der Klaviatur befinden, sind die einzelnen Chore an- und 
abstellbar, und zwar sind zur reehten Seite die Ziige fur die beiden 
8- und zur linken Seite der Zug fur den 4'-Chor angebracht; dieser 
Chor ist auch, um eine Unterbrechung des Spiels durch Register- 
ziehen zu vermeiden, mittels eines am linken Vorderbein des Gestells 
befestigten Pedaltritts abstellbar. Die Saiten werden durch Federkiele 
angerissen; die Docken fur die beiden 8-Chore sind mit Doppel- 
dampfern versehen. — Umfang der (ziemlich tief liegenden) Klaviatur: 
Contra-F— f 3 (funf Oktaven; „a grand ravalement" [vgl. die FuBnote 
auf Seite 99]); die tiefste Obertaste Contra-Fis ist fortgelassen. Die 
Untertasten sind mit Elfenbein belegt, die Obertasten sind aus Ebenholz. 

Lange 2,22 m, Breite 93 cm, Hohe 89 cm. 

Nachbildung der Inschrift und der Rosette enthalt Band II des Katalogs. 

Das schone Instrument wurde in London erworben. 

Jakob Kirchmann (spater anglisiert in „Kirkman") war von Geburt 
ein Deutscher und ist etwa um das Jahr 1725 in London eingewandert. Er 
fand bei einem flamischen Klavierbauer Tab el Beschaftigung, der aus der 
Ruckers-Schule hervorgegangen und etwa 1680 von Antwerpen nach London 
gekommen war. Ein Arbeitsgenosse K.'s bei Tabel war Burkat Shudi, 
der spatere Begriinder der beriihmten Firma Broadwood (vgl. Seite 212 
des Katalogs). Kurz nach dem ca. 1735 erfolgten Tode Tabels heiratete 

K. die Witwe seines friiheren Brotherrn und iibernahm dessen Geschaft, das 
er 1742 nach Great Pulteney Street, in unmittelbare Nachbarschaft seines ehe- 
maligen Genossen Shudi, verlegte. Die Rivalitat, die zwischen ihm und 
Shudi unterdessen entbrannt war, spornte beide zu den hochsten Leistungen 
an, so daB die englischen Harpsichords dieser Zeit der letzten Bliite des 
Spinettbaues beziiglich der Sorgfalt der Arbeit und der Schonheit und 

Fiille des Tons den strengsten Anforderungen standhalten konnten und in 
ganz Europa beriihmt waren. In Forkels „Musikalischem Almanach fur 
Deutschland auf das Jahr 1782" heiBt es (S. 198) iiber Kirchmann: „Seine 
Fliigel sind ungemein gut gearbeitet, und von vorzuglich schonem Ton. Sie 
werden mit 400—600 Rthlr. bezahlt". Jacob K. starb hochbetagt i. J. 1782 

oder kurz darauf; 1 ) der beste Beweis seiner erfolgreichen geschaftlichen 
Tatigkeit war die Hohe seines hinterlassenen Vermogens, das — nach Burney 
nicht weniger als £ 200000 (4 Millionen Mark) betrug. Da seine Ehe 
mit Tabels Witwe kinderlos geblieben war, wurde sein Neffe Abraham K. 
sein Nachfolger, der bereits seit 1773 Teilhaber der Firma gewesen war. 
(Jacob & Abraham K.") 

Um diese Zeit wurde von dem Hause — gleichzeitig mit der Konkurrenz- 
firma Broadwood (vgl. Seite 215) — auch der Pianofortebau aufgenommen, 

') Burneys Annahme, daB er bereits 1778 gestorben sei, wird durch das 
Harpsichord No. 1678 des New Yorker Metropolitan -Museum widerlegt, das die 
Datierung ,,1781" tragt. Ebenso beruht die (vielleicht durch eine Notiz bei Gerber 
veranlaBte) Angabe in Grove's „Dictionary", K. hatte als Organist an der Londoner 
St. Georgskirche verschiedene Kompositionen fiir Orgel und Pianoforte veroffentlicht, 
auf einem Irrtum; es liegt hier anscheinend eine Verwechslung mit einem Namens- 
vetter vor, zumal die betreffenden Werke erst 1783- ca. 1810 erschienen. 



Harpsichord No. 371 ®SS51gtfS§atlitfl§}5^IS} 425 



dem Abrahams Sohn und Nachfolger, Joseph K., besondere Aufmerksamkeit 
widmete. Josephs Nachfolger in der Leitung des Hauses wurden seine beiden 
Sonne Joseph (d. Jung.; geb. 1790, gest. 1877) und Henry John (gest. 
ca. 1873); der letzte Inhaber der renommierten Firma, die im Jahre 1896 
liquidiert wurde, trug wiederum den Namen Joseph. 

Vgl. Grove's ,, Dictionary", vol. II (1906) p. 580 und „Zeitschrift fur In- 
strumentenbau", Bd. III. S. 259/260 (mit Portrat von Jacob K.) und Bd. XVII S. 97. 

Harpsichords von Jacob K. besitzen die Berliner Kgl. Sammlung (No. 1050; 
a. d. J. 1761) und das Hohenzollern- Museum zu Berlin; letzterer Fliigel wurde 
Friedrich dem Grofien nach der Schlacht bei Prag (im Mai 1757) von dem Er- 
bauer als Geschenk verehrt. 

Aufierdem sind noch verschiedene Kirkman'sche zweimanualige Harpsichords 
erhalten: in der Stockholmer Sammlung a. d. J. 1763 (No. 216); in der Steinert-Collection 
zu New Haven eines von Jacob & Abraham K. a. d. J. 1773 und ein ebenso signiertes 
Instrument a. d. J. 1781 im Metropolitan-Museum zu New York (No. 1678). Ein dritter 
derartiger Fliigel a. d. J. 1773 war auf der „Loan Exhibition" zu London 1872 aus- 
gestellt; in derselben Ausstellung befanden sich aufierdem zweimanualige Harpsichords 
von Jacob K. a. d. J. 1772 und von Josephus K. a. d. J. 1798 ') (vgl. den betreffenden 
Katalog von Carl Engel und ^Catalogue of the South Kensington Museum", 
p. 352 f.) 



') Ein derartiges Instrument gehort jetzt der Sammlung Galpin in Hatfield 
(England) an. 



-~ CX£$S1»-- 



426 ^^^ Verschiedenartige Klaviere No. 372—374 



Verschiedenartige Klaviere. 



No. 372. Glocken-Klavier (oder Glockenspiel mit Klaviatur), 

deutsche Arbeit aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des 
Erbauers. Das Gehause ist aus rotbraun gestrichenem Tannenholz. Die 
Innenseite des zweiteiligen Deckels zeigt eine von Rokoko-Ornamenten 
umgebene Malerei, die eine Schaferszene darstellt. 

Das Instrument enthalt 25 chromatisch abgestimmte Metallglocken, 
die ahnlich wie die Schalen der Glasharmonika auf eine Achse auf- 
gereiht sind und durch Metallhammerchen angeschlagen werden. Die 
Hammerchen sind nach Art der deutschen Klaviermechanik angeordnet 
und mit Auslosung und Messingkapseln versehen. Umfang der 

Klaviatur: a— a" (zwei Oktaven). Die Untertasten sind mit dunklem 
Holz, die Obertasten mit Bein belegt. 

Breite 45Vs cm, Tiefe 37 cm, Hohe 187a cm. 

No. 373. Kleines Glocken-Klavier, 

belgische Arbeit aus der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts; ohne Namen 
des Erbauers. Das schmucklos ausgestattete Gehause ist aus NuBbaum- 
holz. Das Instrument enthalt ebenso wie das vorhergehende Glocken- 
Klavier 25 chromatisch abgestimmte Metallglocken; die Hammerchen 
sind nach Art der StoBer- oder englischen Mechanik angeordnet. 
Umfang der Klaviatur: f 1 — f 3 (zwei Oktaven). Die Untertasten sind aus 
Elfenbein, die Obertasten aus Ebenholz; die Stirnkanten der Tasten 
sind abgerundet. 

Breite 39 cm, Tiefe 19 cm, Hohe 67s cm. 

Ein modernes Glockenklavier wurde E. Jantzen zu Berlin i. J. 1886 patentiert 
(D. R. P. 40254). Vgl. „Zeitschrift fur Instrumentenbau", 7. Bd., S. 463. 

No. 374. Stahlklavier 

aus der Mitte des 19. Jahrhunderts; ohne Namen des Erbauers. Das 
schmucklos ausgestattete Instrument ist aus Kirschbaumholz und ruht 
auf vier gedrehten Beinen. Das Innere des Gehauses wird durch einen 
mit griinem Seidenstoff bespannten Rahmen verdeckt. 

An Stelle der Saiten sind abgestimmte Stahlstabe vorhanden, die 
iiber einem in der Mitte des Resonanzbodens angebrachten Spalt be- 
festigt sind und durch Hammerchen angeschlagen werden; die Anord- 
nungder Hammer entspricht der deutschen Klaviermechanik mit Messing- 
kapseln, Auslosung und Einzeldampfern. — Umfang der Klaviatur: F — f 3 
(vier Oktaven). - Die Untertasten sind mit Ebenholz belegt, die Ober- 
tasten sind aus Ebenholz. 

Breite 807a cm, Tiefe 60 cm, Hohe 81 cm. 

Das Klavier, das anscheinend als Ersatz des Glockenspiels (z. B. fur Mozarts 
„Zauberflote") gedacht ist, stammt ebenso wie das Terpodion No. 358 aus dem 
Detmolder SchloB. 



Erganzungen ^^^^^^^^ 427 



Erganzungen. 



Zu Seite 53. 

Dem am SchluB der Seite erwahnten Cembalo von Alessandro 
Trasuntino a. d. J. 1531 gebiihrt erst der dritte Platz; das zweitalteste 
datierte Cembalo ist ein Fliigel a. d. J. 1523 von Joannes Antonius Baffo, 
der sich im Besitz des „Museums fiir Kunst und Industrie" zu Wien befindet. 
(Vgl. S. 211 des vorliegenden Katalogs.) 

Zu No. 33 (Seite 59, FuBnote 2). 

Denselben Umfang von vier Oktaven und Quarte (C — f 3 ) besitzen auch 
die beiden prachtigen Spinette des Mailanders Annibale Rosso (vgl. Seite 56) 
aus den Jahren 1555 und 1577, die sich im South Kensington-Museum zu 
London befinden. (No. 156 und 809; vgl. pag. 272— 275 des Katalogs von 
Carl Engel.) 

Nachbildung der Inschrift zu No. 33 auf Seite 416 (nicht 227). 

Zu No. 66 (Seite 83). 

In der lateinischen Ausgabe von Virdungs „Musica getutscht", der 
von Ottomarus Luscinius [Othmar Nachtgall] 1536 zu StraBburg heraus- 
gegebenen „MVSVRGIA feu praxis MVSICAE", findet sich dasselbe Druck- 
versehen betreffs des Holzschnitts des Clavicytherium (pag. 9) wie bei Virdung; 
auBerdem sind hier die Ueberschriften „Clauicitherium" und „Clauicimbalum" 
mit einander verwechselt. 

Zu No. 75 (Seite 95). 

Vgl. hierzu die Beschreibung, die Praetor i us im XL. Capitel der 
„Organographia" von dem „C lav icymbalum Universale, feu per fee - 
tum" aus dem Besitz des Organisten Carl Luyton zu Prag (geb. zu 
Antwerpen, gest. zu Prag ca. 1620) gibt. In diesem Instrument, das ca. 1590 
zu Wien erbaut worden war, waren samtliche Halbtone „gebrochen", 
,,dass es also in den vier Octave n vom C bis ins ?, in alles yj Clares gehabt hat." 

Zu No. 84 (Seite 100). 

Das Cembalo befindet sich noch vdllig im urspriinglichen Zustand; 
nur die Taste gis ' und zwei Docken sind erneuert. Die Bezifferung auf den 
Tastenhebeln, die iibrigens ebenso wie bei No. 85 aus Eichenholz sind, und 
den Docken zeigt Cristoforis Handschrift. — Beide Cembali (No. 84 und 85) 
haben keine Schallocher im Resonanzboden; an Stelle dessen ist ebenso wie 
bei dem Hammerflugel v. J. 1726 (No. 170 des Katalogs; vgl. Seite 173) das 
unterhalb des Resonanzbodens befindliche VerschluBbrett mit (drei) runden 
Schalloffnungen versehen. 

Zu No. 85 (Seite 103). 

Das Cembalo ist spater vielleicht noch im 18. Jahrhundert — von 
einem geschickten Reparateur einer Aufarbeitung unterzogen worden; bei 
dieser Gelegenheit wurde eine Anzahl Tasten (b, h, c 1 , f 1 , a 1 , e' J , g\ b 2 , h 2 , c") 
erneuert. Alle iibrigen Tasten sind original und tragen auf den Hebeln 
Cristoforis eigenhandige Bezifferung. AuBer den Registerziigen oberhalb 



428 ^^^S^^^S^^^S^^i^^ Erganzungen 



der Klaviatur sind an beiden Sei ten wan den Ziige angebracht, die ebenfalls 
ein An- nnd Abstellen der einzelnen Saitenchore ermoglichen. Die drei 
Saitenchore stehen im 8'-, 4'- und 2'-Ton; d. h. ein Saitenchor ist in normaler 
Tonhohe, ein zweiter in der hoheren und der dritte in der nachsthoheren 
Oktave gestimmt. Fiir die hochsten sieben Tone sind keine 2'-Saiten vor- 
handen; der gesamte Umfang des Instruments betragt demnach C— f 4 (fiinf 
Oktaven und Quarte). Die Dockenfiihrungsleiste fiir den 8'-Chor ist zwischen 
c und cis geteilt, so daB die tiefste Oktave dieses Chors nach Belieben an- 
wendbar ist. Von den Docken fiir den 4'- und 8'-Chor ist etwa die Halfte 
erganzt; die Docken des 2'-Chors sind samtlich erneuert. Betreffs der Schall- 
locher s. ob. (Nachtrag zu No. 84). 

Zu No. 86 (Seite 104, FuBnote 3). 

Ein schones zweimanualiges Clavecin mit Pedalklaviatur von 
Joachim Swanen'), Paris 1786, besitzt das „Conservatoire des Arts et 
Metiers" zu Paris. 

Zu No. 96 (Seite 113/114). 

Eine Bestatigung, daB man bereits im 17. Jahrhundert in der Bauart 
ahnlich vielseitige Kielfliigel wie de Wit-Seyffarth's „Spinettfliigel" kannte, 
bietet der ausfiihrliche Bericht, den der englische Lautenist Thomas Mace 
(geb. 1613, gest. ca. 1709) in seinem 1676 zu London erschienenen Werke 
„Mufick's Monument; or, a Remembrancer of the beft Practical Mufick" von 
dem Pedal-Harpsichord („Pedal") gibt, das John Hay ward zu 
London ca. 1670 erfunden hatte (a. a. O., p. 235). Es war dies ein grofier 
Kielfliigel, auf dem sich mit Hiilfe von vier Pedaltritten eine groBe Anzahl 
„Veranderungen" (Piano- und Forte-Effekte und Verschiedenheit der Klang- 
farben) erzielen lieB; Mace z. B. besaB ein derartiges Instrument, das 24 
„varieties" zulieB und sich besonders durch einen „Theorbenzug" auszeichnete. 

DaB im 17. und 18. Jahrhundert vereinzelt auch vierchorige, dreimanualige 
Fliigel gebaut wurden, beweist auBer einer kurzen Erwahnung von Mersenne 
in der „Harmonie universelle" ") (Paris 1636) die Anzeige des Klavierbauers 
Mat hi as Koch') zu StraBburg im 4. Stuck des III. Bandes der „Historisch- 
Kritischen Beytrage" von Fr. W. Marpurg (Berlin, 1757, S. 367): „. . . Ich 
nehme mir die Freyheit, . . . zweyerley neue Erfindungen von mir bekannt 
zu machen. 

Die erste besteht in einem Fliigel mit drey Clavieren, worunter das 
unterste zum Praludiren und Accompagniren, das mittelste aber zu 
Concerten, Solos etc. gebraucht werden kann. Das oberste enthalt 
ein Echo. Es besteht aus drey Unisonis und einer Octave, welche 
alle besonders konnen gespielet werden. Hiezu kommt ein doppelter 



') C. Pierre verzeichnet in seinem Buche „Les facteurs d'instruments de 
musique" (Paris 1893; p. 135) folgende Adressen Swanens: 1783 Rue du Four-St.-Germain; 
1786 Rue des Fosses-M r -le Prince; 1816 Rue Dauphine. 

2 ) Cf. „Livre 3e des Instruments" Proposition XXI (page 160): „ . . . de 
Clauecins, .... comme nous en auons maintenant, qui ont quatre ieux, 

& quatre rangs de chordes, & que Ton nomine Eudisharmoste soit 

qu'ils n'ayent qu'vn clavier, ou qu'ils en ayent doux ou trois " 

3 ) Koch lieferte i. J. 1757 fiir den kurfurstlichen Hof nach Miinchen ein 
„Instrument" (Spinett) zum Preise von 350 Fl. Vgl. K. A. Bierdimpfl, Katalog der 
Musikinstrumente des baierischen Nationalmuseums, Seite 56. 



Erganzungen ^^^^^S^^^a^g^®^ 429 



und einfacher Lautenzug, der auf eine niemahls fehlende, und noch 

nie gesehene Art ausgearbeitet ist. Vermittelst der drey Unisonorum, 

der Octave und der Lautenztige, konnen funfzehn gute Veranderungen 

gemachet werden." 

Die zweite Erfindung bestand in einem zweimanualigen Kielfliigel, der 

ebenfalls mit vierchorigem Bezug und doppeltem Lautenzug, auBerdem aber 

mit einer Transponiervorrichtung versehen war. Marpurg begleitet die 

Anzeige mit folgender Empfehlung (a. a. O., Seite 368): „Da der geschickte 

und fleissige Herr Koch, sich schon lange durch seine vortrefflichen Fliigel, 

nach der gewohnlichen Art, von sehr vielen andern Mechanicis mit Ruhm 

unterschieden hat, und seine Arbeit uberall in Frankreich, besonders in 

Paris, wiirdigen Beyfall erhalt: so darf man um desto weniger an den Vor- 

zugen seiner neuen Erfindung zweifeln, und es kann seinem unvergleichlichen 

Talent nicht an Aufmunterung und Belohnung fehlen." 

Vgl. hierzu auch Seite 266 des vorliegenden Katalogs, wo ein drei- 
manualiges Cembalo von Vincenzo Sodi (Florenz 1779) erwahnt wird. 

Zu No. 122 (Seite 137). 

Ein gleiches Instrument (Hammerklavier mit Dirigentenpult) befindet 
sich in der Sammlung Steinert - New Haven (No. 29). 

Zu No. 123 (Seite 137). 

Das Klavier wurde in Cothen erworben; es soil nach Aussage des 
damaligen Besitzers, eines neunzigjahrigen Greises — ehemals dem bekannten 
Komponisten und Theoretiker Abt Vogler gehdrt haben. 

Zu No. 165 (Seite 167). 

Als ein weiterer fruher Versuch einer „chromatischen Klaviatur" ist das 
System von Roualle de Boisgelou („Conseiller au Grand-Conseil"; geb. 
1697, gest. 1764) zu erwahnen, das J. J. Rousseau in seinem „Dictionnaire 
de musique" (Paris 1768; p. 475 f.) ausfuhrlich beschreibt und erlautert. 

Zu No. 238—240 (Seite 210). 

Ein Vorlaufer der Jankd-Klaviatur ist in der interessanten Neu-Klaviatur 
zu erblicken, die der Mathematiker Joh. Friedr. Christ. Werneburg zu 
Weimar (geb. ca. 1775 zu Eisenach, gest. 1851 zu Jena) erfand und im An- 
hange seiner „Allgemeinen neuen viel einfacheren Musikschule . . ." (Gotha 
und Stendal 1812) beschreibt. 

Vgl. Otto Quantz, „Zur Geschichte der neuen chromat. Klaviatur" (Berlin 1877, 
Seite 4): „Sie besteht aus 4 stufenformig aufsteigenden Reihen von schmalen kurzen 
Tastenkopfen. Die erste und dritte Reihe ist auf derselben Tastenstange befestigt, 
ebenso die zweite und vierte Reihe. Jeder Kopf ist 9 Pariser Linien breit und 4'/i 
tief, also sind die 4 Reihen so tief, als 2 Tasten breit sind. Hinter dieser Klaviatur 
befindet sich eine Reihe von Stabchen, welche verschiebbar sind, die alte Farbung der 
Klaviatur besitzen und zum 12fachen Transponieren dienen. Die 3. und 4. Tasten- 
reihe soil nur zur Aushilfe, zur Erleichterung des Unter- und Ueberschlagens dienen; 

das Spiel bewegt sich vorzugsweise auf den vordern zwei Reihen Von grotiem 

Interesse ist, was Werneburg tiber die Spielbarkeit dieser Klaviatur erzahlt, da . . . 
Goethe .... in Weimar, sich sehr fur diese Idee erwarmte. Seite 96 heiBt es: 
„Von Herrn Geh. Rath v. Goethe Exc. wurde ich im Okt. 1808 veranlaBt, eine junge 
fertige Klavierspielerin von damals 12 Jahren, Demois. Franziska Ambrosius (die jiingste 
Tochter des Herzogl. Weimarischen Kammermusikus Ambrosius) alle Tage eine Stunde 
auf dieser neuen Tastatur zu iiben, und nach vierzehntagiger Uebung war sie schon 
im Stande, fiinf kleine Tonstiicke aus alien zwolf Grundtonen und die Ouverture 



Erganzungen u. Berichtigungen 



aus der Entfuhrung aus dem Serail vor der Durchlauchtigsten Herzogin und Prinzessin 
und andern Damen im Hause des Herrn Geh. Rath von Goethe mit vieler Fertigkeit 
und Genauigkeit zu spielen. Sie .... setzte ihre Uebungen auf dieser Tastatur fort 
und gab am 14. Febr. 1809 im groBen Stadt-Haus-Saale ein groBes Konzert " 

Zu Seite 224. (Dominicus Pisaurensis.) 

Ein Gegenstiick zu dem mit Vierteltonen ausgestatteten Cembalo von 
Domenico da Pesaro bildet ein Clavichord, das der Breslauer Organist 
Georg Gebel (geb. zu Breslau 1685) verfertigte. Er berichtet hieriiber sowie 
iiber ein von ihm erbautes Pedal-Clavichord und Pedal-Clavicymbel in seiner 
fur Matthesons „Ehrenpforte" (Hamburg 1740)geschriebenen Selbstbiographie 
(„Zugabe", Seite 409) '): „Ein Clavichordium habe erfunden, mit Vierteltonen; 
noch eines, da Manual und Pedal nur ein Corpus ausmachen ; auch ein grofies 
Clavicimbel, Manual und Pedal, in 6. vollkommenen Octaven, vom zweimahl- 
untergestrichenen C, biB ins viermahl- iibergestrichene c, in ein Corpus 
gebracht " 



Berichtigungen. 



Zu Seite 110. 

In der Einleitung zu „Cembalo-Rekonstruktionen" ist der Name „Hirtl" 
in „Hirl" abzuandern. 

Zu Seite 116. 

Die Angaben iiber die Lebenszeit Christian Ernst Friedericis sind 
in ,,1709—1780" abzuandern. (Vgl. Seite 229.) 

Zu No. 165 (Seite 164). 

Das erste Wort im dritten Absatz „Unterhalb" ist in „Oberhalb" 
abzuandern. 

Zu No. 183 (Seite 183). 

Abbildung auf Seite 176 (nicht 180). 

Zu Seite 254 (Ruckers, Hans d. Aeli). 

In der dritten Zeile des zweiten Abschnitts ist statt „Amsterdam" 
„An twerp en" zu lesen. 

Zu No. 262 (Seite 319). 

Die geschnitzten Initialen des Notenpults „S J" sind vermutlich als 
„Sancto Joanni" zu deuten. 



') Nach dem Neudruck von Max Schneider, Berlin 1910. 



Anhang. 



Verzeichnis der Kataloge 



von 



Sammlungen alter Musikinstrumente. 



Kataloge offentlicher Sammlungen. 

Antwerpen. 

Genard, P. Catalogue du Musee d'antiquites d'Anvers. 4 e edition 
An vers 1894. 

Serie P (p. 187 a 189): » Instruments de musique" (Nos. 1 a 46). 



Basel. 

Nef, Karl. Historisches Museum Basel. Katalog No. IV. 
instrumente. [Mit 12 Tafeln in Autotypie. Basel] 1906. 



Musik- 



Berlin. 

Fleischer, Oskar. Fiihrer durch die Sammlung alter Musik-Instrumente 
(Konigliche Hochschule fiir Musik zu Berlin.) Berlin 1892. 

Im Jahre 1902 wurde die Sammlung durch Ankauf der Hauptkollektion 
von C. C. Snoeck in Gent erweitert, iiber die 1894 folgender Katalog er- 
schienen war: 

Snoeck, C. C. Catalogue de la collection d'instruments de musique 
anciens ou curieux formee par C. C. Snoeck. [Mit 1 1 photograph. Tafeln.] 
Gand 1894. 

Bologna. 

Raccolta di antichi strumenti armonici conservata nel Liceo Musicale 
del Comune di Bologna. [Mit Illustrationen.] Bologna 1880. 

Brussel. 

Mahillon, Victor-Charles. Catalogue descriptif et analytique du Musee 
instrumental du Conservatoire royal de musique de Bruxelles. [\ r . vol.:] 
Nos. 1 a 576. 21 edition. Gand 1893. — 2£ vol. Nos. 577 a 1321. 
2! edition. Gand 1909. - 3£ vol. Nos. 1322 a 2055. Gand 1900. 
Der vierte Band befindet sich z. Zt. (1910) im Druck. 

Snoeck, C. C. Catalogue de la collection d'instruments de musique 
flamands et neerlandais formee par C. C. Snoeck. Gand 1903. 

Die Sammlung wurde i. J. 1909 vom belgischen Staat erworben und dem 
Museum des Bnisseler Conservatoire angegliedert. 



Christiania. 

Fett, Harry. 



Norsk Folkemuseums Saerudstilline Nr. 2. Musik- 



Instrumenter. Katalog. [Mit Abbildungen.] Kristiania 1904. 

Edinburgh. 

Catalogue of the National Museum of Antiquities of Scotland. New . . . 
edition. Edinburgh 1892. 

Auf Seite 152, 311, 314 und 317 Beschreibungen alter Musikinstrumente. 
(Tierhorner, irische und schottische Harfen etc.) 



28 



434 ^^^^ Kataloge offentlicher Sammlungen 

Frankfurt a. M. 

Quilling, F. Die Sammlungen des stadtischen historischen Museums 
zu Frankfurt a. M. Die Musik-Instrumente. [Sep.-Abdr., Frankfurt a. M. 
ca. 1901] 

VerfaBt riach Angaben von Frank L. Limbert. 

Kopenhagen. 

Hammerich, Angul. Musikhistorisk Museum. Beskrivende illustreret 
Katalog. Kobenhavn 1909. 

Linz. 

Fiihrer durch das Museum Francisco-Carolinum in Linz. Herausgegeben 
von der Museums-Verwaltung. III. Auflage. Linz 1910. 
Seite 41-43 (Saal IV): „Musikinstrumente". 

London. 

Engel, Carl. A descriptive catalogue of the musical instruments in 
the South Kensington Museum. London: 1870. 

A descriptive Catalogue of the Musical Instruments in the South 

Kensington Museum. Preceded by an Essay on the History of Musical 
Instruments. 24 edition. [Mit 6 photograph. Tafeln und 143 Abbil- 
dungen im Text.] London: 1874. 

Mailand. 

Guarinoni, Eugenio de'. Gli strumenti musicali nel Museo del Con- 
servatorio di Milano. Cenni illustrativi e descrittivi . . . Con 32 ta- 
vole. Milano [1908]. 

Markneukirchen. 

Katalog des Gewerbemuseums zu Markneukirchen. Markneukirchen 1908. 

Modena. 

Valdrighi, Luigi-Francesco. Nomocheliurgografia antica e moderna . . . 
Modena 1884. 

Darin (pag. 293 — 94) eine knrze Beschreibung der Instnimentensammhing 
des Museo civico zu Modena, deren Grundstock laut einem Inventar aus 
dem Jahre 1625 zweihundert Instrumente umfaBte. Diese Zahl war aber i. J. 
1884 bis auf neunundsechzig zusammengeschmolzen. - Vgl. auch Seite 229 — 232 
im ,,Fach-Katalog der Abtheilung des Konigreiches Italien" der Wiener Aus- 
stellung v.J. 1892. 

Miinchen. 

Bierdimpfl, K. A. Die Sammlung der Musikinstrumente des baierischen 
Nationalmuseums. Miinchen 1883. 

Deutsches Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und 
Technik. Miinchen, MaximilianstraBe 26. [Illustriert] Fiihrer durch die 
Sammlungen. Leipzig [1907]. 

Seite 78-82: Saal Nr. 23, Technische Akustik. Referent: Oskar Fleischer- 
Berlin. 

New Haven, Conn. (U. S. A.) 

Steinert, Morris. The M. Steinert Collection of keyed and stringed 
Instruments with various treatises on the history of these instruments. . . . 
[Mit Illustrationen.] New York [1893]. 

Die Sammlung wurde i. J. 1900 der Yale University in New Haven vom 
Besitzer als Geschenk iiberwiesen. — Vgl. auch : „Catalogue of the M. Steinert 
collection of keyed and stringed instruments at the World's Columbian Exposi- 
tion." Chicago 1893. 



Kataloge offentlicher Sammlungen £§a^^^& 435 

New York. 

The Metropolitan Museum of Art. Handbook No. 13. Catalogue of 
the Crosby Brown Collection of musical Instruments of all Nations. 
I. Europe. [Mit 61 Tafeln in Autotypie.] New York 1904. 

Paris. 

Chouquet, Gustave. Le Musee du Conservatoire national de Musique. 
Catalogue descriptif et raisonne . . . Nouvelle edition, ornee de figures. 
[No. 1 a 1006.] Paris 1884. — Pillaut, Leon. IfL supplement au 
catalogue de 1884. [No. 1007 a 1362.] Paris 1894. -- 2£ supplement... 
[No. 1363 a 1463.] Paris 1899. -- 3? supplement... [No. 1464 a 1568.] 
Paris 1903. 

Salzburg. 

Jahresbericht des . . Museums Carolino-Augusteum der Landeshauptstadt 
Salzburg fur das Jahr 1865. Salzburg 1866. 

Darin S. 57—64: Si'iss, Die Instrumentenstube im Museum Carolino- 
Augusteum. 

Verzeichnis uber die seit dem Jahre 1865 neuerworbenen Musikinstru- 
mente zwecks Vermehrung der Instrumenten-Sammlung des Museums 
Carolino-Augusteum in Salzburg, als Nachtrag des Siiss'schen Aufsatzes 
im Kataloge von 1865. 

Manuskript. Eine Abschrift wurde von der Verwaltung des Museums 
Carolino-Augusteum frdl. zur Verfugung gestellt. 

Stockholm. 

Svanberg, Johannes. Musikhistoriska Museets i Stockholm Instrument- 
samling. Ar 1902. Stockholm 1902. 

Wien. 

Kunsthistorische Sammlungen des Allerhochsten Kaiserhauses. Fiihrer 
durch die Sammlung der kunstindustriellen Gegenstande. Wien 1891. 

Seite 153—158 (Vitrine V im Saal XXII.): ,,Musikinstrumente". (Bearbeitet 
von Alexander Hajdecky.) Die Instrumente bilden einen Bestandteil der 
beriihmten Ambraser Sammlung; ausfiihrlicher sind sie behandelt in der „Be- 
schreibung der k. k. Ambraser-Sammlung" von Alois Primisser, Wien 1819 
(Seite 216—219). 

Gebaude und Kunstsammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in 
Wien und ihres Conservatoriums. Wien 1872. 

Seite 12—20: „Musikalische Instrumente". (108 Nummern.) 

Zurich. 

Schumacher, Heinrich. Bericht iiber die im schweizerischen Landes- 
museum befindlichen Musik-Instrumente. Luzern 1905. Manuskript. 



436 ^^^ Oeffentliche Instrumenten-S ammlungen 

Von offentlichen Instrumenten-Sammlungen, 
die bisher noch nicht Kataloge herausgaben, seien erwahnt: 

Amsterdam. 

Rijksmuseum. — Die „Instrumentenstube" des Rijksmuseum wurde i. J. 1899 
durch die 130 Nummern umfassende Sammlung von J. C Boers bereichert. 
Vgl. „Zeitschrift der I. M. G.", Jahrg. I, S. 30. 

Ann Arbor (Michigan, U. S. A.) 

Michigan University. — Das Museum der Universitat erhielt i. J. 1898 die 
940 Nummern umfassende Sammlung von Fred. Stearns in Detroit, die be- 
sonders reich an ostasiatischen Instrumenten war, als Geschenk iiberwiesen. 
Vgl. „Zeitschrift der I. M. G." Jahrg. I, S. 30. 

Breslau. 

Schlesisches Museum fiir Kunstgewerbe und Altertiimer. 
Vgl. „Zeitschrift der I. M. G." Jahrg. II, S. 54. 

Eisenach. 

Museum des Bachhauses. Das Museum erfuhr i.J. 1910 durch die stiftungs- 
weise vermachte Instrumenten-Sammlung von f Alois Obrist eine wichtige 
Bereicherung. 

Florenz. 

Museo degli Strumenti del R. Istituto musicale. 

Hamburg. 

Museum fiir Kunst und Gewerbe. Die Sammlung, die ihren Grundstock 
einer Stiftung Hans v. Billows und der Beihiilfe des Handel -Forschers 
Friedrich Chrysander verdankt, besitzt u. a. acht Instrumente von 
Joachim Tielke (fiinf Viole da Gamba und drei sog. Quinternen). Vgl. den 
Aufsatz „die Hamburgischen Musikinstrumente" von Hans Nirrnheim in der 
Festschrift „das Hamburgische Museum fiir Kunst und Gewerbe", Hamburg 1902 
(S. 163 f.). 

London. 

Royal College of Music. (Donaldson Collection.) 

Niirnberg. 

Germanisches Nationalmuseum. 

Rom. 

Museo di Strumenti musicali nella R. Accademia di S. Cecilia. Seit 
1899-1900 im Entstehen begriffen. 

Stuttgart. 

Landesgewerbe-Museum. Darin u. a. die von C. A. Pfeiffer in Stuttgart 
gestifteten Modelle von Mechaniken zur Veranschaulichung der Entwicklung des 
Klavierbaues. 

Venedig. 

Museo civico (Casa Correr). Vgl. Seite 439. (Privatsammlungen, Venedig.) 



Kataloge privater Sammlungen 



Kataloge privater Sammlungen. 

NB. Die mit * bezeichneten Sammlungen sind inzwischen in andern Besitz 

(ibergegangen. 

*Coussemaker, Ch. Edm. H. de. Catalogue des livres, manuscrits et 
instruments de musique . . . Bruxelles 1877. 

Katalog der Versteigerung, die vom 17.— 20. April 1877 zu Briissel statt- 
fand. Exemplar von J. B. Weckerlin mitseinen handschriftlichen Preisnotizen. - 
Die Abteilung „Musikinstrumente" enthielt 36 Nummern; sie umfaBt S. 202-206 
des Katalogs. — Der bekannte Musikschriftsteller Edmond Henri de C. (geb. 1805, 
gest. 1876) war zuletzt in Bourbourg (Nord-Frankreich), vorher in Cambrai, 
Diinkirchen und Lille ansassig. 

Florenz. 

* Kraus, Alessandro. Musee Kraus a Florence. Catalogue des instruments 
de musique anciens et modernes. Florence 1878. 

Catalogo della collezione etnografico-musicale Kraus in Firenze. 

Sezione Instrumenti Musicali. Firenze 1901. 

Mit einem Portrat und 20 photographischen Tafeln. — Die Sammlung ging 
i. J. 1908 in den Besitz des Musikhistorischen Museums von Wilhelm Heyer 
in Coin iiber. 

Gent. 

* Collections C C. Snoeck. 

Siehe: ,, Kataloge offentlicher Sammlungen" (Berlin und Briissel). 

Haag. 

Scheurleer, D. F. Catalogus der Muziekbibliotheek en der Verzameling 
van Muziekinstrumenten. 's Gravenhage 1885. 
Seite 241—258: Verzameling Muziekinstrumenten. 

_ _ Oude Muziekinstrumenten en Prenten en Fotografieen, naar Schilderijen 
en Teekeningen waarop Instrumenten voorkomen. Rotterdam 1898. 
Seite 1 — 21: Muziek-Instrumenten (No. 1 — 106). 

Hatfield, Broad Oak, Essex. (England.) 

Lynd, William. Ancient Musical Instruments and their Development, 
as Illustrated by Typical Examples in the Galpin Collection, at 
Hatfield. . . London: 1897. 

Leipzig. 

*de Wit, Paul. Katalog des Musikhistorischen Museums. Mit zahl- 
reichen Abbildungen. . . Leipzig 1903. 

Die Sammlung wurde i. J. 1905 von Wilhelm Heyer in Coin fur sein 
Musikhistorisch.es Museum erworben. 

London. 

Broadwood. Collection of antique instruments at lohn Broad- 
wood & Sons Ltd., Conduit Street, Bond Street, W. London [1903]. 

*Taylor, E. Catalogue of the musical library and musical instruments 
of Edward Taylor. London 1863. 



438 ^^^^^ Kataloge privater Sammlungen ^^^^^^^ 

Luzern. 

(Schumacher, Heinrich.) Katalog zu der Ausstellung von Musik- 
instrumenten friiherer Zeiten. Luzern 1888. 
Die Sammlung umfaBte damals 199 Nummern. 

Mailand. 

* Organografia ossia Descrizione degli Istrumenti Musicali dellaCollezione 
Luigi Arrigoni in Milano. Milano 1881. 

Abschrift des Verzeichnisses der 174 Instrumente enthaltenden Sammlung 
(nach dem gedruckten Katalog im Besitze der Bibliothek des „Musee instru- 
mental" zu Briissel). 

Malmo. 

C.Claudius' Instrumentsamling Malmo. Stockholm 1897. 

Die Sammlung, deren Katalog anlaBlich der Kunst- und Industrieausstellung 
zu Stockholm 1897 erschien, umfaBte damals 65 Nummern. 

Manchester. 

Pyne, J. Kendrick. Catalogue of Musical Instruments principally 
illustrative of the History of the Pianoforte, the property of Henry 
Boddington. Manchester 1888. 

Modena. 

Valdrighi, Luigi-Francesco. Nomocheliurgografia antica e moderna 
ossia Elenco di Fabbricatori di strumenti armonici... Modena 1884.— 
Aggiunta all' edizione del 1884. Modena 1888. 

Im Hauptwerk pag. 292—93 und im Nachtrag pag. 31—36: Collezione 
Valdrighi Die Sammlung umfaBte damals 93 Nummern. 

Paris. 

*Gand, Ernest. Collection d'instruments de musique .... Paris 1904. 

Die Sammlung, die im Jahre 1904 zu Paris versteigert wurde, umfaBte 
141 Nummern. 

*[Lery]. Catalogue des Anciens Instruments de Musique. .. . Composant 
l'Ancienne Collection de M. le Baron de Lery. [Avec 12 planches 
photolith.] Paris 1910. 

Die Sammlung, die im Jahre 1910 zu Paris versteigert wurde, umfaBte 
491 Nummern. 

*Loup. Collection d'instruments de musique .... Paris 1888. 

Die Sammlung der Instrumente, die i. J. 1888 zu Paris versteigert wurde, 
umfaBte 296 Nummern. 

*Samary, Georges. Catalogue des instruments de musique .... 
composant la collection de M. Georges Samary. Paris 1887. 

Die Sammlung der Instrumente, die i. J. 1887 zu Paris versteigert wurde, 
umfaBte 162 Nummern. 

*Savoye. Catalogue des instruments de musique . . . des XV e , XVI e , 
XVIIe et XVII P siecles. . . . Paris 1882. 

Die Sammlung, die i. J. 1882 zu Paris versteigert wurde, umfaBte 214 
Nummern. 



Kataloge privater Sammlungen 



Savoye, Rene. Catalogue des Instruments de Musique de la Collection 

Savoye. Liste numerique et designation des Instruments. Paris [1910]. 

Nicht im Druck erschienen. Die Sammlung umfaBt 756 Instrumente. — 
Das Manuskript wurde von dem Besitzer der Sammlung der Bibliothek des 
Museums freundlichst zum Geschenk gemacht. 

*Sax, Adolphe. Catalogue du Musee instrumental. . . . Paris 1877. 
Die Sammlung, die i. J. 1S77 offentlich verkauft wurde, umfaBte 467 
Nummern. 

* Weishaupt, O. & Co. Instruments de Musique Anciens. Paris, o. J. 
[ca. 1895]. 

(Handlungskatalog.) Die Sammlung umfaBte 102 Nummern. 

Dazu noch eine Anzahl weniger wichtiger Pariser Auktionskataloge. 

Renaix (Belgien). 

*Regibo, Abel. Catalogue d'une ... bibliotheque musicale et d'une 
collection d'antiquites. Renaix 1897. 

Die Musikinstrumente, deren Aufzahlung Seite 89—95 des Katalogs enthalt, 
umfaBten 117 Nummern. Die Sammlung, die i. J. 1897 zu Renaix versteigert 
wurde, war reich an Clavecins und Virginals der versehiedenen Ruckers und 
anderer flamischer Meister. 

Stockholm. 

* Katalog der . . . Kunst-Sammlung des Museums Christian Hammer 
in Stockholm. Serie II . . . . [am SchluB; Seite 117—132:] Die Samm- 
lung der Musikinstrumente. [Mit 5 Tafeln in Phototypie.j Koln 1893. 

Die Sammlung, die i. J. 1893 zu Koln versteigert wurde, umfaBte 210 
Nummern. 

Venedig. 

* Elenco degli Strumenti musicali antichi da arco, fiato, pizzico e tasto, 
posseduti dal Nob. Conte G iovanni Correr di Venezia. [Venezia 1872.] 

(Abschrift nach dem autographierten Original aus dem Besitz der Bibliothek 
des ,, Musee instrumental" zu Briissel ) Die Sammlung umfaBte 121 dem 16. 
und 17. Jahrhundert angehorende Instrumente und wurde zum groBten Teil 
vom Briisseler Conservatoire erworben. Ein kleiner Teil hiervon befindet sich 
noch im Museo civico zu Venedig. 

Versailles. 

Collection de [Eugene de] Bricqueville a Versailles. Anciens instru- 
ments de musique. Paris 1893. 

Wien. 

Sammlung des Baron Nathaniel von Rothschild. 

Das Verzeichnis von 117 zu dieser Sammlung gehorenden Instrumente ist 
im „Fach-Katalog" der Wiener Musikausstellung 1892 (Seite 181—188) enthalten. 

Sammlung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich-Este. 

Das Verzeichnis der 121 zu dieser „fiir die Wissenschaft unschatzbaren 
Sammlung" gehorenden Instrumente, die zumeist aus dem 16. und 17. Jahr- 
hundert stammen, ist im „Fach-Katalog" der Wiener Musikausstellung 1892 
(Seite 83-88) enthalten. 



440 ^S Kataloge und Referate iiber offentliche Ausstellungen 



Kataloge und Referate iiber offentliche Ausstellungen. 

Berlin. 

Fleischer, Oskar. Fiihrer durch die Bach-Ausstellung im Festsaale 
des Berliner Rathauses. 21.— 31. Marz 1901. [Berlin 1901.] 

Abtlg. II: Instrumente (Seite 15—36). 

Bologna. 

Esposizione internazionale di musica in Bologna 1888. Catalogo uffi- 
ciale. Parma 1888. 

Boston. 

Catalogue of the Exhibition Horticultural-Hall Boston. January 1 1 to 26, 
1902. [Boston 1902.] 

Herausgegeben von Checkering & Sons zu Boston. 

Florenz. 

Casamorata, L. F. Gli strumenti musicali all' esposizione italiana del 
anno 1861. Firenze 1862. 

Haag. 

[Scheurleer, D. F.] Catalogus der Tentoonstelling van Muziekinstru- 
menten, Prenten etc. daarop betrekking hebbende . . . Haag 1893. 

London. 

[Engel, Carl.] Catalogue of the Special Exhibition of ancient Musical 
Instruments [in South Kensington Museum] 1872. [Mit 16 photograph. 
Tafeln.] London 1873. Some account of the Special Exhibition, 

being Appendix 2 to Catalogue. . . . London 1874. 

Hipkins, A.J. Guide to the Loan Collection of Musical Instruments 
of the International Inventions Exhibition. London 1885. 

AnlaBlich dieser Ansstellung erschien ferner als Privatdruck: Dale, William. 
„A brief Description of Spinets, and other Keyboard Instruments in the Loan 
Collection", sowie das Prachtwerk ^Musical Instruments Historic, Rare and 
Unique" von Alfred James Hipkins & William Gibb (Edinburgh 1888). 

Day, C. R. A descriptive catalogue of the Musical Instruments . . . 
exhibited at the Royal Military Exhibition, London 1890. [Mit 12 
Lichtdrucktafeln.] Issued under the orders of Colonel Shaw-Hellier 
.... and compiled by Captain C. R. Day. London 1891. 

Musical Instruments and Memorials of Musicians, being the catalogue 
to the International Loan Exhibition Crystal Palace. London 1900. 

Catalogue of a special Loan Exhibition of Musical Instruments, manu- 
scripts, books, portraits & other mementos of Music and Musicians. . . . 
London 1904. 

Illustrated Catalogue of the Music Loan Exhibition held .... by the 
Worshipful Company of Musicians at Fishmongers' Hall June and 
July, 1904. [Mit 47 Tafeln, Faksimiles etc.] London 1909. 

S. 125 220: „ Musical Instruments". 



Kataloge und Referate uber offentliche Ausstellungen ^ 441 

Paris. 

Pontecoulant [L. A. le Doulcet de]. La Musique a l'Exposition uni- 
verselle [de Paris] de 1867. Paris 1868. 

Chouquet, G. Les instruments de musique et les editions musicales 
a l'Exposition universale . . . de 1878 a Paris. Paris 1880. 

Lecomte, Eugene. Catalogue des instruments anciens de musique de 
I'exposition universale de Paris 1878. Paris [1878.] 

— ■ Catalogue des anciens instruments de musique, documents, 
curiosites suivi du catalogue de l'Exposition faite par la Belgique 
dans l'aile droite du Trocadero. Paris 1878. 

Musee retrospectif . . .: Instruments de musique, materiel, procedes et 
produits, a l'Exposition universale internationale de 1900 a Paris. [Mit 
Abbildungen.] Paris 1900. 

Wien. 

Paul, Oscar. Musikalische Instrumente . . . Abdruck aus dem amt- 
lichen Bericht uber die Wiener Weltausstellung im Jahre 1873. Braun- 
schweig 1874. 

Schelle, Eduard. Musik-Instrumente. (Gruppe XV der Wiener Welt- 
ausstellung 1873.) Wien 1873. 

Internationale Ausstellung fur Musik- und Theaterwesen, Wien 1892. 
Fach-Katalog der Musikhistorischen Abtheilung von Deutschland und 
Oesterreich-Ungarn. . . Wien 1892. — Fiihrer durch die Ausstellung 
und Katalog der gewerblichen Spezial-Ausstellung . . . Wien 1892. 

Schneider, Siegmund. Die Internationale Ausstellung fiir Musik- und 
Theaterwesen, Wien 1892. [Mit 80 Tafeln in Heliographie.] Wien 1894. 

Abbildungen: Tafel XIII -XVII: Die Musik-Instrumente in der Ausstellung; 
Tafel XXXVII -LXX: Die fortschreitende Entwickelung der Clavier-Baukunst 
bis auf die Gegenwart. - - Aufsatze: S. 50—52: „Die Instrumenten-Sammlung 
des Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich-Este" von Guido Adler; 
S.57— 75: „Die Musik-Instrumente auf der Ausstellung" von Oskar Fleischer; 
S. 225—250: „Die Entwicklung der Clavier-Baukunst bis auf die Gegenwart" 
von Morris Steinert. 



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REGISTER. 



Register der Abbildungen £§§^!§Sl§^IiKl§ 445 



REGISTER DER ABBILDUNGEN. 

Ansicht des Musikhistorischen Museums in Coin Titeltafel 

Clavichords. 

Clavichord-Spielerin (nach dem Gemalde ,,der Musikunterricht in reichem Ge- 

mache" in der Art Pieter Cornelisz. van Slingelandts) Tafel vor Seite 21 

Clavichord-Taste 25 

Qebundene Clavichords. 

No. 1. Von Dominicus Pisaurensis 1543; mit italienischer Mensur . . 25 

,, 2. Geb. Clavichord aus der 2. Halfte des 16. Jahrh. ; mit ital. Mensur . . 25 

,, 3. „ „ aus der 2. Halfte des 16. Jahrh.; „ „ „ . . 26 

„ 4. -, „ aus der 1. Halfte des 17. Jahrh 26 

,, 5. „ » aus der Mitte des 17. Jahrh. 31 

„ 6. „ „ aus der 2. Halfte des 17. Jahrh 31 

„ 11. „ „ aus der Wende des 17. Jahrh 32 

„ 12. » » von Johann Jacob Don at, Leipzig 1700 32 

„ 13. Oktav-(„Bibel")Clavichord aus der 1. Halfte des 18. Jahrh. (2 Ab- 
bildungen) 39 

,, 16. Gebundenes Clavichord aus der Mitte des 18. Jahrh 39 

18. „ „ von Hoffmann 1763 40 

„ 19. „ „ aus der 2. Halfte des 18. Jahrh 40 

Bundfreie Clavichords. 
„ 23. Zweimanualiges Pedal-Clavichord von Joh. David Gerstenberg, 

Geringsvcalde 1760 47 

„ 24. Bundfreies Clavichord von Christian Gottlob Hubert, Ansbach c. 1775 48 

„ 25. ,, » von Hubert, aus der 2. Halfte des 18. Jahrh. 57 

,,28. » « von Carl Lemme, Braunschweig 1787 .... 48 

Bekielte Tasteninstrumente. 

Docke aus einem Kielfliigel 58 

Spinette und Virginals. 

No. 33. Spinett von Benedetto Floriani, Venedig 1571 58 

„ 35. Kleines Virginal, anscheinend v. Hans Ruckers d. Aelt., Ant- 

werpen c. 1610 58 

,, 36. Kleines Virginal, anscheinend v. Hans Ruckers d. Aelt., Ant- 

werpen c. 1610 . . 61 

,, 37. Kleines Virginal von Valerius Peri us, Rom 1631 61 

„ 38. Oktav-Spinett von Luigi Fani (?) 1635 61 

„ 39. Oktav-Spinett I 62 

„ 44. Spinett (2 Abbildungen) [ aus dem 17. Jahrh 62 

„ 47. Spinett I 62 

„ 51. Kleines Virginal aus der 2. Halfte des 17. Jahrh 69 

„ 52. Zweimanual. Oktav-Spinett von Israel Gellinger, Frankfurt a. M. 1677 69 

„ 53. Spinett von Bartolomeo Cristofori, Florenz 1693 70 

Tastatur hierzu 69 

54. Spinett aus dem Anfang des 18. Jahrh 73 



»> 



446 ^tfUgtfljgtfigSlg} Register der Abbildungen 

No. 55. Oktav-Spinett von Abel Adam, Turin 1712 73 

56. Zweimanualiges Spinett j der { mm d lg jhh 

57. Oktav-Spinett | J 

59. Spinett oder Virginal aus der Mitte des 18. Jahrh 77 

60. Oktav-Spinett von Giuseppe Crudeli, Lucca 1781 77 

61. Spinett von Johann Heinrich Silbermann, Strabburg ca. 1760—70 78 

Clavicytheria. 

Faksimile des Virdung'schen Holzschnitts 83 

No. 66. Zweimanualiges Clavicytherium aus der 1. Halfte des 16. Jahrh. ... 85 

,, 72. Aufrechtes Cembalo aus dem 17. Jahrh., im 18. Jahrh. umgearbeitet . 86 

Kielfliigel (Cembali, Clavecins, Clavicymbel). 

Clavecin-Spielerin (nach dem Gemalde „der junge Gelehrte und seine 

Schwester" von Gonzales Coques) Tafel vor Seite 89 

No. 69. Cembalo von VincenziusPratensisl612 86 

71. Clavecin von Andreas Ruckers d. Aelt., Antwerpen 1633 91 

73. Cembalo von Joann. Bapt. Giusti, Lucca 1676 92 

74. Zweimanualiges Cembalo von Giovanni Pertici, Florenz 1683 ... 97 

76. Cembalo von Lorenzo Magniai, Florenz 1689 92 

79. Cembalo aus dem Ende des 17. Jahrh 97 

81. Cembalo, wahrscheinlich von Joann. Baptist. Giusti, Lucca c. 1700 . 105 

83. „Clavecin brise ou de voyage" von Jean Marius, Paris 1713 (3 Ab- 
bildungen) 98 

84. Cembalo von Bartolomeo Cristofori, Florenz 1722 101 

85. Cembalo „ „ „ „ 1726 101 

86. Cembalo traverso von Bart. ,, ,, ca. 1725 102 

87. Cembalo aus der 1. Halfte des 18. Jahrh 105 

89. Cembalo aus der Mitte des 18. Jahrh 106 

91. Zweimanualiges Clavicymbel, vielleicht von Gottfried Silbermann, 
Freiberg i. S. ca. 1750 Ill 

92. Cembalo von Giov. Francesco Franco 1757 106 

96. Dreimanualiger ,,Spinettfli'igel" von H. Seyffarth, Leipzig 1909 . . 112 

Hammerklaviere. 

Pianoforte -Spielerin (nach dem Gemalde ,,La Jeune Angloise" von 

Baader) Tafel vor Seite 115 

Hammerklaviere oder Pianofortes (Fortepianos). 

No. 97. Kleines Klavier, anscheinend von Joh. Andreas Silbermann, 

StraBburg ca. 1750 123 

„ 99 Kleines Klavier von Fr. Hildebrandt, Leipzig ca. 1760 123 

,, 102 u. 104. Zwei Klaviere mit Transponier-Einrichtung von Joh. Matth. 

Schmahl, Ulm ca. 1770-80 124 

„ 106. Aufrechtes Klavier aus dem 3. Viertel des 18. Jahrh 129 

„ 107. Tafelklavier von F. Wilhelm Pfrang, Bildhausen 1778 129 

,, 109. Kleines Klavier von Joh. Georg Michael Guth, Musbach 1783 ... 130 

,, 117. Tafelklavier aus dem letzten Viertel des 18. Jahrh 130 

„ 120. Tafelklavier von Wilhelm Constantin Schiffer, Koln 1793 135 

Taste mit zwei Hammern hierzu 135 

,, 122. Klavier in Verbindung mit Dirigentenpult aus dem Ende des 18. Jahrh. 

(2 Abbildungen) 136 

,, 123. Klavier aus dem Ende des 18. Jahrh 139 

„ 125. Kleines Klavier mit Toilettentisch-Einrichtung. Ausder Wende des 18. 

Jahrhunderts 139 

,, 130. Tafelklavier in Verbindung mit Kommode von Christ. Gottlob 

Friederici, Gera 1804 140 



Register der Abbildungen ^^^^^ 447 



Klaviere aus dem Anfang (ersten Viertel) des 19. Jahrhunderts: 

No. 131. Klavier in Verbindung mit Schreibsekretar 145 

134. Kleines Klavier mit Nahtischeinrichtung von Johann Schiele, Wien 145 

137. Kleines Klavier in Form eines Nahkastens 145 

138. Kleines Klavier mit Nahtischeinrichtung von Anton Walter u. Sohn, 
Wien 146 

140. Tafelklavier von Ferdinand Hofmann, Wien 146 

141. Kleines Klavier mit Nahtischeinrichtung 149 

142. Kleines Klavier mit oberschlagiger Mechanik von Georgius Pet her, 
London 149 

143. Reiseklavier von Freres Daniel, Briissel 150 

146 Tafelklavier von Astor & Norwood, London 150 

147. Tafelklavier von L. R. Wohlien, Altona 155 

153. Aufrechtes Klavier in Form eines Schreibsekretars, ca. 1835 (2 Abbild.) 156 

154. Tafelklavier („Piano carre") von Henri Pape, Paris 1836 155 

155. Aufrechtes Klavier (Pianino) von Ferdinand Stein, Wien ca. 1835 . 159 
158. ,,Teetischklavier" von Ferd. Mathuscheck, Worms 1840 (2 Ab- 
bildungen) 160 

162. Tafelklavier von Brizzi & Niccolai, Florenz. Aus der Mitte des 
19. Jahrhunderts 159 

163. Pianino aus der Mitte des 19. Jahrh. (2 Abbildungen) 165 

164. Pianet von P. Mangeot, Nancy 1860 166 

166. Kleines Klavier nach kreuzsaitigem System. Aus der 2. Halfte des 

19. Jahrhunderts 166 

,, 168. Orphika, anscheinend von Jos. Dohnal, Wien ca. 1800 166 

Orphika-Spieler. Nach einem Kupferstich von C. Miiller, 1796 ... 169 

Hammerfliigel. 

No. 170. Fliigel von Bartolomeo Cristofori, Florenz 1726 171 

Hammerstuhl und Schlitten hierzu 172 

No. 215. Modell der Mechanik Cristoforis 172 

„ 171. Fliigel von Joh. Andreas Stein, Augsburg 1773 175 

Taste hierzu mit der sog. „deutschen Mechanik" 175 

„ 172. Kleiner Fliigel von Christ. Gottlob Hubert, Ansbach 1785 .... 176 

,, 174. Fliigel von Joh. David Schiedmayer, Niirnberg ca. 1800 .... 180 
„ 178. Kleiner (Quer-)Fliigel von K. Schlimbach, Konigshofen, aus dem 

Anfang des 19. Jahrh 179 

„ 179. Fliigel aus dem Anfang des 19. Jahrh 179 

„ 181. Fliigel von Louis Dulcken, Miinchen, aus dem Anfang des 19. Jahrh. 181 

,, 183. Kleiner (Quer-) Fliigel von Joh. Andreas M a h r , Wiesbaden 1810 . . 176 

„ 184. Aufrechter Fliigel von M. & W. Stodart, London 1814 185 

,, 186. Aufrechter Fliigel von J. Miiller, Berlin ca. 1815 186 

„ 189. Aufrechter Fliigel (sog. „Giraffe") von Wachtl & Bleyer, Wien 

ca. 1815-20 185 

,, 192. Aufrechter Fliigel (sog. „Pyramide") von C. Schlimbach in Konigs- 
hofen ca. 1815-25 191 

,, 196. Aufrechter Fliigel (sog. „Pyramide") von Joseph Wachtl, Wien 

ca. 1820 191 

„ 199. Patentflugel von Nannette Streicher, Wien 1825 192 

„ 204. Aufrechter („Lyra"-) Fliigel von J. L. F. Schultz, Berlin ca. 1835. . 186 

„ 209. Aufrechter Fliigel, ca. 1840 192 



Claviorgana. 

No. 230. Claviorganum von Pfeffel, Havre 1797 204 

,, 231. Claviorganum, anscheinend von Christ. Gottlob Friederici, Gera 

ca. 1800 203 



II II 

n n 



ii n 



448 £SgJ^5iitfI§^ia Register der Abbildungen 

Klavierharfen. 

No. 233. Claviharpe von J. C. Dietz Fils, Paris 1821 207 

„ 234. Claviharpe von Christian Dietz, Briissel ca. 1890 208 



P£dalier 

„ 237. von J. Pleyel & Cie., Paris ca. 1870 204 

Nachbildungen der Inschriften zur Abteilung ,,Besaitete Tasteninstrumente". 

Adam, Abel; Turin 1712 (zu No. 55) 213 

Astor& Norwood; London (zu No. 146) 213 

Beyer, Adam; London (zu No. 108) 213 

Broadwood, John & Sons; London (zu No. 151) 214 

(zu No. 185) 213 

Brunelli, Antonio; 1798 (zu No. 64) 214 

Caspersohn, H. & Comp. ; Rendsburg (zu No. 160) 214 

Cristofori, Bartolomeo; Florenz 1693 (zu No. 53) 214 

Florenz 1726 (zu No. 85) 218 

Florenz 1726 (zu No. 170) 218 

Faksimile seiner Rechnung iiber das Spinett No. 53 

(1693) 217 

Faksimile seiner Empfangsbescheinigung unter dem 
Inventar der Instrumentensammlung Ferdinands v. 

Medici (1716) 217 

Crudeli, Giuseppe; Lucca 1781 (zu No. 60) 218 

Deckert [Johann Nicolaus] ; Breitenbach (zu No. 31) 218 

Deiff, Gregor; Miinchen (zu No. 201) 221 

Dietz, J. C. Fils; Paris 1821 (zu No. 233) 221 

Dietz, [Christian; Briissel] (zu No. 234 u. 235) 221 

Dominicus Pisaurensis 1533 (zu No. 67) 222 

1543 ( zu No. 1) 222 

Don at, Johann Jacob; Leipzig 1700 (zu No. 12) 221 

Dulcken, Louis; Miinchen (zu No. 181) 222 

Erard, Sebastien & Pierre; Paris (zu No. 200) 227 

Floriani. Benedetto 1571 (zu No. 33) [Nachtrag] 416 

Franco, Gio. Francesco 1757 (zu No. 92) 222 

Friederici, Christ. Gottlob; Gera (zu No. 130) 227 

Gellinger, Israel; Frankfurt a. M. 1677 (zu No. 52) 227 

G erst en berg, Joh. David; Geringswalde 1760 (zu No. 23) 228 

Giusti, Joann. Baptista; Lucca 1676 (zu No. 73) 228 

Greifenhagen, Johann Rudolph; Borna 1802 (zu No. 129) 228 

Guth, Joh. Georg Michael; Musbach a. d. H. 1783 (zu No. 109) 228 

Haase, George; Budissin 1692 (zu No. 9) 228 

Hauser, Johann Hermann; Gimb. [?] 1761 (zu No. 17) 233 

Hildebrandt, Friedrich; Leipzig (zu No. 99) 233 

Hodsoll, William; London (zu No. 148) 233 

Hofmann, Ferdinand; Wien (zu No. 176) 233 

Horn, Gottfried Joseph sen.; Nickern 1785 (zu No. 27) 233 

Horn, Joh. Gottlob; Dresden 1785 (zu No. 229) 234 

Hubert, Christian Gottlob; Ansbach 1785 (zu No. 172) 234 

Ansbach 1787 (zu No. 22) 234 

Janssen, Heinrich ; Wien (zu No. 195) 237 

J bach & Sohn, A.; Barmen (zu No 205) 237 

J bach Sonne, Adolph ; Barmen (zu No. 156) 237 

Konnicke, Johann Jacob; Wien (zu No. 182) 238 



Register der Abbildungen 



Kramer, Siegmund Theodor; Gottingen (zu No. 32) 238 

Kuper, G. W. & Co.; Bockenheim (zu No. 161) 238 

Lemme, Carl; Braunschweig (zu No. 28) 238 

Longman & Broderip; London (zu No. 116) 241 

Magniai, Lorenzo; Florenz 1689 (zu No. 76) 241 

Mangeot, P[ierre]; Nancy (zu No. 164) 241 

Mar i us, [Jean; Paris] 1713 (zu No. 83) 242 

Mathuscheck, Ferdinand; Worms (zu No. 158) 242 

MeiBner, Samuel; Wien (zu No. 162) 242 

Meyer, Meincke & Pieter; Amsterdam 1784 (zu No. Ill) 247 

Migliai, Antonio; Florenz 1702 (zu No. 82) 247 

Miiller, J.; Berlin (zu No. 186) 247 

Miiller, Matthias; Wien (zu No. 190) 248 

Neuhaus, A[ntoine]; Paris (zu No. 144) 247 

Pape, Henri; Paris (zu No. 154) 248 

Paris und London (zu No. 208) 248 

Perius, Valerius; Rom 1631 (zu No. 37) 251 

Pether, George; London (zu No. 142) 251 

Pfeffel, Havre; 1797 (zu No. 230) 251 

Pfrang, F[riedrich] Wilhelm; Bildhausen 1778 (zu No. 107) 251 

Piantanida, Felice; Mailand 1799 (zu No. 127) 252 

Pleyel, Ignace & Co.; Paris (zu No. 207) 252 

Pol, Louis; Nimes, Paris, Toulouse (zu No. 210) 252 

Puchert, Joh. Samuel; Rudelstadt 1783 (zu No. 20) 252 

Riese & Feu rich; Cassel (zu No. 198) 255 

Riva, Alessandro; Bergamo 1839 (zu No. 65) 255 

Rohmann, Jacob; Breslau (zu No. 197) 255 

Ruckers, Andreas d. Aelt.; Antwerpen 1633 (zu No. 71) 256 

Schenck, Joh. Georg; Weimar 1800 (zu No. 128) 256 

Schiele, Johann; Wien (zu No. 134) 256 

Schiffer, Wilhelm Constantin; Roln 1793 (zu No. 120) 263 

Schlimbach, K. ; Konigshofen (zu No. 178) 263 

(zu No. 192) 263 

Schultz, J. L. F.; Berlin (zu No. 204) 264 

Silbermann, Jean Henri; StraBburg (zu No. 61) 264 

Sodi, Vincenzo; Florenz 1792 (zu No. 94) 264 

Spath & Schmahl; Regensburg 1790 (zu No. 211) 264 

Spighi, Francesco; Florenz 1790 (zu No. 119) 271 

Stein, Ferdinand; Wien (zu No. 155) 271 

Stein, Johann Andreas; Augsburg 1773 (zu No. 171) 271 

Portrait von Joh. Andreas Stein (nach einem Oelbild in der Augsburger 

BarfuBerkirche) 282 

Faksimile des Briefes W. A. Mozarts iiber die S t e i n 'schen Klaviere 

(Augsburg, 17. oder 18. Oktober 1777) 267 u. 268 

Stodart, M. & W. ; London 1814 (zu No. 184) 272 

Straube, Johann Augustin; Berlin 1787 (zu No. 29) 272 

Streicher, Nannette; Wien 1816 (zu No. 187) 272 

und Sohn; Wien (zu No. 199) 275 

Streicher, J. B.; Wien (zu No. 202 u. 203) 275 

Tom ki son, Thomas; London (zu No. 180) 275 

Vincentius Pratensis 1610 (zu No. 34) 275 

Vlatten, Gebriider; Burtscheid 1798 (zu No. 126) 276 

Volkening, C. W., Bielefeld (zu No. 206) 276 

Wachtl & Bleyer; Wien (zu No. 189) 276 

Wachtl, Joseph; Wien (zu No. 196) 276 

Wagner, Johann Gottlob; Dresden 1783 (zu No. 110) 281 

Walter, Anton und Sohn; Wien (zu No. 138) 281 

White, Thomas; London (zu No. 152) 281 

Wo h lien, L. R.; Altona (zu No. 147) 281 

Zenti, Girolamo 16S3 (zu No. 75) 282 



29 



450 ^^^^^ Regi ster der Abbildungen 

Orgeln. 

No. 241. Positiv aus der 1. Halfte des 16. Jahrh 295 

242. Portativ aus der Wende des 16. Jahrh 300 

243. Positiv aus der 1. Halfte des 17. Jahrh 296 

244. Liegendes Positiv aus der 1. Halfte des 17. Jahrh 295 

245. Positiv mit Pedal aus dem Ende des 17. Jahrh 299 

247. Positiv aus dem Aufang des 18. Jahrh 303 

249. Portativ aus der 1. Halfte des 18. Jahrh 304 

250. Orgel von Gottfried Silbermann, Freiberg i. S. 1723/24 307 

251. Portativ aus der 1. Halfte des 18. Jahrh. (Nachbilduug) 300 

252. Positiv von Adalbert Beer, Prag 1757 308 

253. Positiv aus der Mitte des 18. Jahrh 311 

254. Portativ (,,Prozessionsorgel") aus dem 18. Jahrh 322 

257. Portativ aus dem Anfang des 19. Jahrh 304 

258. Hausorgel aus dem 1. Drittel des 19. Jahrh 312 

259. Hausorgel mit Pedal aus der 1. Halfte des 19. Jahrh 317 

260. Orgel von Franz Xaver Bloch jr., Aesch 1840 318 

262. Spieltisch der (Bach-) Orgel der Johanniskirehe zu Leipzig von Johann 

Scheibe, Leipzig 1742-44 . 321 

266, 272, 288, 290. Vier Prospektpfeifen 322 

310. Regal aus dem 17. Jahrhundert 333 

311. Regal aus der 1. Halfte des 18. Jahrhunderts 333 

Physharmonikas und Harmoniums. 

No. 313. Physharmonika von Anton Haeckl, Wien ca. 1820-25 334 

„ 314. Physharmonika, ca. 1825—30 334 

„ 316. Physharmonika, ca. 1830-35 334 

,, 317. Physharmonika von Bergmann, ca. 1830-35 343 

,, 321. Aeolodicon von Friedrich Sturm, Suhl ca. 1835 343 

,, 323. „Orgue expressif" von Achille Muller, Paris ca. 1845 347 

,, 324. „Orgue expressif de voyage" von Achille Muller, Paris ca. 1845 

(2 Abbildungen) 344 

,, 325. Physharmonika mit Glockenspiel, ca. 1850 347 

„ 327. Bibel-Harmonium, ca. 1860-70 (2 Abbildungen) 344 

,, 332. „Melophone" von Leclerc-Brown, Paris ca. 1850 (2 Abbildungen) . 348 

Nachbildungen der Inschriften zur Abteilung „Orgeln und 
orgelartige Instrumente". 

Alexandre, Pere et Fils; Paris (zu No. 330) 357 

Beer, Adalbert; Prag 1757 (zu No. 252) 357 

Bollermann, D. L.; Dresden (zu No. 322) 357 

Haeckl, Anton; Wien (zu No. 313) 358 

Muller, Achille; Paris (zu No. 323) 358 

Sturm, Friedrich; Suhl (zu No 321) 358 

Venzky, C. R. A.; Dresden [1807] (zu No 256) 358 

Geburtshaus der Gebriider Andreas und Gottfried Silbermann zu Klein-Bobritzsch 363 
Die „Reiterwache" zu Freiburg i. S., die Wohnstatte Gottfried Silbermanns 

1712—1741 364 

Radleiern (Vielles). 

Radleier-Spielerin (nach einem anonymen franzosischen Kupferstich aus dem 

18. Jahrhundert) Tafel vor Seite 375 

Radleier spielender Engel (nach einem Gemalde vom Meister des Thomas-Altars 

im Coiner Museum) 378 

No. 337. Vielle von Jean Louvet, Paris 1747 378 



Register der Abbildungen 



No. 339. Vielle von Levalois, Paris 1753 377 

„ 340. Vielle aus dem 18. Jahrhundert 377 

„ 341. „ Petite vielle" aus der 2. Halfte des 18. Jahrhunderts 378 

„ 342. GroBe Radleier aus dem 18. Jahrhundert 377 

„ 343. Vielle aus der 2. Halfte des 18. Jahrhunderts 377 

,, 344. „ Vielle organisee" von Vallansan, Lyon ca. 1780 378 

,, 345. Grol5e Radleier aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts 377 

„ 346. Vielle von Colson, Mirecourt ca. 1820-40 377 



Bogen- oder Streichklaviere. 



'& 



No. 347. „Piano Quatuor" von Gustave Baudet, Paris ca. 1865 — 70 399 

Glas-Harmonikas 

No. 352 Glas-Harmonika, ca. 1810 391 

„ 354. „ „ ca. 1830-1840 391 

,, 355. Tasten- oder Clavier-Harmonika, ca. 1810 392 

Friktionsinstrumente nach Chladnis Prinzip. 

No. 356. Clavicylinder von Louis Concone, Turin ca. 1815 399 

,, 357. Melodion von Joh. Christ. Dietz, Emmerich ca. 1810 — 15 400 

„ 358. Terpodion von Joh. David Buschmann, Berlin ca. 1830 400 

„ 360. Harmonichord von Joh. Friedr. Kaufmann, Dresden ca. 1835 . . . 405 

Nagelgeigen. 

No. 363 u. 365 406 

Nachbildungen der Inschriften zur Abteilung ,, Friktionsinstrumente". 

Buschmann, J. D.; Berlin (zu No. 359) 415 

Colson; Mirecourt (zu No. 346) 415 

Concone, Louis; Turin (zu No. 356) 415 

Feury, F.; Paris (zu No. 338) 415 

Levalois; Paris 1753 (zu No. 339) 416 

Louvet, Jean; Paris 1747 (zu No. 337) 416 

Vallansan; Lyon (zu No. 344) 416 

Nachtrage. 

No. 369. Liszts stumme Klaviatur („Levigrave Regulateur") von A. Dumas 

Fils & Colin; Nimes ca. 1875 406 

„ 370. Physharmonika (Aeoline) in Verbindung mit Hammerklavier; ca. 1835 421 
,,Die Art die Physharmonika und das Fortepiano zugleich zu spielen" 
(Nach einer zeitgenossischen Lithographie von Franz Heinrich 
zu Wien) 422 



-•c*3|grc>-- 



452 



Sachregister 



SACHREGISTER 



(Die Ziffern bedeuten die Seitenzahlen. 



Accordeon. 353—355. 

Aeoline. 261. 331. 337. 353. 413. 423. 

Aeolodicon. 331.337.338.342.343. 

345. 356. 368. 
Aeolodion. 336. 
Aeolsharfe. 336. 337. 414. 
Aerophone. 414. 
Aliquot-Streichflote. 411. 
Anemocorde. 336. 
Arcicembalo. 99. 107. 
Arpichordum. 87. 

Bandoneon. 354. 
Bassetto di mano. 219. 
BaBhorn („Basson russe"). 104. 
Bauernleier. 374. 
Bellonion. 417. 418. 
Bettlerleier. 374. 
Bibel-Clavichord. 37. 39. 
Bibel-Harmonium. 344. 350. 
Bibel-Regal. 37. 335. 
Bogenfliigel. 383. 409. 
Bogenhammerclavier. 383. 
Bogenklavier. Siehe „Streichklavier". 

Cabinet-Piano. 153. 154. 157. 

Calderarpa. 206. 209. 

Celesta. 339. 

Cembal d'amour. 366. 

Cembalo. Siehe „Kielfliigel". 

Cembalo-Rekonstruktionen. 110 bis 

114. 428. 
Cembalo traverse 71. 102-104. 
Chifonie. 374. 
Chordaulodion. 404. 417. 
ChromatischeKlaviatur. 164. 167.429. 
Clavecin. 52. 90. 91. 107. 

Im iibrigen siehe „Kielfliigel". 
Clavecin brise on de voyage. 98. 100. 

244. 245. 
Clavecin royal. 280. 
Clavicembalo. Siehe „Kielfl(igel". 



Clavichord. 18 ff. 57. 200. 218 f. 

269. 366. 420. 
Clavichord, bundfreies. 22. 44. 45 - 50. 

57. 220 f. 420. 
Clavichord, gebundenes. 22-44. 225 f. 
Clavicylinder. 396. 398. 399. 401. 

402. 413. 
Clavicymbalum universale. 427. 
Clavicymbel. Siehe „Kielfliigel". 
Clavicytherium. 51. 54. 55. 81-88. 

93. 427. 
Clavier. Siehe „Klavier". 
Clavier-Gambe. 383. 
Clavier-Harmonika. Siehe „Tasten- 

harmonika". 
Claviharpe. Siehe „Klavierharfe". 
Clavi-Lyra. 414. 
Clavi-Mandor. 243. 
Claviorganum. 200-205. 212. 219. 

224. 235. 257. 270. 279. 370. 
Compensation Pianoforte. 274. 
Concertina. 354. 
ContrabaB. 219. 414. 
Cornett-Clavier. 46. 259. 
Cottage Organ. 339. 349. 
Cymbal. Siehe „Hackebrett". 

Dittanaklasis („Dittaleloclange"). 246. 
Doppelfliigel („Piano vis-a-vis"). 270. 
Drehleier. Siehe „Radleier". 
Dudelsack. 219. 289. 374. 375. 
Dulce Melos. 20. 



Eisengeige. 408. 
Eschaqueil d'Angleterre. 
Euphon. 396. 
Exaquir. 19. 



19. 



Fagott. 219. 

Flote (Quer-). 211. 219. 408. 
Flote (Schnabel- od. Bloch-). 219. 
Floten-Harfenuhr. 417. 
Fortbien. 117. 



^^^^^^^^^^ Sach register 



453 



Fortepiano. Siehe „Hammerklavier". 
Friktionsinstrumente. 371 ff. 
FuBton-Bezeichnung. 45. 288. 

Gamben werk ; Geigen - Clavicymbel 

(Geigen - Instrument). Siehe 

„Geigenwerk". 
Geigen werk, Niirnbergisches. (219.) 

382. 383. 
Giraffenfliigel („Giraffe"). 185. 187. 

189. 236. 280. 
Glasharmonika. Siehe „Harmonika". 
Glasplatten-Harmonika. 396. 
Glass-Chord. 212. 
Glasspiel. 387. 
Glocken-Klavier. 426. 
Gravicembalo. 52. 224. 
Gravicembalo col piano e forte. 115. 

199. 216. 
Guitarre. 219. 413. 414. 418. 



Hackebrett (Cymbal, Salterio). 19. 

51. 81. 82. 84. 115. 219. 278. 
Hammerflugel. 170 ff. 212 f. 
Hammerklavier. 18. 20. 81. 115 ff. 

211 ff. 429. 
Hammerklavier, aufrechtes. 127. 129. 

153. 154. 156-159. 161 f. 
Hammerklavier mit Dirigentenpult. 136. 

137. 429. 
Hammerklavier mit Kommode. 140. 142. 
Hammerklavier inTeetischform. 160. 161. 
Hammerklavier mit Nahtisch-Einrich- 

• tung. 144—149. 
Hammerklavier mit Schreibsekretar. 143. 

145. 
Hammerklavier mit Toilettentisch-Ein- 

richtung. 138. 139. 
Hammerklavier mit Transponier-Einrich- 

tung. 124-126. (158.) 161. (164.) 
Hammerklavier, stummes. Siehe „Stum- 

mes Klavier". 
Hand-Aeoline. 353. 413. 
Hand-Harmonika. 353. 354. 
Harfe. 205. 206. 219. 226. 246. 253. 

398. 413. 418. 
Harmonichord. 397. 403-405. 407. 
Harmonicum. 389. 
Harmonika (Glas-). 168. 372. 387 

bis 394. 396. 402. 
Harmonium. 286. 331. 335. 338. 

339. 350 f. 390. 
Harpsichord. 52. 423-425. 
Heem. 336. 



Janko-Klaviatur. 167. 210. 429. 
Jbachord. 1 10. 

Instrument (= Spinett oder Clavi- 
cymbel). 55. 87. 
Instrument de Parnasse. 389. 

Kanoun (tiirk. Hackebrett). 81. 
Kielfliigel. 19. 20. 23. 51-56. 84. 

88 ff. 197. 198. 200. 211 ff. 219. 

220. 224. 257. 284. 332. 366. 382. 

427. 428. 
Kielfliigel mit zwei Manualen. 53.76.84. 

94. 97. 1 08. 1 1 1 . 246. 257. 266. 425.428. 
Kielfliigel mit drei Manualen. (112. 113. 

220.) 266. 428. 
Kielfliigel mit Pedal. 99. 101. 428. 430. 
Klavier (= „Clavichord"). 21. 
Klavierharfe. 205-209.221.223.414. 

Laute. 22.83.87.219.231.246.278. 
Lautenclavicymbel. 87. 232. 
Leier. Siehe „Radleier". 
Levigrave Regulateur. 406. 420. 
Lira da gamba. 219. 
Lyrafliigel. 186. 194. 195. 



Mandoline. 219. 414. 

Manicordo. 21. 

Maultrommel (Aura, Brummeisen). 

337. 368. 
Melodicon 396. 
Melodika. 270. 

Melodion. 396. 398. 400. 401. 414. 
Melodium. 351. 355. 
Melophone. 348. 352. 353. 356. 414. 
Melopiano. 199. 
Modelle von Hammerklavier-Mecha- 

niken. 172. 199. 
Monochord. 19. 21. 28. 
Monocordo (= Clavichord). 21. 
Mund-Aeoline („Aura"); Mundhar- 

monika. 353. 413. 
Musette. Siehe „Dudelsack". 

Nagelgeige. 406. 408-411. 
Nagelharmonika. 408. 
Nagelklavier. 409. 
Nyckelharpa. 373. 

Oktav-Clavichord. 37. 39. 
Oktav-Spinett (Spinettina, Spinettada 

serenata). 56. 59. 61. 62. 64. 

67-69. 71. 73—77. 79.80. 211 f. 
Orchestrion [von Kaufmann]. 41 7.418. 
Orchestrion [von Vogler]. 336. 



454 



Sach register 



Organistrum. 374. 
Organo-Piano. 360. 
Organum (= Orgel). 289. 
Organum hydraulicum. 289. 
Organum pneumaticum. 290. 
Orgel. 19. 21. 33. 45. 53. 200. 226 f. 

261 f. 285 ff. 331 f. 355 ff. 
Orgel-Bestandteile. 319 f. 
Orgel-Klaviaturen. 323. 
Orgel-Prospektpfeifen. 322. 325-328. 
Orgel-Spieltische. 319-324. 
Orgelleier („Vielle organisee"). 378. 

380. 381. 418. 419. 
Orgue expressif. 226. 250. 336. 338. 

344. 346. 347. 349. 360. 
Orphika. 166. 168. 169. 223. 
Ottavino. Siehe „Oktav-Spinett". 

Pandurina. 229. 
Panhannonicon. 336. 
Panspfeife. 289. 408. (Syrinxpfeife.) 
Pedal-Cembalo (-Clavecin). 99. 104. 

428. 430. 
Pedal-Clavichord. 45. 47. 259. 430. 
Pedal- Harmonika. 389. 
Pedalier. 204. 209. 
Pentaphon. 385. 
Physharmonika. 331. 334 ff. 355 f. 

359. 390. 
Physharmonika mit Hammerklavier. 421 

bis 423. 
Pianet. 163. 166. 

Pianino. 55. 116. 119. 158 f. Siehe 
auch „Hammerklavier, aufrechtes". 
Pianino mit chromatischer Klaviatur. 164. 
Piano carre. 155. 157. 
Piano a claviers renverses. 244. 
Pianoforte. Siehe „Hammerklavier". 
Piano organise (Claviorganum). 226. 
Piano Quatuor. 384. 385. 399. 412. 
Piano-Sekretar. 156. 157. 
Polyplectron. 414. 
Portativ. 33. 83. 109. 289. 294 ff. 

322. 358. 369. 
Posaunenstimmen (Orgel-). 328. 329. 
Positiv. 83. 200. 219. 289. 294 ff. 

332. 355 f. 
Prospektpfeifen (Orgel-). 322. 325 

bis 328. 
Psalterium (Salterio). Siehe „Hacke- 

brett". 
Pyramidenflugel („Pyramide"). 45. 

116. 188. 189. 191. 229. 261. 

263. 276. 279. 



Querfliigel. 102. 103. 176. 179. 181. 
1S3. 

Radleier (Vielle). 372 — 383. 413. 

417-419. 
Ravalement. 81. 94. 99. 257. 258. 
Regal. 37. 200. 331-335. 
Reise- Harmonium. 344. 346. 349. 

351. 360. 
Reise-Hammerklavier. 150. 151. 
Reise-Kielfliigel. Siehe „Clavecin.. 

de voyage". 
Reise-Spinett. 245. 

Sackpfeife (Musette). Siehe „Dudel- 

sack". 
Saiten-Harmonika. 270. 
Salpingion 417. 
Salterio. Siehe „Hackebrett". 
Schlusselfiedel. 373. 
Sho. 336. 

Sordina (Sordino). 21. 219. 224. 
Spinett. 20. 21. 23. 51. 55. 56. 59 ff. 

87. 200. 21 1 ff. 427. 
Spinetta da serenata. Siehe „0ktav- 

Spinett". 
Spinettfliigel. 110. 112 114. 265. 

428. 
Spinettina. Siehe „Oktav-Spinett". 
Stahlklavier. 426. 
Stiftgeige. 408. 
Streichharmonium. 386. 
Streichklavier. 382-386. 409. 412. 

414. 
Stummes Klavier. 158. 198. 406. 420. 
Symphonic 75 (= Spinett) 374 

(-Vielle). 
Symphonion. 417. 

Tafelklavier. 42. 81. 116. 117. 122 ff. 

211 f. 370. 420. 
Tangentenflugel. 197. 198. 269. 
Tastenharmonika. 389. 392. 394. 
Teetisch-Klavier. 160. 161. 
Terpodion. 396. 400-403. 412. 413. 
Theorbe. 87. 219. (428.) 
Transponier-Harmonika. 389. 
Triphon. 404. 
Trochleon. 414. 
Trompeter-Automat. 417. 418. 
Truand. 374. 
Tscheng (Tschiang). 335. 336. 



Sachregister 



455 



Uranion. 396. 412. 

Vielle. Siehe „Radleier". 

Vielle organisee. Siehe „Orgelleier". 

Viola da braccio. 219. 224. 418. 

Viola da gamba. 22. 219. 

Viole d'amour. (380.) 408. 

Violina. 384. 

Violino-Harmonika. 409. 

Violine. 219. 373. 408. 

Violoncello. 219. 408. 

Virginal. 20. 51. 55. 56. 58-64. 

66-69. 77. 79. 83. 84. 251. 

258. 259. 



Wasserorgel. 289. 290. 
Weiberleyer. 375. 

Xanorphika. 168. 249. 384. 
Xylharmonicon. 396. 401. 
Xylosistron. 396. 

Zampogna. Siehe „Dudelsack". 
Ziehharmonika. 353. 354. 
Zinken. 219. 



-~CX£f3K>-- 



456 



Namenregister 



NAMENREGISTER. 

(Ein * vor einer Ziffer bezeichnet die Seite, die eine Abbildung eines Instruments des 
betreff. Erbauers enthalt, wahrend das Zeichen " auf eine Nachbildung der Signatur 

hinweist.) 



Adam, Abel. *73. 75. 211. "213. 

Adler, Guido. 441. 

Adlung, Jacob. 18. 22. 45. 87. 104. 108. 

286. 319. 326—329. 356. 365. 366. 

368. 
Agricola, Joh. Friedrich. 368. 

— Martin 10. 
Ainmiller, Max. 401. 
Albrecht, ... 323 

— Johann Lorenz. 18. 22. 286. 
Albrecht, Herzog von Bayern. 382. 
Albrechtsberger, Johann Georg. 273. 
Aldobrandini, Pietro 157. 
Alexandre, Charlotte. 355. 

Edouard [Fils]. 338. 351. 

355. [°357.] 

Jacob [Pere]. 338. 339. 351. 

355. °357. 
Allen, William. 120. 274. 
Allihn, Max. 286. 
Allwright, James. 413. 
Altnickol, Joh. Christoph. 329. 
Amati, Antonio. 219. [239.] 

Nicola. 219. 
Ambros, August Wilhelm. 54. 
Ambrosius, .... 429. 

Franziska. 429. 
Andorfer, Karl. 219. 
Andre, Anton. 278. 
— Carl August. 
Antonius Patavinus. 
Apel, August. 401. 
Argano, Paolo. 68. 
Arnold, Georg. 260. 
Arrigoni, Luigi. 438. 
Astor, George. 211. 
Astor& Norwood. *150. 152.211. "213.— 
Auber, Daniel Francois Esprit. 353. 
August, Herzog von Coburg-Gotha. 402. 
August, Kurfiirst von Sachsen. 382. 
August der Starke, Kurfiirst von Sachsen 

und Konig von Polen. 366. 
August Georg, Markgraf von Baden- 
Baden. 388. 



18. 
59. 



Siehe auch: 



Baader (Tafel vor S. 121.) 

Babcock, Alpheus. 120. 
Bach, Carl Philipp Emanuel. 23. 383. 
Johann Sebastian. 23. 52. 54. 87. 
108. 116. 232. 319. 320. 328. 329. 
361. 362. 
Backers, Americus. 117. 
Baffo, loannes Antonius. 54. 96. 211. 

212. 427. 
Bar, Elisabeth. 367. 
Barge, .... 376. 
Barker, Charles Spackmann. 292. 
Bartels, Julius Henrich. 260. 
Bartl, Franz Konrad. 372. 394. 
Baruth, .... 412. 
Bassano (Jacopo da Ponte). 60. 
Baton, Charles. 375. 

- Fils. 375. 
Baudet, Gustave. 384. 385. *399. 412. 
Baur, Chrisostomus. 261. 
Beccaria [Pater]. 387. 
Beddies, Karl. 386. 412. 
Beer, Adalbert. *308. 309. 355. "357. 
Beethoven, Ludwig van. 118. 120. 143. 

226. 273. 277. 279. 
Bellini, Vincenzo. 350. 
Bender, C. G. 154. 

212. 381. 

212. 

. . 341. *343. 355. 

212. 

398. 

Berton, Henri Montan. 353. 
Bertuch, Friedrich Justin. 142. 
Betz. Siehe „Stiller". 
Betzold, .... 401. 
Beyer, .... 212. 

Adam. 128. 131. 212. '213. 
Biedermann, .... 376. 
Biegert, Veronica. 361 . 
Bierdimpfl, K. A. 225. 428. 434. 
Billert, Carl Friedrich August. 390. 
Binzer, .... 388. 
Biscotti, Carlo. 89. 



Berge, 
Berger, Adam. 
Bergmann, . . 
Berjer, Adam. 
Bernhardt, W. 



Namenregister 



Blagrove, Richard. 354. 

Bland, John. 232. 

Bleyer, J. F. 279. Siehe audi „Wachtl 

& Bleyer". 
Bloch, Franz Xaver jr. 316. *318. 356. 
Blondel. M. 226. 
Bluthner, Julius. 18. 134. 
Boddington, Henry. 438. 
Boehm, .... 162. 
Boers, J. C. 76. 436. 
Boisgelou, Francois Paul Roualle de. 

429. 
Boismortier, Joseph-Bodin de Hilas. 375. 
Bollermann, D. L. 345. 356. "357. 
Bonin, .... 376. 
Bontempi, Giovanni Andrea Angelini. 

284. 
Borghese (Familie). 157. 
Bortone, A. 219. 

Bramante (Donato d'Angnolo). 294. 
Brambach, Ph. J. 411. 
Brand, Gottlieb. 254. 
Braun, P. I. 75. 
Breitenbach, .... 108. 
Breitkopf & Haertel. 246. 
Bricqueville, Eugene de. 439. 
Brizzi & Niccolai. *159. 162. 212. 245. 
Broadwood, Barbara. 215. 

Henry Fowler. 215. 

Henri John Tschudi. 215. 

James Shudi. 215. 

John. 117. 131. 143. 154. 

181. 183. 199. 212. °213. 

°214. 215. 273. 424. 

Thomas. 215. 
Broderip, Francis. 240. Siehe audi 

„ Longman & Broderip". 
Broderip & Wilkinson. 243. 
Brodmann, Josef. 223. 
Broschi, Carlo. 220. 
Brown, A. *348. 352. 353. 356. 
Briick, Mathias. 260. 
Brunelli, Antonio. 80. "214. 215. 
Domenico. 215. 
— Lorenzo. 215. 
Bruni, A. 212. 226. 258. 259. 266. 

418. 419. 
Bruno, Erzbischof von Coin. 290. 
Bruyn, Nicolas de. 63. 
Buchholz, Carl August. 324. 
Buchwald, Georg. 305. 
Buhle, Edward. 286. 
Biilow, Hans v. 436. 
Burbure, Leon de. 257. 258. 
Burkhard, Barbara. 270. 

Regina Barbara(Maria Regina?). 
270. 

.... 270. 
Burney, Charles. 220. 225. 424. 
Buschmann, Eduard. 402. 413. 



Buschmann, Friedrich. (Christian Fried- 
rich Ludwig.) 339. 353. 
402. 413. 

Gustav Adolph. 413. 
Johann David. 396. *400. 
401-403. 412. 413. "415. 

Buterne, .... 375. 



Caavella, Alfonso. 2S. 
Caldera, Luigi. 199. 206. 209. 
Caracci, Annibale. 109. 
Carafa, Michael. 253. 
Care[e]st, Goswin. 258 
Hans. 258. 
Josse [Joes]. 258. 
Cario, Agathon. 387. 
Carolina Augusta, Kaiserin von Oester- 

reich. 225. 
Cartheuser, Johann. 260. 
Casaglia, Ferdinando. 219. 224. 284. 
Casamorata, Luigi Ferdinando. 219. 440. 
Case, George. 354. 
Caspar, Eugen. Siehe „Casparini". 
Casparini, Adamo Orazio. 365. 

Eugenio. 292. 362. 305. 
Johann Gottlob. 365. 
Caspersohn, H. 162. "214. 216. 
Castiglioni, Luigi. 89. 
Cavaille-Coll, Aristide. 292. 
Cavoti, P. 219. 
Cersne, Eberhard. 53. 
Chedeville, Nicolas [le Cadet]. 375. 
Cherubini, Maria Luigi. 353. 
Chickering, Jonas. 120. Siehe audi 

» Register derSammlungen" (Boston). 
Chippendale, Thomas. 163. 
Chladni, Ernst Friedrich. 236. 274. 372. 

383. 395—398. 401. 402. 412. 
Chopin, Frederic. 253. 
Chouquet, Gustave. 244. 435. 441. 
Chrysander, Friedrich. 436. 
Claudi, Romilda. 254. 
Claudius, C. 438. 

Clemens August, Kurftirst von Coin. 269. 
Clementi, Muzio. 243. 
Closson, Ernest 257. 382. 
Cnaeps, Naenken. 254. 
Collaert, Adrian. 297. 298. 
Collard & Collard. 243 
Colson, .... *377. 381. 413. "415. 

— [Fils]. 413. 
Compenius, Esajas. 292. 356. 

Heinrich. 326. 356. 
Ludwig. 356. 
Concone, Giuseppe. 413. 

Louis. 398. *399. 413 "415. 
Coques, Gonzales. (Tafel vor S. 89). 
Correr, Giovanni. 87. 436. 439. 
Corrette, Michel. 376. 



458 



Namenregister 



Cosimo III. [dei Medici], GroBherzog 

von Toscana. 72. 216. 
Couchet, Jean. 54. 76. 113. 
Courtain, Jakob. 323. 359. 
Coussemaker, Ch.Edmond Henri de. 437. 
Cristofali (Cristofani, Cristofoli), Barto- 

lomeo. 116. 216. 220. Siehe: 
Cristofori, Bartolomeo. 54. 56. *69. *70. 
71. 72. 79. 100. *101. *102. 
103. 104. 115-117. 120. 121. 
126. 138. 170. *171. *172. 173. 
174. 199. 200. 211. °214. 216. 
"217. "218. 219. 220.224. 244. 
258. 284. 427. 428. 
— Francesco. 216. 

... [Sangerin]. 138. 
Crosby -Brown [Mrs.]. 435. Siehe 
anch „ Register der Sammlungen" 
(New York). 
Croy d' Havre [Due de]. 259. 
Crudeli, Federigo. 220. 

Giuseppe. *77. 79. "218. 220. 
Cuisinie, .... 383. 



Dale, William. 440. 
Damian, .... 353. 
Daniel [Freres]. *150. 151. 220. 
Danzi, Franziska. 225. 

— Innocenz. 225. 
Davies, Cecily. 388. 

Marianna. 388. 
Day, C. R. 440. 

Debain, Alexandre Francois. 164. 338. 
Deckert, Johann Nicolaus. 50. "218. 220. 
Deiff, Gregor. 194. "221. 223. 
Delaunay, .... 376. 
Delaval,"E. 387. 
Delouche [Madame]. 249. 
Dessane, Louis. 353. 
Deudon, .... 389. 
Dienel, Otto. 324. 

Dietz, Johann Christian. 205. 206. 223. 
396. 398. MOO. 401. 414. 

— Johann Christian (Sohn). 206.*207. 
209. "221. 223. 

— Christian "(Enkel). 205. 206.*208. 
"221. 223. 

Dinguy, . . . 375. 
Dlabacz, Joh. Gottfried. 355. 
Dohnal, Joseph. *166. 168. 223. 
Joseph [Sohn]. 223. 
— Thekla. 223. 
Dolge & Co. 262. 265. 
Doll, .... 270. 

Euphrosine. 270. 
Dominicus Pisaurensis. 24. *25. 27. 28. 

53. 88. 219. "222. 224. (430.) 
Dommer, Arrey v. 11.87.117. 119.286. 
Donat, Christoph 225. 



Donat, Johann Jacob. *32. 36. "221. 

225. 
Donizetti, Gaetano. 376. 
Dreyfus, Charlotte. 355. 
Driggs, . . . 245. 
Duarte, Gaspard F. 113. 
Dulcken, Anton. 225. 

Jean Louis. *180. 182. "222. 

225. 

Johann Daniel. 225. 

Louis [Vater]. 225. 

Sophie. 225. 

Violande. 225. 
Dumas, A. Fils & Colin. *406. 420. 423. 
Dunham, . . . 245. 
Diinnwald [Baron v.]. 243. 
Dussek, Johann Ludwig. 389. 



Eggers, Luise Antoinette. 239. 

Ehrbar, Friedrich. 280. 

Eichel, E. 270. 

Eisel, Johann Philipp. 11. 

Eitner, Robert. 10. 215. 253. 269. 

Elisabeth, Konigin von Bohmen. 56. 

Elisabeth, Konigin von England. 55. 293. 

Endres, Katharina. 261. 

Engel, Carl. 200. 425. 427. 434. 440. 

Epstein, Richard. 219. 

Erard, Jean Baptiste. 226. 

— Pierre. 193. 226. "227. 
Sebastien. 110. 119. 120. 131. 
193. 197. 199. 226. "227. 249. 

Erhard, Sebastian. Siehe „ Erard". 
Eschenbach, Bernhard. 261. 336. 337. 

359. 413. 

Johann Tobias. 336. 
Este, Ercole II. d'. 89. 

— Lucrezia d'. 224. 

(Siehe auch: „ Franz Ferdinand"). 
Estey, Jacob. 339. 
Eule, Hermann A. 328. 



Faber, Daniel Tobias. 22. 

— Nikolaus. 291. 
Fahne, Anton. 290. 
Falkenhagen, . . . 324. 
Fani[?], Luigi. *61. 64. 229. 
Farinelli (Carlo Broschi). 220. 
Faulhaber, Sybilla Euphrosine. 262. 
Ferrini, Giovanni. 219. 220. 
Ferry, Francois. Siehe „Feury". 
Fetis, Francois Joseph („Biographie uni- 

verselle"). 11. 100. 215. 219. 220. 

226. 240. 250. 253. 259. 260. 265. 

266. 270. 337. 349. 355. 359. 360. 418. 
Fett, Henry. 433. 
Feurich, August. 254. 



Namenregister 



459 



Feurich, Julius. 254. 

Feury, Francois. 376. 379. 414. "415. 

Ficker, Friedrich. 383. 

Fischer, Emil. 230. 

Johann Gottfried. 366. 
Fischhof, Joseph. 18. 164. 236. 249. 280. 
Fleischer, Johann Christoph. 24. 

Oskar. 231. 245. 433 434. 
440. 441. 
Floriani, Benedetto. *58. 59. 229. "416. 
Foerner, Christian. 292. 
Forkel, Johann Nikolaus („Musikalischer 
AlmanachM. 230. 239. 240. 265. 266. 
269. 270. 274. 280. 424. 
Francke, A. H. 210. 229. 

Theophil. 229. 
Franco, Qiov. Francesco. *106. 108. 
°222. 229 
— Stefano. 229. 
Franklin, Benjamin. 387—389. 
Franqueville [Comte de]. 226. 
Franz Ferdinand, Erzherzog von Oester- 

reich-Este. 439. 441. 
Frick, Joseph Philipp. 38S. 
Friederici, Christian Ernst. 116. 229. 
230. 232. 362. 430. 
Christian Ernst Wilhelm. 230 
— Christian Gottfried. 229. 

Christian Gottlob. 50. *140. 
142. 143. 202. *203. °227. 229. 
230. 

Christiane Dorothee. 229. 
Ernst Ludwig. 230. 
Eva Maria. 229. 
Johann. 229. 

Johanne Christiane Wilhel- 
mine. 230. 
Friedrich, Markgraf von Bayreuth. 235. 
Friedrich II. (der GroBe), Konig von 

PreuBen. 116. 244. 425. 
Friedrich August III., Kurf first von 

Sachsen. 417. 
Friedrich Wilhelm I., Konig von PreuBen. 

324. 
Friedrich Wilhelm III., Konig von 

PreuBen. 274. 
Fritsche, Gottfried. 292. 
Frobel, . . . 366. 
Fruchador, Raymundo. 383. 
Fiirbringer, Johanne Christiane Wilhel- 

mine. 230. 
Furstenau, Moritz. 84. 200. 382. 



Gabler, Josef. 369. 
Galimbert, . . . 410. 
Gall, Franz Joseph. 277. 
Gallay, J. 212. 258. 266. 
Galle, Philipp. 297. 298. 
Gallhann, Thekla. 223. 



Gand, Ernest, 438. 
Gangler, Andreas. 230. 

Barbara. 230 
Gansbacher, Johann. 407. 

Garbrecht 383. 

Gaum, Johann Friedrich. 262. 
Gay, .... 383. 
Gebel, Georg. 430. 
Gellinger, Andreas. 230. 

— Anna Katharine. 230. 
Barbara. 230. 

— Israel. *69. 71. "227. 230. 
Israel [der Jiingere]. 230. 

Genard, P. 433. 

Gerber, Ernst Ludwig ,, Lexicon der Ton- 
kiinstler"). 11. 45. 141. 167. 16S. 
188. 197. 205. 220 ff. 327. 328. 
356 f. 376. 401. 408. 409. 
Heinrich Nicolaus. 45. 
Gerbert, Martin [Abt]. 374. 
Gerstenbergjer], Hanss. 231. 

— Johann David. 45. *47. 

°228. 230. 259. 
Susanne. 231. 
Gibb, William. 87. 440. 
Giusti, Joannes Baptista. *92. 93. 96. 
99. *105. "228. 231. 
— Leopoldo A. 89. 
Glanz, Joseph. 280. 
Gleichmann, . . . 337. • 

Johann Georg. 383. 
Godwin, John. 278. 
Goethe, Johann Wolfgang v. 142. 220. 

229. 429. 430. 
Gori, L. 219. 
Graf, Conrad. 120. 
Graichen, Johann Jakob. 362. 
Grassa, . . . 389. 
Greifenhagen, Johann Rudolph. 142. 
"228. 231. 

Rosine Sophie. 231. 
Greiner, Johann Carl. 383. 
Grenie, Gabriel Joseph. 336. 338. 360. 
Gretschel, Heinrich. IS. 134. 
Grove, George („Dictionary" . 11. IS. 
60. 84. 93. 114. 167. 173. 183. 199. 
215 ff. 337. 425. 
Guarinoni, Eugenio de'. 434. 
Guido von Arezzo. 19. 
Guth, Joh. Georg Michael. 128. *130. 
'228. 231. 



Haase, Dorothea. 231. 
— George [Vater]. 231. 
— 34. °228. 231. 
Habeneck, Francois Antoine. 353. 
Haeckl, Anton. * *334. 337. 340. "358. 

359. 
Hahn, Albert. 167. 



460 



Namenregister 



Haidecki, Alexander. 12. 223. 232. 236. 

249. 273. 280. 435. 
Haiden, Hans. 382. 383. 
Haidinger, Maximilian. 164. 
Halevy, Jacques Fromental. 353. 
Hamel, Marie Pierre. 360. 
Hammer, Christian. 439. 
Hammerich, Angul. 434. 
Handel, Qeorg Friedrich. 54. 
Hass, Albert. 24. 54. 

— Hieronymns Albrecht. 54. 
Hauptmann, Anna Renata. 253. 
Hanser, Johann Hermann. 41. 231. "233. 
Haydn, Joseph. 120. 239. 
Hayward, John. 428. 
Head, W. H. 293. 
Hebenstreit, Pantaleon. 115. 
Heinrich, Franz. 422. 
Heinrich II., Konig von Frankreich. 374. 
Heinrich III., Konig von Frankreich. 374. 
Heinrich VIII., Konig von England. 84. 
Heise, F. 306. 
Henfling, Conrad. 167. 
Henselt, Adolf. 193. 
Heron von Alexandria. 290. 
Herrmann, F. A. 328. 
Herz, Henri. 118. 
Hesiod. 66. 

Hesse 305. 

Hessel 389. 

Heussler, Johann. 359. 

Urban. 325. 359. 
Hieronymns Bononsiensis. 53. 
Hildebrand, Friedrich 122. *123. 151. 
231. °233. 

Johann Gottfried. 232. 
Zacharias. 87. 231. 292. 
319.328. 329 359. 361.366. 
Hille, Johann George. 319. 320. 
Hiller, Ferdinand. 193. 

Johann Adam. 270. 365. 408. 
Hipkins, Alfred James. 18. 28. 29. 84. 

87. 114. 117. 173. 200. 219. 220. 

257. 278. 366. 383. 412. 440. 
Hirl, Wilhelm. 110. (430.) 
Hlavizek, .... 138. 
Hodsoll, William. 153. 232. "233. 280. 
Hoffheimer, E. 293. 
Hoffmann, .... *40. 42. 

Johann Wilhelm. 235. 
Hoffmeister, Franz Anton. 188. 
Hofmann, Ferdinand. *146. 148. 178. 

232. "233. 
Hohenlohe-Schillingsfiirst, Gnstav Adolf 

Prinz zu [KardinalJ. 17S. 
Hohlfeld, Johann. 383. 
Horn, Gottfried Joseph. 49. 232. °233. 
Johann Gottlob. 201. 232. "234. 
Horiigel, M. 351. 360. 
— Paul. 360. 



Horwood. Siehe „Norwood". 

Hubert, Christian Gottlob 24. 44. 46. 

*48. *57. 131. 174. *176. "234.235. 

240. 
Hiibsch, Johann Georg Gotthelf. 167. 
Hiillmandel, Nikolaus Joseph. 257. 
Hummel, Carl. 193. 

Johann Nepomuk. 118. 142. 
"192. 193. 402. 
Hupfeld, Ludwig. 3S4 3S6. 
Huygens, Constantin. 113. 



Jacob I., Konig von England. 56. 

Jalin, Otto. 301. 389. 

Jahns, Friedrich Wilhelm. 404. 407. 

Janko, Paul v. 167. 210. 429. 

Janot, .... 375. 

Janssen, Heinrich. 189 236. "237. 

Konstantia Maria. 236. 
Jantzen, E. 426 
Jbach, Carl Rudolf. 236. 
Gustav. 236. 

— Hans. 239 

Johannes Adolph. 154. 158. 161. 
195. 236. "237. 316. 

— Max. 239. 

— Richard. 236. 

Rudolf [SohnJ. 5. 110. 142. 164. 

167. 236. 

Rudolf [jun.J. 239. 

— Walter. 239. 

Jehmlich, Bruno u. Emil [Gebrtider]. 309. 

Johann . . (in Coin). 290. 

Johann von Arragonien. 19. 

Johann Georg, Kurfiirst von Branden- 
burg. 324. 

Jonckbloet, W. J. A. 113. 

Isabella, Konigin von Spanien. 200. 

Julius II. (Giuliano della Rovere) [PapstJ. 
294. 

Jin-gens, Wilhelm O. 360. 



Kaidinger. Siehe ,, Haidinger". 
Kaiser,"Georg. 402. 417. 
Kalischer, Alfred Christlieb. 279. 
Kalkbrenner, Friedrich. 253. 
Kant, Immanuel. 383. 
Kapp, Julius. 195. 
Rarest, Claes. 258. 

Josse [Joes, JobstJ. 258. 
Karl XV., Konig von Schweden. 410. 
Karl August, Grofiherzog von Sachsen- 

Weimar. 142. 
Karl der GroBe. 290. 
Karl Theodor, Kurfiirst von Bayern. 225. 
Karth, Anna Maria. 367. 
Katsche, Klara. 273. 



Namenregister 



461 



Kaufmann, Friedrich (jun.) 407. 418. 
Friedrich Theodor. 417. 
Friedrich Theodor (jun.) 41S. 
Johanna Sophia. 417. 
(Joh.) Friedrich. 397. 403. 
404. *405. 417. 41S. 
Johann Gottfried. 397. 404 
417. 

Keitel 232. 

Killian. Elisabeth. 246. 
Kinsky [Fiirstin]. 212. 
Kircher, Athanasius. 387. 
Kirchgessner, Marianne. 389. 
Kirkman, Abraham. 424. 425. 
Henry John. 425. 
[Kirchmann], Jakob. 54. 423 bis 
425. 

Joseph (I) 425. 
(II). 425. 
(III). 199. 425. 
Kirsnik, .... 336. 
Klabe, Gottlieb August. 232. 235 280. 370. 
Klein, Heinrich. 389. 

— Johann. 260. 
Klems, J. L. 278. 
Klotz, Gustav. 327. 
Koch, Heinrich Christoph. 11. 23. 197. 

Mathias. 428. 429. 
Kochel, Ludwig v. 389. 
Kolb, Dorothea. Franziska. 262. 
Konnicke, Johann Jacob. 120. 182. "238. 

239. 
Konstantin Kopronymos, Kaise